Weihnachten und Urlaub
Hallo liebe Blog-Leser…
Ich bin gerade von der Arbeit aus dem Gesundheitszentrum gekommen und sitze jetzt in der Sonne in unserem „wunderschönen Garten“ in El Alto und schreibe meinen nächsten Blog-Eintrag. Gleich muss ich wieder in mein normales Projekt. Da zur Zeit nur sehr wenige Kinder da sind (kommen erst am 13ten wieder), malen wir mit den wenigen Kindern ein paar Holzkreuze an.
Tut mir leid, dass ich mich schon so lange nicht mehr gemeldet habe…
Es ist ziemlich viel passiert seit meinem letzten Blog-Eintrag. Da ich mich nicht mehr an alles erinnere, gucke ich gerade meine Bilder an, um zu wissen was genau passiert ist.
Na gut ich fang mal an.
Christian (mein Mitbewohner) und ich waren zweimal im bolivianischen Fernsehen. Auch wenn mir das jetzt keiner glaubt, aber wir waren als Models im Fernsehen…
Das kam so, dass Isa, meine Chefin, die Klamotten aus dem Laden in La Paz im Fernsehen präsentieren wollte, um Werbung zu machen. Sie hatte 3 weibliche Models engagiert und es fehlten demnach noch männliche Models. Ich weiss nicht genau, warum sie uns gefragt hat, ob es zu kurzfristig war oder ob sie uns einen Gefallen tun wollte. Naja, jedenfalls haben wir uns eine Hose und ein Hemd aus dem Laden angezogen und mussten vor der Kamera auf und ab laufen. Tja, das waren also meine ersten beiden Erfahrungen im Fernsehen, vielleicht mach ich ja nach Bolivien eine große Karriere als Model…
In der darauf folgenden Woche sind wir mit allen Kindern aus allen Projekten die zu Palliri gehören nach Coroico ins „Campamento“ gefahren. Man fährt ca. 3 Stunden nach Coroico. Es liegt auf ca. 1500m und ist dementsprechend wesentlich wärmer als hier. Wir waren insgesamt vier Tage im Campamento. Ich hatte mit einem anderen eine kleine Gruppe von Kindern (insgesamt waren 80 Kinder dabei). Wir haben kleine Spielchen gemacht, waren schwimmen und haben Fussball gespielt. Diese Nähe zu den Kindern hat mir sehr gut getan. Man kam besser in Kontakt, hatte viel Spaß und ich habe auch die anderen Kinder aus den Projekten kennen gelernt. Das war bisher meine schönste Erfahrung mit den Kindern und Jugendlichen. Ich hab mich zwar nicht wirklich als Leiter gefühlt, sondern es war eher wie eine Klassenfahrt, da auch ein paar wenige dabei waren, die ungefähr in meinem Alter waren.
Nach den vier Tagen in Coroico kam Lukas vorbei.
Lukas, Christian und ich haben zusammen bei Isa und Cristobal Weihnachten gefeiert. Ich muss gestehen, dass ich gerade an Weihnachten meine Familie sehr vermisst habe, trotzdem war das Fest sehr schön und hat Spaß gemacht. Da hier kein Schnee liegt hatten Lukas und ich Probleme in Weihnachtsstimmung zu kommen, aber mit Kerzen und Musik kam am 24ten doch ein bisschen Stimmung auf.
Das Fest an sich war ganz anders als in Deutschland. Die Bescherung ähnelte eher einem Wettrennen, wer zuerst seine Geschenke ausgepackt hatte ;). Danach gab es dann Essen. Cristobal kann echt gut kochen, dementsprechend hab ich auch ziemlich viel gegessen…
Nach dem Essen haben wir ein bisschen mit den Kindern mit ihren neuen Geschenken gespielt und bis tief in die Nacht mit Isa zusammen gesessen. Bis Silvester haben Lukas und ich entspannt und nur kleine Sachen in La Paz gemacht, wie z.B. Valle de la Luna. Das ist eine Stein-Lehm-Landschaft, die angeblich so aussehen soll wie auf dem Mond. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass es auf dem Mond so aussieht, trotzdem war es beeindruckend zu sehen, dass durch Regen so etwas entstehen kann.
Silvester haben Lukas und ich zusammen mit den anderen Freiwilligen von Arco bei Iris gefeiert. Die Eltern von Max, ein deutscher Freiwilliger, waren zu Besuch und haben gekocht. Das war echt super, da es leckeres deutsches Essen gab (Knödel, Fleisch und Spätzle).
Nach Silvester haben Lukas und ich entschlossen ein bisschen zu reisen. Deshalb sind wir nach Macchu Pichu gefahren. Das liegt in Peru in der Nähe von Cusco und ist eine alte Inkastadt. Die Landschaft war der absolute Hammer, da Macchu Pichu auf einem Berg liegt. Was mir an der ganzen Geschichte nicht so gut gefallen hat war, dass es unglaublich touristisch ist. Wenn man oben steht und auf die Stadt runterguckt, sieht man immer kleine Menschenschlangen, die durch die kleinen Wege und Häuser gehen. Man konnte kaum ein Bild machen, in dem man nicht irgendwelche Touristen im Hintergrund sieht. Trotzdem war es eine tolle Erfahrung und der Ausflug mit Lukas hat echt Spaß gemacht. Danach haben wir noch ein paar Tage in Cusco verbracht und sind dann wieder nach El Alto zurück gefahren.
In El Alto angekommen hatten wir nur einen Tag Zeit, um unsere Wäsche zu waschen um danach nach Santa Cruz zu unserem Zwischenseminar zu fliegen. Das Zwischenseminar hat Spaß gemacht und es war spannend zu hören, wie es anderen in ihren Projekten ergeht. Viele von den Freiwilligen haben ähnliche Erfahrung mit der Kultur, den Menschen und vor allem dem Essen gemacht. Jedenfalls habe ich viele nette Leute kennen gelernt, die uns auch später noch in La Paz besucht haben. Die einzige negative Erfahrung in Santa Cruz war ein grauenhafter Sonnenbrand, den ich mir in einem Spaßbad geholt habe. Am Anfang war es ziemlich rot und später habe ich mich gepellt
Aber das ist wieder vorbei und mir geht es so gut wie noch nie ;).
Vom Zwischenseminar bin ich mit Lukas nach Sucre gefahren und habe dort noch 5 Tage Urlaub gemacht.
Wieder in El Alto angekommen kam direkt Tosca, eine Deutsche, die ich noch aus meiner Schulzeit kenne, vorbei um mich zu besuchen und ein bisschen Urlaub in Bolivien zu machen. Mit Tosca und 3 weiteren Freiwilligen aus La Paz sind wir über das Wochenende nach Sorata, ein kleines Anden-Dorf, gefahren und haben uns die Stadt angeguckt.
Ja das war so das Gröbste aus den letzten 2 Monaten. Letzte Woche kam ein kleines Paket von meinen Freunden aus Deutschland an, über das ich mich unglaublich gefreut habe.
Ja und nächstes Wochenende fahr ich zusammen mit Tosca nach Salar de Uyuni, ich bin mir nicht ganz sicher, aber ich glaube es ist die größte Salzwüste der Welt. Eine Woche später fahr ich mit ganz vielen Freunden nach Oruro zum Karneval. Ich habe gehört, dass das der beste Karneval der Welt sein soll, sogar besser als in Rio. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass er besser als in Aachen ist ;).
Na gut, was gibt es noch zu mir zu sagen. Ich fühle mich mittlerweile superwohl in Bolivien. Mit der Sprache klappt es mittlerweile schon besser und ich vertrage mittlerweile sogar das Essen an der Straße… Gestern bin ich zum ersten Mal (nach dem Urlaub) in meinem Projekt gewesen. Auch wenn noch keine Kinder da waren, war es super schön zu sehen, dass mich die Mitarbeiter vermisst haben und mich unglaublich herzlich begrüßt haben.
Ich genieße jetzt noch meine letzte halbe Stunde in der Sonne, die in der Regenzeit leider nicht so oft in El Alto auftaucht, und fahre danach wieder ins Projekt.
Viele Grüße an meine Familie, Freunde, Bekannte und natürlich alle fleißigen Blog-Leser…
Erster Tag im RICHTIGEN Projekt
Hallo Deutschland, hallo liebe Leser,
Ich hab mich eigentlich so weit ganz gut eingelebt. Mir geht es gut und Bolivien gefällt mir immer mehr.
Die Eröffnung des Ladens war wie erwartet nicht so der Hammer… Es wurde keine Werbung gemacht und dementsprechend war nicht so viel los. Mittlerweile läuft es aber glaube ich ganz gut.
Na ja, was ist so in den letzten zwei Wochen passiert?
Lukas war hier. Es war schön, ihn noch einmal wieder zu sehen und vor allem mit ihm was zu unternehmen. Seine Rückfahrt verzögerte sich ein wenig, da zwischen La Paz und Sucre irgendwo Demonstrationen waren, weswegen der Bus nicht fahren konnte. Ich fand es jedoch nicht sehr schlimm, dass er noch was länger bleiben „musste“.
Ansonsten war ich letzten Freitag das erste Mal in meinem Projekt, in dem ich auch die nächste Zeit arbeiten werde. Das Projekt ist eine Art Nachmittagsbetreuung für Kinder zwischen 5-13 Jahren. Es gibt zwei Klassen und einen Computerraum, in dem es auch ein bisschen Computerunterricht gibt vor allem für die Kinder, deren Familien keine Computer besitzen. Freitag habe ich mit den Kindern einen Film “Ich einfach unverbesserlich” geguckt, da sie keine Hausaufgaben aufhatten. Heute war es schon besser. Ich habe zwei Kindern beim Dreisatz in Mathe geholfen und mich mit einer Studentin, welche an drei Tagen nebenbei ebenfalls dort arbeitet, unterhalten.
Die Leute dort sind alle sehr nett, und vor allem ist die Köchin ist besser als im Projekt, in dem Christian (mein Mitbewohner) arbeitet. Es gibt statt Reis auch mal zwischendurch Nudeln
natürlich mit Suppe. Hier gibt es zu jedem Essen eine Suppe als Vorspeise.
Letzte Woche war unter anderem der Botschafter von Kanada da. Wegen dieses hohen Besuches war hier ein Riesen-Akt. Überall waren Kanada-Flaggen verteilt worden, und es gab eine Aufführung im Kindergarten, zu der auch die Eltern der Kinder eingeladen wurden. Natürlich saßen die Eltern mit kleinen Kanada-Flaggen dort. Die Kinder hatten kleine Bolivien-typische Kostüme an, und es war total süß zu sehen, wie sie über den Platz getanzt sind.
Gestern war ich zum ersten Mal richtig Fußball spielen mit ein paar Freunden aus La Paz. Es hat super viel Spaß gemacht, und es war befreiend, endlich mal wieder Fußball zu spielen. Der Tag heute war dann nicht so berauschend, da ich den Muskelkater meines Lebens hatte bzw. habe. Ich weiß nicht, ob es wegen der Höhe ist oder einfach nur, weil ich seit zwei Monaten kein Sport mehr gemacht habe und gestern direkt drei Stunden Fußball gespielt habe. Vielleicht kommt auch beides zusammen. Deshalb konnte ich mich heute auch nur ins Tor stellen, als die Kinder mit mir spielen wollten…
Heute bin ich außerdem das erste Mal mit dem Fahrrad zur Arbeit gefahren. Das Fahrrad hat anscheinend ein ehemaliger Freiwilliger in unserem Haus gelassen. Es ist mir viel zu klein und ich bekomme deshalb Nackenschmerzen. Es ist aber trotzdem noch besser als die Strecke zu Fuß zu gehen. Mit Autos oder sowas ist es hier nicht gefährlich. Da ist die Chance fast noch größer, in Deutschland angefahren zu werden. Das einzige, was ein bisschen kritisch ist, sind die Hunde, die einen verfolgen, wenn man zu schnell vorbei fährt. Deshalb gilt die Regel, wenn man einen Hund sieht: Vollbremsung und langsam vorbei fahren, was ziemlich ätzend ist, da es hier gefühlt mehr Hunde als Menschen gibt. Aber man kann eh nicht sehr schnell fahren, da auf meinem Weg nur eine einzige asphaltierte Straße existiert.
Naja, soviel von mir. Ich hoffe, euch allen geht es gut.
Wahlen in Bolivien
Heute sind Wahlen in Bolivien.
Keine großen Wahlen, sondern lediglich Kommunalwahlen, trotzdem gibt es Wahlpflicht. Ob man es glaubt oder nicht: die Wahlen haben sogar auf mich Einfluss. Heute fahren keine öffentlichen Verkehrsmittel, was bedeutet, dass die Straßen wie leergefegt sind. Ausserdem gibt es seit Freitag ein Alkoholverbot, damit die Bolivianer nicht am Samstag trinken und dadurch vielleicht Sonntag die Wahl verpassen… Ist aber alles noch zu verkraften ;).
Naja, die letzte Woche war ich 2 Tage mit Isabel unterwegs und 2 Tage im Projekt. Einen Tag hatte ich frei, weil es nichts zu tun gab.
Die Tage im Projekt waren eigentlich ganz cool. Mittlerweile komme ich ganz gut mit den Kindern zurecht und sie kennen mittlerweile auch meinen Namen, auch wenn er nicht immer ganz richtig ausgesprochen wird, weil in Bolivien der Name Steffen nicht existiert. Jedenfalls musste ich viele Fragen über Deutschland beantworten, gefühlte 4 Stunden Uno spielen und in der Pause draussen Fussball spielen. Auf das Fussballspielen hatte ich mich schon lange gefreut. Als es dann soweit war und ich anfing auf dem 20×10 Meter großem Feld zu laufen, hörte die Freude schnell auf. Nach 5 Minuten hatte ich die ersten Müdigkeitserscheinungen und nach 10 Minuten war für mich dann endgültig Schluss. Ich musste mich hinsetzen und fühlte mich, als wäre ich grade 5000m gelaufen. Den nächsten Tag hab ich mich dann ins Tor gestellt.
Bei den Hausaufgaben konnte ich bisher noch nicht so helfen. Meistens bestehen Hausaufgaben aus abschreiben. Letztens wurde das Thema Optik in Physik durchgenommen. Die Hausaufgabe bestand daraus, eine Brille abzumalen.
Morgen und übermorgen fahre ich zum Arbeiten noch einmal runter nach La Paz. Am Dienstag soll der Klamottenladen eröffnet werden. Das bedeutet, dass morgen noch Kleinigkeiten erledigt werden müssen und Dienstag hoffentlich eine große Eröffnungsfeier stattfindet. Ich schreibe hoffentlich, weil ich das Gefühl habe, dass nicht unbedingt Werbung für den Laden gemacht wurde. Vielleicht habe ich davon aber auch nur nichts mitbekommen. Auf jeden Fall bin ich auf die Eröffnung gespannt. Ich glaube aber, dass auf Dauer der Laden erfolgreich sein kann, da er echt modern ist und die Preise ungefähr wie die von H&M in Deutschland sind.
Eins wollte ich noch erzählen: Am Freitag saß ich mit Christian im Minibus auf dem Weg nach Hause. Da spricht mich eine ältere Frau an, ob wir im Projekt Palliri arbeiten würden. Wir haben das natürlich bejaht und so direkt Kontakte geknüpft. Die beiden jüngeren Frauen, die daneben saßen, haben erzählt, dass sie einen Alpaka-Laden in La Paz haben. Diesen wollten Christian und ich bald mal suchen. Aber ich war trotzdem überrascht, dass wir im Bus in einer 1-Mio.-Stadt von fremden Leuten angesprochen werden, die uns kennen.
So, ich werde jetzt meinen Sonntag weiter mit nichts tun füllen
ich schreibe demnächst wieder und berichte von der Eröffnung und meinen neuen Erfahrungen.
Kurzer Stand der Dinge
Hallo liebe Leser,
hier kommt nur ein kurzer Blogeintrag.
Mir geht’s soweit gut. Letzte Woche waren Christian und ich dabei, einen Laden zu eröffnen. Der Laden heisst Coconut und ist in La Paz. Es ist ein Klamottengeschäft, in dem die Klamotten der Textilfabrik (welche auch zu Palliri gehört) verkauft werden sollen. Christian und ich haben Boxen durch die Decke verlegt, Fenster geputzt, Stühle gekauft und vieles mehr. Diese Woche haben wir uns einmal das eigentliche Projekt angeguckt, in dem Christian ab morgen arbeiten soll. Ich bleibe noch eine Woche bei Isa, da sich mein Spanisch noch etwas verbessern, soll bevor ich mit dem Alltag anfange.
Ich werde am Wochenende wieder schreiben :) Bis dahin müsst ihr euch leider gedulden ![]()
Viele Grüße aus dem minimal wärmer werdenden El Alto!
Erste Woche zusammen mit Christian und Isa
Heute ist so ein Sonntag, an dem man wirklich den ganzen Tag auf dem Sofa sitzt und nichts macht. Um zumindest etwas Sinnvolles zu machen, schreib ich mal wieder einen Blogeintrag. Vor knapp 8 Tagen bin ich nach El Alto gekommen und auch wenn die Stadt, man kann es leider nicht anders sagen, relativ hässlich ist, gefällt es mir hier. Isabelle und ihre Familie (meine Chefin), ist super nett und auch Christian, mein Mitbewohner und auch Mitarbeiter, ist super nett. Ich komme mit allen gut zurecht.
Am ersten Tag in El Alto ging es mir nicht besonders gut, ich hatte ziemlich Kopfschmerzen und war müde. Aber da muss jeder durch, der nach El Alto will. Am darauffolgenden Montag bin ich mit Christian zusammen nach La Paz gefahren und er hat mir die Stadt ein bisschen gezeigt. Wenn man von El Alto aus nach La Paz fährt, hat man echt eine wunderschöne Aussicht, davon werde ich bald mal ein Foto machen und es hier veröffentlichen. La Paz ist im Gegensatz zu El Alto wirklich schön.
Jedenfalls musste Isabelle mit ihrem Vater geschäftlich nach Santa Cruz fahren und hat Christian und mich gefragt ob, wir mitfahren wollen. Diese Chance haben wir uns natürlich nicht entgehen lassen und sind mitgefahren.
Wir sind abends in El Alto mit dem Auto nach Cochabamba losgefahren und auch wenn das jetzt etwas kitschig klingt, aber ich habe in meinem Leben selten so einen atemberaubenden Sternenhimmel gesehen. Um ca. 2 Uhr nachts waren wir dann in Cochabamba, wo wir uns ein Hotel zum Übernachten gesucht haben.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr ging es dann weiter nach Santa Cruz. Santa Cruz liegt auf ca. 500m, was bedeutet, dass wir annähernd durch den Urwald gefahren sind.
Ich weiß nicht, ob das wirklich zum Urwald zählt oder nicht, aber ich kann sagen, dass wir streckenweise durch ziemlich grüne Abschnitte gefahren sind.
In Santa Cruz haben wir bei Isa‘s Onkel gewohnt. Das Zimmer von Christian und mir war ganz gut. Am ersten Tag mussten wir Isa helfen Kopien anzufertigen und diese auf verschiedene Ordner zu verteilen. Als wir damit fertig waren, hatten wir im Prinzip Freizeit. Diese haben Christian und ich dazu genutzt, um uns Santa Cruz anzuschauen. Mir persönlich gefällt Santa Cruz. Aber ich bin froh, dass ich dort nicht das ganze Jahr verbringen muss, da die Hitze nach einer Zeit nicht ganz so angenehm war, aber für einen Wochenausflug ist es echt schön.
Am Freitag haben wir uns wieder auf die Heimreise gemacht. Wir sind genau die gleiche Strecke zurück gefahren, was durchaus anstrengend ist, da wir insgesamt ca. 16 Stunden gefahren sind. Ich bin auf jedenfall froh wieder in El Alto zu sein, auch wenn es hier gerade regnet, gewittert und im Vergleich zu Santa Cruz ziemlich kalt ist.
Hochzeit und Reise nach El Alto
Letzte Woche war ich auf einer Hochzeit von dem Bruder eines Freundes meiner Gastfamilie. Die Hochzeit war etwas ausserhalb von Cochabamba, also auf dem Land. Wir sind mit dem Auto ca. 1 Stunde gefahren. Die eigentliche Hochzeit war nicht sehr spektakulär. Am Anfang war die Kirche im Prinzip leer. Doch mit der Zeit füllte sie sich ein wenig, jedoch bin ich mir nicht sicher, ob die meisten Leute das Brautpaar kannten.
Danach kam die eigentliche Feier in einer Halle nicht weit von unserer Unterkunft. Es wurde viel getanzt und ein wenig getrunken. Dazu wurden auch kleine Häppchen gegessen, die mir aber nicht ganz so gut bekamen, sodass ich die Feier am nächsten Tag leider nicht wahrnehmen konnte. Jedenfalls war der erste Tag der Hochzeit sehr spannend und hat echt Spaß gemacht. Über den zweiten Tag kann ich leider nicht sehr viel berichten. Lukas meinte jedoch, dass er ziemlich ähnlich wie der erste gewesen sei.
Soviel zu Cochabamba.
Heute war der Tag, an dem es endlich losging. Ich bin um 7 Uhr aufgestanden, habe meine Tasche zu Ende gepackt und etwas gegessen. Danach ging es auf zum Flughafen. Eigentlich wäre mein Flug erst um 12:45 gestartet, jedoch ging Lukas Flug früher und daher dachte ich wir teilen wir uns das Taxi und dann warte ich etwas am Flughafen. Das stellte sich später als Fehler dar.
Nachdem ich von 9 Uhr bis 12:30 gewartet hatte, konnte ich endlich durch die Sicherheitskontrolle. Ich hatte mich schon gefragt, wie es möglich sei, um 12:45 zu starten, wenn in 15 min alle Passagiere durch den Sicherheitscheck sollten. Meinen Befürchtungen entsprechend war noch kein Flugzeug da. Um ca. 13 Uhr kam die Durchsage, dass wegen technischen Problemen das Flugzeug erst um 14:10 starten wird. Ich dachte mir na gut, die Stunde macht’s auch nicht aus. Mein einziges Problem war, dass in El Alto Isabelle, die Leiterin der Fundacion Palliri, auf mich wartete. Ich dachte jedoch ein bisschen Verspätung ist normal für Bolivien.
Die nächste Durchsage kam um ca. 14:30. Der Flug wurde auf 17 Uhr verschoben. Daraufhin versuchte ich alles, um Isabelle Bescheid zu sagen. Das Problem war jedoch nur, dass ich keine Telefonnummer hatte und mein Handy noch 11% Akku hatte. Am Ende hat es jedoch geklappt, indem ich nach Deutschland telefoniert hab und von dort aus wurde dann Isabelle angerufen.
Zu meinem Erstaunen konnte man wirklich um 17:00 ins Flugzeug einsteigen.
Der Flug verlief reibungslos und ich konnte ein paar wirklich schöne Landschaftsaufnahmen machen. Die Berge sahen teilweise ziemlich imposant aus.
Als ich dann endlich in El Alto angekommen war, wurde ich auch schon von Isabelle und ihrem jüngstem Kind herzlich empfangen.
Ich lebe in El Alto in einem „Freiwilligen-Haus“ und habe mein eigenes Zimmer. Darüber hinaus haben wir einen Gemeinschaftsraum, eine Küche, eine Waschmaschine und Wlan. Das Einzige was mir noch fehlt ist eine Heizung :). Normalerweise find ich es zum Einschlafen angenehm, wenn es etwas kälter ist, jedoch bin ich gerade echt froh, dass ich so viele lange Unterhosen und Skisocken eingepackt habe. Abgesehen von der Kälte spüre ich noch nichts von der Höhe (ca. 4000m), aber das kann noch kommen.
So, ich bin ziemlich geschafft von dem Warten am Flughafen und werde jetzt meine erste Nacht in dem Zimmer verbringen, in dem ich die nächsten 9 1/2 Monate sein werde.
Cochabamba
Hallo liebe Blog-Leser,
tut mir leid, dass es so lange gedauert hat, bis ihr wieder von mir hört. Ab jetzt versuche ich regelmäßiger zu schreiben. Ihr fragt euch bestimmt, was ich die letzten zwei Wochen so gemacht habe :).
Zuerst einmal sind Lukas und ich von Frankfurt aus nach São Paolo in Brasilien geflogen. Obwohl es keinen Fernseher gab, um Filme zu gucken, war der Flug doch relativ ertragbar. In São Paolo angekommen mussten wir zehn Stunden im Flughafen warten. Am Ende wurden daraus elf Stunden, weil die Maschine ein wenig Verspätung hatte. Elf Stunden warten ist echt eine lange Zeit. Ich war froh, dass ich diese nicht alleine verbringen musste. Ich glaube sonst hätte ich mich zu Tode gelangweilt. Jedenfalls ging es dann von São Paolo weiter nach Santa Cruz und von da aus weiter nach Cochabamba. Zum Glück war der Flug nach Cochabamba nicht sehr lang, denn das Flugzeug war enorm klein, so dass wir unsere Taschen zwischen die Beine legen mussten und ich keinen Zentimeter Bewegungsfreiheit hatte.
In Cochabamba angekommen, wurden wir von den Leitern der Sprachschule Runawasi erwartet, die uns dann in unsere Gastfamilie brachten. Lukas und ich haben ein gemeinsames Zimmer, das nicht gerade groß ist. Aber es reicht, um zu schlafen. Die Gastfamilie besteht aus 8-12 Leuten. Warum 8-12? Weil ich nicht genau weiß, wer alles zur Familie gehört und wer nicht ;). Naja, das Essen ist lecker und die Leute sind sehr gastfreundlich. Weitere Bewohner sind zwei Hunde und eine Katze, wobei das für die bolivianischen Verhältnisse noch wenige Haustiere sind. Das Haus der Familie liegt im Dorf „Villa Juan XXIII.“ Es gibt eine Schule, einen kleinen Sportplatz, die Sprachschule, ein paar Kioske und ganz viele Hunde auf den Straßen.
Mit dem Bus kann man die Stadt innerhalb von zehn Minuten erreichen. Das Busfahren hier ist ein echtes Erlebnis. Eine Fahrt kostet umgerechnet 17 Cent und jeder der auf der Straße winkt wird sofort mitgenommen, dabei wird auch in Kauf genommen den Nebenmann von der Straße zu drängen. Sonst ist die Stadt schön. Es gibt den “Plaza Major”, an dem man sich orientieren kann.
Die letzten Tage in Deutschland
Es sind noch knapp 36 Stunden, bis ich im Flugzeug sitze und nach Cochabamba reise. In Cochabamba werde ich einen 2-wöchigen Sprachkurs machen und von da aus dann endlich in mein Projekt fliegen.
Als ich gestern meine Familie verabschiedet habe und ich gefragt wurde, wann ich denn genau fliege und ich dies mit Dienstag beantwortet habe, kam es mir noch wie eine Ewigkeit vor. Aber jetzt, wo ich sagen kann, “ich fliege morgen”, hab ich schon ein richtig flaues Gefühl im Bauch…
Der Abschied von meinen Freunden, meiner Familie und vor allem von meiner Freundin fiel mir echt schwer, aber es ist auch beruhigend zu wissen, dass hier Leute sind, die einen wieder herzlich empfangen werden.
Meine Gefühlslage kann man in etwa mit dem Moment kurz vor einem extrem wichtigen Fussballspiel vergleichen. Man ist enorm nervös, hofft, dass man nichts vergessen hat und will auf keinen Fall etwas falsch machen. Trotzdem freut man sich, endlich wieder Fussball spielen zu können und kann den Moment kaum noch erwarten, für den man so lange trainiert hat.
Naja, ich werde jetzt gleich meinen Koffer in die Mitte meines Zimmers stellen, ein paar Hörbücher auf mein Handy laden und versuchen, Klamotten für 10 Monate (23 Kg viiiiieel zu wenig!!!!) zu finden :).
Auf geht’s …
