Die Mai-Demo

Dienstag, 05. Mai 2015 von Josi

Ja, auch in Bolivien wird am 1. Mai der Tag der Arbeit gefeiert, und ebenso wie bei uns in Deutschland haben an dem Tag alle frei. Demnach letzten Freitag (übrigens: auch wenn der Feiertag aufs Wochenende gefallen wäre, hätte man hier dann einfach Montag frei gehabt … genial, oder?).
Ich allerdings war nicht den ganzen Tag auf dem Sofa ausgestreckt, sondern bin mit rund 80 Kindern und Betreuern und Clowns aus meinem Projekt auf die Mai-Demo gegangen, die sich durch die ganze Innenstadt La Paz‘ zieht. Da es sich bei unseren Kindern ja auch bereits um Arbeiter handelt, jedes einzelne also entweder seinen Eltern bei deren Arbeit hilft oder am Wochenende selbst verkauft, Möbel zusammenbaut, Busse ausruft oder als Clown andere Kinder bespaßt, haben auch sie bereits einiges für ihr Recht auf Arbeit getan und hören damit auch nicht auf.

In diesem Sinne würde ich gerne ein wenig über die hier sehr verbreitete sogenannte „Kinderarbeit“  erzählen und einiges klarstellen, was sich für uns Deutsche eventuell sehr negativ anhört, hier aber komplett anders gesehen wird. Bei uns wird eine gute Kindheit so gesehen: möglichst behütet, sorglos, voller Spiel und Spaß, nichts außer den Eltern, Freunden und der Schule im Kopf. Dass hier in Bolivien eine Kindheit in den meisten Fällen nicht so frei von Sorgen abläuft, konnte ich mir eigentlich schon vorher denken, aber um ehrlich zu sein nehmen mich die Geschichten, die mir die Kinder mitunter erzählen, von Zeit zu Zeit schon mit. Sie lernen hier sehr viel früher, meiner Meinung nach, Verantwortung für sich und ihre Familie zu übernehmen, einfach weil sie es müssen. Denn ein Taschengeld beispielsweise ist hier absolut nicht selbstverständlich. Entweder arbeiten die Kinder hier also, um etwas zum Unterhalt der Familie beizusteuern oder schlicht und einfach um etwas für sich selbst zur Verfügung zu haben, denn wie auch bei uns in Deutschland sind die Kinder und Jugendlichen eben genau das: Kinder und Jugendliche, bei denen Dinge wie Smartphones (auch wenn es nur ein „japanisches“ ist 😉 ) oder neue Schuhe und Klamotten ebenso beliebt sind wie überall auf der Welt.
Mein Projekt hier arbeitet mit diesen Kindern und Jugendlichen, die zunächst auf jeden Fall zur Schule gehen und nur an einigen Nachmittagen und am Wochenende arbeiten, oder hilft und ermutigt jene, die erst wieder in die Schule einsteigen, da sie einige Jahre aussetzen mussten. Dennoch wird die Arbeit als ein positiver Aspekt der Kindheit angesehen, durch den sie schon früh das zu schätzen lernen, was sie haben und wofür sie selbst gearbeitet haben. Da steckt meiner Meinung nach
auch viel dahinter, denn verwöhnte Gören z.B. trifft man hier in El Alto eher selten. Auch spielt die Unabhängigkeit eine Rolle, die so schon früh beginnt. Ebenfalls ist Arbeitengehen wohl eine würdevollere Art und Weise über die Runden zu kommen, als beispielsweise zu stehlen. Auf diesem Gebiet arbeiten wir viel mit den Kindern und zeigen ihnen, dass man sich keineswegs zu schämen braucht, nur weil man arbeiten gehen muss, sondern auf eine gewisse Art und Weise sogar vieles davon mitnehmen kann in seine eigene Zukunft.
Bis letztes Jahr war die Kinderarbeit aber offiziell illegal in Bolivien, natürlich dennoch überall verbreitet. Damit einhergehend aber auch viel Ausbeutung von Kindern und Jugendlichen, die eben billige Arbeitskräfte darstellten, deren Arbeitsbedingungen keinen interessierten. So habe ich zum Beispiel von einem Fall erzählt bekommen, bei dem ein Jugendlicher ein halbes Jahr arbeiten ging, am Ende allerdings mit den Worten: „Nimm das oder gar nichts.“ für gerade mal einen Monat bezahlt wurde. Auch wurden hin und wieder die Eltern der Kinder festgenommen, da sie ihre Kinder arbeiten ließen.
Vor allem in den letzten zwei Jahren gingen daraufhin viele Kinder und Jugendliche und Ehemalige, alle vereint im Bündnis NATsBO (NiñosAdolescentesTrabajadores de Bolivia –
Arbeitende Kinder und Jugendliche Boliviens), für Demonstrationen auf die Straße, um für ihr Recht auf Arbeit und gegen die Ausbeutung zu kämpfen. Und dabei haben sie bereits einiges erreicht. Denn im August 2014 war Bolivien dann weltweit in den Medien, als der sogenannte „Código del Niño“ verabschiedet wurde, ein neues Gesetz, das die Kinderarbeit ab zehn Jahren legalisiert und reglementiert und so die Ausbeutung verbietet, zumindest theoretisch. So wurden Arbeitszeiten, Pausenzeiten und andere Arbeitsbedingungen darin festgelegt, was einen großen Schritt darstellte. Denn etwas, was so oder so besteht, lieber legal zu machen und Regeln  aufzustellen, anstatt es zu ignorieren und sich selbst zu überlassen, erscheint mir zumindest weitaus vernünftiger. Inwieweit aber dieses neue Gesetz gegen die Ausbeutung umgesetzt wird, ist eine andere Frage, und dafür gilt es für die NATs (so nennen sich die arbeitenden Kinder und Jugendliche) weiterhin zu demonstrieren und zu kämpfen.

Und deshalb waren wir am Freitag mit viel Krawall, Schildern, Sprechgesängen und Musik auf den Straßen unterwegs und haben eindeutig einige Aufmerksamkeit auf uns gezogen, um einerseits zu zeigen, wie organisiert und engagiert bereits die jüngsten unter den Arbeitenden auftreten können, andererseits aber eben auch um auf die weiterhin bestehende Ausbeutung aufmerksam zu machen.

An der St. Francisco

An der St. Francisco

Clownie!

Clownie!

Ziemlich viel Spaß und ein einmaliges Zusammengehörigkeitsgefühl entstand dabei allerdings auch, ein Erlebnis, an das ich mich lange erinnern werde, denke ich.

Endlich mal jemand größer als ich!

Endlich mal jemand größer als ich!

In der Hoffnung, dass ihr jetzt ein besseres Bild von der Situation rund um die Kinderarbeit in Bolivien habt, endet hier jetzt auch schon wieder das, was ich für dieses Mal zu sagen habe.
Soviel sei aber noch gesagt: meine letzten drei Monate sind angebrochen! Zu Hause ist also schon fast wieder zum Greifen nahe. Dass ich mittlerweile nicht mehr nur ein Zuhause auf der Welt habe, weiß ich, aber zurück komme ich auf jeden Fall schon bald. 😉
Habt bis dahin noch einen schönen Frühling, ich genieße solange die letzte Sonne, denn hier gilt ja leider was anderes: winter is coming.

Bis bald y un abrazo,

Eure Josi

 

Das große Reisen

Mittwoch, 18. Februar 2015 von Josi

Zunächst erst mal: entschuldigt, dass ich so ewig nichts mehr geschrieben habe! Aber ich habe eine äußerst gute Entschuldigung dafür: ich kam vor lauter Unterwegssein schlicht und einfach nicht dazu.
Denn wie ich im letzten Eintrag schon angekündigt habe, stand für mich von Ende Dezember bis Ende Januar meine wohl größte Reise bisher auf dem Programm.

Um euch gleich mal einen kleinen Überblick zu verschaffen, sind hier alle Stationen, die wir in den exactamente 4 Wochen bereist haben:

Start: El Alto Huatajata Copacabana am Titicacasee Puno (Peru) Arequipa (Peru) Ica (Peru) Huacachina (Peru) Lima (Peru) Marcahuasi (Peru) Cusco (Peru) Machu Picchu Copacabana die Zweite Uyuni samt Salzsee Sucre Santa Cruz El Alto : Endstation

In all dieser Zeit hat sich mein Leben hier in Südamerika noch einmal von einer ganz anderen Seite gezeigt. Während wir nämlich durch kleinste Dörfer, wie z.B. Huatajata, aber auch durch größte Städte wie Lima oder Santa Cruz zogen; im Zelt, im schönsten Hostelzimmer mit Seeblick oder auch einfach nur im sperrigen Nachtbus schliefen, mussten wir schon noch mal ein Stück mehr Verantwortung für einander übernehmen. Es ist nämlich eine Sache ein Jahr weit weg von zu Hause im Ausland zu verbringen, jedoch mit festem Wohnsitz und fester Arbeitsstelle, jedoch noch mal eine völlig andere, eigenständig durch die Gegend zu reisen und sich all das selbst zu organisieren.

Dabei begann die Reise direkt ein wenig umständlich und improvisiert. Am 27.12. ging es für Theresa, die Weihnachten mit mir und meiner Gastfamilie gefeiert hatte, und mich also los. Von Huatajata, einem kleinen Dorf eine Stunde von El Alto entfernt, aus wollten wir am ersten Tag ein paar kleine Inseln besuchen. Da es aber leider um die Mittagszeit bereits keine Boote mehr dorthin gab, beschlossen wir, noch immer frohen Mutes, einfach direkt zur nächsten Station – Copacabana – weiterzuziehen.

Und Daumen raus ..

Und Daumen raus ..

Doch noch angekommen! Yay!

Doch noch angekommen! Yay!

Dies stellte sich aber schwieriger an, als gedacht, da am Straßenrand einfach kein Bus oder Auto anhalten wollte. Nach 2 Stunden Däumchen raushalten wurden wir langsam etwas nervös, denn wir saßen direkt am ersten Tag, nur eine Stunde vom Startort entfernt, fest. Aber wieder zurück fahren und es am nächsten Tag einfach nochmal versuchen kam für Theresa und mich dann auch nicht in Frage, denn das hätte irgendwie so nach Aufgeben geschmeckt. Zum Glück kam ich auf die glorreiche Idee, einfach ein paar Dorfbewohner, in deren Auffahrt ein Auto stand, zu fragen ob sie uns nicht gegen ein paar Bolivianos bis zum nächst größeren Ort fahren könnten. Gleich beim zweiten Anlauf hat das dann auch geklappt und wir kamen doch noch am ersten Tag in Copacabana an.
Jedoch wollte auch die Hostelsuche, auf die wir uns irgendwie gefreut hatten, nicht so recht klappen. Da es das letzte Wochenende des Jahres war, waren einfach ziemlich viele Besucher im Pilgerort am Titicacasee, und eigentlich alles war ausgebucht, was uns aber leider nie in den Sinn gekommen war. Durch das Mitleid eines Hotelmitarbeiters wurden wir dann doch noch an eine Nachbarin weitergereicht, die uns ein zwar ziemlich teures, aber dennoch echt schönes Zimmer anbieten konnte.
So abgedroschen es auch klingt: aller Anfang war auch für uns schwer, denn komischerweise war es nur der erste Tag, der nicht so ganz nach unseren Plänen laufen wollte. Und da ich euch nicht mit detaillierten Beschreibungen von jedem einzelnen Tag der Reise langweilen will, soll nur so viel gesagt sein, dass eigentlich alles danach fast reibungslos verlief. Ich bin also somit ziemlich stolz auf mich und all meine Wegbegleiter, sowohl darauf, dass wir den ersten, irgendwie verfluchten Tag so gut gemeistert haben, aber eben auch darauf, dass wir 4 Wochen eigentlich immer mit Dach oder Zelt über dem Kopf verbracht haben, nicht einmal ausgeraubt wurden und auch sonst keine großen Katastrophen bewältigen mussten. Ich habe mein Debut im Backpacker-Dasein also ganz gut überstanden
J

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Blick auf Machu Picchu - vorerst 😀

Jetzt schon ein bisschen verblasster ;)

Jetzt schon ein bisschen verblasster 😉

So kamen wir also an die schönsten Flecken dieser Ecke der Welt. Sowohl die bekannten, wie Machu Picchu und der Salzsee von Bolivien, wurden mitgenommen, als auch kleine, aber feine Örtchen.
Wir sind über Stock und Stein geklettert und gewandert, haben im Sand gesurft , an der Pazifikküste in Lima ins neue Jahr reingefeiert, mit Omis getanzt, uns die Haare abrasiert oder gefärbt (eine Silvester-Wette –
ich habe jetzt orangene Haare!), Salzkristalle aus Löchern gehackt, Meerschweinchen probiert, sind nachts durch den Urwald gestapft und haben einfach nur gestaunt über alles, was wir erleben durften.

Am Pool laesst´s sich gut reflekltieren.

Am Pool laesst´s sich gut reflektieren.

Dabei waren wir teilweise zu zweit unterwegs, zeitweise aber auch wieder zu sechst, die letzte Woche jedoch zu über-zwanzigst, da unsere letzte Station Santa Cruz auch unser Zwischenseminar des Freiwilligendienstes bedeutete. Eine Woche im grünen, tropischen Tiefland Boliviens, in der wir nicht nur schwitzten, sondern auch viel reflektierten und steuerten in der mittlerweile kultigen Steuerungsgruppe, die jeden Abend den nächsten Tag planen durfte.
Wie dem auch sei, nach dieser Woche in ausschließlich kurzen Hosen und in beinah ausschließlich deutscher Sprache, kam mir El Alto plötzlich wieder doppelt so kalt vor wie zuvor, und auch mein Spanisch brauchte 2 Tage, um sich wieder komplett anzufinden. Jetzt haben mich meine Gastfamilie und die Arbeit wieder, und ich meinen kompletten Kleiderschrank, nicht nur die paar Socken und Pullis, die in meiner Kraxe mitdurften. Mitgebracht habe ich im Gegensatz dazu so viel mehr, nämlich einmalige Erfahrungen und ganz viele Fotos, von denen ich euch hier gern noch ein paar zeigen möchte.

Lecki

Lecki

Weihnachten unter Palmen in Arequipa

Weihnachten unter Palmen in Arequipa

Alpacafarm

Alpacafarm

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In der Wüste.

In der Wüste.

Haben wir uns mal gegönnt.

Haben wir uns mal gegönnt.

Die Oase Huacachina.

Die Oase Huacachina.

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Hüa!

Hüa!

Silvester am Meer

Silvester am Meer

Ja, angestoßen wurde mit Bier.

Ja, angestoßen wurde mit Bier.

Suchbild!

Suchbild!

Beim Aufstieg nach Marcahuasi (nahe Lima).

Beim Aufstieg nach Marcahuasi (nahe Lima).

Oben dann.

Oben dann.

Hier mal ein etwas weniger nebliges Machu Picchu.

Hier mal ein etwas weniger nebliges Machu Picchu.

Eine Wander-Tradition.

Eine Wander-Tradition.

Der immer wieder wunderschöne Titicacasee.

Der immer wieder wunderschöne Titicacasee.

Auf der Isla del Sol/Sonneninsel.

Auf der Isla del Sol/Sonneninsel.

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Gefähliche Manöver auf dem Hausberg von Copacabana.

Gefährliche Manöver auf dem Hausberg von Copacabana.

Gemütliches Bootfahren.

Gemütliches Bootfahren.

Mit Sonne im Gesicht auf der Sonneninsel.

Mit Sonne im Gesicht auf der Sonneninsel.

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Kakteeninsel mitten im "See".

Kakteeninsel mitten im See.

Und es geht zum Salar de Uyuni, dem Salzsee.

Und es geht zum Salar de Uyuni, dem Salzsee.

Da kann ja nur Freude aufkommen ..

Da kann ja nur Freude aufkommen ..

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Doppelter Sonnenuntergang.

Doppelter Sonnenuntergang.

Unendlich und gespiegelt.

Unendlich und gespiegelt.

Da kann man schon mal verwechseln, wo oben und wo unten ist.

Da kann man schon mal verwechseln, wo oben und wo unten ist.

Obligatorisches Spiel mit der Perspektive.

Obligatorisches Spiel mit der Perspektive.

Nach dieser unvergesslichen Zeit bin ich nun aber wieder im Arbeitsalltag angekommen, der jedoch schon bald wieder unterbrochen werden soll. Denn mein Papa hat sich angekündigt und so bekomme auch ich endlich ein bisschen langersehnten Besuch aus der Heimat! Nach 2 Wochen mit ihm kommt direkt im Anschluss auch noch Julia, eine meiner liebsten Freundinnen, vorbei und bleibt auch ein Weilchen bei mir.

Folkloretänze auf den Straßen.

Folkloretänze auf den Straßen.

Sonntagnacht bin ich aus Oruro zurückgekommen, wo jedes Jahr der größte Carnavals-Umzug des Landes stattfindet, den ich mir nicht entgehen lassen konnte.

Miauu.

Miauu.

Carnaval ist hier wirklich ein kunterbuntes Fest; man spürt es auf Arbeit, auf den Straßen und auch zu Hause: überall wird man nass gemacht oder bekommt Schaum in die Gusche! Hier besteht Fasching eben weniger aus Sich-Verkleiden, habe ich aber natürlich trotzdem gemacht, sondern eher aus diesen Wasser- und Schaumschlachten. Zum Glück hatten wir dieses Jahr mehr oder weniger gutes Wetter in El Alto, was Kälte, aber immerhin ein bisschen Sonne heißt, denn es ist ja immer noch Regenzeit und selbst bei Regen werden diese Bräuche durchgeführt.

Jeder gegen jeden.

Jeder gegen jeden.

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Selbst zu Hause wird man nicht verschont ..

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Außerdem wird in jedem Haus in dieser Zeit eine „Challa“ durchgeführt, was sowas wie eine Häusersegnung sein könnte, bei der jeder sein Haus bunt schmückt und die Ecken des Hauses mit Alkohol und Bier bekippt, sodass es lange stehen möge und Wohlstand beherbergt.

Es wird also nicht langweilig hier, wobei man fast die Zeit vergessen könnte. Aber nichts da: es ist schon Halbzeit meines Jahres hier in Bolivien! Und wie mein Papa zu mir meinte: ab jetzt vergeht die Zeit schneller. Traurig, aber wohl oder übel wahr.

Ich lasse bald wieder von mir hören, versprochen.

Un abrazo, eure Josi.

 

Ach ja, ich gehe auch arbeiten!

Donnerstag, 04. Dezember 2014 von Josi

Mir ist aufgefallen, dass ich noch reichlich wenig über meine Arbeit erzählt habe, wegen der ich ja eigentlich erst die Chance bekommen habe, nach Bolivien zu gehen. Deswegen soll dieser Eintrag genau eben dieser Seite meines Lebens hier gewidmet sein.

Wie ihr aber sicherlich schon wisst, arbeite ich im sozialen Projekt „Wiphala“ für arbeitende Kinder und Jugendliche, das zum einen aus Nachmittagsbetreuung besteht, zum anderen aber auch ein Betreutes Wohnen sein Eigen nennt.
Da die Kinder neben ihrer Arbeit, der sie nur an einigen Nachmittagen oder am Wochenende nachgehen, aber alle auch zur Schule müssen, kommen sie erst zum Mittagessen zu uns ins Projekt. Das bedeutet für uns Erzieher einen eher ruhigen Vormittag, an dem wir vorbereiten, die Tage und Aktivitäten planen oder manchmal auch die Schulen der Kinder besuchen, an denen z.B. verdächtig häufig Feste stattfinden, zu denen wir dann auch eingeladen werden. Meine Arbeitszeit, die um 11 beginnt, würde ich trotzdem als eher gemütlich beschreiben. Dafür bleiben wir dann aber auch alle bis um 7 oder länger, womit es dennoch eine manchmal gut anstrengende 40-Stunden-Woche ist.

Wenn zum Mittagessen dann nach und nach alle Kinder eintrudeln, sind meine 3 Kollegen und ich dann immer abwechselnd mit Essenmarken-Verkaufen dran. Aber das Schöne ist: Wer in der Woche verkaufen muss, darf seine Musik mitbringen und diese für alle laut im Essensaal erklingen lassen. Auch wenn keiner sonst meine Musik kennt, kommt sie dennoch ganz gut an, und stellt mal eine Abwechslung zum sonst immerzu dröhnenden Reggaeton dar. 😉

Wie unheimlich gut die Kinder im Kickern sind!

Wie unheimlich gut die Kinder im Kickern sind!

Boleibol.

Boleibol.

Dann geht es für alle in die Gruppenräume. In der Schulzeit wird sich dann allseits den Hausaufgaben gewidmet, was für mich Hilfe bedeutet, dort, wo ich grade gebraucht werde. Danach gibt’s eigentlich immer kleine Angebote oder Kurse für die Kinder, an denen sie teilnehmen können. Beispielsweise gehen wir in die Bäckerei, basteln was Schönes oder spielen einfach nur UNO, Volleyball oder kickern, denn das geht eigentlich immer.

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Endlich mal wieder deutsch reden ;)

Endlich mal wieder deutsch reden 😉

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Seit einigen Wochen habe auch ich angefangen, etwas Eigenes anzubieten, nämlich einen kleinen Deutsch-Kurs! Solange man sie noch mit kleinen Sprach-Spielchen bei Laune und somit beim Mitmachen halten kann, macht es auch wirklich Spaß, meine „Schüler“ durch die absurden Regeln der deutschen Sprache zu führen.
Im nächsten Jahr kommt dann vielleicht auch noch ein Fotografie-Kurs dazu, denn von meiner Kamera waren direkt am Anfang alle ganz gebannt und wollten auch sofort mal Probieren.

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Manchmal steht dann auch etwas ganz besonderes vor der Tür: zuletzt z.B. Todos Santos, also Allerheiligen, das hier 10x größer gefeiert wird als in Deutschland. Zusammen mit allen Kindern haben wir dafür an drei Tagen gefühlt Tonnen von Brot und Plätzchen gebacken, die dann alle auf einem großen, bunt dekorierten Opfertisch für die Verstorbenen angeordnet wurden.

In der Baeckerei.

In der Baeckerei.

Die fertige mesa.

Die fertige mesa.

Und auch für Weihnachten haben wir „Educadores“ schon allerhand geplant. Angefangen habe ich zum Beispiel mit dem Basteln von stellvertretenden Adventskränzen aus Papier für die Kinder. Meiner schmückt jetzt mein Zimmer, um wenigstens ein wenig Advent in die Bude zu bringen. 🙂

Erst am letzten Wochenende stand dann ein Ausflug für die gesamte Mannschaft auf dem Programm. Es ging nach Huatajata an den Titicacasee. Auch wenn der See nicht weit weg ist, war ein Ausflug dorthin für alle ein großes Erlebnis, da die Kinder ansonsten nicht die Möglichkeit haben, viel zu reisen. Und stolz sind sie ja sowieso alle auf ihren Titicacasee, da er den einzigen Anschluss darstellt, den Bolivien irgendwie an ein bisschen Wasser hat. Nach einer Fahrt über den See und einem Haufen von Spielen ging es noch am selben Tag aber für alle glücklich und erschöpft auch schon wieder zurück nach El Alto.

So, ich hoffe, nun konntet ihr einen kleinen Einblick in meine Arbeitswoche erhalten und habt nicht den Eindruck, dass ich nur durch die Weltgeschichte bummele.
Neben all dem Arbeitsstress muss aber trotzdem die Zeit bleiben, meinen großen Jahresurlaub zu planen: zu Silvester soll es bis nach Lima gehen und von dort aus den ganzen Januar quer durch Peru und Bolivien. Na da kommt doch Vorfreude auf, denn wie schon meine Gastmama und auch meine Chefin zu meinen Plänen sagten: „Eso es la vida!“ Und das wollen wir am anderen Ende der Welt doch auch genießen. 🙂

Un abrazo und bis bald wieder,

Eure Josi

 

Von schönen Orten und einem Geburtstag

Donnerstag, 23. Oktober 2014 von Josi

Nun sind es schon mehr als zwei Monate, die ich hier in Bolivien bin! Was sich so verdammt verrückt anhört, zumindest für mich, verging gleichzeitig aber auch rasend schnell, was mich auf der einen Seite froh stimmt, weil ich so weiß, dass auch die restlichen zehn Monate wahrscheinlich wie im Flug vergehen werden und ich schneller, als ich gucken kann, wieder bei euch bin, auf der anderen Seite aber auch traurig, weil ich mich hier wirklich eingelebt habe und wohl fühle und so eigentlich gar nicht will, dass meine Zeit hier so schnell vergeht.

Tja, denn auch Bolivien zeigt sich von Woche zu Woche von immer schöneren Seiten. Die letzten Wochenenden war ich ziemlich viel unterwegs, wodurch ich auch noch gar nicht die Zeit gefunden habe, alles Erlebte mit euch zu teilen, was ich jetzt aber nachholen will.

Bereits vor einigen Wochen bin ich mit den Jungs aus unserem betreuten Wohnen an einem sonnigen Sonntag nach Achocalla gefahren, einem kleinen Ort am See ein bisschen außerhalb von La Paz. Alles dort ist wirklich klein und beschaulich, allerdings auch wunderbar ruhig, grün und entspannend, was man nach einigen Wochen in der Großstadt einfach immer mal braucht.

)

Endlich mal ein bisschen Wasser 🙂

Booooot

Booooot

Dort haben wir gespielt, sind Boot gefahren und haben einfach nur in der Sonne gefaulenzt, ach ja, und auf eine mir neue Art und Weise Mittag gegessen: was hier als „aptapi“ bezeichnet wird, bedeutet, dass man alle mitgebrachten Speisen schlicht und einfach auf eine Tischdecke auf dem Boden schüttet und sich jeder mit den Händen bedient.
An diesem Tag konnte ich das erste Mal seit meiner Ankunft wieder richtig abschalten, was sonst im Großstadtgetümmel und dem ganzen Visumsstress, in dem ich zu der Zeit steckte, nicht so leicht ist.

Und vor zwei Wochen habe ich endlich auch mal den Titicacasee kennengelernt! Worauf ich mich schon während meiner Vorbereitung die ganze Zeit gefreut habe, denn der See war das erste, was mir damals im Zusammenhang mit La Paz bekannt vorkam. Zusammen mit meiner ganzen Familie ging’s an einem Sonntagmorgen früh um fünf los nach Copacabana, einem kleinen Pilgerort am Titicacasee.

Chicas.

Chicas

Endlich ist mal meine ganze Familie drauf.

Endlich ist mal meine ganze Familie drauf.

Titicaca

Titicaca

Dort haben wir erst einen Gottesdienst besucht, sind dann auf einen kleinen Berg mit unglaublich schöner Aussicht gewandert, haben dort oben Mittag gegessen, und sind dann ein bisschen an den See, der übrigens der weltweit höchstgelegenste seiner Art ist, was dem ganzen einen irgendwie majestätischen Touch gegeben hat. Wenn auch majestätisch und wunderschön, kalt war das Wasser trotzdem 😉

Das Wochenende darauf stand auch schon mein Geburtstag vor der Tür. Um gebührend mit mir zu feiern, kam meine liebe Theresa, eine Mitfreiwillige aus Sucre, vorbei.

Theresi in der Teleferrico

Theresi in der Teleferrico

Josi in der Teleferrico.

Josi in der Teleferrico

Nachdem zunächst erst mal La Paz via Teleferrico, der neuen Seilbahn von El Alto nach La Paz, auf die alle Bolivianer ziemlich stolz sind, unsicher gemacht wurde, kamen am Abend dann ein paar andere Freiwillige, aber auch Kollegen und Freunde aus meinem Projekt vorbei und wir haben zusammen ein paar gute, alte Eierkuchen gemacht. Hat allen super geschmeckt und keiner konnte glauben, dass wir sowas manchmal z.B. als Abendbrot essen, denn süße Hauptspeisen gibt es hier glaube ich nicht.

)

Alles meine 🙂

Damit auch ja keine bolivianische Geburtstagstradition ausgelassen wird, hat meine Familie eine Riesentorte für mich besorgt, auf der sogar mein Name, naja in etwas abgewandelter Form, stand: „Felicidades Yosi!“ Wie verdammt lieb von ihnen. 🙂
Auf dieser musste ich zunächst eine Kerze, die allerdings drei Wünsche bedeutete, auspusten, und danach wurde ich dazu aufgefordert, die Torte zu „kosten“. Was ganz freundlich klingt, endet aber immer damit, dass sich jemand ganz unauffällig hinter einen stellt und einem das gesamte Gesicht in die Torte drückt, was bei mir einen wunderschönen Schoko-Schnurrbart hinterließ.

Legger..

Legger..

SO wird hier also Geburtstag gefeiert! Da kann ich nur froh sein, dass ich nicht noch mit Eiern beworfen wurde, denn davon habe ich hier auch schon gehört. Aber all das gehört halt dazu und macht auch ziemlich Spaß… 😉

Am Tag danach waren hier Präsidentschaftswahlen, wodurch das gesamte Land wie lahmgelegt war, kein Auto fuhr und eigentlich alle zu Hause blieben. Den Tag haben wir ganz entspannt im Freiwilligenhaus von Freunden beim Paella-Kochen verbracht.

Theresa hatte vor, bis Montagabend zu bleiben, wodurch wir noch einen gemeinsamen Tag übrig hatten. Diesen verbrachten wir im Valle de la Luna, also im Tal des Mondes, der nächsten wunderschönen Landschaft, die La Paz und Umgebung zu bieten hat. Mein Geolehrer wäre, glaube ich, begeistert von all den Gesteinsformungen, die allein durch Wind zustande kamen.

Meine erste Reise in die Yungas, die tropischen Täler, habe ich jetzt auch schon hinter mir. Vom 16.-19.10. stand die Jahresfahrt der Studentengruppe aus dem Projekt auf dem Programm, und ich durfte mit. Wir fuhren zunächst mit dem Minibus in ein kleines Dörfchen, von dem aus wir 2 ½ Tage durch die schönsten Landschaften wanderten, die ich je gesehen habe, bis wir in Yanacachi ankamen und dort einen weiteren Tag mit Fußball, Baseball, Kochen, endlich mal wieder Duschen und Flaschendrehen verbrachten.

Schlicht schoen.

Schlicht schoen.

Ueber Stock und ueber Stein.

Über Stock und über Stein.

Zwar war die Wanderung ziemlich hart, weil wir z.B. eine Bergkuppe zu überwinden hatten, jedoch hat sich all das sowas von gelohnt.

Eeeendlich oben..

Eeeendlich oben.

Begonnen haben wir die Wanderung nämlich in noch ziemlich trockenen, kargen Gebieten, von wo aus sich die Landschaft jedoch so ungefähr stündlich verändert hat, und wir am Ende der 2 ½ Tage in tropischen Wäldern landeten, die Wasserfälle und eben tropische Wärme zu bieten hatten.

Grün!

Grün!

Auf der Reise begegnet sind wir unter anderem einigen Lamas und Eseln, aber auch einem Stier, der uns auf einem ziemlich engen Wegstück entgegenkam und einige von uns dazu brachte, mal eben den Berg ein Stück weiter hinauf zu sprinten, und drei Skorpionen, die sich am Lagerfeuer zu uns gesellten. Es war also ein ganz schönes Abenteuer.

Und es wird tropischer.

Und es wird tropischer.

Gleichzeitig weiß ich nun aber auch El Alto mehr zu schätzen, da es hier z.B. keine Mücken gibt, die sich, wie es scheint, am liebsten über unschuldige, weiße Mädchen hermachen, denn ich war leider die am weitesten zerstochenste von allen. Auch hat mich ziemlich beeindruckt, was für freundliche, ausgeglichene, hilfsbereite Menschen die Bolivianer selbst nach drei verschwitzten, ermüdenden Tagen der Wanderung noch sind, denn neben den wunderschönen Landschaften, die wir auf dem „Weg der Inka“ bestaunen durften, war auch das Klima in der Gruppe wirklich toll.

Tja, wie ihr seht, gab es aus den letzten Wochen einiges, von dem es zu berichten lohnt, und ich hoffe natürlich, dass es so weiter geht, denn wie schon gesagt, vergeht die Zeit wirklich wie im Flug, und da möchte ich nichts davon vertrödeln.
Ich hoffe euch allen geht es ebenfalls gut und ihr erlebt auch das ein oder andere Abenteuer des Alltags.

Bis bald y un abrazo,

Eure Josi

 

10 Kuriositäten des Alltags

Freitag, 19. September 2014 von Josi

Heute gibts mal keine Erlebnisse, sondern einfach ein paar Kuriositäten meines Alltags, die mich immer mal wieder zum schmunzeln bringen.

1. Ich habe hier ein paar Problemchen mit meiner Grösse. So hängt z.B. der Spiegel zu Hause zu tief, sodass ich meinen Kopf nicht sehen kann. Oder auch mit den Türen – die sind hier nämlich deutlich niedriger als bei uns, sodass ich mich – gepaart mit einem Hang zur Tollpatschigkeit – gerne mal stosse.

2. Wenn man hier beim z.B. Abendbrot aufgegessen hat, dankt man jedem einzelnen am Tisch. Das hört sich in meinem Fall dann ungefähr so an: „Gracias Mario, gracias Lucy, gracias Luz, gracias Caro, gracias Victor, gracias Claudia.“ – „Provecho!“ „Provecho!“ „Provecho!“ „Provecho!“ „Provecho!“ „Provecho!“
(„Provecho“ ist die Antwort darauf)
Wenn man sich dann aber vorstellt, dass auch all meine Familienmitglieder jedem einzelnen danken, dann klingt das irgendwann schon ganz sch
ön lustig. Mir gefällt dieser Brauch aber wirklich gut. Ich finde es irgendwie eine schöne Tradition, der ganzen Familie dafür zu danken, dass man gemeinsam gegessen hat.

3. Wenn man sich hier abends auf ein oder zwei Bierchen trifft, dann wird häufig der erste Schluck auf die Erde gegossen. Warum? Als eine Art Opfer an die Pachamama, die Mutter Erde, die hier vielerorts angebetet wird.

4. Ich föhne mir hier gerne mal die Füsse, damit sie warm werden oder nehme eine mit heissem Wasser gefüllte Wasserflasche mit in meinen Schlafsack. Funktioniert super!

5. Während man bei uns singt: „Im Osten geht die Sonne auf, im Süden nimmt sie ihren Lauf, im Westen wird sie schlafen gehen, im Norden ist sie nie zu sehen…“, so läuft das Ganze hier anders. Hier wandert die Sonne nämlich von Osten nach Norden nach Westen. Das ist irgendwie logisch, wenn man bedenkt, dass ich mich auf der Südhalbkugel befinde, hat mich aber trotzdem ein bisschen erschreckt, als es mir das erste Mal aufgefallen ist. 😉

6. Sämtliches Klopapier kommt hier in den Mülleimer.

7. Wir sitzen hier oft in Strassenschuhen und dicker Jacke im Wohnzimmer … ein Bild, an das man sich erstmal gewöhnen muss.

8. Es gibt hier ein Gericht namens „Saice“. (Sch**** wird hier übrigens genauso ausgesprochen. 😉 )

9. Die Nachnamen meiner Gastfamilie lauten: Espejo Condori, was übersetzt sowas wie „Spiegel des Condors“ bedeutet.

10. Bolivien ist eines der weniger Länder der Erde, in dem es keine einzige McDonald’s-Filiale gibt. (Burger King und Subway gibt es, beide sind aber schlecht besucht)

So, auch wenn ihr dieses Mal nicht allzu viel von mir erfahren habt, sind diese 10 Punkte doch Dinge, die zu meinem Leben hier gehören.
Und bald gibts auch wieder ein paar handfeste Erlebnisse zu berichten. Es sei nur so viel gesagt: hier ist jetzt Fr
ühlingsanfang, was zum einen bedeutet, dass es endlich ein bisschen wärmer wird, zum anderen aber auch, dass das kräftig gefeiert werden muss. 🙂

Bis bald y un besito,
Eure Josi

 

Und das Leben geht weiter …

Sonntag, 31. August 2014 von Josi

Auch wenn die Umgewöhnung noch so groß ist, bleibt auch hier in Bolivien die Zeit nicht stehen und nach und nach spielt sich der Alltag ein. So langsam beginne ich, mich an alles zu gewöhnen: so kenne ich mittlerweile zum Beispiel so ziemlich alle Namen der Kinder hier!

Essenmarken verkaufen

Essenmarken verkaufen

Sehr dabei geholfen hat mir dabei meine Wochenaufgabe, das allmittägliche Essenmarkenverkaufen. Da die Kinder jeden Tag erst so gegen 1 zum Mittagessen kommen, war ich diese Woche sozusagen gleichzeitig eine Art Empfangsdame und konnte alle ein wenig besser kennenlernen. Die Tatsache, dass die Kinder erst so spät eintrudeln, bereitet mir persönlich sehr gemütliche Arbeitszeiten: so muss ich immer erst 10.30 Uhr in der Fundación erscheinen und kann somit weitestgehend ausschlafen.
Allerdings bedeutet das auch, dass ich immer erst so 19.15 Uhr zu Hause bin, wodurch innerhalb der Woche an Freizeit nicht viel übrig bleibt.
Aber das Arbeiten lenkt einen wenigstens vom Heimweh oder ähnlichen Symptomen ab … nur als es mir letzte Woche das erste Mal nicht so gut ging, hat es sich leider in mein Bewusstsein geschlichen. Aber nunja, das gehört eben auch ein bisschen dazu.

Meine Gastschwester beim Mate kochen.

Meine Gastschwester beim Mate kochen.

An den Wochenenden habe ich hingegen frei. Diese freien Stunden habe ich z.B. dazu genutzt, das erste Mal mit der Hand meine Wäsche zu waschen. Ist mal eine Erfahrung, und bei scheinender Sonne auch gar nicht so kalt, wie sich das Wasser im ersten Moment anfühlt.

Ansonsten werden die Wochenenden hier eher ruhiger verbracht … bei einem schönen Actionfilm oder einem Tässchen Mate de Coca.

Meinen ersten Ausflug ins Nachtleben von La Paz habe ich allerdings auch schon gemacht. Gar nicht so unähnlich wie bei uns in Deutschland, obwohl ich feststellen musste, dass sich mein Tanzstil schon sehr von dem der Bolivianerinnen unterscheidet. So habe ich häufiger zu hören bekommen: „Come on! Sexy!“ 😀

Hände und Füße wärmen ..

Hände und Füße wärmen..

Heute (Samstag) war ich mit meinen ganzen Kollegen im Park Pura Pura grillen. Leider war es dort nicht so gemütlich, weil sich Petrus heute Morgen überlegt hatte, es schneien zu lassen. Dementsprechend kalt war es auch, aber über einem Grillerchen kann man sich ja bekanntlich auch ganz gut wärmen.

)

🙂

Das Highlight der Woche war wohl jedoch der Geburtstag der Fundación Wiphala, der natürlich gebührend gefeiert wurde. Dazu hatte jede Gruppe einen der volkstümlichen Tänze vorbereitet, und natürlich war ich auch am Start.

Tadaa.

Tadaa.

Der Tanz, bei dem ich mitgemacht habe, heißt „Callahuaya“ und wird springend und mit Regenschirmen getanzt. Hat seeehr viel Spaß gemacht. 🙂
Unser kleiner Regentanz hat übrigens direkt Wirkung gezeigt: gleich am nächsten Tag hat’s dann wie gesagt geschneit bzw. geregnet. So im Nachhinein hätten wir uns das besser anders überlegt. 😉

Ich rage ein wenig heraus ;)

Ich rage ein wenig heraus 😉

Mir geht’s wieder gut, euch hoffentlich auch.
Bis bald y un besito.
Eure Josi

 

Bienvenida a Bolivia!

Sonntag, 17. August 2014 von Josi

Das ist wohl der häufigste Satz, den ich in meinen ersten Tagen hier gehört habe: Willkommen in Bolivien!
Zum ersten Mal wohl an der Passkontrolle im Flughafen von El Alto, den wir nach 24 Stunden Flug dann früh um 6 auch endlich erreicht hatten.

 

Dos chicas im Flugzeug...

Dos chicas im Flugzeug...

 

Durch die ganzen Flüge und Zeitumstellungen war mein Zeitgefühl aber sowieso schon ganz durch einander, sodass ich vom Jetlag, glaube ich, nichts merke … Auch wenn die Reise hierher anstrengend war, ging alles gut. Die erste Hürde haben Theresa, eine andere Freiwillige, mit der ich zum Glück zusammen fliegen konnte, und ich also gut gemeistert.

Tja, dann gings auch schon mit meinem Gastbruder Victor in meine Gastfamilie hier. Ursprünglich dachte ich irgendwie, dass ich eben nur diesen einen Gastbruder habe. Was sich als große Überraschung herausgestellt hat, ist aber, dass ich ganze 5 Gastgeschwister habe. Drei davon habe ich bereits kennengelernt. Es ist also eine total neue, aber auch tolle Erfahrung, in einer so großen Familie zu leben, noch dazu da ich die Jüngste hier bin. Außerdem leben hier natürlich meine Gasteltern, die mich total lieb aufgenommen haben, 7 Hunde, ein kleiner Kater, Hühner und 2 Hasen. Tja, da könnt ihr euch bestimmt vorstellen, dass hier ein reges Treiben herrscht und immer jemand da ist, der sich ein bisschen um mich kümmert. Ihr glaubt gar nicht, wie froh ich darüber bin. Denn auch wenn ich nicht alles verstehe, bekommen wir mit vereinten Kräften doch schon die eine oder andere Unterhaltung hin.

Was sagt man dazu?

Was sagt man dazu?

 Als ich hier ankam, wurde ich erst mal von der schönsten Aussicht begrüßt, die man sich hier vorstellen kann: direkt vom Haus aus hat man eine so weite Sicht über ganz La Paz, die ich mich wirklich jedes Mal wieder zum Staunen bringt.

 

Mein Zimmer.

Mein Zimmer.

 

 

 Ich habe hier ein eigenes Zimmer, ganz in blau, in dem ich mich gerade einrichte. Allerdings ist es selbst im Haus ziemlich, ziemlich kalt, sodass wir alle immer einfach mehrere Schichten an Pullovern tragen, selbst nachts. In meinem Schlafsack und drei Decken darüber ist es allerdings wirklich schön warm. Man muss sich also nur anpassen.
Mit dem an-die-Höhe-gewöhnen habe ich anscheinend wirklich Glück. Ich habe nämlich wider Erwarten weder Kopfschmerzen, noch Bauchschmerzen, zumindest jetzt noch nicht. Allerdings gibt’s hier auch Höhentraining inklusive, sodass ich schon bei einer einfachen Treppe ein bisschen japsen muss. Aber wenn ich zurück komme, bin ich dafür natürlich so fit, wie ich es wohl noch nie war. 😉

Noch direkt am ersten Tag gings dann auch schon in meine Arbeitsstelle: die Fundación Wiphala, die zum Glück nur 5min Fußweg entfernt liegt. Dort mache ich in der ersten Zeit einfach bei allem mit, was die Educadores so mit den Kindern vorhaben, zum Beispiel kickern! Na wenn das kein guter Start ist, bei dem man sich ganz unkompliziert kennenlernen kann. Dabei ist es echt unglaublich, wie gut die Kinder darin sind. Den ersten bolivianischen Folklore-Tanz habe ich auch schon gelernt. 🙂

Auf der feria.

Auf der feria.

 

Einkaufen waren wir auch schon, und zwar auf der „fería“, dem wohl unendlichsten Markt, den ich je gesehen habe. Dort bekommt man so ziemlich alles, was wir in Deutschland z.B. im Baumarkt, Supermarkt oder beim Fleischer kaufen würden.

 

 

Ole!

Ole!

 

Das wohl bisher aufregendste war aber meine erste „entrada“ (=Parade), die zu Ehren einer Kirche in La Paz stattfand. Hunderte von Bolivianern, die bunt verkleidet verschiedenste traditionelle Tänze tanzen. Diese entradas solls hier anscheinend so gut wie wöchentlich geben. Mal sehen. 🙂

 

 

La Paz bei Nacht.

La Paz bei Nacht.

So, das waren erst mal meine ersten Eindrücke hier in El Alto. Und es ist so viel auf einmal, dass ich bisher jeden Abend total fertig ins Bett gefallen bin. Wäre es anders, würde aber auch irgendwas nicht stimmen, denke ich. 😉

 

Bis bald y un besito a todos (=ein Küsschen an euch alle),

eure Josi