Tag 3: Ein Werk der Barmherzigkeit – ganz selbstverständlich

Donnerstag, 26. Juli 2012 von Daniela Dicker

Pfarrer Björn Ernst von der evangelischen Nikolaikirche in Bad Freienwalde im Gespräch mit Franzi

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit stehen als Motto über jedem Tag der Kinderwallfahrt. Was es heißt, Dürstende zu stillen und Hungernde zu sättigen, wussten die jungen Pilger schon vor dieser Reise. Dass „Fremde beherbergen“ aber ein ganz wichtiger Punkt ist, ohne den eine solche Wallfahrt nicht stattfinden könnte, wird erst hier erfahrbar.

Jeden Tag ist die Gruppe zu Gast in einer anderen Pfarrei. Heute ist es die evangelische Stadtkirche St. Nikolai in Bad Freienwalde. Pfarrer Björn Ernst hat nicht nur mit Freuden sein Gemeindehaus (nun schon zum zweiten Mal) zur Verfügung gestellt, sondern nimmt die kleinen Pilger am Abend mit auf eine Tour in die Vergangenheit. Engagiert und mitreißend erklärt er die Besonderheiten „seiner“ Kirche. So lernen die Kinder auch mal einen Taufbrunnen zum Eintauchen und einen echten Taufengel kennen – eine kleine Sensation!

Unterwegs – möglichst im Schatten

Dass ohne die evangelischen Freunde in Brandenburg eine solche Wallfahrt nicht möglich wäre, wissen alle Begleiter der Pilgerreise nur zu gut. Dankbar nehmen sie die ökumenische Gastfreundschaft in Anspruch. Die Laufstrecke für die Kinder muss für alle zu bewältigen sein. Und katholische Gemeinden oder Häuser gibt es nun mal nicht im Abstand von Tagesetappen auf dem Weg nach Alt-Buchhorst.

Vinzenz Münster (30) begleitet jetzt schon zum 5. Mal die Kinderwallfahrt und nimmt dafür jedes Jahr eine Woche Urlaub!

So werden die Wege lange im Vorhinein geplant, berechnet und abgelaufen. Ein Begleiter der ersten Stunde ist Vinz. Er kennt die Strecken und kann die Fähigkeiten der Kinder einschätzen.

Dass dann doch alles anders kommt, als geplant, auch dafür braucht es Routine und manchmal ein bisschen Mut. Heute war der (bisher) heißeste Tag des Jahres. Und so wurde einfach die Streckenführung gekippt. Kürzer, schattiger und für die Kinder trotzdem erlebnisreich sollte es werden. Hat geklappt.

Da muss man dann auch mal Streckenabschnitte wählen, die sonst tabu sind. Beispielsweise im Gänsemarsch ein Stück an der Bundesstraße entlang. Und dann passieren kleine Wunder. Autos – auch große Lastwagen – fahren einen vorsichtigen Bogen um die Kindergruppe. Wenn dann sogar Trucker mit ihrer Hupe das Pilgerkreuz grüßen, kann man fast schon ein bisschen Gänsehaut bekommen.

Kann das noch getoppt werden? Ein Busfahrer hat es geschafft. Im kleinen Ort Schiffmühle hielt mitten auf der Brücke ein Linienbus an und der Fahrer fragte, ob die Kinder nicht lieber von ihm nach Bad Freienwalde transportiert werden wollen. Natürlich nicht! Wir pilgern! Aber DANKE, lieber Busfahrer. „Lahme chauffieren“ kommt zwar noch nicht in der Bibel vor. Aber ein leibliches Werk der Bamherzigkeit ist es ganz sicher!

So freuen wir uns alle auf die kleinen und großen Wunder, die morgen auf uns warten.

Pilgern heißt: Mit Gott auf dem Weg in seiner Schöpfung.

 

Tag 2: Ein absolut einzigartiger Geburtstag!

Mittwoch, 25. Juli 2012 von Daniela Dicker

Drei gute Dinge für diesen Tag: Lily - das Geburtstagkind, das Pilgerkreuz und Inge, Lilys Freundin

Der Tag fing richtig gut an für Lily (seit heute 14). Alle Wallfahrtsteilnehmer haben ihr ein Ständchen gesungen. Dass sie das sehr beeindruckt hat und das schönste Erlebnis dieses Tages war, kommt auch in der Abendandacht noch einmal zur Sprache.

Dies ist Lilys dritte Wallfahrt. Und endlich ist auch ihre Freundin Inge dabei. Beide sind Ministrantinnen in St. Bonifatius und jetzt gemeinsam auf Pilgertour. Die heutigen 20 km führten die Gruppe von Angermünde nach Oderberg. Wieder lud in der Mittagspause ein See zum Baden ein. Das gehört dazu: Innehalten, ausruhen, Spaß miteinander haben, Gemeinschaft erleben, zusammen essen und das Leben für kurze Zeit teilen.

Lily trägt den Dank für diesen Tag vor das Pilgerkreuz

Seit heute morgen hängen die Wallfahrtsanliegen am Pilgerkreuz. Jedes Kind trägt eine Bitte, einen Wunsch, zur Schutzmantelmadonna bis nach Alt-Buchhorst. Jeweils am Anfang der Wallfahrtsgruppe läuft das Kind mit dem Pilgerkreuz. Alle dürfen es einmal tragen.

Heute – während des Schweigemarschs – war Lily dran. 15 Minuten still laufen. Sich selbst betrachten und Gottes Schöpfung sehen. Das ist für viele Kinder ungewohnt, und trotzdem beeindruckend und schön.

Aber: Was macht man, wenn man während des Schweigemarschs von Leuten gegrüßt und angesprochen wird? Lily und Inge diskutieren darüber. Letztlich wird aber klar: Da muss man zurück grüßen! Sonst denken die, wir sind unfreundlich. Und das ist ja Quatsch!

Das Pilgerkreuz und die Pilgerkerze stehen im Mittelpunkt der Abendandacht auf dem Pfarrgelände in Oderberg.

 

Tag 1: Vom Weg ab- und trotzdem angekommen

Dienstag, 24. Juli 2012 von Daniela Dicker

Pfarrer Ulrich Kotzur, Diözesandirektor des Kindermissionswerks, empfängt alle kleinen Pilger nach der ersten Wallfahrtsetappe mit einem ermunternden „Give me five!“.

„Danke, Herr, dass wir uns heute verlaufen haben und dass wir nur deswegen den Badesee gefunden haben!“ Aus tiefem Herzen spricht der zehnjährige Peter seinen Dank in der abendlichen Andacht aus, und alle anderen stimmen sofort zu.

Die erste Etappe der diesjährigen Fußwallfahrt für 9-13jährige Kinder, die das Erzbistum Berlin nun schon zum fünften Mal gemeinsam mit dem Kindermissionswerk durchführt, liegt hinter den kleinen Pilgern. 24 Kilometer sind sie gelaufen. Zu Fuß. Jeder mit Handgepäck: Wasser, Sonnenbrille und -creme, eine Mütze. Der Mittagsimbiss wird mit dem Begleitbus an den Rastplatz gefahren. Abends gibt es dann im Quartier warmes Essen.

Peter kennt das alles. 24 Kilometer – kein Problem! Schon letztes Jahr hat ihm die Wallfahrt super gefallen. Das Problem war nur: Er war der einzige Junge! Seine Konsequenz hieß allerdings nicht, die Mädels diesmal alleine fahren zu lassen. Er brachte einfach drei Freunde aus seiner Klasse mit.

Und so sitzen jetzt Peter (10) , Moritz (11), Jannis (11) und Johan (11) auf ihren Schlafsäcken im Gemeindesaal von Mariä Himmelfahrt in Angermünde und freuen sich wie Bolle, dass alles so gut geklappt hat. Ein bisschen Bammel hatten die Neuen schon.

Auch für gut trainierte Fußballer sind über 20 Kilometer im Hochsommer kein Pappenstiel. Irgendwann am Tag gab’s bei jedem mal einen kleinen Hänger. Aber am Ende steht die positive Erfahrung: Das gemeinsame Laufen, das Reden und Lachen nebenbei trägt einen irgendwie weiter.

Innehalten und Abschalten. Der Alltag rückt immer weiter weg.

Innehalten und Abschalten. Der Alltag rückt immer weiter weg.

Nur das mit dem Schweigemarsch finden alle „irgendwie komisch“. Einmal am Tag läuft die ganze Gruppe eine vorher besprochene Zeitspanne (jetzt am Anfang eine Viertelstunde) schweigend miteinander. Moritz bringt es auf den Punkt: „Das geht eigentlich gar nicht. Wir sehen so viele Sachen. Da passiert so viel um uns rum. Und dann können wir das niemandem sagen. Aber zum Glück kam dann der große Vogel.“ Nach nur zehn Minuten beendete ein beeindruckend großer Greifvogel das stille Pilgern. Er scheuchte hunderte von Wildgänsen aus ihrer Rast am See auf. Und bei so einem Naturschauspiel kann wirklich niemand mehr ruhig bleiben.

Das empfand auch Diözesandirektor Kotzur bei seiner fünften Kinder-Fußwallfahrt so. Irgendwas wirklich Geniales passiert immer. Und ebenso zuverlässig verläuft man sich mindestens einmal. Dass den Pilgern gleich beides am ersten Tag geschenkt wurde, war sicher ein gutes Omen. Das Abkommen vom „rechten Weg“ beschied allen Wanderern eine ungeplant schöne Mittagspause in einem Anglerheim am „Haussee“. Extra für die Pilger kam nach einem kurzen Telefonat spontan ein Vereinsmitglied, schloss die Türen auf, stellte die sanitären Anlagen zur Verfügung und den elektrischen Zaun ab. Der Zaun hält die Schwäne davon ab, das Grundstück zu verunreinigen. Und so gab es vom Anglerverein am Haussee für die Pilger aus dem Bistum Berlin eine saubere Wiese, das Vereinsheim und den Zugang zum Badesee. Einfach nur so. Wie sagte Prälat Arnold Poll, der ehemalige Präsident des Kindermissionswerks, so schön: „Der liebe Gott tut nichts als fügen“.

Diözesandirektor Ulrich Kotzur, der Gastgeber in Schwedt und Angermünde Pfarrer Konrad Richter und Marc (11) mit dem selbst gebauten Pilgerkreuz

Diözesandirektor Ulrich Kotzur, Pfarrer Konrad Richter und Marc (11) mit dem selbst gebauten Pilgerkreuz.

Dass ER auch in den nächsten Tagen alles zum Guten fügt, hofft nicht nur unser Jungen-Kleeblatt aus Stahnsdorf. Marc (11), für den das auch die erste Pilgerreise ist, ist ebenfalls voller Erwartungen, wie es weitergeht. Den ersten Tag fand er schon mal sehr spannend.

Pfarrer Konrad Richter, zuständig für die Kirchengemeinden in Schwedt, Angermünde und Umgebung, hat schon 2008 die Pilger der ersten Kinderwallfahrt zu Gast gehabt. Er freut sich über so eifriges Engagement in der Diaspora. Nach dem Abendsegen bekommen kleine und große Pilger von ihm den Etappenstempel, das Siegel der Gemeinde, in ihr Pilgerheft. „Schlaft gut!“ gibt er allen mit auf den Weg. Und das werden sie!

Ungewohnte Tätigkeit am gewohnten Arbeitsort: Pfarrer Konrad Richter stempelt am Ende der ersten Laufetappe die Pilgerhefte der Kinder mit dem Gemeindesiegel.