Endspurt-Vorsätze

Freitag, 04. Juli 2014 von Susanne Zander

Fünf Wochen habe ich noch. Seit meine letzten drei Monate angebrochen sind, reiße ich jeden Tag einen Zentimeter von einem Metermaßband ab. Diesmal ist mir der Abschied viel präsenter, als vor einem Jahr in Deutschland. Da hab ich nur daran gedacht, dass man sich nach zwölf Monaten wiedersieht und hatte durch die ganze freie Zeit nach dem Abi gar keinen richtigen Alltag. Hier sieht das anders aus: Ich weiß nicht, wann ich meine Freunde, meine Gastfamilie, Kollegen und besonders die Kinder wiedersehe. Auch bin ich so in dem Alltag drin, dass es bestimmt ganz komisch wird, plötzlich damit aufzuhören.

Heute hatte ich auch zum letzten Mal meinen Deutschkurs, den ich jetzt auch schon über ein halbes Jahr mit der anderen Freiwilligen Franzi mache und jetzt ist das plötzlich vorbei.

Nächste Woche ist eine Woche Ferien – und ich hab gar keine Lust drauf! Ich würde viel lieber noch mit den Kindern spielen und was machen, als rumreisen.

Der ganz normale Piñata -Wahnsinn

Der ganz normale Piñata-Wahnsinn

Im Moment planen wir eine kleine Schönheits-OP für das Zentrum. Die Sektionen werden durch einfache Holzwände geteilt, die mir schon immer ein Dorn im Auge waren und endlich haben wir einen Malwettbewerb gestarten und werden nach den Ferien die besten Kunstwerke auf die Wände kritzeln. Darauf freue ich mich schon richtig!

Na ja, auf jeden Fall hab ich mir vorgenommen, meine letzten Wochen zu nutzen, um mich nochmal etwas um meinen Blog zu kümmern.

Ein Thema, das mich im Moment beschäftig, ist das Bildungssystem in Nicaragua. Im Zentrum helfen wir ja hauptsächlich den Kindern bei den Hausaufgaben und dabei bin ich manchmal schon fast verzweifelt. Nicht, weil die Aufgaben schwierig wären, nein, sondern einfach SINNLOS.

Eine ganz beliebte Art von Hausaufgaben sind zum Beispiel „Alben“. Die Kinder sollen dabei – je nach Fach- ein Heft mit verschiedenen abgeschriebenen Texten oder gemalten Bildern erstellen. Schön und gut, wenn die vorgegebene Menge an Texten/Bildern nicht so riesig wäre.

Beispiel 7. Klasse, Kunst und Musik: „Erstelle ein Album mit je fünf Songtexten von sechs Musikgenres.“

5. Klasse, Spanisch: „Album mit drei Fabeln, zwei Legenden, vier Märchen.“

oder, das Beste: 9. Klasse: „Male alle Früchte und Gemüsesorten Nicaraguas und schreibe zu jedem einen kurzen Text auf Englisch.“ (Dabei ist diese Aufgabe nicht aus dem Englischunterricht und das Mädchen kann kein Wort Englisch.)

Im Vordergrund steht noch nicht mal das Lernen, denn die Kinder schreiben ohne zu lesen ab und merken sich nichts von dem, was sie gerade kopieren. Eh ist „abschreiben“ eine Hausaufgabe, die sich durch alle Jahrgänge zieht. Schon die Erstklässler müssen Texte abschreiben, ohne lesen zu können, nur um ihre Schrift zu verbessern.

Manchmal bin ich echt genervt bei solchen Hausaufgaben, die den Kindern auch nicht beibringen selbständig zu arbeiten. Klar, dass man wenn man nur abschreibt, keine eigenen Sätze bilden kann. Deswegen wollen die Kinder auch, dass man ihnen alles diktiert, selbst wenn es um ihre Meinung geht.

Dabei finde ich schade, dass wir im Zentrum so wenig dagegen machen können, sondern nur das fehlende Wissen der Kinder durch Nachhilfe aufarbeiten. Denn wenn die Kinder ihre Hausaufgaben nicht haben, schicken ihre Eltern sie nicht zu uns. Wichtig ist anscheinend nur, was nachher auf dem Zeugnis steht, als das, was das Kind wirklich kann.

Sonst würde es ja wohl kaum Fälle wie Manuel geben. Manuel ist in der vierten Klasse und hat das Wissen eines gerade eingeschulten Erstklässlers. Er kann nur die Vokale, m und p lesen und kennt die Zahlen bis 10.

Er geht auf eine öffentliche Schule und ist mit 35 anderen Kindern in einer Klasse; die Lehrerin hat keine Zeit sich zu kümmern, bzw. möchte es nicht. Denn wenn ein Kind in der Gefahr ist, sitzen zu bleiben, muss die Lehrerin mit diesem die Ferien über arbeiten. Die Regel kommt aus der Bildungspolitik, die besagt, dass kein Kind der 1.-4. Klasse sitzen bleiben darf.

Umso wichtiger also das Zentrum, das den hilfsbedürftigen Kindern die Möglichkeit gibt, den Unterrichtsstoff zu wiederholen und nochmal alles zu erklären.

Saludos desde Juigalpa, Chontales!

PS: In Nicaragua hat mit etwas Verspätung die Regenzeit angefangen (hier sagen die Nicas dazu „Winter“). Kälter wird es nicht, meistens sogar richtig unangenehm schwül, bevor es regnet. Dafür verbrenne ich mir jetzt nicht mehr die Füße beim Fußball spielen … es gibt nichts besseres, als barfuß bolzend den Regen zu genießen!

 

Action, Action, Action!

Donnerstag, 01. Mai 2014 von Susanne Zander

Vor Ostern:

Nach meinem Seminar und vor den Osterferien ist viel im Centro passiert:

Wir haben endlich eine neue Kollegin und ich muss jetzt wohl oder übel meine Gruppe (nachdem ich die 15 Rabauken zum Ende mal gezähmt habe) abgeben. Dafür kann ich aber jetzt dem eigentlichen Plan nachgehen, in jeder Gruppe mitzuhelfen.

Neben dem Centro ist die Caritas auch der Träger einer Finca, in der bis vor einem Monat noch Jungen aus schwierigen Familien und gefährdetem Umfeld gewohnt haben. Leider wurde dieses Projekt jetzt wegen einem neuen Gesetz der nicaraguanischen Regierung geschlossen. Damit die Gebäude und die Beziehung zur Caritas aber genutzt werden, fahren wir jeden Mittwoch mit zwei Gruppen zu der Finca. Dort können die Kinder ihre Hausaufgaben machen, spielen, die Natur kennenlernen und mal raus aus der lauten Stadt kommen.

Hier ein paar Fotos:

Am letzten Freitag vor den Osterferien gab es eine kleine Feier, um kleine Spenden für das Centro und den neuen Schreibwarenladen zu sammeln. Ich habe die Kinder mit geschminkt und mein selbsgebasteltes Riesen-Twister eingeführt 😀

In den Osterferien ging es mit vier anderen deutschen Freiwilligen an die karibische Küste – an die Pearl Lagoon. Die Woche war super, auch wenn die fünfstündige Fahrt durch Ölpalmenwälder alles anderes als angenehm war und unsere Tourguides nicht die besten waren. Wir haben die Pearl Keys besucht, eine Inselgruppe mit weißen Stränden und klarem türkisen Wasser; einen Tag sind wir per Boot zu drei anderen Dörfern an der Lagune gefahren, in denen die indigen Ureinwohner Miskitos und die ursprünglich von afrikanischen Sklaven abstammende Völkergruppe Garifuna leben. Die Leute waren total freundlich und haben uns die Gegend gezeigt und von ihrem Leben erzählt. In Pearl Lagoon hab ich auch endlich gelernt „Pan de Coco“ (Kokosnussbrot) zu backen. Unsere Stammbäkerei mit dem Riesen Byron hat uns Schritt für Schritt in die hohe Kunst eingeführt.

Nach dem Urlaub ging es wieder an die Arbeit mit einer neuen Aufgabe für mich: Im Moment lerne ich mit den Kids einen Tanz für das Konzert „Un cancion para Vos“ (Ein Lied für Dich), das meine Freiwilligenfreundin Franzi mit ihrem Projekt organisiert. Das Konzert wird der Abschluss der ‚Woche der Inklusion‘ und soll Menschen mit Behinderungen die Chance geben, ihr Können zu zeigen – am besten mit anderen! Die Tanzstunden sind zwar etwas anstrengend (besonders bei den Temperaturen), aber die Kinder haben mega Spaß und ich merke, wie sehr mir das Tanzen eigentlich fehlt.

Das Endergebnis werde ich euch natürlich nicht vorenthalten 😀

Zum Schluss eine kleiner Einblick auf die Tanzkünste der Kinder (hier ist der Ferien-Vorfreuden-Tanz zu bewundern) 😀

Luis, Henry und Faret in Partystimmung

 

Uno, dos, tres – vamos pues!

Donnerstag, 13. März 2014 von Susanne Zander

Die letzten anderthalb Monate gingen so schnell rum! Es stand nämlich so einiges auf dem Programm:

Endlich haben wir den Amerrisque bestiegen!

Endlich haben wir den Amerrisque bestiegen!

Die ersten Arbeitswochen im neuem Jahr waren erst schön entspannt, weil die Schule noch nicht angefangen hatte und nur ein paar Kinder kamen. Wir hatten viel Zeit, um intensiv mit „Problem-Kindern“ zu lernen, aber auch um nochmal richtig Spaß zu haben. Für uns alle ging es täglich nebenan auf den Sportplatz, um Softball, Fußball oder Volleyball zu spielen. Für die Kleineren gab es dann Straßenkreide und der hässliche Betonplatz wurde mit Blumen verziert.

Ich hatte so viel Spaß und die Kinder haben super zusammen gespielt, obwohl nur wenige gleichaltrig waren.

Anfang Februar ging es für mich dann nochmal kurz in Urlaub. Mein zweiter Besuch wollte empfangen werden: Meine beste Freundin! Wir beide gönnten uns einen kleinen Abstecher in das nicaraguanische Karibikparadis „Corn Islands“.

Die zwei Inseln liegen ca. 50 km von der Küste entfernt und sind nochmal ganz anders als das Festland.

Dort leben nämlich Nachfahren von den Creolen; afrikanische Sklaven, die vor hunderten Jahren nach Nicaragua gebracht wurden, um auf Plantagen zu arbeiten. Demnach sind dort alle Menschen schwarz und sprechen englisch. Das hat mir erstmal zu schaffen gemacht, weil ich kaum noch englisch spreche.

Mit dem Flugzeug ging es also von Managua nach Big Corn Island und von da aus mit einer „Panga“ – sowas wie ein Speedboot – auf Little Corn Island. Die Bootsfahrt war echt abenteuerlich, weil wir gegen die Wellen fahren mussten, relativ weit vorne saßen und dort das Boot immer hochging, um dann wieder aufs Meer aufzuschlagen. Die erste Viertelstunde war das ja noch ganz witzig, aber als dann plötzlich eine RIESENWELLE auf uns zukam, wurde wirklich alle 50 Insassen durchnässt.

Doch die Fahrt hat sich mehr als gelohnt: Uns erwartete eine kleine Insel mit vielen schönen, leeren Stränden, freundlichen Menschen, kleinen Bars und einer kleinen Hütte mit Strandblick. Außerdem RUHE – die Insel ist autofrei. Auf der Little Corn Island wimmelt es nur so von Touristen, aber demnach sind die Angebote auch ausgelegt. Vieles war viel teurer, es gab abwechslungsreiches und total leckeres Essen und viele Tauch- und Schnorchelausflüge.

Natürlich war es auch Hammer, nochmal eine der wichtigsten Personen meines Lebens wieder zu sehen und in den Armen zu halten und sich über alles zu unterhalten und auszutauschen. Sie dann wieder an den Flughafen zu bringen, ist mir dann doch schon nahe gegangen.

Nach dem Urlaub war dann richtig Stress angesagt: Eine meiner Kolleginnen hatte sich am Knie verletzt und fiel für nächsten Wochen aus. Meine Chefin hatte zuerst ihre Gruppe der Erst- und Zweitklässler übernommen, aber das war für sie so stressig, weil sie nebenbei noch die ganze Büroarbeit, Einkäufe und Organisatorisches erledigen muss. Im Moment kümmere ich mich also um die Hausaufgabenbetreuung dieser Gruppe, was zwischendurch echt anstrengend ist, weil jedes Kind eine andere Aufgabe hat, bzw. keine und dann anders beschäftigt werden muss. Daher haben meine Chefin und ich uns die Arbeit geteilt und sie hilft den Zweitklässlern bei ihren Hausaufgaben und geht dann ins Büro, während ich dann Nachhilfe und Basteleinheiten starte.

Meine kranke Kollegin ist jetzt für noch weitere 3 Wochen krank geschrieben und der Chef der Caritas hat sich bisher noch nicht um eine Aushilfe gekümmert. Mich ärgert das sehr, weil gerade alle zu viel Arbeit haben und ich alleine einfach nicht alle 15 Kinder betreuen kann. Außerdem bekommen die Kinder im Moment so viele Hausaufgaben und die Erstklässler lernen gerade Lesen und Schreiben, dass es wichtig ist, intensiv zu arbeiten bzw. die Arbeit etwas aufzuteilen. Ich hoffe sehr, dass sich das bald ändert.

Nebenbei bleibt durch den ganzen Lernstress auch das Spielen und Basteln auf der Strecke. Was für mich immer ein guter Ausgleich zu der Nachhilfe war.

Neue Motivation konnte ich jetzt vom Zwischenseminar schöpfen. Eigentlich hatte ich nicht so viel Lust, weil im Moment so viel Stress ist und ich gebraucht werde und ich mir irgendwie auch nicht so viel davon erhofft hatte.

Trotzdem war es total cool! Das Seminar wurde vom Nica-Netz (wer Infos über Nicaragua und andere Freiwillige hier sucht, kann mal auf der Homepage gucken. Echt empfehlenswert!) organisiert und fand auf einem Klostergelände in der Pampa statt. Wir haben super viele Themen behandelt, gute Gespräche geführt und nochmal neue Denkanstöße bekommen.

Die anderen deutschen Freiwilligen waren SUPERGEIL und wir konnten die Dorfkneipe samt Jukebox und Rum richtig zum Beben bringen.

Im nächsten Blogeintrag werde ich mal ein paar Links zu  Themen dranhängen, die wir auf dem Seminar besprochen haben.

Damit ganz liebe und hochmotivierte Grüße aus Juigalpa!

 

Ausschnitt in Bild und Ton

Freitag, 24. Januar 2014 von Susanne Zander

Für die diesjährige Sternsingeraktion habe ich für die fleißigen Spendensammler aus meinem Dorf ein kleines Video gedreht, in dem ich mein Projekt, mein Haus und ein bisschen von Nicaragua zeige.

Und es hat sich gelohnt: Während mein kleines Dorf bisher kaum die tausender Marke knacken konnte, haben die Sistiger Sternsinger dieses Jahr sage und schreibe 1200 Euro Spenden gesammelt.

Ich hoffe, euch gefällt das Video!

 

Von Weihnachten und Urlaubstagen

Dienstag, 21. Januar 2014 von Susanne Zander

Feliz ano nuevo! Ein frohes neues Jahr! Da ich jetzt endlich mal wieder etwas Zeit habe, kann ich euch von meinen letzten Erlebnissen berichten:

Im Dezember findet hier jedes Jahr die Purisima statt. Das ist eine Marienfeier, die in ganz Nicaragua zelebriert wird und über Wochen andauert. Dabei wird ein großer Altar hergerichtet, jeden Tag gebetet und gesungen und „Quin causa tanta alegria? – La Concepcion de Maria!“ („Was bereitet uns solche Freude? Die Empfängnis Mariens!“) geschrien. Wer fleißig mitgemacht hat, bekommt am Ende Süßigkeiten.

Das Ganze hab ich noch nicht so ganz kapiert, aber es war doch ganz lustig, besonders in der eigentlichen Nacht der Purisima, am 7. Dezember. Schade finde ich allerdings, dass viele Menschen die Altäre nur besuchen, um ihr Süßigkeitenpacket abzustauben und kaum mitsingen oder beten, aber dafür mit Säcken voll Süßem nach Hause gehen.

Der Jahresabschluss im Zentrum bestand aus den üblichen Partyutensilien: Piñata, Essen, Spielen, Musik und Chupetas (Eis in kleinen Plastiktüten). Leider ging das Ganze in nur anderthalb Stunden über der Bühne, weil wir uns wirklich viel Mühe gegeben haben und mehr erwartet hätte. Es gab für jedes Kind im Zentrum ein kleines Geschenk und zum Abschluss der Purisima viel Süßes.

Danach ging es für mich auf den Bachillerato (der Name für das nicaraguanische Abi) einer Cousine, wo ich mal wieder meiner Zweitbeschäftigung als Fotografin nachging. Die Kundschaft ist zufrieden und ich fand es interessant, wenn auch etwas langweilig.

In der ersten Ferienwoche bin ich mit der anderen deutschen Freiwilligen, Franzi, rumgereist. Vom Schwimmen unterm Wasserfall, Surfen lernen (was ich mir für mein Jahr in Nicaragua fest vorgenommen habe), Freunde treffen, bis zum am Strand von der Insel Ometepe zu Elektrobeats beim Magmafestival tanzen, war alles drin.

Über Weihnachten ging es für mich wieder zu der Familie meiner Kollegin nach Masaya, wo ich herzlich empfangen, mit Essen überhäuft und gut unterhalten wurde. Mein persönliches Highlight war das Krippenspiel, bei dem kurzerhand das 5 Monate alte Baby des Bruders als Jesuskind eingesetzt wurde. Anschließend fand natürlich das Baby-Fotoshooting by Susanne auf dem Programm, denn in dieser Familie gibt es genügend Nachwuchs!

Weihnachtsfeeling kam bei mir wegen den Temperaturen jedoch nicht auf und durch ausgiebiges Skypen mit meiner Familie blieb das Heimweh auch fern.

Am 28. Dezember hab ich dann mein Weihnachtsgeschenk bekommen: Mein Papa kam an! Nicht nur sein weißer Bart gibt meinem Vater das Aussehen des Nikolaus‘, auch seine riesige Reisetasche mit Geschenken und Briefen für mich, verstärkte den Eindruck. Deswegen war es auch ganz lustig, dass Papa überall auf der Straße mit „Santa Claus“ angesprochen wurde. 😀 Hiermit ein riesen Dankeschön für die lieben Worte und Süßigkeiten und vor allem das gute Schwarzbrot!

Eigentlich hatten wir ein volles Actionprogramm geplant, doch uns wurden einige Steine in den Weg gelegt: Zu erst hatte ich einen Parasiten, dann der Jetlag, ich verlor mein Handy und Papa bekam eine „Wundrose“, eine bakterielle Entzündung am Bein. Obwohl der Arzt ihm für eine Woche Bettruhe verschrieben hatte, ging es für uns beide noch am selben Tag weiter. Einmal quer durch Nicaragua sind wir mit unserem gemieteten Suzuki Alto gefahren, haben viel gesehen und vorallem viel gelacht und erzählt. Es war schön, einen lieben Menschen aus der Heimat bei sich zu haben und nochmal unser Eifler Platt zu hören. Auch wenn ich mich zwischenzeitlich sehr über unsere ganzen Probleme geärgert habe, war das Schlimmste dann doch der Abschied am Flughafen. Mein Papa hat jetzt einen Eindruck von meinem Einsatzland, meiner Arbeit und den Kindern, die extra für ihn eine kleine Feier gestaltet haben, und meiner Familie bekommen. Ihn haben auch viele Lebensverhältnisse geschockt und zum Nachdenken angeregt, was es mir bei meiner Rückkehr nach Deutschland vielleicht leichter macht, über meine Erlebnisse zu reden.

Mittlerweile hat wieder die Arbeit angefangen und wir starten mit großer Motivation in das neue Jahr. Zum einen gab es Änderungen bei der Gruppen- und Raumaufteilung und wir haben ein klärendes Gespräch geführt, nachdem es im letzten Jahr ein paar Schwierigkeiten im Personal gab. Hoffentlich werden unsere Vorsätze auch in die Tat umgesetzt.

Grüüüüüße!

Ps: Ich habe wirklich Silvester verschlafen…

 

100 Tage Nicaragua

Mittwoch, 20. November 2013 von Susanne Zander

ungeordnete Eindrücke der vergangenen Wochen:

Mein Geburtstag: Was für ein unvergessliches Ereignis! Für mich wurde so eine unglaublich tolle Überraschungsparty organisiert, die wahrscheinlich so überraschend war, weil sie einen Tag vor meinem Geburtstag stattfand. Unter einem Vorwand musste ich am Freitagmorgen nicht arbeiten und wurde am Nachmittag erst mal von meiner Kollegin Maryurie auf meinem Arbeitsweg aufgegabelt, „um noch was für die Kinder zu besorgen“. Dieses „was“ war dann letzlich nur eine Cola für sie, worüber ich dann ziemlich genervt war und umso größer war dann die Freude beim Betreten des Centros: Alles war geschmückt, sogar die Kinder mit Partyhütchen und eine riesige Prinzessin – eine Piñata – wartete auf mich. Zuerst wurde ich natürlich mit Glückwünschen übersäht, die ich sofort abwies und meiner Kollegin erklärte, dass das in Deutschland Unglück bringt. Ihre trockene Antwort: „Wie kann es Unglück bringen das Leben zu feiern?“

Die Kinder haben für mich mehrere Tänze aufgeführt, Spiele gespielt und zu guter letzt vorm Ausblasen der Geburtstagskerzen für mich gesungen. Beim Schreiben muss ich schon wieder grinsen, da dieser Moment, in dem über 60 Kinder aus vollem Halse und mit einem Lachen im Gesicht Geburtstagslieder singen, einfach nur unglaublich war.

Dann die nächste Überraschung: Der Kuchen war ein SCHOKOLADENKUCHEN! Ich denke, dazu muss ich nichts hinzufügen.

Danach wurde die Piñata verklöppt und anschließend noch getanzt. Am nächsten Tag wurde dann ausgiebig mit den Lieben zu Hause geskypt und anschließend die örtliche Disko unsicher gemacht. Das beste Geschenk hab ich übrigens von einem kleinen Kind geschenkt bekommen… einen hellblauen, aus sehr wenig Stoff bestehenden Schlüpfer. 😀

Reisen: Die letzten Wochenenden wurden von Franzi und mir mehr als ausgenutzt. Wir haben Agüizote (sowas wie das nicaraguanische Halloween, das natürlich auf gar keinen Fal überhaupt nicht irgendwas mit den USA zu tun hat) besucht und dabei gute Bekannschaften geschlossen. Eine von diesen, Angél, wurde am nächsten Wochenende dann direkt besucht. Da es hier mit den Freundschaften doch mehr als schwierig ist, bin ich umso trauriger, dass Angél im Februar nach Deutschland geht, um einen Freiwilligendienst zu machen. Das nenne ich mal Schicksal!

Ich habe schon viele schöne Orte gesehen und keins meiner gemachten Bilder könnte im mindesten die Schönheit dieses Landes wiedergeben und wie es sich anfühlt solche umwerfende Aussichten zu genießen. Trotzdem will ich sie keinem vorenthalten 😀

Bald trudelt auch schon mein Papa für zweieinhalb Wochen ein und das wird auch nochmal eine ganz tolles Erlebnis. Ich freue mich sehr, ihn wiederzusehen und hoffe, dass wir so viel wie möglich sehen und machen können. Ich würde sogar die Wette abschließen, dass ich nach diesem Urlaub ca. 60 Prozent der vorhandenen Vulkane bestiegen habe.

Arbeit: Jetzt ist es offiziell, dass der Alltag eingetroffen ist. Woran ich das merke? Ich finde Montage blöd. Haha, trotzdem macht mir meine Arbeit unheimlich Spaß und es macht mich glücklich helfen zu können. Natürlich gibt es Tage, an denen nichts klappt und alle Störenfriede doppelt rumstören oder einfach keiner motiviert ist, aber die halten sich noch in Grenzen. Ich werde immer aktiver, bringe meine Ideen ein und versuche so viel wie möglich an dem vorgenommenen Programm durchzuziehen. Sei es die gesetzten schulischen Ziele oder geplante Aktivitäten. Die Kinder meiner Gruppe sind mir unheimlich ans Herz gewachsen, jedoch werde ich bald einmal die Woche in anderen Gruppen arbeiten, um endlich alle Kinder kennen zu lernen.

Ich hatte kürzlich ein langes Gespräch mit meiner Chefin über unsere Arbeit und die Schicksale mehrerer Kinder. Was bei manchen zu Hause passiert ist oder noch passiert ist einfach unglaublich. Das ganze bedrückt mich noch mehr, weil ich die Kinder kenne und mag. Das hier ist kein anonymer Dokumentarfilm, das ist die Realität und umso mehr geht das ganze mir unter die Haut. Um damit fertig zu werden, gibt es für mich eine sehr einfache Lösung: Die Arbeit im Centro gut machen, die Kinder zu fördern und ihnen die oft verwehrte Aufmerksamkeit schenken.

 

Neues aus dem Land der tausend Vulkane und Seen

Mittwoch, 09. Oktober 2013 von Susanne Zander

Die Weihnachtsvorbereitungen laufen bei 30 Grad.

In den letzten Wochen ist so einiges passiert. Zum einen habe ich die andere deutsche Freiwillige in Juigalpa, Franzi, kennen gelernt. Mit ihr verstehe ich mich super und es tut gut, Erlebnisse, Probleme und Gedanken auszutauschen. Vor zwei Wochen haben wir ein neues Hobby angefangen: Tang Soo Do. Das ist ein koreanischer Kampfsport und wird in einem Kulturzentrum angeboten. Der Chef des Ganzen hat uns direkt seine Deutschkenntnisse vorgeführt: „Ich liebe dich, du Kuh.“ Ich bezweifle, dass er damit in Deutschland weit kommen würde 😀

Sport zu machen tut unheimlich gut und sorgt für genügend Ausgleich zum Arbeitsalltag. Mal ganz abgesehen davon, dass es verdammt anstrengend ist, obwohl wir meistens in der Gruppe der Kleinsten sind (was auch ziemlich witzig aussehen muss).

Außerdem habe ich dank meiner allerliebsten Kollegin endlich einen Kühlschrank. Leider hat sich der Transport dieses Goldstücks schwieriger als erwartet gestaltet. Yassir, ein guter Freund, ist mit seinem Auto stecken geblieben und dann ist auch noch sein Rücklicht beim Zurücksetzen kaputt gegangen. Dadurch ist das Ganze ganz schön teuer geworden. Aber hauptsache ich hab jetzt kaltes Wasser und kann meine eigenen Chupetas (Eis in kleinen Tüten) produzieren.

Am Freitag haben Franzi und ich uns auf den Weg nach Managua in die deutsche Botschaft gemacht. Dort angekommen wurden wir alles andere als freundlich empfangen. Der Portier erzählte uns irgendwas von Terminen und nur mit dem jeweiligen Mentor. Davon war in den vorher ausgetauschten E-Mails jedoch nie die Rede, sodass nach einigem Hin und Her Franzi reingehen durfte und eine halbe Stunde später auch ich. Plötzlich war kein Mentor zum Visum beantragen nötig und wir mussten nochmal aus der Botschaft rausgehen, um ein Formular neu auszufüllen. Das alles war echt nervend und ich hab nur gemerkt, wie ich diese ätzende deutsche Bürokratie überhaupt nicht vermisst hab. Hauptsache ist jedoch, dass alles geklappt hat.

Taufe im Nicaraguasee

Touri sein!

In der Botschaft habe ich auch meine Sternsinger-Kollegin Luisa aus Granada getroffen und habe mich mit ihr, ihrer Gastfamilie und Franzi nach Granada begeben. Diese Stadt ist wirklich wunderschön. Überall bunte Häuser aus der Kolonialzeit und viele versteckte Orte, um die Zeit zu genießen und es sich gut gehen zu lassen. Ein Paradies für Touristen und für mich war es nach zwei Monaten in Juigalpa echt komisch, nochmal viele Ausländer und blonde Menschen zu sehen 😀 Per Fahrrad und mit Luisas Gastschwestern haben wir die Stadt erkundet und auch Luisas Projekt, ein Heim für misshandelte Mädchen, kennengelernt.

Granada

Auf dieser kleinen Reise habe ich echt viele Eindrücke von einer anderen Seite Nicaraguas gesammelt und bin froh, wieder in meinem grünen Haus in Juigalpa angekommen zu sein. Heute hat der Tag auch sofort mit einer tollen Überraschung angefangen: Meine Kette, die mir vor zwei Wochen geklaut wurde, ist wieder zurückgegeben worden.

Das wäre es soweit aus Juigalpa, Chontales. Liebste Grüße!

 

Neue Farben und neue Gesichter

Dienstag, 17. September 2013 von Susanne Zander

1/12 – check! Die letzten fünf Wochen gingen rum wie nichts, das liegt besonders an den anstrengenden letzten Wochen. Eine andere Lehrerin fehlte und meine Kollegin musste sich um zwei Gruppen kümmern, was für ganz schönen Stress und Müdigkeit gesorgt hat. Da tat nach der ganzen Lernerei mit den Kleinen eine Bastelstunde richtig gut und hat für viele lachende Gesichter gesorgt.

Mittlerweile komme ich auch immer mehr aus mir heraus, mein Verhältnis mit den Kindern wird vertrauter und kenne jetzt fast alle Namen. Außerdem hat meine Kollegin mir letztens die Probleme und Geschichten der einzelnen Kinder erzählt, was mich echt getroffen hat, da manche es wirklich schwer haben. Dazu kommt, dass ich nach drei Wochen Arbeit mehr bei den Leistungen durchblicke und es doch ziemlich hart ist, wie wenig einige Kinder können. Aber das spornt nur an, die Arbeit im Zentrum richtig zu machen und diese Lücken zu füllen!!

Mädchen beim Festival der Vorschulen

Mädchen beim Festival der Vorschulen

Schwer ist es immer noch mit der Sprache und dem Kontakte knüpfen. Da habe ich aber richtig Glück mit meiner Kollegin Maryuri, die mich schon zu so einigen der hunderten Veranstaltungen mitgenommen hat und mit mir Spanisch übt, indem sie mir jedes unbekannte Wort pantomiemisch erklärt (ein Glück, dass ich immer gut in Scharade war). Mit ihr gibt’s auch immer etwas zu lachen 😀 Am Wochenende war ich mit ihr bei ihrer Familie in Masaya. Die Stadt ist perfekt für mich: Kühl, weniger Moskitos und weniger Pfiffe auf der Straße. Dort konnte ich auch nochmal richtig gut schlafen. In den Tagen hab ich dann fast alle 60 Verwandten meiner Kollegin kennengelernt und nochmal viele Eindrücke gewonnen.

Neuer Anstrich und direkt wirkt alles viel fröhlicher

Neuer Anstrich und direkt wirkt alles viel fröhlicher

Noch ist im Zentrum nichts los, nur ein paar Bauarbeiter, die für die letzten Schliffe der Renovierung sorgen. Das Zentrum strahlt in einem neuen Anstrich und einem fertigen Anbau und ich freue mich, dass der ganze Baulärm und die rumliegenden Werkzeuge Geschichte sind.

Muchos Saludos de Juigalpa, Chontales

 

Regenpause

Freitag, 23. August 2013 von Susanne Zander
Ausblick aus meinem Fenster in der Regenzeit

Ausblick aus meinem Fenster in der Regenzeit

Plitsch, platsch. Eigentlich gehe ich in der Mittagspause, wenn alle Kinder weg sind, nach Hause, aber gerade hat es angefangen zu regnen (und zwar RICHTIGER Regen , nicht so ein Fisselzeugs wie in Deutschland), dass ich nur etwas im Centro bleibe und das Wlan nutze 😀

Meine erste Arbeitswoche hat sehr viel Spaß gemacht. Morgens ist im Centro nicht so viel los, dann kann ich den Älteren bei ihren Englischaufgaben helfen , irgendjemanden beim Basteln oder was gerade so ansteht. Nachmittags sieht das schon anders aus. Dann bin ich nämlich in der Gruppe der Erst- bis Drittklässler und die sind eine ganz schön anstrengende Rasselbande! Mittlerweile kenne ich auch fast alle Namen von den Kleinen und spiele nach den Aufgaben (die eine lernt gerade Lesen, der andere Addieren und die nächsten sind schon beim 1×1) mit ihnen Mensch-ärgere-dich-nicht. Das ist nämlich  im Moment der ganz große Hit.
Heute Morgen waren die meisten jedoch schon früh mit den Aufgaben fertig und es wurde Volleyball gespielt. Ihr glaubt nicht, wie fertig ich gerade bin. Nicht umsonst haben mich die Kinder hinterher „Tomate“ genannt.

Gestern war dann ein weiteres Highlight. Das Team vom Centro im Fernsehen!

Ich mit meinem wunderbaren Spanisch hatte jedoch verstanden, dass wir Aufnahmen für’s Radio machen und meine Arbeitsklamotten angelassen und ungeschminkt das Haus verlassen. Außerdem hatte ich – als einzige natürlich- meinen Text nicht vorbereitet und meine Kollegin sagte, dass ich jetzt über meine Arbeit, Motivation und und und reden würde. Ich brachte aber nur ein kurzen Satz raus, dass ich mich freuen würde hier zu sein  xD

Danach brachte mich eine Kollege von der Caritas mit seinem Motorrad nach Hause, was bei den ganzen Hügeln in Juigalpa und natürlich ohne Helm (das hast du jetzt überlesen, Mama)  unheimlich Spaß gemacht hat.

Ich freue mich schon auf die Kleinen gleich und bis bald!

 

Guten Morgen, Nicaragua

Dienstag, 20. August 2013 von Susanne Zander

Schon über eine Woche bin ich jetzt in Nicaragua und habe mich recht gut eingelebt. Mit meiner Gastmutter und ihrer Nichte verstehe ich mich blendend, auch wenn wir oft aneinander vorbeireden. Die letzten Tage haben sie mich mehrmals mit zum Rodeo/Stierkampf (womit ich mich aber nicht ganz anfreunden konnte. Ziemlich sinnlos meiner Meinung nach), das im Moment in Juigalpa stattfindet, mitgenommen und helfen mir sehr, mich an die neuen Umstände zu gewöhnen. Diese sind nämlich GANZ anders als zu Hause.

Die ersten Tage hat mich meine Vorgängerin Nadine sehr unterstützt, indem sie mir Juigalpa gezeigt und mich mit vielen Leuten bekannt gemacht hat. Zum Beispiel mit Matilde, die eine Stunde Busfahrt von Juigalpa entfernt wohnt und perfekt englisch spricht. Bei ihr zu Hause hab ich mich direkt heimisch gefühlt und erst ungefähr eine Viertelstunde nach unserem Eintreffen wusste ich warum.

Am Samstag war das Team mit der gesamten Caritas Truppem: Es lief eine CD mit Karnevalsliedern! Matilde hatte diese von einer Reise in Deutschland mitgebracht und war direkt ganz neidisch, dass ich in der Nähe von „Viva Colonia“ lebe. Auf dem Weg zu ihr kam ich mir mir vor wie in einem Dokumentarfilm über Nicaragua: Ein alter Schulbus aus den USA, der sich durch die wunderschöne grüne Landschaft mit hunderten Bergen und vorbei an kleinen Hütten schlängelt. Bisher fällt es mir schwer, die Armut hier zu realisieren, obwohl sie überall vorhanden ist, selbst bei meiner Gastfamilie. Dinge, die in Deutschland so selbstverständlich waren, sind es hier nicht mehr. Zum Beispiel ein Kühlschrank oder eine Spülung auf der Toilette.

Ich war auf der Jubiläumsfeier der nicaraguanischen Caritas eingeladen. Es war ganz lustig mit den anderen. Leider noch heißer als in Juigalpa, was mich ziemlich fertig gemacht hat, weil es echt schwierig ist, sich an das Klima zu gewöhnen. Im Moment trinke ich auch total viel Wasser, esse wenig und bin schon um sieben Uhr dermaßen fertig, weil ich morgens um fünf schon von der Hitze und den ganzen krähenden Hähnen plus Motorrädern draußen wach werde.

Trotzdem bin ich ziemlich zufrieden, wenn ich abends auf einem Schaukelstuhl auf der Terasse sitze oder mit Bianka, meiner Gastschwester, fernsehe und wir uns mit Händen und Füßen etwas erzählen.

Heute gehe ich zum zweiten Mal arbeiten und freue mich schon, weil die Kinder zwar anstrengend, aber super süß sind. Zu meiner Arbeit werde ich später mehr erzählen (:

Ganz liebe Grüße aus Nicaragua!