Arrived safely. Sicher angekommen. Deutschland.

Mittwoch, 03. August 2016 von JohannaS

Time to pack my bags and leave
Oh, it’s been a year and I know it’s over
I’m glad I’m walking out differently
Finally I feel the air I breathe in
And I can see the light
Become a light of me
Well in your lights I’ll always be

Oh I don’t know where I am
But it feels like home.

– Son Mieux in Feels

Ich bin zurück in Deutschland. Und die Hoch/Tiefphase, die ich vor dem Abschied hatte, hält an. Bisschen Stimmungsschwangkungen. Gefühlsüberflüsse, die richtig anstrengend sind.

Ich kann noch nicht ganz begreifen, dass ich eben nicht in ein paar Tagen zurück in das Nest fliege, dass ich mir in den vergangenen Monaten alleine gebaut habe. Beim Landeanflug auf Frankfurt kamen mir wieder die Tränen, nachdem ich die vom Abflug getrocknet hatte. Wow! Du bist zurück in Deutschland. Gefühlschaos. Vorfreude auf das Wiedersehen. Ich habe meine Eltern überrascht. Traurigkeit, dass dieses Abenteuer vorbei ist. So lange ich drauf hingefiebert habe und so unendlich dankbar ich bin, es erleben zu dürfen. So wunderbare Menschen kennengelernt und eine so schöne Kultur mitleben zu können. Sie in mir zu behalten.

Danke.

Danke.

Ich bin in vielen Momenten viel zu nachdenklich, sehne mich zurück. Vermisse das Chaos, das Leben, die Früchte, den Klang der Sprache. Man hat sich an viele Dinge gewöhnt, die in unserer Kultur nicht ganz „normal“ sind. Aber es ist okay, es ist eine andere „Welt“.

Und natürlich bin ich froh in der Heimat zu sein. Es ist bequem in hier. Leben im Überfluss. Aber das hab ich gar nicht so sehr vermisst. Ich bin froh mit meiner Schwester durch die Landschaft fahren zu können und zu spaßen. In Deutschland fahren wir übrigens total schnell Auto – so kommt es mir vor. Ich genieße es mit der Familie zu reden. Freunde zu sehen, diese zu umarmen und unendlich lange Gespräche. Die, die schon waren und die, die noch kommen werden.

willkommen geheißen.

willkommen geheißen.

Trotzdem ist ein komisches Gefühl dabei. Es ist alles so vertraut und doch haben sich ein paar Dinge verändert. Wär ja auch schade wenn nicht. Und mit den Dingen auch ich selbst. Ich lebe mehr im Moment, bin erstaunt wie viele Dinge ich hier in Deutschland besitze. Ich bin froh mit den Dingen die ich habe. Plane nicht zu viel in die Zukunft. Im Moment. Lebe nach meinem Herzen und nehme mir Zeit für Dinge.

Seinen Platz hier wiederzufinden fühlt sich fast genauso an, wie als ich vor einem Jahr in Manila gelandet bin. Eben mit dem Unterschied hier bereits ein bestehendes Zuhause zu haben. Zuhause. Ich hab irgendwie mehrere „Zuhause“. Kann und will die Frage „Wo ist es schöner?“ oder „Bist du froh wieder Zuhause zu sein?“ nicht beantworten.

Ein Jahr, dass ein Neunzehntel meines Lebens ausmacht und mich geformt hat. Monate mit schönen und nicht ganz einfachen Momenten. Über Grenzen steigen. Ablehnung und Akzeptanz erleben. Die Gedanken in meinem Kopf sind wirr und ich werde mir Zeit geben und mich wiedermal auf einen Neustart im Oktober freuen können.

Ich wünsche den Freiwilligen, die sich jetzt in das Abenteuer starten ganz eigene wunderbare Erfahrungen, Momente in denen sie an sich wachsen und das richtige Bauchgefühl. Passt auf Euch auf.

Vielen Dank fürs Lesen, die Unterstützung, die lieben Worte. Danke.

Johanna

Here comes the English part. This is for you. For the ones I easily placed in my heart. Within the last year.

It’s incredible that I am “done”. That I do not know how many months from now I am able talking to you face to face or giving you again a hug in real life.

It’s incredible how much I miss you already.

It was unbelievable to say “Good Bye”. I know it should be a “See Ya”. Never mind the term; it was a heartbreaking thing to do. Many tears felt. Even during the landing. So happy to see my family – the surprising was awesome! So sad, that „I am done“.

Miss kita!

Miss kita!

I am already one week here. It is cold. Back in the European summer in Germany. My home. I left my Germany one year ago, with the knowledge that I will be back in less than 60 weeks. But coming “home” again is so, so hard. Sure, I am happy to see my family, to joke with my friends. It’s so nice to see my sister and all her habits. Talking to all the people I missed, when I lived in Manila.  It’s nice to eat my mother’s food. It’s nice to sleep again covered by a heavy planked.

Of course, there are so many moments, when I start missing the avocados, mangos, passion fruits. When I miss the chaos, your Taglish, riding the jeep. It’s not „normal“ here to eat rice for breakfast and to have a cold shower – and of course whenever I do things like that, I have to explain myself. It’s not annoying.. but it’s easier not to answer all there questions. „Which place do you like more?“ or “ You are happy to be home, right?“ – I cannot and do not wanna answer this. I feel as if I have to „homes“ now. You see, it’s so hard.

The same feeling as the one, I arrived in Manila one year ago. One difference. I know almost everything here. And that makes it even more difficult. I am not the same anymore.

Listening to my heart. Being happy with all the things I have. Don’t planning to much. I crossed my own boarders in the last months. Easy and difficult moments. And I wanna thank you for showing me your „world“. I try to bring parts of it to the German „world“.

byebye. see ya.

byebye. see ya.

A good friend told me: “Each place and each person has its own time and we have to accept the beginnings and the endings.”

I just wanted to say, that I arrived safely. And I will keep you all in my heart.

Maraming Salamat Po!

 

Kann ich bleiben?

Montag, 06. Juni 2016 von JohannaS
„Can we stay here longer
Can we stay until tomorrow
Can we stay here forever“ – The Woodsland
Die Zeit rennt. Und ich mag sie anhalten. Die Stunden. In so vielen Momenten. Tage sollten aus mehr als 24 Stunden bestehen. Ich holt das Meiste raus, aus den verbleibenden Wochen. Kann ich noch n bisschen länger bleiben?
Ich werde in den nächsten Wochen an einem Seminar teilnehmen. Genau 50 Tage und endet am Tag meines Abfluges. Es geht mir alles viel viel zu schnell. Trotzdem musste ich bereits von ein paar Menschen Abschied nehmen. Wie soll ich das machen, wenn mir selbst noch nicht einmal bewusst ist, dass Ende Juli alles „vorbei“ ist?
Egal. Ich rede mir ein, ich werde die kommende Zeit nutzen. Jede einzelne Minute. Jede Stunde mit den Freunden hier. Alle kleinen Momente, die doch Routine geworden sind. Das morgendliche Wasserauffüllen, das Quietschen meiner Zimmertür. Die kitschigen Lieder im Radio. Das Moskitonetz am Abend. Es kommen immer mehr dieser Situationen, in denen ich in die Augen meines Gegenübers schaue, wir kurz verweilen und dann ein bisschen traurig unseren Blicken ausweichen. Beiden wird bewusst wird, dass bereits Juni ist. Juni! In Deutschland fängt der Sommer an! Mein Kopf kann das noch nicht wahrhaben. War es doch immer viel viel kälter in Europa. Egal.
Genießen wir jede Sekunde

Genießen wir jede Sekunde - machen Erinnerungen

Gerade in den letzten Wochen hatten wir an den Wochenenden viel Zeit mit den Kindern verbracht und die Sonntage uns gegenseitig verschönert. Es war der Monat der Blumen. „Flores de Mayo -Blumen des Mais“. Wir schauten Filme mit Popcorn, singen Karaoke und verbringen eine wunderbare Zeit. Runden alles damit ab, dass Ende Mai ein kleines Fest organisiert wird. Mit vielen Blumen, zu Ehren Marias und einer Runde Wasserplanschen. Eines der schönsten Momente, die ich mit den Kindern teilen durfte.
Flores de Mayo

Flores de Mayo

Flores de Mayo - Mahl

Flores de Mayo - Mahl

Es fällt mir immer schwerer, aber ich versuche es. Ich hab also probiert, mich ein bisschen von unseren Kleinen zu verabschieden. Kaufe Bändl und knüpfe schweren Herzens Armbänder. 70 Stück. Auf dem Weg zu meiner wahrscheinlich letzten Mobil Library bin ich trotzdem ruhiger. Ich versuche alles einzufangen. Mit etwas Tränen in den Augen erinnere mich an Oktober. Schon 9 Monate her. Als wir damit angefangen haben, gelaufen sind und auf Matten saßen. Jetzt haben wir Tische, Stühle, Schüsseln dabei. Die Kinder warten schon und wir müssen sie nicht mehr abholen.
Der Kakao-Reisbrei...

Der Kakao-Reisbrei...

Wir binden einander die Bänder an die Handgelenke. An die dünnen Ärmchen, deren Hände unzählige Male Meine umschlossen haben.
ein kleines Danke für viele Wochen

ein kleines Danke für viele Wochen

Zu den Kindern am Friedhof fühle ich mich besonders verbunden. So oft war ich in den letzen Wochen dort. Fast täglich. Lächle die Familien, die Besitzerin des kleinen Ladens an. Unvorstellbar, dass ich das hier nicht mehr wiedersehen werde. Wir verabschieden uns lachend. Es ist schön, dass es nichts so ganz besonders ist. Dass es wie immer ist. Es ist fast wie immer.
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so viele kleine Ärmchen

Ich bleibe alleine sitzen, an der Stelle, an der wir unterrichten. Ich will nicht gehen. „Ate Johanna, I will miss you!“ einer der Jungs sitzt neben mir und schaut mich mit großen Augen an. Ich werde dich auch vermissen. Ich drehe mich noch einmal zu ihm um, sehe ihn gehen. Wir fahren zurück zum Shelter und ich verdrücke einige Tränen.
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Mir wird bewusst, wie sehr ich alles hier liebe. Und alles, was man zusammen erlebt macht es nochmal schlimmer „Bis Bald“ zu sagen. Man schließt Minuten in sein Herz und will, dass es so bleibt. Dass es nie endet. Ich werde wohl auch noch ein paar Tränen hier lassen. Das ist Teil davon. Jeder Ort, jeder Mensch hat seine Zeit und man muss akzeptieren, dass diese begrenzt ist.
 

Ganz viel Dankesehr

Dienstag, 10. Mai 2016 von JohannaS

„You dug yourself into places,

you never thought you would be,

don’t you fret and don’t you mind,

the only constant is changes,

and you will never know what you will find,..

well, we’re always on your way,

we’re always on our way“ – Radical Face (Ben Cooper)

Ich wurde eingeladen. Mit ner Freundin. Zusammen zu ner Freundin einer Schwester von ner Schwester. Zu deren Dorf- und Familienfest. Und ganz nebenbei kamen innerhalb von 4 Tagen spontane Einladungen zu 3 Geburtstagen hinzu. In meinem Kopf macht das alles Sinn, aber ja, es klingt ein bisschen verwirrend. Und es hat mich sprachlos werden lassen. Sprachlos von all der bedingungslosen Gastfreundschaft. Klar, weiß ich, dass hier Gastfreundschaft extrem gelebt wird, aber das hat nochmal einen drauf gesetzt. – Davon erzähle ich hier. Von ein paar Tagen, in denen ich mein Herz ein bisschen mehr hier verloren habe.

Ich wusste vor der Reise nur meine Flugdaten und dass wir ein paar Tage auf Bohol verbringen werden. Bohol ist eine weitere Insel, die wegen ihrer besonders ausgeprägten hügeligen Landschaft berühmt ist. Wir, das sind eine Deutsche, die ich hier in Manila kennengelernt habe und ich.

Zunächst zu uns beiden. Das Schöne, am „ImAuslandSein“, ist das viele Menschen, die du triffst genauso ticken wie du selbst. Und es war das gleiche bei uns. Kathi und mich. Kein einziger komischer Moment. Es verbindet einen die Abenteuerlust, das gemeinsame Reisen. Man lacht zusammen, teilt manchmal die Angst und all die Eindrücke die im Kopf umhergehen und viel, viele Momente.

We're on our way! - Im Bus - ohne Glas

We're on our way! - Im Bus- im Fahrtwind

Wir wurden also eingeladen und schippern nach ein paar Nächten in Cebu City, ziemlich früh morgens nach Bohol.

Morgenstimmung am Hafen

Morgenstimmung am Hafen

Eine kurze, aber herzliche Umarmung später sitzen wir in einem Van und lernen die Freundes Freunde kennen, tauschen ein paar Geschichten und werden, was wir im Nachhinein festgestellt haben, durch die halbe Insel gefahren. Wir sind geschafft am Ende des Tages. Glücklich von den unwirklichen Orten, die wir gesehen haben und müde vom Beineanziehen im Van.

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

Es ist dunkel und ich sehe seit Ewigkeiten das Funkeln des Sternenhimmels, als wir aufgeweckt werden und aussteigen. Es fröstelt mich sogar ein bisschen, als wir in das Haus geführt werden, wo uns Kindergelache und große Augen ansehen. „Welcome home!“ – ein bisschen fühl ich mich so. Diese Familie, bei denen wir die nächsten Nächte verbringen werden, lernen wir an diesem Abend kennen. Ja, wir lernen nur einen kleinen Teil kennen, denn wegen des Geburtstags des Papas und der „Fiesta“ – einem jährlichen Dorffest – kommen alle Verwandten zusammen. Und wir zwei Deutsche wie selbstverständlich auch.

unsere Brüder auf Zeit

unsere Brüder auf Zeit

Ausschlafen. Ja, obwohl ich meinen natürlichen Wecker in Manila – das Morgengebet der Schwestern, vermissen werden, schlaf ich auf Bohol seit einer gefühlten Ewigkeit wieder richtig lange aus. Und ja, das ist deutsch. Denn normal sind die Menschen hier schon früh auf den Beinen – Emma, die Frau, der das Haus gehört, nimmt es als Kompliment. Und sie bringt uns einen Kokosschnaps – Guten Morgen!

In den folgenden Tage dürfen wir Dinge erleben, die man nicht gut in Worte fassen kann. Ein bisschen magisch, viel philippinische Kultur und Herzlichkeit.

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

„We’re always on our way.“ Leider. – Es ist ein Ort, von dem ich noch nie zuvor träumte und doch mein Herz dort gelassen habe. Aber ja Ben Cooper hat Recht: das Einzige was bleibt sind Veränderungen. Und auch wir müssen von unserer Lieblingsfamilie Abschied nehmen. Danke für die wunderbaren Tage. Danke für die Herzlichkeit, für die Geschichten, die ich jetzt erzählen darf. Danke für diese besondere Art der Gastfreundschaft. Ein letztes „Passt auf euch auf“… Ich weiß nicht ob ich sie jemals wieder sehen werde. Und wir machen uns auf den Weg.

Salamat!

Salamat!

Wir machen uns auf den Weg. Zurück nach Cebu, wo wir nur kurz einen Zwischenstopp einlegen wollen, und im Wasser abkühlen und dann weiter fahren wollen. Der nächste Geburtstag!

Los, esst mit – „Essensschlacht“  – so nennen wir hier den Foodfight, der auf dem Bananenblatt stattfindet und bei der alle gemeinsam mit Händen essen. Noch bevor wir die Namen des Geburstagskindes erfahren singen wir ihm schon ein Ständchen. Den Nachmittag verbringen wir also mit dieser Gruppe. Damit Bilder zu machen, beim schwimmen sich den Rücken zu verbrennen und damit ein paar Kokosnüsse zu verschnapulieren. Ein paar sind untertrieben. Danke für die Einladung! Danke für das Erleben dieser Geburtstagstradition! Dankesehr.

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Wir machen und auf den Weg in eine andere Stadt der Insel.

Wir bleiben ein paar Tage. Kathi und ich genießen die Sonne, das Tauchen, das InDenTagLeben. Und ein paar mehr Kokosnüsse…

ja gut, das war noch bei der Lieblingsfamilie

Und wie immer machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Cebu City.

Und dann kurz bevor ich wieder zurück nach Manila fliege, holt uns meine Lieblingsschwester am Hostel in ab und bringt uns zu ihrer Nichte. Sie wird 15 und wir dürfen dabeisein. Sie ist ein bisschen schüchtern und nimmt lächelnd unser kleines Geschenk an. Und schon wieder. Man fühlt sich als würde man gerade nach Hause kommen. Wir setzen uns an die KaraokeMaschine und beschallen gemeinsam die Nachbarschaft.

Schnulzen, Liebeslieder,...

Schnulzen & Liebeslieder

Wir lachen viel. Wir singen schief und alle machen mit. Wir leben die Momente und schließen sie in unser Herz. Danke – Dankesehr.

Und ich mach mich auf den Weg. Zurück nach Manila. Zurück zum Entspurt. Mir bleibt nicht mehr lang. Ich will nicht an den Abschied denken, der immer näher rückt.

Ich habe mich in dieses Land verliebt. In die Menschen. In die Kultur. Ich habe mir nach all den Monaten unterbewusst Verhaltensweisen angewöhnt. Ich merke, wie schwer es mir fallen wird viel zurückzulassen.

Wie wunderschön es doch ist!

Wie wunderschön es doch ist!

Auch das bedingungslose. Bedingungslos wurden wir in drei ganz unterschiedliche Familien eingeladen und bedingungslos und so wie ich bin, wurde ich von dem ersten Moment an hier aufgenommen. Obwohl ich anders aussehe, ich aus einer anderen Kultur und mit einer anderen Denkweise angekommen bin. Mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir, dass dieses bedingungslose Willkommenheißen die Welt erobert.

Liebste Grüße – Johanna

 

Reis, Bananen und ganz viel Zucker

Mittwoch, 06. April 2016 von JohannaS

“ A spoon of sugar helps the medicine go down. In a most delightful way“ – „Mary Poppins“

Ich habe mir mal wieder ne Milch gegönnt. Ungefähr 40 Peso. Das sind fast 80 Cent. Es ist ziemlich viel für 250 ml. Und es ist auch noch Nestlé. Ich bin ein Mensch, der diesen Riesenkonzern nicht unterstützen will. Und ich kämpfe immer wieder selbst mit mir, aber ich will einfach manchmal ne Milch trinken. Und zwar kein verdammtes Milchpulver, das in Wasser aufgelöst wurde um dann in Tetrapaks verkauft zu werden. Sondern echte Milch. Und dabei kommt man kaum an Nestlé und industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorbei. Leider.

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Wer mich kennt, weiß, dass ich einen kleinen Fable für gesunde Nahrungsmittel und die Verarbeitung dieser habe. Und es ich muss hier manchmal den Kopf schütteln, wie man so gute „Rohstoffe“ so einfach „zunichte machen“ kann. Und darüber schreibe ich hier.

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Ich hab wohl die anderen Mitarbeiter mit meiner Interesse angesteckt und seit ein paar Wochen messen und wiegen wir unsere Straßenkinder, um zu dokumentieren, wie das neu eingeführte, regelmäßige Feeding „anschlägt“. Als ich den BMI ausrechne komme ich ins Stocken. Ich rechne dreimal nach. Aber es sind wirklich ein paar übergewichtige Kinder dabei.

Ich weiß, dass der BMI nicht das Muskel/Fettverhältnis darstellen kann und wohl auch, dass die Kinder mehr schwere Muskelmasse als leichteres Fett mit sich tragen. Aber übergewichtig? Ich denke sehr viel drüber nach und bemerke, dass wir hier eine Gratwanderung zwischen Nahrungsmittelwelten machen.

Beim Feeding

Beim Feeding

Das Paradies der tropischen Früchten, dem lokalen Reis, dem frischen Fisch und unglaublich vielen, gesunden Kräutern auf der einen Seite. Ja, es gibt so etwas wie philippinische „Hausmannskost“. Oft sind es eintopfähnliche Gerichte, die mit Reis gegessen werden. Es wird Hähnchen oder Fisch in Wasser gekocht. Dazu viel Bohnen, Kürbis und „Malunggay“ – Ein kleinblättriges Gewächs, das unglaublich reich an Vitaminen und Nährstoffen ist. Zusammen mit dem Reis gibt es unglaublich viel Energie und liegt, wenn es nicht allzu fettig ist, kaum auf dem Magen. Fettig wird es, wenn Schwein ins Spiel kommt. Es wird nichts weggeschnitten und manchmal kann man am 2cm-dicken Fettrand ein paar Schweineborsten erkennen – fast schon lecker…nicht!

Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

In einer Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

Ich mochte nie Seafood - hier schon!

Ich mochte nie gern Seafood - hier schon!

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Ja, bisschen bunt..

Ja, bisschen bunt.. das blaue ist Fruchtsalat!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte - ohne Salat!

…Und es gibt die industriell verarbeiteten, oft importieren Lebensmitteln, die – im Vergleich selbst zu kochen – sehr viel günstiger sind. Und vollgeladen mit Chemie – Geschmacksverstärkern, Zucker, Salz und Konservierungsstoffen. Und das mag wohl auch der Grund sein, weshalb ein paar Kinder mehr wiegen. Das billige Essen schmeckt, gibt einem Kinderkörper jedoch nichts, was eigentlich essenziell wäre. Sie werden von klein auf an den Geschmack von gesüßtem Milchpulver gewöhnt. Das die Zähne auffressen wird. Sie bekommen, statt ein Essen mit Reis und Gemüse, ein paar Hefebrötchen – mit Zuckertopping. Und klar, dürfen Softdrinks nicht fehlen. Wenn Zucker dran ist, schmeckt fast jedem Kind fast alles. „Sogar die ekelhafteste Medizin“ – so erzählt es Mary Poppins. Aber es macht einen Menschen auf Dauer einfach kaputt. Und ich hoffe, das können wir den Eltern nahe bringen, wie wichtig es doch ist, etwas darauf zu achten. Und wer weis, vielleicht sortieren sie irgendwann nicht das kleingeschnittene Gemüse aus dem Reis.

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Crackern,...

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Kaubonbons, Crackern,...

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Das Essen ist eines der wichtigsten Teile des alltäglichen Lebens hier. Diese Nation isst unglaublich gerne. Und ich gehöre wohl schon langsam ein bisschen dazu. Dreimal am Tag Reis. Kein Tag ohne Fleisch. Hinzukommen mindestens zwei Bananen und 3 Liter Wasser innerhalb von 24 Stunden. Achja und dann die Snacks und das Streetfood – das ist ja nix. Ja, ich habe zugenommen und dank der lieben Fürsorge, dass ich auch ja keinen Hunger verspüre und meiner Neugier bleibt mir nichts anderes übrig, als alles zu probieren. Wirklich alles.

Zum Beispiel auch Hühnerfüße

Zum Beispiel auch Hühnerfüße - nicht unbedingt mein Fall

Algen - wirklich nicht schlecht!

Algen - wirklich nicht schlecht!

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen..zum Frühstück!

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

oder doch bisschen Bananenketchup?

...oder doch bisschen Bananenketchup?

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Mit all diesen Bildern sende ich Euch liebste Grüße aus Manila… Ja, wenn Ihr das nächste Mal in ein Käsebrot beißt oder einen Joghurt schnabuliert – denkt an mich. Bis dahin.. drink ich meine günstigere Alternative zu Nestlé und Kuhmilch:

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

Johanna

 

Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“

Montag, 07. März 2016 von JohannaS

„We live in cities you’ll never see on screen

Not very pretty, but we sure know how to run free

And you know, we’re on each other’s team“ – Lorde

Ich schließe meine Tür auf und genieße die Ruhe. Streife die ausgelatschten Vans von meinen Füßen. Leg mich aufs Bett und lächle vor Glück. Denk daran, was gerade passiert ist. Meine Lieblingssister – ja, sowas hab ich wirklich! – hat mich vom Flughafen abgeholt, mir zugehört, was in meinem Kopf ist. Ich hab mit ihr meinen Reisporridge geteilt, bevor wir einander „Gute Nacht“ wünschen. Es hat was wunderbar vertrautes. – Ich bin jetzt wohl endlich angekommen. Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“ ist da.

MoskitoNetz und Willkommensketten - Johanna durch und durch

unter Moskitonetz und Willkommensketten - so lebe ich hier

In den letzten Wochen ist ziemlich viel passiert und jetzt, wo man etwas Ruhe findet, merke ich, wie wunderschön die vergangenen Momente waren.

Ich komme von meinem Zwischenseminar nach Hause. Zurück nach Manila. Eine Woche haben die Sternsinger-Asien-Freiwilligen auf Cebu verbracht. A r g a o – Ein Ort, der unperfekt perfekt ist. Nicht das Programm, nicht das Wasser, nicht der Strand, nicht das Essen. Es sind die Worte, die nächtlichen Redesessions an unserem Tisch im 7/11, das unglaublich verzuckerte SchokoladenSofteis, die Menschen in diese Woche, die mein Herz berühren. Man wird verstanden. Man hört zu und es wird einem zugehört. Man lernt sich kennen – und damit meine ich nicht diese oberflächlichen Standardfragen. Mir fällt es schwer diese fünf Tage in Worte zufassen, weil sie zu kostbar sind um einfach in Buchstaben gezwängt zu werden. Vielleicht schaff ich es in Bildern.

Willkommen in Argao

Willkommen in Argao

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Aber meine Manila-Auszeit war noch nicht am Ende. Das Reisen geht weiter. Mit Milly. Sie ist mir so unglaublich ans Herz gewachsen, meine Mitfreiwillige aus Cebu City. Und mit anderen Freunden aus der Heimat fahren wir auf Apo Island. Es war ein neuer Teil der Philippinen, neue Eindrücke. Es war wunderschön. Eine Insel, die man in 2 Stunden umrunden könnte. 1000 Einheimische, kein fließend Wasser, kein dauerhafter Strom. Um 9.30 abends geht die Karaoke-Maschine aus.

Danke für diese Zeit

Wir beiden Verrückten

Das (!) ist eine Hauptstraße

Das (!) ist eine Hauptstraße

5.00 Uhr morgens -  ein Sonnenaufgang in aller Ruhe

5.00 Uhr morgens - ein Sonnenaufgang in Stille

ApoIsland

ApoIsland

Es tut gut richtig durchatmen zu können. Kein einziges Moped auf der ganzen Insel. Man geht im glasklaren Wasser tauchen und  in zwei Metern Entfernung grast eine Wasserschildkröte zwischen dunkelblauen Seesternen. Man geht in FlipFlops zusammen die Felsen der Insel erklimmen und ist so unendlich dankbar an diesem Ort zu sein. Und wenn man Abends in seinem Holzbett liegt, vom das Moskitonetz geschützt, kommen einem die Grillen, die Vögel, die Geckos, der Wind in den Bäumen sehr, sehr laut vor. Ja, ich wollte es sogar aufnehmen, weil ich dieses Gefühl so vermisse. Apropos vermissen. Durch den deutschen Besuch wurde man daran erinnert, wie Deutschland tickt. Was aber auf keinen Fall schlecht war. Im Gegenteil es ziemlich interessant zu sehen, inwiefern man sich in einem halben Jahr verändern kann. Sich selbst zu reflektieren und zu sehen, wie Freunde aus der Heimat Dinge wahrnehmen, die man selbst gar nicht mehr sieht und wertschätzt.

Man sitzt zu wenig am Meer

Man sitzt zu wenig am Meer

Mit all diesen Bildern im Kopf, den Geschichten in den Ohren und den Menschen im Herzen fliege ich zurück nach Manila. Die Reifen des Flugzeuges berühren die Rollbahn, und mein Handy lässt Lorde singen. Erst jetzt bemerke ich, wie dieses Lied, das unsere Zeit in Argao begleitete zu unserer allen Situation passt. Ja, wir wissen wie wir unsere Städte leben, wie mit ihnen zurechtkommen und wie sehr uns all die Erfahrungen, all das Kämpfen, das An-Seine-Grenzen-Kommen unbewusst zusammenschweißt.

We're in each others team!

we're on each other's team!

Und ich komme in mein Zimmer, wasche Cebus Luft aus der Wäsche – im Schatten des vertrautem Fliesenspiegel. Und sehe all die philippinischen Mädels wieder, die deutschen Manilaner, die mir so ans Herz gewachsen sind. Es sind kleine Dinge, die einem Routine geben und die ein Zuhause ausmachen. Ob Sport, die bekannten Gesichter der Security-Frauen, das Aufwachen im Gesang des Morgengebets oder meine Extraportion Gemüse der Köchin. Durch das Weggehen lernt man Dinge schätzen und fängt wieder an zu genießen. Man kommt zurück ins Projekt und es wird nach einem gefragt. Ich gehe wieder in die Straßen. Zwei Wochen ist für die Kinder eine lange Zeit. „Ate Johanna, wo warst du denn?“, während sie sich an mich drücken und mich mitziehen. Es sind neue Menschen im Shelter, deren Geschichten ein offenes Ohr brauchen. Ich hab wieder Kraft Fragen zu stellen und Ideen zu geben. Und mir bleiben nur noch 5 Monate. Die Zeit rennt und ich möchte nicht an den Abschied denken.

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

 

Wo bleibt die Nächstenliebe?

Samstag, 06. Februar 2016 von JohannaS

„Wir sollten am Glück des anderen Teilhaben und nicht einander verabscheuen“ – Charlie Chaplin

Was ist nur mit den Menschen los. Was ist mit uns los? Ist es normal, das die Menschheit so unglaublich unmenschlich ist? Warum behandeln wir uns gegenseitig so unheimlich unheimlich.

Neben all den schönen Momenten war ich gerade in letzter Zeit oft den Tränen nahe. Ich war so entsetzt, geschockt und bin gleichzeitig so erschrocken. Ich erzähle euch, was in meinem Kopf vorgeht.

Weiße SUV’s neben rostenden Tricycles. Neue Markenhandtaschen neben im Müll gefundenen Geldbeuteln. Bettelnde Kinder neben wohlgenährten Privatschülern.  Diese Gegensätze, könnten großer kaum sein, sind normal geworden. Ich finde es erstaunlich, wie auch ich mich an den Anblick gewöhne.

Was nicht heißt, dass mir es nicht im Herzen wehtut, wenn ich ein zweimonate altes Baby im Arm wiege, während der Vater Zigaretten an Studenten verkauft und ich gleichzeitig weiß, dass ich das kleine Wunder gleich wieder auf das Holzbrett neben dem Tisch des Vaters legen werde. Von den Jeepneyabgasen seit der Geburt ganz zu schweigen.

Jeepneys - schauen ganz nett aus, aber sind der Tod für gesunde Lungen

Jeepneys - schauen ganz nett aus, aber sind der Tod für gesunde Lungen

Der Mensch gewöhnt sich an alles, sagt es sich so schön. Aber muss man das? Ich will mich nicht an die undeutbaren Blicke gewöhnen, die man spürt, wenn man mit einem staubigen zerstrubbelten, fröhlichen Kind an der Hand, das einem gerade von seinem Tag erzählt, durch die Menschenmassen von Angestellten, Schülern, Hausfrauen oder Managern läuft. Aber man gewöhnt sich an das Gefühl Abends geduscht im Bett zu liegen und zu wissen, dass es vielen nicht so gut geht. Vielleicht gewöhnt man sich nicht an die Ungerechtigkeit, aber man akzeptiert diese – ja ich würde sogar sagen, dass man anfängt sich ein bisschen zu distanzieren.

„Johanna, vergess bitte trotzdem nicht, woher du kommst“, hat mir eine besondere Frau zum Abschied mitgegeben – Einer der wichtigsten Sätze, die ich mitbekommen habe. Ich merke, wie ich mich oft nicht nur räumlich distanziere, sondern auch emotional. Man sagt den Kindern, sie sollen aufhören zu betteln. Man schenkt den Alten ein Lächeln, ein paar Früchte. Vielleicht ist es ein Schutzmechanismus des Körpers. Vielleicht ein Schutzmechanismus des Herzens um nicht verrückt zu werden. Aber ich merk wie wichtig es ist. Ich hab das Glück, dass ich nicht tatenlos zusehen muss, wie die Schere zwischen Arm und Reich wächst, sondern mit meinem Projekt ein paar von ihnen helfen kann. Manchmal zu einem Job, zu einem Zimmer. Und manchmal reicht für ein paar Stunden auch ein Dach gegen Regen und nasse Füße.

Manila und unser Shelter Tuluyan

Manila und unser Shelter Tuluyan

Aber die Leute, die in den Shelter kommen, werden weniger. Der Grund ist banal – der Staat hat beschlossen, es soll keine Straßenfamilien mehr geben. Klingt ganz gut soweit. Die Medien erzählen stolz, dass die Familien in dem Areal „Boystown“ ein Obdach geben und es Nahrung für alle gibt.

Es stimmt. Nahezu. Ich rede mit einer alten, lebensfrohen Frau, die nach ein paar Wochen wieder im Shelter aufgetaucht ist. Sie schaut müde aus und lächelt mich trotzdem an, als ich ihr die Türe öffne. Sie war in Boystown. Sie wurde, gegen ihren Willen hingebracht, obwohl sie Papiere hat. Obwohl sie registriert ist. Ihr wurde Essen gegeben, was ungenießbar war, nachdem sie sich eine Stunde anstellte. Sie durfte sich duschen, in einem stinkenden Raum. Sie durfte schlafen, zusammen mit Kranken, Kindern und Männern – in einer Halle. Ein Einzelfall? Es ist nicht die einzige die mit diesen Worten wiederkommen ist. Wenn man denn aus dem Areal kommt. Das geht nur mit gültigen Papieren. Womöglich sind die Sozialarbeiter dort überfordert, mit der Masse an Obdachlosen – trotzdem lässt es mich nicht kalt.

Ich schlucke. Ist es deren ernst? Abends mit einem Truck durch Manila zu fahren und Leute wie Tiere aufzusammeln? Müttern die Kinder zu nehmen? Diese Menschen haben nichts außer ihrer Freiheit. Und es wird ihnen ihr einziges Gut genommen – wenn sie keine Papiere haben? In was für einer Welt leben wir eigentlich? Ich werde es einfach nicht verstehen wollen und muss schon wieder schlucken.

Und dann höre vor ein paar Minuten Zeilen, die mich nicht mehr loslassen. Charlie Chaplins „Rede an die Menschheit“ aus einer Parodie auf den Deutschen Nazionalsozialismus, in welcher Chaplin 1940 zur Nächstenliebe appelliert. Sie passt unglaublich gut auch in unsere Zeit. Hörts euch an:

https://www.youtube.com/watch?v=x_Z1aELLaYw

Nicht nur in Manila versteh ich vieles nicht. Es mag an der anderen Kultur liegen, an anderen Lebensweisen. Aber es fehlt nicht nur hier manchmal die Menschlichkeit. Natürlich ist jeder seines eigenen Glückes Schmied, aber man bedenkt nicht, dass viele unabsichtlich Hilfe brauchen. Muss also unterschieden werden, wer wir sind, woher wir kommen, wie wir aussehen? Wir sind alle Erdenbürger. Ich kann es nicht fassen, wie unmenschlich Menschen doch sind.

Und das ist das, was in meinem Herzen vorgeht.

Danke fürs lesen.

Johanna

 

Vom Paradies und meinem Leben

Donnerstag, 21. Januar 2016 von JohannaS

„Denn das ist dein Leben, das ist wie du lebst; Warum du liebst und lachst und dich selbst nicht so verstehst“ – Philipp Dittberner

Ich hab Menschen mein Leben gezeigt. Ich hab ihnen erzählt und erklärt. Diesmal nicht über 10000 km Entfernung und 7 Stunden Zeitverschiebung, sondern in der Realität. Mit allem was dazugehört – Gerüche, Geschmäcker, die Hitze. Und ich hab unglaublich viel Deutsch geredet. In den letzten 4 Wochen.

Es fängt mit dem wohl schönsten Weihnachtsgeschenk, dass man sich an meiner Stelle hätte wünschen können: meine Familie. Ich fuhr also am Morgen des 24.12. an den Flughafen und konnte die Drei in den Arm nehmen. Mein Herz hat einen riesen Sprung gemacht und ich hab mich so unendlich sehr gefreut ihnen mein Leben, in das sie mich nach 18 Jahren Obhut gehen ließen, zu zeigen. Und mit mir freute sich so ziemlich jeder. Das heißt, dass alle Schwestern, Freunde und Familien im Projekt schon Wochen davor fragten, wann meine Eltern jetzt kommen würden und an welche Orte ich sie denn wohl bringen würde. Diese Freude zeigen Filipinos in ihrer Gastfreundschaft. Und diese wiederum mit Essen, weshalb die Ankömmlinge erstmal mit einem kleinen Festmahl begrüßt wurden.

und es wurde noch mehr - das muss Liebe sein!

und es wurde noch mehr - das muss Liebe sein!

Wir feierten den Heilig Abend in Manila, doch davor lief ich mit ihnen durch die Straßen. Vorbei an den Dreckwasserlöchern der Kinder. Vorbei an den Zigarettenständen der Mütter. Ich stellte meinen Eltern Menschen und deren Geschichten vor. Diesen Menschen ein „Maligayang Pasko – Merry Christmas“ zu wünschen hat gut getan und es war ein schönes und doch sogleich komisches Gefühl, die Familie nicht nur im Herzen mitzunehmen, sondern sie real neben sich stehen zu haben.

Für uns alle ganz besondere Weihnachten - auch andere Krippen

Für uns alle ganz besondere Weihnachten - auch andere Krippen

Der Abend selbst lässt sich wohl als eine Mischung aus deutschen und philippinischen Weihnachtstraditionen zusammenfassen: Abendessen vor der Messe; 1,5 stündige Christmesse, Noche Buena (ein 2. Festessen mit Spaghetti, Käse, Weihnachtsschinken, Toast, Früchten,…) und Bescherung. Ja, sie hatten tatsächlich fast einen ganzen Koffer mit Sachen für mich gefüllt. Von „Bestellungen“ wie Schwarzbrot bis hin zu all den Nachrichten und Kleinigkeiten von Lieben aus der Heimat. Danke dafür – Viel Dank, wirklich, es freut mich, wie liebevoll an mich gedacht wird!

Danke für all die lieben Sachen!

Danke für all die lieben Sachen!

Und da Manila jetzt nicht unbedingt der schönste Ort ist, um einen Urlaub auf den Philippinen zu verbringen flogen wir ins Paradies. Es ist ein Ort wie aus dem Bilderbuch, wo man merkt, wie sich der Schöpfer dieses Erdballs selbst verwirklicht hat: P a l a w a n.

Ich sag ja - Paradies

Ich sag ja - Paradies

Einsame, kilometerlange, weiße Sandstrände. Unendlich viele Palmen mit frischen Kokosnüssen. Klares Wasser. Eine bunte Unterwasserwelt. Mehr klares Wasser mit perfekten Wellen. Und sehr wenige Touristen.

Wo kann man sonst 14 km Sandstrand seelenruhig entlangfahren?

Wo kann man sonst 14 km Sandstrand seelenruhig entlangfahren?

Seelenruhig

Entspanntheit durch und durch

San Vincente - ein Manila-Kontrast

San Vincente - ein Manila-Kontrast

Klares, blaues Wasser!

Klares, blaues Wasser!

Und es ist um noch einiges schöner, wenn man diese Schönheit eines Landen mit jemanden Teilen kann. Obwohl man schon lange keine ausführlichen Gespräche mehr hatte, gewöhnt man sich sehr schnell an seine Familie und diese typische „Rollenverteilung“ entsteht. Ich lies mich treiben – mein Papa hat organisiert. Bis auf die Sprache. Einheimische haben mich verstanden, ich habe mit ihnen gesprochen, in einer Sprache, die ich nie in der Schule gelernt habe und die für mich vor ein paar Wochen eher an eine „Babysprache“ erinnert hat.

"Sie kann ja Tagalog" - Mayroon sila ng Tagalog!

"Mayroon sila ang Tagalog!" - Sie kann ja Tagalog!

Nach Neujahr ging es für uns alle wieder zurück und nach ein bisschen mehr Manila-Luft musste ich die Drei auch schon wieder ziehen lassen. Mit einer Mischung aus Dankbarkeit für die letzten gemeinsamen Tage, und Wehmut wünschte ich ihnen guten Flug. „Es sind ja nur noch 7 Monate“ – Oh je.. stimmt ja, bald ist Halbzeit!

Happy 2016 - das Jahr in dem ich wiederkomme!

Happy 2016 - das Jahr in dem ich wiederkomme!

Und kaum waren die einen verabschiedet, begrüßte unser Projekt meine Mit-Entsendeorganisation „Missio“ (Die Philippinen werden das Aktionsland, des Monats der Weltmission im Oktober 2016 sein, was der Grund des Besuchs war.) Gleichzeitig wollten die 8 Aachener natürlich auch bei ihren verschiedenen Projekte vorbeischauen, zu denen auch mein Shelter Tuluyan gehört.

Auch sie führten wir durch einen Bestandteil meines Lebens hier: meine Arbeit mit den Kindern Manilas. Durch den Shelter. Durch die Straßen. Über den Friedhof.

Und jetzt? Jetzt können sie nachvollziehen warum ich so lebe, wie ich hier lebe. Warum ich liebe und lache und mich selbst nicht so versteh, wie es Philipp Dittberner so schön sagt. Warum ich langsamer laufe, viel nachdenke, mehr Wasser trinke, kalt dusche, Reis liebe und „mutiger geworden bin“ – das meinte zumindest meine Mama.

und irgendwie hat man sich ja doch nicht verändert!

und irgendwie hat man sich ja doch nicht verändert!

Danke nochmal an alle lieben Wünsche für 2016! Ich freu mich darauf auch Euch, bald nicht mehr nur virtuell,  zu erzählen und euch mein Leben, dass ich hier führe in Deutschland zu erklären.

Johanna

 

Weihnachten mit allen Sinnen

Dienstag, 22. Dezember 2015 von JohannaS

„Stille Nacht, Heilige Nacht. Alles schläft, einsam wacht..“

Der Geruch von Zimt, Nelken und Butterplätzchen auf den Fingerspitzen. 27°C und brennende Sonne auf der Haut. Es ist knapp zwei Wochen her, als ich so unseren Shelter verlassen habe und das erste Mal einen Hauch von Weihnachten gespürt habe – Ich habe den Frauen gezeigt, wie man Plätzchen backt. Das Weihnachten auf den Philippinen wird besonders. Es wird anders. Es ist interessant.

Es tut echt gut, auch wenn man für Butter ein Vermögen ausgibt

Es tut echt gut, auch wenn man für Butter ein Vermögen ausgibt

Angefangen von Weihnachtsdekorationen in den Malls, die schon ab Mitte September keine Seltenheit mehr waren, über die kitschigen Christmassongs in den Monaten Oktober und November, bildet der Dezember den Höhepunkt des „Weihnachtswahnsinns“. Und so gab es in den letzten Wochen in unserem Shelter Tuluyan fast keinen Tag, an dem wir nicht Familien eingeladen, Weihnachtsdekoration gebastelt oder unsere Partner bei den Feiern unterstützt haben.

ganz dezente Dekoration im Hintergrund

ganz dezent im Hintergrund

In den letzten drei Wochen insgesamt sechs Veranstaltungen, bei denen verschiedene Firmen und Vereine mit den Kindern spielen, sie mit Kleidung, Süßigkeiten, Spielzeug und einem gutem Essen beschenken.

Es laufen solche Christmassharings – Weihnachtsteilen, wie sie hier genannt werden fast immer wie folgt ab:

Zunächst stellt sich die Firma, Organisation oder der Verein kurz uns, den Familien und Kindern vor und dann wird gespielt. Von Sackhüpfen, Eierlauf mit kleinen Citrusfrüchten ist alles dabei. Manchmal folgt eine Art Talentshow, bei der jeder der Lust hat etwas vortanzen oder vorsingen kann – Gewinner ist der, bei dem das Publikum bebt. Nach dem Spiel und Spaß gibt es für alle zusammen ein Essen, das fast immer aus Reis, frittieren Hähnchen und philippinischen Spaghetti, Nudeln mit süßer Hackfleischsoße, besteht. Anschließend bekommt jedes Kind von einem Vertreter der Firma eine voll gefüllte Tüte überreicht, es wird nach einem kurzen „Salamat po“ (- Danke) in die Kamera gelächelt und schon trennen sich die Wege der Straßenkinder und den Mitarbeitern. Die Kleinen reißen die Geschenke auf, naschen die Kaubonbons und begutachten Ihre neuen FlipFlops oder schauen mich fragend an, während sie einen Schreibblock in ihren Händen halten. Nach etwa drei Stunden verlassen satte, ausgepowerte Kinder und zufriedene Firmen die Gebäude – ohne auch nur einmal die Weihnachtsgeschichte gehört zu haben.

Sackhüpfen . ein internationales Spiel

Sackhüpfen . ein internationales Spiel

Mädchen beim Auspacken

Mädchen beim Auspacken

Wenn ich, aus ein paar Metern Entfernung diese „Partys“ beobachte, die mich sehr an einen Kindergeburtstag erinnern, habe ich das Gefühl, dass es mehr um Entertainment als um Weihnachten geht. Ja, die Kinder spielen und natürlich freut es mich, wenn die Kinderaugen leuchten, wenn sie aus vollstem Halse lachen können und sich nicht darum sorgen zu müssen, wo sie beim nächsten Hunger ein bisschen Reis herbekommen. Aber es schein mir manchmal alles so durchgeplant, so gespielt. Ich habe oft das Gefühl, es ist vieles inszeniert um möglichst viele Teilnehmer glücklich zu machen. Und ich möchte auch gar nicht sagen, dass es manchmal in Deutschland nicht genauso laufen würde, aber trotzdem hätte ich mir an vielen Stellen ein bisschen mehr Besinnlichkeit, Ruhe und das Erinnern an den eigentlichen Grund gewünscht. Stattdessen beobachte ich eine Mädchengruppe, die zu Justin Bieber, Miley Cyrus oder Dawin, für meine Verhältnisse doch ziemlich anrüchig, tanzt. Es ist natürlich meine persönliche Meinung und man kann es sicher nicht auf die gesamte Kultur der Filipinos überschreiben und ich hab auch keineswegs etwas dagegen, wenn man Weihnachten „richtig feiert“ und es nicht so romantisch wie in Deutschland zugeht, jedoch denke ich, dass man den eigentlichen Grund nicht vergessen darf.

Auch deshalb ist es nicht leicht in Weihnachtsstimmung zu kommen. Jedoch helfen uns genau hier die Sinne. Sei es der Duft der frischgebackenen Plätzchen, der Geschmack von Vanillekipferln auf der Zunge oder der Chor, der in der Kirche sich an der deutsche Strophe von „Stille Nacht, Heilige Nacht“ probiert, obwohl wohl nie jemand einsam wachen wird. Vorallem Traditionen und Vertrautes machen doch unser Weihnachten aus.

Apropos Tradition.

Die traditionelle philippinische, nicht kommerzialisierte, Vorweihnachtszeit erlebe ich hier bei den Schwestern. Die Vorweihnachtszeit beginnt neun Tage vor Weihnachten – das „Simbang gabi“. Es wird jeden Abend ein Gottesdienst gefeiert, bei dem immer Teile der Weihnachtsgeschichte vorgelesen werden und dazu gepredigt wird. Das Weihnachtsfest selbst wird Mitternacht, von der Nacht vom 24. auf den 25. gefeiert werden. Am Heiligabend trifft man sich, nach der letzten Simbang gabi – Messe, in den Familien und isst zusammen Um 24.00 Uhr werden die Geschenke ausgepackt und der eigentliche Weihnachtsgottesdienst findet statt.

traditionelle "parol lantern" - dezente Deko

traditionelle "parol lantern" - schlichte Deko

Dekoration im College

Dekoration im College

Es ist unglaublich interessant, wie verschieden Weihnachten an verschiedenen Orten unseres Planeten gefeiert wird, wie es doch fast immer ein Familienfest ist und welch starken Einfluss die Werbung und die Medien darauf haben. Ich finde wir sollten ihnen gerade bei einem solchen Fest nicht zu viel Macht geben und uns doch wenigstens eine Stille Nacht gönnen, die wir ganz traditionell genießen.

Maligayang Pasko at Manigong Bagong Taon.

Fröhliche Weihnachten und einen schönen Start ins neue Jahr!

Johanna

Merry Christmas - Meine "Chefin" Sr. Cecille und ich

Merry Christmas wünschen Sr. Cecille und Johanna

 

Guten Morgen Manila. Guten Morgen Kalinga.

Dienstag, 24. November 2015 von JohannaS
Guten Morgen Berlin du kannst so hässlich sein so dreckig und grau. – Peter Fox

Ich sitze im Jeepney und beobachte die Menschen, die mir gegenübersitzen. Ich schaue in leere Blicke, sehe Müdigkeit und selten ein Lächeln. Ich hab das Gefühl diese Menschen sind einfach unendlich müde. Müde von Manila. Den Abgasen, dem Schmutz, der Armut, den tausenden Menschen um sie herum. Ich denke an Peter Fox‘ Liedzeile und muss schmunzeln. Wie winzig Berlin doch im Gegensatz zu Manila scheint. Und trotzdem haben sie etwas gemeinsam. Berlin ist wunderschön verrückt. Manila ist verrückt. Auf der einen Seite liebe ich Städte wie diese. Wegen der unendlich scheinende Vielfalt. Das Streetfood, verschiedenste Menschen, deren Style, die Kulturen und Traditionen. Doch vielleicht ist es doch irgendwann einmal zu viel. Wenn mehr als 13 Millionen Menschen zusammen leben, wenn man nicht in Kilometern rechnet, sondern in Stunden, die man im Stau steht, wenn man merkt, wie sehr man sich nach frischer Luft sehnt. Man braucht einfach einmal Abstand zu all dem Chaos, das einen tagtäglich umgibt.

Aus diesem Grund ließen 4 andere deutsche Freiwillige und ich die MegaCity hinter uns und machten uns auf in die Provinz. Aufs Land. Ich muss schmunzeln, aber ja, ich kann jetzt Städter verstehen, die mal ne Woche Landurlaub machen.

Mit dem Nachtbus fahren wir 13 Stunden Richtung Norden und steigen in den philippinischen Bergen wieder aus. Wir haben noch keine Ahnung, was die Woche uns bringen soll, aber wissen doch, dass wir nicht unbedingt an überfüllte Orte gehen wollen.

Guten Morgen Kalinga.

GänsehautMomente

GänsehautMomente

Wir fahren, ganz unkompliziert, entlang der Bergwege in ein Dorf, in dem wir Francis, einen Einheimischen, treffen, der uns zu den „Ureinwohnern“ dieser Region bringt.

Allein das Gefühl, dass man auf dem Weg dahin hat, lässt sich kaum in Worte fassen. Der Blick schweift von dem 30m-Abgrund vor den Füßen in die Weite. Die Landschaft, die Reisterrassen, die angenehm frische Luft, die in die Lunge strömt. Es legt sich ganz automatisch eine Gänsehaut über dich und man fängt vor Glück das Lächeln an.

360° ausblick während der Fahrt - die Farben waren wirklich so schön!

360° ausblick während der Fahrt - die Farben waren wirklich so schön!

Gegenverkehr - ist nur so halb bequem da oben, der Ausblick gleicht das aber aus!

Gegenverkehr - der Ausblick lässt das Unbequeme vergessen

Beim Wandern durch die Landschaft verstärkt sich das Gefühl noch einmal und man merkt mal wieder wie klein man doch ist und wie großartig und vielfältig die Natur um einen herum ist. Es kommt einem fast vor, als würde man in einem Film über Asien mitspielen, so perfekt und doch nahezu unberührt scheint die Welt um einen herum.

Buscalan heißt der Ort, der uns mit Holzhütten, einigen Schweinen (?!), Hühnern und einfachsten Lebensbedingungen empfängt.

DinerTime - Reis gibts immer!

DinerTime - Reis gibts immer!

Wanddeko - ich hab mich in das verliebt!

Wanddeko - ich hab mich in das verliebt!

Holzhütte in Buscalan

Holzhütte in Buscalan

Kein Traffic, kein Fernsehen, kein Internet, kein Handyempfang. Und trotzdem wird einem nicht langweilig: das Baden im Wasserfall, Stunden den Ausblick und die Ruhe genießen, das Tief-Luft-holen und nachts stundenlang unter dem Sternenhimmel über Gott und die Welt philosophieren – es ist perfekt um das hektische Manila für ein paar Tage zu vergessen.

Der Haus-Wasserfall - perfekt

Der Haus-Wasserfall - perfekt

Man konnte sich nicht sattsehen!

Man konnte sich nicht sattsehen!

Es ist nicht nur die Natur, die diese Woche so perfekt macht, sondern auch die wunderbaren Menschen, die mit mir diese unvergesslichen Momente mit mir teilen. Man kennt sich zwar kaum, teilt trotzdem gleiche Erfahrungen, scherzt über philippinische Eigenarten, vermisst ähnliche deutsche Dinge. Es tut wirklich richtig gut zu reden. Lange zu reden. Bis zum Morgengrauen zu reden.

Wir sind dem Himmel ganz nah - und wieder das gewohnte Größenverhältnis

Wir sind dem Himmel ganz nah - und wieder das gewohnte Größenverhältnis

Es war wohl einer der ungeplantesten Trips meines Lebens, dennoch eine der beeindruckensten Wochen hier. Es wird einem auch mal wieder bewusst, das es die Dinge und Momente sind, die ein Leben lebenswert machen und die in deinem Herzen bleiben, die man sich nicht kaufen kann. Und auch, wenn ich jetzt wieder in Manila sitze muss ich lächeln, wenn ich mich durch die Bilder und Videos klicke und die Momente sich in meinem Kopf wiederholen. Ich merke, wie unendlich Dankbar ich bin, das hier alles erleben zu dürfen!

Danke Kalinga - war schön bei dir!

Danke Kalinga - war schön bei dir!

In diesem Sinne – Atmet tief durch und spürt das Leben!

Johanna

 

Viel Singen und Tanzen und Glücklichsein – mein Arbeitsplatz

Freitag, 23. Oktober 2015 von JohannaS

„We are the world, we are the children! We are the ones who make a brighter day, so lets start giving!“ – Michael Jackson & Lionel Richie

Ein paar Mädchen aus Pasay mit mir - ein bisschen "Wagi" (Spaß) zwischendurch

Ein paar Mädchen aus Pasay mit mir - ein bisschen "Waki-Waki" (Spaß) zwischendurch

Dieser Moment, wenn dir Kinder lachend, mit geöffneten Armen, entgegenlaufen um dich zu begrüßen. Dieser Moment, wenn sich eine kleine, weiche Kinderhand in deine schiebt, um dir zu zeigen, wohin es als nächstes gehen soll. Oder wenn sie vor dir stehen und dir, ein bisschen schüchtern aber nicht minder stolz, ihr Lieblingslied präsentieren.
Das sind nur drei kleine Eindrücke von unzähligen schönen, aber auch einigen nicht ganz so einfachen, die während meiner Arbeit mein Herz berühren. Und darum wird es in diesem Eintrag gehen: Ich werde endlich etwas über meine Tun hier erzählen.
Doch im Voraus, stelle ich nochmal ganz kurz mein Projekt vor:
Tuluyan San Benito – „Tuluyan“ kann mit „Obdach“ übersetzt werden und „San Benito“ bezeichnet den Orden der Benediktiner, zu dem sich auch die Schwestern hier zählen.
Es ist ein sogenannter „Drop-In-Shelter“, in dem zum Einen Familien für ungefähr 4 Monate leben, schlafen, kochen und essen können. Diesen Familien wird dann „Hilfe zur Selbsthilfe“ geboten. Es finden Seminare statt, in denen die Eltern unter anderem lernen, wie man richtig wirtschaftet.Des Weiteren geben die Schwestern auch „Minikredite“als Starthilfe und unterstützen Familien im Aufbau dieser kleinen Gewerbe.
Gina, die jetzt mit kleinen Köstlichkeiten ihr Geld verdient

Gina, die jetzt mit kleinen Köstlichkeiten ihr Geld verdient

Außerdem können Menschen, die auf der Straße leben, in den Shelter kommen, um sich zu duschen, zu kochen, ihre Kleider zu waschen oder sich einfach für ein paar Stunden Schlafen zu legen.
Blick in den Hof des Tuluyans - Gina wohnt auch hier

Blick in den Hof des Tuluyans - Gina wohnt auch hier

Neben den Angeboten für die Familien, bauen wir vier Mitarbeiter im Moment ein Programm für Straßenkinder wieder auf. Ich habe vor ein paar Wochen mitbekommen, dass sich wohl im August der komplette Mitarbeiterstamm geändert hat und wir somit alle „Neu“ sind. Es gab zwar davor schon ein festes Programm für Kinder in der Umgebung, jedoch kannte keiner von uns die Kleinen, geschweigenden wussten wir, wo wir anfangen sollten und was wir planen sollten. Schwester Cecille, meine Chefin, erzählte uns dann ein bisschen von den Aktivitäten, die in der Vergangenheit angeboten wurden, ermutigte uns aber auch eigene Sachen zu starten. Vor mir steht also eine wunderbare und auch ziemlich große Chance das Kinderprogramm von Grund auf mitzugestalten und zu planen. In meinem Kopf sind schon so viele verschiedene Ideen und ich freu mich riesig über diese Möglichkeit. Wenn ihr, meine Leser, auch jetzt einen kleinen Geistesblitz habt, dann lasst mich das gerne wissen!
Aber nun zuruck zu unserem Programm: Wir bieten zunächst zwei verschiedene Aktivitäten für die Straßenkinder an: „Saturday School“ und „Mobil Library“.
Saturday School – Samstagsschule:
Jeden Samstag laden wir die Kinder aus der Umgebung in den Shelter ein, wo wie sie nach einer Begrüßung, einem kleinen medizinischen Check und der philippinischen Nationalhymne in zwei „Jahrgänge“ aufteilen. Die 6 – 9 Jährigen, für die auch ich mit zuständig bin, und die 10-13 Jährigen. Anschließend unterrichten wir die Kinder altersgemäß, singen, spielen, tanzen und zeichnen mit ihnen. Nach einem gemeinsamen Mittagessen, verabschieden wir uns und die Kinder gehen zurück zu ihren Familien.
Die Kinder der SaturdaySchool - noch in Reih und Glied

Die Kinder der SaturdaySchool - noch in Reih und Glied

Die erste SaturdaySchool vor 2 Wochen - es kommen immer mehr Kinder

Die erste SaturdaySchool vor 2 Wochen - es kommen immer mehr Kinder

So steht zumindest der Plan. Und es wäre viel zu einfach und ehrlichgesagt auch etwas langweilig, wenn das so einfach funktionieren würde. Es sind Kinder, die es genießen, viel Platz zum rumtoben und fangenspielen haben. Und somit brauchen wir ganz schön viel Energie und etwas Liebe um diese Powerkids zu bändigen. Aber all die aufgewendete Kraft bekommt man irgendwie sofort wieder zurück:
Als ich heute Nachmittag auf dem Nachhauseweg war, rennen mir zwei strahlende Mädchen entgegen und bedanken sich aus vollstem Herzen für den schönen Vormittag. Eine Kreuzung weiter, treffe ich ein weiteres Mädchen, das den Gehweg kehrt. Sie drückt sich an mich und erklärt mir, warum sie leider nicht kommen konnte. Und sie fängt an, ganz selbstverständlich zu erzählen. Hier muss ich kurz erwähnen, dass mein Tagalog noch sehr, sehr ausbaufähig ist, ich aber jeden Tag mehr verstehe. Und das merken die kleinen Geschöpfe. Und sie erzählt. Sie erzählt mir also von ihrem Vormittag und fragt mich wohin ich denn gehe. Ich nehme mir etwas Zeit um ihr zuzuhören und ich merke, wie sehr sie es genießt, dass sich jemand neben sie setzt und ihr einfach zuhört. Auch wenn ich nicht jedes einzelne Wort verstanden habe, sehe ich ein leuchten in ihren Augen, dass mein Herz zum strahlen bringt.
Da leider viele Kinder keine Transportmöglichkeit zum Shelter haben und somit nicht an dem Samstagsprogramm teilnehmen, gibt es unsere
Mobil Library – „Mobile Bibliothek“:
Hierbei fahren wir in die verschiedenen Gebiete und singen, spielen, malen, basteln und tanzen vor Ort mit den Kids. Neben dem Platzproblem in manchen Gebieten, stehen hier Kinder allen Alters vor uns und wir probieren ein Programm anzubieten, mit dem jedes Kind etwas anfangen kann. Nach unserem Entertainment und ein paar Kinderlieder später, bekommt jeder ein warmes Mittagessen, bevor wir uns auch von diesen Kids verabschieden.
Forbereitung zum Mobil Library - sehr viel FriedRice

Forbereitung zum Mobil Library - sehr viel FriedRice

Ein ziemlich krasser und fordernder Ort, an dem wir mit der Mobil Library sind ist „Pasay Cemetery“. Er liegt im südlichen Manila und die Menschen leben mit den Toten. Als ich den Friedhof zum ersten mal betrat und die Kinder zwischen den Gräbern rennen und toben sah, lief es mir eiskalt den Rücken runter, aber gleichzeitig wurde mir warm ums Herz. Die kleinen Geschöpfe, die diesen Ort ihr Zuhause nennen, leben unter einfachsten Lebensbedingungen, die man keinem Kind wünscht. Trotzdem sind sie unglaublich reich. Sie haben ein Zusammengehörigkeitsgefühl, wie ich es bis jetzt nur sehr selten erlebt habe. Die Kinder kümmern sich umeinander, als ob sie alle Geschwister wären. Sie teilen Süßigkeiten und Spielzeug und achten steht darauf, dass keiner zu kurz kommt. Und strahlen nebenbei eine riesige Lebensfreude aus, denn es mag komisch klingen, aber auf dem Friedhof hat man mehr Platz zum spielen, als zwischen den kleinen Häusern außen herum.
Konzentration beim Zeichnen - die Kinder lieben das Malen

Konzentration beim Zeichnen - die Kinder lieben das Malen

Ausblick vom Unterrichtsort "Pasay Cemetery" auf Manila

Ausblick vom Unterrichtsort "Pasay Cemetery" auf Manila

An die Lebensfreude, die Liebe zwischen den Kindern und deren Offenherzigkeit gegenüber mir musste ich letzte Woche denken, als wir Michael Jacksons „We are the World, we are the Children“ zur Vorbereitung angehört haben. Die Friedhofskinder sind ein perfektes Beispiel dafür, dass es nicht materielle Dinge sind, die unsere Tage versüßen und unsere Welt um uns herum ein bisschen besser macht, sonder vor allem Nächstenliebe und Respekt voreinander. Denn wir alle, egal welche Nation, welches Alter oder welches Geschlecht, wir sind Kinder dieser Erde und selbst dafür verantwortlich, wie „bright“, wie schön, wir unsere Tage gestalten.
In diesem Sinne, habt einen schönen Tag!
Johanna