Au revoir, Opa Karl

Mittwoch, 15. Juni 2016 von Lukas

Nachdem mich Mitte April die Nachricht erreichte, dass mein Opa Karl verstorben ist, war ich kurz davor, nach Hause zu fliegen, um zumindest der Beerdigung beizuwohnen! Aufgrund verschiedener Gründe entschied ich mich aber letztlich dagegen. Nun, fast 2 Monate später habe ich es endlich geschafft, hier eine kleine Verabschiedung zu organisieren; eine „beninische“ Verabschiedung zu organisieren.

Schon die Beerdigung des Vaters meines Mentors Basile war wie ein erster kleiner Abschied, denn der Leichnam wurde am Tag der Beisetzung meines Opas an seine letzte Ruhestätte gebracht. Und so war diese Zeremonie im Prinzip schon wie für meinen Opa- nur eben nicht richtig!

Gemeinsam mit meinem Mentor begann ich Anfang der Woche mit den ersten Vorbereitungen: Ein Foto musste gerahmt werden, Lautsprecher organisiert, Essen und Getränke eingekauft werden und auch einen Stoff suchte ich aus und lud die Leute ein, doch vorbeizukommen.

Am Samstag begannen dann die Feierlichkeiten mit einer „Totenwache“: Zu lauter Musik die ganze Nacht wurde gegessen, getrunken und getanzt. Die ganze Nacht verbrachten wir in meinem Hof. Der obligatorische Palmschnaps wurde auch mit meinem Opa geteilt, indem ein Teil des Glases auf den Boden geleert wird… Die gesamte Nacht haben wir allerdings nicht geschafft: Nachdem um 4 Uhr mit dem Feinbäcker des Projektes der letzte fort war, blieb ich nur mit Petit Yovo zurück und gemeinsam schliefen wir ein bisschen auf meiner Strohmatte im Hof.

Allerdings nur kurz, denn bereits um 6 Uhr morgens mussten wir uns fertig machen, um rechtzeitig um 7 Uhr in die Kirche zu gehen, die ich für Opa Karl bestellt hatte. Die Messe beginnt auch pünktlich. Es fällt mir jedoch schwer zu hundert Prozent zu folgen, da ich fast die gesamte Nacht wach war. Mich erstaunt auch wie gut (!) der Pfarrer den Namen ausspricht; Beniner finden Matzick nämlich sehr kompliziert. Gegen Ende des Gottesdienstes beginnt der Regen und da kein Ende in Sicht ist, gehen wir durch den Starkregen nach Hause. Der Regen ist aber sogar gut für eine Zeremonie, denn das bedeutet, dass der Verstorben in Frieden gegangen ist- so erklären mir das die Beniner.

Und auch das Fest beginnen wir trotz Regen. Wir essen noch die Pate von gestern auf, hören Musik und tanzen im Regen. Als der Regen dann aufhört kommen nach und nach die Leute, die ich eingeladen hatte. Als Empfang gibt es ein belegtes Brot aus der Backerei meines Projektes und Bier, Softdrinks und Sodabi. Als schließlich alle anwesend sind setzen wir uns an die kleine Tafel, die in meinem Hof errichtet wurde und unterhalten uns etwas, bevor der Reis mit Hühnchen aufgetragen wird. Die erste Flasche Whiskey wird von meinem Chef Jules geöffnet und mit einem kleinen Gebet gibt er meinem Opa etwas davon, bevor er die Flasche für die gesamte Runde freigibt! Nach dem Essen wird noch getanzt, wobei der Großteil der Leute sich nach und nach zurückzieht.

Basile sagt mir, dass wir das Fest in der Stadt beenden, doch davor solle ich nochmal ein kurzes Gebet für meinen Opa machen. Und so stehe ich vor dem Foto, hinter mir die restlichen Gäste versammelt, und denke noch einmal an Opa Karl- und trotz der eigentlich fröhlichen Stimmung kullern mir in dem Moment einige kleine Tränen aus den Augen. Nach dem Gebet nehme ich das Foto, trage es in das Haus und die gesamte Mannschaft bricht auf in die Stadt zu einem Abschlussbier…

In diesem Sinne: Mach’s gut Opa, wir sehen uns bestimmt einmal wieder!

Bilder der Zeremonie sind übrigens hier zu finden: https://www.facebook.com/lukasinbenin/

Liebe Grüße und bis (hoffentlich) bald

Lukas

P.S. Dieser Blog ist mein erster seit langem! Mir hat leider etwas Motivation und auch ein kleines bisschen Zeit gefehlt einen Artikel zu schreiben… Ich versuche zu den anderen Dingen die passiert sind zumindest einen weiteren Blog hochzuladen.

 

Rassismus

Freitag, 11. März 2016 von Lukas

Es begann für mich Anfang August, kurz nach meiner Ankunft in Dogbo. Es war ein Gespräch unter zwei Beninern, das ich damals nur teilweise verstand. Es ist nun Realität geworden!

Die Rede ist von den Wahlen in Benin.

Am vergangenen Sonntag fanden sie statt und der Sieger war für mich tatsächlich eine kleine Überraschung.

Das Bewerberfeld aus 36 Kandidaten, die zur Wahl antreten wollten war nicht klein, aber dennoch kristallisierten sich 5 Bewerber heraus, die eine Chance haben könnten. Alleine schon der Betrag, der nötig ist, damit man seine Bewerbung einreichen kann ist immens und es erstaunt mich, wie viele Leute sich das leisten können: 15 Mio. Franc CFA (ca. 23.000€). Unter ihnen zwei Größen aus der Wirtschaft, ein ehemaliger Premierminister, ein Wirtschaftspolitiker und ein „Weißer“. Bei diesem handelt es sich um den Sohn eines Beniners und einer Französin, der den Großteil seines Lebens in Frankreich verbracht hat. Sein Teint ist etwas heller und es wird von allen gesagt es sei der Kandidat Frankreichs.

Eben dieser Kandidat hat nun mit 28%den ersten Durchgang der Präsidentschaftswahlen gewonnen. Der nächste Kandidat kommt auf 24% der Stimmen.

Hiermit möchte ich zu meinem eigentlichen Blogthema kommen.

Nachdem die Kandidaten für die Stichwahl bekannt waren, habe ich mir die Mühe gemacht, mir die Wahlprogramme durchzulesen. Meiner Meinung nach haben beide Programme ihre Berechtigung und auch starke Punkte. Die Programme ähneln sich in einigen großen Teilen, auch wenn ich persönlich nach der Lektüre- und damit gehöre ich wahrscheinlich zu einer landesweiten Minderheit- finde, dass Lionel Zinsou, der „Weiße“, über das bessere Programm verfügt. Ich finde bei ihm wichtige Punkte, wie die Elektrizitätsversorgung besser ausgearbeitet und befürworte die Zahlenbelege in seinem Programm, die schlüssig klingen, ich aber nicht nachprüfen kann!

Immer wieder versuche ich Menschen in Diskussionen zu zeigen, dass man Weiße nicht verallgemeinern sollte und auch, dass Man Herrn Zinsou vielleicht eine gleichberechtigte Chance geben könnte. Um ehrlich zu sein habe ich noch keine Richtig sachlichen Argumente GEGEN ihn finden können. Das häufigste „Argument“: „Wir haben genug von den Franzosen!“, kann ich verstehen, aber wer hat denn gesagt, dass „der kleine Weiße“ tatsächlich französische Interessen verfolgt? „Ein Weißer kann Benin nicht regieren!“, klingt logisch aber ist das so. Und viele stützen ihre Thesen auch auf den amtierenden Präsidenten, der offen Lionel Zinsou unterstützt und Stimmung gegen Patrice Talon, den Gegenkandidaten in der Stichwahl und großen Baumwollunternehmer, macht. Anscheinend hat Boni Yayi in seinen zwei Amtszeiten Dinge gemacht, über die die Beniner nicht so glücklich waren.

Nachdem das Niveau einmal auf „alle Politiker sind Räuber“ (das ist nicht meine Meinung) gefallen war, fiel ein Satz, den ich sehr erschreckend finde: „Lieber ein dunkelhäutiger Räuber, als ein weißer Räuber!“ Ich glaube das spiegelt eine gewisse Mentalität wider.

Frankreich hat immer noch nicht ganz mit seiner kolonialen Vergangenheit abgeschlossen. Ein Unding ist es für mich jedoch, diese Machenschaften einem Menschen anzulasten.

Politik soll nicht das einzige Thema sein:

„Pourquoi vous la…?“, ist ein Fragenbeginn, den ich oft zu hören bekomme (auf Deutsch: „Warum … ihr da …?“). Und immer wieder versuche ich zu erklären, dass man Menschen nicht verallgemeinern sollte, und auch nicht alle z.B. wegen der Hautfarbe über einen Kamm scheren sollte.

Noch deutlicher empfinde ich Diskriminierung, wenn die Kinder auf den Straßen das Yovo-Lied singen: „Yovo, Yovo, bon soir! Ca va bien? Merci!“  („Weißer, Weißer, Guten Abend! Geht es gut? Danke!“), oder wenn man mich einfach nur mit „Le blanc“ (Der Weiße) anspricht. In den meisten Fällen ignoriere ich diese Leute einfach und manche ‚ändern dann tatsächlich ihre Anrede zu „Monsieur“ (Herr) oder sagen nur „bonsoir“, worauf ich sie natürlich auch freundlich Grüße. Wenn ich versuche, den Menschen zu erklären, dass ich das als unhöflich empfinde reagieren sie oft unverständig. Effektiver ist es da, „ameyboh“ (Schwarzer; keine Ahnung wie man das schreiben soll) zu antworten. Das lässt die meisten verstummen. Ich setze es allerdings nur bei Menschen ein, die ich zumindest etwas kenne.

Und auch das vorherrschende Bild von Europäern ist eindeutig: Er ist reich und verschenkt. Aus diesem Grund werde ich häufig angesprochen, ob ich nicht mein Fahrrad, oder Geld verschenken möchte. Ich habe nichts dagegen, einem Jugendlichen zu helfen, der die Zulassung zum Abitur nicht bezahlen kann, oder zwei Grundschulkindern, die ihre Eltern verloren haben und jetzt mehr oder weniger alleine leben, aber diese grundsätzliche Annahme, ich hätte Reichtümer, weil ich eine weiße Haut habe, finde abstoßend, auch wenn ich weiß dass ich nicht schlecht verdiene.

Übrigens glaube ich nicht, dass Lionel Zinsou eine Siegchance hat, denn „ein „Weißer“  kann Benin nicht regieren!“; so ähnlich sind diese Worte in der Geschichte wahrscheinlich auch schon gegen Schwarze gefallen und dann gab es Nelson Mandela oder Barack Obama.

Und natürlich möchte ich Deutschland nicht von Rassismus ausnehmen. Es gibt zwar Menschen, die sich total für Flüchtlinge einsetzen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch NPD, AfD und Pegida, die gegen ausländische Bürger hetzen. Ich denke dabei auch an den Fall des Priesters aus der D.R. Kongo, der in Oberbayern sein Amt aufgrund von Rassismus niederlegen musste.

Und ich glaube auch in vielen Menschen steckt ein „kleiner Rassist“: Wann wechseln wir eher die Straßenseite? Wenn uns nachts ein deutschaussehender Mensch, oder ein Mensch der aussieht, als hätte er Migrationshintergrund, entgegenkommt?

In diesem Sinne…

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

 

Eine arme Kirche für die Armen?

Sonntag, 14. Februar 2016 von Lukas

„Ach, wie möchte ich eine arme Kirche für die Armen!“ – Papst Franziskus

Ich werde im folgenden Eintrag ein wenig Wut herauslassen. Diese Wut im Bauch ist geblieben, auch nachdem ich darüber geschlafen habe und auch, nachdem ich noch den ganzen Tag nachdenken konnte vielleicht hat sich das Gefühl sogar noch verstärkt!

1. Advent in Dogbo… Chrispalde, eines der Mädchen nebenan, klingelt mich um 7:30 Uhr aus den Federn, um mich mit in den katholischen Gottesdienst zu nehmen. Um 9:00 Uhr ist der heute und noch dazu auf Französisch. Die Kirche ist sogar um diese Uhrzeit schon aufgeheizt und so laufen die Ventilatoren auf Hochtouren. Die Messe nimmt ihren normalen Gang. Außer dem Ablauf verstehe ich heute auch größtenteils, was der Priester spricht. Da alles nach der französischen Version auch noch auf Adja wiederholt wird, dauert der Gottesdienst entsprechend lange. Auch wird mir heute nochmal bewusst, dass die Kirche hier wohl eher keine Geldsorgen hat, denn die Holzfiguren (Holz ist teuer) sind riesig und vielfach vorhanden.

Das einzig für mich adventliche, ist die dominierende liturgische Farbe Violett im Altarraum. Außer diesem einen Symbol, würde ich das Datum spontan auf Mitte Juli schätzen, aber nicht kurz vor Weihnachten. Dem Fest, an dem Jesus zu uns auf die Erde gekommen ist- geboren in einem bescheidenen Stall.

Bevor der Gottesdienst beendet wird, gibt es noch eine dritte Kollekte. Zuerst öffnet ein Priester unter tosendem Beifall einige Umschläge, die die Gesamtsumme von 1000000 (einer Million) Franc CFA enthalten. Das entspricht einem Wert von etwas über 1500 €!

Erst jetzt erklärt mir Chrispalde, dass das Geld für den bereits begonnenen Kirchenneubau ist.

Nun beginnt aber erst der Hauptteil:

Anfangs gehen die „Großspender“ nach vorne, geben ihr Geld ab und der Name wird zusammen mit dem Betrag für alle ausgerufen. Schließlich werden die Beträge immer kleiner und auch der Jubel wird verhaltener. Aber natürlich ist die Aktion noch nicht vorbei. Immer wieder feuert der Mann am Ambo die Leute weiterzuspenden.

Wenn ich nur auf den Geldzähltisch schaue wird mir schwindelig. Was man mit dem Geld helfen könnte! Ich habe fast das Gefühl, wenn Jesus in der Kirche gewesen wäre hätte er et was gesagt wie:„ Mein Tempel soll eine Stätte sein, an der die Menschen zu mir beten können! Ihr aber macht eine Räuberhöhle daraus!“

Durch den nicht abreißenden Strom und die durchgehenden Anfeuerungen baut sich ein gewisser Druck  auf. Ich bin froh, nur Opfergeld eingepackt zu haben, denn ich bin mir nicht sicher ob es mir sonst so leichtgefallen wäre, auf meiner Position zu bleiben. Ich fange auch einige Blicke zu dem Reichen, Weißen auf, die ich aber mit einem nichtssagenden Lächeln abwehre.

Am Ende wird dann auch noch das Gesamtergebnis verkündet: 2 800 000 FCFA! Das sind fast 4300 €! Und wofür? Für einen Kirchenneubau, in einem Land, einer Stadt, in der Kinder nicht zur Schule gehen können oder Hunger haben.

Gerade hier, wo man diese Kirche für die Armen platzieren könnte, wird daraus eine Kirche von den Armen.

Von dem gesammelten Geld könnte man über 200 Kinder zusätzlich in die Schule schicken und noch viel mehr Mahlzeiten verteilen.

Am Montag fragt mich ein Mitarbeiter des Projekts, der mich im Gottesdienst gesehen hat, wie viel ich denn gespendet hätte. Auf meine Antwort:„Null!“, reagiert er mit Unglauben und auch meine Argumente kann oder will er nicht nachvollziehen.

Denn nach der vorherrschenden Meinung, braucht man eine große Kirche, um anständig Gottesdienste feiern zu können. Niemand, wirklich niemand soll dauerhaft stehen bleiben im Gottesdienst. Da die Kirche nicht über Geldeinnahmen, z.B. aus der Kirchensteuer, verfügt, wird viel von den Gläubigen finanziert. Auch soll Dogbo (angeblich) eine Diözese werden (der nächste Bischof ist im 20km entfernten Lokossa), weshalb der Kirchenneubau „angeordnet“ wurde. Außerdem haben „wir“ in Europa ja auch solche großen Kirchen! Dieses Argument klingt für mich am sinnvollsten, denn ich denke, dass einige Kirchen in Europa sicherlich auch so finanziert wurden und auch denke ich, dass dieser gewisse Druck nicht unbedingt aufgebaut werden sollte!

Meiner Meinung nach ist es dennoch nicht sinnvoll, das Geld von den Ärmsten der Armen einzutreiben…

Ich glaube der Papst hat dennoch eine sehr große Aufgabe vor sich!

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

P.S. Dieser Blogeintrag hat etwas in meinem Rechner geschlummert, wie das Gottesdienstdatum verrät, aber ich habe etwas gebraucht, um diese Thematik verarbeiten zu können. Dieses Ereignis hat mich etwas von der Kirche zurückgeschreckt hat; seitdem war ich noch zweimal im Gottesdienst- an Weihnachten und am Aschermittwoch.

P.S.S. Eine mögliche Erklärung für dieses Vorgehen erhielt ich wenig später: Ein Freund meinte, dass die Kirche solche Praktiken aus dem Voodoo übernommen hat, denn dort müssen regelmäßige Opfergaben für die „Zauber“ dargebracht werden, von denen die Fetischeure nicht schlecht leben!

P.S.S.S. Ein weiterer Blogeintrag ist fast fertig gestellt.

 

Weihnachten und ein neues Jahr in Dogbo

Donnerstag, 07. Januar 2016 von Lukas

Zum gestrigen Fest der Hl. drei Könige und dem damit verbundenen Ende meines Adventskalenders, möchte auch ich einen „Weihnachtsblog“ los werden. Da ich auch immer wieder ein Interesse bemerkt habe, hoffe ich dieses nun stillen zu können!

Das näherrücken des Weihnachtsfest habe ich nur deshalb bemerkt, da sich das Datum am Adventskalender änderte. Die Temperaturen waren sommerlich warm und wir hätten uns auch auf die Sommerferien vorbereiten können… Und je näher das Fest kam, desto mehr Spielzeugstände fanden sich am Straßenrand. Nur manchmal wurde die Stimmung durch den Harmattan (ein „kalter“ Wind aus der Sahara, der sehr, sehr viel Staub hierhertransportiert), abgesehen von T-Shirt und ab und zu kurzer Hose, etwas weihnachtlich. Vor allem abends wurden die Motorradscheinwerfer dann gebrochen, was etwas wie Autos, die durch Schneefall fahren, aussah; zumindest für mich.

Am 23. Dezember war dann erstmal frei, aber nicht etwa, um Weihnachten vorzubereiten, sondern für das muslimische Fest Maouloud. Am 24.12. musste ich dann nochmal für einen halben Tag arbeiten, bevor dann das Weihnachtsfest beginnen konnte. Den Heiligabend verbrachte ich mit meinem Mentor. Aber nicht zu Hause, wie das in Deutschland vermutlich wäre, sondern in der Stadt. Mein Essen war dann ein weiteres Mal Pâte, bevor es mit Bekannten ans feiern ging. Überall in der Stadt waren auch Kindergruppen mit Schuhkartons, in denen eine Kerze stand und die mit christlichen Motiven innen gestaltet waren. Sie versuchten so, einige kleine Geschenke von den Feiernden zu bekommen. Am amüsantesten fand ich einen Karton mit einer Kreuzigungsszene (!) passend zu Weihnachten. Pünktlich (!) um 21:00 Uhr war ich dann in der Kirche zur Christmette. Die Kirche war nur etwa halb gefüllt und ich war wirklich froh über die funktionierenden Deckenventilatoren. Mir fiel zum ersten mal auf, wie explizit Syrien in der Weihnachtsgeschichte erwähnt wird und so wünschte ich mir, dass ein bisschen des kindlichen Friedens dorthin kommt. Nach dem Gottesdienst wollte ich noch unbedingt die Krippe anschauen. Zwar hatte ich die bunt blinkende Lichterkettenhöhle schon im Gottesdienst entdeckt, aber ich war dennoch etwas enttäuscht eine (nach meinem Geschmack) kitschige Porzellankrippe, in deren Mitte eine Babybornpuppe thronte, vorzufinden.  Gefehlt haben mir vor allem die Dunkelheit zu Anfang und am Ende für das „Oh du fröhliche“. Da ich müde war, bin ich nach der Kirche nicht mehr in die Disko, sondern habe den Abend entspannt mit meinem Hund in der Hängematte ausklingen lassen.

Am 25. schnappte ich mir, nachdem ich mich gründlich ausgeschlafen hatte, meinen Hund und wir spazierten durch die Viertel zum Haus von Basile. Dort gab es für mich die zweite Mahlzeit des Tages. Morgens war endlich der Moment gekommen, um meine Plätzchen, die ich in einem Paket bekommen habe, aufzumachen! Der Geschmack war weihnachtlich, aber irgendwie auch unpassend in dieser anderen Welt. Ich habe sie auf jeden Fall sehr genossen und kann jedem nur wärmstens empfehlen Zimtsterne so lange aufzuheben, bis sie die Packung in ein Vakuum verwandeln. Bei Basile gab es Akkassa und Pâte-rouge (Maisbrei, der in einer Tomatensoße gekocht wird) und da die Portionen so üppig waren, bekam auch der Petit Yovo seinen Anteil am Fest. Anschließend mussten wir noch zum Schneider, um dort den Anzug für den Abend abzuholen. Also ging es mit dem Moto-Taxi zu viert (Fahrer+Basile+Ich+Petit Yovo) dorthin. Den Rückweg traten wir zu Fuß an. Bevor es dann abends wieder zum Feiern in die Stadt ging, musste ich natürlich noch einige Weihnachtsgrüße in die Heimat loswerden und ich legte mich auch ein bisschen hin. Gemeinsam mit zwei anderen Freunden hatten wir für den Abend einen gemeinsamen Stoff ausgesucht, um zu zeigen, dass wir zusammen feiern. Am Abend war auch die Weihnachtsfeier von den Kindern, die fest im Projekt leben. Dort konnte ich mit einigen Tüten Bonbons, die ich seit meiner Anreise nicht angerührt hatte, einige Herzen höher schlagen lassen. Leider kam ich erst etwas spät dort an und so gab es kein Fleisch mehr, aber besser als nichts! An diesem Abend tanzte ich in der Disko auch mit einem Fetischeur, also einem Voodoo-Priester, und ich konnte von ihm einige interessante Tanzschritte lernen. In der Stadt warfen die Kinder Böller und natürlich musste auch ich eine Packung abstauben, die wir dann daheim noch zündeten.

Der 26. Dezember war mein persönlicher Festtag! Morgens nahm ich mein Fahrrad, um in der Stadt noch Eier zu holen und machte mich dann daran Pfannkuchen zu kochen. Es war mein perfektes Feiertagsessen! Für die hiesigen Verhältnisse ist es zwar sau teuer, aber der Geschmack war himmlisch. Auch den Mädchen gab ich etwas ab und das Urteil war sehr wohlwollend, aber alles außer der Naturvariante war zu süß. Normalerweise kann hier etwas schwer zu süß sein, aber ich habe es anscheinend geschafft ;). Eines der Mädchen versuchte sich auch selber an der Zubereitung (, denn eine Frau darf nicht zuschauen, wenn ein Mann kocht). Das Ergebnis war allerdings ein sehr buttergetränkter, ziemlich dicker Teigklops. Am Abend war ich dann wieder in der Stadt und die Stimmung war wirklich SEHR ausgelassen. Allerdings war die Stadt etwas leer, da viele nach Azovè fuhren, um dort zu feiern, denn diese Stadt ist etwas weiter entwickelt, als Dogbo.

Am Sonntag schrieb ich dann für eine Zeitung einige Informationen zu meiner Arbeit zusammen, die als Artikel am 6. Januar erschienen: http://www.infranken.de/regional/artikel_fuer_gemeinden/Ein-Koenig-hilft-Kindern;art154303,1506189 . Anschließend ging es noch an den Hausputz, denn für Silvester erwartete ich andere weltwärts-Freiwillige und da sollte das Haus glänzen!

Am 29.12. kam Franzi meine Mitfreiwillige vom Kindermissionswerk nach Dogbo. Da auf dieses Datum auch der letzte Markttag des Jahres fiel, nutzten wir den Abend für einen Großeinkauf. Und an diesem Tag stellte ich auch meinen persönlichen Pâte-Rekord auf: 5 Stück!! Ich habe danach ein bisschen gebraucht, bis ich mich ordentlich bewegen konnte!

Am 30.12. kam dann auch noch die restliche Gruppe Freiwilliger an und so hausten wir zu neunt in meinem Haus. Natürlich durfte eine Projektführung nicht fehlen und auch eine kleine Tour in die Stadt durfte nicht fehlen. Sonst ließen wir den Abend eher ruhiger angehen, so dass ich zumindest in dieser Nacht zu einem gewissen Schlaf kam.

Der nächste Tag beendete wieder früh, denn für den Artikel musste ich noch ein paar Fragen beantworten und Fotos verschicken und natürlich mussten auch die Gebäcke aus der Patisserie gekostet werden und so übernahm ich einen kleinen Lieferservice. Gegen Mittag fuhren wir dann alle zusammen nach Goundoudji, also der Höhle, in der früher Menschen mit Schwänzen lebten. In Wahrheit handelt es sich bei den nun wieder freigelegten Stollen um eine alte Eisenerzmine etwas außerhalb von Dogbo. Nach dem Besuch dort und dem anschließenden Heimweg durch die pralle Sonne waren wir erschöpft und nur ein Teil der Gruppe ging noch zum Bezirksbürgermeister (CA Central= Jules, mein Chef), der uns eingeladen hatte, ihn im Büro zu besuchen. Wir gingen dann noch auf den Markt, um letzte Dinge für den Abend zu besorgen. Nach einiger Suche habe ich es dann sogar geschafft Böller zu besorgen, um das neue Jahr „ein bisschen wie daheim“ zu begrüßen. Nur die Raketen waren überall bereits ausverkauft. Zu Hause wurde dann gegrillt: Meine Mülltonne wurde kurzerhand zum Grill und mit meinem neuen Grillrost wurden vier knusprige Hühnchen zur Mahlzeit. Gemeinsam mit frittiertem Yams und Kochbananenchips bildete dies unser Silvestermahl. Und auch für meinen Hund war es das reinste Fest mit mehr Knochen, als er sich je hätte erträumen können. Bis Mitternacht verbrachten wir einen entspannten Abend in meinem Hof, nur um um Mitternacht mit Geböller und Sekt das neue Jahr zu begrüßen. Weitergefeiert habe ich dann noch in der Disko und noch später auch in der Stadt. So lange war ich auch noch nie unterwegs hier und die meisten Bar waren geschlossen als wir uns gegen 6:00 Uhr früh auf den Heimweg begaben. Nach Hause fuhren wir mit meinem Freund (keine Ahnung, wer das war und woher er mich kannte) auf der Ladefläche eines „Transportmotorrads“. Und auch daheim ging das Fest noch mit aufgewärmtem Fleisch und kalten Getränken am neu entfachten Lagerfeuer weiter bis der Morgen graute. Für mich reichte es zu maximal zwei Stunden Schlaf zu Beginn des Jahres und so verwundert es kaum, dass ich erst nach einem ordentlichen Frühstück fit wurde.

Den Tag verbrachten wir im Zeichen des Schlafmangels zu Hause. Erst am Abend fuhr ich mit meinem Mentor zum Projekt, um Klaus zu begrüßen, der von seinem Heimaturlaub während des Tages nach Dogbo zurückgekehrt war. Da die im Projekt lebenden Kinder dort ihr Neujahrsfest feierten kam ich zu einer Portion Hühnchen mit Reis und POMMES!!!! Nachdem ich dann zu meinen Gästen zurückgekehrt war, wollten wir noch etwas Kühles trinken und so endete ich doch noch zu einer Flasche Sprite in der Bar, die 150m von meinem Haus entfernt liegt. In ein spannendes Gespräch vertieft, schaffte ich es erst wieder gegen 2 Uhr, ins Bett zu gehen, was mein Schlafdefizit nicht unbedingt gemindert hat.

Der Tag des großen Konzerts!!: der 2. Januar.

Jedes Jahr veranstaltet die NGO prodogbo am 2. Januar ein Konzert, zu dem alle aus Dogbo, dem Departement Kouffo oder woher auch immer gratis eingeladen sind. Der Name „EGODODO“ bedeutet auf Deutsch in etwa so viel wie „Wiedersehen/Zusammenkunft“.

Mittlerweile etwas erschöpft verbrachte ich den Morgen und auch den Nachmittag zu Hause. So fand ich zwar Ruhe, aber Schlaf war immer noch eine Mangelware. Und auch der ruhige Tag konnte die Müdigkeit über mir nicht vertreiben, die blieb, bis das Fest richtig losging. Am Abend schlüpfte ich dann in meinen neuen Anzug im Partnerlook mit Franzi und den Mädels im Projekt und ab ging es in die Stadt! Sogar etwas zu essen zu finden war schwer, denn alle Menschen waren im Feiermodus und kaum jemand hatte seinen Essensstand aufgebaut. Das Konzert fand auf dem Sportplatz der zentralen Grundschule in Dogbo statt und der Platz war komplett voll mit Menschen. Nachdem bis ungefähr 0:30 Uhr kleinere, lokale Künstler aufgetreten waren, kam nun der Star des Abends: King Mensah. Und so lange er auf der Bühne stand, war die Musik und die Stimmung auch gut. Einziges Problem war, dass King Mensah ohne jegliche Vorwarnung von der Bühne abtrat und so ein sehr abruptes Ende herbeiführte. So fanden sich große Teile der Konzertbesucher in den Kneipen wieder, wo weitergefeiert, gesungen und getanzt wurde. In der Disko, die sonst immer genug Platz bietet, war es voll wie in einer deutschen Disko zu Hochbetriebszeiten. Und auch bei den Getränken kam es zu Engpässen. Kaum jemand in der Stadt blieb ruhig sitzen, überall wurde getanzt. Wieder bis in den frühen Morgen und sogar, als der DJ schon eingepackt hatte.

Meine Stimme bekam durch die Feierei leider auch einen Engpass, der mittlerweile fast wieder vorbei ist. Da mein Kühlschrank mittlerweile vollständig geleert war, brach ich auf, um mir in der Bäckerei kaltes Wasser zu besorgen. Die Müdigkeit übermannte aber auch mich, sodass ich eine Stunde auf einer Holzbank vor der Bäckerei schlief. Wieder zu Hause war ich dann noch da, bis alle meine Gäste wieder abgereist waren und noch ein bisschen länger aber fand dann gegen 21:00 Uhr endlich meinen lange benötigten Schlaf!

Ich hoffe, ich habe euch nicht zu sehr erschlagen mit diesem doch etwas längeren Beitrag.

Ich hoffe, ihr habt alle ein schönes Weihnachtsfest gefeiert und seid gut in das neue Jahr 2016 gerutscht.

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

 

120 Tage, 1/3 Jahr, unendlich viel Zeit

Sonntag, 06. Dezember 2015 von Lukas

« Bénin/ Moi je taime/ L’amour/ Moi j’adore » (abgewandelt von:
SERGE BEYNAUD – KABABELEKE)

« Bénin/ ich mag dich/ Die Liebe/ ich liebe dich »

https://www.youtube.com/watch?v=f4nvGek9GsM

Dieses (abgewandelte) Lied hat es mir angetan und beschreibt mein Empfinden, obwohl ich „erst“ 1/3 Jahr hier bin, doch recht treffsicher!

Wie versprochen kommt meine erste „Amtsbilanz“ nach 120 Tagen in Dogbo…

Ich fühle mich pudelwohl in Dogbo und Bénin überhaupt. Alle Menschen sind nett und offen. Auch wenn mein Französisch nicht perfekt ist, ist es doch einfach, mit jemandem ins Gespräch zu kommen. Wie oft wurde ich schon eingeladen, mich dazuzusetzen und einfach in Gemeinschaft zu sein? Generell ist es mir schon aufgefallen, wie gerne die Menschen allgemein teilen; wann immer ich an einem Essenden Bekannten vorbeilaufe, kommt die Aufforderung:“ Iss mit mir zusammen!“

Besonders freut es mich, wenn ich aus Adja-Unterhaltungen kleine Fetzen verstehen kann. Mein französisch würde ich mittlerweile als flüssig, aber ausbaufähig bezeichnen; für die kleinen Unterhaltungen reicht es aber alle Mal. Durch das Intensivtraining (sprechen, sprechen, sprechen…) fallen mir gelegentlich sogar manche deutsche Wörter nicht ein, ganz zu schweigen von der englischen Sprache!

In einem Land, wie Benin begegnet man natürlich auch immer wieder dem Thema Armut! Die Häuser sind recht bescheiden und eher funktional eingerichtet. Oft sehe ich Kinder mit aufgeblähten Hungerbäuchen und auch der Wurmbefall ist oft sichtbar. Natürlich wird die Armut Anderer auch ausgenutzt: Ein ehemaliger Lehrling aus der Bäckerei verdiente nach seiner Ausbildung in einer Bar nur ungefähr 75 Cent am Tag, obwohl er dafür mindestens 12 Stunden arbeiten musste. Oft fällt es mir auch schwer, die Teilangebote anzunehmen, denn mir ist bewusst, dass ich hier eher reich bin!

Zur beninischen Kultur gehört der Voodoo. Nachdem ich anfangs riesigen Respekt bzw. Angst hatte, hat sich das mittlerweile in vorsichtige Neugier entwickelt. Auch wenn ich nur in Begleitung von Beninern in die Nähe solcher Veranstaltungen gehe. Und auch die Beerdigungen gehören natürlich zur Kultur. Meistens werden für die Verstorbenen große Feste, wie ich es bereits beschrieben habe, abgehalten…

„Oh nein, schon wieder Stromausfall!“ So ähnlich klangen meine Gedanken gerade am Anfang meines Aufenthalts häufiger. Mittlerweile habe ich mich daran gewöhnt, dass sehr häufig kein Strom zur Verfügung steht. Ich glaube, bisher habe ich noch keine Woche ohne Stromausfall erlebt… Die Wasserausfälle, die auch gelegentlich vorkommen und meist dann, wenn man Wasser braucht, sind schlimmer, aber fließend Wasser ist ein Luxus und ich habe immer einen Wasservorrat im Haus. Und auch die Internetverbindung ist langsam, aber mit der Zeit kann man sich daran gewöhnen ;).

Es wird auch sehr viel getanzt! Egal, ob spontan in der Arbeit, mit Bekannten am Straßenrand oder am Wochenende (mehr oder weniger geplant) in der Diskothek, die nicht unbedingt voll sein muss… Dass die Leute viel Tanzen kann einem auch manchmal den Schlaf rauben: Bei den Beerdigungen wird oft ab samstagnachmittags bis Sonntagabend durchgehend laute Musik gespielt. Es gibt jedes Wochenende mindestens eine Zeremonie in der Stadt und die höre ich dann zum Einschlafen, wenn ich nicht gerade selbst unterwegs bin.

Das Essen: Die Früchte sind ein Gedicht!! Frisch vom Markt ist es einfach nur ein Genuss! Ich habe schon gelernt, wie man hier Orangen isst (man saugt sie nur aus) und schält (nur die grüne oder Orangene Schale) und, dass man niemals eine ganze Ananas alleine essen sollte… Anfangs fand ich Pâte, einen Maisbrei, der hier Hauptnahrungsmittel ist, nicht so lecker, aber mittlerweile esse ich sie gerne. Auffällig ist auch die Fleischliebe. Fast überall gibt es Fleisch oder Fisch zum Essen, aber Ei, Sojakäse oder Käse findet sich eher selten, obwohl ich diese Sachen viel lieber mit der Pâte esse. Und am besten schmeckt es natürlich mit der Hand, wobei ich mittlerweile behaupten würde, dass ich über eine passable Technik verfüge… Nicht typisch, aber genauso lecker sind die Produkte der Feinbäckerei des Projekts, die ich oft zum Frühstück genieße.

Was mir sehr viel Freude bereitet, ist der Austausch mit anderen Freiwilligen. Es ist gut und befreit, sich mit anderen Freiwilligen auszutauschen, da sie meist ähnliche Erfahrungen machen.

Und alleine bin ich zu Hause sowieso nie, ich habe ja meinen Petit Yovo. Ich finde er entwickelt sich ziemlich gut und kann mittlerweile sogar schon „Sitz“ (zumindest, wenn ich ihm den Befehl gebe…).

Oft höre ich von anderen, dass ich schon ziemlich gut in die Kultur eingebunden bin. Manchmal fühle ich mich sogar selbst, als wäre ich Beniner mit deutschen Wurzeln oder so ähnlich J

Liebe Grüße (auch von Petit Yovo, der gerade neben mir liegt) und eyissaba (bis bald)

Lukas

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Benin hat Frieden

Montag, 23. November 2015 von Lukas

Es ist Montag der 16. November 2015. Wie jeden Morgen klingelt um 7:00 Uhr mein Wecker, aber um gleich aufzustehen bin ich zu müde. Gegen 8:00 Uhr stehe ich dann tatsächlich auf, gebe dem „Petit Yovo“ Milch und nach der Dusche noch ein Akassa. Bevor ich das Haus verlasse, schäle ich mir zwei Orangen, die ich unterwegs essen werde. Jetzt noch schnell den Hof „hundesicher“ machen und dann geht es in die Arbeit. Auf dem Weg fällt mir auf, das die beninische Flagge am Collège nur auf Halbmast weht. „Ist wieder ein ehemaliger Präsident gestorben?“ Ich nehme mir vor, Basile direkt zu fragen. In der Arbeit geht aber alles erst einmal seinen gewohnten Gang: Computer hochfahren, Frühstück holen, alle begrüßen und natürlich auch ein bisschen Small-Talk. Doch schon kurz darauf werde ich von der grausamen Realität eingeholt. Die vielen Profilbilder mit Frankreich-Flagge zeigen mir, irgendetwas ist passiert. Nur was? Erst nach der Wahrnehmung der vielen Frankreich-Flaggen und genauso vielen Aufforderungen von Facebook:„ Ändere dein Profilbild, um deine Unterstützung für Frankreich und die Menschen in Paris zu zeigen,“  gelange ich zu den ersten Berichten. Mir wird bewusst, wie weit ich von Europa entfernt bin und manchmal ist diese Entfernung auch beruhigend…

Rückblende:

Freitag 13. November 18:00 Uhr: Wir haben gerade die Bewerbungsgespräche mit den potentiellen Kandidaten für den Assistent en des Kassierers abgeschlossen. Ich lasse meinen Computer mit der Gewissheit eines internetlosen Wochenendes in der Bibliothek- das bringt auch viel Freiheit und Unbeschwertheit, wie ich jetzt merke. Mein Mentor fährt mich mit dem Motorroller  nach Hause. Ich koche Abendessen, denn nach fast neun Stunden Bewerbungsgesprächen ohne Pause knurrt mir  der Magen.  Basile verspricht mir, noch vorbeizukommen, um beim Schneider den Anzug für die Beerdigung am nächsten Tag abzuholen. Beim Schneider beschäftigt mich vor allem die Maus, die an der Wand entlangläuft – die einzige Beunruhigung für mich an jenem Tag. Ich beschließe jedoch, nicht mehr zur Totenwache zu gehen, sondern mich stattdessen schlafen zu legen.

Zur gleichen Zeit beginnt beginnt 6:10 Flugstunden entfernt ein Morden, das für mich schwer begreiflich ist. Noch unbegreiflicher für mich: Ich bin  ebenso gesund, wie wahrscheinlich viele der Menschen, die in dieser Nacht grundlos ermordet wurden! Und ich bin einfach nur glücklich, in Benin zu sein mit all den netten und fröhlichen Menschen, die ihr Leben glücklich leben können. Während ich friedlich schlummere, sterben in Paris über 130 Menschen. So nah und doch so fern! Während Grausames geschieht, bin ich vor allem eines: frei. Frei vom Terror, aber auch frei von jeglicher Angst.

Am besten trifft meine Situation wohl folgender Satz, den ich bei Skype sagte: „In Europa würden mir diese Geschehnisse wohl im täglichen Leben Angst machen, aber in Benin fühle ich mich sicher –  in Gefahr wähne ich mich hier nicht! Und so bin ich wohl etwas ruhiger, als ich das in Deutschland wäre.“

Am Samstagmorgen mache ich ausnahmsweise keinen Sport.  Stattdessen  wasche ich ein bisschen von meiner Wäsche und mache mir Reis zum Frühstück. Ich gehe zum Projekt, um die Reinigung der Bäckerei abzunehmen, aber die Bäcker waren heute eher fertig und so stehe ich vor verschlossener Tür und mir bleibt nur der Heimweg durch die brütende Hitze. Mit Basile unterhalte ich mich noch etwas, bevor wir zu der Beerdigung aufbrechen. Bei der Beerdigung dann das bekannte Bild: feiernde Menschen, laute Musik und viele Menschen mit dem gleichen Stoff, wie ich und Basile. Der einzige Unterschied, der mir zu „meinen“  bisherigen Beerdigungen hier auffällt, ist, dass die Verstorbene noch in einem „Glaskasten“ aufgebahrt ist. Es gibt etwas zu essen und zu trinken. Sogar der Bürgermeister schaut vorbei, denn der Sohn der Verstorbenen ist Mitglied derselben Partei. Da unter den Helfern viele Bekannte von Basile, aber auch von mir sind, gehen wir nicht zusammen, sondern nacheinander von der Veranstaltung und treffen uns draußen wieder.

Und jetzt geht es richtig afrikanisch weiter: Eigentlich wollen wir beim Gottesdienst für die Verstorbene teilnehmen, aber als wir dann an der Kirche ankommen, ist dieser  schon zu Ende. Nachdem wir auch noch bei Basiles Eltern vorbeischauen, verpassen wir auch den Anschluss an den  Konvoi  in das Dorf  – denn mich würde es wirklich interessieren, wie die Bestattung in Benin vonstatten geht. Also begeben wir uns zu zweit auf den Weg und verfahren uns prompt… In einem anderen Dorf merken wir, dass der Motorradreifen Luft verliert und so halten wir an und lassen den Reifen reparieren- keine Chance mehr an „unserer“ Bestattung teilzunehmen! Doch wie es der Zufall will, kommt just in dem Zeitraum eine andere Gesellschaft mit einem Sarg an, um diesen zu bestatten. Doch natürlich lädt mich jemand ein, mir sein Dorf zu zeigen, und aus kurz wird lang und ich verpasse auch meine zweite Gelegenheit am selben Tag, an einer Bestattung teilzunehmen. Allerdings stellt sich heraus, dass der Mann, der mich eingeladen hat, einen Friseursalon betreibt und so habe ich immerhin meinen Friseur gefunden! Meine Haare sind mittlerweile schon wieder viel zu lang… Ich werde wohl bald wieder bei ihm vorbeischauen!

Nachdem Basile dann auch in das Dorf des Friseurs nachgekommen ist, begeben wir uns von dort schließlich auf den Weg nach Dogbo. Aber auf dem Weg zu mir gibt es noch die kleine Diskothek- ein Hindernis! Natürlich gehen wir noch tanzen…

Für Sonntagmittag habe ich mich mit einem amerikanischen Freiwilligen- einem Kollegen der Delegation, die ich schon davor getroffen hatte- verabredet. Was meine mittlerweile afrikanische  Planung durcheinander brachte, war, dass er tatsächlich um kurz nach zwölf mit zwei anderen Amerikanerinnen da war! Eigentlich wollte ich sie einladen, aber nachdem sie europäisch/amerikanisch pünktlich waren, war erstens das Essen nicht fertig, weil zweitens kein Gas zum Kochen mehr vorhanden war! Also mussten wir auf in Richtung Markt…  Nachdem wir dann auf dem Weg in die Stadt  gegessen hatten, kümmerten wir uns noch um die Einkäufe, was fast den gesamten Nachmittag in Beschlag nahm. Nach dem Einkauf machten sich meine neuen Bekannten auf den Heimweg in ihre jeweiligen Dörfer und ich aß daheim das, was die Mädchen auf ihrem Kocher gekocht hatten…

Ich schlafe gut in der Nacht auf Montag und nehme mir fest vor, so bald wie möglich eine Bilanz meiner ersten 100 Tage in Benin zu verfassen- quasi eine erste „Amtsbilanz“.

Nachdem ich verstanden hatte,  was in Paris passiert war, lässt mich das Thema jedoch nicht mehr los! Ich bin schockiert und kann mich nicht mehr konzentrieren! Wie soll ich unter diesen Umständen meine Bilanz verfassen????

Gerade deshalb entschließe ich mich für diesen (aktuelleren) Beitrag, um zu zeigen, wie „nah und doch so fern“ ich bin.  Die Ereignisse beschäftigen mich weiter! Sie lassen mich auch in der folgenden Woche nicht los!

Immer wieder lese ich die Aktualisierungen… Und ich bin froh, gerade jetzt nicht in Europa zu sein!

Sicher ist: meine Bilanz werde ich auch noch verfassen; allerdings wird sie dann über ca. 120 Tage gehen!

 

Ein Wochenende in Europa?

Dienstag, 27. Oktober 2015 von Lukas

Aus Montag ist Dienstag geworden und es sind bereits drei Wochen seit der Rückkehr vergangen, aber dennoch möchte ich diese Seite Benins mit euch teilen.

Um Nachdem ich meine Sachen für das Wochenende gepackt hatte, brachte ich meinen kleinen Hund nach nebenan, denn meine Nachbarinnen, die von prodogbo geförderten Mädchen, würden sich um den Petit Yovo kümmern, und begab mich noch am Abend zum Projekt. Die Nacht verbrachte ich halb schlafend, halb wachend in der Bibliothek, bevor ich mich so gegen 2:00 Uhr in die Backstube stellte. Um 4:00 Uhr kam dann auch Victor, wie vereinbart, zur Feinbäckerei, um dort mitzuarbeiten, und ich war als Übersetzer mit von der Partie. Nachdem die Pain-au-chocolats, die Rosinenschnecken, die Fisch-Teilchen und die Würstchen im Schlafrock hergestellt waren, stellte Victor unter aufmerksamen beninischen Augen un unter Mithilfe derer Besitzer auch noch Puddingbrezeln her. Die Aussprache gestaltete sich aber als sehr schwierig für die beninischen Zungen. Noch bevor die Puddingbrezeln fertig waren, kam der Taxifahrer und so brach ich mitten aus der Arbeit auf nach Cotonou.

Der Taxifahrer ist ein Freund von Basile und Charles und die hatten für mich außer der Fahrt auch noch eingefädelt, dass ich vorne alleine auf dem Beifahrersitz mitfahren durfte; allerdings musste ich auch für die „beiden“ Sitzplätze bezahlen. Noch müde verschlief ich den Teil bis Lokossa und nickte auch später noch ein paar Mal ein. Auf der Rückbank waren noch vier Mitfahrer, die trotz der Enge auch schliefen. Die Fahrt war sehr holprig, aber durchaus ertragbar, da durch das offene Fenster dauerhaft frische Morgenluft in das Wageninnere strömte. Bei einem Polizei-Checkpoint werden wir raus gewunken, aber als der Chauffeur etwas mit „Yovo“ sagt, dürfen wir unbehelligt weiterfahren. Je näher wir an Cotonou kommen, desto dichter wird der Verkehr und auch die Autos werden neuer. Sogar die Straßen sind jetzt glatt geteert. Um 9:00 Uhr in Cotonou angekommen ließ ich mich mit dem Zemidjan, einem Motorrad-Taxi zu dem Kloster in Cotonou, das zu dem gleichen Orden gehört, bei dem Franzi in Natitingou wohnt. Trotz der frühen Uhrzeit, machten es die Schwestern möglich, dass ich schon in mein Zimmer konnte. Dort sank ich erschöpft auf das Bett und holte erst einmal den Schlaf der vergangenen Nacht nach. Zum Mittagessen ging ich auf der Straße und dort fiel sofort auf, dass die Preise hier deutlich über dem dogbolesischen Niveau liegen. Ich machte einen eher faulen Tag und genoss die Stille, die der Innenhof trotz des Verkehrslärms ausstrahlte. Um nicht nur rumzusitzen, machte ich mich auf, um etwas die Umgebung zu erkunden. Ich fand zwar noch nicht den Strand, der ganz in der Nähe lag, weil ich in die andere Richtung abbog, aber dafür spazierte ich am Hafengelände entlang. Franzi wollte eigentlich um 19:00 Uhr ankommen, kam dann aber erst um 23:00 Uhr an (nach afrikanischer Zeit fast ohne Verspätung). Um 21:00 Uhr gehe ich in mein Zimmer und schlafe dort ein, so dass ich die Ankunft verschlafe.

Am nächsten Morgen kommt es dann aber zum Wiedersehen. Es ist spannend Geschichten zu hören und ist auch mal gut selber zu erzählen. Nach dem Frühstück brechen wir auf zur deutschen Botschaft, um dort die Einladungskarten für das Fest zum deutschen Nationalfeiertag abzuholen. Cotonou ist eine riesige Stadt. Es fahren unendlich viele Motorräder umher, die Straßen sind versiegelt und es gibt viele „Yovos“. Mit der Einladung in der Hand machen wir uns auf den Rückweg am Hafen entlang. Nachdem in direkter Nachbarschaft zu der Unterkunft 3 (!) Supermärkte liegen, kommen wir natürlich nicht umhin auch hineinzuschauen. Schon beim eintreten beginnt für mich das Paradies! Nicht nur ist das Klima angenehm, sondern es gibt auch alles zu kaufen- zumindest beim ersten hinsehen! Wir kaufen als erstes einen Six-Pack Wasser, den wir mi in das Hotel nehmen. Aber natürlich kehren wir zurück und so gibt es zum Mittagessen Brot mit Camembert und eine Packung Eis als Nachtisch. Es ist wie im Schlaraffenland und es fällt mir schwer das Glücksgefühl in Worte zu fassen. Am Nachmittag entdeckten wir dann am Ende einer Seitenstraße das Meer und mussten natürlich sofort hin! Der Atlantik mit dem Strand war einfach perfekt und am liebsten wäre ich schwimmen gegangen, hätte ich nicht um die Strömungen gewusst. Auch der Strand war SEHR dreckig.

Am Abend brechen wir dann gemeinsam auf zur deutschen Botschaft, denn in der Unterkunft sagt uns eine Frau, dass die Botschaft direkt dort ist. Nachdem alles dunkel ist, treffen wir dort zwei andere Gäste, die uns in ihrem Auto mit zur Residenz nehmen, bei der auch mehr los ist. Nach der Einlasskontrolle sollen eigentlich die Einladungskarten abgegeben werden, aber die Dame bietet uns an, nur den Umschlag abzugeben, was wir natürlich annehmen. Unter einem Zeltdach ist ein roter Teppich ausgelegt, über den wir gehen und an dem wir auch dem Botschafter und zwei weiteren Herren die Hand schütteln. Ich fühle mich mit meinen Trekking-Sandalen (Stadt-/traditionelle Kleidung wie auf der Einladung) etwas deplatziert, aber stehe den Abend durch. Die Residenz ist dieses Wortes definitiv würdig: Sie liegt an der Hafenstraße. Zu Beginn werden die Hymnen gespielt und ich bekomme bei der deutschen Hymne tatsächlich das erste Mal ein Kribbeln und fühle mich dadurch repräsentiert! Nach den Reden und einer Ehrung geht dann der eigentliche Festakt los. An mehreren Tischen werden Getränke ausgeschenkt und an drei Stationen gibt es Bratwürste im Brötchen, aus Schweine-, Rind-, und Lammfleisch. Zwischen den Tischen laufen Kellner mit Häppchen durch. Natürlich lernen wir auch weitere Freiwillige kennen und ich kann mir durchaus vorstellen, nochmal bei einigen vorbeizuschauen. Was mich allerdings am meisten gefreut hat, war dass ich mich mit einem Mitarbeiter der japanischen Botschaft auf französisch unterhalten konnte, ohne je in der Schule französisch gelernt zu haben. Gegen 12:00 Uhr wurde die Feier beendet und Franzi und ich begaben uns auf den Heimweg, doch was wir nicht bedacht hatten, war dass in dem Kloster das Tor zugesperrt wird. Und nachdem alles Klopfen nichts half, mussten wir die arme Gastschwester anrufen, damit sie uns öffnet.

Der Sonntag begann regnerisch, aber das hielt uns nicht davon ab, ans Meer zu gehen. Der Atlantik war heute rau und unruhig, aber perfekt zum Wellenreiten. Von der geschützten Terrasse aus beobachten wir das stürmische Treiben. Am Nachmittag kommt dann Basile vorbei, der auch in Cotonou ist. Gemeinsam fahren wir an den großen Strand. Und groß ist eigentlich fast eine Untertreibung. Von der Straße bis zum Wasser sind es gute 100 Meter Sand. Aber auch hier liegt viel Müll rum. Nachdem wir etwas den Wind und die Seeluft genossen hatten, setzten wir uns auch noch in eine Bar mit Blick auf das Meer und konnten von dort perfekt den Sonnenuntergang beobachten. Am Abend gab es dann noch einen Höhepunkt: Um den europäischen Eindruck zu verstärken, gingen wir in einen Fastfood- Laden und aßen Burger. Daheim hätte man den Burger noch verbessern können, aber dort war er einfach perfekt!!

Am Montag trafen wir dann auch auf eine Schwester von Franzi, die aus Natitingou angekommen war. Nach dem Foto-Shooting fuhren wir zur Immigrationsbehörde, die für die Visa verantwortlich ist. Dort wurde uns mitgeteilt, dass man das Visum gar nicht auf ein Jahr verlängern konnte. Da mir noch eine weitere Bescheinigung fehlte, wollte ich diese nach Absprache mit Klaus in Dogbo holen und ein anderes Mal zurückkehren. Am Nachmittag traf ich dann zum zweiten Mal auf den Botschafter. Mit der Klever Delegation hatten wir dort einen Termin für ein Gespräch. Das Gespräch fand im großen Besprechungsraum statt, an dessen Wand Regale mit einer umfangreichen deutschen Bibliothek waren. So durfte ich die Beiden Botschaftsgebäude kennenlernen.

Am Abend fuhr ich dann auch noch mit zum Flughafen. Fast genau 2 Monate nach meiner Ankunft. Der Gedanke, dass man in nur 6 Stunden wieder daheim wäre ist irgendwie verblüffend. Und während wir vom Flughafen zurückfahren, muss ich daran denken, dass ich noch 10 Monate hier bleiben darf! Ich bin gespannt auf alles, was in der Zukunft dort noch auf mich wartet!

 

(“Kurz-“)Zusammenfassung einer ereignisreichen Zeit

Freitag, 09. Oktober 2015 von Lukas

Um mit dem Blog schreiben einigermaßen hinterherzukommen, werde ich die Ereignisse etwas abkürzen.

Am Abend der vielen Beerdigungen fand auch noch das Finale der Bühnenwettbewerbe statt. Der Abend wurde mit vielen Auftritten von Künstlern, unter anderem auch Charly Blacky, gefeiert und am Ende konnten die Teilnehmer Schulutensilien gewinnen. Da ich mit den „weitblick“-Studentinnen da war, wurden uns Plätze auf Plastikstühlen in der ersten Reihe angeboten. Der Abend zog sich etwas und so gingen wir schon vor der Siegerehrung; allerdings nicht nach Hause, sondern in die kleine Diskothek, in der wir bis nach Mitternacht tanzten.

Am nächsten Tag durften die Studentinnen in beninischen Geschäften Praktika machen und ich sollte ab und zu nach ihnen schauen. Tagsüber nahm ich daher meinen Hund zum ersten Mal mit zu Prodogbo. Andi und Tomek sind nicht so warm mit ihm geworden, aber immerhin haben sie ihn nicht zerfleischt. Am Abend ging es auf den Markt zum Stoffe einkaufen. Ich habe mir jedoch mit viel Beherrschung keinen gekauft, denn es werden noch genug Feste mit einem eigenen Stoff kommen…

Am Montag wurde ein Spielenachmittag veranstaltet, der allerdings in einer Pause nach zwei Spielen endete. Ich konnte so aber immerhin ein beninisches Spiel kennenlernen. Am Abend gab es dann noch einen Lagerfeuerabend mit der beninischen Nationalhymne, „Ein Kompliment“ von den Sportfreunden Stiller (begeistert vorgetragen von den Studentinnen und mir) und viel Trommelmusik und Tanz um das Lagerfeuer.

Am nächsten Tag wurde ein Treffen zwischen „weitblick“ und „ESI“ abgehalten. Oft durfte ich Übersetzer spielen, denn mein Französisch hat sich ganz gut entwickelt. Am Abend gab es dann noch ein kleines „Au-revoir-Dogbo-fête“ –also „Auf-Wiedersehen-Dogbo-Fest“- das bis spät in die Nacht andauerte.

Am nächsten Morgen hieß es dann Abschiednehmen und zurück in den Alltag.

Was interessant war, war dass am Donnerstag arbeitsfrei war, denn an diesem Tag war das muslimische Opferfest. Sogar eine SMS unterzeichnet vom Präsidenten bekam ich an diesem Tag, in der Boni YAYI „Eid Mubarak“ wünschte.

Eigentlich hatte ich mich auf ein ruhiges Wochenende eingestellt, aber mit der Spontanität entwickelt sich das oft ganz anders:

Am Freitag war ich bei Alban zum Essen. Dort gab es Pâte mit einer Gemüsesoße, was sehr gut geschmeckt hat. Das einzige Problem war, dass das Essen heiß war und da ich nicht daran gewöhnt bin, heiße Dinge mit den Fingern zu essen, dauerte das ganze etwas länger, als bei Alban.

Am Samstag wollten Alban, Cesair und ich aufbrechen nach Goundoudji. Dabei handelt es sich um ein Höhlensystem, in dem früher Menschen mit Schwänzen gelebt haben sollen. Allerdings hat der Verantwortliche für mich einen viermal höheren Preis verlangt, als für meine dogbolesischen Freunde, so dass wir beschlossen, nur von oben einen Blick in die Höhlen zu werfen. Am Abend, als ich aus der Stadt zurücklaufe, teilt mir Mathurien, der Bäckermeister, den ich zufällig treffe, mit, dass am Abend noch einmal eine Totenwache bei Agbe ist und fragt ob ich nicht mitkommen möchte. Natürlich möchte ich und so begebe ich mich gegen 20:00 Uhr auf zum Projekt, um davor noch in der Bäckerei mitzuhelfen. Dort erwartet mich allerdings eine Überraschung: In der gesamten Backstube gibt es keinen Strom (überall sonst schon) und als dieses Problem vom Elektriker behoben ist, fällt immernoch der Teigkneter aus. Allerdings beschließen wir, in der Nach zu schlafen und erst am nächsten Tag nochmal hinzufahren!

Um 14:00 Uhr am Sonntag komme ich wieder beim Projekt an, doch wie so oft verläuft alles ganz spontan ganz anders: Der Elektriker ist gerade dabei, den Teigkneter zu reparieren und wir warten, dass er fertig wird. Dann sagt mir Mathurien, dass es zu warm ist und wir eigentlich auch eine Tour durch Dogbo machen könnten; also nicht zu Agbe! Mit dem Motorrad geht es zuerst auf zu Mathurien’s Freundin. Dort bekommt er einen Anruf, dass er Sprit für den zweiten Bus besorgen soll, da der erste mit deutschen Gästen im Gepäck auf dem Weg nach Dogbo eine Panne hatte. Also wieder zum Projekt. Danach geht es erstmal in eine kleine Buvette, also eine Bar. Kurze Pause. Mit dem Motorrad fahren wir in Richtung des Hauses von Mathurien (nicht die Wohnung, in der er mit seiner Freundin wohnt) und treffen dort einige seiner Freunde, mit denen er sich unterhält. Weiter geht es zu einer kurzen Begehung des Viertels, in dem auch der Präsident des Projekts, Jules, ein Haus hat. Mathurien stellt mir seine Frau und seine drei Kinder vor, die dort wohnen. Anders als in Deutschland ist es hier aber normal mehrere Frauen zu haben, so viele „wie man auch versorgen kann“. Die erste Frau hat oft aber eine etwas gehobene Stellung. Wir schauen dann auch noch kurz bei der Großmutter vorbei, bevor wir uns auf den Rückweg zur Freundin machen. Blockiert wir der Weg allerding von einem Polizisten, denn auf der Hauptstraße findet ein Inline-skate-Wettbewerb statt. Ganz verstehe ich die Regeln nicht, aber die Kinder fahren ohne Schutzausrüstung so schnell es geht hin und her. Das die meisten keine Chance haben macht überhaupt nichts und sie fahren trotzdem eifrig weiter. Nach Beendigung des Wettbewerbs fahren wir dann tatsächlich zur Freundin und diese hat mittlerweile für uns gekocht. –Das Rollenverständnis hier geht hier davon aus, dass Frauen untergeordnet sind. Ich werde das zwar wahrscheinlich nicht ‚ndern können, aber versuche Frauen so wie die Männer zu behandeln.- Es gibt Pâte mit einer Soße, in der als Einlage Sojakäse und Schweinefleisch ist. Die Freundin (mir fällt gerade auf, ich weiß leider nicht einmal ihren Namen L) muss aber mit Akassa uns nur Soja Vorlieb nehmen. Wir essen am Boden und mit den Händen, aber es schmeckt sehr gut.

Mathurien fragt mich, ob ich denn nicht heute in der Backstube helfen möchte und so ziehe ich mich kurz um und gehe noch einmal in das Projekt. Während der Arbeit kommen dann auch die deutschen Gäste aus Kleve um sich umzusehen. Der Bäckermeister Victor zeigt sofort, dass er sein Handwerk beherrscht und im Nachhinein signalisieren mir viele der beninischen Bäcker ihre Begeisterung. Nach der Arbeit schlafe ich erst etwas in der Bibliothek, denn ich soll nichtmehr nach 22:00 Uhr alleine unterwegs sein, und gehe um 6:30 Uhr nach Hause um mich nochmal etwas hinzulegen.

Am Dienstag geht des für mich dann zum zweiten Mal hier zum König, der bei der sinngemäß über mich sagt:„Ihn kenne ich schon, das ist mein Sohn.“ Denn er scheint die Einwohner Dogbos, gewissermaßen seine Untertanen, als seine Kinder zu sehen. -Ein Zeichen, wie friedlich das Zusammenleben der Religionen möglich ist habe ich heute beim König, der selber Moslem ist, entdeckt: direkt neben dem Wandteppich aus Medina hing ein Bild des katholischen Pfarresrs in Dogbo. Ich finde das trifft die Situation genau ins schwarze, denn hier gibt es wirklich viele unterschiedliche Religionsgemeinschaftn, aber sie kommen friedlich miteinander aus. Für mich war das ein Symbol, das ich weitergeben wollte…- Nach der Visite, die ‚hnlich der ersten ausführlich beschriebenen verlief, außer der Tatsache, das der König heute eine andere Krone trug, geht es wieder zur Quelle und danach zurück nach Dogbo. Später am Nachmittag fahren wir dann auch noch zu der neuen „weitblick“-Schule, um eine provisorische Erstabnahme zu machen. Direkt nach der Rückkehr geht es aber direkt weiter. Der Chef der Autowerkstatt, selber Moslem, hat zur Feier des muslimischen Opferfestes eine Ziege spendiert und gibt für alle Mitarbeiter ein Festmahl aus. Zum Fleisch gibt es Pâte, Tomatensoße und gemahlene Chillis. Der Ingwersaft-Kondensmilch-Mix im Anschluss ist mir dann aber zu scharf! Am Abend bin ich mit Victor in der Backstube. Alle sind heute besonders exakt und geben sich viel Mühe, aber so dauert die ganze Produktion auch viel länger. Und die beiden Meister träumen von einem Praktikum in Deutschland, können aber leider kein Deutsch.

Am Mittwoch beginnt der Tag mit einer Sitzung zur Übergabe des Projekts vom deutschen Verein „prodogbo“ in Kleve an den beninischen Verein „ESI“, der zu einem großen Teil aus Mitarbeitern im Projekt besteht, an der ich auch teilnehmen darf. Etwas habe ich mich mit der Thematik schon auseinandergesetzt, denn ich durfte den Vertrag ins deutsche übersetzen. Am Abend gehe ich auch bald ins Bett, denn ich bin noch müde und das kommende Programm wird nicht weniger ermüdend.

Um 11:00 Uhr sollen Sachspenden, die mit dem letzten Container aus Kleve angekommen sind an beninische Institutionen übergeben werden. Allerdings verstehen hierunter viele eine afrikanische Zeitangabe, so dass wir um ca.12:00 Uhr nicht ganz vollständig anfangen. Die Sozialberatungszentren aus jeder Kommune im Department Kouffo, in dem auch Dogbo liegt, bekommen einen Computer, ein Computer geht jeweils an Polizei und Gendarmerie, die Kirche bekommt eine elektrische Orgel und das staatliche Ausbildungszentrum bekommt fünf Computer und einen kompletten Friseursalon. Nach den Reden werden die Dinge übergeben, was zu großer Freude bei den Begünstigten führt. Am Spätnachmittag fahre ich dann mit der klever Gruppe noch zu Aktion Pro Humanität, einer anderen NGO, bei der Klaus vor der Gründung von „prodogbo“ gearbeitet hat. Wir bekommen eine Führung durch das Waisenhaus und die Krankenstation, bevor wir nach einer kleinen Stärkung wieder nach Dogbo zurückkehren. Dort muss ich meine Sachen zusammenpacken, denn am nächsten Morgen fahre ich nach Cotonou!

Ich bin zwar mittlerweile schon aus Cotonou zurückgekehrt, habe aber beschlossen, über die Reise einen separaten Blogeintrag zu verfassen.

Liebe Grüße und bis dann

Lukas

 

Unterwegs in und um Dogbo

Mittwoch, 30. September 2015 von Lukas

Elf Tage ist mein letzter Blogeintrag alt. Elf Tage voll mit Ereignissen; zu viele Dinge um den Blog zu verfassen. Eigentlich wollte ich das am Wochenende machen, aber das Leben hier ist geprägt von Spontanität. Schon kurz nachdem ich den letzten Blogeintrag veröffentlicht hatte, ging es weiter mit aufregenden Ereignissen:

Am Abend des 17.09. sollte eine Gruppe von „weitblick“ aus Deutschland ankommen. Als sie um 17:00 Uhr noch nicht hier im Projekt waren, stand ich vor der Entscheidung zu bleiben oder nach Hause zu gehen; die Entscheidung wurde mir aber durch den beginnenden Regen abgenommen. Also blieb ich hier! Nach dem kurzen Empfang und einem Austausch mit meinem Mentor Basile, der die Gruppe auf der Benin-Reise begleitet, ging ich dann aber nach Hause, denn mein Hund möchte schließlich etwas zu essen.

Basile erklärte mich zu seinem Assistenten und nahm mich zu einigen Programmpunkten mit. Der erste war der Besuch beim König von Dogbo am Freitag. Der Plan war, eine Fahrradtour zu seinem Haus zu machen, das in einem Ort ungefähr 6 km vom Projekt entfernt liegt. Doch davor mussten erstmal Fahrräder aufgetrieben werden, was sich schwerer als gedacht erwies. Als es dan losging, fuhren wir im Pulk über die Landstraße zum König. In dem Dorf liefen sofort alle Kinder zusammen, um die „Yovos“ zu bestaunen. Als der König zum Empfang bereit war, durften wir in sein Haus. Davor zogen wir die Schuhe aus und begrüßten den König dann auf die traditionelle Weise. Dafür geht man auf ein Knie und berührt dan mit der Hand den Boden, die Stirn, den Boden und die Brust. Danach durften wir uns hinsetzen. Der „Thronsaal“ war ein Zimmer in Wohnzimmergröße. An der Stirnseite saß der König auf einem Ledersessel, der auf einem Podest platziert war und an den beiden Seiten waren Sitzgelegenheiten aufgestellt. An den Wänden hingen verschiedene Bilder, unter anderem mit deutschen Reisegruppen und ein gemaltes Bild mit früheren Königen. Assistiert wurde dem König von einem jungen Mann, der wie ein Kammerdiener war. Während der Audienz hielt der junge Mann auch einen Regenschirm über den König; leider weiß ich nicht wozu, denn ich habe nicht nachgefragt, aber wenn ich das nächste Mal zum König gehe, werde ich mich dazu schlaumachen. Beim Koenig wurde uns zu Beginn Wasser angeboten, aber da ich nur das Mineralwasser trinke, habe ich nur den Ahnen etwas gegeben, indem ich etwas Wasser auf den Boden geschüttet habe; und natürlich wurde auch hier Sulabis ausgeschenkt. Jeder von uns Deutschen stellt sich dem König mit Namen vor und gibt ihm die Hand. Anschließend hält er eine kleine Lobeshymne auf die Arbeit von „weitblick“ in seiner Gemeinde. Zum Abschluss segnet uns der König noch, bevor wir zu einem Gruppenbild vor den Thronsaal gehen. Von einer Deutschen ist der König anscheinend besonders angetan, weshalb er ihr vorschlägt, dass sie bei ihm bleiben und Königin werden könnte. Die ganze Zeit, während wir empfangen werden, versuchen die Kinder von draußen etwas von dem Geschehen mitzubekommen.

In direkter Nachbarschaft des Königsortes befindet sich eine Quelle. Aus Rohren sprudeln unaufhörlich große Wassermengen an die Oberfläche. Die Leute waschen dort sich oder ihre Kleidung oder holen Trinkwasser für die Häuser. Nach dem Besuch an der Quelle fahren wir wieder nach Dogbo zurück, doch damit war der Tag noch lange nicht zu Ende…

Am nächsten Tag ist die Beerdigung des Vaters des Feinbäckers, dafür ist in der Nacht davor eine Totenwache. Als ich mich am Abend aufmache, um gegen Mitternacht aufmache, um mit den Bäckern zu der Wache zu fahren -natürlich in den Stoff für die Beerdigung gekleidet- fahre ich erstmal mit Basile und den Weitblickerinnen zum Schneider, denn am nächsten Tag ist auch noch eine andere Beerdigung und spontan müssen vier Kleider genäht werden. Ich beschließe , mir diesmal nur ein Oberteil schneidern zu lassen; entsprechend dem Stoff mit ganz vielen Euro-Zeichen, beschließe ich mir aber ein etwas protzigeres Oberteil schneidern zu lassen. Nachdem auch mein und Basiles Stoff beim (Herren-)Schneider gelandet ist, fahre ich mit Basile noch kurz zur Totenwache der anderen Beerdigung. Und ich muss mich auch noch Umziehen, denn was ich nicht wusste ist, dass der Stoff für die Beerdigung nur für das Fest ist. Umgezogen warte ich dann bei der Bäckerei auf den Aufbruch, wenn die Brotproduktion, die extra früher begonnen wurde, abgeschlossen wurde. Gegen 1:30 Uhr am Morgen geht es schließlich auf in den Nachbarort, in dem Agbe, der Feinbäcker, lebt:

Nach einer Motorradfahrt durch die Nacht, bei der mir zum ersten Mal hier kalt wird, kommen ich schließlich mit Tchedegnon und Jonas, zwei Bäckerlehrlingen, in Majire an. Die Zelte für den nächsten Tag sind bereits aufgestellt und obwohl es mittlerweile 2:00 Uhr ist, spielt die Musik auf voller Lautstärke. Wir erfahren auch, dass Agbe gerade losgefahren war, um uns zu suchen; wahrscheinlich war er auf dem Motorrad, dass wir unterwegs getroffen haben, aber aufgrund der Dunkelheit nicht genauer erkennen konnten. Wir begeben uns in den Innenhof: Viele Menschen sitzen erschöpft auf Stühlen, einige schlafen, nur eine Gruppe von Frauen singt und tanzt noch, wobei auch das schon recht erschöpft wirkt. Agbe kommt nach einiger Zeit und setzt sich zu uns. Gegen 3:00 Uhr kommt dann auch noch das Lieferauto der Bäckerei und bring die restlichen Lehrlinge mit. In dem Innenhof bilden wir gemeinsam einen „Singkreis“. Die Beniner singen und klatschen dazu in dem Dreier-Rhythmus, der oft hier angewandt wird. In der Mitte tanzen immer einige wechselnde Menschen. Auch ich werde in die Mitte befördert und versuche zur allgemeiner Begeisterung „afrikanisch“ zu tanzen, was mir nach meiner Einschätzung aber eher misslingt. Nachdem das Lied oder die Lieder beendet sind, gehen wir nach draußen in eines der Zelte, um dort zu tanzen. Die Musik spielt immer noch lautstark und alle tanzen enthusiastisch. Meine Kamera ist wie immer in beninischer Hand und so entsthehen recht viele Bilder. Gegen 5:00 Uhr gehen wir dann wieder. Auf dem Weg müssen wir aber noch das Brot für den nächsten Tag ausliefern. Dafür halten wir bei den Häusern und hupen so lange, bis jemand rauskommt oder manchmal auch nicht. Gegen 7:00 kommen wir dann endlich bei prodogbo an und ich gehe mit einem frischen Brot unter dem Arm zu meinem Haus, in dem ich mich erschöpft etwas hinlege, um zu schlafen.

Viel Zeit bleibt dafür aber nicht… Um 11:00 Uhr breche ich bereits wieder auf, wieder mit dem Stoff der Beerdigung. Als ich mich gerade auf den letzten Metern befinde, treffe ich auf den Bus mit der deutschen Reisegruppe und Basile, die sich auf dem Weg zu einer neuen Schule befinden, die „weitblick“ gebaut hat. Spontan fahre ich mit. An der Schule steht ein neues Gebäude, dass noch ganz frisch gestrichen riecht. Auf dem Gelände steht auch noch ein altes Schulgebäude, das aussieht, wie das Klischee einer afrikanischen Schule: Das Grundgestell besteht aus dünnen Holzstangen, das Dach ist mit rostigem Wellblech gedeckt und die Wände bestehen teilweise nur aus Ästen mit Blättern und der Boden ist einfach Erde. Allerdings baut weitblick „nur“ eine Hälfte des Komplexes, um der Kommune einen Anschub zu geben.

Nach der Rückkehr zu prodogbo sammeln sich dort langsam alle Mitarbeiter, um gemeinsam mit dem Bus nach Majire zur Zeremonie zu fahren. Wie immer ist der Bus natürlich überbelegt und so finde ich mich mit drei anderen Männern auf der hinteren Rückbank wieder; vor uns sitzen sogar fünf Menschen auf der Bank, nur vorne sind die Plätze normal belegt: dort sitzen der Fahrer, der Präsident der NGO und der Kassierer. Wir halten auch unterwegs nochmal an, um die Speisen fuer das Fest mit. Auf der Fahrt wird mir unglaublich warm und ich bin froh, als ich nach der Ankunft endlich wieder die frische Luft spüre und die Hitze etwas gemindert wird. Wir werden als Gruppe von prodogbo an einer längeren Tafel positioniert und umsorgt. Nachdem als erstes Rhum Whiskey angeboten wird, werden Wasserbeutel gebracht, die gekühlt und daher sehr angenehm sind. Danach beginnt das „Festmahl“: Der erste Gang besteht in einem Eintopf mit Linsen(?), der nach einem deutschen Kartoffeleintopf schmeckt, ein wohltuendes Gefühl… Der nächste Gang ist Reis mit Hühnchen oder Hase -genau kann ich das nicht sagen- und zum Abschluss gibt es Pâte mit Fisch. Dazu gibt es Bier, bzw. Limonade zu trinken. Im Verlauf des Fests kommen immer mehr Leute dazu und im Hintergrund bleibt konstant laute Musik. Während des Essens zieht eine Blaskapelle vorbei und als Entlohnung kann man Geld auf ein Bild des Verstorbenen legen, dass ein Junge voraus trägt. Bevor wir wieder aufbrechen, gebe ich Agbe auch noch mein Geschenk, denn so ist das hier üblich. Die Rückfahrt verbringen wir wieder in der gleichen Konstellation im Bus, es ist aber noch heißer, da die Sonne die luft erwärmt hat und alle mit vollem Bauch zurückfahren. Nach der Rückkehr zu prodogbo begebe ich mich schnell nach Hause, um in meinem Euro-Hemd dann zu der anderen Beerdigung zu gehen. Dort treffe ich auch wieder auf die deutschen Studentinnen; allerdings bleibe ich nur kurz, bevor wir wieder aufbrechen. Auf dem Rückweg werden wir von vielen Menschen angesprochen und viele kennen mich auch bereits, aber ich erkenne viele nicht. Ein Mann sagt mir sogar, er werde seinen nächsten Sohn Lukas nennen.

Aus den elf Tagen sind mittlerweile 13 Tage geworden, weshalb ich jetzt erstmal dieses Update hochlade. Der Rest wird auch kommen, aber irgendwie finde ich nie so richtig viel Zeit zum schreiben. So viel sei veraten: Am nächsten Wochenende werde ich in Cotonou sein, denn die deutsche Botschaft veranstaltet ein Fest zum Tag der deutschen Einheit.

Liebe Grüße und bis bald

Lukas

P.S. Auf der Facebook-Seite veröffentliche ich immer wieder neue Bilder, also immer wieder vorbeischauen lohnt sich 😉 :

https://www.facebook.com/lukasinbenin

 

Wochenende

Donnerstag, 17. September 2015 von Lukas

Wie versprochen gibt es hier die Fortsetzung zu meinen Erlebnissen des Wochenendes:

Am Samstag brach ich mit meinem Kumpel Alban gegen Acht Uhr auf, um mit dem Taxi nach Lokossa zu fahren, denn dort sollte eine Priesterweihe stattfinden. Bereits im Vorfeld hatte ich mir aus dem „offiziellen“ Stoff einen neuen Anzug schneidern lassen. Auf dem neuen Anzug sind viele Kreuze und größere Bilder mit Kelch, Hostie und segnenden Händen. Da der Anzug weiß ist mit einem runden Ausschnitt, sieht er finde ich etwas wie ein Krankenpfleger-Outfit aus. Am „Taxi-Sammelplatz“ wurden wir dann dem ersten Taxi nach Lokossa zugewiesen. Dabei handelte es sich natürlich nicht um ein hochglanzpoliertes Auto mit Stern, sondern um einen alten Peugot 505 mit Rostflecken. Als ich mich auf die Rückbank quetschte, saßen da bereits eine etwas fülligere „Mama“ und ein Mann mit zwei Kindern auf dem Schoß. Neben mir fand auch noch Alban Platz. Beim zupressen der Türen, wurde dann die Enge auch richtig deutlich, denn es ging Hüftknochen an Hüftknochen. Vorne fanden noch drei weitere Menschen Platz, was bedeutet, dass das Auto fast doppelt belegt war. Auf der Fahrt, fühlt und hört es sich außerdem so an, als ob der Motor und die Stoßdämpfer nicht mehr TÜV-gerecht sind. Nach der Fahrt, die „nur“ 40 Minuten Gedauert hat, bin ich froh, als ich wieder aussteigen kann, und etwas Bewegungsfreiheit habe. Der Preis ist auch deutlich anders als in Deutschland und so kostet die einface Fahrt 500 FCFA, das sind ungefähr 75 Cent. Am Dom sehe ich dann auch weitere Menschen mit demselben Muster. Der Dom ist so groß wie eine große normale Kirche in Deutschland und mit stützenden Holzbögen durchspannt. Zusammen mit dem Wellblechdach wirkt das ganze auf mich wie eine Veranstaltungshalle, in die jemand eine Kirchenausstattung installiert hat. Beim Einzug wird mir deutlich, dass die Kirche hier nicht so arm ist, wie der Rest der Bevölkerung. Die Gewänder der unzählig vielen Priester sind prächtig, werden aber von dem des Bischofs noch überboten. Die Stoffe glitzern alle, was sie extrem wertvoll aussehen lässt. In der Messe verstehe ich leider nicht alles, denn es wird nicht nur französisch gesprochen. Insgesamt denke ich während des Gottesdienstes viel an Bartek, den ich beim Schüleraustausch in Polen meinen Gastbruder nennen durfte und der auch Priester werden will. Nachdem die Messe nach 4 (!) Stunden (endlich) beendet ist, gehen wir in ein Schulgebäude, in dem das Festessen stattfindet. Für jeden der drei Neu-Priester ist ein Raum hergerichtet. Vorne steht eine längere Tafel, an der der Priester und seine Familie sitzen, gegenüber von 40 Schultischen; insgesamt sind also 80 Gäste in dem Raum. Jeder bekommt etwas zu Essen und ich esse das erste mal seit langer Zeit von einem Porzellanteller. Es gibt als Vorspeise einen Kartoffelsalat mit Fleischstückchen und als Hauptgericht Fisch mit Reis. Dazu wird unter den über 80 Menschen im Raum Wein verteilt und im Anschluss bekommt jeder auch noch eine kleine Flasche Bier. Als Andenken bekommen alle einen Schlüsselanhänger und eine Postkarte mit dem Bild des Priesters, bei dem wir essen. Als wir uns an den Platz stellen, an dem die Taxis nach Dogbo abfahren, hält ein Motorrad-Taxi-Fahrer an und bietet an, uns mitzunehmen und zwar unter dem Preis eines Taxi, denn er befindet sich auf dem Rückweg in eine Stadt hinter Dogbo. So genießen wir die Rückfahrt also mit einigermaßen Bewegungsfreiheit und frischer Luft, wenn nicht gerade ein Lastwagen vor uns ist oder uns entgegenkommt.

Zurück in Dogbo ziehe ich mich schnell um und mache mich auf zu meinem Projekt, denn dort findet am Abend das Halbfinale eines Bühnenwettbewerbs statt. Da der Wettbewerb lange Zeit nicht beginnt, gehe ich in die Backstube. Dort Machen die Lehrlinge für mich ein Brot in Form einer Schildkröte. Schließlich beginne ich auch, mitzuhelfen. Die meiste Zeit lege ich die geformten Baguettes auf Bretter, damit diese aufgehen können. Ich versuche auch, selber Brote zu Formen. Das ist viel schwieriger, als es aussieht und so sagt mir der Meister, dass es besser ist, wenn ich die Teiglinge auf das Brett lege ;). Während neuer Teig hergestellt wird, sehe ich auch immer wieder kurz beim Wettbewerb zu, finde es aber nicht besonders interessant; auch weil viele Dinge auf Adja sind. Meine Kamera gebe ich, wie so oft, aus der Hand und so kommt es zu einem spontanen „Fotoshooting“ in der Bäckerei. Ich bekomme gar nicht mit, wie die Zeit vergeht. Als um 01:30 Uhr 3,5 Säcke Mehl zu Teiglingen verarbeitet sind, gehe ich mit meiner Schildkröte nach Hause. Die Lehrlinge haben die Möglichkeit, sich in der Backstube etwas zum Schlafen zu legen. Am nächsten Morgen genieße ich das frische Brot mit Marmelade.

Am Sonntagnachmittag begebe ich mich in die Bibliothek, um das Fußball-Derby zu verfolgen. Allerdings skype ich dann mit meiner Familie. Das erste Mal funktioniert das so richtig und es tut gut, sich einmal mit ihnen auszutauschen. Und natürlich ist es besser, als eine Niederlage live zu verfolgen…

Seit dieser Woche gehe ich auch immer morgens mit „Petit Yovo“ spazieren. Die ersten Spaziergänge waren noch von kurzer Dauer, aber mittlerweile bin ich über eine halbe Stunde mit ihm unterwegs und erkunde so nebenbei auch die Umgebung. Jeden Tag probiere ich neue Wege aus und nehme auch einfach mal einen Trampelpfad, der gerade von der Straße abgeht. So habe ich entdeckt, wie nahe ich eigentlich an der grünen Natur wohne.

Am Samstag gehe ich wieder auf eine Beerdigung und morgen (?) geht es zum König… ich werde berichten.

Die Eindrücke sind manchmal etwas schwierig in Worte zu fassen, deshalb werde ich auch noch Bilder hochladen.

Liebe Grüße und bis bald

Lukas