Sommer im Dezember!

Montag, 22. Dezember 2014 von Theresa

Nachdem schon wieder viel Zeit ins Land gegangen ist und ich wieder viel neues erleben durfte, hier wieder ein paar Zeilen aus Bolivien!

Auch auf der Südhalbkugel der Welt ist nächste Woche Weihnachten. Doch auch wenn es in Deutschland bis jetzt auch noch nicht bitterkalt ist, ist es hier mit ca. 25° noch schwieriger in Weihnachtsstimmung zu kommen, wenn man im Schwimmbad die Sonne genießen kann. Trotz allem sieht man in den Straßen die Läden voll mit größtenteils kitschiger Weihnachtsdeko und es ist schon ein wenig paradox, wenn neben den Lichterketten und Weihnachtskugeln Bikinis hängen.

Viele Plätze sind mit grellen Lichterketten und (Plastik-)Weihnachtsbäumen geschmückt und in den Straßen gibt es neben Krippen(figuren) das hier sehr viel vertretende Weihnachtsgebäck Panetone oder auch Plätzchen zu kaufen, die denen in Deutschland geschmacklich leider kaum ähnlich sind.

Und da die Kinder seit Ende November hier ihre großen Sommerferien haben und keine öden Hausaufgaben mehr machen müssen, habe ich auf dem Markt Streusel, Nüsse, Kokos, Rosinen und Schokolade gekauft (alles andere hatte unsere Bäckerei) und nach deutschem Rezept mit den Kindern Plätzchen gebacken. Alle haben fleißig ausgestochen, verziert, genascht und so für ein bisschen mehr Weihnachtsstimmung gesorgt. 🙂

Danach ging es für mich schon das 2. Mal ins noch wärmere Monteagudo. Mit dem Auto ca. 7 Stunden von Sucre entfernt, liegt dieser Ort auf nur noch 1144m, inmitten üppiger Vegetation, mit Temperaturen meistens über 30° und vielen Mücken, wie ich sie aus Sucre nicht gewöhnt bin.

Der größte Teil der Strecke nach Monteagudo ist nicht asphaltiert und daher größtenteils eine teils schmale Erd – und Schotterpiste. Doch die beeindruckende Landschaft ist einmalig und entschädigt für die Holperfahrt.

Ab und an versperren Esel, Kühe, Pferde oder Schweine den Weg, welche dann aber meistens nach lautem Hupen an den Wegrand traben, oder ein Fluss kreuzt den Weg, der dann ohne Probleme mit dem Pick-up durchquert wird.

In Monteagudo hat das ETI ein Partnerprojekt, was sich zur Aufgabe gemacht, die Leute mit Behinderungen in ihren Familien zu besuchen, u.a. physiotherapeutisch zu betreuen oder ihnen Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Viele leben nämlich in weit abgelegenden Gebieten um Monteagudo, oder in sogenannten ‚comunidades‘, wo keine Infrastruktur vorhanden ist und sie auf sich allein gestellt sind.

Da das ETI jetzt bis Ende Januar geschlossen ist, stand jetzt Anfang Dezember die ‚Operación retorno‘ im Mittelpunkt. Das bedeutet, dass alle Personen, die das Jahr über in der Residenz der Einrichtung wohnen, über die Ferien bei ihren Familien oder nahen Verwandten sind.

Vor der Rückkehr musste jedoch die Situation in den Familien geklärt werden, die oftmals sehr schwierig ist, da viele mit der Verantwortung überfordert sind, kaum Platz haben, sehr arm sind und nicht selten Alkoholiker. Zudem sind die hygienischen Umstände und das unebene Gelände vor allem für Rollstuhlfahrer sehr schwierig.
Hier wohnt ein Mädchen mit ihrer Mutter und ihren 3 Brüdern

Hier wohnt ein Mädchen mit ihrer Mutter und ihren 3 Brüdern

So bin ich jedenfalls mit zwei Arbeitskollegen und fünf Bewohnern der Residenz, die teilweise im Rollstuhl sitzen, mit dem Bus nach Monteagudo gefahren und durfte drei von ihnen in ihre Familien begleiten, die 30min-2h entfernt von Monteagudo auf dem Land leben. Und zwar wirklich auf dem Land! Ringsherum sieht man nur grün und das nächste Haus ist meist längst nicht in Sichtweite. Die Leute leben oft in sehr ärmlichen Verhältnissen. Manche leben in einem verputzen Haus, andere dagegen mit sechs Leuten in einer kleinen Lehmhütte. Mich machten diese Eindrücke und Erfahrungen besonders am Anfang sehr nachdenklich. Wie widersprüchlich; diese unglaublich idyllische und friedliche Natur und mittendrin leben die Menschen in einfachen Lehmhütten, wo ich sonst dachte, „ja, so lebten die Menschen früher“.

Doch auch wenn die Menschen selbst nicht viel haben, bekommt man immer ein Lächeln und häufig sogar etwas zu Essen oder zu Trinken angeboten.

Die meisten Höfe sind schwierig für Rollstuhlfahrer

Anfangs fand ich die Residenz im ETI, in der die Leute sonst wohnen, sehr spartanisch und schlicht eingerichtet, doch im Gegensatz zu ihrem eigentlichen Zuhause ein Riesenunterschied. Sie haben ihr eigenes Bett, können sich auf barrierefreien Grundstück bewegen, bekommen regelmäßig zu Essen, können zur Schule gehen und haben immer eine Krankenschwester in der Nähe.

Jetzt habe ich frei, die letzte Arbeitswoche, verlief eher ruhig, da keine Kinder und keine Bewohner mehr da waren. So habe ich mit meinen Kollegen Unmengen von Personenakten neu sortiert und habe beim Namensschilder schreiben, für uns unübliche Vornamen wie ‚Dolores‘ (Schmerzen), ‚Concepción‘ (Empfängnis) und ‚Primitiva‘ (primitiv) kennengelernt, die jedoch alle christlichen Ursprungs sind. Aber auch schöne Vornamen wie ‚Esperanza‘ (Hoffnung) oder Ángeles (die Engel) sind hier geläufig.

Heute werde ich noch zu meiner Freundin nach El Alto/La Paz fahren, was mit 4.100 m noch deutlich höher liegt als Sucre. Dort darf ich dann mit ihrer achtköpfigen Gastfamilie ein bolivianisches Weihnachten feiern. Silvester soll uns dann der Weg nach Peru, Lima geführt haben und Mitte Januar habe ich dann schon mein Zwischenseminar wieder in Bolivien, Santa Cruz. Die Zeit rennt!

Euch allen Zuhause wünsche ich ein frohes Weihnachtsfest (Feliz Navidad!) und kommt gut ins neue Jahr!

Hasta pronto,

Eure Theresi

Lecki

Lecki

Trotz hohen Temperaturen ist immer noch Regen bzw. auch Hagelzeit

Trotz hohen Temperaturen ist immer noch Regen bzw. auch Hagelzeit

Mit den Kindern auf dem Spielplatz

Mit den Kindern auf dem Spielplatz

Dieses Schwein gabs im Projekt dann zur Weihnachtsfeier

Dieses Schwein gabs im Projekt dann zur Weihnachtsfeier

Am 12.Oktober fanden in Bolivien die Wahlen statt. Evo Morales gewann mit deutlicher Mehrheit und darf nun seine dritte Amtszeit antreten. Am Tag der Wahlen durfte kein einziges Fahrzeug fahren und viele Geschäfte hatten geschlossen.

Am 12.Oktober fanden in Bolivien die Wahlen statt. Evo Morales gewann mit deutlicher Mehrheit und darf nun seine dritte Amtszeit antreten. Am Tag der Wahlen durfte kein einziges Fahrzeug fahren und viele Geschäfte hatten geschlossen.


 

Endlich erste Grüße aus Sucre!

Sonntag, 05. Oktober 2014 von Theresa

Endlich erste Grüße aus Sucre!

Nachdem ich nun schon über 50 Tage in Sucre bin, wird es jetzt wirklich Zeit euch ein wenig von meinen angehäuften Eindrücken, Erfahrungen und Erlebnissen zu berichten.

Nach ca. 30h Flug bin ich also am 14.August am sehr überschaubaren Flughafen in Boliviens Hauptstadt Sucre gelandet. Die lange und doch sehr anstrengende Reise führte Josi, eine andere Freiwillige aus La Paz/El Alto und mich über die Flughäfen von London, Miami und La Paz.

In Sucre angekommen nahm ich die wunderschöne Sicht auf die Berge und die ersten vielen neuen Eindrücke der Stadt leider nur sehr übermüdet wahr. So brauchte ich einige Stunden um mich zu erholen und mein Kopf und Magen wieder einigermaßen normal funktionieren zu lassen. Erst am nächsten Tag war ich wieder zu gebrauchen, konnte meine Arbeitsstelle besichtigen und mir die ersten Namen versuchen zu merken.

Bis Ende Juli 2015 arbeite ich in der Escuela Taller de Integracion. Eine integrative Einrichtung zu der eine Schule mit ca. 200 Schülern gehört, ein Kindergarten (Guarderia), in dem ziemlich viele kleine aufgeweckte Kinder auf verhältnismäßig engem Raum die Erzieher (Tias = Tanten) auf Trab halten. Ebenso gibt es eine Residenz, in der Menschen verschiedenen Alters mit unterschiedlichsten Behinderungen leben, essen und wohnen, einen Bereich der Physiotherapie, Nähwerkstätten, eine Bäckerei und das Centro integrado para niños‘ (cin), ein Raum in dem bis zu 10 Kinder mit unterschiedlichen Behinderungen separat betreut werden (müssen). Platz zum Austoben gibt es im ETI auf dem überdachten Asphaltplatz, wo auch der Sportunterricht der Schule stattfindet.

Bisher hatte ich die Gelegenheit die verschiedenen Bereiche der Einrichtung kennenzulernen. Die letzten Wochen war ich oft unten in der Residenz, in der, außer den Bewohnern, vormittags auch die Kinder die erst am Nachmittag zur Schule gehen, ihre Hausaufgaben machen oder spielen. Ich helfe dann bei Rechenaufgaben oder beim Lesen und Lernen der Vokale. Mit einem Mädchen habe ich neulich versucht, die vielen Wörter die sie lernt zu schreiben, auch zu lesen bzw. auszuprechen . Das war nicht nur für das Mädchen etwas anstrengend. 😉 Nachmittags war ich bisher im ‚Sala de tarea‘ , wo ich (teilweise konzentrationsschwache) Kinder bei ihren Hausaufgaben unterstütze.

Und wenn’s mal keine Hausaufgaben gibt, wird zB. Obstsalat gemacht! Und alle helfen mit! Letzte Woche habe ich mit den Jungs Dinosaurier und Clowns gefaltet, als sie mit den Hausaufgaben fertig waren. Und noch einen. Und noch einen. 🙂

Seit Anfang September ist außer mir noch Larissa, eine andere Freiwillige aus Deutschland, im Projekt. Momentan wohnt sie bei mir nebenan, sodass wir vieles hier gemeinsam machen. Morgens geht’s um 8 zum Bus und von 8.30 – 17.00 Uhr arbeiten wir, wobei uns nach dem Mittagessen noch eine kleine Mittagsruhe gegönnt ist. 😉

Seit der zweiten Woche hier in Sucre, besuche ich 2-3x in der Woche einen Spanischkurs, um meine Sprachkenntnisse schnellstmöglich zu verbessern. Mittwochs kochen wir in der Sprachschule leckere typisch bolivianische Gerichte. Das macht zwar viel Spaß, jedoch bereitet mir das Essen hier auch noch nach 7 Wochen, neben viel mehr!!! Appetit und Hunger als Zuhause, leider auch oft noch Bauchschmerzen. Das sollte noch besser werden.

Nachdem ich meine erste Woche hier im ETI gewohnt hatte, lebe ich jetzt in einem netten Apartment, eher im Zentrum der Stadt, in dem ich ein kleines Zimmer, ein Bad und eine Küche versuche sauber zuhalten.

Das Wetter hier auf 2700 Metern ist so angenehm wie abwechslungsreich. Die Temperaturen liegen hier um die 20 Grad und die Sonne brennt. Ist es aber bewölkt oder die Sonne geht in Rekordzeit unter, wird es jedoch auch schnell wieder frisch. Momentan beginnt hier die Regenzeit, weswegen es sich oft lohnt die Regenjacke einzupacken, auch wenn morgens noch die Sonne knallt.

Die 2700 Höhenmeter hier merke ich, wenn ich schon bei den kleinsten Anstiegen nach Luft schnappe, oder auch beim Fangespielen mit den Kindern ziemlich schnell alle bin. 😀

Während es in Deutschland jetzt herbstlich wird, ist hier seit dem 21.September offiziell Frühling, was natürlich ein Grund zum Feiern war. Dieser Tag ist gleichzeitig der Tag der Schüler, der Liebe und der Freundschaft. Im ETI feierten wir diesen Tag am Freitag schon mal vor, wofür wir in der Bäckerei über 400 Muffins gebacken hatten und Larissa und ich die dazugehörigen 400 kleinen Fähnchen bastelten und 400x ‚Felix dia de la Amistad‘ ( Amistad = Freundschaft) geschrieben haben. Ansonsten wurde an diesem Tag viel getanzt und die Sportlehrer lieferten ihren Schülern spektakuläre Purzelbäume. Für die kleineren Kinder kam am Nachmittag der Clown und faszinierte mit jonglierenden Bällen Süßigkeiten und viel Konfetti.

Das erste große Fest allerdings was ich hier in Sucre miterleben und mitfeiern durfte, war das Fest zu Ehren der Jungfrau von Guadelupe  (“Dia de la Virgen de Guadelupe“) welches hier von Freitag-Sonntag (12.-14.9) mit einer Entrada mit sehr sehr vielen verschiedenen Tanzgruppen gefeiert wurde. Schon an den Abenden zuvor wurde in der Stadt geprobt und im ETI wurden seit Monaten für die größte Tanzgruppe der Stadt die bunten Kostüme genäht. An meinen ersten Tagen hier, half ich auch mit die Kostüme von den letzten Fäden zu befreien und alles einzupacken.Auch das ETI studierte mit den Schülern und Lehrern einen Tanz namens “Tarqueda“ ein. Dabei tanzten die Mädchen und Frauen in ebenfalls sehr bunten Kostümen und die Jungs spielten dazu auf Trommeln und Panflöten die Musik. Auch Larissa und ich übten mehr oder weniger die Tanzschritte mit und so standen auch wir am Freitag bunt angezogen, mit geflochtenen Zöpfen und ziemlich stark geschminkt am Treffpunkt, wo die Entrada starten sollte. Die Sonne brannte und sogar einige Bolivianer benutzten an diesem Tag Sonnencreme. 😉  Dann tanzten wir, mit kleinen Trinkpausen, ca. 4h durch die Straßen in Richtung Innenstadt. An den Straßenrändern standen Menschenmassen, jubelten den Tänzern zu, klatschten mit und machten viele Fotos.  Der Umzug endete an der Plaza, an einem Bild der “Virgen de Guadalupe”. Auch wenn ich am Ende fix und alle war und mir die Füße wehtaten, war es ein tolles Erlebnis was mir viel Spaß gemacht hat.

Am Samstag begann der Umzug mit dem Bild der ‚Virgen ‚ vorneweg. Dann tanzten von früh bis spät in die Nacht noch viel mehr Gruppen unterschiedliche Tänze in den tollsten Kostümen. Der Zeitplan, der ohnehin sehr vollgepackt war, verschob sich dann noch nach hinten, da das Wetter an diesem Tag leider nicht auf der Seite der Tänzer war und es oftmals regnete. Wir saßen an diesem Tag mit den Leuten aus der Residenz viele Stunden an der Straße und übernahmen heute mal die Rolle der Zuschauer. Alle warteten gespannt darauf, dass die Tänzer der Atipay vorbeikamen und wir die genähten Kostüme in Aktion sehen konnten.(Bild in der Mitte) Auch am Sonntag wurde in der Stadt noch getanzt, sodass die Trommelschläge bis zu meiner Wohnung zu hören waren. Abends erleuchteten an diesem Wochenende die schönsten Feuerwerke den Nachthimmel der Stadt. Alles in Allem 3 sehr eindrucksvolle und spektakuläre Tage.

Jetzt wisst ihr also wo ich lebe, arbeite und wohne und was sonst noch interessantes hier auf der anderen Erdhalbkugel passiert. Mir geht’s hier sehr gut und nach den ersten Wochen der Eingewöhnung und Orientierung, habe ich mittlerweile mit großer Vorfreude realisiert, dass ich hier bis zum nächsten Juli sein werde. Mein nötiges Visum habe ich nach dutzenden gesammelten Dokumenten und deren ‚fotocopias‘ und unzähligen Besuchen in Banken, den skurrilsten Büros der Polizei, Ärzten und Krankenhäusern endlich erhalten.

Nachdem ich bei meiner Ankunft sehr herzlich empfangen wurde, sind die Leute auch jetzt noch freundlich und hilfsbereit. 😉 Ständig und überall fällt ein „Hola, como estas?“ (Hallo, wie geht’s?) Auch wenn dann keine Antwort erwartet wird, verbreitet es hier trotzdem Herzlichkeit unter den Leuten.

Die Zeit rennt, ich hoffe Ihr seid auch alle wohl auf und an alle Erstsemester Zuhause einen guten Start ins Studium!

Es grüßt Euch, Theresi