Die „Wiphala“ – bunte Vielfalt und Gleichheit

Mittwoch, 18. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Seit 2009 hat Bolivien offiziell zwei Nationalflaggen: Eine in den Nationalfarben „rot-gelb-grün“ und die sogenannte „Wiphala“. Diese ist die Flagge der indigenen Bevölkerung, denn die Mehrheit der Bolivianer hat indigene Vorfahren. Die vielen bunten Quadrate stehen für die Vielfalt und Gleichheit der verschiedenen Bevölkerungsgruppen, die hier zusammenleben. Ob an wichtigen Gebäuden, Plätzen oder Uniformen, stets treten die beiden Flaggen gemeinsam auf.

 

Die beiden bolivianischen Nationalflaggen an einem Regierungsgebäude in La Paz

Insgesamt gibt es in Bolivien 36 verschiedene Volksgruppen, die je ihre eigene Sprache haben. Zu den offiziellen Amtssprachen zählen neben Spanisch auch Quechua, Aymara und Guaraní. Diese werden deshalb auch in der Schule unterrichtet.

Die Zahlen von 1 bis 10 auf Aymara (Plakat in „Michme“)

 

 

Palliri – für Integration und Bildung

Mittwoch, 18. Oktober 2017 von Marianka Rehm

El Alto ist eine ständig wachsende Millionenstadt, denn in der Hoffnung auf bessere Lebensbedingungen, Bildungs- und Arbeitsperspektiven ziehen immer mehr Menschen vom Land in die Stadt. Das ist der Grund, warum in El Alto Menschen von vielen verschiedenen Volksgruppen zusammenleben. Doch auch das Leben hier gestaltet sich nicht immer einfach. So schämen sich viele etwa für ihre Herkunft und sind hin- und hergerissen zwischen ihrer eigenen Identität und der modernen Lebensweise in der Stadt. Unter den Problemen leiden leider nicht selten auch familiäre Strukturen.

Die Fundación Palliri kümmert sich um genau diese Menschen und setzt sich zum Beispiel für gesellschaftliche Integration und schulische Bildung für benachteiligte Kinder und Jugendliche ein. Wegen der familiären Atmosphäre ist Palliri für viele wie ein zweites Zuhause. Kurz gesagt ist das Ziel der Fundación, wichtige Werte zu vermitteln und die Kinder und Jugendlichen stark fürs Leben zu machen.

Palliri ist sehr groß und vielseitig und besteht aus mehreren Zentren. Dazu zählen ein Kindergarten, zwei Zentren, in welchem Schulkinder betreut werden (eines davon ist „Michme“), eine Fußballschule und eine Nähwerkstatt. Dort werden Kleider (mitunter edle Abendkleider) hergestellt, welche in zwei projekteigenen Boutiquen in La Paz verkauft werden.

Die Fundación Palliri war Beispielprojekt der Sternsingeraktion 2016. Deshalb war sogar der bekannte deutsche Reporter Willi Weitzel schon einmal hier, um den damaligen Sternsingerfilm zu drehen. Der Film ist meiner Meinung nach sehr eindrucksvoll und echt empfehlenswert:

https://www.youtube.com/watch?v=JW8S5DPhjfc

 

 

Wie schnell die Zeit verrennt…

Dienstag, 17. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Ich kann gar nicht glauben, dass ich nun schon über zwei Monaten hier in Bolivien bin. Die Zeit vergeht einfach unglaublich schnell. Jedenfalls habe ich mich sehr gut eingelebt und fühle mich echt wohl hier. Auch die Leute im Projekt sind unglaublich nett und die Arbeit dort bereitet mir sehr viel Freude! Im Folgenden werde ich einen kleinen Einblick in meinen Arbeitsalltag geben:

„Michme“, so wird das Zentrum genannt, in welchem ich arbeite, ist ein Zentrum, in welchem Kinder und Jugendliche von 4 bis 18 Jahren vor beziehungsweise nach der Schule betreut werden. In „Michme“ können sie ihre Hausaufgaben machen, gemeinsam Freizeit verbringen und erhalten täglich Mahlzeiten wie Frühstück, Mittagessen und Tee am Nachmittag. Außerdem finden rund ums Jahr auch außerhalb des Zentrums verschiedene Aktionen statt.

Nach einer kurzen Minibusfahrt und Fußmarsch am Morgen komme ich in „Michme“ an und betrete den Saal der 9-12-Jährigen. Sobald ich bemerkt werde, rennen die Kleinsten (zwischen 4 und 8 Jahre alt) auf mich zu und rufen „Marianka!“. Nach dieser freudigen Begrüßung setzen auch sie sich wieder an ihren Platz und machen durch das vorausgegangene Frühstück gestärkt ihre Hausaufgaben. Meine Aufgabe ist es, sie dabei zu unterstützen. Der Saal wird betreut von Tania, der Leiterin von „Michme“. Sie ist echt nett und hat mich sehr lieb als ihre Assistentin aufgenommen =)

Nachdem die Hausaufgaben alle erledigt sind, steht Freizeit auf dem Tagesplan. Dann gehen meist alle nach draußen und wir spielen zusammen solange Fußball bis plötzlich irgendjemand ruft: „A la sala!“. Um 12.30 wird gemeinsam Mittaggegessen. Dieses ist wirklich lecker! Zubereitet wird es von zwei sehr sympathischen Frauen, die tagtäglich in der Küche von „Michme“ stehen und liebevoll die Mahlzeiten für die Kinder zubereiten.                                                                                
Nun findet ein fliegender Wechsel statt: Diejenigen Kinder und Jugendlichen, die morgens im Projekt waren, gehen mittags zur Schule. Andere waren morgens in der Schule und trudeln nun bis ca. 14.00 zum Mittagessen ein. Zuständig bin ich jetzt für die 5- und 6-Jährigen. Hat jedes Kind den Teller leergegessen und seine Zähne geputzt, geht es auch für sie an die Hausaufgaben. Später dürfen sie nach draußen zum Spielen oder wir gehen gemeinsam in die sogenannte „Ludotheca“. Dort können sich die Kinder austoben, aber auch Lern- und Brettspiele machen. Ein weiteres Highlight ist freitags ab und zu der Besuch des Fernsehraums, wo zur Einstimmung aufs Wochenende ein Film gezeigt wird.

Bevor um 17.00 Uhr alle nach Hause gehen, gibt es schließlich nochmal eine kleine Stärkung (meist Kaba oder Tee mit Keksen, Brötchen oder auch Obstsalat).

So ungefähr sieht mein Tag in Palliri aus. Die Arbeit ist sehr vielseitig und macht echt Spaß! Die Kinder sind meist sehr neugierig auf mein Herkunftsland Deutschland =)

Tagesablauf in „Michme“

 

Der Saal der 5- und 6-Jährigen

 

Im Computerraum haben die Schüler und Schülerinnen von Palliri die Möglichkeit, sich mit modernen Medien zu informieren. Die hinten liebevoll eingerichtete Ecke erinnert die Kinder und Jugendlichen an ihre Herkunft und Identität, denn viele der Familien in El Alto kommen ursprünglich vom Land.

 

Noch ist der Hof leer und drinnen werden fleißig Hausaufgaben gemacht, doch das ändert sich gleich und es wird zusammen Fußball gespielt.

 

 

Kleine Stärkung bevor alle nach Hause gehen

 

 

Zebras in Sicht!!

Dienstag, 17. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Nanu, wer hat sich denn da verirrt? – Ein Verkehrszebras in El Alto

Nein, um dieses Foto zu machen, war ich nicht etwa im Zoo… ein solches Bild ist in La Paz und El Alto völlig alltäglich. Logischerweise gibt es in den beiden Großstädten ein ziemlich großes Verkehrsaufkommen und manchmal kann es dabei ganz schön chaotisch sein. Genau deshalb kam vor mehreren Jahren die Idee mit den Zebras als Verkehrshelfer auf. Hier stellt ein Zebra mit einem roten Stoppschild in der Hand sicher, dass bei roter Ampel auch wirklich jedes Fahrzeug anhält, dort hilft ein Zebra einer älteren, schwer bepackten Dame über die Straße. So arbeiten diese Tiere hier Tag für Tag, sorgen für mehr Sicherheit im Straßenverkehr und zaubern mit ihrer Art ganz nebenbei ein Lächeln auf die Gesichter der Passanten =)

 

Minibusse, das wohl wichtigste Verkehrsmittel überhaupt

Nachdem ich letztes Mal vom Teleférico, der Seilbahn mitten in La Paz/ El Alto, erzählt habe, stelle ich Euch heute das wohl wichtigste Verkehrsmittel überhaupt vor: den Minibus.

Man stelle sich an den Straßenrand und warte bis ein Minibus mit der richtigen Aufschrift vorbeikommt. Diese sind sehr zahlreich unterwegs und stellen gefühlt die Hälfte aller Fahrzeuge dar, die auf der Straße zu finden sind. Kommt der richtige Minibus angefahren, winke man diesen mit einer kurzen Handbewegung heran. Oft, vor allem auch an zentralen Plätzen, wird lautstark und kaum überhörbar die Fahrtrichtung verkündet. Die kräftigen Stimmen, mit denen die Fahrer oder ihre „Assistenten“ beispielsweise „Ceja Ceja Ceja… !“ rufen und dabei kaum atmen zu scheinen, sind echt bewundernswert! Das praktische am Minibus ist, dass man wirklich ein- und aussteigen kann, wo man möchte. Das Fahrzeug nimmt also wieder Fahrt auf und sogleich wird man von lautstarker (bolivianischer) Musik umgeben (nicht selten auch vom hier natürlich ebenfalls sehr bekannten Song „Despacito“ :p ).

So wichtig wie etwa das Lenkrad und die Bremse ist für einen Minibusfahrer, aber auch für alle anderen, die Hupe. Diese ist kaum wegzudenken und wird einfach immer benutzt, was dann meistens ungefähr so viel bedeuten soll wie „Achtung, aus dem Weg, jetzt komme ICH!“ :p Dies gilt insbesondere auch an Kreuzungen, denn wer meint, hier gebe es ein Rechts vor Links (Verkehrsschilder gibt es nämlich in El Alto so gut wie keine), der hat weit verfehlt: Auf die eigene Vorfahrt kann man auch einfach mit einem Hupen aufmerksam machen. Dass man dennoch nicht durchgehend rast, sind gefühlt alle paar Meter Erhebungen in die Straße eingebaut, vor denen alle Fahrzeuge abbremsen müssen, um diese passieren zu können. Der Straßenverkehr in einer bolivianischen Großstadt ist wirklich höchst interessant, aber das Allerwichtigste: Es funktioniert!

Vor kurzem war hier „Tag des Fußgängers“ und offiziell blieben für 24 Stunden (zumindest fast) alle Autos und sonstige Fahrzeuge stehen. Bei einem Spaziergang durch die Stadt bemerkte ich, wie ruhig es im Vergleich zu sonst war. Tatsächlich waren viele Fußgänger und auch Fahrradfahrer unterwegs. Auf einmal wurde es sogar so still, dass es für kurze Zeit so schien, als würde die Stadt den Atem anhalten…

 

 

Winterliche Grüße im August!

Samstag, 12. August 2017 von Marianka Rehm

Hoch hinaus…

Hola ihr Lieben! Während ihr vergangenen Sonntag schon das Mittagessen genossen habt, war es in Bolivien noch früh morgens und nach einer fast 23 Stunden langen Reise bin ich hier in El Alto am internationalen Flughafen gut angekommen. Dort wurde ich von Isa, der Projektleiterin des Projektes Palliri, und Awa, einer deutschen, bald ehemaligen Freiwilligen, schon erwartet und sehr herzlich in Empfang genommen. Mit dem Auto ging es zur WG, in der ich aktuell mit Awa, zwei aus Spanien und einer Italienerin – alles echt super nette Leute – zusammen wohne.

Orange markiert: El Alto/La Paz.
La Paz ist der Regierungssitz Boliviens, die Hauptstadt ist Sucre.

Glücklicherweise habe ich mich schnell an die Höhe hier gewöhnt. Schließlich komme ich von der auch nicht ganz so niedrigen Schwäbischen Alb. Na gut… 4100 Höhenmeter sind für deutsche Verhältnisse schon nicht ganz alltäglich und zugegebenermaßen kann einem hier nach dem Treppensteigen schon einmal die Puste ausgehen… – nicht umsonst heißt die Stadt „El Alto“ (=„Die Höhe“). El Alto war früher einmal ein Stadtteil und grenzt daher im Westen direkt an La Paz. Die Stadt hat über 1 Million Einwohner und wird nun für ein Jahr meine neue Heimat sein.

Am Dienstag konnte ich gleich erste Einblicke ins Projekt Palliri gewinnen: Morgens war ich mit Awa in der guardería, einem Kindergarten, in welchem Kinder im Alter von acht Monaten bis fünf Jahren betreut werden. Die Kinder haben mich sehr lieb begrüßt und sogleich Allerlei auf Spanisch erzählt – ich habe natürlich fast alles (nicht) verstanden, aber man konnte sich trotzdem gut verständigen. Mittags waren wir dann bei den Älteren und haben Schulkinder bei ihren Hausaufgaben unterstützt. Die Arbeit im Projekt gefällt mir sehr gut und ich freue mich auf das kommende Jahr!

Vom deutschen Hochsommer bin ich direkt in den bolivianischen Winter gereist. Zwar scheint die Sonne hier tagsüber sehr stark und es ist ziemlich warm, sodass man hier sogar im Winter Sonnencreme benötigt und das Gras bewässern muss, jedoch ist es im Haus rund um die Uhr sehr kalt. Sobald die Sonne untergeht, kühlt es auch außen sehr stark ab und es kann nachts zu Minustemperaturen kommen. (Eine für Deutsche sehr interessante Kombination von Wärme und Kälte) Kommt man hier nach der Arbeit nach Hause, versammeln sich meist alle am Wohnzimmertisch – Warum? Dort befindet sich nämlich versteckt die hier im Haus sehr geschätzte Heizung.

Bewässerung des Rasens im Winter!

 

Versteckte Heizung unter dem Wohnzimmertisch.

Mittlerweile war ich auch schon „unten“ in La Paz. Da die Metropole in den Anden und somit in einer sehr bergigen und steinigen Region liegt, wäre der Bau einer U- oder Straßenbahn unmöglich. Weil aber trotzdem in möglichst kurzer Zeit möglichst viele Leute befördert werden müssen und die für La Paz und auch andere bolivianische Städte typischen Minibusse alleine nicht ausreichen, hat man sich etwas Grandioses einfallen lassen: Der Teleférico, eine Seilbahn, welche mitten durch die Stadt führt und unter anderem La Paz mit dem etwas höher gelegenen El Alto verbindet. Es gibt schon mehrere „Linien“ und weitere sind zurzeit im Bau. Auf Besucher wirkt das Bild einer solchen Seilbahn mitten in der Großstadt zunächst möglicherweise etwas paradox. Doch für viele Einwohner ist der Teleférico längst zum alltäglichen Verkehrsmittel geworden. Außerdem bietet sich von den Gondelkabinen aus eine wirklich atemberaubende und unglaubliche Aussicht über die Städte La Paz bzw. El Alto. Ich habe versucht, diese annähernd in einem Foto festzuhalten.

Unfassbare Weite…

 

Rot umkreist: Ein Passagierflugzeug, welches zur Landung auf dem höchstgelegenen Zivilflughafen der Welt (in El Alto) ansetzt.

 

Die Basilica San Francisco in La Paz – nein, das im Hintergrund ist keine raue Berglandschaft, das sind unendlich viele Häuser!

 

Bis bald!