Silvester und die vielen guten Vorsätze für das neue Jahr

Sonntag, 08. Januar 2012 von Jakob Bauer

Hallo in 2012!

Ich hoffe erst einmal, dass alle von euch gut und gesund ins neue Jahr gekommen sind. Ich bin es definitiv. Silvester habe ich bei meinem Freund Max in Masaya verbracht. Hier war es so, dass die meisten Menschen vor 12 Uhr alle zu Hause bei der Familie waren und erst danach zum Feiern aufgebrochen sind. Wie schon viele Tage zuvor wurde natürlich auch an diesem “geböllert”. Nur dieses Mal noch etwas mehr, was dann gegen Mitternacht im Höhepunkt gipfelte. Überall wo man hinsah wurden Raketen und ähnliche Feuerwerkskörper abgeschossen. Also nicht viel anders als in Deutschland und wie Silvester nun mal so ist, hörte es genau so schnell auf wie es angefangen hatte. Was für mich die einzige Umstellung war, dass ich genau wie Weihnachten, Silvester noch nie in T-Shirt draußen verbringen konnte. Darüber hinaus gehen die Menschen hier viel entspannter mit den Feuerwerkskörpern um und halten diese gerne so lange in der Hand, bis die Lunte komplett heruntergebrannt ist. :D

Als ich wieder zu Hause war, habe ich dann damit begonnen, mich wieder mit meiner Arbeit auseinander zusetzen und zu schauen, welche Projekte und Aktionen ich gerne noch in meinem Zentrum “Jesus Amigo” realisieren möchte.

Anfang Februar enden dann die Ferien der Kinder und die Schule geht wieder los. Auf diesen Zeitpunkt freue ich mich schon besonders, da ich dann endlich wieder meine “Kids” sehe.

Über die Projekte habe ich Maria Theresa, der Direktorin des Zentrums, gesprochen. Dabei hatten wir beide viele gute Ideen und Vorstellungen, was man machen könnte. Ob alle Vorhaben auch realisierbar sind, wird sich dann zeigen. Zum einen haben wir vor, dass Zentrum von außen neu zu streichen. Des Weiteren hat sie mir gesagt, dass ich bald eine weitere Gruppe im Zentrum mit übernehmen soll, um mich somit noch enger mit in die Arbeit einzubeziehen. Weitere Aktionen, die wir uns überlegt haben, sind ein Fußballturnier mit den von Werder gesponserten Trikots, eine große Ausstellung mit Bildern und Bastelein der Kinder (die Vorbereitungszeit dafür soll 2 Monte betragen, also wird es wohl eine relativ aufwändige Ausstellung) und ein Besuch im Zoo, Schwimmbad oder Museum (mal schauen ob sich auch alles ermöglichen lässt).

Ihr seht wir haben hier noch viel vor und ich hoffe sehr, dass ich noch so viel wie möglich für die Kinder realisieren kann.

Montag geht das dann mit Freunden zuerst noch einmal nach Belize, um danach dann wieder voll mit meiner Arbeit und meinen Visionen durchzustarten.

Ich habe mir meine Ziele für 2012 gesteckt, hoffe, dass ich hier noch viele schöne Dinge in meiner Arbeit und außerhalb erleben werde und möchte natürlich noch gerne so viel wie möglich tun.

Das war ein kleiner Ausblick auf die nächsten Monate hier und ich wünsche euch allen ein gesundes und spannendes Jahr 2012!

Euer Jakob

 

Weihnachten und Silvester in Mexiko….

Montag, 02. Januar 2012 von Ricardo Rehfeld

Heute war der erste Tag im neuen Jahr 2012 und ich habe jetzt schon ganze vier Monate in Mexiko.

Die Zeit geht super schnell vorbei, wenn man bedenkt, dass mir jetzt nur noch knapp 8 Monate bleiben.

In der letzten Zeit ist viel passiert, vor allem der Monat Dezember ging mit seinen Feiern und Festen wie im Flug vorbei. Die Jungs haben über Weihnachten und Silvester auch Ferien und ich hatte die Möglichkeit, noch mehr Zeit mit ihnen zu verbingen.

Jeden Tag gab es etwas anderes zu feiern und die Jungs hatten immer ihren Spaß. Ein Highlight jeder Feier sind Piñatas. Dies sind mit Süßigkeiten gefüllte Ballons, die von den Kindern zerschlagen werden.

Ich war natürlich sehr gespannt, was mich über die Weihnachtstage erwartet. Die Tage bis Weihnachten gingen sehr schnell vorbei. Wir haben viele verschiedene Aktionen mit den Kindern unternommen. Waren im Schwimmbad, im Safaripark, im Museum, im Kino, haben den Weihnachtsbaum und die Krippe aufgestellt, haben dem Mädchenhaus einen Besuch abgestattet etc.

Von dem Besuch bei den Mädchen muss ich dann doch etwas mehr erzählen. Als wir beim Haus der Mädchen ankamen, hörte man das Geschrei und Getöse schon einen Kilometer vorher. Dort angekommen, erwarteten uns 40 pubertierende Mädchen und mir taten die Jungs schon ein bisschen leid. Aber am Ende verlief alles friedlich und der ein oder andere wollte am Schluss gar nicht mehr weg.

Zuürck zu Weihnachten. An Weihnachten war ich den ganzen Tag im Heim. Wir mussten viel vorbereiten.

Abends waren wir in der Weihnachtsmesse und danach gab es ein schönes Abendessen mit allen Jungs und Leitern zusammen. Es war eine angenehme Stimmung, aber ich habe schon das typische Weihnachten aus Deutschland vermisst.

Spät am Abend bin ich dann noch zu meiner Gastfamilie und dort war es genau wie in Deutschland. Mit der ganzen Familie wurde gegessen, erzählt und es wurden einige Geschenke verteilt.

Beide Erfahrungen im Heim und in der Familie waren sehr schön. Am ersten Weihnachtstag war ich dann in der Gastfamilie und wir haben den Tag ganz gemütlich zu Hause verbracht. Am zweiten Weihnachtstag musste ich arbeiten. Es war aber sehr angenehm, da viele der Jungs für eine Woche bei ihren Familien zu Besuch waren. Doch diese Woche bei den Familien ist meistens nicht ganz einfach. Viele der Jungs wollen nicht unbedingt zu ihren Familien, da es dort oft Probleme gibt. Oft kommen sie dann emotional angeschlagen wieder zurück, aber diese Erfahrung soll den Jungs zeigen, dass sie das Leben, das sie im Heim haben schätzen sollen und wissen, wie gut sie es mit Hogares Calasanz (Einrichtung)  angetroffen haben.

Aber einige andere Jungs würden gerne für eine Woche zu ihren Familien, doch viele der Jungs haben nicht einmal Oma und Opa oder Tante und Onkel, die sie besuchen können. Einigen Jungs merkte man an, dass sie sehr traurig waren, dass dieses Jahr keiner zum Heim kam, um sie abzuholen und mit ihnen Zeit zu verbingen.

Dies war auch für mich nicht einfach aber ich versuchte, die Jungs so gut es ging zum Fußball oder zum spielen zu motivieren.

Am Samstag war Silvester. Ich war leider etwas angeschlagen und daher nicht so sehr in Feierlaune aber ich fand das Essen im Heim trotzdem sehr angenehm und wir hatten unseren Spaß. Um 12 Uhr wurden dann ein paar Raketen gezündet, aber irgendwie fehlte mir die Feierlaune aus Deutschland. Auch die Wünsche und Umarmungen zum neuen Jahr fehlten mir. Als die Feier im Heim zu Ende war, bin ich noch zu meiner Gastfamilie gefahren. Dort gab es eine große Feier mit der ganzen Verwandschaft, was sehr schön war. Ich wurde herzlich empfangen und wir feierten noch bis in die Morgenstunden.

Diese Woche habe ich dann auch mal ein paar Tage frei und kann entspannen. Darüber bin ich auch sehr froh, da der Monat Dezember nicht ganz einfach war im Heim und ich auch die Erfahrungen mit den Jungs erstmal verarbeiten muss.

Ich wünsche allen einen guten Start ins neue Jahr.

 

Weihnachten, Silvester und Co.

Sonntag, 01. Januar 2012 von Sarah Patzelt

Nun schreiben wir schon den 1.1.2012 und ich bin seit gut 4 Monaten in Südafrika. Die Zeit ist so schnell verflogen, dass ich mich manchmal wortwörtlich erschrecke, dass es jetzt „nur” noch 8 Monate sind, die mir hier bleiben.
Weihnachten und Silvester waren wirklich sehr schön, aber fangen wir von vorne an.

Einladungsmarathon oder auch Chicken und Braai ohne Ende

Die letzten 2 Wochen hatte ich sehr viele Einladungen zum Mittagessen oder zum Abendessen, da irgendwie jeder bedacht war, dass ich bloß nicht alleine zur Adventszeit bin. Das war wirklich sehr schön und ich habe mit Freude jede Einladung angenommen. (Und einen ganz  klaren Vorteil hatte das Ganze nebenbei auch noch, ich musste nicht selber kochen :-D)

Nun ja, wie könnte es auch anders sein, wurde fast jedesmal gegrillt (südafrikanisch: Braai). Ich dachte wirklich, dass wir Deutschen schon verrückt mit dem Grillen sind, aber hier scheint es wirklich noch viel, viel verrückter zu sein. Nichts geht über einen Braai und wenn´s geht, so oft wie möglich und vor allem Fleisch, Fleisch und nochmals Fleisch, vorwiegend Chicken natürlich. Ehrlich gesagt, kann ich Chicken schon fast nicht mehr sehen, denn es gibt Chicken-Bratwurst, Chicken-Lasagne usw. Den einen Tag kam es soweit, dass ich zu einem Bekannten sagte, der mich fragte ,wohin ich denn heute gehen würde: „Zu einem Braai und wenn es dann wieder Chicken gibt, renne ich davon”. Natürlich gab es Chicken und natürlich bin ich nicht davon gerannt :-) Und so schlimm ist Chicken nun auch wieder nicht, so dass ich es wohl die nächsten 8 Monate mit Chicken aushalten werden :-D

Südafrikanisches Weihnachten

So, nun aber zum Weihnachtsfest, was wahrscheinlich die meisten Leute interessieren wird. Wie wurde hier Weihnachten gefeiert?
Generell wird hier erst einmal nicht am Heiligabend gefeiert sondern erst am „Christmas Day” (=1. Weihnachtsfeiertag). Ich war trotzdem am Heiligabend bei meinem Chef und Familie zum Essen eingeladen (nein, es war kein Braai, sondern ein kaltes Buffet, aber ratet mal was es an Fleisch gab: Chicken :-D)
Nach dem Essen bin ich dann noch in die Mitternachtsmesse gegangen, die dann irgendwann gegen 1 Uhr nachts zu Ende war und anschließend haben wir noch einen Absacker getrunken. Es war wirklich ein sehr schöner heiliger Abend und nicht so viel anders als ein “deutscher Heiligabend” :-)
Am nächsten Tag bin ich dann wieder bei meinem Chef und Familie zum Mittagessen eingeladen gewesen und mein Herz jauchzte als ich entdeckte, dass es kein Chicken gab, sondern Lamm und Kassler. Den Tag verbrachten wir dann, warum sollte es auch anders sein als im lieben Deutschland, mit Essen, Essen und nochmals Essen. Es gab zum Kaffee einen sogenannten „Christmas Pudding”, was sich als matschiger Schokokuchen mit Rosinen, Kirschen und allerlei weihnachtlichen Gewürzen heraustellte. (Sehr lecker!) Es war ein wirklich schön, entspannter Tag und glücklicherweise war uns das Wetter hold und es gab keinen Regen, sondern strahlenden Sonnenschein. (Ja, auch in Südafrika gibt es mal schlechtes Wetter und nachdem es  Heiligabend ganze 14 Grad und bewölkt war, freuten wir uns alle über die Wärme :-))
Den 2. Weihnachtsfeiertag habe ich dann wieder mit einem Braai verbracht und anschließend bei der Suppenküche für Obdachlose, die hier in der Kirche montagabends geöffnet ist, geholfen.
Eine „Kuriosität” was Feiertage in Südafrika angeht, muss ich hier dann doch noch erwähnen und wahrscheinlich werden einige dann doch ein bissl neidisch werden. Denn sollte ein Feiertag auf einen Sonntag o.ä. fallen (was dieses Jahr für den Christmas Day und für New Years Day gilt) wird der freie Tag einfach auf den folgenden Tag verschoben. Das hatte zur Folge, dass letzte Woche sowohl der Montag (26. Dez) und auch der Dienstag (27.) frei war. Denn der 26. Dezember (Boxing Day = Die Leute strömen an diesem Tag in die Einkaufszentren, um ihre Weihnachtsgeschenke umzutauschen) war bereits ein Feiertag  und so wurde der freie Tag vom 25. Dezember bis zum 27. Dezember verschoben. (Ich hoffe, das war verständlich ;-)) Wie ich dann allerdings entdeckte, bedeutet „Feiertag” nicht, dass die Einkaufszentren zu haben, sondern im Gegenteil wirklich wortwörtlich überlaufen sind.

Und nach wie vor fällt es mir schwer, mich an die Weihnachtsdekoration zu gewöhnen. Bzw. vor allem an die Dekoration des künstlichen Weihnachtsbaumes. Da in unserer Familie, es eher schlicht mit Strohsternen, Lichterkette und Kerzen gehalten wird, bin ich das ganze Geblinke, Geglitzer und Farbenfrohe nicht gewohnt. Es scheint hier die Aufgabe zu sein, soviel Grün vom Tannenbaum hinter blinkenden Weihnachtskugeln mit einem Rentier darauf, Lamette und bunter, blinkender Lichterkette zu verstecken, wie es nur möglich ist :-)

Südafrikanisches Silvester

Im Grunde unterscheidet sich das “südafrikanische” Silvester nicht wirklich vom “deutschen” Silvester, außer vielleicht der Braai anstatt Fondue (wobei auch dieses hier an Silvester gemacht wird und ich einige wahnwitzige Personen kenne, die auch an Silvester in Deutschland grillen).
Interessant ist vielleicht zu erwähnen, dass man anscheinend eine Erlaubnis braucht, um ein Feuerwerk in der Wohnsiedlung abzufeuern. (Und ich muss sagen, nachdem was ich gestern direkt neben uns mitbekommen habe, brauchen einige Leute wohl auch einen Lehrgang in Sachen Feuerwerk) Und auch wenn man mir erzählte, dass viele Leute einen Haufen Geld für Feuerwerk ausgeben, können sie doch mit Deutschland (zumindest in dem Teil von Johannesburg, den ich vom Balkon aus sehen konnte) nicht mithalten. Was eigentlich auch nicht so schlimm ist, bedenkt man zum einen die wahnwitzige Idee, Millionen von Euro/Rand in die Luft zu feuern und zum anderen die Umweltverschmutzung, die damit einhergeht.
Und wieder fällt einem auf, dass wir Deutschen anscheinend bevorzugt nach Südafrika ausgewandert sind. Denn da sitzt man nichtsahnend am Tisch (ich wurde zum ersten Mal auch nicht mit: „Das ist meine Freundin Sarah. Sie ist aus Deutschland” vorgestellt) und auf einmal realisiert man, dass das ältere Ehepaar neben einem sich auf deutsch unterhält. Und natürlich: beim Nachfragen kommt heraus, dass der Ehemann als kleiner Junge mit seinen Eltern nach Südafrika ausgewandert ist. Mich würde echt interessieren, wie viele Deutschstämmige hier in Südafrika leben, denn egal wo ich auch hinkomme, irgendjemanden treffe ich dann doch, der deutsche Wurzeln hat und teilweise auch noch deutsch spricht :-)

“Now” oder “now now”?

Ansonsten ist nicht wirklich viel passiert, ich habe frei und entspanne viel und sehe mir die Gegend an. Und dann ist eines Morgens nach meiner Joggingrunde mein Auto kaputt gegangen und ich stand 3 Stunden am Straßenrand und wartete auf jm., der mich abschleppen sollte. Er sagte mir nach 2 Stunden am Telefon, er wäre „now” (jetzt) auf dem Weg. Und als ich auflegte, dachte ich nur bei mir: „Mist, er hat nur „now” gesagt und nicht „now now”. Da kann ich mich wohl noch auf eine Weile Warterei einstellen. Und ich hatte Recht: 1 Stunde später traf er dann endlich ein. Das ist auch so eine Eigenart im südafrikanischen Wortschatz: „now” bedeutet keinesfalls, dass es sofort erledigt wird, sondern erst „nownow” ist gleichbedeutend mit unserem „jetzt”. Aber sobald man dieses für sich entdeckt hat, kann man damit sehr gut umgehen. Und obwohl ich Warterei hasse und ich schließlich 3 Stunden in stinkenden Joggingklamotten ohne Dusche und in praller Sonne (ich hatte meinen ersten Sonnenbrand :-)) warten musste, fand ich es komischerweise doch eher amüsierend :-)

Abschließend bleibt mir noch zu sagen, dass ich allen ein frohes und gesegnetes neues Jahr wünsche :-)

 

Zwischen Trauer und Fröhlichkeit - Beerdigung und Weihnachten

Donnerstag, 29. Dezember 2011 von Jakob Bauer

Hallo ihr Lieben,

am 24. Dezember war es nun soweit. Das erste mal, dass ich ohne meine Familie und in einem fremden Land Weihnachten gefeiert habe.

Beginnen möchte ich dennoch mit der Geschichte von meinem letzten Arbeitstag. Dieser war am Freitag den 16. Dezember und es fand noch einmal eine “Purisima” statt. Am Tag zuvor hatten wir aus vielen kleinen Tüten, gefüllt mit Kaugummi, Reis, Schokolade, Keksen und weiteren Dingen, viele große Päckchen gezaubert. Diese überreichten wir dann nach der “Purisima” den Kindern. Zum Abschluss gab es dann noch ein Gruppenfoto mit allen Beteiligten. Ich war etwas traurig, da ich die Kinder nun für eine doch etwas längere Zeit nicht wiedersehen werde. Doch ich freue mich schon wahnsinnig darauf, im neuen Jahr wieder mit ihnen zusammen zu sein.

Komme ich nun zu einer etwas traurigeren Nachricht. Am Samstagmorgen, eine Woche vor Heiligabend, verstarb der Bruder meiner Gastmutter. Diese Nachricht hat mich sehr getroffen und mein ganzes Mitgefühl war in diesem Moment bei meiner Gastmutter. Dennoch war ich auch etwas verwirrt, da ich erstens den Verstorbenen nicht kennen gelernt habe und zweitens noch nie zuvor einen Todesfall eines Menschen in meinem weiteren Umfeld miterlebt hatte.

Es hat mich sehr betroffen gemacht, als ich meine Gastmutter so traurig gesehen habe und die Familie des Verstorbenen. Das nahm mich auch sehr mit, aber trotzdem hatte ich nicht diese Verbindung zu dieser Person und deshalb fiel es mir dann doch wahrscheinlich etwas leichter, auf die Situation zu reagieren. Das soll jetzt nicht bedeuten, dass ich nicht betroffen gewesen war, denn so eine Beerdigung und die ganze Prozedur die damit einherging, muss ich nicht unbedingt so schnell wiedererleben. Es war ein sehr schweres, ruhiges und betretenes Wochenende für mich. Auch war es eine sehr anstrengende Zeit, da viel organisiert werden musste, was für die Angehörigen sicherlich nicht die einfachsten Dinge waren. Ich nahm an allen Zeremonien teil und zeigte mein Mitgefühl. Dennoch hielt ich es auch für richtig, mich doch etwas außen vor zu lassen, da ich einfach nur wenige Verbindungen mit dem Bruder meiner Gastmutter hatte und wie gesagt, das auch ein wenig neu, seltsam und traurig für mich war.

Ich kann natürlich jetzt die Leute verstehen, die denken, wie kann man in einem Blog nur über so etwas privates aus seiner Gastfamilie erzählen, aber ich brauche das einfach. Es tut mir gut, wenn ich so etwas hier niederschreiben kann und dabei versuche zu erklären, wie ich es erlebt und verarbeitet habe.

Nach diesem Wochenende hatte ich das Gefühl, dass das Alltagsleben die Menschen doch sehr schnell wieder eingeholt hatte, denn am Montag ging es für alle wieder an die Arbeit.

Dadurch kam bei mir natürlich auch noch nicht wirkliche Weihnachtsstimmung auf und somit schlug ich oftmals die Zeit tot und hoffte inständig, dass mein Paket von meiner Familie aus Deutschland noch rechtzeitig hier angekommen würde. Es kam nicht rechtzeitig an und es ist auch heute immer noch nicht da.

Weitere Faktoren, die mich irgendwie nicht richtig in Weihnachtsstimmung kommen ließen, waren das warme Wetter hier, was ich zu so einem Jahreszeitpunkt natürlich überhaupt nicht kenne und überhaupt alle diese Dinge die für mich zuhause in Deutschland Tradition hatten. Es fehlte mir im Haus an Beleuchtungen, an weihnachtlicher Musik und am Geruch von frisch gebackenen Plätzchen. Letzteres habe ich durch meine Eigeninitiative und die Hilfe meiner Mutter noch etwas ändern können. Das Ergebnis war ein voller Erfolg und somit habe ich das Rezept schon auf spanisch übersetzt und weitergegeben.

Insgesamt also, war es dieses Jahr eine eher komische Vorweihnachtszeit, welche auch sehr schnell vorüberzog.

Am 22. Dezember konnte ich mich dann wieder einmal nützlich machen im Haus, indem ich half, über 100 Pakete mit zu verpacken. Dies war eine Aktion meiner Gastmutter, die für alle Mitarbeiter ihrer Tankstelle ein Weihnachtspaket zusammengestellt hatte. Darin befand sich z.B. Zucker, Reis, Bohnen, Cola, Kaffee, Kekse, Öl und andere weitere nützliche Dinge. Des Weiteren spendete mein Gastmutter auch noch Pakete für eine Kirche, die dort an Familien aus den jeweiligen Dörfern verteilt wurden.

Am Morgen darauf bin ich um 4 Uhr aufgestanden um an der Messe für Kinder um halb 6 Uhr in der Früh teilzunehmen. Hier heißt diese Messe “la misa de los ninos” und diese finden täglich eine Woche vor Weihnachten immer um halb 6 Uhr morgens in der Kirche statt. Dabei handelte es sich um die Kirche, von der ich den Pfarrer kannte, da dieser gut mit meiner Gastmutter befreundet ist. Wie es sich gehörte, ließ er mich in dieser Messe vor allen Leuten aufstehen und stellte mich allen vor. Dies war mir etwas peinlich und ich war leicht verlegen. Dennoch sah ich mit Freude, wie positiv die meisten Menschen dort auf mich reagierten und ich habe mich sehr darüber gefreut, als beim “der Friede sei mit dir” viele Kinder zu mir kamen und mich umarmten. Diese Nähe zu den Kinder gefällt mir sehr und ich fühle mich in ihrer Gegenwart sehr wohl.

Nun komme ich also zu Heiligabend.

Wie es sich natürlich gehörte regnete es an Weihnachten den ganzen Tag lang. Ich verbrachte den Tag damit, mein Geschenk für meine Gastmutter zu verpacken. Ich habe ihr ein Foto von uns geschenkt in einem Fotorahmen, etwas Weihnachtsmusik zum anhören und habe mit Freunden aus Deutschland geschrieben, um diesen frohe Weihnachten zu wünschen.

Gegen Abend trudelte dann nach und nach die Familie ein und die ganzen Geschenke wurden unter den Tannenbaum gelegt. Um 9 Uhr ging es dann zur Weihnachtsmesse. Die Messe enthielt ein sehr schönes Krippenspiel und hat mir sehr gut gefallen. Die Messen hier unterscheiden sich doch etwas von denen in Deutschland. Es ist meistens nicht ganz so still in den Messen wie bei uns, die Mikrofone sind eindeutig zu laut eingestellt! :D und vereinzelt gibt es Lieder, bei denen euphorisch mitgeklatscht wird und es dadurch für mich etwas abwechslungsreicher und lockerer wirkt. Die restlich Prozedur ist jedoch hier genauso wie in Deutschland.

Nach dem Gottesdienst ging es dann wieder nach Hause. Dort gab es für alles etwas zu essen, jedoch aßen wir nicht alle zusammen, was ich etwas schade fand. Währenddessen begann zeitgleich im Nebenraum schon die Bescherung und draußen wurde kräftig geböllert. Ja ihr habt richtig gelesen: geböllert! Der Gebrauch von Böllern, sowie die Tatsache, dass sich alle um Mitternacht frohe Weihnachten wünschten, erinnerten mich komischer Weise auch ein kleines bisschen an Silvester. Es war schon ein wenig anders dieses Weihnachten, da mir die vertrauten Personen fehlten. Aber es war auch spannend mitzuerleben, wie die Menschen hier Weihnachten feiern. Meine Gastmutter hatte sogar für mich ein Geschenk besorgt. Ich bekam ein schickes grünes T-Shirt und Parfüm. Eine weitere kleine Einzelheit, die ich euch nicht vorenthalten möchte ist, dass am Ende Perücken und Partyhüte verteilt wurden und dann noch viele Erinnerungsfotos geschossen wurden.

Alles in allem ging Weihnachten dieses Jahr doch recht zügig vorbei, ich habe die Zeit jedoch sehr genossen und bin froh einmal ein etwas “anderes” Weihnachten miterlebt zu haben.

Morgen, am 29. Dezember, werde ich mich auf den Weg nach Masaya zu meinem Freund Max machen und am Tag darauf werden wir uns dann gemeinsam auf den Weg nach San Juan del Sur machen um dort am Meer Silvester zu feiern und gut ins neue Jahr reinzurutschen.

Das war dann wohl der letzte Bericht in diesem Jahr…

Ich wünsche euch allen noch schöne letzte Tage im Jahr 2011 und hoffe das ihr alle gut ins neue Jahr 2012 rutscht, gesund bleibt und weiterhin mit viel Freude durch das Leben geht!

Ich werde mich dann im neuen Jahr wieder bei euch melden!

Viele Grüße aus Juigalpa,

euer Jakob

 

Ein Monat zwischen Feierlichkeiten, Arbeit und der “Purisima”…

Samstag, 10. Dezember 2011 von Jakob Bauer

Hallo an alle!

Ja ich lebe noch und mir geht es auch wieder ausgesprochen gut. Heute möchte ich euch wieder auf den neuesten Stand bringen.

Beginnen möchte ich mit den Wahlen, die am 6. November in Nicaragua stattgefunden haben. An jenem Morgen begleitete ich meine Gastmutter zu ihrem Wahllokal und beobachtete ein bisschen das Geschehen. Es war für mich sehr unspektakulär, da ich aber auch bis jetzt noch nie wählen war, eine nicht allzu verwunderliche Tatsache. Es gewann nicht überraschend Daniel Ortega, der nun seine 3. Amtszeit bestreitet. In der Nacht zum Montag, als die ersten Ergebnisse seines Wahlsieges bekannt gegeben wurden, gab es auf den Straßen viele Autokorso der Sandinisten, wie ich sie sonst nur aus Deutschland kenne, zur Zeit einer Fußballweltmeisterschaft öder ähnlichem. Insgesamt gesehen gingen die Wahlen für mich jedoch sehr schnell und unaufgeregt vorbei.

Am nächsten Wochenende ging es dann zu meinem Freund Max nach Masaya, der dort mit zwei anderen deutschen Freiwilligen eine gemeinsame WG “aufgemacht” hatte. Zu diesem Zweck gaben sie eine kleine Einweihungsparty in ihrem neuen Zuhause und es war eine schöne Gelegenheit für mich, andere Freiwillige, welche ich auf den Vorbereitungsseminaren in Deutschland kennen gelernt hatte, wiederzusehen.

Die Zeit danach verlief mehr oder weniger ereignislos und ich arbeitete viel in meinem Zentrum. Dies tat sehr gut und ich hatte viel Zeit, die ich mit meinen Kindern dort verbringen und ihnen helfen konnte. Dies war auch sehr wichtig, da die Kinder zu dieser Zeit, also Ende November, alle ihre Prüfungen hatten und daher noch etwas üben wollten. Des Weiteren hatte ich ein paar Süßigkeiten für die Kinder organisiert und war sehr froh darüber, dass mir diese Überraschung für die Kinder gelungen ist.

Ein weiteres Ereignis, über welches ich mich sehr gefreut habe, ist, dass ich es geschafft habe, Werder Bremen von einer Spendenaktion für mein Zentrum “Jesus Amigo” zu überzeugen. Für diesen Einsatz von Werder Bremen kann ich mich nur bedanken und bin überzeugt davon, dass die Kinder mit den Trikots, welche als Sachspende zur Verfügung gestellt werden, sehr viel Spaß haben werden. Ich werde auch versuchen, wenn die Trikots hier angekommen sind, Fotos davon zu machen, wie diese dann im vollen Einsatz der Kinder aussehen werden.

Gegen Ende des Monats wurde ich etwas kränklich und fühlte mich körperlich schwach. Ich wurde mit vielen Medikamenten und viel Tee wieder etwas aufgepäppelt, bis es mir wieder etwas besser ging.

Am ersten Wochenende im Dezember war dann Max das erste mal bei mir zu Besuch und ich hatte an diesem Wochenende super viel Spaß. Dies hat mich aber auch viel zum Nachdenken gebracht und mir wurde wieder klar, wie gerne ich in meiner kleinen Stadt Juigalpa doch Gesellschaft von einem anderen Freiwilligen hätte. Das fehlt mir einfach doch des öfteren, um auch einfach mal mit demjenigen zu reden. Mit meinen “Nicafreunden” ist das auch alles möglich, jedoch in einem etwas beschränkterem Maße. Ebenso ist es hier aus meiner Sicht auch nicht so leicht möglich neue, wahre Freunde zu finden, mit denen ich viel unternehmen kann. Hier spielen aus meiner Sicht wieder die Aspekte der finanziellen Verhältnisse eine große Rolle. Auch mit meinen Freunden, welche ich jetzt schon habe, ist es auch nicht immer ganz so einfach, da mein einer Freund 11 Stunden am Tag arbeiten muss, das Wochenende nicht ausgenommen, und mein anderer Freund leider auch nicht immer Zeit für mich hat. Daraus entsteht dann immer viel Zeit, die ich für mich habe, zum Nachdenken und zum Ablenken mit anderen Dingen.

Nach diesem Wochenende ging es mir leider wieder schlechter und es war Zeit für meinen ersten Besuch beim Doktor! Ich weiß gar nicht mehr wie lange es schon her ist, dass ich eine Spritze in mein Gesäß bekommen habe?! :D Ich glaube es ist schon sehr lange her! Jedenfalls ging es mir nach der Spritze deutlich besser.

Eine weitere sehr interessante Sache, die mir hier passiert ist, war der Geburtstag meiner Gastmutter. Natürlich sagte mir niemand etwas davon im Vorhinein, sodass ich erst am Morgen ihres Geburtstages davon erfuhr. Daher gab es auch leider kein Geschenk von mir, jedoch ein kleines Ständchen in ihrer Tankstelle und eine Umarmung! In dem Büro meiner Mutter standen super viele Geschenke und sie hatte sich auch extra schön gemacht für diesen Tag. Als ich am Abend dann mit ihr Zuhause nochmal ins Gespräch kam, erklärte sie mir, dass ihr Geburtstag eigentlich erst am 6. Dezember sei. Da war ich natürlich überrascht und fragte, warum alle ihr dann schon am 25. November Geschenke und Glückwünsche überbracht hatten ?! Daraufhin sagte sie mir, dass ihre Mutter ihr damals wohl gesagt habe, dass sie früher geboren sei und nicht am 6. Dezember. Als meine Mutter dann später zum Amt ging und sich erkundigen wollte, wurde ihr gesagt, dass ihr Geburtstag am 6. Dezember sei. Da sich aber alle schon so daran gewöhnt hatten, ihr an dem anderen Tag zu gratulieren, fragte sie, ob sie ihr Geburtsdatum nicht umlegen könne. Dies ging natürlich nicht! Jedoch behielten ihre Freunde diese Gewohnheit anscheinend bei und nun ist es so, dass sie hauptsächlich am 25. November beglückwünscht und beschenkt wird, ihr Geburtstag jedoch erst später ist. Diese Geschichte war für mich im ersten Moment sehr amüsant, da ich so etwas noch nicht kannte!

Ein Ereignis, wovon ich euch unbedingt noch erzählen muss, ist die “Purisima”! Dabei handelt es sich um ein Fest, welches überall in Land gefeiert wird. Angesungen und angebetet wird hierbei eine Jungfrau, die immer in kleiner Form auf einem Altar vorhanden ist. Dieses Fest habe ich nun 4 mal miterleben dürfen. Das erste Mal war es in Managua, bei der Schwester meiner Gastmutter. Beim nächsten Mal war es die “Purisima” bei meiner Mutter. Sie fand in der Tankstelle statt und es kamen sehr viele Menschen. Die letzten beiden habe ich einmal in meinem Zentrum erlebt und die anderen auf der Straße! Der Ablauf ist ungefähr folgender: Zuerst wird viel gesungen und gebetet. Danach gibt es ganz viele Süßigkeiten, Früchte, Rasseln, etc. für die Menschen. Dabei wird natürlich weiter gesungen und alle haben viel Spaß dabei! Danach ist das Fest dann auch schon wieder zu Ende.

Was mir hierbei aufgefallen ist, dass diese “Purisima” einen extrem hohen Stellenwert in meiner Familie und auch bei vielen anderen Menschen hier hat. Des Weiteren kam ich zu dem Schluss, dass sich eine “Purisima” in einem größeren Zusammenhang mit dem “Nikolaus” bei uns vergleichen lässt. Bei beiden Dingen wird gesungen, es gibt Süßigkeiten, Orangen, etc. und ebenfalls, wenn auch hier in Nicaragua nicht überall, ziehen die Leute von Haus zu Haus. Der eigentliche Tag der “Purisima” ist der 8. Dezember, es wird jedoch auch schon davor dieses Fest zelebriert.

Im Moment befinde ich mich gerade in Costa Rica bei der Tochter meiner Gastmutter. Hier gehe ich heute Abend auch zu einer Abschlussfeier des Sohnes, der Tochter meiner Gastmutter. Dabei handelt es sich um den Wechsel eines Jahrgangs, was hier anscheinend etwas größer gefeiert wird. Dafür geht es heute Abend ins Hotel und morgen in aller Früh dann schon wieder mit dem Auto zurück nach Juigalpa.

Dass natürlich die Weihnachtszeit schon längst begonnen hat, nehme ich doch etwas anders war. Vor allem sind es die äußerlichen Umstände, die es für mich schwer machen in Weihnachtstimmung zu kommen. Bei 30 Grad ist es für mich einfach nur schwer möglich, in eine ordentlich Weihnachtstimmung zu kommen. Allerdings steht bei uns Zuhause in Juigalpa schon der Weihnachtsbaum und die Krippe! :) Weihnachten werde ich auch aller Vorraussicht nach in Juigalpa mit der Familie verbringen, worüber ich mich sehr freue.

So das soll es dann auch erst einmal wieder von mir gewesen sein!

Ich wünsche allen weiterhin eine frohe und besinnliche Weihnachtszeit!

Euer Jakob

 

Mich gibt es noch :-)

Montag, 05. Dezember 2011 von Sarah Patzelt

Nach langer Zeit melde ich mich auch mal wieder mit einem Eintrag. Allerdings waren die letzen 3 Wochen so voll mit Arbeit, dass ich kaum Zeit gefunden habe, wirklich darüber nachzudenken was ich alles mache. Und heute, heute habe ich beschlossen, mich keinen Zentimeter aus dem Bettchen zu bewegen, höchstens um zum Kühlschrank zu laufen :-)

Naja, wie ihr lesen könnt, hat das nicht ganz geklappt, und da nach wie vor einige Arbeit in den nächsten Wochen auf mich zukommt, werde ich jetzt mal diesen einen freien Tag nutzen und euch im schönen, kalten Deutschland über meine letzten 3 Wochen zu berichten.

Graduation 2011 - ein ganz besonderer Tag

Gestern hatten wir Graduation (Zeugnisübergabe und Verabschiedung der Sechstklässler, die nun in eine öffentliche Schule gehen). Die Graduation ist ein ziemlich große Sache in dem Projekt. Begonnen hat alles

mit einer Messe und einem kleinen Krippenstück, welches die Kinder fantastisch spielten. Danach gab es etwas zu essen und zu trinken und schließlich versammelten sich alle in einer großen Halle und jede Klasse hatte etwas vorbereitet, um es den Eltern, den Geschwisterkindern und den Gästen zu präsentieren. Es wurde geschauspielert, gesungen und getanzt. Es war eine große Freude zu sehen, dass die Kinder, die die letzten 2 Wochen fleißig geübt hatten, ihre Sache sehr, sehr gut machten. Danach wurden dann Zertifikate für den besten Schüler in Mathe, Englisch und Co. vergeben und dann endlich gab es die ersehnten Zeugnisse. Wobei ich glaube, dass für die Kinder die dazu gereichten Weihnachtsgeschenke weitaus mehr bedeuteten :-)

Zusätzlich hatten wir es geschafft uns in einem anderen Projekt einzuhaken, das hilfsbedürftigen Menschen die Chance gibt ein Portrait zu besitzen. Am Mittwoch, in all dem Stress, kam dann jemand und schoss 122 Portraits von unseren Kindern und wir konnten sie sogar gestern zurück geben. Wir haben sie auf der Bühne ausgelegt und die Kinder schrien und freuten sich sehr, wenn sie sich selbst oder einen Freund entdeckten. Man konnte „Sarah, wo bin ich?”, „Wuaa das bin ich”, „Hey das bist doch du” wild durcheinander hören und alle waren stolz auf ihr Portrait.

Meine Kollegin und ich waren sehr froh, dass dieser Tag vor allem für die Kinder so gut über die Bühne gegangen ist und dass der Tag endlich vorbei ist und wir uns nun in aller Ruhe unseren ganzen anderen Aufgaben widmen können.
Die letzten Wochen waren geprägt durch Zertifikate erstellen, Zeugnisse erstellen, Noten sammeln, um den Klassendurchschnitt zu berechenen, die Dekoration für die Graduation vorzubereiten und auch sehr viel Vertretungsunterricht zu machen, da „unglücklicherweise” einige Lehrer auch noch ausfielen. (Ich fand´s eher sehr cool, wieder in die Klassen gehen zu dürfen, anstatt den ganzen Tag Noten in Exceltabellen zu tippen, was ich letzten Endes trotzdem gemacht habe, da einer es ja machen muss :-))

Die Schule ist somit beendet und die Kinder werden erst am 11. Januar wiederkommen. Das bedeutet jetzt allerdings nicht, dass ich jetzt einen Monat frei habe. Es ist in den letzten Wochen so viel liegen geblieben, dass ich wahrscheinlich komplett durcharbeiten könnte. So haben wir nun endlich, nach langem Hin und Her, einen Stauraum bekommen, der jetzt mit all den Dingen, wie Uniformen und Büroartikeln, die nun unser Büro zumüllen, gefüllt werden muss. Die IPads müssen dringend kontrolliert werden und neue Applikationen aufgeladen werden. Die Klassenlisten für nächstes Jahr müssen erstellt werden. Die Extraklasse muss vorbereitet werden. Das Büchereiprojekt weiter erarbeitet werden etc. Und natürlich muss ich noch einen Bericht über die ersten drei Monate verfassen.  Mir wird also die nächsten 2 Wochen nicht allzu langweilig werden.

Die Town - eine der gefährlichsten Ecken Johannesburgs??

Am Montag war ich mit zwei Kollegen in der Stadt, um für unsere Graduation ein paar Dinge zu besorgen. Wow und da war ich dann plötzlich wieder im richtigen Afrika. Überall waren kleine Stände und es wurde alles Mögliche verkauft: Klamotten, Früchte, Süßigkeiten und auch gebrannte CDs (ich war live dabei, als einer von der Polizei hops genommen wurde :-) ) In einem Geschäft wurden wir dann auch tatsächlich nach Waffen durchsucht.
Rechts und links auf der Straße wurde auf Feuern Pap gekocht und es war voll. Es war ein Gedrängel, kaum zu glauben. Meine Kollegin schob sich nur so durch die Menge und ich hatte echt Mühe, sie nicht aus den Augen zu verlieren. Nachher sagte sie, ich hätte zwischendurch so verwirrt und verängstigt ausgesehen. Ich habe darauf nur geantwortet, dass ich einfach nicht wusste wo ich zuerst hinschauen sollte, da es einfach so komplett neu und so megaspannend war.
Und natürlich war ich die einzige Weiße weit und breit. Als wir dann auf einen Platz gingen und an ein paar Männern vorbei mussten, sagte einer zu mir: „UmLungu” Meine Kollegin fing nur an zu kichern und sagte: „They are so naughty.” (=„Die sind so frech”). Die Männer hatten mich nämlich als Weiße „beschrieben”. Eigentlich ist diese Wort auch eher als Abwertung, manche sehen es eher als Beleidigung. :-)

Auf die Frage, ob ich hier auch alleine hinkommen könnte oder ob es zu gefährlich für mich sei, antwortete meine Kollegin nur: „No you can come if you are strong” (Du kannst hier hin kommen, wenn du stark bist.)
Jedenfalls war es ein sehr interessantes Erlebnis und es hat mir wieder gezeigt, dass Johannesburg soviel Facetten aufweist, die ich wahrscheinlich alle in einem Jahr nicht entdecken werde.

We wish you a Merry Christmas

Dieses Lied mochte ich in Deutschland schon nicht, aber nun, nachdem ich es die letze Woche unzählige Male singen musste, ist es schon kaum zum Aushalten. Da die Schulferien nun begonnen haben, waren alle in der Schule beschäftigt Weihnachten jetzt schon zu zelebrieren. Auch auf der Graduation haben wir Weihnachtslieder gesungen. Unter anderem „Stille Nacht”, aber auch „Herbei oh ihr Gläubigen”, wobei wir den Refrain dann auch nochmal in Französisch und Deutsch gesungen haben. (Die Kinder sind der Wahnsinn, wenn es darum geht neue Sprachen zu lernen. Sie hatten keinerlei Probleme, den deutschen Text auswendig zu lernen und die Aussprache war bis auf „König”, den alle eher als „Konig” aussprachen, absolut kein Problem :-))

Trotzallem will die Weihnachtsstimmung noch nicht so wirklich aufkommen. Auch wenn ich schon Weihnachtskekse und Weihnachtstee von zuhause bekommen habe, mir einen Adventskranz zusammengestellt habe und ich umgeben bin von Weihnachtsdeko und Gesängen, ist es doch sehr komisch, bei 28°C Adventsstimmung aufkommen zu lassen. Dazu kommt, dass afrikanische Weihnachtsdekoration teilweise so ganz und gar nicht meinem Geschmack entspricht. Hier blinkt und glitzert alles und es ist erst richtig schön, wenn es für meine Begriffe ziemlich kitschig ist. (Unsere Engel im Krippenstück hatten keinen Heiligenschein, sondern einen Haarreifen, an dem zwei Sterne am Draht befestigt waren und ein Feenstab…) Auf der Suche für einen Adventskranzersatz bin ich fast verzweifelt, weil ich einfach nur schlichte Dekoration haben wollte, es aber ohne Glitzerflitzer kaum was gab.
Aber die Menschen hier lieben es, von daher muss man jedem das seine lassen und ich kann in meiner Wohnung ja tun und lassen was ich will :-)

 

Besuch von Wolfgang Maria Bauer und Video von “La Barranca”

Montag, 05. Dezember 2011 von Tamesh Wagner

Liebe Blogleser,

hier bei mir in Guadalajara ist immer noch alles super. Ich habe neben den Arbeiten in der Schule auch in meiner Freizeit einen vollen Terminkalender.

Diese Woche ist der Schauspieler, Wolfgang Maria Bauer, in unserer Schule zu Besuch. Er ist bekannt aus der Zdf-Fernsehserie “Siska” und als Autor von zahlreichen Drehbüchern. Er will in seiner Zeit vor Ort anfangen ein über zwei Jahre dauerndes Projekt auf die Beine zu stellen. In diesem Projekt will er mit den Kindern der “Secundaria” ein Theaterstück einproben zum Thema “Machismo”. Dafür wird er dann zwei mal im Jahr nach Mexiko fliegen. In dieser Woche vom 1. bis zum 4. Dezember hat er sich die Schule angeguckt und sich sehr über die schon in der Schule vorhandene Bühne gefreut “kleines Amphitheater”.

In den nächsten Tagen werden wir dann planen, wie Spendengelder für sein Theaterprojekt eingesetzt werden könnten z.B. in den Kauf von Scheinwerfern etc. Er wird bis Mittwoch, den 7. Dezember, hier in Guadalajara bleiben. Sein zweiter Besuch folgt dann im März. Dann will er Interviews mit den Kindern führen und schon mal eine Grundstruktur für ein solches Theaterstück präsentieren.

Ich bin mal sehr gespannt, wie sich die Dinge mit seinem Projekt entwickeln. Es macht auf jeden Fall richtig Spass mit ihm zusammenzuarbeiten und ihm nach der Arbeit die schönsten Ecken von Guadalajara zu zeigen :) Dies ist eine super Möglichkeit, für die Kinder einen deutschen Schauspieler bei seiner Arbeit zu beobachten.

Es gibt jetzt auch von der Schule “La Barranca” endlich ein Video. Ich habe das Kamerateam fast die ganze Zeit bei den Filmaufnahmen begleitet. Auch die zu sehenden Szenen mit den Pflanzen sind von der Bepflanzung des Stadtviertels (siehe letzter Blogeintrag).

Das Video ist für uns, die in der Schule arbeiten, sehr emotional, da es aus der Perspektive von einer typisch mexikanischen Familie gedreht wurde und wirklich gezeigt wird, welche Chancen die Schule der Kindern bietet und das Potenzial der Kinder preisgibt. Zudem ist das Video eine gute Werbung für die Schule, um neue Spender/Spenderinnen zu finden.

Alle Vorzüge der Schule werden präsentiert, wie das gemeinsame morgendliche Frühstück, Theaterwerkstätten und kulturelle Erziehung. Die beiden Kinder, die gezeigt werden, haben große Pläne. Sie wollen, wenn sie mit der die “Secundaria” fertig sind, ihren Eltern und anderen Menschen helfen, denen es schlecht geht und kein Geld für z.B. einen Arzt haben.

Ich habe auch gestern mit der Mutter der beiden Kinder, die im Video gezeigt werden, geredet und ihr zu den wunderschönen Aufnahmen gratuliert. Yvonne, die Psychologin der Schule und Yannette, die Direktorin der weiterführenden Schule “Secundaria”, werden ebenso im Video interviewt. Sie betonen auch nochmal die grosse Rolle von solchen Projekten in Ländern wie Mexiko. Da die Schule neben der Arbeit mit den Kindern auch die Mütter und Väter in den Schulalltag mit einbindet, ist so nicht nur den Kindern an sich geholfen, sondern auch den Familien und der “Communidad”.

Video der Schule \”La Barranca\” - Fundacion Lorena Ochoa

So, das wars jetzt erst mal wieder aus Guadalajara. Hier beginnen am 20. Dezember die Weihnachtsferien, die mal ein bisschen Zeit zum entspannen bringen. :)

Viele Grüsse in die Heimat

Tamesh

 

Internationaler Austausch und der normale Alltag

Sonntag, 13. November 2011 von Sarah Patzelt

Internationaler Austausch- ein Versuch, der nicht so ganz klappte.

Fangen wir gleich mit dem „gut gewollt ist nicht immer gut gemacht” an.

In meiner Heimatgemeinde fand letztes Wochenende ein Vorbereitungswochenende für die nächste Sternsingeraktion im Januar statt. An diesen 3 Tagen werden die Kinder erstmal so richtig „eingenordet” ;-) D.h. dass wir neben organisatorischen Dingen wie Kostüme, Termine, Sprüche, Lieder und Gruppeneinteilung auch den neuen Sternsingern ein bestimmtes Projekt und vor allem das Leben der Kinder in diesem Projekt näher zu bringen versuchen. Da dieses Jahr Nicaragua und Kinderrechte im Fokus der Sternsingeraktion stehen, haben wir uns gedacht, dass das Three2Six-Projekt super in die Thematik Kinderrechte passt. (Unsere Kinder haben laut südafrikanischem Gesetz ja das Recht auf Schulbildung!)
Mit der heutigen Technik wäre es sicherlich ein leichtes zu skypen (Videotelefonie via Internet), so dachten wir. Die Proben hatten auch ganz gut funktioniert, und so hatten sich um 16:30 (deutscher Zeit) in einem Kloster in Möllenbeck 25 Sternsinger versammelt, während um 17:30 (südafrikanische Zeit) ich 12 auserwählte Schüler aus dem Three2Six-Projekt in unser kleines Büro gepfercht hatte.

Der Start war super, wir konnten die Sternsinger wohlgeordnet auf dem kleinen Bildschirm meines Laptops sehen. Ich bin leider gnadenlos vom IT-Spezialisten der Schule versetzt worden, der eigentlich noch eine Webcam bringen wollte und das Bild auf eine Leinwand projizieren wollte. Doch es stellte sich heraus, dass es eh nicht nötig gewesen wäre. Die Verbindung hielt nämlich eine ganze Minute! Wir konnten uns gerade begrüßen und die Sternsinger wollten zur Begrüßung ein Lied singen und dann brach die Verbindung ab! Wahrscheinlich war die Stimmgewalt der Sternsinger einfach zu viel für die Internetverbindung. Ja, es war schon ziemlich deprimierend, weil sich beide Seiten sehr darauf gefreut hatten miteinander zu sprechen.

Trotzdem denke ich im Nachhinein, dass es vielleicht doch ein Erfolg war. Ich haben den Kindern noch Fotos von den Aktionen in den letzten Jahren gezeigt und sie über die Sternsingeraktion aufgeklärt. Ich kann zumindest für die Three2Six-Kinder sprechen, dass sie trotz des sehr kurzen „Gesprächs” doch eine Menge Spaß hatten und ziemlich beeindruckt von den deutschen Kindern waren, die sich mitten im Winter trotz Schnee und Kälte auf den Weg machen, um u.a. auch den Three2Six-Kindern zu helfen.

Ich hoffe, dass ich eine ähnliche Aktion vielleicht mit besseren Bedingungen (es lag defintiv an der deutschen Internetverbindung, da die Sternsinger sich in einem alten Kloster befanden, wo die Internetverbindung eh schlecht ist!!!) wiederholen kann, denn es ist einfach wunderbar, wenn die Kinder beider Seiten die Möglichkeit haben, sich gegenseitig zu sehen und zu sprechen. Die deutschen Kinder haben so die Möglichkeit hautnah mitzuerleben und zu sehen, wohin u.a. das Geld, welches sie sammeln, geht und die Three2Six-Kinder sehen, dass so viele tausend Kilometer entfernt es Kinder gibt, die sich für sie einsetzen. Es ist und wäre also für beide Seiten eine Erfahrung, die sie bestärkt und die sie hoffentlich nicht so schnell vergessen werden.

Sehr lustig und erstaunt waren sie, als ich ihnen ein Foto zeigte, auf dem einer der drei Könige sich im Gesicht schwarz angemalt hatte und ich ihnen darauf erklärte, dass doch einer der heiligen drei Könige schwarz gewesen wäre ;-)

Precieuse - a refugee story

Wie ich vor zwei Wochen bereits berichtet habe, ist der Animationsfilm, den die Kinder gemacht haben, fertig und auf Youtube anschaubar. Wir haben es endlich geschafft, auch den Kindern ihren Film zu zeigen. Anstatt wie jeden Donnerstag in die Kapelle zu gehen und die Kinder einen Einblick in die katholische Kirche zu geben, ging es diesmal in den TV-Raum. Die Kinder waren herrlich aufgeregt und mucksmäuschenstill, als es endlich los ging. Man konnte die Spannung richtig spüren.

Nach dem Film konnten die Kinder die Begeisterung auch gar nicht zurück halten: „it was amazing”, „great”, „fantastic”.

Und als sie noch hörten, dass der Film mittleweile auch zum Vatikan und zur UN unterwegs ist, waren sie sehr beeindruckt und auch ein wenig stolz auf ihre Leistung. (Auch wenn ich mir sicher bin, dass die Kinder weder Vatikan noch UN kennen, können sie sich vorstellen, dass der Film sich gerade über die ganze Welt verbreitet) Also wer den Film immer noch nicht gesehen hat: Auf, auf, der Film ist einfach unglaublich!! (Und die Erwartung von 1.000.000 Klicks hat der Head of the College letzte Woche einfach mal auf 18.000.000 erhöht!! :-D)

St. Martin in Südafrika

In meiner Heimatstadt ist es Brauch, am St.-Martinstag (10.11.11) von Haus zu Haus zu gehen, das St.-Martinslied zu singen und dafür ein paar Süßigkeiten zu kassieren. Da wir wie immer am Donnerstag „Chaple” (=Kapelle) hatten und die Kinder dort auch immer fleißig Lieder üben, hatte ich beschlossen, Süßigkeiten zu besorgen und ihnen die Geschichte vom heiligen Martin zu erzählen. Sie haben zwar still der Geschichte gelauscht, aber über die Süßigkeiten haben sie sich glaub ich einfach mehr gefreut und ich habe sogar das ein oder andere Mal ein deutsches „Danke” bekommen :-D

Warum ich keine Grundschullehrerin werden möchte ;-)

Diese Woche bin ich zwei Nachmittage für eine erkrankte Lehrerin in Klasse 1 eingesprungen und ich weiß wieder einmal, warum Grundschullehrerin glaub ich wirklich nichts für mich ist. Um mich nicht falsch zu verstehen, es hat Riesenspaß gemacht und die Kinder sind einfach herrlich, aber auch einfach so unglaublich anstrengend. Es scheint, dass sie nicht eine Minute still sitzen können und ständig „Sarah” rufen. Selbst wenn sie sich melden, wird das Ganze durch den Ruf „Sarah” oder „teacher” noch verstärkt.

Und da es mir so viel Spaß gemacht hat und die Kinder fleißig am arbeiten gewesen sind, haben wir am Donnerstag die letzte Viertelstunde ein paar Spielchen gemacht. Ganz begeistert waren sie vom Pferderennen (siehe Foto), aber ich habe (Achtung liebe Barntruper!!!) mit ihnen auch „Ein Fahrradlenker” gespielt. Zur Erklärung: „Ein Fahrradlenker” ist ein Singspiel, bei dem einer immer ein paar Worte vorsingt und der Rest wiederholt das Ganze. Am Ende des Liedes kann man sich als Vorsinger entscheiden, ob das Lied zu leise oder zu laut gesungen wurde und ob man dann bei der anstehenden Wiederholung das Lied noch lauter bzw. wieder leiser singen will. Damit kann man die Kinder sich herrlich auspowern lassen, um sie dann zum Schluss mucksmäuschenstill zu kriegen. Leider ist es auf Deutsch, aber so etwas stört die Kinder hier weniger, sie sind gewohnt, Lieder oder Gebet vom Hören lautgetreu wieder zu geben (es hört sich dann u.a. manchmal ziemlich witzig an und ich wundere mich manchmal, wenn ich dann den Originaltext lese;-))

Noch einen letzten Kommentar in Bezug zum Beten. Wie es sich gehört, wird hier vor dem Essen gebetet. Also haben wir, bevor die Kinder ihren Lunch essen durften, gebetet, und zwar haben wir „Alle guten Gaben” mit dem „We will rock you” Rhythmus geklatscht und gesungen. Ich hatten den Kindern erklärt, dass es sich um ein deutsches Gebet handelt. Am Ende der Stunde kamen dann die Kinder total entsetzt an und sagten zu mir: „Sarah, wir haben gar nicht gebetet!” Zur Erklärung: Die Kinder sollen hier zum Beten immer die Hände zusammenhalten und die Augen schließen. Außerdem sind sie einfach nicht gewohnt, ein „Lied” als Gebet zu haben. Generell ist hier die Kirche noch etwas strikter und vielleicht manchmal sogar ein bisschen ernster und respektvoller als ich sie kenne.

Kultur-Fauxpas oder einfach zu direkt für Afrika

Ich habe es immer wieder gehört und hab doch immer gedacht: so groß wird der Unterschied zwischen Europäern und Afrikanern schon nicht sein. Aber falsch gedacht. Hier wird selten etwas direkt angesprochen, was auf die Dauer echt anstrengend sein kann. Eine kleine Anekdote zu nur einem meiner wahrscheinlich zig Kultur-Fauxpas: Ich hatte den Lehrern hier ein kleinen Brief geschrieben, indem ich ihnen ein paar Deadlines aufgelistet hatte, da ich oftmals nicht im Büro bin, wenn sie zur Arbeit erscheinen. Anscheinend war der allerdings zu direkt geschrieben, denn ein Lehrer fragte dann meine Kollegin, ob ich sauer oder ärgerlich mit ihnen wäre, da ich so forsch und direkt geschrieben hatte. :-)
Ich war erstaunt und vielmehr überrascht, dass der Lehrer nicht zu mir gekommen ist, um zu fragen, ob alles in Ordnung ist. Nun ja, man spricht halt nicht so einfach alles direkt an :-)

Ich möchte hier aber erwähnen, dass dieser besagte Lehrer, der sonst selten Deadlines einhält, alles überpünkltlich abgegeben hat und ich von anderen Kollegen schon zu hören bekommen habe, dass ein bisschen deutsche Pünktlichkeit doch allen ganz gut tun würde. Also ist meine direkte Art vielleicht doch ein bissschen hilfreich :-P

Auf die Hautfarbe reduziert zu werden ist echt nicht schön.

Noch ein Eindruck, den ich immer wieder bekomme und der mir so langsam auf die Nerven geht bzw. der mich immer wieder stutzig macht und zum Überlegen bringt.
Geht man auf die Straßen in der Umgebung meiner Unterkunft, begegnet man zu 99% nur schwarzen Südafrikanern. Das erste Mal habe ich mich sehr unwohl gefühlt, hatte ich doch so viele schreckliche Dinge gehört und immer wieder hieß es, dass wir vorsichtig sein müssen. Aber man hatte mir hier gesagt, dass ich tagsüber wohl hier auf die Straßen gehen könnte. Nun, nicht jeder Schwarzsüdafrikaner ist kriminell und will einem die Handtasche klauen oder sonst irgendwas antun. Also bin ich fleißig immer wieder zum Supermarkt gelaufen und mir fällt der Unterschied in Sachen Hautfarbe auch nicht mehr auf.

Tja, dafür falle ich aber anscheinend auf. Ich glaube, dass es für die Schwarz-Südafrikaner weniger daran liegt, dass ich weiß bin (schließlich gibt es hier ziemlich viele Weiße) sondern eher die Kombination Weiß, Frau und zu Fuß unterwegs (kaum ein Weißer geht hier zu Fuß). Eine „Spaziergehkultur” gibt es sowieso nicht und wenn dann auch noch eine weiße Frau durch die Straßen läuft, ist das nun mal auffallend. Selbst beim Joggen morgens hat man nicht seine Ruhe. Ständig bekommt man ein „Hello”, „Oh my Beauty”, „Unjani” u.ä, zu hören. Das Witzigste und Dreisteste war allerdings die Frage, ob ich 2 Minuten Zeit hätte. Vielleicht stimmt es doch, dass Deutsche einfach prüde sind. Am Anfang fand ich es noch ziemlich witzig und während ich es hier schreibe ist es auch ganz amüsant, aber wenn man morgens um 7 einfach seine Runden beim Joggen drehen möchte und einem die Leute hinterherstarren und jeden Blickkontakt sofort nutzen, um mit einem zu flirten, dann bin ich schon manchmal genervt. (Und das ganze bevor ich eine Tasse Kaffee hatte!!)

Aber man kann halt nach wie vor, je nach Umfeld, die Unterschiede zwischen Weiß und Schwarz spüren und es ist unglaublich schwer, sich davon los zu machen. Auch wenn alle Seiten froh darüber sind, dass die Apartheid schon so lange zurück liegt, klammert man sich dann doch manchmal an die Unterschiede und manifestiert sie so (schließlich kann ich nicht auf die Straße gehen ohne angequatscht zu werden, nur weil ich weiß bin). So werde ich manchmal von meinen Kollegen vorgeschickt, wenn irgendetwas gefragt/besorgt werden soll, ich bin ja schließlich weiß und mir schlägt man vielleicht eine Bitte nicht so schnell ab.
Und so ist es eben einfach unnormal, dass eine weiße Frau durch die Straßen läuft. (Ich möchte erwähnen, dass dies ganz und gar nicht gefährlich ist und dass ich nicht einfach neue Gegenden auskundschafte, sondern lediglich die Straßen begehe, die auch wirklich sicher sind ;-) Ich hoffe jetzt sind alle beruhigt!)

Manchmal blitzen dann doch noch ein paar Vorurteile von beiden Seiten auf.
Aber man mag sich bitte daran erinnern, wie oft wir manchmal noch die Unterschiede zwischen Ossis und Wessis benennen und dies ist noch länger her als die Apartheid hier!!!

Na, jetzt bekomme ich das Gefühl, das ich eh schon erwartet habe, Außenseiter sein, was Besonderes sein, aufgrund der Hautfarbe! Ich kann sagen, dass dies ganz und gar kein schönes Gefühl ist!

 

Erster Tag im RICHTIGEN Projekt

Dienstag, 08. November 2011 von Steffen Kleine

Hallo Deutschland, hallo liebe Leser,

Ich hab mich eigentlich so weit ganz gut eingelebt. Mir geht es gut und Bolivien gefällt mir immer mehr.

Die Eröffnung des Ladens war wie erwartet nicht so der Hammer… Es wurde keine Werbung gemacht und dementsprechend war nicht so viel los. Mittlerweile läuft es aber glaube ich ganz gut.

Na ja, was ist so in den letzten zwei Wochen passiert?

Lukas war hier. Es war schön, ihn noch einmal wieder zu sehen und vor allem mit ihm was zu unternehmen. Seine Rückfahrt verzögerte sich ein wenig, da zwischen La Paz und Sucre irgendwo Demonstrationen waren, weswegen der Bus nicht fahren konnte. Ich fand es jedoch nicht sehr schlimm, dass er noch was länger bleiben „musste“.

Ansonsten war ich letzten Freitag das erste Mal in meinem Projekt, in dem ich auch die nächste Zeit arbeiten werde. Das Projekt ist eine Art Nachmittagsbetreuung für Kinder zwischen 5-13 Jahren. Es gibt zwei Klassen und einen Computerraum, in dem es auch ein bisschen Computerunterricht gibt vor allem für die Kinder, deren Familien keine Computer besitzen. Freitag habe ich mit den Kindern einen Film “Ich einfach unverbesserlich” geguckt, da sie keine Hausaufgaben aufhatten. Heute war es schon besser. Ich habe zwei Kindern beim Dreisatz in Mathe geholfen und mich mit einer Studentin, welche an drei Tagen nebenbei ebenfalls dort arbeitet, unterhalten.

Die Leute dort sind alle sehr nett, und vor allem ist die Köchin ist besser als im Projekt, in dem Christian (mein Mitbewohner) arbeitet. Es gibt statt Reis auch mal zwischendurch Nudeln ;) natürlich mit Suppe. Hier gibt es zu jedem Essen eine Suppe als Vorspeise.

Letzte Woche war unter anderem der Botschafter von Kanada da. Wegen dieses hohen Besuches war hier ein Riesen-Akt. Überall waren Kanada-Flaggen verteilt worden, und es gab eine Aufführung im Kindergarten, zu der auch die Eltern der Kinder eingeladen wurden. Natürlich saßen die Eltern mit kleinen Kanada-Flaggen dort. Die Kinder hatten kleine Bolivien-typische Kostüme an, und es war total süß zu sehen, wie sie über den Platz getanzt sind.

Gestern war ich zum ersten Mal richtig Fußball spielen mit ein paar Freunden aus La Paz. Es hat super viel Spaß gemacht, und es war befreiend, endlich mal wieder Fußball zu spielen. Der Tag heute war dann nicht so berauschend, da ich den Muskelkater meines Lebens hatte bzw. habe. Ich weiß nicht, ob es wegen der Höhe ist oder einfach nur, weil ich seit zwei Monaten kein Sport mehr gemacht habe und gestern direkt drei Stunden Fußball gespielt habe. Vielleicht kommt auch beides zusammen. Deshalb konnte ich mich heute auch nur ins Tor stellen, als die Kinder mit mir spielen wollten…

Heute bin ich außerdem das erste Mal mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Das Fahrrad hat anscheinend ein ehemaliger Freiwilliger in unserem Haus gelassen. Es ist mir viel zu klein und ich bekomme deshalb Nackenschmerzen. Es ist aber trotzdem noch besser als die Strecke zu Fuß zu gehen. Mit Autos oder sowas ist es hier nicht gefährlich. Da ist die Chance fast noch größer, in Deutschland angefahren zu werden. Das einzige, was ein bisschen kritisch ist, sind die Hunde, die einen verfolgen, wenn man zu schnell vorbei fährt. Deshalb gilt die Regel, wenn man einen Hund sieht: Vollbremsung und langsam vorbei fahren, was ziemlich ätzend ist, da es hier gefühlt mehr Hunde als Menschen gibt. Aber man kann eh nicht sehr schnell fahren, da auf meinem Weg nur eine einzige asphaltierte Straße existiert.

Naja, soviel von mir. Ich hoffe, euch allen geht es gut.

 

Ausflug nach Tlaquepaque und Bepflanzung des Stadtviertels

Montag, 07. November 2011 von Tamesh Wagner

Liebe Blogleser,

hier mal was Neues aus Guadalajara und meinem Projekt in La Barranca. Nach einer entspannten Woche Ferien in Puerto Vallarta am Pazifik und in meiner Stadt Guadalajara mit Ricardo, dem anderen Freiwilligen in Mexiko des Kindermissionswerks, ging es am Montag den 31. Oktober wieder mit der Arbeit los. Am 30. Oktober endeten die Panamerikanischen Spiele, die für die ganze Region ein voller Erfolg waren. Natürlich war ich mit Ricardo bei einem Event, den Turmspringern oder “Clavados” genannt. Die ganzen zwei Wochen der Panamerikanischen Spiele war eine super Stimmung in der ganzen Stadt und ein Haufen von Besuchern.

Am 4. November sind wir, die Schüler der “Secundaria”, die Lehrer und ich, nach Tlaquepaque gefahren. Tlaquepaque ist die südlichste Stadt in der Metropolzone Guadalajara. Die Stadt hat ein sehr schönes, altes und historisches Zentrum mit vielen Relikten aus der spanischen Kolonialzeit. Dieser Ausflug war schon seit langer Zeit geplant. Umso größer war die Aufregung, als es endlich losging. Die drei Klassen der Secundaria sind mit den Lehrern und mir unter lautem Geschrei und Getöse in die Busse gestiegen. Für die ca. 100 Schüler standen drei Busse bereit. Nach einer lustigen Fahrt mit vielen Witzeleien sind wir dann schließlich nach einer Stunde Fahrt in Tlaquepaque angekommen. Verwundert war ich schon als ich aus dem Bus ausgestiegen bin, da man vom äußerlichem Bild des Stadtzentrums wirklich denken kann, man befände sich in einer spanischen Kleinstadt. :) Als erstes stand der Besuch eines Keramikmuseums an, das, so schien es mir, den Kindern super gut gefallen hat. Sie konnten gar nicht aufhören Fotos zu schießen. Weiter ging es dann zu einer wunderschönen kleinen Kathedrale. Die Kinder waren fasziniert von den Fenstermalereien, der Stille und der gotischen Architektur. Nach einem Joghurt-Eis ging es dann für alle wieder in die Busse und ab zurück zur Schule.

Mir ist aufgefallen, dass die Kinder einen riesigen Spaß in Tlaquepaque hatten, und um so mehr ist es sehr schade, dass sich die Familien bzw. Eltern der Kinder sich für kulturelle und historische Dinge weniger interessieren und so die Kinder von Haus aus von dieser Welt nichts erleben. Die Schule gibt ihnen die Möglichkeit, ihren Horizont für solche Dinge ein wenig zu erweitern und Interessen zu wecken. :)

Heute sind wir dann schließlich mit 30 Schülern losgezogen, um die Bäume im Viertel anzupflanzen. Zuerst wurde ein zentraler Park vom Müll befreit, was ca. 3 Stunden gedauert hat, da sich die Menschen hier nicht viele Gedanken um Umwelt und Verschmutzung machen. Genau deswegen ist es um so wichtiger, dass den Kids der richtige Umgang mit Pflanzen, Müllentsorgung etc. gezeigt wird. Angepflanzt wurden 25 Apfelsinen-Bäume. Der Rest der Pflanzen, wie die Guayababäume, wird demnächst in der Schule und an einer Hauptstraße angepflanzt. Ich hoffe mal, dass die Bepflanzung Erfolg haben wird, da die Erde hier schlecht ist und gerade in dieser Jahreszeit es nur einmal im Monat regnet, wenn überhaupt :)

So viel für den Moment, an alle viele Grüße aus dem warmen Mexiko und wartet auf meinen nächsten Eintrag.

Euer Tamesh