Tag 7: Bis nächstes Jahr!

Montag, 30. Juli 2012 von Daniela Dicker

Das obligatorische Foto kurz vor dem Wallfahrtsziel

„Gelandet“ – Dieses Wort verkündet die Ankunft tausender von Ferienfliegern in diesem Jahr auf allen deutschen Flughäfen. Immer bedeutet es das Ende einer kurzen, aber meist ereignisreichen und im besten Fall erholsamen Auszeit vom Alltag.

„Gelandet“ – Das sind nun auch die Pilger der Kinderfußwallfahrt des Erzbistums Berlin. Eltern und Geschwister erwarten die kleinen Läufer schon gespannt. Aber vor der stürmischen Begrüßung steht noch der Gang zur Schutzmantelmadonna an. Simone trägt das Pilgerkreuz voran und führt die Gruppe in die Kapelle.

Die letzten Meter – immer noch fröhlich und laut singend

Nach einer Woche mit täglich über 20 km gelaufenen Kilometern dürfen alle stolz sagen: Ich hab’s geschafft! Und geschafft sind alle auch im wahrsten Sinne des Wortes.

Da hat Pfarrer Kotzur es so schön vorbereitet: Das Evangelium vom Tage erzählt von der Brotvermehrung. „Das passt doch wie die Faust auf’s Auge zu uns!“ beginnt der zukünftige Diözesanjugendseelsorger seine Predigt. Aber keiner kann mehr erklären, warum das so ist. Da ist nur noch Erschöpfung in den Gesichtern der kleinen Pilger zu lesen. Pfarrer Kotzur hat ein Einsehen und lässt einfach noch einmal selbst die wunderbaren Erlebnisse des Teilens, des miteinander Satt-Werdens Revue passieren.

Am Ende der Wallfahrt steht ein gemeinsamer Gottesdienst mit Eltern und Geschwistern

„Ach so!“ - „Daaas meint der Pfarrer!“. Aber jetzt ist auch alles egal. Draußen warten Würstchen und Salate, Kuchen und Gemüse-Sticks. Es wartet natürlich auch der Badesee, und der will ja auch noch besucht werden – trotz des drohenden Regens.

Domvikar Christoph Zimmermann, geistlicher Leiter des Christian-Schreiber-Hauses, segnet die Kinder mit Weihwasser und entlässt sie nach den Tagen des Pilgerns wieder in den Alltag.

„Wer vom Regen noch nicht nass ist, wird es jetzt!“ – Domvikar Zimmermann segnet die Pilger mit Weihwasser.

Jetzt noch schnell essen, dann noch schnell zusammen spielen. Dann auf jeden Fall noch ganz kurz baden! Die abholenden Eltern kennen das schon: Die letzten Minuten sind ausgefüllt mit allem, was noch unbedingt zusammen getan werden muss. Keiner möchte als erstes gehen. Am Nachmittag erst löst sich die Gruppe auf.

„Bis nächstes Jahr!“ – „Wann kann ich mich für die nächste Wallfahrt anmelden?“ – „Wem gehört dieses Handtuch?“ – „Wo ist eigentlich die Pilgerkerze?“ – „Ich schreib dir ‘ne Mail!“

Liebe Pilger! Wir freuen uns auf euch – im kommenden Jahr!

 

Tag 6: Was für eine Woche!

Sonntag, 29. Juli 2012 von Daniela Dicker

Lena und Josi, vorher/nachher – eine Teamer-Bilanz

Heilfroh sind Lena und Josi (beide 16), dass sie bald wieder in ihren eigenen Betten schlafen dürfen. „Man hat doch ganz schön viel Verantwortung“, findet Lena. Erstmals ist sie (eine Pilgerin der ersten Stunde) als Helferin mit auf der Reise. „Das ist ganz was anderes, als nur zu pilgern.“

Mal aus der Warte eines Betreuers betrachtet, bekommt das Pilgern einen noch höheren Stellenwert. „Die Kinder haben es gut!“ sagen beide Helferinnen übereinstimmend. „Die wissen gar nicht, was hinter den Kulissen alles gemacht wird.“

Viele fleißige Hände sorgen dafür, dass die kleinen Wallfahrer sich ausschließlich aufs Pilgern konzentrieren können. Für die Begleitenden ist das nicht immer einfach. „Das Laufen, das Mit-Pilgern, ist viel anstrengender“, meint Josi. „Man ist nicht so drin. Man kann nicht abschalten.“

Lena verarztet Johan

Wenn dann auch noch – wie bei dieser Wallfahrt erstmals – zwei Kinder ins Krankenhaus müssen, bleiben auch den Betreuern nur wenig Kraftreserven.

Glücklicherweise ist das Betreuerteam erfahren und schafft es, auch jetzt noch die vielen kleinen schönen Momente herauszukitzeln und ihnen einen besonderen Stellenwert zu geben.

Immer wieder sind es die Überraschungen am Wegesrand, die der Pilgergruppe neuen Schwung geben. Heute war es die freundliche Frau am Gartenzaun, die auch wieder ungefragt Äpfel, Wasser für die Trinkflaschen und ihre Toilette angeboten hat. Dankbar nimmt die Gruppe diese Geschenke immer wieder an.

„Hey! Da steht was über uns im Internet!“

Dass sie zusammen schon so viel schönes erlebt haben, wird ihnen noch bewusster, als erstmals Pfarrer Kotzur bei der vorletzten Station aus diesem Blog vorliest. Nicht überall war Internet-Empfang. Hier aber klappt es.

Die letzte – sehr kurze – Etappe liegt vor den Kindern. Veranschlagt sind noch einmal zwei Stunden, die am Sonntag gelaufen werden, bevor der Wallfahrtsort erreicht ist. Das Pilgerkreuz mit den Wallfahrtsanliegen der Kinder wird zur Schutzmantelmadonna getragen, und dann wird ein richtig schöner Gottesdienst mit den Eltern und Geschwistern gefeiert, bevor wir als Gruppe ein letztes Mal zusammen essen.

Die Seite mit den Pilgerstempeln ist fast voll. Am heutigen Samstag war sogar ein Stück des Jakobswegs dabei. Zufrieden, müde, glücklich, erschöpft … Keiner weiß so recht, wie es ihm jetzt gerade geht.

Nun also eine letzte gemeinsame Nacht in der Pfarrei Maria Hilf in Herzfelde. Pater Bumann hat die Pilgergruppe gesegnet und allen eine gute Nacht gewünscht. Dann kann ja nichts mehr schief gehen!

Der vorletzte Etappen-Stempel im Pilgerheft

 

Tag 5: Sind es wirklich nur noch zwei Tagesstrecken? Ach nö!!!

Samstag, 28. Juli 2012 von Daniela Dicker

Eine der letzten Etappen ist erreicht.

Wer hat an der Uhr gedreht? Ist es wirklich schon so spät? „Paulchen Panther“ kennen unsere kleinen Pilger nicht mehr. Aber das Gefühl, dass Ihnen die Zeit wegläuft, kennen sie sehr wohl. Simone (12) kann sich überhaupt nicht vorstellen, dass wirklich nur noch zwei Etappen zu laufen sind.

Eincremen gegen die Sonne muss sein – Therese, Annika und Simone (alle 12) haben ihre ganz eigene Methode entwickelt.

Auch wenn man es sich beim Betrachten des einen oder anderen Fotos nicht gleich vorstellen kann: Das Spielen, Baden, Lachen, Zusammensein hat hier einen noch tieferen Grund und Sinn als üblicherweise. Da bolzen ein paar Kinder mit einem Ball über die Wiese, andere bewerfen sich mit Gras oder testen ihre Fähigkeiten, auf einer „Slackline“ zu balancieren.

Mitten aus dem Spiel heraus sind tiefgründige Gespräche möglich, erwischt man sich selbst und die Kinder beim Philosophieren. Dass ein Tag damit beginnt, um sechs Uhr von der Kirchenglocke geweckt zu werden, ist für echte Pilger natürlich kein Problem! Wenn dann noch so ein unvergesslicher Streckenabschnitt vor der Gruppe liegt, wie heute, ist das kaum noch zu verbessern.

Vorsichtiges Laufen auf einem stillgelegten Bahngleis

Schritt für Schritt – langsam und beständig – geht es vorwärts auf der stillgelegten Bahntrasse. Konzentriertes Laufen (man muss ehr kleine Schritte machen, um jeweils die Eisenbahnschwellen zu treffen) und Balancieren auf einem Gleis unterstützen auf erstaunliche Weise die Fokussierung auf sich selbst und auf das hier Erlebte.

Im Schlafsaal zu übernachten, finden Therese, Annika und Simone schöner als zu Hause alleine einzuschlafen. So können sie sich noch lange über die Highlights des Tages unterhalten. Heute vielleicht darüber, dass sogar zwei Mal (mittags und abends) ein See zum Baden einlud – einer sogar mit einem 5m-Sprungturm!

Erfrischt an Leib und Seele

Auch wenn sie wirklich noch lange nicht nach Hause möchten, freuen sich doch alle drei auf die Ankunft in Alt Buchhorst. Wenn die Friedensglocke den Wallfahrern den Weg läutet, fühlen sie sich dort ganz besonders willkommen!

„Das kann mir keiner mehr wegnehmen, das macht mir auch so leicht keiner nach!“ Simone weiß: Sie wird stolz sein. Übermorgen, wenn keine Tagesetappe mehr übrig ist. Schon letztes Jahr ist sie nach einer Woche Pilgern glücklich in Alt-Buchhorst angekommen. Anstrengend findet sie es auch. Klar. Aber „Man gewöhnt sich ans Laufen.“

 

Tag 4: Es ist immer wieder ganz neu und anders

Freitag, 27. Juli 2012 von Daniela Dicker

Die Abendandacht ist vorbei. Dank, Gebet und Freude hatten ihren Platz. Und doch: Der aufregendste Moment dieses Tages liegt noch vor der Pilgergruppe. Wer möchte, darf draußen schlafen – ganz dicht an der Kirchenmauer. „Wenn Wind ist, kommt kein Regen!“, hat der Pfarrer gesagt. Na dann …

20 Badetücher - ein gewohntes Bild für Helene und Katharina

Heute ist Halbzeit bei dieser Wallfahrt. Oder „Bergfest“? Dass es aber auch ab jetzt nicht nur bergab geht, wissen Helene und Katharina (beide 13) nur zu gut. Als alte Pilgerhasen sind sie jetzt das vierte bzw. fünfte Mal dabei. Und trotzdem: Es ist nie langweilig!

„Es sind doch immer wieder neue Leute dabei“, meint Katharina. „Und wir gehen andere Strecken“, legt Helene nach. In diesem Jahr gefällt es ihnen besonders gut. Es sind ein paar weniger Kinder dabei als im Vorjahr. Das fördert ein intensiveres Miteinander.

Gemeinschaft auch im Spiel nach dem langen gemeinsamen Weg

„Hallo du, nimm diesen meinen Schuh …“ – dieses Spiel gehört fast schon traditionell zu den Wallfahrten und wird gerne auch bis zum Schlafengehen ausgedehnt.

Überhaupt: Wenn es irgendetwas gibt, das unsere Fußwallfahrten besonders gut charakterisiert, dann ist es das kaum zu beschreibende Gemeinschaftsgefühl, das innerhalb kürzester Zeit entsteht und ausnahmslos jeden mit einbezieht.

Wer das Kreuzzeichen vielleicht noch nicht so gut kann, möchte es lernen und „dazu gehören“. Auch nach dem Rosenkranz-Beten auf der Strecke finden viele intensive Gespräche unter den Kindern statt. Und dann sind wieder die „alten Hasen“ mit ihrer Pilger-Erfahrung gefragt. Sie nehmen die „jungen Hüpfer“ mit auf den Weg und lassen sie vieles entdecken.

Wer singt, betet doppelt! (Augustinus)

Noch nie standen so viele Lieder zum gemeinsamen Singen im Pilgerheft, wie dieses Jahr. Und immer gibt es auch ein paar Highlights. „Ich singe für die Mutigen“ finden Helene und Katharina echt klasse. Da geht es darum, etwas für andere zu tun. So wie der Fremde in der Mittagspause, der zum Freund der Pilger wurde.

Helene hatte ihn aus der rastenden Gruppe heraus freundlich gegrüßt. Er grüßte nicht nur zurück, sondern bewirtete die Gruppe mit Äpfeln, gab ihnen zu trinken und ließ sie sogar in seinem Haus die Toilette benutzen.

„Da denkt man sonst gar nicht so viel drüber nach,“ sagt Katharina „über diese Werke der Barmherzigkeit. Aber wenn man mal aufpasst, dann sieht man das ganz oft am Tag, dass da jemand ist, der was mit einem anderen teilt.“

Miteinander unterwegs – sich selbst und Gott entdecken

Mal sehen, wer heute vom Laufen träumt. Schlafend unter freiem Himmel, im Schatten der Kirchenmauern von St. Laurentius in Wriezen. Morgen werden wir es wissen.

 

Tag 3: Ein Werk der Barmherzigkeit – ganz selbstverständlich

Donnerstag, 26. Juli 2012 von Daniela Dicker

Pfarrer Björn Ernst von der evangelischen Nikolaikirche in Bad Freienwalde im Gespräch mit Franzi

Die sieben leiblichen Werke der Barmherzigkeit stehen als Motto über jedem Tag der Kinderwallfahrt. Was es heißt, Dürstende zu stillen und Hungernde zu sättigen, wussten die jungen Pilger schon vor dieser Reise. Dass „Fremde beherbergen“ aber ein ganz wichtiger Punkt ist, ohne den eine solche Wallfahrt nicht stattfinden könnte, wird erst hier erfahrbar.

Jeden Tag ist die Gruppe zu Gast in einer anderen Pfarrei. Heute ist es die evangelische Stadtkirche St. Nikolai in Bad Freienwalde. Pfarrer Björn Ernst hat nicht nur mit Freuden sein Gemeindehaus (nun schon zum zweiten Mal) zur Verfügung gestellt, sondern nimmt die kleinen Pilger am Abend mit auf eine Tour in die Vergangenheit. Engagiert und mitreißend erklärt er die Besonderheiten „seiner“ Kirche. So lernen die Kinder auch mal einen Taufbrunnen zum Eintauchen und einen echten Taufengel kennen – eine kleine Sensation!

Unterwegs – möglichst im Schatten

Dass ohne die evangelischen Freunde in Brandenburg eine solche Wallfahrt nicht möglich wäre, wissen alle Begleiter der Pilgerreise nur zu gut. Dankbar nehmen sie die ökumenische Gastfreundschaft in Anspruch. Die Laufstrecke für die Kinder muss für alle zu bewältigen sein. Und katholische Gemeinden oder Häuser gibt es nun mal nicht im Abstand von Tagesetappen auf dem Weg nach Alt-Buchhorst.

Vinzenz Münster (30) begleitet jetzt schon zum 5. Mal die Kinderwallfahrt und nimmt dafür jedes Jahr eine Woche Urlaub!

So werden die Wege lange im Vorhinein geplant, berechnet und abgelaufen. Ein Begleiter der ersten Stunde ist Vinz. Er kennt die Strecken und kann die Fähigkeiten der Kinder einschätzen.

Dass dann doch alles anders kommt, als geplant, auch dafür braucht es Routine und manchmal ein bisschen Mut. Heute war der (bisher) heißeste Tag des Jahres. Und so wurde einfach die Streckenführung gekippt. Kürzer, schattiger und für die Kinder trotzdem erlebnisreich sollte es werden. Hat geklappt.

Da muss man dann auch mal Streckenabschnitte wählen, die sonst tabu sind. Beispielsweise im Gänsemarsch ein Stück an der Bundesstraße entlang. Und dann passieren kleine Wunder. Autos – auch große Lastwagen – fahren einen vorsichtigen Bogen um die Kindergruppe. Wenn dann sogar Trucker mit ihrer Hupe das Pilgerkreuz grüßen, kann man fast schon ein bisschen Gänsehaut bekommen.

Kann das noch getoppt werden? Ein Busfahrer hat es geschafft. Im kleinen Ort Schiffmühle hielt mitten auf der Brücke ein Linienbus an und der Fahrer fragte, ob die Kinder nicht lieber von ihm nach Bad Freienwalde transportiert werden wollen. Natürlich nicht! Wir pilgern! Aber DANKE, lieber Busfahrer. „Lahme chauffieren“ kommt zwar noch nicht in der Bibel vor. Aber ein leibliches Werk der Bamherzigkeit ist es ganz sicher!

So freuen wir uns alle auf die kleinen und großen Wunder, die morgen auf uns warten.

Pilgern heißt: Mit Gott auf dem Weg in seiner Schöpfung.

 

Tag 2: Ein absolut einzigartiger Geburtstag!

Mittwoch, 25. Juli 2012 von Daniela Dicker

Drei gute Dinge für diesen Tag: Lily - das Geburtstagkind, das Pilgerkreuz und Inge, Lilys Freundin

Der Tag fing richtig gut an für Lily (seit heute 14). Alle Wallfahrtsteilnehmer haben ihr ein Ständchen gesungen. Dass sie das sehr beeindruckt hat und das schönste Erlebnis dieses Tages war, kommt auch in der Abendandacht noch einmal zur Sprache.

Dies ist Lilys dritte Wallfahrt. Und endlich ist auch ihre Freundin Inge dabei. Beide sind Ministrantinnen in St. Bonifatius und jetzt gemeinsam auf Pilgertour. Die heutigen 20 km führten die Gruppe von Angermünde nach Oderberg. Wieder lud in der Mittagspause ein See zum Baden ein. Das gehört dazu: Innehalten, ausruhen, Spaß miteinander haben, Gemeinschaft erleben, zusammen essen und das Leben für kurze Zeit teilen.

Lily trägt den Dank für diesen Tag vor das Pilgerkreuz

Seit heute morgen hängen die Wallfahrtsanliegen am Pilgerkreuz. Jedes Kind trägt eine Bitte, einen Wunsch, zur Schutzmantelmadonna bis nach Alt-Buchhorst. Jeweils am Anfang der Wallfahrtsgruppe läuft das Kind mit dem Pilgerkreuz. Alle dürfen es einmal tragen.

Heute – während des Schweigemarschs – war Lily dran. 15 Minuten still laufen. Sich selbst betrachten und Gottes Schöpfung sehen. Das ist für viele Kinder ungewohnt, und trotzdem beeindruckend und schön.

Aber: Was macht man, wenn man während des Schweigemarschs von Leuten gegrüßt und angesprochen wird? Lily und Inge diskutieren darüber. Letztlich wird aber klar: Da muss man zurück grüßen! Sonst denken die, wir sind unfreundlich. Und das ist ja Quatsch!

Das Pilgerkreuz und die Pilgerkerze stehen im Mittelpunkt der Abendandacht auf dem Pfarrgelände in Oderberg.

 

Tag 1: Vom Weg ab- und trotzdem angekommen

Dienstag, 24. Juli 2012 von Daniela Dicker

Pfarrer Ulrich Kotzur, Diözesandirektor des Kindermissionswerks, empfängt alle kleinen Pilger nach der ersten Wallfahrtsetappe mit einem ermunternden „Give me five!“.

„Danke, Herr, dass wir uns heute verlaufen haben und dass wir nur deswegen den Badesee gefunden haben!“ Aus tiefem Herzen spricht der zehnjährige Peter seinen Dank in der abendlichen Andacht aus, und alle anderen stimmen sofort zu.

Die erste Etappe der diesjährigen Fußwallfahrt für 9-13jährige Kinder, die das Erzbistum Berlin nun schon zum fünften Mal gemeinsam mit dem Kindermissionswerk durchführt, liegt hinter den kleinen Pilgern. 24 Kilometer sind sie gelaufen. Zu Fuß. Jeder mit Handgepäck: Wasser, Sonnenbrille und -creme, eine Mütze. Der Mittagsimbiss wird mit dem Begleitbus an den Rastplatz gefahren. Abends gibt es dann im Quartier warmes Essen.

Peter kennt das alles. 24 Kilometer – kein Problem! Schon letztes Jahr hat ihm die Wallfahrt super gefallen. Das Problem war nur: Er war der einzige Junge! Seine Konsequenz hieß allerdings nicht, die Mädels diesmal alleine fahren zu lassen. Er brachte einfach drei Freunde aus seiner Klasse mit.

Und so sitzen jetzt Peter (10) , Moritz (11), Jannis (11) und Johan (11) auf ihren Schlafsäcken im Gemeindesaal von Mariä Himmelfahrt in Angermünde und freuen sich wie Bolle, dass alles so gut geklappt hat. Ein bisschen Bammel hatten die Neuen schon.

Auch für gut trainierte Fußballer sind über 20 Kilometer im Hochsommer kein Pappenstiel. Irgendwann am Tag gab’s bei jedem mal einen kleinen Hänger. Aber am Ende steht die positive Erfahrung: Das gemeinsame Laufen, das Reden und Lachen nebenbei trägt einen irgendwie weiter.

Innehalten und Abschalten. Der Alltag rückt immer weiter weg.

Innehalten und Abschalten. Der Alltag rückt immer weiter weg.

Nur das mit dem Schweigemarsch finden alle „irgendwie komisch“. Einmal am Tag läuft die ganze Gruppe eine vorher besprochene Zeitspanne (jetzt am Anfang eine Viertelstunde) schweigend miteinander. Moritz bringt es auf den Punkt: „Das geht eigentlich gar nicht. Wir sehen so viele Sachen. Da passiert so viel um uns rum. Und dann können wir das niemandem sagen. Aber zum Glück kam dann der große Vogel.“ Nach nur zehn Minuten beendete ein beeindruckend großer Greifvogel das stille Pilgern. Er scheuchte hunderte von Wildgänsen aus ihrer Rast am See auf. Und bei so einem Naturschauspiel kann wirklich niemand mehr ruhig bleiben.

Das empfand auch Diözesandirektor Kotzur bei seiner fünften Kinder-Fußwallfahrt so. Irgendwas wirklich Geniales passiert immer. Und ebenso zuverlässig verläuft man sich mindestens einmal. Dass den Pilgern gleich beides am ersten Tag geschenkt wurde, war sicher ein gutes Omen. Das Abkommen vom „rechten Weg“ beschied allen Wanderern eine ungeplant schöne Mittagspause in einem Anglerheim am „Haussee“. Extra für die Pilger kam nach einem kurzen Telefonat spontan ein Vereinsmitglied, schloss die Türen auf, stellte die sanitären Anlagen zur Verfügung und den elektrischen Zaun ab. Der Zaun hält die Schwäne davon ab, das Grundstück zu verunreinigen. Und so gab es vom Anglerverein am Haussee für die Pilger aus dem Bistum Berlin eine saubere Wiese, das Vereinsheim und den Zugang zum Badesee. Einfach nur so. Wie sagte Prälat Arnold Poll, der ehemalige Präsident des Kindermissionswerks, so schön: „Der liebe Gott tut nichts als fügen“.

Diözesandirektor Ulrich Kotzur, der Gastgeber in Schwedt und Angermünde Pfarrer Konrad Richter und Marc (11) mit dem selbst gebauten Pilgerkreuz

Diözesandirektor Ulrich Kotzur, Pfarrer Konrad Richter und Marc (11) mit dem selbst gebauten Pilgerkreuz.

Dass ER auch in den nächsten Tagen alles zum Guten fügt, hofft nicht nur unser Jungen-Kleeblatt aus Stahnsdorf. Marc (11), für den das auch die erste Pilgerreise ist, ist ebenfalls voller Erwartungen, wie es weitergeht. Den ersten Tag fand er schon mal sehr spannend.

Pfarrer Konrad Richter, zuständig für die Kirchengemeinden in Schwedt, Angermünde und Umgebung, hat schon 2008 die Pilger der ersten Kinderwallfahrt zu Gast gehabt. Er freut sich über so eifriges Engagement in der Diaspora. Nach dem Abendsegen bekommen kleine und große Pilger von ihm den Etappenstempel, das Siegel der Gemeinde, in ihr Pilgerheft. „Schlaft gut!“ gibt er allen mit auf den Weg. Und das werden sie!

Ungewohnte Tätigkeit am gewohnten Arbeitsort: Pfarrer Konrad Richter stempelt am Ende der ersten Laufetappe die Pilgerhefte der Kinder mit dem Gemeindesiegel.