Das Ende schleicht heran

Mittwoch, 10. Juni 2015 von Tobias Nordmann

51 Tage bis zur Ausreise. Diesen Countdown betrachte ich mit gemischten Gefühlen. Denn einerseits freue ich mich tierisch auf Zuhause, doch andererseits weiß ich, dass ich vieles in und auch Uganda an sich vermissen werde. Außerdem frage ich mich wie ich wohl reagieren werde, wie ich mich fühle wenn ich wieder europäischen Boden unter den Füßen habe. Denn soweit ich mich erinnere, sieht die Welt von Deutschland aus betrachtet, verglichen mit der Perspektive die man von hier erhält, etwas anders aus. Und auch wenn die Wirklichkeit im Bezug auf die Freundlichkeit der Menschen hier nicht ganz mit den Bildern die sich vor knapp neun Monaten in meinem Kopf befanden mithalten kann, habe ich unsere Ellbogengesellschaft nicht eine Sekunde lang vermisst.

So viel zu dem Thema, denn ich habe ja noch etwas Zeit hier in Uganda. Und etwas Arbeit ist auch noch zu verrichten. Stichwort Website, denn da hat sich schon wieder was getan. Wir haben nämlich feststellen müssen, dass die Informationen die uns zur Verfügung standen zum Einen nicht sehr umfangreich und zum Anderen nicht aktuell waren. Aus diesem Grund wurden Niklas und Ich auf die Reise geschickt. Einmal kreuz und quer durchs ganze Land, zu allen Diözesen in denen das CWM existiert.

Den Anfang machten wir in Kasana – Loweero, weiter ging es nach Gulu, Arua, Hoima, Kampala, Jinja und Tororo. Wir verbrachten jeweils zwischen drei und fünf Nächte in den besagten Diözesen. Bevor wir dann die restlichen vier besuchten, haben wir uns eine kleine Auszeit in Masaka gegönnt, um danach mit Mityana, Fort Portal, Kasese und Kabale unsere Tour abzuschließen.

Wir sind wirklich glücklich, dass wir die Chance hatten, fast das ganze Land zu bereisen und Einblicke in so viele verschiedene Ecken zu erhalten. Im Norden ist es sehr heiß wenn auch schön. Im Osten haben wir die Quelle des längsten Flusses der Welt besucht. Im Westen haben wir die obligatorische Safari im Queen Elisabeth Nationalpark gemacht, wo wir aber leider keine Löwen zu Gesicht bekommen haben. Und im Süden haben wir nochmal einen Tag am schönen Lake Bunyoni verbracht.

Auch wenn es nicht immer so ganz komfortabel war von einem zum anderen Ort zu reisen, besonders dann wenn man etwas größer ist und für mehrere Stunden nahezu bewegungslos in einem überfüllten Matatu (Taixi) sitzt oder hockt und die „Straße“ unter einem Mangel an Teer und unter unzähligen Schlaglöchern leidet (Aua, mein Rücken!), haben ich die Zeit sehr genossen.

Es lief auch alles wie am Schnürchen, wir waren wirklich mit keinen größeren Komplikationen konfrontiert worden und ich war bester Dinge, als ich am letzten Morgen in Kabale vor unserer Unterkunft auf Niklas gewartet hatte. Doch als er dann endlich aus dem Haus kam teilte er mir mit, dass sein Laptop kaputt sei. Das ist natürlich an sich schon keine gute Nachricht, aber einzig die Tatsache, dass sich nahezu unsere komplette Arbeit auf diesem Laptop befindet (oder auch nicht mehr) macht diese Nachricht unendlich viel schlimmer. Wir hatten zwar anfangs noch die Hoffnung, dass die Festplatte nicht das Problem sei, aber in Masaka mussten wir dann der schrecklichen Wahrheit ins Gesicht, nein, in ihre widerliche Fratze blicken.

Allerdings hat sich unsere Hoffnung durch diese niederschmetternde Diagnose noch nicht völlig in Luft aufgelöst. Die Festplatte befindet sich zur Zeit in Behandlung und die Ärzte geben ihr bestes um zumindest die Fotos zu retten, da wir glücklicherweise alle Infos noch auf Papier haben und neu abtippen können.

Aber ansonsten 😀 alles knorke. ( 🙁 )

Des Weiteren habe ich mich dazu entschieden, Bukoto zu verlassen um Vollzeit in Masaka zu leben und zu Arbeiten, da ich denke ,dass es wenig Sinn machen würde nach einer erneuten zweimonatigen Pause wieder bei Null anzufangen. Ich werde noch ein paar Tage dort verbringen und danach meine Sachen packen und auf Wiedersehen sagen.

Zum Schluss muss ich mich noch dafür entschuldigen, dass ich Dummerchen beim letzten Mal glatt vergessen habe, die versprochenen Bilder hochzuladen. Aber das werde ich jetzt als erstes wieder in Ordnung bringen und auch ein paar weitere hinzufügen.

Also gut, ich weiß nicht ob ich nochmal dazu komme einen weiteren Blogeintrag zu schreiben. Von daher schon mal vielen Dank für euer Interesse und ich hoffe, dass euch das lesen wenigstens ein bisschen Spaß bereitet hat.

Man sieht sich in good old Germany 😉

Tobias Matovu Nordmann

 

Wie die Zeit vergeht (schnell)

Donnerstag, 12. März 2015 von Tobias Nordmann

Tag 167, es ist heiß. Unsere Vorräte an Sonnencreme, Matoke und Wasser neigen sich dem Ende zu. Doch etwas gibt uns noch Hoffnung, die Trockenzeit ist so gut wie überstanden und wir erwarten den ersten Regen. Der Crew geht es soweit ganz gut, nur ein paar haben einen leichten Sonnenstich und mir selbst pellt sich die Haut ab.

Des Weiteren lässt sich vermelden, dass ich meine arbeitstechnischen Probleme bezwungen habe. Meine Tätigkeit als Lehrer in Bukoto wurde auf nur noch zwei Tage die Woche (Montag + Dienstag) reduziert. Die restliche Zeit befinde ich mich in Masaka und arbeite hier an verschiedenen Orten und Projekten, wie z.B. dem St. Adrian Kindergarten der vom Kindermissionswerk finanziert wurde. Außerdem habe ich zusammen mit meinem 1. Offizier, Niklas Lubega Borchert damit begonnen, die Website des CWM – Uganda (Catholic Workers Movement Uganda) neu zu gestalten. (Er ist so wie ich von Mittwoch bis Freitag hier in Masaka stationiert).

Sobald dieser Auftrag erfolgreich abgeschlossen ist, komme ich auch endlich dazu, etwas handfeste Arbeit zu verrichten. Ich werde ein paar technische Schulen besuchen, in denen sich unter anderem auch Schreinerwerkstätten befinden, um dann zu entscheiden, wo ich mehr Zeit verbringen möchte.

Seit meinem letzten Blogeintrag hat das Zwischenseminar zusammen mit meinen Mitfreiwilligen vom „KMW“, „missio“ und den Freiwilligen der „Welthungerhilfe“ stattgefunden. Es war eine schöne Woche. Wie zu erwarten waren alle ganz nett und mit den meisten hat man sich auch super verstanden. Wir haben über verschiedene Themen gesprochen, wie z.B. unseren Alltag“, unsere Projekte und über Probleme, mit denen man sich konfrontiert sieht.

In der Woche nach dem Seminar sind Niklas und ich für fünf Tage in Kampala auf einem CWM-Uganda-Treffen auf nationaler Ebene gewesen. An diesem Treffen haben die Vertreter aller Diözesen, in denen das CWM-Uganda vertreten ist, teilgenommen, so wie die Mitglieder des Verwaltungskomitees für ganz Uganda. Dieses Zusammentreffen diente dem Informationsaustausch, sowie der Absprache über die Vorgehensweise, im Bezug auf Marketing und Expansion der Organisation.

Ein ganz besonderes Highlight war aber am 28. Februar das Benefiz-Konzert von „Viva con Agua“ (sehr geile Organisation, wer sie nicht kennt bitte googlen) in Kampala. Auf der Bühne standen einige etwas weniger bekannte aber nicht weniger talentierte (u.a. Abramz) und ein in Uganda sehr berühmter Musiker (Bebe Cool). Uns wurde eine super Show geboten und im Anschluss fand noch eine After Show Party statt.

So, und jetzt dachte ich mir das ich noch etwas über Uganda an sich berichten könnte und dafür fange ich einfach mal mit ein paar Eckdaten an.

Hauptstadt: Kampala (Hügel der Impalas)

Staatsform: Präsidentielle Demokratie

Präsident: Yoveri Museveni (seit 29 Jahren im Amt)

Nachbarstaaten: Tansania, Ruanda, Demokratische Republik Kongo, Süd-Sudan, Kenia

Einwohnerzahl: 36.000.000 (Diese Zahl ist relative ungenau, da statistische Umfragen sich hier etwas schwieriger gestalten und es auch kein Einwohnermeldegesetz gibt)

Landessprache: Englisch (allerdings gibt es in etwa 25 lokale Sprachen, die besonders in ländlicheren Gebieten einen höheren Stellenwert haben).

Klimatische Bedingungen: subtropisch (2x Trockenzeit, 2x Regenzeit), Durchschnittstemperatur 25–35 C°

Der Großteil der ugandischen Bevölkerung betreibt Landwirtschaft, des Weiteren arbeiten viele Menschen im Handels (Retails (kleine Shops)) und im Personenbeförderungssektor (Boda Bodas und Matatus). Boda Bodas sind kleine Motorräder die unter Umständen bis zu fünf Personen (Fahrer inbegriffen) transportieren können und zusammen mit den Matatus das ugandische Straßenbild prägen. Ein Matatu ist auch ein echtes Raumwunder. Je nach dem wer Connector (zuständig dafür Passagiere anzuwerben und ihnen ihre Plätze zuzuweisen) ist, finden bis zu 22 Personen (Fahrer wieder inbegriffen) in diesem Kleinbus (Größe eines VW Bullis) Platz.

Die Familien hier sind meistens größer als in Deutschland und zehn Kinder in einer Familie sind auch keine Seltenheit. Seit einiger Zeit gibt es in Uganda eine Schulpflicht und für die Familien, denen es nicht möglich ist die Schulgebühren einer Privatschule aufzubringen, gibt es staatliche Schulen. In den Privatschulen befinden sich in einer Klasse etwa 30–40 Schüler, jedoch sind die Schulgebühren oft Mals sehr hoch. In den Staatlichen Schulen hingegen sind in einer Klasse auch durch aus mal mehr als 100 Schüler anzutreffen. Wenn sich die Kinder nicht in der Schule befinden, helfen sie meistens ihren Eltern bei der Arbeit, z.B. auf dem Feld oder in deren Geschäften.

Die politische Lage hier ist stabil aber eintönig. Yoveri Museveni ist seit 29 Jahren im Amt und wird auch nächstes Jahr bei den anstehenden Wahlen antreten und voraussichtlich auch gewinnen. Er selbst hat das gesetzliche Limit für die Zeit im Amt des Präsidenten ausgehebelt um so lang an der Spitze der Regierung zu stehen.

Dass er wahrscheinlich auch weiterhin im Amt bleibt, hat zwei Gründe. Zum einen liegt es daran, dass Museveni nach dem letzten Krieg in Uganda an die Macht kam und dass seit dem Ruhe herrscht. Es existiert schlicht die Befürchtung, dass sich durch eine Veränderung auch Unruhe breit macht, die dann zu neuen Konflikten führen könnte. Andererseits muss man auch die manchmal nicht ganz durchsichtigen Wahlen, bzw. die Auszählung dieser, als eventuell mögliche Faktoren eines für Museveni günstigen Wahlergebnisses in Betracht ziehen.

Nejoa ne, ham was mal wieder. Neue Fotos werde ich dann auch die Tage hochlade (natürlich in der Galerie zu finden).

Also tschüssi… bis denne 🙂

 

Weihnachten, Silvester und Neujahr

Dienstag, 13. Januar 2015 von Tobias Nordmann

Es ist einfach zu warm. So ohne Schnee bzw. Regen und ohne dicke Jacke, Schal und Mütze fühlt es sich nicht nach Weihnachten an. Aber der Urlaub war trotzdem sehr schön. Zusammen mit fünf anderen Freiwilligen bin ich runter in den Süden Ugandas an den paradiesischen Lake Bunyonyi gefahren. Wir haben Heiligabend dort verbracht, sind etwas über den See geschippert und haben einen der umliegenden Berge bestiegen, um einen Blick über den See zu werfen.

Am ersten Weihnachtsfeiertag haben wir uns dann zum nahe gelegenen Bwindi Nationalpark aufgemacht. Der Ort, an dem wir die nächsten zwei Nächte verbracht haben, war unglaublich schön. Dafür waren die Preise aber auch unglaublich hoch, weshalb wir dann nur eine kleine Regenwaldtour zu einem Wasserfall gebucht hatten. Der “Weg“ dorthin war echt nicht ohne, nur ohne Weg. Ich bin mir nicht so sicher, aber ich denke an einigen Stellen hätte man durchaus sein Leben lassen können.

Neben der Strecke und der damit verbundenen Umgebung, sprich dem Regenwald, war die einzige echte Attraktion ein kleines Chamäleon und sein Vater, die wir am Wasserfall gefunden haben. Um mehr zu sehen, muss man einfach mehr bezahlen. Daher haben wir dann unseren ursprünglichen Plan, noch einen zweiten Nationalpark zu besuchen, geändert. Wir entschieden uns zurück nach Masaka zu fahren, um die letzten Tage am Lake Nabugabo zu verbringen und Silvester dort zu feiern.

Das Hotel war echt nicht schlecht. Wir haben uns kleine Häuschen gemietet, die knapp 100m vom Strand entfernt lagen. Dafür war aber das Personal bis auf zwei Barkeeper sehr unfreundlich und das Essen – nur aus Fisch und Pommes bestehend – ziemlich eintönig. Doch Gott sei Dank haben wir dann nicht weit entfernt eine kleine lokale Küche gefunden. Das heißt, dort gibt es lokales Essen für kleines Geld, aber großen Hunger und die Frau die uns dort bewirtschaftet hat, wusste wirklich wie man kocht. Ein besseres Verhältnis von Preis und Leistung habe ich noch nie zuvor gefunden. Umgerechnet haben wir für 60 Cent gegessen bis nichts mehr ging – und es blieb immer noch was übrig.

Doch das gesparte Geld haben wir dann direkt wieder raus gehauen, indem wir uns einen Fisch für das dreifache des normalen Preises gekauft haben. Ich kann mich noch gut an das Grinsen des Fischers erinnern, als er das Geld und wir den Fisch bekamen. Blöderweise waren wir dann auch noch zu blöd, um den Fisch zu grillen und haben ihn verbrennen lassen. Aber das war dann auch wieder relativ schnell vergessen.

Silvester war, na ja, wie soll man sagen – bescheiden. Irgendwie war nichts los am See. Dafür dann aber am nächsten Abend. Schon tagsüber war der Strand gut besucht und gegen Abend entwickelte sich eine kleine Party. Zu unserem Glück haben wir dann die Bekanntschaft des Managers vom besten Club in Masaka, dem Ambiance gemacht. Das hieß ab ins Taxi, zum Club, in den VIP-Bereich, Theke und Tanzfläche. Nur schade, dass die Erinnerung von da an zu schwinden beginnt.

Am zweiten Januar haben wir unseren Urlaub dann beendet. Zu Mittag gegessen haben wir in Masaka noch zusammen, dannach trennten sich unsere Wege. Und es war irgendwo auch ganz schön, wieder nach “Hause“ zu kommen.

Letzte Woche bin ich zusammen mit Alex und Nina, zwei meiner Urlauber, zu einem Bio-Bauernhof hier ganz in der Nähe gefahren. Madame Josefine hat dort alles ganz allein aus dem Nichts geschaffen. Das heißt die Farm und mittlerweile auch eine Schule für ökologische Landwirtschaft, wo sie und ihre Mitarbeiter Menschen aus ganz Uganda und darüber hinaus unterrichten.

Von der Farm war ich wirklich mehr als begeistert. Sie hat dort zusammen mit ihrem Sohn und den anderen Mitarbeitern ein in sich stimmiges System entwickelt, wo nahezu alles wiederverwertet wird. Was irgendwo das Ende einer Kette darstellt, findet woanders wieder Verwendung. Selbst mehrere Bienenstöcke, deren Bewohner für die Bestäubung sämtlicher Pflanzen sorgen, befinden sich auf den Feldern. Darüber hinaus werden so gut wie keine Chemikalien verwendet, und auch die Tiere haben im allgemeinen genug Platz und ein recht gutes Leben.

Hier würde ich dringend Entwicklungshilfe in die andere Richtung beantragen, denn diese Farm ist den unseren weit voraus.

Jetzt warte ich eigentlich nur noch darauf, dass die Schule wieder beginnt und ich endlich wieder was zu tun habe. Aber zunächst findet nächste Woche noch das Zwischenseminar statt.

Also Kinder, dann bis zum nächsten Mal, schlaft gut!

PS: Bilder sind in der Galerie zu finden.

 

So weit, so gut!

Samstag, 15. November 2014 von Tobias Nordmann

Yello liebe Muzungus, wie geht es euch? Ist der Herbst schon da?

Hier ist immer noch Sommer und das wird sich auch nicht ändern! 😉

Ja ja, man kann sagen mir geht es gut. Woche Nr. 8 ist nun um und alles läuft am Schnürchen. Ich habe angefangen zu arbeiten, sprich ich bin jetzt ganz offiziell ein Lehrer und ich habe zusätzlich zu meinen drei Klassen in der St. Jude Primary School noch zwei Klassen an der St. Jude Secondary School bekommen. Ich unter­richte an der Primary Religion und Deutsch, an der Secondary nur Deutsch. Die ersten Stunden verliefen etwas holprig und ich war besonders in der Secondary School ziemlich nervös, was aber wahrscheinlich auch an der mangelhaften Vor­bereitung lag.

Ich dachte nämlich, ich kann mich einfach da hinstellen und los teachen. Aber das war weit gefehlt, es sieht nämlich von der Position eines Schülers leichter aus, als es in Wirklichkeit ist. Doch jetzt bereite ich immer den ganzen Stoff für die Stunden vor und kann mich dann daran durch den Unterricht hangeln.

So und an dieser Stelle möchte ich mich einmal öffentlich bei fast allen Lehrkräf­ten entschuldigen, in deren Unterricht ich mich nicht ganz so korrekt verhalten habe. Denn unterrichten, gerade dann, wenn die Schüler keine Lust haben und das auch zeigen, ist nicht besonders schön und kann einem echt den Tag verderben. Doch wenn alles gut geht, dann kann es auch echt Spaß machen.

Mein “Alltag“ sieht also so aus, dass ich je nachdem, ob der Unterricht vormittags oder nachmittags stattfindet, entweder in der Schule bin zum unterrichten oder ich mich damit beschäftige, den Stoff für die Stunden vorzubereiten. Ich bin auch schon dabei, die ersten Klausuren zu erstellen und besonders daran habe ich Gefallen gefunden.

Des weiteren hatte mich der Direktor der Secondary School darum gebeten, die Ab­schlussprüfungen für das laufende Schuljahr abzutippen und druckfertig zu ma­chen. Alter Verwalter, dass ich das durch habe, macht mich wirklich glücklich! Es waren zwar bloß 87 Seiten, aber das eigentliche Problem lag in der teilweise hie­roglyphischen Schreibweise der Lehrer.

Der letzte Abend vor dem Abgabetermin war der beste. Denn so gegen neun Uhr, als ich damit anfangen wollte zu drucken, musste ich mit Entsetzen feststellen das ich ausgerechnet die längste Prüfung über acht Seiten mit komplizierten Formeln und Zeichnungen gelöscht hatte. Das hieß dann trotz Übermüdung zurück an den Schreibtisch, Kopfhörer auf, Neelix (Energie in Musikform) an und den siebten Gang rein. Erstaunlicherweise war ich dann aber nach gut zweieinhalb Stunden fertig. Fertig mit der Prüfung, aber auch fertig mit der Welt. Nur blöd, dass ich noch drucken musste.

Ich habe also die letzten zwei Wochen meinen Schreibtisch nur zum essen, schla­fen und unterrichten verlassen. Somit habe ich auch nicht viel neues erlebt. Trotz­dem geht es mit meinen Sprachkenntnissen langsam (mpola mpola) bergauf, mit jeder Woche kann ich mich etwas mehr mit den nicht englischsprachigen Leuten verständigen. So ziemlich alle Begrüßungsformen sitzen und auch einige Vokabeln habe ich schon intus.

Doch 98 Prozent von allem was ich zu hören bekomme, bleibt bis auf weiteres Bahnhof. Um diesem kleinen Problemchen etwas auf die Pelle zu rücken, habe ich jetzt Reverent Francis als meinen persönlichen Lehrer eingestellt. Ich entlohne ihn in Deutschstunden, somit haben wir eine „win-win Situation“ geschaffen. Allerdings war aufgrund der Abschlussprüfungen bis jetzt noch keine Zeit, mit dem Unter­richt zu beginnen.

Auserdem muss ich berichten, dass ich hier scheinbar nicht einfach irgendwo in Uganda gelandet bin. Bukoto ist zwar klein (für meine Leser aus Borken und Umgebung: selbst Burlo erreicht Stadtcharakter wenn man es mit Bukoto ver­gleicht), aber für seine Größe scheint es hier in Uganda echt berühmt zu sein. Denn als wir hier vor drei Wochen den Abschied und gleichzeitig die Begrüßung des alten bzw. neuen Gemeindepriesters gefeiert haben, war sogar der Vize-Prä­sident von Uganda zu Gast. Es war eine große Feier mit leckerem Essen und eini­gen Musik- und Tanzaufführungen von Schulen aus der Umgebung.

Naja, heute hat es dann mal wieder Hunde und Katzen oder wahlweise auch Frösche geregnet (aus Eimern). Allerdings habe ich erfahren das sich auch hier die klimatischen Bedingungen etwas zu ändern scheinen und es nicht mehr so viel regnet wie es noch vor ein paar Jahren der Fall war. Doch da die meisten Men­schen hier in Uganda Landwirtschaft betreiben, ist der Klimawandel hier ein grö­ßeres Problem als in Deutschland.

Zum Schluss setzte ich euch noch über meinen neuen, lugandischen Namen in Kenntnis. Ich heiße jetzt Matovu, was mich zu einem Mitglied des Ngabi Clans macht.

PS. Ein paar neue Bilder sind ab sofort in der Galerie zu finden.

Mit südlichen Grüßen

Der Norden 😉

 

So langsam komme ich an

Samstag, 04. Oktober 2014 von Tobias Nordmann

So langsam komme ich an

Tatsächlich, ich verspüre Heimweh. Da kann man mal sehen wie sehr man sich täuschen kann und dass mir meine Heimat anscheinend doch sehr am Herzen liegt. Das mag zwar zu einem gewissen Teil auch durch den Kulturschock bedingt sein, doch im Grunde kann ich dazu nur sagen: Getrennt sein verbindet !

Doch so langsam, nach den ersten zwei Wochen hier in Uganda fange ich an mich richtig wohl zu fühlen. Die gröbsten kommunikativen Komplikationen sind über­wunden, damit meine ich natürlich meine Angst davor Fehler zu machen. Die Ge­spräche mit meinen Gastgebern, das sind Vater John, Vater Richard, Vater Stevens und Reverent Francis werden immer intensiver und wir haben viel zu lachen. Wir treffen uns mindestens drei mal am Tag zum Kochbananen essen, das ist hier so was wie bei uns die Kartoffel und es schmeckt auch ähnlich. Tatsächlich habe ich noch keine Mahlzeit in den letzten zwei Wochen zu mir genommen, bei der „Ma­toke“ (Luganda für Kochbananen) fehlte.

Auch wenn ich nie zuvor in meinem Leben so eintönig verköstigt worden bin und ich auch gar nicht immer so genau weiß was ich da eigentlich esse, schmeckt es mir hier wirklich gut. Das einzige was ich nicht so besonders schmackhaft finde sind Avocados. Dafür ist die aber Milch die ich hier zum Frühstück, sowie zur Teezeit und zum Abendessen bekomme ein besonderes Highlight hier für mich . Sie wird im­mer schön heiß serviert und mit Zucker verfeinert. Also ich weiß ja nicht was die hier mit den Kühen machen, aber das sollten wir in Deutschland auf jeden Fall auch einführen.

Bis jetzt habe ich noch kaum etwas getan, also rein arbeitstechnisch gesehen. Ich wurde durch die Gemeinde geführt und man hat mich den Leuten hier in der Um­gebung vorgestellt. Allerdings weiß ich jetzt, dass ich in der St. Jude Junior School of Bukoto (Grundschule von Bukoto) als Deutsch und Religionslehrer tätig sein werde. Den Stundenplan, so wie ein paar Bücher zur Vorbereitung des Unterrichts hab ich auch schon vom Direktor herhalten. Aber in der ersten Woche habe ich vor mich den Schülern erst einmal vorzustellen und die Rollen zu tauschen. Das heißt, dass sie die Lehrer sein dürfen und mich, so gut es geht etwas in Luganda unter­richten werden. Ich will damit die ganze Geschichte etwas auflockern und Ver­trauen schaffen.

Auf der anderen Seite ist es für mich aber auch echt wichtig Luganda zu lernen, da Englisch nur die Amtssprache von Uganda darstellt. Das bedeutet, dass bis auf die Kinder und Jugendlichen, die es in der Schule lernen nur wenige erwachsen richtig Englisch sprechen können. Gerade hier auf dem Land ist es daher für mich von Nöten diese Sprache zu beherrschen. Ich kann bis jetzt nur ein paar Sachen in Lu­ganda zum Ausdruck bringen, aber ich hoffe das sich das schnell ändern wird.

In meiner Freizeit habe ich damit begonnen einfach ein bisschen durch die Ge­gend zu laufen, ein paar neue Ecken zu entdecken und neue Leute zu treffen. So bin ich zum Beispiel an einem Fußballfeld hier ganz in der nähe vorbeigekom­men, wo gerade ein Halbfinale der örtlichen Schulliga stattfand. Eigentlich war mein plan mich ganz nah am Spielfeldrand unter die anderen Zuschauer zu mi­schen. Doch auf dem Weg dorthin traf ich auf einen jungen Mann namens Paul. Er war vielleicht ein bis zwei Jahre jünger als ich und als ich auf seine Frage wo ich denn her käme mit Deutschland antwortete, fing er sofort an mich etwas über meine Heimat auszufragen.

Ich habe im Allgemeinen die Erfahrung gemacht das die Leute hier sehr positiv über Deutschland denken und die meisten es auch gerne einmal besuchen oder ganz dort leben würden, so auch Paul. Wir unterhielten uns bis zum Abpfiff über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten unserer beiden Nationen und zum Schluss sagte er das er auch gerne ein wenig Deutsch lernen würde. Also machte ich ihm den Vorschlag, dass wir uns am Sonntagmorgen nach der Messe treffen könnten. Natürlich nicht ohne den Hintergedanken, das auch er mir bei dieser Ge­legenheit etwas Luganda beibringen soll.

So weit von mir, von hier, ich hoffe es gefiel dir 😉

bis zum nächsten mal, auf wiederlesen !

 

Die Galerie

Dienstag, 30. September 2014 von Tobias Nordmann

Hallo alle miteinander,

das hier ist die richtige Adresse für alle lesefaulen Interessenten 😉 aber natürlich auch für alle andern! Denn „Die Galerie“ bietet ab sofort allerlei Sehenswertes in Bezug auf Land und Leute. Also viel Spaß beim entdecken!

 

Nur Fliegen ist schöner!

Mittwoch, 24. September 2014 von Tobias Nordmann

Hallo allerseits,

wie geht’s? Olyotya? Mein Name ist Tobias Nordmann und ich bin 21 Jahre alt. Mit etwas Verspätung konnte ich nun auch endlich meinen Freiwilligendienst antreten. Für alle die nicht auf dem neusten Stand sind muss ich erklären, dass ich auf Grund des Ausbruchs von Ebola in Westafrika, nicht wie geplant nach Gha­na reisen konnte. Ich befinde mich stattdessen einen Monat später und ein paar Kilometer weiter südlich, unterhalb des Äquators in Uganda. Ich werde in diesem Blog subjektiv über die Erlebnisse und Eindrücke meines elf Monate dauernden Freiwilligendienstes berichten.

Und nun, nach den ersten paar Tagen in einer noch fremden Umgebung und einer anderen Hemisphäre, kommt jetzt mein erster Blogeintrag, viel Spaß beim Lesen!

Nur fliegen ist schöner!

Das kann ich jetzt auch bestätigen. Allein der Start ist ja schon super, aber dann noch diese Aus­sicht. Ich bin mir nur nicht sicher, ob es über oder unter den Wol­ken schöner war. Ich weiß aber noch genau, wie ich nach dem großen Blau des kleinen Mittelmeeres, die riesige Landmasse Afrikas zu Gesicht bekam.

Links sehen sie das Mittelmeer, rechts Afrika und darüber einen für meinen Geschmack sehr beweglichen Flügel

Links sehen Sie das Mittelmeer, rechts Afrika und darüber einen für meinen Geschmack sehr beweglichen Flügel

Doch andererseits ist es genau so beängstigend, wie es schön ist. Jeder, der schon einmal geflogen ist, kennt dieses „Ping“. Man schaut nach oben und sieht das Symbol mit dem sich schließenden Gurt, kurz darauf nimmt man dann das erste Ruckeln wahr und auf einmal hat man das Gefühl zu fallen. Wenn man jetzt nicht wüsste, dass man sich mehrere tausend Meter über der Erde befindet, wäre dieses Gefühl sogar ganz angenehm. Doch nur ein Blick aus dem Fenster, in Richtung des sich auf und ab bewegenden Flügels reicht, und all die angenehmen Seiten des Fliegens sind vergessen.

Immer wenn sich dieses Szenario abspielte, schaute ich in Richtung der Flugbe­gleiterinnen, um in ihren Blicken zu lesen, ob es sich um normale Turbulenzen, oder um eine wirklich gefährliche Situa­tion handelte. Doch ich denke ich hätte es im Fall der Fälle nicht wissen wollen.

Dann aber doch sicher gelandet, wurden wir (Anna, Nicole, Niklas und ich) von vier sehr netten Männern am Flugha­fen abgeholt. Wir verbrachten die erste Nacht in Kampala, der Hauptstadt von Uganda. Zur Erklärung: Die anderen drei mussten ebenfalls ihre Pläne ändern, ursprünglich wäre ihr Ziel Benin gewesen.

Nachdem wir am Montagmorgen die deutsche Botschaft in Kampala besuchten, trennten sich unsere Wege. Anna und Nicole wurden in ihr Projekt nach Mityana gebracht und Niklas und ich fuhren in Richtung Masaka. Ein paar Kilometer vor der Stadt kamen wir zu dem Projekt, in dem Niklas leben und arbeiten wird. Auch wir nahmen Abschied voneinander, und ich setzte meine Reise fort.

Der Ort an dem ich für die nächsten elf Monate leben werde, befindet sich noch etwas hinter Masaka. Ich konnte es beim ersten mal hinsehen gar nicht glauben, aber mein neues Zuhause steht auf der Spitze eines kleinen Berges, mit einem wunderschönen Panorama.

So sah dann meine Begrüßung am ersten Abend im Bukoto Parish aus (Gemeinde Bukoto)

So sah dann meine Begrüßung am ersten Abend in der Bukoto Parish (Gemeinde Bukoto) aus.

So schön die Landschaft ist, so nett sind auch die Menschen hier. Egal wo man hin kommt, man wird überall freundlich begrüßt. Es ist zwar manchmal etwas kompli­ziert mit der Verständigung, da das hier gesprochene Englisch sich doch ein we­nig vom Schulenglisch unterscheidet und auch nicht jeder fließend perfektes Eng­lisch spricht, mich eingeschlossen, allerdings steigt die Gesprächsqualität mit je­dem weiteren Tag.

Heute habe ich sogar eine Klasse der Secondary School, welche der unseren zwi­schen den Klassen fünf bis zehn entspricht, etwas in Deutsch unterrichtet. Naja mehr Details und auch ein paar Bilder werde ich mit dem nächsten Eintrag ins Netz stellen. Ich hoffe es hat euch gefallen!

Auf ein wiederlesen, Bayi!