Mein Auslandsjahr geht zu Ende …

Mittwoch, 29. Juli 2015 von Julia Höschle

Man glaubt es kaum, wie schnell die Zeit vergeht. Vor fast einem Jahr kam ich in Nicaragua an. Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten, mit der Sprache und der Kultur zurechtzukommen, doch ich habe mich schnell an alles gewöhnt und Land und Leute lieb gewonnen. Nun heißt es, Koffer packen und Abschied nehmen. Das geschieht mit einem lachenden und einem weinenden Auge 😉

Das Jahr in Granada /Nicaragua hat mir sehr gut gefallen. Ich konnte viele Erfahrungen sammeln, die mir in meinem Leben hilfreich sein werden. Der Abschied fällt mir sehr schwer, denn ich habe hier eine zweite Familie und Freunde gefunden. Meine Gastfamilie hat mich wie ihr eigenes Kind aufgenommen und behandelt. Ich konnte mich mit allen Sorgen und Nöten an sie wenden, und sie haben mir immer geholfen. Auch die Mädels aus dem Mädchenheim habe ich sehr ins Herz geschlossen. Ich werde sie alle wahnsinnig vermissen. Ich werde auf jeden Fall zurückkommen, um sie zu besuchen.

Leider hat nun meine Gastfamilie ein schwerer Schicksalsschlag getroffen. Vor wenigen Tagen erfuhr meine Gastmama, dass sie an einem Lebertumor erkrankt ist und sich einer Chemotherapie unterziehen muss. Dies bedeutet, dass hohe Behandlungskosten auf sie zukommen werden, denn in Nicaragua gibt es leider keine Krankenversicherung. Sie müssen die Kosten für die Chemotherapie selbst tragen, ansonsten wird die Behandlung nicht durchgeführt. Allein die erste Untersuchung meiner Gastmama hat schon über 5.000 Cordoba gekostet (das sind ungefähr 180 € und entspricht fast einem durchschnittlichem Monatseinkommen). Die Erkrankung bringt meine Gastfamilie in große finanzielle Schwierigkeiten, zumal auch noch die Kosten für das Studium und das Schulgeld für die beiden Töchter aufzubringen sind. Die Chemotherapie wird 7000 $ kosten, so viel Geld haben sie nicht.

Doch trotz all dem Abschiedsschmerz freue ich mich auch auf Deutschland. Endlich sehe ich meine Familie und Freunde wieder. Noch nie war ich so lange von Zuhause weg. Es ist ein komisches Gefühl, nach so einer langen Zeit wieder heimzukehren. Was sich wohl alles verändert hat? Auf das deutsche Essen freue ich mich jedenfalls schon sehr: ein Rumpsteak oder die Dampfnudeln von meiner Oma, das habe ich hier doch vermisst.  😀

In den letzten Wochen hier gab es nochmals viel zu tun, aber ich habe die Zeit trotz allem genießen können: Ende Juni fand im Mädchenheim noch einmal „Bingo“ statt. Bei dem Fest werden Essen und Trinken zum Verkauf angeboten. Hierfür mussten wir vorher viel Obst und Gemüse schnippeln. Außerdem musste alles vorbereitet werden: Es wurde aufgeräumt, geputzt und Stühle und Tische aufgestellt. Meine Aufgabe war es wieder, zusammen mit einem Mädchen aus dem Heim Softdrinks und Wasser zu verkaufen. Für das Mädchenheim ist diese Veranstaltung eine wichtige Einnahmequelle. In diesem Jahr konnten wir einen Erlös von etwa 1400 € erzielen, das ist sehr viel Geld.

Bingo-Vorbereitungen

Bingo-Vorbereitungen

Anfang Juli hatte ich dann noch einmal eine Woche Urlaub, denn die Kids hatten Halbjahresferien und durften heim zu ihren Familien. Ich reiste mit einer anderen Freiwilligen aus Deutschland an der Pazifikküste entlang. Wir waren in Chinandega, Léon und San Juan del Sur. Ich wollte noch einmal den tollen Strand hier genießen, bevor ich nach Deutschland fliege.

Im letzten Monat gab es Tage, an denen es richtig geschüttet hat. Dann sieht man fast niemanden auf der Straße. Auch die Mädels gehen dann nicht zur Schule, denn meistens kommen die Lehrer sowieso nicht. Für deutsche Vorstellungen einfach unglaublich! Leider fällt hier (in den öffentlichen Schulen) sehr oft Unterricht aus, z.B. an jedem letzten Freitag im Monat, weil dann eine Lehrerbesprechung stattfindet.

An einem schulfreien Tag fuhren wir mit den Mädels an einen Pool, worüber sie sich sehr freuten. Eine solche Gelegenheit haben sie nur ganz selten. Einigen von ihnen brachte ich die Grundzüge des Schwimmens bei. Es war ein sehr lustiger Tag 🙂

In jüngster Zeit fällt es mir schwer ins Mädchenheim zu gehen, da alle (die Mädels, Mitarbeiterinnen und meine Chefin) mehrmals am Tag sagen, dass ich hierbleiben soll. Andererseits freut es mich auch, dass ich eine Hilfe sein konnte.

Nun kann ich schon die Stunden zählen.

So, das war`s vorerst mit meinem Blog. Ich hoffe, dass ich Ihnen einen Eindruck von meinen Erlebnissen hier und dem Land Nicaragua geben konnte.

Viele Grüße (letztmals aus Nicaragua)

Julia

 

Einblick in meine vergangenen Wochen

Freitag, 05. Juni 2015 von Julia Höschle

Hallo zusammen,

in weniger als zwei Monaten bin ich schon wieder auf deutschem Boden. Unglaublich, wie schnell die Zeit vergeht. Bald heißt es „Abschied nehmen“.

Was habe ich in den letzten Wochen so gemacht?

An einem Wochenende besuchte ich Carolin, die andere Freiwillige des Kindermissionswerks, in Juigalpa. Sie hilft dort den Jugendlichen in einem Jugendzentrum bei den Hausaufgaben. Juigalpa ist das komplette Gegenteil zu Granada. Es ist ein kleines Städtchen, das in einer ländlichen Umgebung liegt. Es gibt so gut wie keine Touristen dort, kaum Sehenswürdigkeiten und keine Touranbieter. Es ist nicht viel los, dafür aber sehr grün.

hügelige Landschaft

hügelige Landschaft

Die Menschen leben dort sehr einfach von Landwirtschaft und Viehzucht. Eine Attraktion ist das Rodeo-Reiten, das wir uns natürlich angeschaut haben.

Rodeo-Reiten

Rodeo-Reiten

An einem anderen Wochenende war ich im Norden des Landes in Matagalpa. Dort war das Wetter angenehmer. Ich traf dort andere Freiwillige, die ich auf den Zwischenseminar kennengelernt habe. Inzwischen habe ich schon viel gesehen von Nicaragua, mehr als die meisten Einheimischen.

Anfang Mai standen für die Mädchen des Mädchenheims schulische Prüfungen an. Deshalb haben wir viel mit den Kids geübt und gelernt. Leider hatten sie oft keine Lust dazu. Bei Vielen kamen daher schlechte Ergebnisse heraus und sie erhielten noch dazu einen Rüffel von den Mitarbeiterinnen. Außerdem wurden Elterngespräche geführt.

Mitte Mai hat mich meine beste Freundin für eine Woche besucht. Ich zeigte ihr mein „neues“ Zuhause in Nicaragua. Wir sind übers Wochenende an den Strand gefahren. Außerdem waren auch wir auf dem Markt in Masaya und kauften Andenken für sie. Zudem ist sie mit mir ins Mädchenheim gegangen und hat meinen Arbeitsalltag miterlebt. Es war toll, ihr hier alles zu zeigen. Trotz Erzählungen und Bildern hatte sie sich das Leben im Mädchenheim und das Land ganz anders vorgestellt, als es ist. Viele Dinge kann man mit Fotos nicht festhalten oder sie kommen auf Bildern nicht so heraus wie in Wirklichkeit.

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Am Strand 🙂

Markt in Masaya - etwas chaotisch

Markt in Masaya - etwas chaotisch

Der 1. Mai ist hier auch frei und wird als Tag der Arbeit gefeiert. Christi Himmelfahrt hingegen gibt es nicht. Der Muttertag wird hier in Nicaragua immer am 30. Mai gefeiert. Aus diesem Grund fand freitags (teilweise auch donnerstags) vorher kein Unterricht statt. Die Kids aus dem Mädchenheim durften alle über das Wochenende heim zu ihren Müttern und Familien. Darauf haben sie sich sehr gefreut. Auch in meiner Gastfamilie wurde dieser Tag gefeiert und auch meine Gastmama bekam von ihren Kindern und von mir kleine Geschenke.

Nun fängt langsam die Regenzeit an. Es hat bis jetzt schon an ein paar Tagen leicht geregnet. Dadurch ist das Wetter etwas angenehmer. Doch anschließend ist es richtig schwül und man schwitzt einfach ständig. Aber das ist anscheinend nichts gegen die richtige Regenzeit, denn dann schüttet es den ganzen Tag hindurch.

Nun bleiben mir nur noch ein paar Wochen hier. Die Wochenenden sind alle verplant und ich bin fleißig dabei, Souvenirs zu kaufen.

Hasta luego – bis bald

Julia

 

Hochsommer in Nicaragua

Dienstag, 21. April 2015 von Julia Höschle

In Nicaragua ist zur Zeit Hochsommer: März und April sind die heißesten Monate mit tagsüber 39°C. Ehrlich gesagt: man will überhaupt nicht aus dem Haus gehen. Man schwitzt schon vom Nichtstun. Der Ventilator wirbelt nur warme Luft herum und bringt somit nichts. Auch die Nicaraguaner versuchen, die Hitze und die Sonne, so gut es geht, zu meiden. Bei der Hitze ist arbeiten echt anstrengend :D. Man würde am liebsten den ganzen Tag nur chillen. Zum Glück ist die heiße Zeit schon fast überstanden, denn ab Mai beginnt die Regenzeit. 😉

Seit meine Eltern Ende Februar heimgeflogen sind, habe ich nicht mehr viel unternommen. Auf dem Gelände des Mädchenheims wurde ein neues Gebäude für die Ordensschwestern gebaut und die Kids haben einen Spielplatz mit Schaukeln, Wippe und Rutsche bekommen.

Ich habe mir neue Meriendas (Zwischensnacks) für die Mädchen einfallen lassen: Limettenkuchen, Pancakes mit selbstgemachter Marmelade und ein Brot mit Erdnussbutter. Das hat ihnen richtig gut geschmeckt.

Eine Woche vor den Osterferien fand ein Zwischenseminar mit 17 Freiwilligen aus Deutschland statt. Dort hatten wir die Möglichkeit, uns auszutauschen und über Probleme und interessante Themen zu diskutieren. Wir waren an der Lagune de Apoyo und konnten in der Mittagspause Kajak fahren, schwimmen oder am Wasser entspannen 😉

Anschließend begann die Karwoche (auf Spanisch: Semana Santa = heilige Woche). Ostern ist das wichtigste und größte Fest im Lande. Es gibt traditionelle Feuerwerke und Paraden. In den Städen werden Blumenteppiche gemacht und die Jesus- und Maria-Statuen werden mit einer Prozession durch alle Viertel getragen.

Jesus-Statue, die durch die Straßen getragen wird

Jesus-Statue, die durch die Straßen getragen wird

Erstellen der Blumenteppiche

Erstellen der Blumenteppiche

Die ‚Semana Santa‘ hat eine große Bedeutung hier, und fast alle haben frei. Viele fahren dann ans Meer oder an den Nicaragua See. Auch das Mädchenheim ist geschlossen. Ich bekam von meiner Chefin eine Woche Zusatzurlaub.

So konnte mich mein Freund noch einmal besuchen. Wir fuhren auf die große Insel Ometepe im Nicaragua See. Der Name „Ome = Zwei und tepe = Berge“ verrät schon das Besondere an ihr: Auf ihr befinden sich zwei Vulkane mit ungefähr 1.400 und 1.700 m Höhe. Da es viel zu heiß war, haben wir sie jedoch nicht erklommen. Dafür sind wir eine Stunde am Fuß eines Vulkanes gewandert, bis wir zu einem 20 m hohen Wasserfall kamen. Obwohl es an diesem Tag bewölkt war und wir in einem „Wald“ gelaufen sind, war es sehr anstrengend und wir waren froh, dass wir uns im eiskalten Wasser abkühlen konnten. Außerdem haben wir die Insel mit dem Quad erkundet und haben am Strand entspannt und im See gebadet. Der See ist eigentlich wie ein Meer sogar mit Wellen, nur mit Süßwasser, was mich sehr freut 🙂

die zwei Vulkane

die zwei Vulkane

Wasserfall

Wasserfall

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Quad fahren 🙂

Danach waren wir noch ein paar Tage am Pazifik in San Juan del Sur im Salzwasser baden.

Nun ist der Urlaub aber leider vorbei.

Im Mädchenheim haben mich die Kids schon vermisst. Während meiner Abwesenheit ist eine Betreuerin, die über fünf Jahre dort gearbeitet hat, gegangen. Zum Glück ist jetzt ein Ersatz da. Allerdings ist sie jünger als ich und ich muss ihr bei vielen Dingen noch helfen, da sie sich noch nicht auskennt und nicht weiß, wo sie was findet.

Hasta luego – bis dann

Julia

 

Geburtstag im Regenwald ;)

Montag, 02. März 2015 von Julia Höschle

Wie schnell doch die Zeit vergeht! In fünf Monaten bin ich schon wieder in Deutschland.

Mitte Januar gingen die großen Ferien zu Ende, und die Mädchen sind nun wieder im Heim. Es sind jetzt 25 Kids; fünf davon wurden neu aufgenommen. Leider kamen vier Mädels aus privaten Gründen nicht wieder ins Heim zurück. In der ersten Woche wurden den Kids die im Heim geltenden Regeln verdeutlicht. In der zweiten Woche wurden die Kids auf die Schule vorbereitet. Wir Mitarbeiterinnen richteten die Schulsachen hin und banden Hefte ein.

Seit Anfang Februar haben sie auch wieder Schule. Nun sind morgens elf Kids im Mädchenheim und nachmittags sieben kleine und sieben Jugendliche.

Bereit für die Schule

Bereit für die Schule

Morgens helfe ich jetzt drei und mittags vier Kindern bei den Hausaufgaben. Mit zwei Jugendlichen mache ich zusätzlich noch Englisch-Unterricht. Leider können die anderen beiden Lehrerinnen im Heim kein Englisch sprechen, dabei wäre dies so wichtig.

Seit diesem Jahr haben die Kids sogar zweimal in der Woche Computerunterricht. Außerdem wird Aerobic angeboten. Das mache ich oder eine der Lehrerinnen. Wie auch im letzten Jahr gibt es Musik-, Gesang- und Kunstunterricht.

Meine Eltern kamen Ende Januar für drei Wochen nach Nicaragua, um mich zu besuchen. Ich bekam sogar eine Woche Sonderurlaub, damit ich Zeit mit ihnen verbringen konnte. Wir fuhren in den Süden des Landes an den Rio San Juan, wo tropischer Regenwald ist. Wir schliefen in einem Baumhaus direkt am Flussufer. Morgens wurden wir von Affengebrüll geweckt. Dort ist das Wetter eher etwas kühler (25°). Ich habe mich natürlich gleich erkältet, denn diese Temperaturen bin ich nicht mehr gewöhnt 😀

Dort feierten wir auch meinen Geburtstag. Es freute mich sehr, dass meine Eltern über diese Zeit hier waren. Wir machten auch eine Bootstour bei Nacht, um Kaimane zu beobachten. Unser Führer holte mehrere kleine Kaimane in unser Boot, und ich durfte sogar zwei in der Hand halten 🙂 Besonders beeindruckend war auch der Sternenhimmel: so viele Sterne kann man dort sehen, ein Vielfaches gegenüber in Europa, wo es so viel Streulicht gibt. Außerdem machten wir noch eine Exkursion in ein Reservat im Regenwald.

Ich mit einem kleinen Kaiman in der Hand

Ich mit einem kleinen Kaiman in der Hand

Danach verbrachten wir noch ein paar Tage auf der Insel Solentiname im Süden des Nicaragua-Sees. Auf dieser Insel haben die meisten Bewohner keinen Strom und auch kein fließendes Wasser. Das Geschirr und die Wäsche werden im See gespült bzw. gewaschen. Es ist sehr ärmlich dort.

Frau wäscht ihre Wäsche im See

Frau wäscht ihre Wäsche im See

Anschließend machten wir noch eine Tour auf den Cerro Negro, das ist ein aktiver Vulkan nahe Leon. Dort kann man auf einem Brett mit rund 50 km/h über das heiße Vulkangestein nach unten düsen. Von oben sieht man nicht, wo man unten ankommt. Es war uns schon etwas mulmig dabei. Und bremsen kann man nur, wenn man die Füße in den Boden rammt. Dabei sind meine Schuhe an den Fersen durchgeschmolzen und ich zog mir eine große Brandblase an der Ferse zu. Aber trotz des Missgeschicks war es ein tolles Abenteuer, das ich bestimmt nie wieder vergessen werde.

Als wir wieder in Granada ankamen, feierten wir mit meiner Gastfamilie meinen Geburtstag nach. Dies freute mich sehr 🙂 Sie kauften sogar eine Cremetorte für mich. Was für eine Überraschung.

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Mein Geburtstagskuchen 🙂

Das, was ich innerhalb von sechs Monaten von dem Land sehen konnte und erlebt habe, haben viele Einheimische selber noch nie gesehen und werden dies auch nicht können.
Für die meisten Einheimischen ist dies (einfach) viel zu teuer. Sie haben schon Probleme, das Geld für Lebensmittel, Kleidung, Wohnung und Fahrgeld aufzubringen. Wo sollen sie da das Geld für einen Ausflug hernehmen?

 

Weihnachten und Silvester mal anders ;)

Samstag, 07. Februar 2015 von Julia Höschle

Nun bin ich schon über 5 Monate in Nicaragua. Die Hälfte der Zeit ist fast schon um.

Ich hatte über die Feiertage drei Wochen Urlaub, da das Mädchenheim in dieser Zeit geschlossen hat. Die Kinder dürfen entweder nach Hause zu ihrer Familie oder sind in einem anderen Heim untergebracht.

Ich freute mich riesig, dass mein Freund Kay für 3 Wochen hierher kam, und wir zusammen  durch das Land reisen konnten.

Das Weihnachtsfest verbrachten wir gemeinsam mit meiner Gastfamilie. Am 24.12. gingen wir in den Gottesdienst. Danach gab es Essen: Rinderzunge mit Reis, Gemüse und Tortilla (ein typisches Essen zu Weihnachten). Ich war zunächst skeptisch, doch es hat sehr lecker geschmeckt. Danach sind wir zur Verwandtschaft meines Gastvaters gegangen. Dort wurde laut Musik gehört, getanzt, getrunken und geredet. Um 0 Uhr – also am 25.12.- beginnt erst richtig Weihnachten: Man beglückwünscht sich gegenseitig und es werden Raketen, Böller und Wunderkerzen gezündet.

Am 25.12. selbst haben alle Geschäfte geschlossen, und man ruht sich vom Feiern am Vortag aus. Viele gehen an den Strand, See oder zur Lagune. Letzteres machten wir mit meiner Gastfamilie. Am 26.12. ist hier kein Feiertag, es ist ein normaler Arbeitstag. Kay und ich fuhren nach San Juan del Sur zum Strand. Dort badeten wir im Pazifik und genossen Sonne und Strand. Es war schon ungewohnt für mich: In Deutschland ist an Weihnachten die Heizung an und hier bei uns die Ventilatoren :D.

Strand bei San Juan del Sur

Strand bei San Juan del Sur

Zwei Tage später ging es dann mit dem Flugzeug auf Great Corn Island. Dies ist eine kleine, wunderschöne Insel in der Karibik. Dort verbrachten wir eine entspannte und erholsame Woche. Auch über Silvester waren wir dort. Wir gönnten uns ein Menü in unserem Hotel und betrachteten das Feuerwerk.

Traumhafter Strand

Traumhafter Strand

Üblich ist es in Nicaragua menschengroße Puppe aus Stroh in Kleidung zu basteln oder zu kauften. Diese ist mit Feuerwerken gefüllt.  In die Arme der Puppe  werden noch 2 Flaschen Rum oder Bier gelegt, und um Mitternacht wird alles in die Luft gesprengt. Der Sinn dahinter ist, dass man mit dem alten Jahr abschliessen will und das Schlechte hinter sich lassen möchte.

Danach fuhren wir in den Norden nach Esteli. Durch die Lage in den Bergen ist hier das Klima sehr angenehm, viel kühler als im Rest des  Landes. Wir machten eine Tour in die Schlucht ‚Grand Canyon‘. Zuerst kletterten wir in die Schlucht hinunter und dann ging es nur noch schwimmend weiter. Das kristallklare Wasser ist eiskalt. Von verschieden hohen Felsen kann man bis zu 20m herunterspringen. Das macht Spaß!

Von da aus sind wir weiter nach Léon gefahren, wo wir den Vulkan Cerro Negro erklommen. Er ist etwa 800m hoch und noch aktiv. Der Aufstieg dauerte etwa 1h. Es war gar nicht so einfach mit einem Brett unter dem Arm gegen den Wind zu laufen. Warum ein Brett?!  Abwärts kann man auf einem Holzbrett hinunterfahren. Dies ist das sogenannte Vulkanboarding und auch nur hier in Nicaragua möglich zu machen. Viele Abenteuerlustige wollen dies erleben – natürlich auch ich! Mit 51 km/h raste ich den Berg herunter – ein unglaubliches Gefühl. Leider dauerte das Ganze nur eine Minute. Das hätte länger dauern können. In Deutschland fahren wir mit dem Schlitten im Schnee; wir fuhren auf Brettern einen Vulkan hinunter 😀

Vulkan 'Cerro Negro'

Vulkan 'Cerro Negro'

Diese drei Wochen vergingen wie im Flug. Nun ist Kay wieder abgereist, und meine Arbeit ging wieder los. In der ersten Woche fand für uns Mitarbeiterinnen ein 4-tägiges Seminar über den Umgang mit den Kindern statt. Da wir über Nacht weg waren, konnten wir uns auch privat austauschen. Danach gestalteten wir das Mädchenheim um, damit sich die Kids nach den Ferien wohl fühlen. Alles wurde geputzt gestrichen, bemalt und dekoriert. Ich war für die Küche zuständig und habe dort die Wände mit Bilder bemalt. Es hat richtig Spaß gemacht.

Fahrrad fahren wie die Einheimischen

Fahrrad fahren wie die Einheimischen

Hasta luego – Bis bald

Julia

 

Allgemeines über Nicaragua – Teil 2

Montag, 22. Dezember 2014 von Julia Höschle

Ich möchte noch ein paar Infos zu Nicaragua ergänzen:

Hier ist es ein Gebot der Höflichkeit, ältere Personen zu siezen. Das ist ja eigentlich wie in Deutschland. Doch der entscheidende Unterschied ist, dass die Kinder ihre Großeltern und sogar die Eltern siezen. Das war am Anfang sehr ungewöhnlich für mich, doch inzwischen habe ich mich daran gewöhnt.

In der Schule tragen die Kinder Uniformen in den Farben dunkelblau und weiß. Eigentlich ist das eine gute Sache. Andererseits müssen die Eltern jedes Jahr viel Geld für die Kleidung ausgeben, weil die Kinder gewachsen sind oder sich der Schnitt der Uniform geändert hat. Auch in vielen Betrieben tragen die Bediensteten Arbeitskleidung, meistens ein Polohemd oder eine Bluse mit dem Logo des Arbeitgebers und eine Jeans oder Schlaghose bzw. für Frauen einen Rock. Auch im Mädchenheim ist Arbeitskleidung vorgeschrieben: ein Polohemd mit dem Logo und Jeans. Das Polohemd hat jeden Tag ein andere Farbe: dunkelblau, lila, rosa, hellblau, weiß und hellgrün.

Eisverkäufer

Eisverkäufer

Woran ich mich sofort gewöhnt habe, ist, dass an Sonntagen der Supermarkt geöffnet hat. Auch auf dem Markt und teilweise in Kleider- und Schuhläden kann man sonntags seine Einkäufe erledigen. Selbst an Feiertagen sind die Geschäfte geöffnet, allerdings mit gekürzten Öffnungszeiten. Zudem gibt es in sehr vielen Häusern kleine Läden. Meine Gasteltern betreiben quasi im Wohnzimmer ein Internetcafé. Bei unserem Nachbarn kann man sein Handy mit Guthaben aufladen und Bohnen kaufen. Um die Ecke gibt es die Möglichkeit, Haushaltsartikel und Saft zu kaufen. Hier in Granada gibt es viele Straßenverkäufer. Sie bieten in einem Handkarren Obst, Gemüse, Brot, Tortilla, Süßigkeiten und Eis an. Sie rufen immer ganz laut, was man bei ihnen kaufen kann. Manche haben zusätzlich noch eine Klingel dabei. So kann man sehr praktisch einkaufen und muss nicht extra in die Stadt gehen.

Der Nationalsport hier ist Baseball. Vor kurzem habe ich mit anderen Freiwilligen in der Nachbarstadt bei einem Spiel zugeschaut. Die Einheimischen sind begeistert von dem Sport. Schon kleine Kinder üben fleißig auf der Straße oder auf den Weideflächen. Viele träumen davon, Profi Baseballspieler zu werden und damit ihren Lebensunterhalt zu verdienen.

Hella (Freiwillige aus Berlin) und ich sind begeistert von dem Spiel

Hella (Freiwillige aus Berlin) und ich sind begeistert von dem Spiel

Baseball-Feld

Baseball-Feld

Ich wünsche allen schöne Weihnachten und einen guten Start ins neue Jahr. Ich bin schön sehr gespannt, wie dies hier gefeiert wird. Ich werde dies euch im nächsten Bercht erzählen.

Hasta luego

Julia

 

Bräuche in Nicaragua – Granada

Montag, 22. Dezember 2014 von Julia Höschle

Heute will ich etwas über die Bräuche in Nicaragua berichten:

In Nicaragua ist die Marienverehrung weit verbreitet. So feiert man im Dezember das traditionsreiche Fest „La Purisma“, das entspricht in Deutschland dem „Hochfest der unbefleckten Empfängnis der Gottesmutter Maria“.

In Kirchen, Häusern und auf der Straße werden am 7. Dezember Altäre mit dem Bild der Jungfrau Maria aufgestellt. Vor diesen Altären versammeln sich ab 17 Uhr Familienangehörige, Freunde und Nachbarn zum Beten und Singen und vor allem zu dem gemeinsamen Ruf: „Wer verursacht so viel Freude?“. Die Antwort lautet: „Maria Empfängnis“.

Maria-Altar in einer Kirche

Maria-Altar in einer Kirche

So füllen sich die Straßen Nicaraguas mit Menschen, die in Gruppen fröhlich Lieder zur Unbefleckten Empfängnis singen. In Gruppen ziehen sie von Altar zu Altar und spielen und beten für Maria. Dafür bekommen sie von den Hausbesitzern Essen und Trinken, Süßigkeiten, Zuckerrohr und Früchte, wie Bananen und Orangen oder kleine Geschenke.

Es werden auch Raketen und Feuerwerkskörper entzündet, so dass der Himmel voller bunter Lichter ist. Es ist eine ausgelassene Stimmung im Land.

Ich konnte dies alles zusammen mit den Mädchen des Hogar erleben. Für uns wurde einen Bus organisiert, mit dem wir in die Hauptstadt Managua fuhren und dort von Haus zu Haus. Wir sangen, beteten und riefen zu Maria. An bestimmten Altären, z.B. beim Katholischen Radiosender warten viele Menschen mehrere Stunden auf Einlass, da man dort als Dankeschön Reis und Bohnen bekommt. Da das Mädchenheim jedes Jahr kommt, wurden wir in den Häusern schon erwartet und mussten nicht anstehen. Spät in der Nacht kamen wir nach Granada zurück, müde zwar, aber auch aufgedreht und glücklich.

Auf der Fahrt - 2 Kids aus dem Heim und ich

Auf der Fahrt - zwei Kids aus dem Heim und ich

Kids beim Singen mit meiner Chefin

Kids beim Singen mit meiner Chefin

Auch in Granada wird dieses Fest zu Ehren der Schutzpatronin ganz groß gefeiert. Neun Tage lang ziehen jeden Abend reich verzierte Umzugswagen durch die Straßen. Jeden Abend wird die Marienstatue von einem anderen Stadtviertel zur Kathedrale getragen. Jedes Viertel gestaltet den Wagen anders und will den schönsten haben. Dabei wird Musik gespielt und Lieder zur Anbetung der Gottesmutter gesungen.

 Umzugswagen mit Maria -Statue

Umzugswagen mit Maria -Statue

So hat jedes Land seine eigenen Bräuche und es ist sehr interessant, dabei zu sein und nicht nur von außen zuzusehen.

Hasta luego

Julia

 

Feste im Mädchenheim

Dienstag, 09. Dezember 2014 von Julia Höschle

Hola,

nach zwei stressigen Wochen, in denen ich jeweils sechs Tage arbeiten musste, habe ich wieder Zeit, mich bei Euch zu melden.

Zwei Mädels vom Mädchenheim und ich

Zwei Mädels vom Mädchenheim und ich

Am Sonntag, 16. November, fand im Mädchenheim ein Tag der offenen Tür mit „Bingo“ statt. Dafür wurde vorher überall geputzt und aufgeräumt. Dann wurden Pavillons aufgebaut sowie Tische und Stühle für 1.000!!! Gäste aufgestellt.

Diese Veranstaltung ist eine wichtige Einnahmequelle für das Heim. Bei dem Fest wurden Essen und Trinken zum Verkauf angeboten. Außerdem werden bei einem Basar viele Dinge verkauft, die vorher dem Heim gespendet wurden, wie zum Beispiel Kleider, Schuhe, Schreibwaren, Kuscheltiere, Spiele usw.

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Bingo 🙂

Doch die eigentliche Hauptattraktion war das Bingo. Die Besucher konnten sich ein Bingofeld für umgerechnet 75 Cent kaufen. Mit Hosenknöpfen oder Steinen wurden die gezogenen Zahlen markiert. Nach einem Bingo ging sofort die nächste Runde los. So ging das 6 Stunden lang. Auch die Gewinne für das Bingo wurden gespendet. Die drei Topgewinne waren ein Sack Zucker, ein Sack Reis und als Hauptgewinn ein Fahrrad. Daran sieht man die Unterschiede!! In Deutschland hätte sich niemand über einen Sack Zucker gefreut, hier wäre der Hauptpreis ein Wellnessurlaub oder ein Flachbildfernseher gewesen.

Hier in Nicaragua isst man normalerweise Hähnchen- oder Rindfleisch. Schweinefleisch ist etwas Besonderes. Im Mädchenheim wird das Jahr über mit den Essensresten ein Schwein aufgezogen. Dieses wurde nun am Donnerstag vor einer Woche hier im Heim geschlachtet. Ich war dabei und konnte alles beobachten. Hier ein paar Bilder davon. 😀

Schwein wird die Haut abgeschabbt

Schwein wird die Haut abgeschabt

Schweinekopf

Schweinekopf

Am 23. November, dem „Cristo Rey“ Tag (auf Deutsch: Christkönigsfest), wurde dann ein großes Fest gefeiert, denn dieser Tag ist den Ordensschwestern sehr wichtig.

Schon Tage/ Wochen vorher wurde alles vorbereitet. Die Kapelle wurde neu gestrichen, alles wurde dekoriert und eine Statue von Jesus aufgebaut. Auch das Schwein wurde hierfür geschlachtet! Am Sonntag sollten sich alle schick anziehen – am besten ein Kleid. In der Kapelle des Mädchenheimes fand eine Messe statt, die vom Bischof von Granada und dem Pfarrer der zuständigen Gemeinde zelebriert wurde. Der Gottesdienst wurde sogar gefilmt. Die älteren Mädels bildeten einen Chor. Sie hatten extra dafür schon wochenlang fleißig geübt.

alle Kids aus dem Mädchenheim

alle Kids aus dem Mädchenheim

alle Mitarbeiterinnen

alle Mitarbeiterinnen

Buffet

Buffet

Zu dem Gottesdienst waren auch die Eltern der Kinder eingeladen. Danach saßen alle kurz mit Saft und Kuchen zusammen.

Zum Mittagessen gab es dann ein großes Buffet: Reis, Bohnen, gegrilltes Schweinefleisch, Salat und Dessert. Sogar der Bischof von Granada und der Pfarrer blieben zum Essen.

Hasta luego!
Julia

 

Allgemeines über Nicaragua

Dienstag, 18. November 2014 von Julia Höschle

Hallo,

heute will ich allgemeine Dinge über Nicaragua erzählen, da die meisten von euch das Land ja nicht kennen:

Das Land liegt in Mittelamerika und grenzt an Costa Rica im Süden und Honduras im Norden. Es hat rund sechs Millionen Einwohner und ist so groß wie Bayern, Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz zusammen. Zum Vergleich leben in diesen drei Bundesländern 27 Mio. Einwohner. Etwa 50 Prozent der Bevölkerung Nicaraguas lebt unterhalb der Armutsgrenze und muss mit ein bis zwei Dollar (dies entspricht ungefähr 80 Cent bis 1,60 Euro) pro Tag auskommen. Gründe hierfür sind unter anderem häufige Naturkatastrophen, wie z.B. Erdbeben, Wirbelstürme und Vulkanausbrüche.

Es gibt hier keine Eisen- oder Straßenbahnen.

 alter Bluebird-Schulbus aus der USA

alter Bluebird-Schulbus aus den USA

Das Hauptverkehrsmittel ist der Bus. Hier fahren noch die alten Bluebird-Schulbusse aus den USA. Die Busse beginnen ihre Fahrt an großen Busterminals. Dann drehen sie oft noch eine Runde durch die Stadt und sammeln die Leute ein. Es gibt hier keine Bushaltestellen. Man stellt sich einfach an den Straßenrand und winkt dem richtigen Bus zu, damit dieser anhält. Doch wie findet man diesen, wenn man keine superguten Augen hat? Der Beifahrer ruft laut das Ziel, damit man Bescheid weiß und den Bus anhalten kann. Den Fahrpreis zahlt man, wenn sich der Bus in Bewegung gesetzt hat. Wenn jemand großes Gepäck hat, wird dies auf das Dach geschnallt. Mit dem Bus wird alles transportiert: Einkäufe, Fahrräder, auch lebende Schweine oder ein Bettgestell. Auf dem Nicaraguasee und den Flüssen im Regenwald sind Boote wichtige Transportmittel.

Ein witziges und zugleich wichtiges Transportmittel sind die Camionettas: das sind umgebaute Klein-Lkws, wo auf der Ladefläche so viele Passagiere transportiert werden, wie Platz haben. Da geht es sehr eng zu.

Fahrräder und Motorräder werden oft zu dritt oder viert gefahren. Auch in Autos passen, wenn man etwas quetscht, bis zu acht Personen. Für die Arbeit und zum Transport werden auch Pferde und Kühe eingesetzt.

Es gibt hier kaum Ampeln. Wer fahren oder überholen will, der hupt einfach. Trotzdem gibt es kaum Unfälle, da dies super klappt. Allerdings gibt es auch viel weniger Verkehr als bei uns.

Wenn man Taxi fahren will, stellt man sich einfach an die Straße und winkt einem Taxi zu, das meistens sowieso schon hupt, wenn der Fahrer sieht, dass man an der Straße wartet. Hier ist es außerdem nicht üblich, dass man alleine in einem Taxi fährt. Der Taxifahrer nimmt jeden mit, der auf der Straße auf ein Taxi wartet, bis das Auto voll ist und dann wird eben zusammengerückt. Die Taxifahrer sind meistens supernett und neugierig. Sie fragen, woher man kommt und was man hier macht. Oft werde ich gefragt, ob ich verheiratet bin und Kinder habe.

Hier ist auf der Straße viel mehr los als in Deutschland: Kinder spielen miteinander, Leute sitzen vor ihrem Haus und sprechen mit vorbeifahrenden Bekannten. Wenn man hier auf der Straße einen Bekannten trifft, sagt man „Adios“ (also übersetzt „Tschüss“) und nicht wie bei uns „Hallo“.

Nur wenige Straßen haben Namen und noch weniger Häuser sind nummeriert. Deshalb wird ein auffälliger Punkt angegeben und dazu die Entfernung von diesem in Blocks und die Himmelsrichtung. So wohne ich 1 ½ Blocks von der Kirche „El Socorro“ Richtung See.

So, nun habt ihr einen kleinen Einblick in das Leben hier bekommen. Fortsetzung folgt!!

Hasta luego

Julia

 

Schon zwei Monate von Deutschland weg

Mittwoch, 15. Oktober 2014 von Julia Höschle

So, nun bin ich schon zwei Monate hier.

Langsam hat sich Routine eingestellt. Ich kenne jetzt endlich alle Namen der Mädchen. 😉 Die Kids haben mich schon sehr ins Herz geschlossen und finden es schade, dass ich nur fünf Tage in der Woche arbeite.

Zwischenzeitlich bin ich im Mädchenheim für weitere Aufgaben zuständig: So bereite ich nun auch täglich die „meriendas“ (Zwischenmahlzeiten) zu. Es gibt täglich etwas anderes, z.B. Wassermelone, Banane, selbstgemachtes Eis, Milchreis oder Kekse. Gemeinsam mit einer Mitarbeiterin kaufe ich das Obst bzw. die Zutaten in der Stadt ein (später werde ich das alleine tun); anschließend bereite ich diese zu. Die Meriendas sind sehr begehrt bei den Kids.

Außerdem habe ich noch Pförtnerdienst: Das Mädchenheim ist abgeschlossen, damit Fremde keinen Zutritt haben. Deshalb muss jeder Besucher klingeln. Ich schaue dann nach, wer diese Person ist und ob sie in das Mädchenheim darf.

In der Mittagspause gehe ich entweder in die Stadt, um Sachen zu erledigen oder einzukaufen oder ich gehe heim zu meiner Gastfamilie, um Mittag zu essen und lege mich anschließend noch ein bisschen hin. Durch die Hitze ist alles sehr anstrengend, und ich verstehe jetzt, dass viele Leute hier (genau wie in Italien und Spanien) mittags Siesta machen ;).

Lagune de Apoyo- Super zum Entspannen

Lagune de Apoyo- Super zum Entspannen

Sonntags unternehme ich oft mit anderen Freiwilligen etwas, z.B. kochen wir gemeinsam, fahren zum Baden an die Lagune de Apoyo oder gehen was trinken, … .

Montags habe ich frei. Da gehe ich zum Spanisch-Unterricht und kümmere mich um meine Wäsche. Ich habe großes Glück, dass meine Gastfamilie eine Waschmaschine besitzt… Viele Einheimische müssen die Wäsche noch mit dem Waschbrett waschen.

Letzte Woche war ich drei Tage krank und konnte leider nicht arbeiten. Ich hatte mir einen Virus eingefangen mit Fieber, Kopfschmerzen, Durchfall und Übelkeit. Meine Gastmama hat sich rührend um mich gekümmert, mir Tee gekocht und Umschläge gemacht. Dadurch habe ich bemerkt, dass sie mich fast wie ihr eigenes Kind ansieht, denn sie war sehr besorgt um mich.

2 Babyschildkröten auf der Hand

2 Babyschildkröten auf der Hand

Am Wochenende habe ich mit anderen Freiwilligen eine Schildkröten-Tour unternommen. Am Strand von San Juan del Sur befindet sich einer von sieben Brutplätzen auf der ganzen Welt für die vom Aussterben bedrohte Atlantik-Bastardschildkröte. Die Eier werden dort eingesammelt, damit sie nicht geklaut werden, denn Schildkröteneier gelten als Delikatesse. Wir durften frisch geschlüpfte Schildkröten ins Meer aussetzen. Außerdem haben wir am Strand Schildkröten aus dem Nest schlüpfen sehen. Leider haben wir nicht gesehen, wie eine Mamaschildkröte ein Nest baut und dort hinein die Eier ablegt. Aber vielleicht kann ich die Tour ja noch einmal machen, ich bin ja noch eine Weile hier.

Hasta luego – Bis demnächst