Südafrika und ich

Freitag, 19. Juni 2015 von Jonas

Mein letzter Eintrag ist mal wieder eine Weile her (sorry), und daher ist es mal wieder Zeit für was ein paar neue Nachrichten.

Einige mögen es in der Zeitung gelesen haben oder es im Fernseher gesehenhaben, andere vielleicht auch nicht, aber im April wurde Südafrika von fremdenfeindlichen Ausschreitungen erschüttert. Da das Projekt ja eine Flüchtlingsschule ist, sind diese Ausschreitungen leider auch nicht einfach so an uns vorbei geflogen. Zu Beginn kamen nur einige Kinder aus Angst nicht zur Schule. Für uns war die zweite Woche der Ausschreitungen am schlimmsten. Irgendwoher haben wir erfahren, dass Ausschreitungen auch in den Stadtteilen geplant waren, in denen unsere Kinder wohnen. Da wir an dem Tag Elternsprechtag hatten und es der letzte Schultag des Terms war, konnten wir die Schule auch nicht einfach absagen. Das Sacred Heart College musste daher eine private Sicherheitsfirma anheuern, um die Bushaltestellen, wo wir die Kinder abholen, zu bewachen. Die Eltern durften mit im Bus fahren. Am Ende ist nichts passiert, und es gab keine wirklichen Ausschreitungen in den Vierteln, wahrscheinlich weil dort eigentlich nur Immigranten und Flüchtlinge leben und man sich nicht getraut hat. Erst jetzt wo ich diesen Bericht schreibe, merke ich, wie dramatisch das alles klingt. Auch die Sicherheitsvorkehrungen auf dem Schulgelände wurde verstärkt, und im äußerstem Notfall hätten wir die Sacred Heart College Turnhalle in ein kurzfristiges Camp umwandeln können, aber damit haben wir wirklich nicht gerechnet.

Ich persönlich finde diese Ausschreitungen einfach nur traurig und habe überhaupt kein Verständnis dafür. Ich finde es ehrlich gesagt auch einfach nur dumm. Jeder, der nur halbwegs vernünftig gebildet ist, realisiert, dass die Flüchtlinge eine essentielle Säule der südafrikanischen Wirtschaft bilden, und es ohne sie ganz schnell Berg ab gehen würde. Leider hat das Bildungssystem hier seine Schwächen und nicht alle erhalten das Privileg einer guten Bildung. Ich finde es ist auch sehr traurig für unsere Kinder, denn sie haben es auch schon ohne Xenophobia schwer genug.

Wir hatten dann Osterferien, sodass die Kinder zuhause bleiben konnten, bis sich die Lage wieder beruhigt hatte.

Angefangen hatten die Ausschreitungen, nachdem der Zulu-König (die Zulus sind eine der ethnischen Gruppen in Südafrika) einen fremdenfeindlichen Kommentar in einer öffentlichen Rede gebracht hatte. Immigranten wurden dazu aufgefordert, zurück in ihr Land zu gehen und es aufzubauen, anstatt Jobs im von Südafrikanern mit Blut und Schweiß geschaffenen Land zu stehlen.

Leider wurden während den Ausschreitungen einige Menschen umgebracht und die Politik hat erschreckend wenig Reaktion gezeigt. Auch international, besonders in Afrika, war die Empörung groß und einige der Länder, aus denen die Flüchtlinge stammten, drohten ähnliches mit Süadafrikanern in ihrem Land zu machen. Die Ausschreitungen ebbten dann ab, nach dem der Zulu-König seinen Kommentar revidierte und alle Zulus dazu aufforderte, Fremde zu beschützen.

Im April bekam ich dann auch Besuch von meiner Familie. Die durften dann das Projekt bewundern und wir sind zusammen nochmal nach Kapstadt und in den Krügerpark gefahren.

Während der Osterferien bin ich mit der anderen Freiwilligen, sowie der Tochter der Projektleiterin und einem der Maristen-Brüder nach Durban gefahren, um einige seiner Projekte in KwaZulu-Natal anzusehen. Durban an sich ist eine wunderschöne Stadt und nochmal ganz anders als Kapstadt und Johannesburg. Vor allem das Klima ist anders. Obwohl wir schon im Herbst dort waren, war es extrem warm und schön. Ich glaube nicht, dass ich den Sommer dort lange überleben könnte.

Zunächst haben wir eine Mission nicht allzu weit von Durban besichtigt. Ich muss sagen, selten war ich so beeindruckt. Die Mission finanziert sich komplett selber durch die Herstellung von eigenen Backwaren, Nudeln, Jogurt und Paprika, die an Supermärkte verkauft werden, Avocados und auch sonst eigentlich jedem anderen landwirtschaftlichen Produkt, das man sich vorstellen kann. Aber vor allem hat die Mission ihre eigene Getränke-Marke, die in ganz Südafrika verkauft wird. Auch ich hatte schon oft Getränke von der Marke getrunken, ohne zu wissen, wo sie herkommt. Außerdem baut die Mission ihre eigenen Häuser, hat eine eigene Schule und „Universität“ und wenn man dort lebt und arbeitet, bekommt man den Lebensunterhalt kostenlos. Des weiteren hat die Mission ihr eigenes Radio, welches jeden Tag eine Stunde auf deutsch für die deutschen Einwanderer in KwaZulu-Natal sendet. Und da wir schon da waren, wurden wir für’s Radio interviewet. Würde ich da leben wollen? Nein. Obwohl ich extrem beeindruckt bin, muss ich sagen, dass die Mission sehr konservativ ist und einen so behütetes Leben stelle ich mir auf Dauer langweilig vor.

Anschließend sind wir in den Norden von KwaZulu-Natal gefahren und haben südlich von der Grenze zu Mozambique das Projekt des Bruders angeschaut. Sein Projekt unterstützt Familien in den ländlichen Gebieten mit Essen, Baumaterialien & Hilfe beim Bauen von Häusern und Unterstützung mit Papieren, wie Ausweißen, Geburtsurkunden usw. Wir haben dann einige der Familien besucht und auch den größten See Südafrikas gesehen. Die Familien leben dort leider oft so, wie man es sich im Klischee über Afrika vorstellt. Es war noch einmal ganz anders als in Johannesburg. In einer Stadt hat man Zugang zu einer ausgebauten Infrastruktur, man hat also Wasser, Strom (mehr oder weniger) und einfacheren Zugang zu Schulen, Medizin und dem Arbeitsmarkt.

In unserem Büro ist während den Ferien eine Leitung geplatzt und hat ein schönes Loch in die Decke gerissen. Der Teppichboden ist anscheinend auch hinüber, genauso wie (zum Glück nur) ein Bildschirm. Das Dach wirkte auch nicht mehr endlos stabil, jetzt wird also das Büro renoviert. Wir mussten in der Zwischenzeit in den Büchereicontainer umziehen. Je nachdem, wen man fragt, dauern die Reparaturen eine Woche, drei Wochen, einen Monat oder den Rest des Terms. Fakt ist, dass es bis jetzt noch nicht fertig ist.

Seit Anfang Mai bin ich jetzt wieder der einzige Freiwillige im Projekt, da die andere Freiwillige zurück in Deutschland ist.

Inzwischen habe ich auch angefangen „wieder“ Ipad-Unterricht zugeben. Nach einigen Schwierigkeiten mit den Ipads sind wir endlich in der Lage, die Lernsoftware „Khan Academy“ zu benutzen. Die Software gibt den Kindern Matheaufgaben und analysiert dann, wo das Kind oder auch die ganze Klasse noch Schwierigkeiten hat. Dann gibt es dem Kind Übungen zu diesen Schwierigkeiten. Auch Erklärungen und Videos sind dabei. Am Ende können wir dann sehen, womit ein Kind oder auch die ganze Klasse Schwierigkeiten hat und können darauf einen Fokus legen. Leider habe ich nur 30 Minuten für jede Klasse pro Woche, und es hat erst einmal ein bisschen gedauert, bis die Kinder sich alle einloggen konnten und wussten wie die Aufgaben funktionieren. Die meisten Klassen sind inzwischen in der Lage, die Khan Academy zu benutzen, aber noch nicht alle.

Inzwischen ist es Winter in dem hochliegenden Johannesburg, und der Container ist nicht wirklich isoliert. Zunächst habe ich mich direkt wie in Deutschland gefühlt, aber dann musste ich doch feststellen, dass ich das kalte Wetter dort nicht wirklich vermisse.

Des weiteren habe ich noch mit der anderen Freiwilligen ein Video über das Projekt gedreht, welches wir für Crowdfunding benutzen wollten. Das Video ist fertig und die Crowdfunding-Website ist auch in ihren finalen Schritten und wird bald unter www.youcaring.com/three2six verfügbar sein.

Three2Six – Link zum Video

Hier noch ein paar mehr Bilder (die die ich oben verwendet habe & mehr) inkl. Braamfontein, Pretoria, Besuch einer Kinderkrippe in KZN und Platter Reifen

 

Halbzeit

Dienstag, 24. März 2015 von Jonas

Mal wieder gibt es nur leicht verspätet Neues aus dem Süden Afrikas, inklusive, aber nicht limitiert zu Neuigkeiten aus dem Süden Südafrikas, womit ich Kapstadt meine.

Da es einfach zu viele Bilder waren, habe ich nur wenige in den Text eingefügt. Der Rest befindet sich unten. Außerdem kann ich aus Sicherheitsgründen keine Gesichter der Kinder veröffentlichen, weshalb ich teilweise Bilder bearbeitet habe.

Mehr als die Hälfte meines Jahres ist inzwischen (leider) schon um, aber ich hab die andere Hälfte ja noch vor mir. Wegen des vergangenen Urlaubs könnte der inflationäre Gebrauch von Fotos in diesem Eintrag vorkommen. Denn seit meinem letzten Eintrag war ich im Krüger National Park und in Kapstadt.

Krüger National Park:

Bevor wir in den National Park selber gefahren sind, waren wir zunächst in Graskop und haben, bzw. wollten den Blyde River Canyon angucken. Leider begannen sich gerade an dem Tag, an dem wir kamen, die Wolken auszugießen und ein doch recht dichter Nebel zog auf. Wir haben trotzdem ein paar der Wasserfälle sehen können.
Als wir dann in den Krüger Park gefahren sind, hatten wir das Glück, direkt in der ersten Stunde im Park Löwen zusehen. Das wäre zumindest so gewesen, hätte nicht ein riesiger Auflauf von Autos die Chance, eine gute Sicht zu bekommen versperrt. Und hätten die Löwen sich nicht hinter ein paar Büschen versteckt, hätte es wahrscheinlich auch geholfen. Aber ab und zu konnten wir mal einen Kopf raus ragen sehen. Bevor wir das erste Camp erreicht hatten, haben wir außerdem auch noch Impalas, Elefanten und Büffel gesehen. Insgesamt haben wir fast alle der „Großen Fünf“ (Elefant, Löwe, Nashorn, Büffel und Leopard) gesehen, nur Nashörner konnten wir nirgendswo auffinden. Besonders mit den Leoparden haben wir extrem viel Glück gehabt, da die extrem selten sind. Leider waren die zu weit weg, um ein gutes Bild zu bekommen. Neben den großen 5 haben wir aber auch Impalas, Kudus, Giraffen, Nilpferde, Krokodile, Affen und Baby Elefanten gesehen. Mein persönliches Highlight war, als eine Hyäne einfach neben unserem Auto herlief. Auch sonst waren den Tieren die Autos eigentlich komplett egal, weshalb man manchmal ziemlich nah rankam.

Kapstadt:

Kapstadt ist im Verhältnis zu Johannesburg ziemlich anders. Um einiges „westlicher“, und wie ich fand, Stadt der Hipster. Übernachtet haben wir in so einigen Hostels, immer die, die zu dem Zeitpunkt nicht ausgebucht waren. Das tolle an den Hostels waren aber die Gäste. So viele Leute von so vielen Orten auf der Welt. So kam es auch, dass wir ein eher unorthodoxes Weihnachten mit ein paar Südamerikanern gefeiert haben, die wir noch am selben Tag getroffen hatten. Oder Silvester mit zwei Norwegern. (Tatsächlich kamen wir auf die Idee, nach 12 den Rest der Nacht an einem Strand zu verbringen. Nach kurzen Verhandlungen mit drei Taxifahrern und ein bisschen Stau haben wir es dann auch an den Strand geschafft, nur um zu sehen, dass alle Bars geschlossen hatten. Also sind wir für kleine Königstiger gegangen und mit dem Taxi zurück gefahren. Teuerster Toilettengang meines Lebens.) Sonst haben wir so ziemlich all die klassischen Touristenaktivitäten gemacht und ein bisschen entspannt. Auch ein paar unangenehmere Zwischenfälle mit den örtlichen Obdachlosen und ein Schießerei mit einer Toten neben unserem Hostel ereigneten sich neben einem doch sehr entspannten Urlaub. Tatsächlich war ich an dem Abend am Fernsehen und habe die Schussgeräusche für Teil des Films missinterpretiert. Ein paar wenige Tage hatten wir dann schönerweise keinen Zugriff auf unsere Kreditkarten mehr und mussten mit dem übrigen Bargeld ein wenig sparen. Bis jetzt kann ich nicht die „Deutsche Effizienz“ bei gewissen Deutschen Banken bezeugen.

Arbeit:

Jetzt wo ich endlich die nötige Zeit und Motivation gefunden habe, diesen Blogeintrag zu Ende zu bringen, ist es bereits März, und im Projekt ist so einiges passiert.

Zunächst hatten wir Registrationsphase. Wir haben also eine komplette neue erste Klasse bekommen, und auch in den anderen Klassen wurde ein wenig durchgewechselt. Inzwischen muss ich sagen, dass die neuen Erstklässler zwar super lieb sind, aber auch um einiges anstrengender als die alten.

Anstrengend war auch die Registrationsphase an sich. Oftmals konnten die Eltern nicht oder nur wenig Englisch, und auch Lesen und Schreiben war leider nicht immer gelernt. Doch der anstrengendere Part bestand darin, dass wir falsche Namen und Geburtsdaten bekommen hatte. Manchmal, um sich mit Doppelbewerbungen einen Platz im Projekt zu sichern, manchmal einfach nur, weil die Eltern es nicht besser wussten. Wenn es denn die Eltern waren, und nicht Tante, Oma oder Schwester. Das Problem ist am Ende nur, wenn wir auf den Zeugnissen andere Namen stehen haben, als auf den Geburtsurkunden und andere Schulen diese dann nicht anerkennen.

Alle Klassen wieder aufzufüllen, hat fast einen Monat gebraucht. Nicht weil es nicht genügend Bewerber gab, die Warteliste ist nach wie vor ziemlich voll, sondern weil wir oftmals auf Kinder gewartet haben, die entweder neu angenommen wurden, aber nie kamen oder seit dem letzten Jahr einfach nicht mehr zurück in die Schule gekommen sind. Hinterher haben wir meistens erfahren, dass entweder eine andere Schule gefunden wurde, was uns natürlich sehr freute, oder ein Umzug stattgefunden hat.

Dann ging der normale Schulalltag wieder los, nur das wir uns zum neuen Jahr von einem Lehrer, unserem Sportlehrer, und unserer Nachhilfelehrerin trennen mussten. Einen richtigen neuen Sport- und/oder Nachhilfelehrer haben wir bis heute noch nicht gefunden.

Sonst verlief eigentlich alles ganz normal, am Anfang des Jahres hatten wir Academic Mass zusammen mit den Schülern des Sacred Heart Colleges und erst kürzlich kamen die 3 bis 6 Klasse zu dem Vergnügen, eine Theateraufführung von „Heidi“ zu sehen.

Auch ein paar Zwischenfälle gab es bis jetzt. Ein Kind ist an einem Abend einfach „verloren“ gegangen. Eine der Erstklässlerinnen ist nämlich einfach mit ihrer Freundin nach Hause gegangen, ohne dass es jemand wusste. Die Eltern besagter Freundin haben natürlich auch nicht Bescheid gegeben. Der Vater des Kindes war aber auch nicht an der Bushaltestelle, um das Kind abzuholen, so kam erst um zehn Uhr abends heraus, dass ein Kind fehlte. Der Vater ging dann zur Polizei und schwärzte das Projekt ein bisschen an. Am nächsten Morgen haben wir dann das Kind gefunden und alles wieder in Ordnung gebracht.
Sonst hatten wir noch einen Jungen, der angefahren wurde. Die Polizei hatte ihn wohl in eines der Krankenhäuser gefahren, doch in welches wusste man auf der Polizeistation nicht. Also haben wir ein paar Krankenhäuser besucht, bis wir den Jungen dann gefunden hatten. Am Ende war es zum Glück nur halb so wild und der Junge konnte am nächsten Tag wieder zur Schule kommen. Bei Ansicht eines der Krankenhäuser muss ich sagen, dass ich echt froh bin, Krankenhausbesuche bis jetzt erfolgreich vermieden zu haben.

Sonst haben die andere Freiwillige und ich im Projekt auch noch unser eigenes kleines Projekt gestartet. Es ist nämlich leider um die finanzielle Zukunft des Projektes momentan leider nicht so rosig bestellt. Daher versuchen wir durch „Crowdfunding“ etwas Spenden zu sammeln. (Crowdfunding ist eine auf dem Internet basierende Art Spenden zu sammeln. Man stellt auf einer Crowdfunding Plattform sein Projekt vor, setzt sich ein Ziel, wie viel man sammeln muss und versucht das Projekt möglichst bekannt zu machen. Die Idee ist, dass dann viele Menschen wenig Geld spenden, und man so viel zusammen bekommt.) Dafür drehen wir momentan ein Video. Das macht ziemlich Spaß, ist aber auch mehr Arbeit als erwartet.
Sonst sind wir im Projekt generell doch immer sehr beschäftigt, es vergeht kaum ein Tag, an dem eine gewisse Hektik ganz zuhause geblieben wäre.
Alles in allem kann ich aber nur sagen, dass es mir super viel Spaß macht und mir bei den Gedanken, wieder zurückzugehen, doch etwas mulmig wird. Leider kommt der jetzt doch öfters hoch, da ich mich so langsam um einen Studienplatz kümmern muss.

Es wäre kein vollwertiger Blogeintrag, wenn ich nicht zumindest eine kriminelle Geschichte dabei wäre. Vor ein paar Wochen wurden wir nämlich fast im Auto ausgeraubt. Eines Abends, es war schon dunkel, standen wir an einer Ampel in einen der nicht so sicheren Teile Johannesburgs. Klug wie wir sind, hatten wir natürlich das Fenster einen Spalt offen und das Handy in der Hand. Also kam ein Typ angerannt, steckte seine Hand durchs Fenster und sagte „Give the phone or I shoot you“ (ohne wirklich eine Waffe zu haben). Doch bekommen hat er das Handy nicht, und seine Kumpanen, die versuchten Türen und Kofferraum zu öffnen, waren eben sowenig erfolgreich, da alles verriegelt war. Also haben die sich auf ihren Weg gemacht und wir auf unseren, und die Sache war erledigt.

Zwischendrin war auch Zwischenseminar in Hermanus. Das Seminar an sich war ganz okay, besonders die Leute und der Ort waren ziemlich nett. Leider war ich aber auf dem Seminar ein bisschen krank und konnte es deshalb nicht wirklich in vollen Zügen genießen. Aber das Essen war gut.

Zuletzt muss ich mich dann doch noch mal für die arge Verspätung entschuldigen. Man könnte fast sagen, ich habe mich zu sehr an die südafrikanische Pünktlichkeit angepasst (die eigentlich gar nicht so Schlimm ist. Obwohl, manchmal schon.), aber am Ende war es eher ein Mix aus schlechtem bis keinem Internet, einem kaputtem Laptop und wenig Zeit und Motivation. Aber ab jetzt wieder pünktlich.

 

Neues aus Joburg

Montag, 15. Dezember 2014 von Jonas

Inzwischen habe ich die Vier-Monats-Marke geknackt und seit meinem letzten Eintrag ist der ein oder andere Tag vergangen. Es ist auch das ein oder andere passiert, aber wegen einem exzessiven Prokrastinations-Verhalten wurde nichts niedergeschrieben. Daher sehe ich das jetzt mehr oder weniger als Gedächtnisübung und gucke mal, was ich alles zusammentragen kann.

Anfang November hatten wir eine Übergabezeremonie für den gespendeten Bücherei-Container. Da der Container von der südafrikanischen Bank „Standard Bank“ kam, waren auch ein paar hohe Tiere besagter Bank anwesend, einschließlich Mr. Sim Tschabalala, Joint Chief Executive. Wer hätte gedacht, dass man beim Freiwilligendienst die mächtigen Männer trifft. Also wirklich getroffen kann man nicht behaupten, kurz Hände geschüttelt trifft es eher.

Der Weg zur Übergabe war aber doch etwas steinig. Es war nie ganz klar, wer denn genau für den Container zuständig ist: Wir (das Projekt), das Sacred Heart College oder die Frau, die im Projekt die Bücherei organisiert hat. Und dann wollten die Leute von Standard Bank auch noch mitmischen. Die ersten Probleme begannen damit, dass die falschen Stühle geliefert wurden und die Regale für eine Bücherei eher suboptimal angefertigt waren. Aber einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul, außerdem haben wir die richtigen Stühle letztendlich bekommen und die Regale werden bestimmt auch bald noch korrigiert (hoffentlich). Das schwerwiegendere Problem bestand darin, wie der Container aufgebaut worden war. Man hatte ihn nämlich auf jeweils einen Betonblock in der Ecke gestellt. Wenn es also regnet, wäre die Erde unter besagten Blöcken weggespült worden. Dann wurde Beton so drum gepackt, dass der Boden unter den Blöcken immer noch weggespült werden konnte. Außerdem fehlte Elektrizität im Container. Nach einigen hitzigen Treffen mit der Schulleitung des Sacred Heart Colleges wurden dann alle Probleme gelöst, genau zwei Tage vor der Übergabe. Aber dafür sieht es jetzt doch ziemlich gut aus.

Am Tag der Übergabe regnete es natürlich, aber sonst lief alles sehr gut. Die Kinder haben gesungen und Bücherei-Zitate vorgelesen und jeder, der wichtig genug war, hat eine Rede gehalten. Anschließend wurde das Band durchgeschnitten, der Container bewundert und es gab Essen für die Gäste.

Zwischendurch haben wir noch Verstärkung aus Deutschland bekommen, jetzt haben wir noch eine andere Freiwillige für ein halbes Jahr im Projekt.

An Halloween war ich dann mit den Leuten vom Underwater Hockey in einer Pizzeria/Bar, und eigentlich waren Kostüme angesagt worden. Da wir gerade vom Training kamen sind wir einfach in Badehose mit Handtuch und Maske gegangen. Aber irgendwie waren wir die Einzigen mit „Kostümen“ und man hat uns doch den ein oder anderen komischen Blick oder Kommentar gegeben, da wir halb nackt am Pizza essen waren.

Auch hätte ich beinahe den deutschen Außenminister Frank-Walter Steinmeier getroffen. Dieser war nämlich in Südafrika und hat sich mit dem Studienrat der Wits Universität über Bildung unterhalten. Ein Freund von mir, der rein zufällig in diesem Rat sitzt, wollte mich eigentlich mitnehmen, musste dann aber feststellen, dass ich nicht zuhause war und auch mein Handy aus war. Weitere Pläne für diesen Freiwilligendienst: Obama treffen und an einer UN-Konferenz teilnehmen.

Als sich dann das Schuljahr langsam seinem Ende neigte (hier fängt man im Januar an und hört im Dezember auf) mussten wir uns auf die Zeugnisverleihung vorbereiten. Dazu gehörten nicht nur die finalen Prüfungen sondern auch ein kleines Weihnachtsgeschenk für jedes Kind. Also fingen wir an, in großen Warenhäusern Süßigkeiten und für die 6. Klasse auch Bücher zu kaufen. Den Rest haben wir dann aus den Camp-Spenden zusammengestellt. Am Ende gab es Süßigkeiten, Stifte, T-Shirts, eine Tasche, Schlüsselanhänger und Fußbälle. Alles für 150 Kinder einzupacken ist gar nicht so leicht wie es klingt und hat auch eine ganze Weile gedauert.

In der Woche vor der Zeugnisübergabe am 29.11 war dann Hektik pur im Büro angesagt. Die Zeugnisse mussten fertig sein und alles musste organisiert und vorbereitet werden. Dieses Jahr haben die Lehrer zum ersten Mal die Zeugnisse selber geschrieben und nicht das Büro – wie in den Jahren zuvor. Daher bin ich kurzfristig zum IT-Berater der Lehrer geworden, wobei ich meistens auch nur probiert habe, bis es geklappt hat. Leider waren die Zeugnisse am Ende doch nicht zu 100% so, wie sie seien sollten, bzw. gar nicht da. Ich und die andere Freiwillige durften also alle Zeugnisse durchgehen und korrigieren. An einem Tag war ich bis 8 Uhr abends noch im Projekt, nur um fertig zu werden, doch das half alles nichts, denn die Zeugnisse einer Klasse bekamen wir erst am 29.11, dem Tag der Zeugnisübergabe. Und selbst dafür musste noch ein Fahrer beim Haus des Lehrers vorbeifahren, um die Zeugnisse einzusammeln. Leider waren die in einem so chaotischen Zustand, dass die besagte Klasse ohne Zeugnisse entlassen werden musste. Am Ende stellte sich herraus, dass die Noten auf den Zeugnissen falsch waren. Nur gut, dass wir nicht versuchten haben, alles schnell zu korrigieren, um noch am 29. November fertig zu werden. Zwischendurch haben wir noch eine Menge „Toms Schuhe“ gespendet bekommen, die wir dann an die Kinder verteilen durften. Ich setzte das Ganze mit einer Ausbildung zum professionellen Schuhverkäufer gleich.

Die Zeugnisvergabe begann mit einem kleinen Weihnachtsgottesdienst, anschließend gab es für die Kinder was zu essen und dann ging die Verleihung im klassischen Sinne los. Erst wurden Auszeichnungen für die beste Leistung in den verschiedenen Fächern, aber auch für andere Sachen verliehen. Ich durfte die Auszeichnung für die artigsten Kinder verliehen. Und zu guter Letzt gab es dann noch ein paar Reden und die Geschenke. In den Geschenktüten waren auch die Zeugnisse enthalten, ob sich da alle Kinder so drüber gefreut haben, bleibt offen. Leider mussten wir uns dann auch von der 6. Klasse verabschieden, da das Projekt nur eine Grundschule ist. Aber auch einige Kinder aus der 4. und 5. Klasse, die besonders gut waren, werden nächstes Jahr auf eine andere Schule gehen. Das ist schon ein wenig traurig, aber dafür bekommen wir nächstes Jahr 25 neue Schüler, die die 1. Klasse des Three2Six Projekts besuchen werden.

Am Freitag vor der Verleihung sind wir dann nochmal mit der 5. und 6. Klasse ins Theater gegangen, organisiert worden war das von dem selben Verein, der auch das Camp im August veranstaltet hatte (Just Footprints). Angeschaut wurde eine exzellente Aufführung von Peter Pan, in die moderne Lieder eingeflochten worden waren. Den Kindern hatte es so gut gefallen, dass sie eigentlich gar nicht gehen wollten. In der ersten „Ferien“-Woche haben wir dann neben einigen anderen Aktivitäten vor allem die Zeugnisse der besagten 5. Klasse korrigiert, so dass die Eltern diesen Freitag die Zeugnisse abholen konnten. Letztes Wochenende war dann noch ein Buchstabier-Wettbewerb, an dem einige der Three2Six Kinder teilnehmen konnten. Wir haben es bis zum 4. Platz geschafft, was ziemlich beeindruckend für Kinder ist, die Englisch nur als zweite oder dritte Sprache gelernt haben.

Auch jenseits der Schule gibt es so das eine oder andere zu berichten: Vor einigen Wochen ist ein Turm eines Kohlekraftwerkes in der Nähe von Kapstadt eingestürzt und jetzt kämpft das ganze Land mit Stromausfällen. Daher haben die Stadtviertel abwechselnd für bis zu acht Stunden kein Strom. Irgendwie werden auch ständig Ampeln abgestellt, was den Verkehr nicht gerade sicherer macht.

Dieses Wochenende waren wir dann noch eine Freundin in Soweto besuchen. So gefährlich, wie man es überall zu hören bekommt, ist es gar nicht. Meinem Gefühl nach, ist es in den Vierteln, wo die Three2Six Kinder leben, gefährlicher, und da fahr ich ständig mit dem Auto durch… Es war sehr interessant, mal ein richtiges Township zu sehen. Erst haben wir ein paar Museen besucht, inklusive Nelson Mandelas altes Hauses, sodann hat uns unsere Freundin durch die Nachbarschaft geführt.

In den Ferien, die jetzt richtig anfangen werden, wir den Krüger-Nationalpark und Kapstadt bereisen, aber davon dann mehr in meinem nächsten Eintrag.

Leider kann ich aus Gründen der Sicherheit keine Frontal-Bilder bzw. deutliche Bilder der Kinder posten.

Hier ein paar extra Bilder:

Die Gegend in der viele der Kinder Leben

Random Picture of Joburg.

 

Lach- und Sachgeschichten aus Johannesburg

Montag, 20. Oktober 2014 von Jonas

So lange ist es noch gar nicht her, dass ich zum ersten Mal Fuß auf afrikanischen Boden gesetzt habe, dennoch fühlt es sich so an, als sei ich schon eine ganze Weile hier.

Da ich mir gar nicht so sicher bin, womit ich anfangen soll, versuche ich es einfach mal chronologisch.

Am 24.09 war Heritage Day, ein Nationalfeiertag in Südafrika. Das Sacred Heart College hat diesen mit dem “One Heart Music Festival” gefeiert. Dafür wurde auf einem der Sportplätze eine Bühne und mehrere Essenstände, plus ein Bierzelt aufgebaut. Die meisten Gäste waren Eltern der Kinder, die auf das Sacred Heart College gehen. Gleichzeitig wurde auch Geld für Stipendien gesammelt. Zunächst haben die Schüler diverse Sachen vorgeführt, wie z.b. Gesang und Tanz, aber auch eine Karate Vorführung hat stattgefunden. Anschließend haben einige, in Südafrika nicht ganz unbekannte, Jazz Künstler gespielt, und gegen Abend hatte auch die hier sehr populäre Band “Mi Casa” einen Auftritt. Die Three2Six Kinder waren leider nicht eingeladen, es hätte aber auch nicht genügend Aufsichtskräfte gegeben. Aus dem Ganzen ist eine Menge Spaß und fast zwei Stipendien für das Sacred Heart College hervorgegangen.

Da ich direkt neben der Universität von Johannesburg wohne, hab ich auch schon einen kleinen Einblick in die Musikfakultät bekommen. Die tolle Gerätschaften und Instrumenten der Fakultät machen Lust auf ein Musikstudium. Zumindest bis ich einer Theorievorlesung beigewohnt habe.

Im Projekt geht es auch munter zu, denn die Registrationsphase fürs nächste Jahr hat angefangen. (Hier fängt das Schuljahr nämlich im Januar an.) Es ist nicht immer leicht, den Eltern zu erklären, dass bei ca. 250 Kindern auf der Warteliste für ihr Kind wahrscheinlich kein Platzt im Projekt sein wird. Zumindest nicht in diesem Jahr, denn generell werden die Kinder, die für ihre Klasse fast schon zu alt sind, aufgenommen. Damit wird verhindert, dass sie zu alt für die Klasse sind, in die sie müssen, und damit gar nicht zur Schule gehen können. Man muss aber vorsichtig seien, denn die Eltern versuchen gerne mal den ein oder anderen Trick, wie z.B. falsche Geburtsdaten oder doppelte Bewerbungen mit unterschiedlichen Namen. Aber um die Registrationen kümmert sich vor allem die Projektleiterin der Three2Six Schule, und da sie selbst ein Flüchtling war, kennt sie alle Tricks.

Mein typischer Tag fängt damit an, dass ich etwa um viertel vor Zehn zum Projekt fahre. Inzwischen ist das Fahren hier kein Problem mehr, wobei es manchmal etwas hektisch werden kann, insbesondere wenn man die Straße mit den zahlreichen Minibus-Taxis teilen muss. Die haben nämlich eingebaute Vorfahrt und können mit Warnblinker und Hupe alles legitimieren. Um zehn fängt die Arbeit im Projekt dann an. Zwischen zehn und zwei gehe ich verschiedenen Tätigkeiten nach, dort, wo ich grade gebraucht werde. Z.B. haben wir vor kurzem unser Datensystem digitalisiert. Zwischen zwei und drei Uhr kommen dann die Kinder zur Schule. In der Zeit bin ich also mit den Kindern zusammen, bis der Unterricht losgeht. Dann schließe ich die Klassenräume auf und helfe hier und da wieder aus. Gegen halb sieben geht’s dann wieder nach Hause. Im September musste ich eigentlich jede Woche mit einem Kind zum Arzt fahren, von allergischen Reaktionen bis zu einer Verletzung, die genäht werden musste, gab es so einiges. Mittwochs ist immer Büchereitag, die 4. bis 6. Klasse können dann immer Bücher ausleihen.

Am Donnerstag kam der neue Bücherei-Container, den eine Südafrikanische Bank gespendet hat. Ein LKW hat diesen am Rande eines der Sportfelder des Sacred Heart Colleges abgesetzt. Die Kinder haben den ganzen Prozess mit Gesang begleitet. 12m lang, 2,5m breit und voll ausgestattet mit regalen und allem, was man so braucht. Außer Büchern, denn die werden von der alten Bücherei im Büro am Montag in den Container verlagert. Die werden dort zwar etwas untergehen, aber wenn die Übergabezeremonie mit der Bank stattfindet, wird vielleicht bewusst, wie wenige Bücher wir haben und es werden noch welche gespendet.

Hier zum Video –>      Bücherei


Gegen Abend zogen dann dunkle, fast braune Wolken auf, und ein Sandsturm fegte über Johannesburg her. Richtig schlimm war es nicht, aber trotzdem unangenehm, wenn man grade draußen ist. Sonst ist das Wetter echt angenehm, kurze Hose 24/7. Abgesehen von den Hagelstürmen, die ab und an aus heiterem Himmel über uns her brechen.

Außerdem haben wir von der Organisation, die das Camp im August organisiert hatte, ein Angebot für ein zweites Camp bekommen, bereits finanziert. Das Problem ist leider nur, dass wir von unserer Seite dann wieder um Kleidungsspenden bitten müssen, und da das letzte Camp grade erst war, ist das problematisch. Zusätzlich dazu sollte dieses Camp bereits im Dezember stattfinden, was viel zu wenig Zeit ist.

Da ich in einer Flüchtlingsschule arbeite,  lernt man Kinder aus vielen Ländern Afrikas kennen, was eine beeindruckende Erfahrung ist. Die meisten Kinder kommen zwar aus der Demokratischen Republik Kongo, aber viele sind auch aus Simbabwe und anderen zentralafrikanischen Staaten.

Leider bin ich auch Opfer eines Trickdiebstahles geworden, in dem man mir meine Kreditkarte an einem Geldautomaten geklaut hat. Die Diebe haben dabei auch ein nettes Sümmchen von meinem Konto ergaunert. Irgendwie bin ich auch der erste Freiwillige hier, dem sowas passiert, aber immerhin lerne ich daraus für die Zukunft. Zum Glück hat mir aber die Schule und ein Freund von mir der beim Diebstahl dabei war geholfen, so dass das alles kein großes Problem war. Für meine Bank hab ich dann auch einen Bericht von der Polizei gebraucht. Die konnten mir aber leider nicht helfen, da mir ein Dokument von der Bank fehlte. Es tat ihnen aber so leid, dass sie mir nicht helfen konnten, dass sie mir drei Blocks von der Polizeistation entfernt ein kleines „Geschenk“ mitgegeben haben. Einen Strafzettel, da ich in einer Busspur gefahren bin. Zu meiner Verteidigung muss ich aber sagen, dass es die einzige Spur war, drei Autos vor mir da auch lang gefahren sind (die aber auch alle von der Polizei angehalten wurden).

Dienstags ist auf dem Parkplatz des Studentenwohnheims, in dem ich wohne, immer eine Suppenküche für Obdachlose, bei der ich mithelfe. Ich bin zwar immer etwas spät, da es anfängt, wenn ich noch im Projekt bin, aber das ist kein Problem. Außerdem mach ich seit einer Woche beim Underwaterhockey der Universität mit. Eine sehr komische Sportart, bei der man, wie der Name es bereits suggeriert, Hockey spielt. Nur halt unterm Wasser. Das ist am Anfang ziemlich schwer, weil man viele Sachen auf einmal koordinieren muss. Ich vergesse z.B. irgendwie immer Luft zu holen bevor ich tauche, aber das wird wohl schnell besser. Inzwischen hat sich auch mein Koch-Repertoire erweitert und ich bin von meiner Nudeln-mit-Soße-Diät losgekommen. Freitag hatten wir ein formales Abendessen mit allen Leuten aus dem Studentenwohnheim in einem Haus der Jesuiten mit beeindruckendem Ausblick. Ich hab meinen Anzug zwar in Deutschland gelassen, aber mit einem weißen Hemd ging es grade noch so.

Gestern (Samstag) hatten wir abends dann Stromausfall bis heute Morgen. Also wollten wir irgendwo etwas zu essen holen, das Problem war nur, dass das Wohnheim abgezäunt ist und das Tor elektronisch funktioniert. Daher haben wir getan, was jeder vernünftige Mensch in unserer Stelle auch getan hätte, wir sind über den Zaun geklettert. Als wir es dann über die Stacheln des Zauns geschafft haben, mussten wir leider feststellen, dass alle Läden wegen des Stromausfalls zu hatten. Also sind wir wieder zurückgeklettert, mein Knie trägt noch einen kleinen Beweis davon, und haben bei mir in der Wohnung bei Kerzenlicht auf einem Gasherd indisches Essen gekocht. Hatte auf jeden Fall mehr Atmosphäre als KFC.

Grade eben ist  der Feueralarm losgegangen weil jemand was in der Küche verbrannt hat. Jetzt riecht es nach verbranntem Essen im Haus. Da bekomm ich gleich Hunger.

Und da jeder Bilder mag:

 

Neues aus dem Land des Rooibos Tees

Sonntag, 14. September 2014 von Jonas

Jetzt ist mein erster Monat hier in Südafrika rum, und seit meinem letzten Eintrag ist so einiges passiert.
Vom 29.08 bis zum 01.09 waren die 5 & 6 Klasse auf Klassenfahrt im Kwalata Game Reserve. Aber das musste erst mal vorbereitet werden. Deshalb haben wir an mehreren Tagen Kleidung sortiert und jeweils den Kindern, die nicht genug hatten, zugewiesen. Plötzlich stellte sich aber heraus, dass die Busse des Sacred Heart College inklusive Fahrer für das Wochenende nicht verfügbar waren. Nach so einigen Gesprächen mussten also Busse gemietet werden. Als es dann endlich soweit war, rollten die Busse los. Ohne mich. Denn die Fahrer sind einfach losgefahren, ohne dass wir überhaupt alle durchgezählt hatten, denn wir waren noch damit beschäftig heraus zu finden wo eines der Kinder war, dass nicht erschienen ist. Also mussten die Busse angehalten werden und ich wurde mit dem Auto hinterhergefahren, um zu zusteigen.


Sonst war das Camp an sich aber ein voller Erfolg. Die Leute von der „Just Footprints Foundation“, eine NPO, die Camps für Kinder in besonderen Situationen veranstaltet und auch dieses Camp veranstaltet hat, hatten echt Ahnung von dem, was sie tun. Das Thema war „Olympics“, daher wurden die Kinder in Teams eingeteilt und ein Wettkampf mit vielen sportlichen Aktivitäten veranstaltet. Beaufsichtigt wurden die Teams von einigen Schülern der High School des Sacred Heart College, aber auch von anderen High Schools. Das mir anvertraute Team hatte den famosen Namen „Team Ching“. „Rise and shine“, also Aufstehen, war leider schon um sechs Uhr morgens. Licht aus um 22 Uhr. Theoretisch…, denn die Freiwilligen vom Sacred Heart College und ich haben uns immer noch zu einer Runde am Lagerfeuer getroffen, und wenn wir nicht in den Bungalows bei den Kindern waren, war da auch niemand am Schlafen. Anscheinen haben die Jungs einen kleinen Wrestling Wettkampf veranstaltet, immer wenn ich rein kam um nach zugucken hieß es nur: „Wir schrubben nur den Boden“. Am Samstagmorgen gab es auch einen „Game Drive“, bei dem wir bei gefühlten -5°C Zebras, Strauße und Antilopen bewundern durften.

Am Sonntag waren die Kinder dann doch sehr müde und es gab hier und dort etwas Drama.  Abends wurde dann in den Teams  Potjie gekocht (das kann man sich ein bisschen so wie Gulasch vorstellen) und die Tische geschmückt, um ein finales Festmahl zu halten.

Letztes Wochenende bin ich umgezogen, von den Brüdern in ein Studentenwohnheim etwa fünfzehn Minuten mit dem Auto vom Projekt entfernt. Hier hab ich auch sofort ein paar nette Leute kennengelernt und Johannesburg bei Nacht gesehen.

Inzwischen kann ich dem Handydiebstahl doch etwas Gutes abgewinnen,  denn mein neues Handy hat eine offline Karte von Südafrika und ein funktionierendes GPS. Denn als ich das erste Mal vom Wohnheim zum Projekt gefahren bin, habe ich natürlich die falsche Ausfahrt genommen. Zuerst dachte ich mir, ich find den Weg schon alleine, aber als ich dann irgendwo durch Johannesburg gefahren bin ohne zu wissen, wo ich bin, war das GPS doch eine willkommene  Funktion.

Leider wurde in der Schule eingebrochen, vermutlich durch einen Insider, denn den Kameras wurde geschickt ausgewichen. Zum Glück ist das Three2Six Projekt vom Einbruch nicht direkt betroffen, aber da noch niemand geschnappt wurde, könnte es wieder passieren.

Am Dienstag diese Woche ging die reguläre Schule wieder los. Da die Lehrerin der 1. Klasse krank war, durfte ich übernehmen. Das war zunächst auch ganz lustig und lief sehr gut, aber nach einer Weile hatten sich die Kleinen an mich gewöhnt und versuchten ihre Grenzen auszutesten.

Am Mittwoch war ich dann in der Three2Six Bibliothek beschäftigt, die bald in einen großen Container verlegt wird, wo viel Platz für neue Bücher ist.

Sonst gab es nicht so viel zu tun, aber bald beginnt die Registration fürs nächste Jahr und das ist immer etwas hektisch, wie ich gehört habe. Am Freitag bin ich mit einem Kind und seiner Mutter zu einem Arzt gefahren, es war aber zum Glück nichts Ernstes. Heute (Samstag) war in der Hauptschule des Sacred Heart College ein großer Sportlichwettkampf, in dem die verschiedenen Häuser der Schule (etwa so wie bei Harry Potter) gegeneinander antreten. Obwohl es heute sehr warm war, hat es sehr viel Spaß gemacht.

 

Meine erste Woche in Südafrika

Sonntag, 17. August 2014 von Jonas

Meine erste Woche hier in Südafrika ging echt fix rum.

Erst am Samstag habe ich mein Visum in den Händen gehalten, schon am Sonntagabend war ich in Johannesburg. Leider hatte es mein Gepäck nicht ganz so weit geschafft wie ich, das war nämlich noch in Amsterdam, wo ich umsteigen musste. Doch das wurde dann am Dienstag nachgeliefert, wenn auch nicht  – wie versprochen – morgens, aber ich war dann doch ganz glücklich als es hier abgeliefert wurde. Hier, das ist bei den Maristenbrüdern, die auf dem Gelände des Sacred Heart Colleges wohnen. Hier werde ich erst mal für die nächste Zeit wohnen. Die Brüder sind sehr nett und haben immer einen schnellen Witz auf der Zunge. Auch das Essen ist sehr lecker, ungewohnt ist nur die Formel nach der hier Gewürzt wird: (Frei interpretiert) Man würze bis es sehr lecker schmeckt, dann gebe man einen ordentlichen Haufen Pfefferkörner hinzu. Lustig sind auch die schwarzgefiederten Kameraden, die gerne ihre lauten Sitzungen im Garten oder auf dem Dach abhalten (Bild von Wikipedia):

Laut aber Lustig

Laut aber Lustig

Am Montag wurde ich durch die Schule geführt und habe das Projekt  und die Projektleiterin kennen gelernt. Bei dem Three2Six Projekt handelt es sich um eine Schule für Flüchtlingskinder in Südafrika, die nicht die Möglichkeit haben (z.B. wegen fehlenden Papieren) in eine normale Schule zugehen.  Obwohl hier gerade Ferien sind, hat die Arbeit nicht lange auf sich warten lassen. Denn Ende des Monats wird die fünfte und sechste Klasse des Three2Six Projekts in ein Camp nach Pretoria fahren. Dafür müssen die Kinder entsprechend ausgerüstet sein, deshalb hieß es haufenweise Kartons mit Sachen für die Kinder hin und her schleppen. Am Donnerstag habe ich dann auch die Kinder der beiden Klassen getroffen und dabei geholfen nachzugucken, was sie alles schon fürs Camp haben und was sie noch brauchen. Am Freitag haben wir eine Art Inventur durchgeführt und versucht, die Sachen, die den Kindern fehlen, zu sammeln und zu verteilen. Auch etwas Büroarbeit war dabei, denn die Noten der Kinder mussten in den Computer eingetragen werden. Es hat mir aber bisher auf jeden Fall sehr viel Spaß gemacht.

Am Samstag war ich mit einem der Brüder auf dem Markt. Was hier sehr anders ist als in Deutschland, ist dass man sehr viele Menschen auf der Straße grüßt, auch wenn man sie nicht kennt. Das hat auch dazu geführt, dass wir uns kurz mit einer Gruppe Jugendlicher unterhalten haben, die mir anscheinend mein Handy aus der Tasche gezogen haben. Da war ich wohl nicht vorsichtig genug. Aber sonst sind hier alle sehr höflich. Deshalb gibt’s leider auch noch keine Bilder, die waren alle auf meinem Handy.

Heute (Sonntag) bin ich auch das erste Mal Auto gefahren. Auf der falschen Seite, oder wie man mich so gerne berichtigt hat „On the proper side of the road“. Auf der linken Seite zu fahren ist gar nicht so schwer gewesen wie erst angenommen. Nur das hüglige Johannesburg war für jemanden, der aus dem flachen Münsterland kommt, eine größere Schwierigkeit als gedacht, zum Ärgernis der anderen Autofahrer.