Von hohen Zäunen und dicken Mauern

Donnerstag, 08. November 2012 von Lena Monshausen

Die letzten 4 Wochen waren ziemlich hart für mich. Nach der Euphorie der ersten beiden Monate ist die Realität, der ich hier in Johannesburg jeden Tag begegne, über mich hergefallen. Von einem Moment auf den anderen sieht man nur noch das, was nicht so gut läuft. Was nicht heißt, dass Südafrika als Staat nichts auf die Reihe kriegt. Aber an manchen Stellen ist es doch sehr schwer, für mich als Mensch mit einem schönen Heim und guten Perspektiven für das Leben, eine vollkommen entgegengesetzte Realität zu erleben und zu akzeptieren.

Da sind die Minenaufstände von vor ein paar Wochen, wo Polizisten unzählige Arbeiter erschossen haben, weil sie gegen schlechte Arbeitsbedingungen protestierten. Da ist ein Mann, der in der Straße mitten am Tag zusammengeschlagen wird, blutend liegen gelassen wird und keinen kümmert’s. Da sind die Menschen, die den Tag auf den Straßenkreuzungen verbringen, um Autofahrern ein paar Cents aus der Tasche zu locken. Da ist der tägliche Kampf ums Überleben ein ganz anderer, als man sich das vorstellen kann.

Auch die Kinder im Projekt haben nicht die gleichen Chancen wie andere Menschen hier in Südafrika. Das kann man akzeptieren und sein Bestes geben, um dazu beizutragen, dass sich etwas ändert. Aber diese unfairen Zustände können einen auch lähmen. Das ist mir passiert. Man soll nicht alles zu nah an sich heranlassen. Aber wie kann man denn weggucken??

Natürlich weiß man, dass nicht alles auf der Welt gleich ist, dass es andere Lebensentwürfe gibt als die, die ich kenne. Dass es Realitäten gibt, die sehr viel härter sind, als was man sich vorstellen kann. Aber alle Theorie hilft in dem Fall nicht, mit seinen Emotionen klarzukommen, wenn man dann alles jeden Tag sieht. Warum sind Dinge so, wie sie sind? Und warum bin ich nicht stark genug, meine Emotionen in dem Fall zu unterdrücken und mich zusammenzureissen? Das Projekt an sich leistet großartige Arbeit! Auch wenn am Ende nicht alle Kinder einen Platz in einer öffentlichen Schule finden, für viele verbessern sich die Perspektiven auf eine weiterführende Ausbildung enorm. Das ist ein gutes Gefühl. Zumindest ein stückweit kann man dazu beitragen, dass sich etwas ändert.

Trotz allem ist es für mich persönlich jeden Tag eine Herausforderung, die Dinge zu sehen und nicht wirklich viel tun zu können. Theoretisch müssten sich einige Dinge im System ändern, um allen eine gute und nicht zu teure Ausbildung zu gewährleisten. Und dann müsste sich noch einiges in den Köpfen der Menschen ändern, um Menschen, die nicht aus dem eigenen Land kommen, Ausländern und
Flüchtlingen, die gleichen Chancen einzuräumen wie den eigenen Kindern. Hier wird nämlich ein deutlicher Unterschied zwischen ‘foreigners’ und ‘internationals’ gemacht.

An manchen Tagen ist es eine Herausforderung, der ich mich nicht gewachsen fühle. Man nimmt die Sorgen der Arbeit mit nach Hause, wer kennt das nicht. Aber diese Sorgen sind existenzielle Sorgen, plain and simple, aber doch die größten Sorgen, die ein Mensch im Leben haben kann. Jeden Tag aufs Neue. Wie kann ein Mensch das jeden Tag aushalten, frage ich mich? Ich muss es zum Glück nicht, dafür bin ich mehr als dankbar! Aber ich kann es auch nicht aushalten, an diesem Punkt stoße ich auf eine meiner Grenzen…

Um nochmal auf die Bild in der Überschrift zurückzukommen: Vielleicht haben besser situierte Südafrikaner einfach um alles eine Mauer oder einen Zaun gebaut und kommen so besser mit allem klar. Ich meine, die Häuser haben Zäune, die Einkaufszentren, die Unis, die Schulen… Vielleicht braucht man das hier. Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob ich eine solche Mauer um mich herum bauen will, schließlich sind wir alle Menschen dieser Welt und sollten nicht wegsehen!

 

Sacred Heart Day, fashion show and so much more!

Dienstag, 09. Oktober 2012 von Lena Monshausen

Unglaublich, aber in den letzten vier Wochen ist im Projekt so viel los gewesen. Ich kann kaum glauben, dass schon Oktober ist! Also alles von vorne: Im September war in Südafrika Heritage Day. Ein Tag an dem alle Südafrikaner und dort Lebenden ihre Herkunft und ihre Kultur feiern. Bei 11 offiziellen Sprachen und noch viel mehr Kulturen könnt ihr euch sicher vorstellen, dass an diesem Tag ein buntes Bild von Menschen anzutreffen war! Es war ein Feiertag, und die Kinder sind nicht wie sonst in ihrer Schuluniform zur Schule gekommen sondern in traditionellen Gewändern ihrer verschiedenen Kulturen. Zusammen haben wir ein Schulfest gefeiert. Unsere Three2Six Kids haben dabei eine besonders gute Figur gemacht, wie ich finde. Wir haben eine Fashion Show auf die Beine gestellt. Mit Gewändern aus Congo, Rwanda, Brurundi, Eritrea und noch einigen anderen Ländern hatten wir eine bunt gemischte Gruppe von Kinder auf dem Laufsteg! Es war ganz klar das Highlight des Schulfestes 🙂

Eine Woche danach war wieder ein besonderer Tag in der Schule: Sacred Heart Day. An diesem Tag feiern alle zusammen eine Messe. Das heißt, dass auch unsere Kids schon morgens zur Schule kommen dürfen und nicht wie gewöhnlich erst um 14 Uhr. Alle waren schon Tage vorher ganz freudig gespannt, denn Sacred Heart Day bedeutet für die Kinder einmal wie alle anderen morgens zur Schule gehen. Doch damit nicht genug: Nach der Messe gehen dann unsere Erstklässler mit den Erstklässlern des Sacred Heart College zusammen, die Klasse 2 mit den Zweitklässlern und so weiter. Hier haben sie dann für einen Tag die Möglichkeit sich untereinander kennen zu lernen. Einige von ihnen haben sich schon im vergangenen Jahr angefreundet und freuen sich deshalb besonders auf diesen Tag! Auch ich habe diesen Tag als besonders empfunden, nicht zuletzt weil es den Kindern wirklich die Chance gibt sich untereinander kennen zu lernen. Die gemeinsame Zeit durfte von den Kindern in Kleingruppen mit Sportspielen selbst gestaltet werden. Sie hatten eine Menge Spaß dabei sich neue Spiele auszudenken!

Am Sacred Heart Day treffen die Three2Six Kids auf die Sacred Heart Kids - und alle haben einen Riesenspaß!

Am Sacred Heart Day treffen die Three2Six Kids auf die Sacred Heart Kids - und alle haben einen Riesenspaß!

Auf dem Foto sieht man sie die südafrikanische Variante von „König schick den Boten aus“ spielen (zumindest haben wir das früher so genannt). Für mich war schön zu sehen, dass an diesem Tag ein kleines Stück Inegration stattgefunden hat. Denn Integration ist in der südafrikanischen Gesellschaft leider noch nicht selbstverständlich! Da können wir in Deutschland sagen was wir wollen, die Xenophobie die man hier manchmal erlebt hat man in Deutschland in den seltensten Fällen!

Ein weiteres Highlight im letzten Monat war auch, dass wir (fast) allen 150 Kindern neue Schuhe geben konnten! Dank einer Firma aus Johannesburg, die für jedes verkaufte Paar Schuhe ein weiteres Paar spendet, laufen unsere Kids nun fast alle einheitlich mit schwarzen Canvas-Sneakers durch die Gegend. Meine Aufgabe war es, durch die Klassen zu tingeln und jedem einzelnen ein Paar Schuhe auszuteilen.

Neue Schuhe - gar nicht so leicht für jedes der 150 Kinder im Projekt die passende Größe zu finden!

Neue Schuhe - gar nicht so leicht für jedes der 150 Kinder im Projekt die passende Größe zu finden!

Manchmal war es gar nicht so leicht, die richtige Größe zu finden. Manche haben auch immer noch keine Schuhe, denn es gab die Zwischengröße nicht oder sowas. Ich hoffe, dass der Rest an gebrauchten Größen bald kommt! Es ist ganz schön schwer, jeden Tag aufs Neue zu erklären: „Tut mir Leid, aber ausgrechnet deine Größe hatten sie nicht. Du musst noch warten!“ Wie lange ist dabei leider nie so ganz klar….

So, das wars erst mal wieder von meiner Seite! Liebe Grüße aus Johannesburg

 

Der Alltag grinst…

Sonntag, 16. September 2012 von Lena Monshausen
Von ungefähr überall ist in Joburg der Telkom Tower zu sehen, was mir oft den Weg nach Hause erleichtert ;)

Von ungefähr überall ist in Joburg der Telkom Tower zu sehen, was mir oft den Weg nach Hause erleichtert 😉

Ohne behaupten zu wollen, dass mich der Alltag schon richtig eingeholt und an die Kette gelegt hat, habe ich doch mittlerweile einen geregelten Tagesablauf. Die erste Woche im Projekt habe ich hinter mir, und ich muss sagen, es macht sehr viel Spaß! Hier also ein kleiner Überblick über meine Woche: Einen normalen Arbeitstag starte ich um zehn, dafür arbeite ich bis sechs Uhr abends. Das ergibt sich daraus, dass die Projektkinder erst um drei kommen können und bis um sechs Uhr Unterricht haben. Das heißt, so lange sind wir auch im Büro. Morgens bin ich mit Esther zusammen im Büro. Esther ist die Koordinatorin des Projekts. Es gibt ziemlich viel zu tun. Letzte Woche waren wir noch vollauf damit beschäftigt, die Zeugnisse der Kinder vom zweiten Term (Anmerkung der Redaktion: Das südafrikanische Schuljahr gliedert sich in vier Terms) in die jeweiligen Akten zu sortieren (in unserem Büro wird einfach alles! aufgehoben und zu den Akten gelegt). Das habe ich dann gemacht 😉 Desweiteren habe versucht, mich mit Microsoft Excel anzufreunden, denn eine weitere meiner Aufgaben ist es, die Ergebnisse aller Kinder in Statistiken festzuhalten und daraus schöne Graphen zu machen. Am Montag folgt nämlich die Ergebnisbesprechung mit dem Schulleiter, wo die Zeugnisse aller Kinder besprochen werden, geschaut wird, wieviele das Term bestanden haben und wieviele nicht, also kurzum es geht um eine Bilanz der Ergebnisse.

Zwischendurch schreibe ich E-Mails für Esther, bzw. erinnere sie daran, auf bestimmte E-Mails zu antworten. Wie zum Beispiel an das Kindertheater, zu dem wir übernächste Woche fahren. Endlich bekommen unsere Kinder das ganze Stück zu sehen, das wir uns ja schon in einer Probe anschauen durften! Ich freue mich genauso sehr darauf, wie die Kinder, denn es war ein sehr kurzweiliges und toll inszeniertes Stück, in dem ein Schmetterling aus England sich nach Südafrika verirrt, und nun den Weg nach Hause finden muss. Die Kinder waren total begeistert von dem Stück und Esther war total begeistert, dass unsere Kinder alles so gut verstanden haben! Es ist natürlich auf Englisch, aber nicht alle unserer Kinder sprechen so gut Englisch. Umso schöner, dass sie trotzdem alles nachvollziehen konnten.

Aber zurück zu meinem Tagesablauf: Um zwei Uhr, nach einer kurzen Pause im Büro, kommen die ersten Kinder mit den Schulbussen. Meine Aufgabe ist es dann, die Kinder zu empfangen und auf den „ground“ (großes Feld) zu begleiten, wo sie noch bis drei, also bis alle da sind und der Unterricht beginnt, spielen dürfen. Ich bin also sozusagen Pausenaufsicht, gleichzeitig aber auch immer in irgendwelche Spiele der Kinder involviert, denn alle finden es unglaublich amüsant, dass ich ihre Spiele nicht kenne und möchten mir alles beibringen. Ich wette, im Gegenzug muss ich demnächst mit deutschen Spielen ankommen, also wer irgendwelche guten Tipps für mich hat, immer her damit!

Kurz vor drei versammeln sich die Kinder dann in ihren Klassen, es wird zusammen gebetet und jede Klasse geht mit ihrem Lehrer in ihren Klassenraum. Der Unterricht geht bis sechs, es gibt eine Stunde Englisch, eine Stunde Mathe, eine Pause mit Lunch und eine halbe Stunde Lifeskills (da werden dann Dinge aus dem alltäglichen Leben diskutiert, ein bisschen wie in Sowi). Eigentlich bin ich nicht in den Klassen eingesetzt, das heißt nachdem die Kinder in den Klassen sind, gehe ich zurück ins Büro und zu meiner Arbeit. Am Mittwoch hatten wir allerdings Lehrermangel, und so hat Esther mich gefragt, ob ich mir zutrauen würde, die Klasse 4 ausnahmsweise zu übernehmen. Ich musste kurz schlucken, denn eigentlich habe ich noch nie unterrichtet! Aber sie hat mir gesagt, woran die Kinder arbeiten, welche Aufagben wir machen müssen und die Kinder haben sich unheimlich gefreut, dass ich sie ausnahmsweise unterrichet habe. Und ich muss sagen, es hat Spaß gemacht! Alle waren mehr oder weniger bemüht, im Unterricht mitzumachen, und auch wenn es anstrengend ist, die ganze Zeit mit „Lehrerstimme“ zu sprechen, war der Unterricht für mich eine schöne Abwechslung.

So siehts in den Hütten der Townships aus - hier ein Bild aus einem Museum.

So siehts in den Hütten der Townships aus - hier ein Bild aus einem Museum.

Um sechs Uhr kommen dann die Busse, um die Kinder wieder nach Hause zu fahren. Es gibt verschiedene Haltestellen, zum Beispiel Berea oder Yeoville. Das sind Stadtviertel in Johannesburg, die nicht allzu weit von der Schule entfernt sind. Dort werden die Kinder rausgelassen und entweder von ihren Eltern abgeholt, oder sie gehen von dort aus zu Fuß nach Hause.

Ich dagegen fahre mit meinem kleinen blauen Auto nach Hause, bin dann so gegen halb sieben – sieben zu Hause, koche eventuell noch was und genieße die abendliche Ruhe, bevor es am nächsten Tag wieder heißt, 150 Kinder zu managen 😉 Da ich ja aber erst um zehn anfange, geht das alles sehr gut. Wenn ich nicht faul bin, gehe ich manchmal sogar noch vor der Arbeit eine halbe Stunde joggen…

Die Wochenenden sind dann frei. Diesen Samstag habe ich mich zum Beispiel mit einer Freundin getroffen, die ein Praktikum beim Kindertheater macht und aus Frankreich kommt. Wir waren in Sandton im Theater, und danach noch etwas trinken. Das Theater war sehr schön, stilvoll eingerichtet, Musik aus den 60ern, roter Samt, usw… Wir haben dort eine Freundin von ihr getroffen, die uns praktischerweise Freikarten organisiert hatte 😉 Man muss nur die richtigen Leute kennen.

Ja, und der Sonntag gehört bei den meisten Leuten hier der Kirche. Seit letzter Woche singe ich im Kirchenchor, das heißt auch ich bin sonntags morgens in der Kirche anzutreffen. Und ich muss sagen, es ist gar nicht komisch, regelmäßig zur Messe zu gehen. Zu Hause habe ich das nicht immer gemacht, aber hier gehört es mit dazu, auch die Studenten kommen meistens. Wenn nicht morgens um halb zehn, dann abends um sechs, dann gibt es nochmal eine Studentenmesse (ich glaube ich habe euch schonmal davon erzählt).

So weit zu meiner ersten Woche! Liebe Grüße aus dem immer noch winterlichen Johannesburg, wobei Winter hier mehr oder weniger eurem Herbst entspricht. Aber es ist trotzdem noch ungemütlich kalt… Ich freue mich definitiv auf den Frühling!

 

Der Kopf dreht sich…

Montag, 03. September 2012 von Lena Monshausen

Mittlerweile ist es September und ich dachte, es ist mal wieder Zeit für einen neuen Blogeintrag. Fast vier Wochen bin ich nun schon hier in Johannesburg, und ich beginne, mich mehr und mehr zurechtzufinden in dieser Riesenstadt. Auch wenn man natürlich immer nur einen kleinen Ausschnitt von einer Stadt zu sehen bekommt, denn es ist einfach unmöglich, GANZ Joburg zu kennen!

Alles wartet, dass die Schule wieder beginnt…

Aber wo fange ich am besten an? Das letzte was ich euch erzählt habe, war von den Ferienspielen im Projekt. Die sind seit einer Woche vorbei und die Kinder haben nun noch eine Woche schulfrei, bevor die Ferien zu Ende sind und das dritte „Semester“ in der Schule beginnt. (In Südafrika beginnt das Schuljahr im Januar und ist meist unterteilt in drei sogenannte ‚terms‘). Die Kinder können es genauso wenig abwarten wie ich, dass die Schule wieder anfängt. Für mich ist das eher, weil ich erst mit Schulbeginn einen richtigen Alltag haben werde und es auf die Dauer ein bisschen anstrengend ist, nur in den Tag hineinzuleben und so weiter… Für die Kinder bedeutet Schule, ihre Freunde zu treffen, nicht nur zu Hause rumzusitzen und ihrer Zukunft ein bisschen näher zu kommen.

Letzten Freitag haben wir die älteren Kinder mit auf einen Ausflug ins Kindertheater genommen. Nach der Vorstellung, als die Schulbusse auf die kleinen Passagiere warteten, haben mir etliche gesagt, dass sie überhaupt nicht nach Hause wollen! Deborah hätte beinah ihren Bus verpasst, weil sie sich an mich geklammert hat, mit mir nach Hause wollte und wir sie buchstäblich in den Bus scheuchen mussten. Die meisten der Projektkinder wissen schon früh, dass Schule ihre einzige wirkliche Chance auf ein gutes Leben später ist.

Bis die Schule wieder anfängt, verbringe ich meine Zeit mit diesem und jenem. Zwischendurch bin ich immer mal wieder im Büro und helfe Kathie dabei, eine Bücherei für die Kinder aufzubauen. Unmengen gespendeter Bücher müssen dafür in einer Datenbank erfasst werden. Sie werden nach Schwierigkeitsgrad, Autor und Titel sortiert und bekommen Labels, die man scannen kann, wobei das ausgeliehene Buch automatisch in die Ausleihdatenbank aufgenommen wird. Sehr viel Arbeit, aber eine wichtige, denn es ist nicht so üblich, dass Kinder sich ein Buch nehmen und lesen. Was mir immer selbstverständlich erschien, dass Kinder Kinderbücher haben und Geschichten erzählt und vorgelesen bekommen, ist hier nur bei einem kleinen Teil der Kinder der Fall. Bei vielen muss erst die Lust am Lesen geweckt und die Fantasie angeregt werden. Deshalb macht es mir so viel Spaß, in der Bücherei zu helfen, um die Kinder im neuen Halbjahr ein bisschen anspornen zu können, öfters mal ein Buch in die Hand zu nehmen.

Zeit, um die Stadt kennen zu lernen…

Wenn ich nicht im Büro bin, erkunde ich mit ein paar anderen Studenten aus dem Trinity House, wo ich wohne, die Gegend. Man läuft ein bisschen im Viertel herum. Am Samstag war zum Beispiel der ‚Neighbourgoods Market‘, ein Markt mit vielen verschiedenen Essens- und Getränkeständen, aber auch Kunst- oder Klamottenständen. Die meisten kommen hier nur hin, um sich mit Freunden zu treffen, die Sachen sind schon relativ teuer. Aber es gibt viele internationale Sachen zu probieren, so gibt es zum Beispiel indisches Essen neben Flammkuchen oder belgischen Waffeln (wobei die natürlich nicht so gut sein können, wie die echten belgischen Waffeln 😉 ).

Abends waren wir jetzt schon ein paar Mal in einer Bar was trinken, so gesehen läuft das Studentenleben hier ziemlich ähnlich wie in Deutschland. Auch wenn mich immer alle fragen „Die Deutschen feiern anders, oder?“. Dann muss ich erst einmal überlegen und sagen „Nein, eigentlich nicht“. Dann sind alle immer ganz erstaunt 😉 Gestern zum Beispiel waren wir auf einem Jazzfestival, das von der Stadt Johannesburg organisiert wurde und deshalb gratis war. Wenn etwas gratis ist, kommen alle, egal bei was. Ich hatte das Gefühl, die ganze Stadt ist da, tummelt sich vor der riesigen Bühne, auf der echte Jazzgrößen wie Vusi Mahsakehla zu sehen waren (ich hoffe das schreibt man so). Und buchstäblich jeder zweite hatte einen Grill dabei und ganze Kühltruhen voller Essen, um mit Kind und Kegel vor der Bühne einen Braai zu machen. Alle waren sehr entspannt und gut gelaunt, das gute Wetter hat sein übriges dazu getan und deshalb war es ein sehr schöner Sonntag.

ein Elefant im Pilanesberg Nationalpark

ein Elefant im Pilanesberg Nationalpark

Ein anderes Highlight war mein Trip zum Pilanesberg Nationalpark letztes Wochenende. Wir haben uns einfach in mein Auto gesetzt, sind drei Stunden Richtung Nordwesten gefahren und haben unglaublicher Weise sehr viele wilde Tiere gesehen! Nach drei Stunden durch das südafrikanische Nichts war das eine sehr schöne Abwechslung, im Park auf einmal Elefanten, Nilpferde, Gazellen, Zebras, Nashörner, Gnus und so weiter zu sehen! Und das aus meinem eigenen Autofenster! Aber wie gesagt, ich musste schon ein Stückchen aus der Stadt raus fahren, um das Klischee-Afrika zu finden, das wir immer im Kopf haben, wenn wir an Südafrika denken! Und es war wunderschön!

 

Cars are a big deal

Dienstag, 21. August 2012 von Lena Monshausen

In meiner ersten Woche, als ich noch als Beifahrerin bei Sarah mitgefahren bin, habe ich schon gemerkt, dass man in Johannesburg ohne Auto einfach aufgeschmissen ist! Man kommt nicht wirklich von A nach B, zumindest nicht, wenn man sich in dem unendlichen, komplizierten Netz an Minibus-Taxis und deren Geheimsprache nicht auskennt. Als Nicht-Joburger ist das so gut wie unmöglich. Zumindest kommt mir das so vor… Alles, was ich bisher verstanden habe, ist Folgendes: Hält jemand einen Finger nach oben, will er in Richtung ‚town‘, also Stadt, hält er den Finger nach unten, will er genau in die andere Richtung. Allerdings gibt es keine festen Strecken, Wege, Anhaltspunkte etc… man muss einfach wissen, wo man ein- und aussteigt, welches Zeichen man geben muss und so weiter und so fort. Als Autofahrer muss man außerdem ständig darauf gefasst sein, dass ein Minibus-Taxi plötzlich irgendwo anhält, um Leute rein oder raus zu lassen, es ununterbrochen hupt, um Leute am Straßenrand zu fragen, ob sie mitwollen und die heikelsten Manöver auf der Straße hinlegt. Kurz und gut, die einzige und unangefochten wichtigste Regel im Straßenverkehr: Minibus-Taxen haben immer Vorrang!

Ansonsten habe ich mich schon relativ gut daran gewöhnt, alles mit dem Auto zu machen. Die Straßen sind sehr breit, und der Highway verläuft mitten durch die Stadt. Er spaltet sogar die Wits University, eine der größten Unis der Region, in zwei Teile. Das Ganze sieht dann vom Campus gesehen so aus:

So lange ich weiß, wohin ich fahre, also meine Wege kenne, ist alles ganz unstressig 😉 Aber wenn das mal nicht so ist, wie heute zum Beispiel, dann verfranst man sich in null Komma nix! Heute hab ich mich kurz mit einem Couchsurfer aus Deutschland, den ich über eine Freundin kennen gelernt habe, in der Rosebank Mall verabredet. Da ich ihn aber erstmal abholen musste, habe ich garantiert drei Umwege genommen, musste zweimal wenden, weil ich in die komplett falsche Richtung gefahren bin und hatte dann ein kleines Kuddelmuddel mit meiner Straßenkarte, die zwar sehr detailliert, aber deshalb auch sehr groß ist… Das alles UND auch noch auf der richtigen (falschen) Seite zu fahren, war dann doch leicht stressig. Wie auch immer, ich bin schließlich angekommen, wo ich hinwollte!

Kaum komme ich nach Hause und fahre in unseren Hof rein, ist schon der nächste Autoauflauf da:

Leider kein Witz, die Polizei war da, denn in einem der Studentenzimmer wurde eingebrochen und der Laptop geklaut. Allerdings hatte diese Studentin ihr Zimmer wohl nicht abgeschlossen, da sie nur kurz in der Küche war… Nächste Lektion: Nicht nur die Autotüren immer verriegeln, auch immer die Wohnungstüren abschließen, auch wenn man im Haus bleibt! Nach dem Tag bin ich echt froh, dass ich jetzt in mein Bettchen gehen kann 😉

 

Line up please!

Donnerstag, 16. August 2012 von Lena Monshausen

Uff, eine ganze Woche bin ich nun schon hier in Johannesburg und schon ganz schön geschafft! Seit Montag sind Ferienspiele für die Kinder, die auch noch bis Ende nächster Woche dauern werden. Es sind verschiedene Künstler aus Johannesburg eingeladen worden, um Kunst mit den Kindern zu machen. Eine sehr schöne Idee, und es sind auch schon sehr schöne Produkte daraus hervor gegangen.

Allerdings ist die Durchführung nicht ganz so leicht 😉 Man stelle sich circa 200 Kinder im Alter von fünf bis 12 oder 13 vor, die alle in einer großen Sporthalle an verschiedenen Tischen sitzen und Perlenketten basteln, Tonteller bemalen, Masken basteln, Kohlezeichnungen anfertigen, Glasplatten färben und und und… Der Lärmpegel ist manchmal echt knapp an der Grenze 😉 Zum Glück haben wir viele Freiwillige, die uns helfen, die Kinder von A nach B zu bugsieren. Und dann heißt es wieder: Line up, Kids! We’re going to have lunchbreak soon! Ich sag nur: Bald ist Wochenende!

Neben der Arbeit im Projekt bin ich froh, wenn Sarah Zeit hat, mich ein bisschen im Viertel rumzuführen, mir geduldig Verkehrregeln (deren es hier nicht allzu viele gib, jeder fährt so wie er es für richtig hält, denke ich…) zu erklären, mir Leute vorzustellen und mich zumindest diese Woche überall noch ein bisschen an die Hand nimmt. Am Sonntag fliegt sie allerdings zurück nach Deutschland, bis dahin nutzen wir die Zeit noch gut 😉

Nächste Woche komme ich hoffentlich dazu, ein paar Ecken von Johannesburg kennen zu lernen. Direkt neben dem Studentenwohnheim, in dem mein Appartment ist, liegt zum Beispiel die Wits University, eine renommierte Uni hier in Johannesburg. Auf dem Gelände kann man schön spazieren gehen und es gibt auch ein Museum und ein Planetarium, was ich nächste Woche hoffentlich besichtigen werde… (Schließlich will ich wissen, was es hier so alles zu entdecken gibt!)

So, das war’s für heute! Gleich machen die Studenten noch eine Dinnerparty, einmal um Sarah zu verabschieden und auch um mich willkommen zu heißen! Ich bin schon hungrig nach einem anstrengenden Arbeitstag, deshalb sage ich byebye und bis zum nächsten Mal!

 

Oh mein Gott, was nehm ich mit?

Sonntag, 05. August 2012 von Lena Monshausen

Am 8. August geht's los – auf nach Südafrika!

Jetzt sind es nur noch drei Tage – und dann heißt es auch für mich: Startschuss für meinen Freiwilligendienst! Momentan bin ich noch dabei meine Koffer zu packen. Aber was braucht man denn alles? Es ist gar nicht so einfach, für ein Jahr seine Sachen zu packen – im wahrsten Sinne des Wortes 😉 Aber ich freue mich auf meine Abreise, ich bin schon ganz gespannt, wer und was mich in Südafrika erwartet. Von Sarah, meiner Vorgängerin, habe ich bisher nur Gutes gehört, und obwohl ihr vielleicht der Abschied schon viel zu nah rückt, wenn ich dann ab Donnerstag da bin, freue ich mich drauf, sie endlich kennen zu lernen. An dieser Stelle schonmal Danke für die vielen nützlichen Tipps! Als allererstes habe ich mal dicke Socken für die noch kalten Nächte in Johannesburg eingepackt 😉 Kaum zu glauben, dass ich jetzt in den Winter fliege. Andererseits, momentan ist das Wetter hier in Aachen ja auch nicht bombig, von daher fällt es mir relativ leicht in den Flieger zu steigen. Huh – und da sollte ich noch ein paar mehr Sachen als nur dicke Socken drin haben. Deshalb werde ich jetzt mal weiterpacken. Bis nächste Woche, dann aus Johannesburg!