Eine andere Facette Brasiliens

Mittwoch, 25. Juni 2014 von Anna Moser
Ein deutscher Fan im Gespräch mit einem Jugendlichen von AdoleScER. Foto: Renato Spencer/Getty Images

Ein deutscher Fan im Gespräch mit einem Jugendlichen von AdoleScER. Fotos: Renato Spencer/Getty Images

Stadien, Shoppingcenter und Strandressorts – das ist die eine Seite Brasiliens, die die Fans der deutschen Nationalmannschaft in den letzten Wochen kennengelernt haben. Heute haben sie eine ganz andere Facette von Brasilen erlebt. Zusammen mit einer Gruppe von zwölf Fans sind wir nach Caranguejo, ein Armenviertel in Recife, gefahren. Hier hat die Organisation AdoleScER einen ihrer Projektstandorte. Gewaltprävention und Gesundheitsarbeit mit Jugendlichen sind die wichtigsten Säulen der Arbeit von AdoleScER.

Da sind wirklich Welten aufeinander geprallt. Heute wird in Brasilien das Johannesfest (São João) gefeiert. Die Menschen zünden viele Böller, in den Straßen werden Feuer gemacht und von überall her dröhnt laute Musik. Außerdem ist es leider auch ein Tag, an dem Alkohol und Drogen in Caranguejo besonders präsent sind.

An einer Hauswand deutet eine Zeichnung auf den Namen des Armenviertels hin.

Immobilienspekulation bedroht die Heimat der Menschen, die hier leben, denn Caranguejo liegt recht zentral in der Metropole Recife. Die langjährige Projektkoordinatorin Gunde Schneider erklärt den Besuchern den Ortsnamen: „Caranguejo bedeutet Krebs. In den Becken hinter den Wohnhäusern fischen viele Bewohner und verkaufen ihren Fang dann an Großproduzenten. Der Name hat aber auch eine andere Symbolik. Das Viertel Caranguejo existiert so seit etwa 40 Jahren und es hat sich in der Zeit wenig verändert. Wir gehen nicht nach vorne, sondern bewegen uns lediglich zu den Seiten, wie ein Krebs – bis wir bald an die Hochhäuser Recifes stoßen.“

Die Jugendlichen bei AdoleScER beschäftigen sich mit Themen wie Bürgerrechten, Gewaltprävention oder Drogen. Nach dem Prinzip der peer-education klären sie ihre gleichaltrigen Freunde auf. Dieses Schneeballprinzip hat den Fans anschaulich vor Augen geführt, was nachhaltige Projektarbeit in der Praxis bedeuten kann.

Die Jugendlichen haben uns gezeigt, wo sie leben und wie ihr Alltag aussieht. Die Fans haben die Eindrücke und Informationen wie Schwämme aufgesogen. „Das ist eine komplett andere Welt“, war häufig von den Fans zu hören. „Aber wir kommen nicht nur wegen des Fußballs. Wir möchten auch das Land kennenlernen und verstehen“, hat einer aus der Gruppe gesagt. Die Lebensumstände an sich, aber auch der Umgang mit den Hürden und die lebensbejahende Einstellung haben die Fans sichtlich beeindruckt. Fließend Wasser gibt es hier erst seit ein paar Monaten. Das ist mit ein Grund für die hygienischen Verhältnisse in dem Viertel.

Gruppenfoto zum Abschied

Gruppenfoto zum Abschied

Die schlecht funktionierende Müllentsorgung hat die Fans geschockt und viele Fragen aufgeworfen: „Ist das nicht gefährlich, wenn man hier jeden Tag barfuß lang läuft? Kommt die Müllabfuhr zu euch? Wieso gibt es keine Mülleimer? Welche Visionen habt ihr für euer Viertel?“ Die Jugendlichen haben erzählt und die Fans haben an ihren Lippen geklebt. Sie sind eingetaucht in eine andere Welt. Hinterher haben mich viele der Fans angesprochen und versucht, ihre Eindrücke zu artikulieren. Immer wieder sind die Worte „Ungleichheit“ und „Kontraste“ gefallen – sowohl zwischen Deutschland und Brasilien, als auch innerhalb Brasiliens. Beim Abschied haben sich die Fans mit Trikots der Nationalmannschaft und einer Geldspende für die Eindrücke bedankt. Besonders bedankt haben sie sich dafür, mitgenommen worden zu sein in diese andere Welt, in der die Menschen so wenig haben und doch so viel daraus machen.

 

„Was wir hier heute sehen, war für mich vorher unvorstellbar.“

Samstag, 21. Juni 2014 von Anna Moser

Mit dem Bus starten wir am Hotel und kommen ganz gut durch den Verkehr von Fortaleza. Es ist viel los während der WM, die Stadt ist voller Touristen, wie die anderen Spielorte auch. Nach einer halben Stunde Fahrt kommen wir am imposanten Fußballstadion der Stadt, an der Arena Castelão, vorbei. Es ist eines der für viel Geld umgebauten Stadien, die in der Kritik stehen, weil es in Fortaleza gar keinen Erstligisten gibt, der es nach der WM nutzen wird.

Die Müllsammler in Jangurussú leben von dem, was andere wegwerfen. Fotos: Drawlio Joca/Getty Images

Die Müllsammler in Jangurussú leben von dem, was andere wegwerfen. Fotos: Drawlio Joca/Getty Images

Nur fünf Minuten weiter und wir sind da: Jangurussú, ein Armenviertel am Stadtrand von Fortaleza. Hier arbeitet die Cáritas Ceará mit den Kindern des Viertels. In Jangurussú leben die meisten Familien vom Müll. Früher haben die Leute – Erwachsene wie Kinder – die Müllkippe nach Brauchbarem durchsucht, Gefundenes sortiert, benutzt und gegebenenfalls weiterverkauft. Mittlerweile hat sich die Arbeit weiterentwickelt, die Menschen haben sich zu einer Kooperative zusammengeschlossen und der nationalen Bewegung der Müllsammler angeschlossen. Heute arbeiten die Eltern in einem Recyclinghof, während ihre Kinder zur Schule gehen und danach am Programm PIAJ (Programa Infância, Adolescencia, Juventude) teilnehmen. Hier finden Kunst- und Kulturkurse statt und die Kinder setzen sich mit ihren Rechten, ihrer Identität und ihrer Lebensrealität auseinander – Themen, die für ihre weitere Entwicklung relevant sind.

Der Kontrast zwischen der glänzenden Hotelwelt, aus der wir angefahren kommen und dem Projektort, ist riesig. In dem Recyclinghof trennen die Menschen den ankommenden Müll nach Material. Eine Presse stampft Stapel aus Pappe zusammen, PET-Flaschen kommen in eine andere Ecke, Getränkedosen werden zu Würfeln gepresst. Die Arbeit findet mit bloßen Händen und barfuß statt. Am Ende des Monats gibt es etwa 500 brasilianische Reais, umgerechnet etwa 180 Euro. Das ist weniger als der Mindestlohn.

Die Besucher aus Deutschland waren sichtlich bewegt von dem Besuch im Recyclinghof.

Die Besucher aus Deutschland sind sichtlich bewegt von dem Besuch im Recyclinghof.

Sebastiana, die Koordinatorin des Recyclinghofs, arbeitet selbst hier und erklärt den Besuchern die Arbeitsabläufe. „Es ist wichtig, dass wir uns weiter vernetzen – lokal und national. Das macht uns stark, so können wir Einfluss auf die Politik nehmen und auf die Firmen, die den Müll produzieren.“ Hinterher erzählen mir einige aus unserer Gruppe, dass sie nicht recht wussten, wie sie sich fühlen sollten. Einerseits das Interesse, die Lebensumstände, die Arbeit und die Schwierigkeiten der Menschen kennenzulernen, andererseits das Gefühl, völlig fehl am Platz zu sein, die Armut anderer anzuschauen und viel zu wenig dagegen tun zu können.

Die Kinder führen die Legende vom Ochsen auf.

Die Kinder führen die Legende vom Ochsen auf.

Einfacher war es, mit den Eindrücken aus der Arbeit von PIAJ umzugehen: Die Kinder haben uns ihre Kultur ein Stückchen näher gebracht. Erst haben sie die Legende vom Ochsen boi mirim getanzt, mit bunten Kostümen und ausdrucksvoller Musik. Dann kam die Banda de Lata – die Blechbüchsenband – auf die Bühne, bei der die Kinder auf recycelten Blechbüchsen trommeln. Das hat die Besucher während der letzten Tage immer wieder beeindruckt, wie Leute in den Projekten Wert in Dingen sehen, die von anderen ausrangiert und weggeschmissen worden sind.

DFB-Präsident Wolfgang Niersbach fand gegenüber Sebastiana und den anderen Müllsammlern schöne Worte: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie ihr von dem lebt, was andere wegschmeißen. Was wir hier heute sehen, war für mich vorher unvorstellbar. Mein tiefer Respekt allen, die an dem Projekt mitwirken.“

Video vom Besuch in Fortaleza >>

 

Kinderträume in Arraial d’Ajuda

Donnerstag, 19. Juni 2014 von Anna Moser

Gemeinsames Foto mit dem zwölfjährigen Anderson. Foto: privat

Ein schüchternes Lächeln zur Begrüßung. Wenig später sitzt Anderson, zwölf Jahre alt, neben mir auf der Bank. Er hat es nicht leicht im Leben, aber davon sagt er kein Wort. Anderson wächst bei seiner Oma auf, seine Eltern kennt er kaum. Seitdem er sieben ist, seit der Gründung der Nachmittagsbetreuung „Filhos do Céu“, „Kinder des Himmels“, in Arraial d’Ajuda kommt er jeden Tag ins Projekt. Dreimal die Woche kommt er zum Capoeiratraining, an den anderen Tagen sitzt er häufig mit seinen Freunden in der kleinen Bibliothek des Projekts und blättert in den Büchern.

Madalena, die Leiterin des Projekts, sagt: „Für ihn ist es sein Projekt. Er fühlt sich verantwortlich, dadurch dass er von Anfang an dabei war.“ Hier fühlt Anderson sich zu Hause. Nach der Schule kommt er hierhin, erzählt den Erzieherinnen von seinem Tag. Er isst hier zu Mittag, bietet seine Hilfe in der Küche an – beim Kochen und Fegen. Es ist traurig zu wissen, dass sein eigentliches Zuhause ihm nicht die Fürsorge geben kann, die er braucht. Gleichzeitig ist es wunderschön zu sehen, dass er mit dem Projekt einen Ort gefunden hat, der ihm ein Stück weit diese Geborgenheit zurückgeben kann.

Am nächsten Tag trifft die Fußballdelegation ein, um das Projekt kennenzulernen. Alle sind beeindruckt davon, dass ein Projekt mit so wenigen Ressourcen eine so tolle Arbeit leisten kann. Vor allem die Tatsache, dass die Arbeit fast ausschließlich auf Ehrenamt beruht, beeindruckt die DFB Präsidenten. Das kennen sie aus den deutschen Fußballverbänden und konnten gut nachvollziehen, wie viel Engagement in der Arbeit steckt. Und dann sind alles auch schon voll ins Projekt eingetaucht.

Die Capoeirista zeigen den Besuchern aus Deutschland ihr Können. Foto: Felipe Oliveira/Getty Images

Die deutsche Delegation hatte nicht nur einen Scheck über 12.500 Euro dabei, spontan entschied sie sich außerdem Turnmatten zu finanzieren, damit die Kinder sich bei ihren akrobatischen Capoeira-Übungen auf dem Steinboden nicht verletzen. Foto: Felipe Oliveira/Getty Images

Jugendlichen und Mütter nähen hier zum Beispiel gemeinsam Tischdeckchen, der Erlös geht wieder ins Projekt. Ligapräsident Dr. Reinhard Rauball und DFB-Vizepräsident Dr. Rainer Koch sind so begeistert von dem Handwerk, dass sie sich direkt ein paar Tischdeckchen für Zuhause kaufen. Dann geht es weiter in die kleine steinerne Turnhalle des Projekts zur Capoeiravorführung. Auch Anderson ist hier und zeigt uns seine Ginga – den Capoeira-Grundschritt – und macht ab und zu ein Salto – beeindruckend! Dann kommen alle in die Roda – der Kreis in dem alle klatschend um die tanzenden Capoeirsten stehen – und der Capoeiralehrer stimmt das Berimbau an – das traditionelle einsaitige Musikinstrument, zu dem geklatscht, gesungen und getanzt wird. Schnell ist das DFB-Präsidium angesteckt und mischt sich unter die Kinder. Rauball setzt sich zu den Kindern in den Kreis. Klasse moves, Peter Peters! Am Ende waren alle Hemden durchgeschwitzt und noch außer Atem verkünden die Präsidenten, dass sie sich spontan entschieden haben, die Turnmatten für das Projekt zu finanzieren. Diesen Wunsch der Kinder konnten sie schließlich gerade am eigenen Leibe nachvollziehen.

Der Besuch geht wieder viel zu schnell vorbei und während wir auf der Rückfahrt im Bus noch die Eindrücke aus dem Projekt nachklingen lassen, denke ich an Anderson und seinen Traum, später professioneller Capoeirist zu werden.

Video zum Besuch in Arraial d’Ajuda >>

 

Neugier, Interesse und Dankbarkeit

Samstag, 14. Juni 2014 von Anna Moser
Tanzaufführung für die Gäste aus Deutschland. Foto: Felipe Oliveira / Getty Images

Tanzaufführung für die Gäste aus Deutschland. Fotos: Felipe Oliveira / Getty Images

Cidade da Criança – das bedeutet Stadt der Kinder. Und das Motto wird in dem Projekt in Simões Filho in der Nähe der Millionenstadt Salvador auch gelebt. Bei dem Besuch unserer Delegation in der Einrichtung drehte sich heute alles um die Kinder. Mit großer Freude haben die Kinder in Musik- und Theateraufführungen die Kultur ihres Bundesstaates Bahia vorgestellt. Die Vertreter des Deutschen Fußball-Bundes – Eugen Gehlenborg (DFB-Vizepräsident), Reinhard Grindel (DFB-Schatzmeister), Dr. Rainer Koch (DFB-Vizepräsident) und Peter Peters (Vizepräsident des Ligaverbandes) – schauten gebannt zu und klatschten begeistert Beifall. Auch Britta Heidemann, Olympiasiegerin im Fechten, war mit dabei. Sie erzählte mir später, was das Allerschönste für sie war: die Fröhlichkeit, die die Kinder ausstrahlen. Die essentiellen Dinge rückten in den Mittelpunkt – zusammen musizieren, zusammen lachen, zusammensein.

Interessiert fragten die Fußballfunktionäre nach und waren erstaunt, dass die Kinder sich nach dem Pflichtunterricht freiwillig weiter unterrichten lassen. Im Projekt werden Nachhilfeunterricht und Vorbereitungskurse für die Uni-Aufnahmeprüfung angeboten.

selbstgemachte Törtchen aus der Bäckerei des Projekts

selbstgemachte Törtchen aus der Bäckerei des Projekts

Doch wie schafft es das Projekt, die Kinder zu motivieren? Wie kommt es, dass sie gerne hierher kommen, um mehr zu lernen? „Es macht Spaß, hier zu sein. Hier treffen wir unsere Freunde, hier haben wir eine gute Zeit“, lautete die Antwort der Kinder. In der Ausbildungsbäckerei gab es frisch gebackene Törtchen – heiß, aber sehr, sehr lecker! Und damit nicht genug der Verköstigung. Am Ende des Besuchs konnten alle die kulinarischen Spezialitäten der Region probieren: Acarajé, das sind kleine Bohnenbällchen, gefüllt mit Tomate und Krabben, dazu Vatapá, eine Kokos-Erdnuss-Paste aus der Region und süße Maniokküchlein. Für die Besucher war das eine ganz besondere Erfahrung und es war schön zu sehen, wie sie sich auf alles eingelassen haben – mit Neugier, Interesse und Dankbarkeit.

Das Logo „Sonhos de Crianças – Kinderträume“ wird am Projektgebäude angebracht.

Das Logo „Sonhos de Crianças – Kinderträume“ wird am Projektgebäude angebracht.

Die Projektpartner hatten das Gelände mit mit deutschen und brasilianischen Flaggen und den typischen bunten Fähnchen für São João, das Johannisfest, bunt geschmückt. Doch allem vorweg war es die Präsenz der Kinder, die den Ort zum Strahlen gebracht hat. Mit ihren schönen Präsentationen, der Fröhlichkeit und den neugierigen Nachfragen haben sie den Tag zu einem Festtag gemacht. Am Ende waren alle davon überzeugt, dass es ein toller und ganz besonderer Tag war. Nur bei der Frage nach dem künftigen Weltmeister konnten sich die Kinder und die Gäste nicht ganz einig werden…

Video vom Besuch in Simões Filho >>

 

Magnet Poldi

Donnerstag, 12. Juni 2014 von Anna Moser
Foto: Getty Images

Foto: Getty Images

Was für ein aufregender Tag im kleinen Fischerdorf Santo André! Alle Schulkinder hatten sich auf dem Schulhof versammelt und warteten gespannt auf die deutsche Nationalmannschaft. „Ist das ein Spieler?“, fragte mich die kleine Luiza und zeigte fragend auf einen deutschen Journalisten. Doch ein bisschen mussten wir uns noch gedulden, denn die Profikicker wollten nach ihrem Training noch flugs duschen.

Foto: DFB

Foto: DFB

Kurze Zeit später war es dann aber endlich soweit und Bastian Schweinsteiger, Lukas Podolski, Mesut Özil und weitere Nationalspieler betraten unter lautem Geschrei den Schulhof. Ab diesem Moment gab es kein Halten mehr. Ein Junge stürmte auf Poldi zu und schloss ihn fest in seine Arme. Die anderen Kinder folgten seinem Beispiel, klatschten die Spieler ab und Poldi und Co. nahmen die Kinder auf den Arm. Mir kamen Tränen in die Augen, so bewegend war der Augenblick. Es hat so viel Spaß gemacht!

Poldi zog die Kinder wie ein Magnet an. Die ganze Zeit über hat er mit ihnen gespielt und die Kinder waren nicht mehr zu bändigen. Jeder wollte ein Foto mit einem der Stars und einmal knuddeln. Es war ein großes Fest für die Kinder in Santo André!

Foto: DFB

Foto: DFB

Nach bunten Tanz- und Musikaufführungen eröffnete Matthias Ginter das gemeinsame Fußballspiel mit den Worten: „Toll, was ihr alles könnt! Jetzt zeigen wir euch mal, was wir am besten können!“ Die kleinen und großen Spieler haben auf dem Schulhof gekickt, was das Zeugs hielt – alle waren ganz in ihrem Element! Der Schiedsrichter musste das Spiel mehrfach abpfeifen, denn die Jungs wollten einfach nicht gehen. Die ersten Kinderträume sind heute schon wahr geworden!

Video vom Besuch in Santo André >>

 

Letzte Station: Farm „Moglia“ bei Montero

Dienstag, 12. April 2011 von Susanne Dietmann
Juan ist erst heute auf der Farm „Moglia“ angekommen. Zaghaft nähert sich der Elfjährige dem Nasenbären Coahi. Vorher hat der Elfjährige auf der Straße gewohnt, wie auch die 17 anderen Jungen, die in der Einrichtung der Salesianer Don Boscos betreut werden. „Cleferos“ (Klebstoffkinder) werden die Straßenkinder hier genannt. Um das Leben auf der Straße zu ertragen, betäuben sich viele von ihnen mit Klebstoff. Die Farm liegt rund 45 Kilometer außerhalb von Santa Cruz, fernab der Drogen und anderer Gefahren, die den Kindern auf der Straße drohen.

Juan ist erst heute auf der Farm „Moglia“ angekommen. Zaghaft nähert sich der Elfjährige dem Nasenbären Coahi. Vorher hat Juan auf der Straße gewohnt, wie auch die 17 anderen Jungen, die in der Einrichtung der Salesianer Don Boscos betreut werden. „Cleferos“ (Klebstoffkinder) werden die Straßenkinder hier genannt. Um das Leben auf der Straße zu ertragen, schnüffeln viele von ihnen Klebstoff. Die Farm „Moglia“ liegt rund 45 Kilometer außerhalb von Santa Cruz, fernab der Drogen und anderer Gefahren, die den Kindern auf der Straße drohen.

Auf der Farm sollen die Jungs auf ein geregeltes Lebe vorbereitet werden. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Tiertherapie. Vier Tukane, drei Nasenbären, zwei Äffchen, drei Ara-Papageien, Schildkröten, Wild, Hasen, Meerschweinchen, Pfauen... – rund 3.000 Tiere leben auf der Farm. Die Jungen lernen für sie Verantwortung zu übernehmen: Sie misten und füttern die Tieren und spielen mit ihnen. Sechs Monate bis ein Jahr bleiben die Jungen durchschnittlich auf ein Jahr. In dieser Zeit sollen sie auf einen normalen Alltag, Schule oder Berufsausbildung vorbereitet werden.

Auf der Farm sollen die Jungs auf ein geregeltes Lebe vorbereitet werden. Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit ist die Tiertherapie. Vier Tukane, drei Nasenbären, zwei Äffchen, drei Ara-Papageien, Schildkröten, Wild, Hasen, Meerschweinchen, Pfauen... – rund 3.000 Tiere leben auf der Farm. Die Jungen lernen für sie Verantwortung zu übernehmen: Sie misten und füttern die Tieren und spielen mit ihnen. Sechs Monate bis ein Jahr bleiben die Jungen durchschnittlich auf der Farm. In dieser Zeit sollen sie auf einen normalen Alltag, die Schule oder eine Berufsausbildung vorbereitet werden.

Rund 13 Hektar ist die Farm groß. Während der vordere Teil des Geländes einem kleinen Zoo gleicht, werden auf dem hinteren Gelände die Nutztiere gehalten. Schweine, Schafe, Enten, Hühner und andere Artgenossen leben hier. Zusammen mit den Erträgen aus dem eigenen Obst- und Gemüsegarten tragen sie zum Lebensunterhalt der Farm bei. So werden beispielsweise die Hühnereier in der Umgebung verkauft.

Rund 13 Hektar ist die Farm „Moglia“ groß. Während der vordere Teil des Geländes einem kleinen Zoo gleicht, werden auf dem hinteren Teil die Nutztiere gehalten: Schweine, Schafe, Enten, Hühner und andere Artgenossen. Zusammen mit den Erträgen aus dem eigenen Obst- und Gemüsegarten tragen sie zum Lebensunterhalt der Farm bei. So werden beispielsweise die Hühnereier in der Umgebung verkauft.

An diesem wunderschönen Ort endet unsere Projektreise. Und an einem ganz besonderen Datum: Heute wird in ganz Bolivien der Kindertag gefeiert. Das ist auch für die Jungs auf der Farm „Moglio“ ein ganz besonderes Ereignis. Sie haben heute sogar schulfrei. Den ganzen morgen haben sie gemeinsam gespielt, nachmittags steht ein großes Fußballturnier an und abends sind alle zu einer Theateraufführung nach Santa Cruz eingeladen.

An diesem wunderschönen Ort, mitten in Bolivien, endet die Projektreise. Und an einem ganz besonderen Datum: Heute wird im ganzen Land Kindertag gefeiert. Das ist auch für die Jungs auf der Farm „Moglio“ ein ganz besonderes Ereignis. Sie haben heute sogar schulfrei. Den ganzen Vormittag haben sie gemeinsam gespielt, nachmittags steht ein großes Fußballturnier an und abends sind alle zu einer Theateraufführung nach Santa Cruz eingeladen.

 

Studenten- und Lehrlingsheim „Luis Espinal“ in Sumunpaya

Montag, 11. April 2011 von Susanne Dietmann
Die Szene könnte sich so auch in Deutschland abspielen: Im Hintergrund läuft laute Musik, in Kleingruppen sitzen junge Männer und Frauen auf dem Hof, einige unterhalten sich, andere tippen SMS in ihre Handys – Mittagspause im Studenten- und Lehrlingsheim „Luis Espinal“. Die Einrichtung ist eng mit der Wohngemeinschaft „Tres Soles“ verbunden. „Uns war es wichtig, benachteiligte junge Menschen auch nach der Schule zu unterstützen“, erzählt Stefan Gurtner, Leiter beider Projekte. 29 Studenten und Auszubildende unterstützt das Projekt derzeit. Sie können in dem Heim kostenlos wohnen und essen und bekommen außerdem ein kleines Stipendium von rund 20 Euro im Monat.

Die Szene könnte sich so auch in Deutschland abspielen: Im Hintergrund läuft laute Musik, in Kleingruppen sitzen junge Männer und Frauen auf dem Hof, einige unterhalten sich, andere tippen SMS in ihre Handys – Mittagspause im Studenten- und Lehrlingsheim „Luis Espinal“. Die Einrichtung ist eng mit der Wohngemeinschaft „Tres Soles“ verbunden. „Uns war es wichtig, benachteiligte junge Menschen auch nach der Schule zu unterstützen“, erzählt Stefan Gurtner, Leiter beider Projekte. 29 Studenten und Auszubildende unterstützt das Heim derzeit. Sie können in dem Heim kostenlos wohnen und essen und bekommen außerdem ein kleines Stipendium von rund 20 Euro im Monat.

Limbert hat keine Arme. Dennoch meistert er mit großem Erfolg sein BWL-Studium. Geschickt bedient er mit Mund, Füßen und dem Armstumpf den Computer. „74 Seiten meiner Abschlussarbeit habe ich schon fertig“, erzählt er stolz Stefan Gurtner. „Seine Arbeit handelt von der Vermarktung von Kartoffeln in der Region Cochabamba. Schon in wenigen Wochen wird Limbert sein Studium abschließen.

Limbert hat keine Arme. Dennoch meistert er mit großem Erfolg sein BWL-Studium. Geschickt bedient er mit Mund, Füßen und dem Armstumpf den Computer. „74 Seiten meiner Abschlussarbeit habe ich schon fertig“, erzählt er stolz Stefan Gurtner. „Seine Arbeit handelt von der Vermarktung von Kartoffeln in der Region Cochabamba. Schon in wenigen Wochen wird Limbert sein Studium abschließen.

Auch junge Studentinnen und Lehrlinge mit Kindern werden in „Luis Espinal“ unterstützt. Silvia hat vor drei Monaten ihre Tochter zur Welt gebracht. In der Einrichtung findet die junge Mutter Unterstützung und ab und zu auch einen Babysitter, so dass sie ihr Studium der Erziehungswissenschaften auch mit Kind fortsetzen kann.

Auch junge Studentinnen und Lehrlinge mit Kindern werden in „Luis Espinal“ unterstützt. Silvia hat vor drei Monaten ihre Tochter zur Welt gebracht. In der Einrichtung findet die junge Mutter Unterstützung und ab und zu auch einen Babysitter, so dass sie ihr Studium der Erziehungswissenschaften auch mit Kind fortsetzen kann.

Margaritha schreibt gerade an ihrer Abschlussarbeit im Studienfach Buchhaltung. Studenten mit Behinderungen haben es in Bolivien nicht leicht. Jeden Tag holt ein Taxi die junge Frau zur Universität ab, manchmal nimmt eine Ärztin Margaritha mit zur Universität nach Cochabamba. Im Studentenheim hat Margaritha ein eigenes Zimmer im Erdgeschoss und ein behindertengerechtes Bad. Um ein bisschen Geld zu verdienen, stellt Margaritha außerdem kleine Cantuta-Schlüsselanhänger her. Die Blume in den Nationalfarben Boliviens gilt als Nationalblume des Landes.

Margaritha schreibt gerade an ihrer Abschlussarbeit im Studienfach Buchhaltung. Studenten mit Behinderungen haben es in Bolivien nicht leicht. Jeden Tag holt ein Taxi die junge Frau zu den Vorlesungen ab, manchmal nimmt eine Ärztin Margaritha mit zur Universität nach Cochabamba. Im Studentenheim hat Margaritha ein eigenes Zimmer im Erdgeschoss und ein behindertengerechtes Bad. Um ein bisschen Geld zu verdienen, stellt Margaritha außerdem kleine Cantuta-Schlüsselanhänger her. Die Cantuta-Blume in den Nationalfarben Boliviens gilt als Nationalblume des Landes.

 

Kinder- und Jugendwohngemeinschaft „Tres Soles“ in Quillacollo

Sonntag, 10. April 2011 von Susanne Dietmann
Kinder- und Jugendgottesdienst in der Kirche Santissima Trinidad in Quillacollo: Weit über 100 Jungen und Mädchen verfolgen gebannt die Vorstellung der Theatergruppe. Auch einige Kinder und Jugendlichen der Wohngemeinschaft „Tres Soles“ (Drei Sonnen) sind mit dabei. Stefan Gurtner, Leiter der Einrichtung, ist in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde tätig. Mit sieben Gruppen stellt er jeden Sonntag abwechselnd Bibelstellen szenisch dar. „So können sich die Kinder selbst nach Wochen noch daran erinnern“, verrät er.

Kinder- und Jugendgottesdienst in der Kirche Santissima Trinidad in Quillacollo: Weit über 100 Jungen und Mädchen verfolgen gebannt die Vorstellung der Theatergruppe. Auch einige Kinder und Jugendlichen der Wohngemeinschaft „Tres Soles“ (Drei Sonnen) sind mit dabei. Stefan Gurtner, Leiter der Einrichtung, ist in der Jugendarbeit der Kirchengemeinde tätig. Mit sieben Gruppen stellt er jeden Sonntag abwechselnd Bibelstellen szenisch dar. „So können sich die Kinder selbst nach Wochen noch daran erinnern“, verrät er.

Stolz präsentiert Margaritha ihren Stuhl. „Mein Bett, meinen Nachttisch und meinen Tisch habe ich schon fertig“, erzählt die 19-Jährige. Jedes Wochenende arbeitet sie an ihren Möbeln, in den Ferien auch unter der Woche. In der Schreinerwerkstatt in „Tres Soles“ stellen alle Jugendlichen  ihre eigenen Möbel her. Margaritha wird schon bald die Schule abschließen und das Projekt verlassen, um in Cochabamba zu studieren. So hat sie bereits das erste Mobiliar für ihr neues Zuhause.

Stolz präsentiert Margaritha ihren Stuhl. „Mein Bett, meinen Nachttisch und meinen Tisch habe ich schon fertig“, erzählt die 19-Jährige. Jedes Wochenende arbeitet sie an ihren Möbeln, in den Ferien auch unter der Woche. In der Schreinerwerkstatt in „Tres Soles“ stellen alle Jugendlichen ihre eigenen Möbel her. Margaritha wird schon bald die Schule abschließen und das Projekt verlassen, um in Cochabamba zu studieren. So hat sie bereits das erste Mobiliar für ihr neues Zuhause.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Wohngemeinschaft ist die Theaterwerkstatt. Die Kinder und Jugendlichen erarbeiten selbst Theaterstücke, bauen die Kulissen und treten immer wieder auf. Zwei Mal war die Theatergruppe „namens Blauses Auge“ auch schon auf Europatour. Omar spielt bereits seit fünf Jahren Theater. Seine Handpuppe aus Pappmache hat der 15-Jährige selbst hergestellt. Außerdem ist Omar der Theaterverantwortlichein in „Tres Soles“: Er kontrolliert, ob alle regelmäßig an den Proben teilnehmen.

Ein wichtiger Bestandteil der Arbeit in der Wohngemeinschaft ist die Theaterwerkstatt. Die Kinder und Jugendlichen erarbeiten selbst Theaterstücke, bauen die Kulissen und treten immer wieder auf. Zwei Mal war die Theatergruppe namens „Blaues Auge“ auch schon auf Europatour. Omar spielt bereits seit fünf Jahren Theater. Seine Handpuppe aus Pappmache hat der 15-Jährige selbst hergestellt. Außerdem ist Omar der Theaterverantwortliche in in „Tres Soles“: Er kontrolliert, ob alle regelmäßig an den Proben teilnehmen.

Mitbestimmung und Selbstverwaltung zählen zu den wichtigsten Prinzipien in der Wohngemeinschaft „Tres Soles“. Jeder der Bewohner ist für einen anderen Bereich verantwortlich: für die Ausgabe von Schulmaterialien und Hygieneartikeln, für die Theaterproben, für die Herstellung von Postkarten und Kunsthandwerk. Der Küchendienst, die Arbeit in der Bäckerei und die Gartenarbeit teilen sich die Jungen und Mädchen. Im Garten hat jeder Bewohner selbst einen Baum gepflanzt, um den er sich kümmert. Feigen-, Orangen- und Apfelbäume, Weinreben und viele weitere Gewächse säumen das Grundstück. Sie liefern nicht nur leckere Früchte, sondern eignen sich auch wunderbar zum Klettern und Spielen.

Mitbestimmung und Selbstverwaltung zählen zu den wichtigsten Prinzipien in der Wohngemeinschaft „Tres Soles“. Jeder der Bewohner ist für einen anderen Bereich verantwortlich: für die Ausgabe von Schulmaterialien und Hygieneartikeln, für die Theaterproben, für die Herstellung von Postkarten und Kunsthandwerk. Der Küchendienst, die Arbeit in der Bäckerei und die Gartenarbeit teilen sich die Jungen und Mädchen. Im Garten hat jeder Bewohner selbst einen Baum gepflanzt, um den er sich kümmert. Feigen-, Orangen- und Apfelbäume, Weinreben und viele weitere Gewächse säumen das Grundstück. Sie liefern nicht nur leckere Früchte, sondern eignen sich auch wunderbar zum Klettern und Spielen.

Oberlyn ist Mitglied einer Gruppe in ,„Tres Soles“, die unter der Leitung von Stefan Gurtner didaktisches Material für die Einrichtung herstellt. „Fünf bis sechs Monate dauert es, bis wir ein Spiel entwickelt haben“, erzählt der 15-Jährige. Zweimal wöchentlich trifft sich die Gruppe, um Ideen zu entwickeln und Spielpläne und Spielkarten zu entwerfen – wie etwa „das große Spiel der Schule“. Auch Bingo-Spiele und Puzzles zu den Themen „Wahrheit“, „Drogen“ oder „Gewalt“ hat die Gruppe bereits hergestellt. Die anderen Jungen und Mädchen in „Tres Soles“ haben großen Spaß an den Spielen.

Oberlyn ist Mitglied einer Gruppe in ,„Tres Soles“, die unter der Leitung von Stefan Gurtner didaktisches Material für die Einrichtung herstellt. „Fünf bis sechs Monate dauert es, bis wir ein Spiel entwickelt haben“, erzählt der 15-Jährige. Zweimal wöchentlich trifft sich die Gruppe, um Ideen zu entwickeln und Spielpläne und Spielkarten zu entwerfen – wie etwa „Das große Spiel der Schule“. Auch Bingo-Spiele und Puzzles zu den Themen Wahrheit, Drogen oder Gewalt hat die Gruppe bereits hergestellt. Die anderen Jungen und Mädchen in „Tres Soles“ haben großen Spaß an den Spielen.

 

Zurück in Sucre

Sonntag, 10. April 2011 von Gisela Kloubert
Monica, 8 Jahre alt, wurde von Monteagudo nach Sucre ins E.T.I. zu Spezialuntersuchungen gebracht. In diesen zwei Monaten ihres Aufenthaltes in Sucre wird sie physiotherapeutisch betreut und genießt vor Allem die Wassertherapie.

Mónica, 7 Jahre alt, wurde von Monteagudo nach Sucre ins integrative Zentrum E.T.I. zu Spezialuntersuchungen gebracht. In diesen zwei Monaten ihres Aufenthaltes in Sucre wird sie physiotherapeutisch betreut und genießt vor allem die Wassertherapie.

Desideria, 21 Jahre alt, alleinerziehend, ist seit ihrem Unfall in San Lucas bei Camargo   vor drei Jahren mit ihren beiden gesunden Kindern  im E.T.I. zur Rehabilitation. Ihre beiden Kinder leben mit der Mutter gemeinsam in der Einrichtung und die beiden Kinder gehen in die inklusive Schule des E.T.I., wo Desideria die achte Klasse besucht und schneidern lernt. In der hauseigenen Bäckerei hilft sie auch beim Brotverkauf.

Desideria, 21 Jahre alt, alleinerziehend, ist seit ihrem Unfall in San Lucas bei Camargo vor drei Jahren mit ihren beiden gesunden Kindern im E.T.I. zur Rehabilitation. Die Kinder leben gemeinsam mit der Mutter in der Einrichtung und die beiden Kinder gehen in die inklusive Schule des E.T.I., wo Desideria die achte Klasse besucht und schneidern lernt. In der hauseigenen Bäckerei hilft sie auch beim Brotverkauf.

 

Radio Ayopaya in Independencia

Samstag, 09. April 2011 von Susanne Dietmann
Radio-Live-Schaltung in luftiger Höhe: Auf 3.600 Metern Höhe kündet Jorge Aquino per Handy den Besuch aus Deutschland bei Radio Ayopaya an. Außerdem informiert er die Hörer, welche Teile der Strecke zwischen Cochabamba und Independencia aufgrund starker Erdrutsche derzeit nicht passierbar sind. Während die Hauptnachrichten von einem anderen Sender in La Paz eingespeist werden, berichtet Radio Ayopaya vor allem über die Ereignisse in Independencia und den 25 weit verstreuten Siedlungen in der Region. Dank eines Sendemasts in 4.200 Metern Höhe hat der Sender eine Reichweite von rund 150 Kilometern.

Radio-Live-Schaltung in luftiger Höhe: Auf 3.600 Metern Höhe kündet Jorge Aquino per Handy den Besuch aus Deutschland bei Radio Ayopaya an. Außerdem informiert er die Hörer, welche Teile der Strecke zwischen Cochabamba und Independencia aufgrund starker Erdrutsche derzeit nicht passierbar sind. Während die Hauptnachrichten von einem anderen Sender in La Paz eingespeist werden, berichtet Radio Ayopaya vor allem über die Ereignisse in Independencia und den 25 weit verstreuten Siedlungen in der Region. Dank eines Sendemasts in 4.200 Metern Höhe hat der Sender eine Reichweite von rund 150 Kilometern.

„Was für einen Radiosender hörst du denn?“, fragt Jorge Aquino den Jungen am Straßenrand. „Radio Ayopaya“, antwortet dieser. Jorge Aquino strahlt. Er ist der Leiter des Kulturzentrums in Independencia, wo auch der Radiosender seinen Sitz hat. „Das Radio ist die wichtigste Informationsquelle für die Menschen hier. Sie haben weder einen Zugang zum Internet, noch zu Tageszeitungen.“ Vergangenen Donnerstag konnte der Sender in der Andenstadt bereits sein 15. Jubiläum feiern.

„Was für einen Radiosender hörst du denn?“, fragt Jorge Aquino den Jungen am Straßenrand. „Radio Ayopaya“, antwortet dieser. Jorge Aquino strahlt. Er ist der Leiter des Kulturzentrums in Independencia, wo auch der Radiosender seinen Sitz hat. „Das Radio ist die wichtigste Informationsquelle für die Menschen hier. Sie haben weder einen Zugang zum Internet, noch zu Tageszeitungen.“ Vergangenen Donnerstag konnte der Sender in der Andenstadt bereits sein 15. Jubiläum feiern.

Überall entlang der Strecke nach Independencia trifft Jorge Aquino auf Menschen, die über kleine Radiogeräte dem Programm von Radio Ayopaya lauschen. „Ich höre am liebsten die traditionelle Musik aus unserer Region“, verrät dieses Mädchen. Während die Sender aus den bolivianischen Großstädten in spanischer Sprache senden, überträgt Radio Ayopaya 80 Prozent des Programms in Quechua, einer indigenen Sprache, die in dieser Region gesprochen wird. „Die Leute wollen in ihrer Sprache angesprochen werden“, erklärt Jorge Aquino.

Überall entlang der Strecke nach Independencia trifft Jorge Aquino auf Menschen, die über kleine Radiogeräte dem Programm von Radio Ayopaya lauschen. „Ich höre am liebsten die traditionelle Musik aus unserer Region“, verrät dieses Mädchen. Während die Sender aus den bolivianischen Großstädten in spanischer Sprache senden, überträgt Radio Ayopaya 80 Prozent des Programms in Quechua, einer indigenen Sprache, die in dieser Region gesprochen wird. „Die Leute wollen in ihrer Sprache angesprochen werden“, erklärt Jorge Aquino.

Dienstag-, Donnerstag- und Sonntagnachmittag bestimmen die Jungendlichen in Independencia das Radioprogramm. Marizol moderiert zusammen mit Maria Isbel (9) und Beimer (12) die Sendung „Kinderwelt“. „Wir singen, lesen Geschichten vor, erzählen Witze und spielen Musik, die uns gefällt“, erzählt die Schülerin. „Andere Kinder besuchen uns oft im Studio, um ihre Familie oder ihre Freunde zu grüßen.“ Die 16-Jährige ist schon ein richtiger Radio-Profi: Seit sechs Jahren arbeitet sie in ihrer Freizeit bei Radio Ayopaya mit.

Dienstag-, Donnerstag- und Sonntagnachmittag bestimmen die Jugendlichen in Independencia das Radioprogramm. Marizol moderiert zusammen mit Maria Isbel (9) und Beimer (12) die Sendung „Kinderwelt“. „Wir singen, lesen Geschichten vor, erzählen Witze und spielen Musik, die uns gefällt“, erzählt die Schülerin. „Andere Kinder besuchen uns oft im Studio, um ihre Familie oder ihre Freunde zu grüßen.“ Die 16-Jährige ist schon ein richtiger Radio-Profi: Seit sechs Jahren arbeitet sie in ihrer Freizeit bei Radio Ayopaya mit.

Stolz präsentiert Moderatiorin Marina (24) das Musikarchiv des Senders. 90 Prozent der Lieder die hier gespielt werden, stammen von bolivianischen Musikern, viele davon aus der Andenregion. Marina trägt die traditionelle Tracht der Region. „Wenn ich damit auf die Straße gehe, um die Leute zu interviewen, fassen sie viel schneller Vertrauen“, erzählt sie. Für die Sendung „Stimmen der Straße“ macht sie einmal pro Woche Straßenumfragen und Interviews zu tagesaktuellen Themen. „Ich habe keine Journalistenausbildung“, verrät sie. „Aber bei Radio Ayopaya habe ich sehr viel gelernt.“

Stolz präsentiert Moderatorin Marina (24) das Musikarchiv des Senders. 90 Prozent der Lieder, die hier gespielt werden, stammen von bolivianischen Musikern, viele davon aus der Andenregion. Marina trägt die traditionelle Tracht der Region. „Wenn ich damit auf die Straße gehe, um die Leute zu interviewen, fassen sie viel schneller Vertrauen“, erzählt sie. Für die Sendung „Stimmen der Straße“ macht sie einmal pro Woche Straßenumfragen und Interviews zu tagesaktuellen Themen. „Ich habe keine Journalistenausbildung“, verrät sie. „Aber bei Radio Ayopaya habe ich sehr viel gelernt.“