Angekommen 2!

22. Sep 2011 | von | Kategorie: Freiwillige 2011/12, Lukas Ott in Bolivien

Hallo Blogleser.

Nach 2 Wochen in Cochabamba in der Sprachschule bin ich jetzt in Sucre angekommen.
Nachdem ich mich von meiner Gastfamilie und am Flughafen auch von Steffen vorerst verabschiedet habe, ging es mit einem bolivianischen Billigflieger in 20 Minuten von Cochabamba nach Sucre. 28 Euro hat das umgerechnet gekostet. Die Alternative dazu wären 12 Std Busfahrt, inklusive betrunkenem Busfahrer, der Cocablätter kaut, über Schotterpisten.

In der halbgefüllten Maschine war der Flug sehr angenehm und wegen der geringen Reisehöhe konnte man auch einiges von der Landschaft sehen. Diese war auf dieser Strecke total zerklüftet und kaum bewohnt.
Am Flughafen angekommen wurde ich sehr nett von zwei Mitarbeitern meiner künftigen Arbeitsstätte, dem ETI, in Sucre empfangen. Die Fahrt zum ETI dauerte dann nochmal 20 Minuten, und auch auf dieser Fahrt gab es einiges zu sehen, denn im Gegensatz zu Cochabamba ist Sucre sauberer, ruhiger, schöner! Am Strassenrand steht eine Sau, die Sonne scheint, und vor mir eine weisse Stadt – das waren meine ersten Eindrücke von Sucre.

Das Projekt liegt etwas ausserhalb von Sucre, und das Zentrum ist in etwa 10 Minuten zu erreichen. Im Projekt gibt es mehrer Abteilungen: Nähwerkstatt, Bäckerei, Kantine, Physiotherapie, Kindergarten, Schule, Sportplatz, Unterkünfte. Alles in allem ein sehr ausgereiftes Projekt. Gut organisiert, gute Räumlichkeiten – wenn auch zu wenige, gutes Personal und sehr sauber. Meine Chefin und das gesamte Personal sind sehr nett und kümmern sich hervorragend um mein Wohl.

Ich arbeite in der Schule in einer integrativen Klasse. Die Klasse ist etwa so groß wie eine deutsche Schulklasse, also etwa 25 Schüler. Die Schule beginnt um 8.15 und endet zwischen 12 und 12.30. Der Unterricht ist sehr hektisch. Es scheint als wäre knapp die Hälfte der Klasse hyperaktiv. Fliegende Stifte,
Geschrei, Schläge, Tritte und Kinder, die auf dem Boden liegen, sind normal. Die Lehrerinnen leisten ganze Arbeit, um “den Haufen” zu bändigen. Ich kann dabei leider noch keine allzu große Hilfe sein, da mein Spanisch noch nicht ausreicht, um mich mit den Kindern anzulegen. Meine Sprachkenntnisse verbessern sich zwar von Tag zu Tag, aber als ich gestern alleine auf die Klasse aufpassen sollte, fühlte ich mich eher
wie in einem Kriegsfilm als in einer Schulklasse. Doch ich gewöhne mich so langsam an diese Umstände und finde auch immer bessere Wege, um mit den Kindern in Kontakt zu kommen. So werde ich auch immer ganz liebevoll “Tio Lukas” (Onkel Lukas) genannt.
Jeder hier kennt mich schon, weiß meinen Namen und grüßt mich sehr nett, während es mir schwer fällt, mir auch nur einen Bruchteil der Namen zu merken.

Am Nachmittag arbeite ich dann in der Hausaufgabenbetreuung. Hier geht es um einiges gelassener zu als am Vormittag. Es kommt mir so vor, als hätten die Kinder ihre ganze Energie am Vormittag verbraucht und bräuchten nun auch ein wenig Pause. Um 5 ist mein Dienst dann getan und ich kann mich ein wenig ausruhen.

Ich wohne im Projekt in der so genannten Residenz, in der auch etwa 25 Behinderte dauerhaft leben. Mein Zimmer hat ein eigenes Badezimmer und ist um einiges geräumiger als mein Zimmer in Cochabamba. Ein bisschen mehr Abstand zu der Arbeit würde mir aber besser gefallen. So kann ich mich nach meinem anstrengenden Arbeitstag nur begrenzt ausruhen. Deshalb werde ich mich bei Gelegenheit nach einer Wohnung in der Stadt umschauen. Andererseits kann ich so immer schön lange schlafen, was auch nicht so schlecht ist!

Heute ist in Bolivien Frühlingsanfang, und auch diese Gelegenheit wird nicht ausgelassen, um einen Feiertag einzubauen. Ausserdem ist heute noch Tag der Freunde, Tag der Studenten und Tag der Geliebten (wenn ich es richtig verstanden habe). Insgesamt gibt es in Bolivien eine Vielzahl von Feiertagen, von denen ich noch nie gehört habe. Aber man feiert eben sehr gerne und viel in Bolivien und mir scheint, dass das Volk auch so bei Laune gehalten wird. Jedenfalls gab es auch bei uns in der Schule eine Fiesta, bei der einige Spiele gespielt und einige Tänze getanzt wurden. Ich selbst habe mit den Physiotherapeuten einen klassischen bolivianischen Tanz aufgeführt. Wir haben allerdings die Geschlechterrollen getauscht, sodass wir trotz
sehr schlechtem Tanz für unsere Kostüme tobenden Beifall erhielten.

Mir geht es hier also blendend und ich hoffe, ich komme in nächster Zeit häufiger dazu, etwas hier zu schreiben.

Bis dahin schöne Grüße aus Bolivien!
Lukas

Tags: , , , ,

Kommentieren