Anti-Mobbing-Poster und hundert Freikarten

Nichts scheint mehr normal an diesem Freitagmorgen, wenige Stunden vor dem Anpfiff des WM-Eröffnungsspiels im Soccer City Stadion von Johannesburg. Schon morgens um fünf werde ich von einem lauten Vuvuzela-Konzert geweckt. Auf dem Weg ins Büro sehe ich Menschen auf den Straßen tanzen, hupen und Fahnen in den südafrikanischen Landesfarben schwenken. Sogar Bankangestellte und die Kassiererinnen im Supermarkt sind heute mit Trikots und Fahnen ausgestattet.

Auch im Büro von Media Monitoring Africa sind alle in Fußballtrikots erschienen, schließlich wollen wir pünktlich um 16 Uhr gemeinsam die Nationalmannschaft anfeuern. Doch bis dahin gibt es noch viel zu tun. Die morgige Kinderpressekonferenz muss noch vorbereitet werden, außerdem haben wir für zehn Uhr eine Kindergruppe in die Troyeville Grundschule eingeladen. Mit ihnen wollen wir ausprobieren, was uns Kinderrechtsexpertin Glynis Clacherty gestern in einem Workshop beigebracht hat.

Tebongo (rechts) und Fortune im Gespräch mit Kinderrechtsexpertin Glynis Clacherty. Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

„Mir ist jetzt schon langweilig“, beschwert sich der 11-jährige Fortune bei der Begrüßung. Dabei haben die verlängerten Schulferien gestern erst begonnen. Doch während die Kinder die nächsten fünf Wochen zu Hause sind, müssen ihre Eltern auch während der WM arbeiten – eine Tatsache, die die Regierung im Vorfeld nicht bedacht hat. Eltern, Lehrer und auch Projektpartner sind in diesen Tagen umso besorgter, dass die Jungen und Mädchen nicht wissen, was sie mit der zusätzlichen Freizeit anfangen sollen. Einige Projektpartner des Kindermissionswerks haben deswegen eine Vielzahl an Kinderferienprogrammen entwickelt, so auch Media Monitoring Africa.

"Anti-Mobbing-Poster"
Anti-Mobbing-Poster

Mithilfe von Spielen, Zeichnungen und Diskussionen beschäftigen wir uns in einer  Kleingruppe mit den Berufswünschen und –chancen der Mädchen. Eine Jungengruppe behandelt das Thema Mobbing in der Schule. „Ich werde oft wegen meiner großen Nase gehänselt“, erzählt Tebogo. „Ich fühle mich schlecht, wenn ich daran denke, wie oft ich schon andere gehänselt habe“,  gesteht Fortune. Um Lehrer und Mitschüler auf das Thema aufmerksam zu machen, entwerfen die Jungen kunterbunte Anti-Mobbing-Poster für die Klassenräume und Lehrerzimmer. Dann heißt es schnell zusammenpacken, damit alle rechtzeitig zum Anpfiff wieder zu Hause sind.

Und während heute alle das Eröffnungsspiel in den Straßen oder zu Hause verfolgen, freut sich Tebogo schon auf die Partie Argentinien – Südkorea am 17. Juni. Ein asiatischer Autokonzern hat seiner Schule hundert Tickets für das Spiel geschenkt. „Und ich bin dabei“, verrät er stolz. Kein Wunder, dass der Zwölfjährige bei der WM neben der südafrikanischen auch die argentinische Mannschaft anfeuern wird.