Ganz viel Dankesehr

Dienstag, 10. Mai 2016 von JohannaS

„You dug yourself into places,

you never thought you would be,

don’t you fret and don’t you mind,

the only constant is changes,

and you will never know what you will find,..

well, we’re always on your way,

we’re always on our way“ – Radical Face (Ben Cooper)

Ich wurde eingeladen. Mit ner Freundin. Zusammen zu ner Freundin einer Schwester von ner Schwester. Zu deren Dorf- und Familienfest. Und ganz nebenbei kamen innerhalb von 4 Tagen spontane Einladungen zu 3 Geburtstagen hinzu. In meinem Kopf macht das alles Sinn, aber ja, es klingt ein bisschen verwirrend. Und es hat mich sprachlos werden lassen. Sprachlos von all der bedingungslosen Gastfreundschaft. Klar, weiß ich, dass hier Gastfreundschaft extrem gelebt wird, aber das hat nochmal einen drauf gesetzt. – Davon erzähle ich hier. Von ein paar Tagen, in denen ich mein Herz ein bisschen mehr hier verloren habe.

Ich wusste vor der Reise nur meine Flugdaten und dass wir ein paar Tage auf Bohol verbringen werden. Bohol ist eine weitere Insel, die wegen ihrer besonders ausgeprägten hügeligen Landschaft berühmt ist. Wir, das sind eine Deutsche, die ich hier in Manila kennengelernt habe und ich.

Zunächst zu uns beiden. Das Schöne, am „ImAuslandSein“, ist das viele Menschen, die du triffst genauso ticken wie du selbst. Und es war das gleiche bei uns. Kathi und mich. Kein einziger komischer Moment. Es verbindet einen die Abenteuerlust, das gemeinsame Reisen. Man lacht zusammen, teilt manchmal die Angst und all die Eindrücke die im Kopf umhergehen und viel, viele Momente.

We're on our way! - Im Bus - ohne Glas

We're on our way! - Im Bus- im Fahrtwind

Wir wurden also eingeladen und schippern nach ein paar Nächten in Cebu City, ziemlich früh morgens nach Bohol.

Morgenstimmung am Hafen

Morgenstimmung am Hafen

Eine kurze, aber herzliche Umarmung später sitzen wir in einem Van und lernen die Freundes Freunde kennen, tauschen ein paar Geschichten und werden, was wir im Nachhinein festgestellt haben, durch die halbe Insel gefahren. Wir sind geschafft am Ende des Tages. Glücklich von den unwirklichen Orten, die wir gesehen haben und müde vom Beineanziehen im Van.

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

Es ist dunkel und ich sehe seit Ewigkeiten das Funkeln des Sternenhimmels, als wir aufgeweckt werden und aussteigen. Es fröstelt mich sogar ein bisschen, als wir in das Haus geführt werden, wo uns Kindergelache und große Augen ansehen. „Welcome home!“ – ein bisschen fühl ich mich so. Diese Familie, bei denen wir die nächsten Nächte verbringen werden, lernen wir an diesem Abend kennen. Ja, wir lernen nur einen kleinen Teil kennen, denn wegen des Geburtstags des Papas und der „Fiesta“ – einem jährlichen Dorffest – kommen alle Verwandten zusammen. Und wir zwei Deutsche wie selbstverständlich auch.

unsere Brüder auf Zeit

unsere Brüder auf Zeit

Ausschlafen. Ja, obwohl ich meinen natürlichen Wecker in Manila – das Morgengebet der Schwestern, vermissen werden, schlaf ich auf Bohol seit einer gefühlten Ewigkeit wieder richtig lange aus. Und ja, das ist deutsch. Denn normal sind die Menschen hier schon früh auf den Beinen – Emma, die Frau, der das Haus gehört, nimmt es als Kompliment. Und sie bringt uns einen Kokosschnaps – Guten Morgen!

In den folgenden Tage dürfen wir Dinge erleben, die man nicht gut in Worte fassen kann. Ein bisschen magisch, viel philippinische Kultur und Herzlichkeit.

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

„We’re always on our way.“ Leider. – Es ist ein Ort, von dem ich noch nie zuvor träumte und doch mein Herz dort gelassen habe. Aber ja Ben Cooper hat Recht: das Einzige was bleibt sind Veränderungen. Und auch wir müssen von unserer Lieblingsfamilie Abschied nehmen. Danke für die wunderbaren Tage. Danke für die Herzlichkeit, für die Geschichten, die ich jetzt erzählen darf. Danke für diese besondere Art der Gastfreundschaft. Ein letztes „Passt auf euch auf“… Ich weiß nicht ob ich sie jemals wieder sehen werde. Und wir machen uns auf den Weg.

Salamat!

Salamat!

Wir machen uns auf den Weg. Zurück nach Cebu, wo wir nur kurz einen Zwischenstopp einlegen wollen, und im Wasser abkühlen und dann weiter fahren wollen. Der nächste Geburtstag!

Los, esst mit – „Essensschlacht“  – so nennen wir hier den Foodfight, der auf dem Bananenblatt stattfindet und bei der alle gemeinsam mit Händen essen. Noch bevor wir die Namen des Geburstagskindes erfahren singen wir ihm schon ein Ständchen. Den Nachmittag verbringen wir also mit dieser Gruppe. Damit Bilder zu machen, beim schwimmen sich den Rücken zu verbrennen und damit ein paar Kokosnüsse zu verschnapulieren. Ein paar sind untertrieben. Danke für die Einladung! Danke für das Erleben dieser Geburtstagstradition! Dankesehr.

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Wir machen und auf den Weg in eine andere Stadt der Insel.

Wir bleiben ein paar Tage. Kathi und ich genießen die Sonne, das Tauchen, das InDenTagLeben. Und ein paar mehr Kokosnüsse…

ja gut, das war noch bei der Lieblingsfamilie

Und wie immer machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Cebu City.

Und dann kurz bevor ich wieder zurück nach Manila fliege, holt uns meine Lieblingsschwester am Hostel in ab und bringt uns zu ihrer Nichte. Sie wird 15 und wir dürfen dabeisein. Sie ist ein bisschen schüchtern und nimmt lächelnd unser kleines Geschenk an. Und schon wieder. Man fühlt sich als würde man gerade nach Hause kommen. Wir setzen uns an die KaraokeMaschine und beschallen gemeinsam die Nachbarschaft.

Schnulzen, Liebeslieder,...

Schnulzen & Liebeslieder

Wir lachen viel. Wir singen schief und alle machen mit. Wir leben die Momente und schließen sie in unser Herz. Danke – Dankesehr.

Und ich mach mich auf den Weg. Zurück nach Manila. Zurück zum Entspurt. Mir bleibt nicht mehr lang. Ich will nicht an den Abschied denken, der immer näher rückt.

Ich habe mich in dieses Land verliebt. In die Menschen. In die Kultur. Ich habe mir nach all den Monaten unterbewusst Verhaltensweisen angewöhnt. Ich merke, wie schwer es mir fallen wird viel zurückzulassen.

Wie wunderschön es doch ist!

Wie wunderschön es doch ist!

Auch das bedingungslose. Bedingungslos wurden wir in drei ganz unterschiedliche Familien eingeladen und bedingungslos und so wie ich bin, wurde ich von dem ersten Moment an hier aufgenommen. Obwohl ich anders aussehe, ich aus einer anderen Kultur und mit einer anderen Denkweise angekommen bin. Mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir, dass dieses bedingungslose Willkommenheißen die Welt erobert.

Liebste Grüße – Johanna

 

Videoblog #7 – The Real Life

Donnerstag, 05. Mai 2016 von Linn

Hallo ihr Lieben,

fuer alle, die ( genau wie ich) sehr ueberrascht von meinem Honeymoon hier bisher waren: Neue Updates in terms of ACTION.

Ziemlich langes Video leider, geniesst es einfach in kleinen Portionen…

Voila:

https://www.youtube.com/watch?v=kiXdrDWCjec

Viele Liebe Gruesse aus dem bitterkalten SA.

xx Linn

 

Countdown läuft

Dienstag, 26. April 2016 von Tabea

Heute in drei Monaten werde ich zum ersten Mal nach einem Jahr (-9 Tagen) wieder deutschen Boden unter meinen Füßen verspüren dürfen. Abschied von meinen neuen Freunden und Arbeitskollegen muss ich bereits viel früher genommen haben, genauso wie ich bereits viel früher schon Mitbringsel, Andenken und Geschenke ausgesucht und gekauft haben muss. Bedeutet also, dass ich mich schon viel früher auf meinen Abschied von Uganda vorbereiten muss, als mir eigentlich lieb ist. Natürlich freue ich mich auch darauf, wieder nach Deutschland zu kommen, meine Freunde und Familie in die Arme schließen zu können und gewisse deutsche Vorzüge genießen zu können, doch trotzdem werde ich nur mit schwerem Herzen mein liebgewonnenes Uganda verlassen können. Denn wie soll ich jetzt schon wissen, wann ich endlich wieder hierhin zurück kommen kann?

In den letzten Wochen ist nicht besonders viel passiert. Ich habe einen Kurztrip nach Kabale unternommen, dem bisher für mich schönsten Ort in Uganda und dort auch auf dem Lake Bunyonyi eine Kano Tour unternommen, ein wirklich atemberaubendes, wunderschönes Erlebnis!

Ein komplett Gottesdienstfreies Ostern war auch mal eine sehr neue und angenehme Erfahrung und die selbstgefärbten Eier+ Eiersuche, sind auch sehr gut sowohl in Buyamba, als auch in Masaka angekommen.

Mein “Brieffreundschaftsprojekt“, ist leider nicht weitergegangen, da ich zu wenige Zusagen bekommen habe. Mein nächstes Projekt ist nun Kontakt zu der Jugendgruppe in Buyamba aufzunehmen und mit ihnen ein neues Programm für ihre Freizeit auszuarbeiten.

Außerdem habe ich meinen Geburtstag in Uganda feiern dürfen, endlich 19! Obwohl meine Vorstellungen über einen Geburtstag in Uganda nicht so berauschend waren, war es letztendlich doch ein wirklich schöner Tag:)

Nächste Woche beginnt dann mein erster Urlaub und zwar geht’s nach… Ruanda! Ich bin schon sehr gespannt wie es dort sein wird und werde euch von meinen Erfahrungen berichten!:) Besonders freue ich mich schon meine sehr guten Französischkenntnisse unter Beweis zu stellen! NICHT! Latein und Alt-Griechisch lassen grüßen!

Zu guter Letzt nun ein par visuelle Eindrücke über die letzten Wochen.

Viele Grüße aus dem momentan eher regnerischen aber immer noch wunderschönen Uganda!

 

Look at the world – Schau dir die Welt an

Dienstag, 26. April 2016 von Katharina

Look at the world, everything all around us
Look at the world and marvel every day.
Look at the world: so many joys and wonders,
So many miracles along our way.

Look at the earth bringing forth fruit and flower,
Look at the sky the sunshine and the rain.
Look at the hills, look at the trees and mountains,
Valley and flowing river, field and plain.

Every good gift, all that we need and cherish.
Comes from the Lord in token of his love

Praise to thee, O lord for all creation.
Give us thankful hearts that we may see
All the gifts we share, and every blessing,
All things come of thee.

Schau dir die Welt und alles um dich herum an,
Schau dir die Welt an und bewundere jeden Tag
Schau sie dir an: so viele Freuden und Wunder,
so viele Wunder an unserem Weg.

Schau dir die Welt an wie sie Früchte und Blumen hervorbringt,
schau dir den Himmel, den Sonnenschein und den Regen an.
Schau dir die Hügel an, sieh die Bäume und die Berge,

Täler, strömenden Flüsse, Felder und Ebenen.

Jedes gute Geschenk, alles, was wir brauchen und schätzen,
kommt von Gott als Zeichen seiner Liebe.

Ehre sei dir, Gott, Herr der Schöpfung.
Gib uns dankbare Herzen, damit wir sehen,

dass alle Gaben, die wir teilen, und jeder Segen,
dass alles von dir gemacht ist.

Es ist zwar schon ein kleines Weilchen her, aber ich möchte euch diese Eindrücke nicht vorenthalten, die mich in der Karwoche völlig „aus den Socken gehauen haben“.
Welche Erwartungen hat man, wenn man auf dem Weg in ein Naturschutzreservat ist?
Ehrlich gesagt, ich weiß es gar nicht mehr, was genau ich eigentlich erwartet oder mir vorgestellt habe.
Und dann:

Erst war da dieser Bus, einer der letzten, die vor den Feiertagen überhaupt in diese Richtung fahren sollte. Ein Gedränge aus Koffern, Taschen, Tüten, Rucksäcken, Körben, Erwachsenen, Jugendlichen, Kindern, Säuglingen, vorwiegend Einheimische, aber auch einige Touristen, Hühner, Reis- und Bohnensäcke, und vieles mehr. Ich bin inzwischen volle Busse gewohnt, aber so voll habe ich noch keinen erlebt. Und ich übertreibe nicht, wenn ich sage, dass wir so eng standen, dass ich meine eigenen Füße nicht mehr sehen, geschweige denn mich umdrehen konnte.
Dann ging die Fahrt los: 3 Stunden über einen schlechten Feldweg immer weiter in die Natur und in eine Welt, die mir bis dahin fremd und unbekannt war, hinein. Ganz allmählich lichtete sich das Gedränge…
Nach 2 Stunden ergatterten wir endlich einen Sitzplatz und ich konnte aus dem Fenster schauen.
Uns empfing eine Landschaft aus Millionen von Grüntönen, die eine undurchbrechbare Stille ausstrahlte und meiner Vorstellung vom Paradies ziemlich nah kam. Einzelne Hütten zwischen Bananenpalmen, Kaffeeplantagen und grünen Bergen. Und das alles, soweit das Auge reichte. Ich war völlig sprachlos… Irgendwo mitten im Nirgendwo wurden wir von den freundlichen Einheimischen auf unseren „Ausstieg“ aufmerksam gemacht und da standen wir nun: Umringt von Vogelzwitschern und Grün. Und einige Meter weiter: ein friedliches Dörfchen mit Einheimischen, die einzig und allein von dem leben, was sie selbst anbauen und verkaufen und von den wenigen Touristen, die per „Geheimtipp“ den Weg ins Hinterland finden.

Sieht aus wie das Tor in eine andere Welt. Und dann...

Sieht aus wie das Tor in eine andere Welt. Und dann...

Herzlich willkommen in der Natur!

... Herzlich willkommen in der Natur!

glasklares und eiskaltes Bergwasser

glasklares und eiskaltes Bergwasser

da kann man nicht anders als einen Moment zu verweilen, die Gedanken und den Blick schweifen zu lassen und nur zu genießen

da muss man einen Moment verweilen, die Gedanken und den Blick schweifen lassen und einfach genießen

Erst in diesen Tagen ist mir aufgefallen, wie normal für mich das Leben und der Anblick in Granada geworden sind. Das kleine, fast ausgetrocknete und bis zum Rand vollgemüllte „Flüsschen“, an dem man erahnen kann, wer alles morgens seine Wäsche gründlichst gewaschen hat: ist NORMAL. Der Lärm von Händlern, hupenden Bussen, klappernden Autos und Musik: ist NORMAL. Der teils beißende Geruch von Müllfeuern, Abwasser, Abgasen: ist NORMAL. Die Hitze und die stehende Luft: ist NORMAL.
Und genau deshalb konnten wir diese Tage so genießen!
Reißende Flüsse zu sehen, die frische Luft zu spüren (ja, ich habe auch bei 28°C gefroren), das grün zu sehen und die Ruhe zu genießen, tat so gut.

das ist zwar nich das Flüsschen in Granada, aber auch dieses ist wohl kaum als Fluss zu erkennen

das ist zwar nich das Flüsschen in Granada, aber auch dieses ist wohl kaum als Fluss zu erkennen

dieser Unterschied war schon etwas schockierend für mich

diesen Unterschied zu sehen, war schon etwas schockierend für mich

Nicaragua hat so viele Gesichter, dass ich selbst nur ein paar davon kenne. Welches mir am besten gefällt, weiß ich auch nicht. Über jedes einzelne kann ich einfach nur staunen!

Ich wünsche euch, dass auch ihr über den hoffentlich endlich angekommenen Frühling staunen könnt und die kleinen Wunder darin erkennt.
Bis ganz bald – hasta muy pronto
Katharina

 

Reis, Bananen und ganz viel Zucker

Mittwoch, 06. April 2016 von JohannaS

“ A spoon of sugar helps the medicine go down. In a most delightful way“ – „Mary Poppins“

Ich habe mir mal wieder ne Milch gegönnt. Ungefähr 40 Peso. Das sind fast 80 Cent. Es ist ziemlich viel für 250 ml. Und es ist auch noch Nestlé. Ich bin ein Mensch, der diesen Riesenkonzern nicht unterstützen will. Und ich kämpfe immer wieder selbst mit mir, aber ich will einfach manchmal ne Milch trinken. Und zwar kein verdammtes Milchpulver, das in Wasser aufgelöst wurde um dann in Tetrapaks verkauft zu werden. Sondern echte Milch. Und dabei kommt man kaum an Nestlé und industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorbei. Leider.

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Wer mich kennt, weiß, dass ich einen kleinen Fable für gesunde Nahrungsmittel und die Verarbeitung dieser habe. Und es ich muss hier manchmal den Kopf schütteln, wie man so gute „Rohstoffe“ so einfach „zunichte machen“ kann. Und darüber schreibe ich hier.

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Ich hab wohl die anderen Mitarbeiter mit meiner Interesse angesteckt und seit ein paar Wochen messen und wiegen wir unsere Straßenkinder, um zu dokumentieren, wie das neu eingeführte, regelmäßige Feeding „anschlägt“. Als ich den BMI ausrechne komme ich ins Stocken. Ich rechne dreimal nach. Aber es sind wirklich ein paar übergewichtige Kinder dabei.

Ich weiß, dass der BMI nicht das Muskel/Fettverhältnis darstellen kann und wohl auch, dass die Kinder mehr schwere Muskelmasse als leichteres Fett mit sich tragen. Aber übergewichtig? Ich denke sehr viel drüber nach und bemerke, dass wir hier eine Gratwanderung zwischen Nahrungsmittelwelten machen.

Beim Feeding

Beim Feeding

Das Paradies der tropischen Früchten, dem lokalen Reis, dem frischen Fisch und unglaublich vielen, gesunden Kräutern auf der einen Seite. Ja, es gibt so etwas wie philippinische „Hausmannskost“. Oft sind es eintopfähnliche Gerichte, die mit Reis gegessen werden. Es wird Hähnchen oder Fisch in Wasser gekocht. Dazu viel Bohnen, Kürbis und „Malunggay“ – Ein kleinblättriges Gewächs, das unglaublich reich an Vitaminen und Nährstoffen ist. Zusammen mit dem Reis gibt es unglaublich viel Energie und liegt, wenn es nicht allzu fettig ist, kaum auf dem Magen. Fettig wird es, wenn Schwein ins Spiel kommt. Es wird nichts weggeschnitten und manchmal kann man am 2cm-dicken Fettrand ein paar Schweineborsten erkennen – fast schon lecker…nicht!

Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

In einer Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

Ich mochte nie Seafood - hier schon!

Ich mochte nie gern Seafood - hier schon!

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Ja, bisschen bunt..

Ja, bisschen bunt.. das blaue ist Fruchtsalat!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte - ohne Salat!

…Und es gibt die industriell verarbeiteten, oft importieren Lebensmitteln, die – im Vergleich selbst zu kochen – sehr viel günstiger sind. Und vollgeladen mit Chemie – Geschmacksverstärkern, Zucker, Salz und Konservierungsstoffen. Und das mag wohl auch der Grund sein, weshalb ein paar Kinder mehr wiegen. Das billige Essen schmeckt, gibt einem Kinderkörper jedoch nichts, was eigentlich essenziell wäre. Sie werden von klein auf an den Geschmack von gesüßtem Milchpulver gewöhnt. Das die Zähne auffressen wird. Sie bekommen, statt ein Essen mit Reis und Gemüse, ein paar Hefebrötchen – mit Zuckertopping. Und klar, dürfen Softdrinks nicht fehlen. Wenn Zucker dran ist, schmeckt fast jedem Kind fast alles. „Sogar die ekelhafteste Medizin“ – so erzählt es Mary Poppins. Aber es macht einen Menschen auf Dauer einfach kaputt. Und ich hoffe, das können wir den Eltern nahe bringen, wie wichtig es doch ist, etwas darauf zu achten. Und wer weis, vielleicht sortieren sie irgendwann nicht das kleingeschnittene Gemüse aus dem Reis.

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Crackern,...

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Kaubonbons, Crackern,...

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Das Essen ist eines der wichtigsten Teile des alltäglichen Lebens hier. Diese Nation isst unglaublich gerne. Und ich gehöre wohl schon langsam ein bisschen dazu. Dreimal am Tag Reis. Kein Tag ohne Fleisch. Hinzukommen mindestens zwei Bananen und 3 Liter Wasser innerhalb von 24 Stunden. Achja und dann die Snacks und das Streetfood – das ist ja nix. Ja, ich habe zugenommen und dank der lieben Fürsorge, dass ich auch ja keinen Hunger verspüre und meiner Neugier bleibt mir nichts anderes übrig, als alles zu probieren. Wirklich alles.

Zum Beispiel auch Hühnerfüße

Zum Beispiel auch Hühnerfüße - nicht unbedingt mein Fall

Algen - wirklich nicht schlecht!

Algen - wirklich nicht schlecht!

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen..zum Frühstück!

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

oder doch bisschen Bananenketchup?

...oder doch bisschen Bananenketchup?

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Mit all diesen Bildern sende ich Euch liebste Grüße aus Manila… Ja, wenn Ihr das nächste Mal in ein Käsebrot beißt oder einen Joghurt schnabuliert – denkt an mich. Bis dahin.. drink ich meine günstigere Alternative zu Nestlé und Kuhmilch:

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

Johanna

 

Wenn ein Traum Wirklichkeit wird

Freitag, 18. März 2016 von Katharina

Mit Erschrecken habe ich festgestellt, wie weit ich bereits in den Verzug geraten bin mit meinen Berichten. Deshalb habe ich leider beschlossen, einige Ereignisse zu überspringen. Aber einen Vorteil hat das Ganze, denn schließlich muss ich mir ja auch etwas aufheben, wäre ja langweilig, wenn ihr schon ALLES wisst 😀

Nur so viel zum Jahresbeginn 2016 (für die Akte) :
Irgendwie hat es bis jetzt gedauert, bis ich mich wirklich im neuen Jahr angekommen fühle. Das Ende eines traumhaften Urlaubs mit meinem Freund, in dem ich Orte gesehen habe, von denen ich niemals geglaubt hätte, dass sie tatsächlich existieren, war leider viel zu schnell herangerückt. Aber immerhin bin ich auch einen Schritt weitergekommen in meinem Wunsch Nicaragua etwas besser kennenzulernen.

Eine faszinierende Stille strahlt dieser Ort aus

Eine faszinierende Stille strahlt dieser Ort aus

Der Karibikstrand auf Corn Island von oben

Der Karibikstrand auf Corn Island von oben

Ob das Inselleben wirklich so idyllisch ist, wie es scheint?

Ob das Inselleben wirklich so idyllisch ist, wie es scheint?

Die Bucht von San Juan del Sur

Die Bucht von San Juan del Sur

Wo hat man schon einmal eine Weiterbildung an so einem Ort erlebt?

Wo hat man schon einmal eine Weiterbildung an so einem Ort erlebt?

)

Und weil ich jede Minute versuche zu nutzen und zu genießen, durfte es auch noch eine Wanderung auf den nahen Mombacho sein 🙂

Für diese Aussicht hat sich jeder Schweißtropfen des Aufstiegs gelohnt - unter uns erstreckt sich Granada

Für diese Aussicht hat sich jeder Schweißtropfen des Aufstiegs gelohnt - unter uns erstreckt sich Granada

Die Mädels kamen am 25. Januar in Heim zurück. Viele vertraute Gesichter, aber auch einige neue und so mussten wir uns alle wieder neu einleben und man hatte vor allem das Gefühl, dass die Mädchen sich untereinander und auch die Situation im Heim erst wieder neu kennenlernen mussten. Die ersten Wochen gestalteten sich also als ein großes und buntes Durcheinander mit viel Arbeit und wenig Zeit zum Durchatmen, aber auch mit vielen Überraschungen und ich muss sagen, dass mir das alles über die Ferien auch ein bisschen gefehlt hat. Dann der Beginn des Schuljahres und der neu aufflammende Kampf um die Hausaufgaben und um das Lernen für die ersten Klausuren… Naja, denken wir nur an unsere eigene Schulzeit zurück…
Und jetzt so langsam – pünktlich vor den Osterferien – bekomme ich das Gefühl, dass sich alle wieder aneinander gewöhnt haben, jeder seinen Platz gefunden hat und so etwas wie ein Alltag eingekehrt ist.

Gruppenarbeit zum Thema Hygiene

Gruppenarbeit zum Thema Hygiene

Auch einigen Besuch hatten wir schon - da haben die Mädels schonmal die Freude einer spontanen Balllettstunde

Auch einigen Besuch hatten wir schon - da haben die Mädels schonmal die Freude einer spontanen Balllettstunde

Besonders aufregend war der Ausflug und das Kennenlernen eines anderen Mädchenheims in Granada

Besonders aufregend war der Ausflug und das Kennenlernen eines anderen Mädchenheims in Granada

Während meines Zwischenseminares Anfang März hatte ich nicht nur viele Möglichkeiten zum Austausch und zu neuen Impulsen, sondern hatte auch das erste Mal so richtig Zeit zum Reflektieren und habe angefangen über das vergangene halbe Jahr nachzudenken. Es ist unglaublich, was seit dem passiert ist, was ich gelernt und erlebt habe, wie sich die Dinge entwickelt haben…

Der Traum vom Fliegen

… und wenn du es wieder mal müde bist,

wie eng und begrenzt dein Leben ist,

und die ganze Erde erscheint dir fast

umsponnen von einem grauen Netz,

in dem du dich hilflos verfangen hast,

ein Netz aus Gewohnheit, Gewalt und Gesetz,

ein Netz aus Grenzen von Staat zu Staat,

Grenzen aus Dummheit und Stacheldraht,

Grenzen des Geldes, begrenzte Zeit

Und die Grenzen der eigenen Fähigkeit…

…und wenn du dich wieder mal wund gestoßen

an den Gitterstäben, den kleinen und großen,

und du weißt genau: Du kommst nie mehr vom Flecke,

du bleibst gefangen im engen Raum,

dann hockst du dich nieder in deiner Ecke

und träumst den alten Traum:

Da breitest du weit deine Arme aus

Und ein tiefer Atemzug!

Du schwingst dich empor über Straße und Haus

Im traumhaften Vogelflug.

Du fliegst und du fliegst und du brauchst kein Ziel

Das Dasein selbst ist Glück!

Keine Grenze dort unten bekümmert dich viel,

du möchtest nie zurück.

Es ist alles so einfach. Du wunderst dich kaum.

Und du weißt in deinem Traum: Es ist kein Traum!

Und du fragst dich, warum man es je vergisst,

warum man nicht glaubt daran,

dass man immer so frei wie ein Vogel ist

und in Wahrheit fliegen kann. (Michael Ende)

Als ich gerade einige Dateien auf meiner Festplatte durchstöbere, finde ich überraschend dieses Gedicht. Ich lese es und irgendwie trifft es in so viele Dingen momentan meinen Kern.

Das Gedicht spricht von verfahrenen und gewohnten Strukturen, von Unzufriedenheit und Hilflosigkeit, von Frustration über die eigene Machtlosigkeit, von Grenzen und von der Sehnsucht aus diesem Gebilde auszubrechen.
Wenn ich mich zurückerinnere haben diese Dinge auch eine Rolle für meinen Aufbruch gespielt: ich wollte nach dem Abitur etwas anderes machen als am Schreibtisch zu sitzen und zu lernen – ich wollte etwas mit meinen Händen machen und anpacken. Ich wollte über den Tellerrand schauen und einen kleinen Teil der weiten Welt besser kennenlernen. Ich wollte meine Grenzen, vor allem die in meinem Kopf überwinden. Sicherlich war da im Vorfeld auch viel Angst dabei und die Sorge um die Ungewissheit. Ich wusste nicht, was mich genau erwarten würde, in welches Abenteuer ich mich hineinkatapultieren und wie ich das allein meistern würde. Meine größte Motivation jedoch war der Gedanke irgendwie dem Gefühl der Machtlosigkeit über all das Leid, das uns tagtäglich aus allen Richtungen entgegenschallt, zu entgegenzutreten und einen kleinen, positiven Beitrag zu leisten.

Schließlich habe ich allen Mut zusammengefasst und bin im wahrsten Sinne des Wortes losgeflogen. Ich musste wohl mehr als einen Atemzug machen, um die ganzen Abschiedstränen herunterzuschlucken, aber mit dem ersten Moment hier und ab da immer mehr habe ich mich hier wohl und irgendwie Zuhause gefühlt.
Seitdem bin ich am Schweben, was nicht bedeutet, dass ich mich hier in Höhenflügen befinde, das ganz und gar nicht. Aber ich bin einfach zufrieden. Alle meine Ängste waren unbegründet und das macht mich jeden Tag aufs Neue glücklich und dankbar. Ich habe gelernt mich selbst zu übertrumpfen, aber auch einiges, was mich vom Schweben abgehalten hat, abzuwerfen. Hier treten mir ganz andere Themen entgegen und ich lerne hier ein anderes Lebenskonzept kennen als ich es gewöhnt war. Das hilft nicht nur Dinge wertschätzen zu lernen, sondern auch sich selbst zu reflektieren und vielleicht sein eigenes Lebenskonzept etwas zu verändern. Je tiefer ich in die nicaraguanische Kultur „hineinschnuppern“ kann, desto schwerer fällt es mir, euch „kulturtypische“ Dinge zu schreiben und zu erklären, weil ich selbst schon zu tief drinstecke. Und oft frage ich mich in Sekundenbruchteilen, ob ich hier tatsächlich in der Wirklichkeit lebe.
Und es stimmt nicht, dass ich „nie“ zurück möchte – auch wenn es gut ist, dass es noch nicht so weit ist –, aber was ich schon jetzt weiß, ist, dass mich diese Zeit verändert hat und noch weiter verändern wird.

„No eres lo que tienes, eres lo que das!“
„Du bist nicht das was du besitzt, du bist, was du gibst!“

Ein Satz, den ich mir jeden Tag in Gedächtnis rufe, weil es das ist, was ich hier jeden Tag aufs Neue lerne und versuche mit den Mädchen zusammen zu leben.

Ich grüße euch alle ganz lieb
Katharina

 

Wenn die Uhren stehen bleiben

Montag, 14. März 2016 von Elisabeth

Mist, ich wurde von mehreren darauf aufmerksam gemacht, dass es ja eigentlich wieder mal Zeit wäre, einen Blogeintrag zu verfassen. Und dann habe ich mit Schrecken feststellen müssen, dass ja schon März ist. Es kommt mir so vor, als ob jeder Monat immer kürzer wird. Ich denke, das hat auch etwas mit dem „zu Hause sein“ zu tun. Es ist für mich Alltag geworden in Juigalpa zu wohnen, ich habe nicht immer Lust, morgens aufzustehen (ich gehe trotzdem gerne ins Centro) und denke Sonntags oft „Und morgen ist schon wieder Montag“. Ich komme auch nach der Arbeit in meinem kleinen Quartier an und denke „enldich zu Hause“, dicht gefolgt von „ich sollte eigentlich noch Wäsche waschen“.

Das bedeutet aber nicht, dass für mich alles normal ist. Ich werde oft daran erinnert, dass dieses Jahr hier etwas besonderes ist. Z.B wenn wieder ein Kolibri an einer Blüte rumschwirrt. Und natürlich auch, wenn ich Ausflüge mache, um Nicaragua kennenzulernen.

Sowie am ersten Tag von 2016, womit wir zu meinem Jänner in Nicaragua kommen. Früh morgens um 2 ging es los. Die Silvesternacht war daher ziemlich kurz für mich. Mit Freunden haben wir dann San Rafael del Norte, Jinotega und Matagalpa besucht. Dort ist das Klima etwas kühler, so dass ich etwas gefroren habe, da ich das schwüle klima von jigalpa gewohnt bin. Eigentlich ist das kein Tagesausflug (wer Lust hat, kann ja mal auf Google nachschauen). Aber es war ein organisierter Ausflug mit einem privaten Kleinbus, da ging das schon, auch wenn es immer noch eine sehr lange Fahrt war.

San Rafael del Norte

San Rafael del Norte

Aussichtspunkt bei Jinotega. War ziemlich windig, die Aussicht war dafür einfach genial

Aussichtspunkt bei Jinotega. War ziemlich windig, die Aussicht war aber einfach genial

Weihnachtsengel in Matagalpa

Weihnachtsengel in Matagalpa

Kommen wir ins Centro.

Da ging es los mit putzen, putzen, putzen. Zum einen weil das neue Schuljahr im Februar anfing und im Jänner die Anmeldungen waren, zum zweiten weil der neue Chef der Caritas das Projekt besichtigen wollte und zum dritten weil Besuch vom Kindermissionswerk kam. 🙂

In dieser Zeit kamen nur ein paar Kinder, da noch Ferien waren und wir uns so auf die Kinder konzentrieren konnten, die z.B. für Nachprüfungen lernen mussten.

Vom Februar gibt es jetzt nicht so viel zu erzählen. Es kamen wieder mehr Kinder, da, wie eben schon genannt, das neue Schuljahr begonnen hat. Für mich war es ein anstrengender Monat, weil es sehr viele Kinder sind und wie auch in Deutschland ist die Motivation zu Beginn eines Schuljahrs noch sehr hoch. Aber es macht mir wirklich sehr viel Spaß.

In diesem Sinne, bis bald!

 

Rassismus

Freitag, 11. März 2016 von Lukas

Es begann für mich Anfang August, kurz nach meiner Ankunft in Dogbo. Es war ein Gespräch unter zwei Beninern, das ich damals nur teilweise verstand. Es ist nun Realität geworden!

Die Rede ist von den Wahlen in Benin.

Am vergangenen Sonntag fanden sie statt und der Sieger war für mich tatsächlich eine kleine Überraschung.

Das Bewerberfeld aus 36 Kandidaten, die zur Wahl antreten wollten war nicht klein, aber dennoch kristallisierten sich 5 Bewerber heraus, die eine Chance haben könnten. Alleine schon der Betrag, der nötig ist, damit man seine Bewerbung einreichen kann ist immens und es erstaunt mich, wie viele Leute sich das leisten können: 15 Mio. Franc CFA (ca. 23.000€). Unter ihnen zwei Größen aus der Wirtschaft, ein ehemaliger Premierminister, ein Wirtschaftspolitiker und ein „Weißer“. Bei diesem handelt es sich um den Sohn eines Beniners und einer Französin, der den Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht hat. Sein Teint ist etwas heller und es wird von allen gesagt es sei der Kandidat Frankreichs.

Eben dieser Kandidat hat nun mit 28%den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Der nächste Kandidat kommt auf 24% der Stimmen.

Hiermit möchte ich zu meinem eigentlichen Blogthema kommen.

Nachdem die Kandidaten für die Stichwahl bekannt waren, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme durchzulesen. Meiner Meinung nach haben beide Programme ihre Berechtigung und auch starke Punkte. Die Programme ähneln sich in einigen großen Teilen, auch wenn ich persönlich nach der Lektüre- und damit gehöre ich wahrscheinlich zu einer landesweiten Minderheit- finde, dass Lionel Zinsou, der „Weiße“, über das bessere Programm verfügt. Ich finde bei ihm wichtige Punkte, wie die Elektrizitätsversorgung besser ausgearbeitet und befürworte die Zahlenbelege in seinem Programm, die schlüssig klingen, ich aber nicht nachprüfen kann!

Immer wieder versuche ich Menschen in Diskussionen zu zeigen, dass man Weiße nicht verallgemeinern sollte und auch, dass Man Herrn Zinsou vielleicht eine gleichberechtigte Chance geben könnte. Um ehrlich zu sein habe ich noch keine Richtig sachlichen Argumente GEGEN ihn finden können. Das häufigste „Argument“: „Wir haben genug von den Franzosen!“, kann ich verstehen, aber wer hat denn gesagt, dass „der kleine Weiße“ tatsächlich französische Interessen verfolgt? „Ein Weißer kann Benin nicht regieren!“, klingt logisch aber ist das so. Und viele stützen ihre Thesen auch auf den amtierenden Präsidenten, der offen Lionel Zinsou unterstützt und Stimmung gegen Patrice Talon, den Gegenkandidaten in der Stichwahl und großen Baumwollunternehmer, macht. Anscheinend hat Boni Yayi in seinen zwei Amtszeiten Dinge gemacht, über die die Beniner nicht so glücklich waren.

Nachdem das Niveau einmal auf „alle Politiker sind Räuber“ (das ist nicht meine Meinung) gefallen war, fiel ein Satz, den ich sehr erschreckend finde: „Lieber ein dunkelhäutiger Räuber, als ein weißer Räuber!“ Ich glaube das spiegelt eine gewisse Mentalität wider.

Frankreich hat immer noch nicht ganz mit seiner kolonialen Vergangenheit abgeschlossen. Ein Unding ist es für mich jedoch, diese Machenschaften einem Menschen anzulasten.

Politik soll nicht das einzige Thema sein:

„Pourquoi vous la…?“, ist ein Fragenbeginn, den ich oft zu hören bekomme (auf Deutsch: „Warum … ihr da …?“). Und immer wieder versuche ich zu erklären, dass man Menschen nicht verallgemeinern sollte, und auch nicht alle z.B. wegen der Hautfarbe über einen Kamm scheren sollte.

Noch deutlicher empfinde ich Diskriminierung, wenn die Kinder auf den Straßen das Yovo-Lied singen: „Yovo, Yovo, bon soir! Ca va bien? Merci!“  („Weißer, Weißer, Guten Abend! Geht es gut? Danke!“), oder wenn man mich einfach nur mit „Le blanc“ (Der Weiße) anspricht. In den meisten Fällen ignoriere ich diese Leute einfach und manche ‚ändern dann tatsächlich ihre Anrede zu „Monsieur“ (Herr) oder sagen nur „bonsoir“, worauf ich sie natürlich auch freundlich Grüße. Wenn ich versuche, den Menschen zu erklären, dass ich das als unhöflich empfinde reagieren sie oft unverständig. Effektiver ist es da, „ameyboh“ (Schwarzer; keine Ahnung wie man das schreiben soll) zu antworten. Das lässt die meisten verstummen. Ich setze es allerdings nur bei Menschen ein, die ich zumindest etwas kenne.

Und auch das vorherrschende Bild von Europäern ist eindeutig: Er ist reich und verschenkt. Aus diesem Grund werde ich häufig angesprochen, ob ich nicht mein Fahrrad, oder Geld verschenken möchte. Ich habe nichts dagegen, einem Jugendlichen zu helfen, der die Zulassung zum Abitur nicht bezahlen kann, oder zwei Grundschulkindern, die ihre Eltern verloren haben und jetzt mehr oder weniger alleine leben, aber diese grundsätzliche Annahme, ich hätte Reichtümer, weil ich eine weiße Haut habe, finde abstoßend, auch wenn ich weiß dass ich nicht schlecht verdiene.

Übrigens glaube ich nicht, dass Lionel Zinsou eine Siegchance hat, denn „ein „Weißer“  kann Benin nicht regieren!“; so ähnlich sind diese Worte in der Geschichte wahrscheinlich auch schon gegen Schwarze gefallen und dann gab es Nelson Mandela oder Barack Obama.

Und natürlich möchte ich Deutschland nicht von Rassismus ausnehmen. Es gibt zwar Menschen, die sich total für Flüchtlinge einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch NPD, AfD und Pegida, die gegen ausländische Bürger hetzen. Ich denke dabei auch an den Fall des Priesters aus der D.R. Kongo, der in Oberbayern sein Amt aufgrund von Rassismus niederlegen musste.

Und ich glaube auch in vielen Menschen steckt ein „kleiner Rassist“: Wann wechseln wir eher die Straßenseite? Wenn uns nachts ein deutschaussehender Mensch, oder ein Mensch der aussieht, als hätte er Migrationshintergrund, entgegenkommt?

In diesem Sinne…

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

 

Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“

Montag, 07. März 2016 von JohannaS

„We live in cities you’ll never see on screen

Not very pretty, but we sure know how to run free

And you know, we’re on each other’s team“ – Lorde

Ich schließe meine Tür auf und genieße die Ruhe. Streife die ausgelatschten Vans von meinen Füßen. Leg mich aufs Bett und lächle vor Glück. Denk daran, was gerade passiert ist. Meine Lieblingssister – ja, sowas hab ich wirklich! – hat mich vom Flughafen abgeholt, mir zugehört, was in meinem Kopf ist. Ich hab mit ihr meinen Reisporridge geteilt, bevor wir einander „Gute Nacht“ wünschen. Es hat was wunderbar vertrautes. – Ich bin jetzt wohl endlich angekommen. Das „Nach-Hause-Kommen-Gefühl“ ist da.

MoskitoNetz und Willkommensketten - Johanna durch und durch

unter Moskitonetz und Willkommensketten - so lebe ich hier

In den letzten Wochen ist ziemlich viel passiert und jetzt, wo man etwas Ruhe findet, merke ich, wie wunderschön die vergangenen Momente waren.

Ich komme von meinem Zwischenseminar nach Hause. Zurück nach Manila. Eine Woche haben die Sternsinger-Asien-Freiwilligen auf Cebu verbracht. A r g a o – Ein Ort, der unperfekt perfekt ist. Nicht das Programm, nicht das Wasser, nicht der Strand, nicht das Essen. Es sind die Worte, die nächtlichen Redesessions an unserem Tisch im 7/11, das unglaublich verzuckerte SchokoladenSofteis, die Menschen in diese Woche, die mein Herz berühren. Man wird verstanden. Man hört zu und es wird einem zugehört. Man lernt sich kennen – und damit meine ich nicht diese oberflächlichen Standardfragen. Mir fällt es schwer diese fünf Tage in Worte zufassen, weil sie zu kostbar sind um einfach in Buchstaben gezwängt zu werden. Vielleicht schaff ich es in Bildern.

Willkommen in Argao

Willkommen in Argao

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Momente, die Besonderheit nur Schreien - Der Hafen in Argao und mir uns die Locals

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Ein besonderer Abschied für schöne Tage - Lagerfeuer und s'mores

Aber meine Manila-Auszeit war noch nicht am Ende. Das Reisen geht weiter. Mit Milly. Sie ist mir so unglaublich ans Herz gewachsen, meine Mitfreiwillige aus Cebu City. Und mit anderen Freunden aus der Heimat fahren wir auf Apo Island. Es war ein neuer Teil der Philippinen, neue Eindrücke. Es war wunderschön. Eine Insel, die man in 2 Stunden umrunden könnte. 1000 Einheimische, kein fließend Wasser, kein dauerhafter Strom. Um 9.30 abends geht die Karaoke-Maschine aus.

Danke für diese Zeit

Wir beiden Verrückten

Das (!) ist eine Hauptstraße

Das (!) ist eine Hauptstraße

5.00 Uhr morgens -  ein Sonnenaufgang in aller Ruhe

5.00 Uhr morgens - ein Sonnenaufgang in Stille

ApoIsland

ApoIsland

Es tut gut richtig durchatmen zu können. Kein einziges Moped auf der ganzen Insel. Man geht im glasklaren Wasser tauchen und  in zwei Metern Entfernung grast eine Wasserschildkröte zwischen dunkelblauen Seesternen. Man geht in FlipFlops zusammen die Felsen der Insel erklimmen und ist so unendlich dankbar an diesem Ort zu sein. Und wenn man Abends in seinem Holzbett liegt, vom das Moskitonetz geschützt, kommen einem die Grillen, die Vögel, die Geckos, der Wind in den Bäumen sehr, sehr laut vor. Ja, ich wollte es sogar aufnehmen, weil ich dieses Gefühl so vermisse. Apropos vermissen. Durch den deutschen Besuch wurde man daran erinnert, wie Deutschland tickt. Was aber auf keinen Fall schlecht war. Im Gegenteil es ziemlich interessant zu sehen, inwiefern man sich in einem halben Jahr verändern kann. Sich selbst zu reflektieren und zu sehen, wie Freunde aus der Heimat Dinge wahrnehmen, die man selbst gar nicht mehr sieht und wertschätzt.

Man sitzt zu wenig am Meer

Man sitzt zu wenig am Meer

Mit all diesen Bildern im Kopf, den Geschichten in den Ohren und den Menschen im Herzen fliege ich zurück nach Manila. Die Reifen des Flugzeuges berühren die Rollbahn, und mein Handy lässt Lorde singen. Erst jetzt bemerke ich, wie dieses Lied, das unsere Zeit in Argao begleitete zu unserer allen Situation passt. Ja, wir wissen wie wir unsere Städte leben, wie mit ihnen zurechtkommen und wie sehr uns all die Erfahrungen, all das Kämpfen, das An-Seine-Grenzen-Kommen unbewusst zusammenschweißt.

We're in each others team!

we're on each other's team!

Und ich komme in mein Zimmer, wasche Cebus Luft aus der Wäsche – im Schatten des vertrautem Fliesenspiegel. Und sehe all die philippinischen Mädels wieder, die deutschen Manilaner, die mir so ans Herz gewachsen sind. Es sind kleine Dinge, die einem Routine geben und die ein Zuhause ausmachen. Ob Sport, die bekannten Gesichter der Security-Frauen, das Aufwachen im Gesang des Morgengebets oder meine Extraportion Gemüse der Köchin. Durch das Weggehen lernt man Dinge schätzen und fängt wieder an zu genießen. Man kommt zurück ins Projekt und es wird nach einem gefragt. Ich gehe wieder in die Straßen. Zwei Wochen ist für die Kinder eine lange Zeit. „Ate Johanna, wo warst du denn?“, während sie sich an mich drücken und mich mitziehen. Es sind neue Menschen im Shelter, deren Geschichten ein offenes Ohr brauchen. Ich hab wieder Kraft Fragen zu stellen und Ideen zu geben. Und mir bleiben nur noch 5 Monate. Die Zeit rennt und ich möchte nicht an den Abschied denken.

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

Mein Fuß am vertrautem Platz - am Boden im Straßenstaub einer verrückten Stadt

 

Whats App, Twitter und Facebook gesperrt! What happend?

Montag, 29. Februar 2016 von Tabea

„Jemand hat mir mal gesagt, die Zeit würde uns wie ein Raubtier ein Leben lang verfolgen. Ich möchte viel lieber glauben, dass die Zeit unser Gefährte ist, der uns auf unserer Reise begleitet und uns daran erinnert, jeden Moment zu genießen, denn er wird nicht wiederkommen. Was wir hinterlassen ist nicht so wichtig wie die Art, wie wir gelebt haben. Denn letztlich sind wir alle nur sterblich.“ Jean-Luc Picard

„True story“, war das Einzige, woran ich gedacht habe, als ich dieses Zitat gelesen habe. Ich hoffe, es kann mir auch als Erklärung dienen, weshalb ich mich schon länger nicht mehr gemeldet habe. Ich erlebe jeden Tag neue Erfahrungen, gewinne neue Erkenntnisse, lerne neue Menschen, Geschichten kennen, erkunde mehr und mehr die wunderschöne Natur von Uganda, reise zu Orten, von denen ich nie gedacht hätte, dass sie existieren, erfahre immer mehr über die Kultur, Tradition und Sprache. Da fällt es mir nicht leicht, mich einmal hinzusetzten, meinen Laptop aufzuklappen und trotz großer Bemühungen und Motivation doch nur ein Bruchstück, ein klitzekleines bisschen meines neuen Erfahrungsschatzes weiterzuvermitteln.
Bei meinem letzten Blogeintrag (die Weihnachtsgrüße außer Betracht gelassen) ging es zum Teil um die Vorbereitungen des Papstbesuches. Mittlerweile liegt dieser schon über drei Monate zurück. Meine Erlebnisse zum Papstbesuch waren zwiegespalten. Die Hinreise nach Kololo, dem Ort, an welchem der Papst ein Treffen mit den Kindern und Jugendlichen Ugandas hatte, war geprägt von viel … Angst. Ja Angst. Angst davor, zum ersten Mal alleine und zum ersten Mal mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu einem mir vollkommen fremden Ort in der Hauptstadt Ugandas zu fahren. Angst davor, nicht anzukommen. Angst davor, zu spät zu kommen. Angst davor, in der Masse von Menschen, die an einem der vielen Auftritte des Papstes eilnehmen wollten, unterzugehen. Zur Erklärung muss ich hinzufügen, dass sich die Hinreise nach Kololo kurzfristig geändert hat und ich somit auf mich allein gestellt war. Die Angst vor und während der Reise hat mich im Nachhinein sehr gestärkt. Mittlerweile finde ich es nicht mehr „schlimm“ alleine zu reisen und Orte zu entdecken, die mir sonst entgangen wären. Es wurde mir ein weiteres Mal bewiesen, dass die meisten Ugander extremst hilfsbereite und freundliche Menschen sind, die einen in einer schwierigen Situation nicht allein lassen.
Mit einigen Umwegen (Bspw. war ich ungewollt noch zu einem anderen Veranstaltungsort des Papstes gelangt, Namugongo, an welchem auch die Basilika zu Gedenken der Märtyrer steht) und mit der Hilfe eines angehenden Priesters habe ich es letztendlich tatsächlich noch geschafft, eine Stunde zu früh in Kololo einzutreffen. Obwohl ich keine Eintrittskarte oder den extra vorher angefertigten Ausweis bei mir hatte, kam ich mit meinem „Weißen-Bonus“ an der Hand des angehenden Priesters an der Schlange und der Security ohne jegliches Abchecken vorbei (Überschätzt niemals die ugandischen Sicherheitsvorkehrungen!). Vor Ort war die Stimmung ausgelassen und ich konnte mir sogar noch einen Platz in der ersten Reihe auf der Tribüne in der Nähe von zwei anderen deutschen Freiwilligen aus Kitovu ergattern. Es wurde gesungen, gejubelt, getanzt und jede Menge Fotos gemacht. Nicht zu vergessen: das Schwenken der „Papst-Fähnchen“ im Takt der Musik. Richtig Action kam in die Menge, als der Papst auf das Gelände kam und ein, zwei Runden durch die Menge fuhr. Auf dem Hauptplatz in der Mitte, auf welchem nur Stehplätze waren, begann nun ein Massenlauf von links nach rechts, nach links, nach rechts, je nachdem, wo nun der Papst gerade langfuhr. Ein von der Tribüne aus zu betrachtendes, witziges Spektakel. Ein anderer Vorteil der Tribüne war, dass der Papst genau vor mir entlang fuhr. Also hatte ich eine perfekte Sicht. Etwas ernüchternd war das darauf folgende Programm, bei welchem es zwei Reden gab, mit einer abschließenden Rede des Papstes. Die vorher aufgewühlte, erhitzte Atmosphäre (Die Sonne knallte unerbittlich auf den schattenfreien Platz!) wechselte zu einer ruhigen fast schon ermüdeten Stimmung. Nach der Rede des Papstes, von der ich zugegebener Weise nicht viel behalten habe, löste sich die Veranstaltung überraschend schnell auf. Jeder wollte nun dem Verkehrschaos entfliehen und schnellstmöglich nach Hause fahren. Mein Schicksal leider nicht mit eingeschlossen. Die Entscheidung, einen Bus nach Masaka zu nehmen, stellte sich als ziemlich dumm heraus, denn der Bus wurde nur sehr langsam voller. Das Matatu (großes Taxi/Kleinbus), welches ich dann stattdessen nahm, war leider auch nicht viel besser. Letztendlich kam ich dann aber doch noch heil von einem ereignisreichen Tag wieder in Masaka an. So viel zum Papstbesuch.
Ich konnte es kaum glauben, doch plötzlich stand Weihnachten vor der Tür. Weihnachten. Ich verbinde Weihnachten mit Winter, Schnee, Glühwein, Weihnachtsmarkt, Weihnachtsbäumen, Plätzchen, dem Geruch von Zimt und Spekulatius, durch Heizungen aufgewärmte Häuser, gebrannten Mandeln, Adventskalender, Wichteln, überall das Leuchten und Blinken der Lichterketten, weihnachtliche Musik und dem hektischen Treiben der letzten Tage vor Weihnachten, an welchen jeder noch die letzten Geschenke besorgt. Auch wenn es keinen Schnee gab und es erst recht nicht kalt war und auch die Bäume und Pflanzen noch alle Blätter und Blüten hatten, gelang es mir trotzdem, wenn auch erst zögerlich, ein gewisses anderes, neues Weihnachtsgefühl zu verspüren. Tatsächlich gelang es mir an Sankt Nikolaus, den Weihnachtsmarkt der deutschen Residenz in Kampala zu besuchen und dort sogar einen Glühwein zu trinken und Spekulatius zu essen. Erst erntete ich nur einen Blick der soviel aussagte wie „ist sie verrückt geworden?“, als ich unserer Köchin vorschlug, Erdnüsse mit Zucker zuzubereiten. Aber letztendlich fand auch sie die gebrannten Erdnüsse einfach nur köstlich! Selbst Weihnachtsplätzchen konnte ich mit anderen deutschen Freunden in Kitovu backen und letztendlich durfte ich sogar den Anblick eines kleinen, aber sehr sehr feinen Weihnachtsbaums genießen. Selbst die Deko aus Deutschland war rechtzeitlich eingetroffen! In die Hektik des Geschenke Besorgens kam ich erst eine Stunde vor der Bescherung, vermutlich lag das daran, dass ich nur zwei Geschenke besorgen musste. Erstaunlicherweise ist es hier nicht üblich, Freunden und Familienmitgliedern ein Geschenk zu machen. Glück für mich? 😀 Alles in allem war es also ein sehr schönes, warmes, sogar von deutscher Weihnachtsmusik geprägtes, essensreiches Weihnachtsfest mitten in Masaka town!
War ich an Weihnachten noch dem Village, Buyamba, entflohen, was mir einige merkwürdige Blicke der Dorfbewohner einbrachte, entschied ich mich Silvester dazu, dieses nun in Buyamba zu feiern. Ein Fehler! Natürlich war ich nicht so naiv gewesen, ein großes Feuerwerk oder Sekt oder auch nur Wunderkerzen zu erwarten, doch trotzdem bin ich davon ausgegangen, dass auch hier das neue Jahr ordentlich begrüßt und gefeiert wird. Fehlanzeige. 30 Minuten nach 0 Uhr lag ich bereits in meinem Bett. Ca eine halbe Stunde vorher, niemand weiß das so genau, da die Kirchenuhr nicht ganz richtig läuft, haben wir noch den Segen als Abschluss einer dreistündigen Messe erhalten, und das war´s. Zugegeben: Ich war enttäuscht. Ich hatte eine Function erwartet, mit viel Musik und Tanz. Meiner Meinung nach ein plausibler Grund, kurzerhand Silvester eine Woche später in Kampala mit einer richtigen Pizza zu feiern! :p
Kaum von der kurzen Reise nach Kampala wieder ausgeruht, ging es auch schon nach Nairobi, in die Hauptstadt Kenias. Dort hatte ich ein einwöchiges Zwischenseminar mit anderen Freiwilligen, welche allerdings alle ihren Freiwilligendienst in Kenia absolvieren. Untergebracht in einem Gästehaus bei Ordensschwestern, mit einer großen wunderschönen Parkanlage, freiem W-lan, heißem Wasser in den Duschen, köstlichem, abwechslungsreichem Essen (sogar mit Salat und Gemüse!!!), einer Menge Teepausen und einer deutschsprachigen Umgebung, hab ich mich tatsächlich gefühlt wie im Urlaub. Die angenehme Atmosphäre durch die anderen Freiwilligen und unseren lockeren Seminarleitern ließ auch meine vorherige Sorge, keinen Anschluss zu den „Kenianern“ zu finden, schnell verschwinden. Durch das Seminar habe ich mal wieder total nette, freundliche und aufgeschlossene Menschen kennengelernt, die ich vielleicht (zum Glück habe ich rechtzeitig herausgefunden, dass ich kein extra Visum brauche und somit viel Geld sparen kann) auch mal in Kenia besuchen werde.
Gerade wieder in Buyamba angekommen und bei dem Versuch, mein Zimmer nun mal endlich gründlich aufzuräumen kläglich gescheitert, musste ich feststellen, dass der Besuch aus Deutschland schon anstand. Banange (Oh mein Gott)! MEINE! Eltern in Uganda. Ja, das kann ja was werden 😀 Die etlichen Gedanken vor ihrer Ankunft, wie ihnen wohl Uganda gefallen würde, wie sie sich zurecht finden würden und was sie zur Kultur, den Menschen und der Umgebung sagen würden, waren völlig unbegründet. Alles in allem, denke ich, hat es ihnen schon sehr gut hier gefallen. Natürlich mussten sie sich an vieles erst mal gewöhnen (Das Schlafen unter einem Moskitonetzt erwies sich doch nicht als so einfach), aber trotzdem konnten sie viele neue und auch schöne Eindrücke gewinnen. Als dann auch noch meine zwei jüngeren Brüder dazu kamen (die Ältesten sind wohl immer die ängstlicheren :D), war die verrückte Familie Ortmanns fast vollständig, was dem ein oder anderen Ugander wohl die ein oder andere Nervenzelle gekostet haben muss. Natürlich war klar, dass ich zu Beginn der viertägigen Safari mit meiner Familie zum ersten Mal richtig krank werden musste. Paratyphus und Malaria wollten mich halt auch mal willkommen heißen. Nun ja, wer kann schon behaupten, jemals neben einem Nashorn in Ohnmacht gefallen zu sein? Wohl nicht jeder. Zur Beruhigung kann ich euch aber mitteilen, dass ich mittlerweile wieder gesund bin und es mir soweit sehr gut geht. Zum Abschluss des Besuchs meiner Familie und auch, um den Unruhen vor den Wahlen zu entgehen, entspannten wir die letzten drei Tage auf den Ssese Islands. Von dort aus nahmen wir allen Mut auf uns und trotzten der ugandischen Einhaltung von Zeitplänen und machten uns mit der Fähre direkt Richtung Entebbe/Flughafen auf. No risk no fun. Letztendlich haben wir es tatsächlich pünktlich zum Flughafen geschafft, wo es eine recht schnelle Verabschiedung gab. (Lag das nun wirklich nur an der Einhaltung des Zeitplans oder waren zwei Wochen mit mir erst mal genug?!) und einer für mich nachfolgenden langen Taxifahrt zurück nach Buyamba. Dort musste ich nun feststellen, dass 14 Tafeln Schokolade und viele andere deutsche Köstlichkeiten allein doch nicht zu bewältigen waren, weshalb ich noch für viele glückliche Gesichter im Parish sorgen konnte, welche den Besuch meiner Familie wohl auch sehr genossen haben.
Weniger genossen wurde jedoch der darauf folgende Tag, an welchem die Wahlen in Uganda stattgefunden haben. Zwar kam es zu weniger Ausschreitungen, als vorher angenommen wurde, trotzdem überschatteten die Verhaftungen des stärksten Gegenkandidaten Musevenis und der extremen Verspätungen der Öffnung einiger Wahllokale, sowie der Sperre von den gängigen sozialen Netzwerken wie Whats App, Twitter und Facebook die Wahlen negativ. Wie auch nicht anders zu erwarten, gewann nun letztendlich wieder Museveni, welcher nun über 30 Jahre in seinem Amt als Präsident von Uganda tätig ist. Gefeiert wurde besonders in den größeren Städten relativ wenig, in meinem Dorf allerdings, war die Mehrheit zufrieden, was für mich bedeutete, dass ich dort gut aufgehoben war.
Das Ende der Wahlen bedeutet allerdings auch der Beginn der Schule und für mich auch wieder Arbeit! Nach gut drei Monaten Ferien trödeln nun immer mehr Schüler bei den Schulen ein. Meine erste Unterrichtsstunde in St. Francis mit meiner neuen 5. Klasse habe ich bereits erfolgreich hinter mich gebracht. Und mir ist aufgefallen, wie sehr mir die Schüler tatsächlich gefehlt haben und wie schön es doch wirklich sein kann, zu unterrichten und den Schülern mit dieser komischen, fremden, deutschen Sprache ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern. Weiterhin werde ich mittwochs und donnerstags in St. Francis und samstags in Sterac arbeiten. Montags und dienstags habe ich mich nun allerdings entschlossen, nicht mehr bei St. Cecilia zu arbeiten sondern, so ist zumindest der neue Plan, in Masaka zu arbeiten – bspw. dort in einem Kindergarten oder einzelnen Projekten von CWM. Ich bin gespannt, wie das nun tatsächlich klappen wird.
Zum Schulstart habe ich mir überlegt, nicht mehr nur noch zu versuchen, die deutsche Sprache zu lehren und zu vermitteln, sondern auch Fakten über Deutschland, unsere Kultur, unser Essen und Traditionen weiterzugeben. Dazu habe ich mir gedacht, wäre es schön, einen Kontakt zwischen meinen Schülern aus Buyamba zu Freunden, Bekannten und Interessierten aus Deutschland entstehen zu lassen. Konkreter: Ich würde gerne eine Art Brieffreundschaft zwischen den Kindern von zumindest einer meiner Klassen und EUCH auf die Beine stellen. Und zwar fände ich es klasse, wenn die Kinder Briefe schreiben würden, in denen sie etwas über sich und ihr Leben in Uganda schreiben oder auch malen würden, ein Foto von sich dazulegen würden und ihren ersten Brief dann bis nach Deutschland schicken könnten. Und dort wäre Eure Unterstützung gefragt! Würdet Ihr einen solchen Brief beantworten? Etwas über euch preisgeben und vielleicht auch noch ein Bild von Euch hinzufügen (perfekt natürlich, wenn das Ganze auf Englisch geschehen würde)? Wenn ja, dann gebt mir doch bitte bis zum 25.03 per E-Mail (TabeaOrtmanns@web.de) oder als Kommentar hier oder auf Facebook oder Whats App oder auch einfach bei meiner Mutter Bescheid. Die Sammelstelle der Briefe wäre bei meiner Mutter, welche die Briefe aus Uganda an Euch und von Euch nach Uganda schicken würde. Über Eure Unterstützung würden sich natürlich besonders „meine“ Kinder in Buyamba sehr freuen!!! Und ich natürlich auch !!! Somit im Voraus schon mal ein ganz großes Dankeschön an all diejenigen, die dabei mitmachen würden. Gerne könnt Ihr auch Freunde, welche diesen Blog nicht lesen, aber trotzdem interessiert an einer solchen Brieffreundschaft wären, begeistern! (Nur als Randnotiz: Vergesst nicht, dass zu jeder Klasse um den Dreh 80 Kinder gehören. Also: Scheut euch nicht Euer Interesse an einer Euch neuen Kultur zu zeigen!)
Nach einem nun doch etwas lang geratenen Beitrag zu meinen Erfahrungen hier in Uganda, wünsche ich Euch wunderschöne, weiße, erholsame Tage aus einem angenehm warmen und sonnigen Plätzchen in meinem Lieblingsrestaurant in Masaka, in welchem ich nun noch einen letzten super leckeren Schoko-Bananen-Milkshake genießen werde, gefolgt von einer hoffentlich mehr oder weniger entspannten „Taxi“-Fahrt zurück zu meinem Dorf, in welchem meine schmutzige Wäsche sich schon freut, von mir gewaschen zu werden. In diesem Sinne: Genießt Eure Zeit und jeden Moment, welchen sie Euch schenkt!
Mit sommerlichen Grüßen,
Tabea