An einem toten Tag ist viel los…

Montag, 06. November 2017 von Jan Kaatze

„Der Tote ins Grab und der Lebende auf die Feier“

oder

„Er ist nicht gestorben, er ist feieren gegangen“

Diese Mexikanischen Sprichwörter beschreiben sehr gut, wie hier mit dem Tot umgegangen wird. Somit ist auch der Tag der Toten, welcher in Deutschland vielleicht mit Allerheiligen verglichen werden kann, ein großes Fest. Dieses ging für mich schon am 2. November abends los. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Guadalajara traf ich mich mit ein paar Lehrern der Schule um diesen Tag zusammen mit vielen anderen zu feiern. Ich bin vorher schon einemal in dem Dorf gewesen und es war fast nicht mehr wiederzuerkennen: Auf den Straßen waren Altäre aufgebaut, mit denen an verstorbene Personen erinnert wurde und viele Stände mit handgemachten Dingen lockten die Menschen zum beschauen an. Derweil konnte man um sich herum unzählige Menschen sehen, welche als Skelett bemalt waren.

Ein Altar für Frida Kahlo

 

Ein Totenkopf mit Blumen

Ja.. wenn man das so sieht kommt man vielleicht auf die Frage: Ist es für die Menschen hier nicht traurig, wenn eine nahestehende Person stirbt? Natürlich! Auch hier wird der Verlust eines Menschens bewient und vor allem bei jungen Verstorbenen ist es alles andere als fröhlig. Dennoch wird am Tag der Toten kein Trubsahl geblasen, sondern es wird mit den Verstorbenen zusammen gefeiert. Für viele ist dieser Tag einer der schönsten und emotionalsten im Jahr. Man sagt, dass der Verstorbene nicht wollen würde, dass man nur um ihn trauert, sondern für ihn feiert und somit alle schönen Erinnerungen am Leben hält. Sonst würde die Person nur in der Trauer in Erinnerung bleiben.

 

Später ging es dann los mit der Zeremonie, in welcher verkleidete Brautpaare als Skelette durch die Straßen zogen. Diese waren jedoch anfangs so mit Schaulustigen überfüllt, dass es erst 2 Stunden später los gehen konnte. Man konnte die unterschiedlichsten Paare mit den unterschiedlichsten Kostumen sehen. Diese wurden von den umstehenden Menschen bestaunt und bejubelt. Eine vorbeiziehende Mariachi-Gruppe sorgete für die musikalische Untermalung und es herschte eine fröhliche Stimmung.

Die Brautpaare laufen durch die Straße

Noch mehr Feierei

Am nächsten Tag ging es dann in der Schule weiter mit dem Feiern. Auf dem Schulhof befanden sich Traueraltäre und viele Schüler waren verkleidet und geschminkt. Und natürlich wurde auch ich gleich geschminkt, als ich die Schule betrat…

Ja, ein bisschen habe ich mich vor mir selber gegruselt…

Die Messe

In der Messe, welche am Anfang statt fand, wurde an verstorbene Personen erninnert und ein wenig von der Geschichte dieses Tages erzählt.

Nach der Messe führten dann einige Klassen etwas auf und anschließen fand die Wahl zu dem besten Brautpaar statt. Vor allem die Wahl wurde von allen sehr gefeiert und man feuerte sein Lieblingspaar an.

Jetzt wo ich mein ersten Tag der Toten in Mexiko erlebt habe muss ich sagen, dass dieser Tag auch für mich ein besonderer geworden ist, vielleicht soger einer meiner Lieblingstage. Es fasziniert mich immer noch wie hier mit dem Tod umgegangen wird, auf eine Weise, die ich eine sehr schöne finde. Und somit geht ein toter Tag zuende, welcher alles andere als langweilig war!!

Bis dann
Euer Jan

 

Mein Alltag in Johannesburg

Freitag, 03. November 2017 von Daniela Alofs

Bei der Ankunft der Kinder um 2 Uhr.

So, nachdem ich jetzt schon  3 Monate hier bin und langsam der Alltag eingekehrt ist, möchte ich euch gerne ein paar Einblicke in meine tägliche Arbeit hier geben. Jeden Morgen von Montag bis Freitag geht es um zehn Uhr los zum Sacred Heart College, wo wir mit dem Auto hinfahren. Da die Kinder erst um zwei Uhr kommen, besteht der Morgen aus Büroarbeit, wo ich zum Beispiel Arbeitsblätter für die Lehrer für den Unterricht kopiere und andere Dinge organisiere, die für den Tag oder die Woche wichtig sind. Um zwei kommen dann die Busse, die 150 Kinder sicher zur Schule bringen und Abends nach dem Unterricht auch wieder nach Hause bringen. Bis um drei ist dann Zeit um mit den Kindern draußen auf einem Feld zu spielen, ehe es dann in den Unterricht geht. Meine Aufgabe ist es , jeden Tag von halb sechs bis sechs Uhr Ipad-Unterricht zu geben, wobei die Klassen 3-6 ein bestimmtes Programm namens Lab-online haben, wo die Kinder ihr Englisch verbessern können. Die 2. Klasse hat verschiedenen Lernspiele die die Kinder ebenfalls im Unterricht fördern sollen. Um 6 ist der Unterricht dann für alle beendet und es geht zu den verschiedenen Bushaltestellen auf dem Schulgelände. Wir Freiwilligen warten dann bis auch der letzte Bus gegen halb 7 die letzten Kinder abgeholt hat und dann ist auch für uns der Tag beendet. Das in etwa ist mein Alltag von Montag bis Freitag. An Wochenenden arbeite ich nur wenn es besondere Aktivitäten im Projekt gibt.

Mittlerweile darf ich nach ein paar Fahrstunden auch Auto fahren hier, was garnicht so einfach ist. Der Linksverkehr ist eigentlich das kleinere Problem dabei, es sind die vielen Fahrstreifen, die vielen Autos die teilweise machen was sie wollen und die Menschen, die einfach ganz plötzlich die Straßenseite wechseln oder mitten auf der Straße laufen. Mit anderen Worten: Hier muss man wirklich immer Vorsichtig fahren und notfalls nicht auf sein Recht bestehen. Dazu kommen auch noch die Löcher in manchen Straßen, mit denen man echt vorsichtig sein muss, da diese einem auch sehr schnell die Reifen zerstören kann. Also das Auto fahren hier ist nicht einfach, aber wenn man von so einem kleinen Ort in Deutschland in eine so riesige Stadt in Südafrika reist, ist es vielleicht auch klar das einem die vielen Wege, Autos und Ampeln erstmal etwas ungewohnt vorkommt. Jedenfalls wird es besser, je öfter ich fahre.

In Johannesburg ist es mittlerweile Frühling – und der ist zumindest in einem Aspekt nicht so anders wie in Deutschland: das Wetter ist genauso unvorhersehbar und es wechselt von einer Sekunde zur nächsten Schlagartig! So ist es ein Tag strahlende Sonne und 30 Grad, während es am nächsten Tag auf 17 Grad abgekühlt ist und es nur regnet und gewittert. Und wo wir schon bei Gewitter sind: von denen gibt es hier jetzt schon eine Menge! Der Morgen ist meist sonnig, und dann gegen Mittag wird es plötzlich duster, es fängt an wie aus Eimern zu gießen und es gewittert, und das teilweise sehr lange und sehr laut. Wer also denkt hier ist nur strahlender Sonnenschein, der irrt sich gewaltig, die Regenzeit beginnt nun und das bedeutet Gewitter und Regen häufen sich von nun an, aber sehr warm wird es gottseidank trotzdem hier. 🙂

Meine Mitbewohner

Zu guter letzt kann ich euch auch noch etwas zu meinem Geburtstag hier in Johannesburg erzählen, der am 07.10. war. Da es ein Samstag war musste ich nicht arbeiten und habe meinen Geburtstag mit meinen Mitbewohnern gefeiert. Ursprünglich war geplant, zu einem Festival des Sacred Heart Colleges zu gehen, das zum Geburtstag des Colleges stattfand, aber leider hat uns an dem Tag das Wetter absolut einen Strich durch die Rechnung gemacht, denn nach einem schönen, sonnigen Morgen folgte für den Rest des Tages Gewitter und Regen. Somit sind wir letzendlich am Abend alle zusammen Essen gegangen und waren dann noch tanzen. Es war ein schöner Tag, auch wenn mir meine Familie und Freunde zuhause in Deutschland an dem Tag natürlich auch sehr gefehlt haben. Am Montag danach habe ich dann auch noch eine kleine Feier auf der Arbeit gehabt, wo es Kuchen gab und später auch die Kinder alle zusammen für mich ein Geburtstagsständchen gesungen haben. Von einer meiner Mittbewohnerinnen, die an meinem Geburtstag leider nicht da sein konnte, habe ich nachträglich auch noch einen selbstgebackene Erdbeerkuchen bekommen, was für mich eine besonders große Freude war, denn es ist das erste Mal das ich zu meinem Geburtstag einen Erdbeerkuchen essen kann, denn in Deutschland ist es im Herbst ja schon zu kalt dafür. Es hat mich wirklich sehr gefreut, wie viel Mühe sich hier alle gegeben haben, mir einen schönen Geburtstag zu bereiten! 🙂

Liebe Grüße und bis bald!

 

47, 16, 30 – BINGO!

Dienstag, 31. Oktober 2017 von Sandra Abrantes Diaz

„Wer nimmt diesen Gewinn mit nach Hause? Ich wiederhole sie letzten Zahlen und jetzt wird es spannend! … 61“ – „Bingo!“ – „Herzlichen Glückwunsch! Dieser Sack Zucker gehört ihnen!“ …

So etwa ging es den vergangenen Sonntag ganze sieben Stunden. Ja, einfach unglaublich wie fast neunhundert Gäste zu unserem großen Bingo ins Heim kamen! Im Vorfeld habe ich schon mitbekommen, dass dieser Tag sehr besucht und die Vorbereitung viel Kraft kosten würde. Auch wenn ich viel ‚gewarnt‘ wurde, war es doch eine sehr anstrengende wochenlange Zeit der Vorbereitung und ein mindestens genauso anstrengender aber schöner Tag!

Zusammen bereiten wir Enchiladas vorhöner Tag!

Bereits Anfang Oktober durfte ich in Granda Großbestellungen für Fleisch und Hühnchen (das ist ja nicht dasselbe!) im Auftrag des Heims einreichen, es wurden neunhundert Tüten mit je dreißig Maiskörnern als ‚Setzsteine‘ gefüllt

(nein, danach habe ich nicht noch bei den Mathehausaufgaben geholfen!), ich habe Werbeplakate gestaltet und in der Stadt verteilt und vieles mehr! Gut organisiert ging es dann ab Samstag in der Früh in den Endspurt! Um sieben Uhr haben wir angefangen das Essen vorzubereiten. Es gab viele verschiedene typische Gerichte und ich war so erstaunt, dass wir für alle Gäste selber kochten. Während eine Gruppe das Fleisch für den Grill, die Suppe und einen Eintopf vorbereitete, schnibbelte ich mit meiner Gruppe das gesamte Gemüse und die kleineren Mädchen halfen dabei die Tische zu wischen und die Stühle aufzubauen. Gestärkt von einem leckeren Mittagessen ging es auch schon weiter, den Kleidungsbazar und den Trödelbazar vorzubereiten. Außerdem gilt es noch die Musikboxen aufzubauen und, und, und… Meine Füße waren mir alles andere als dankba, aber der Tag wollte ihnen bis tief in die Nacht keine Pause geben. Etwa bis 24 Uhr arbeitete das gesamte Team und wir machten zwei von drei Kreuzen, als wir in die Nacht geschickt wurden.

An diesem Tag sind die meisten Kinder zuhause geblieben und nur vier von den Kleineren sowie die Älteren halfen mit. Von außerhalb waren an diesem Tag viele helfende Hände gekommen und ich lernte auch ehemalige Mädchen aus dem Heim kennen, mit denen ich mich auch super verstanden habe, weil sie in meinem Alter sind! Es war ein sehr anstrengender, aber doch abwechslungsreicher Tag.

Mit einer kleinen Rede wird das Bingo eröffnet

Die Gewinne

Ein leckeres Mittagessen

Alles steht!

 

Auch wenn es nur Erwachsene waren, die sich ihren Schlafplatz in einem der leeren Betten suchten, ging das Licht erst um ein Uhr aus, denn einige wollten noch bügeln oder es  musste noch Bettzeug gesucht werden.

Nach schönen vier Stunden Schlaf, in denen ich jeden Muskel spürte, war der Tag also gekommen! Die letzten Sachen wurden gemacht und um sieben Uhr kamen auch schon die anderen Mädchen von zuhause mit ihren Müttern, denen jeweils ein Stand zugeteilt wurde.

Nach Öffnen der Tür füllten sich die leeren Plätze in Windeseile und die ersten suchten schon nach einem leckeren Frühstück. Ja, es wunderte mich schon gar nicht mehr, dass ich um 9.30 Uhr gefragt wurde, ob es schon gegrilltes Hühnchen gäbe. Ich durfte auch frittiern, was mich ein bisschen angeschlagen hat. Etwa vier Stunden stand ich am Feuer und musste danach mein Gesicht erst einmal mit eisklatem Wasser waschen und eincremen. Ich war es nicht gewohnt und meine Augen fingen an zu brennen, mein Atem wurde schwer… Aber es ist alles gut gegangen 🙂

Am Ende hatte ich auch noch Zeit, um etwas Bingo zu spielen, im Bazar zuzuschlagen und mir leckeres Essen zu holen! Nur eine Nummer fehlte mir in der letzten Runde, aber ich sollte wohl nicht der stolze Besitzer eines neuen Fahrrades werden…

Die Bingo-Karte

Dieser Tag war ein so großes Erlebnis für mich, besonders weil ich auch in der Rolle des Gastgebers war. Nach so vielen Stunden und so viel Kraft, die wir in diese Veranstaltung gesteckt haben, lief alles sehr gut und der Tag ging im Nu vorbei! Als ich dann am späten Abend, nach dem Abbau, wieder Zuhause war, verabschiedte ich mich sofort in mein Bett und genoss die Ruhe!

BINGO – dieser Tag war super!

Eure Sandra

 

Unterstützung für arbeitende Kinder – die Fundación Wiphala

Sonntag, 29. Oktober 2017 von Jakob Dybowski

Das Projekt wo ich hier mithelfe heißt „Fundacion Communidad Educativa de Wiphala.“ Bennant nach Boliviens zweiter Nationalflagge der „Wiphala.“

Die Fundacion (das Eckhaus) mit der Wiphala im Vordergrund

Schon seit 15 Jahren unterstützt das Projekt hier arbeitende Kinder und Jugendliche, keine Straßenkinder. Sie sind Schuhputzer, Busbegleiter, Verkäufer oder gehen anderen Hilfsarbeiten nach. In der Funcacion können sie für einen geringen Betrag ein warmes Mittagessen kaufen. Hier bekommen sie auch Hilfe bei den Hausaufgaben und können den Nachmittag mit  sportlichen oder kreativen Aktivitäten verbringen. Tanzen, Fußball und Basketball stehen genauso auf dem Programm wie Backen, Basteln, Nähen, Metallarbeiten oder gemeinsame Ausflüge. Mein Eindruck ist, dass für viele Kinder Wiphala ein Ort ist wo sie sich ausleben können und auch gerne hinkommen.

Luftballons – begehrte Spielobjekte

Und nicht alle haben es leicht zu hause. Zwar gehen eigentlich alle Kinder zur Schule doch trotzdem müssen sie oft noch arbeiten oder ihren Eltern helfen, damit das Geld zum Leben reicht. Das ist in Bolivien übrigens schon ab zehn Jahren legal.  Für einige von ihnen die aus familiären Gründen nicht mehr zu hause leben können gibt’s hier außerdem ein Wohnheim. Die etwas älteren werden von der Fundacion in Beruf, Ausbildung und Studium unterstützt. Manche der Mamas sind in der Strickgruppe dabei, die sich auch regelmäßig trifft. Sie verkaufen ihre Produkte dann in Weltläden in Deutschland. Ich habe mir das Stricken beibringen lassen und es ist tatsächlich nicht ganz so schwer und macht sogar Spaß. Dabei kann man sich nämlich gemütlich unterhalten und ich lerne ein bisschen „Aymara,“ die indigene Sprache der Region. Die Mütter sind sehr allesamt sehr freundlich und lebhaft. Generell finde ich es schön, dass hier in Wiphala so viele Generationen zusammenkommen und sich austauschen.

So werden Mützen gestrickt

Mein Tag beginnt hier so gegen 8 mit dem Aufstehen und kurzem Frühstück. Aber erst um 11 Uhr muss ich in der Fundacion sein. So kann ich, bevor ich ins Projekt gehe noch kurz einkaufen, Wäsche zu waschen oder einfach mal auszuschlafen. Genial! Weit laufen muss ich auch nicht. Kaum losgegangen bin ich eigentlich schon da. Wenn ich dann morgens ankomme, beginne ich meistens mit eher organisatorische Tätigkeiten. Ich hab z.B. schon die Dusche und einige Schränke repariert, die Spiele wieder geordnet, Bücher einsortiert, in der Küche mitgeholfen und das Fenster wieder in Ordnung gebracht, damit keine Katzen mehr von der Straße reinkommen. Ein paar Mal wurde nämlich schon die Küche durch die Katze verwüstet, was „Denise“ der Köchin verständlicherweise nicht so gut gefallen hat. Ich bin dann immer so ein bisschen für alles da was gerade anfällt oder gemacht werden muss. Ehrlich gesagt eigentlich ziemlich gemütlich, da vormittags auch noch keine Kinder da sind.

Die kommen erst gegen halb eins. Dann geht’s ab! Bis es um halb zwei Mittagessen gibt werden Tische gewischt, Böden gefegt und das Bad gereinigt. Zumindestens theoretisch 😉 in der Praxis haben die Kids natürlich viel mehr Lust Fußball, Fangen oder Basketball zu spielen. Alles aber nicht aufräumen. Es fiel mir anfangs schwer mich in so einer Situation durchzusetzen. Mittlerweile habe ich aber ein paar Tricks und Überzeugungstaktiken drauf. Ich würde sagen, dass ich dadurch mittlerweile etwas mehr über Motivation gelernt habe. Meistens schaffen wir es mittlerweile also sauberzumachen und auch ein bisschen zu spielen bis es um 13:30 Uhr Essen gibt. Dann kommen alle unterschiedlichen Gruppen der Fundacion zusammen. Die Kleinen, die Jugendlichen, die aus dem Wohnheim, die die schon studieren und auch die älteren Damen aus der Strickgruppe. Meist läuft nebenbei Musik und es werden lebhafte Unterhaltungen geführt. Die Lieblingskonversation ist – na klar – welches Fußballteam aus La Paz denn nun besser ist. Die Tiger oder die Löwen! Nachmittags bin ich dann meistens bei den „kleinen“ und helfe bei den Hausaufgaben, spiele Spiele, lese Geschichten vor und was man sonst noch so macht in einer Nachmittagsbetreuung.

Aufgabe: Im Team die Rutsche erklimmen! – Gar nicht so einfach

„Jako – Tako, kannst du mir helfen ? Jako – Tako können wir was spielen ?“ fragen sie dann. Den Spitznamen hab ich mir übrigens nicht ausgesucht. Den bekommt man hier von ganz alleine. Von den älteren werde ich immer „Joven Jakob“ gerufen, was so viel heißt wie „Junger Jakob.“ Dabei fühle ich mich eigentlich ziemlich alt wenn ich den ganzen Tag von kleinen Kindern umrundet werde. Naja, es kommt auf die Perspektive an.

Bei den Bolivianern hier finde ich es erstaunlich, dass irgendwie viele einen englischen Namen tragen. Trotzdem werden Rose, Andy, Kimberly, Henry & Co. doch eher spanisch ausgesprochen, was ziemlich ungewohnt klingt. Witzig ist außerdem, dass hier so gut wie jedes Wort verniedlicht wird. Selbst zum Fluchen wird das spanische Wort für Sch**ße zu „Miercoles“abgewandelt. Auf deutsch heißt das dann: Mittwoch!!! 😀

Origamistunde bei den „Niños“

Es ist schwer alle meine Eindrücke hier in Worte zu fassen. Doch wie schon gesagt gefällt es mir im Projekt einfach unglaublich gut. Was nicht zuletzt daran liegt, dass ich mich mit meinen Kollegen blendend verstehe. Insgesamt arbeiten hier sieben „Edukatoren“ darunter auch mein Mentor „Devid.“ Sollte ich doch mal Schwierigkeiten haben munterter mich mit guten Ratschlägen und Humor wieder auf! Wirklich sehr liebenswerte, freundlich und offenherzige Menschen hier. Außerdem habe den Eindruck das ich wirklich helfen kann und das Leben der Kinder ein Stück interessanter mache. Ich kann mich engagieren, meine Ideen mit einbringen und habe das Gefühl gebraucht zu werden.

So das wars jetzt erstmal von mir so weit. Wer mehr über meine kulturellen und kulinarischen Erfahrungen wissen will sollte auf jeden Fall bald nochmal vorbei schauen. Stay Tuned!
Bis Bald euer Jakob.

 

Blog#1 Alles von Anfang!

Samstag, 28. Oktober 2017 von Markus Bartsch

Nach zwei Monaten am anderen Ende der Welt wird es Zeit endlich meine ersten Eindrücke und Erfahrungen festzuhalten. Warum erst so spät? Nun ja… ich habe hier so viel erlebt, dass ich nie Ruhe hatte den Anfang meines Abenteuers in Mexiko nieder zuschreiben. Doch mittlerweile ist der Alltag auch hier in mein Leben eingekehrt und den ersten Artikel kann ich wirklich nicht weiter hinauszögern…

Damit ich mich nicht sofort verzettel, werde ich in diesem Blog grob die letzten beide Monate wiedergeben. In kommenden Beiträgen (ihr wisst ja alle sechs Wochen… 😀 ) gehe ich dann konkreter auf einzelne Themen ein, wie z.B Arbeit im Projekt, Leben mit der Fremdsprache Spanisch, Freizeit, Langeweile und Überforderung, Sicherheit, auf Reise oder Kulinarisches.

Doch wie verlief denn nun mein Freiwilligendienst bisher? Was für eine erlebnisreiche, wunderschöne Zeit lag noch vor meiner Ausreise hinter mir: letzter Schultag, Abiturprüfungen, Wanderurlaub, Fahrradtour, Abiball und viele Tage am heimischen Strand ohne Schule und Sorgen. Genug zu tun gab es trotzdem: Impfung, Papierkram, Packen, Papierkram, Botschaftsbesuch oder Papierkram. Fakt ist, wer ein FSJ im Ausland machen will, darf sich auf Einiges an Bürokratie freuen!

Meine Ausreise wurde nochmal richtig hektisch, weil ich bis einen Tag vor Abflug auf meinem Ausreiseseminar war. Der Abschied wurde zu einem regelrechten Marathon und ich war glücklich, als ich endlich im Flieger über den großen Teich saß. Endlich konnte ich die Vorbereitungszeit abhaken und endlich viel die Anspannung der letzten Wochen ab. Trotz aller Vorfreude schwang jedoch auch Wehmut, Zweifel, Nervosität und Ungewissheit mit.

Nach 20h des Gefühlschaos im Flugzeugsitz landete ich völlig aufgekratzt in einer der größten Städten der Welt, Mexiko City. Das nie enden-wollende Lichtermeer der Hauptstadt beim Überfliegen ist einfach nur atemberaubend. Nach einem halben Jahr der Vorbereitung tatsächlich am Einsatzort zu landen war absolut surreal!

Zur Eingewöhnung blieb ich zehn Tage in Mexiko City. Mein Projekt, Hogares Calasanz, wirkt nämlich sowohl dort, als auch in meinem derzeitigen Wohnort, Puebla. In der mexikanischen Hauptstadt arbeitet mein Mentor, Padre Reyes, welcher Leiter der Heime in beiden Städten ist und jeden Mittwoch das Projekt in Puebla besucht.

Da war ich also… inmitten der 20 Millionen Metropole. Eine Dimension die sich kaum erfassen lässt. Eine Stadt zehn Mal größer als Hamburg oder 350 Mal größer als mein beschauliches Greifswald. In meinen ersten Tage wurden mir die Innenstadt und einige historische Viertel gezeigt. Was nach einem Kurzbesuch klingt, kann durch den nie ruhenden Verkehr schnell ein Tagesausflug werden.

 

Straßenszene in Mexiko City

 

 

Die Arbeit im Projekt überzeugte mich sofort! Kinder und Betreuer leben in einem sehr engen und vertrauensvollem Verhältnis. Die Atomsphäre ist stabil und trotz der Vorgeschichten der Kinder wirken sie wie „normale“ Heranwachsende. Der Umgang ist sehr respektvoll und persönlich. Unheimlich gastfreundlich wurde ich aufgenommen und so tat es mir fast leid, nach zehn Tagen das Projekt nach Puebla wechseln zu müssen…

 

Terassenblick der Wohnung eines Bekannten

 

 

Hogares Calasanz Haus 2 in Mexiko City

 

 

 

 

 

So reiste ich am 23.08.17 weiter ins zwei Stunden entfernte Puebla. Die Stadt,mit immerhin zwei Millionen Einwohnern, wirkte nach dem Aufenthalt in Mexiko City  fast provinzisch…so verschieben sich die Relationen. Seitdem lebe ich in meiner Gastfamilie. Sie besteht aus meinen Gasteltern und meinem 21 Jahre alten Gast-Bruder. Meine 23 Jahre alte Gast-Schwester habe ich nur kurz kennengelernt, da sie in den Niederlanden studiert. Mit uns wohnen noch fünf Hunde in einem sehr komfortablen Haus: drei Chihuahuas, ein alter Zwergpudel und ein Husky-Welpe.

Huskywelpe Kida

 

Chihuahua Manzana

 

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase verstreichen die Wochen immer schneller. Seither habe ich viele neue Gerichte probiert, Menschen getroffen und Orte besucht. Ich feierte den Unabhängigkeitstag am 16.09, besuchte die Kathedrale von Puebla samt historischem Zentrum und fuhr zum Wochenendhaus meiner Gastfamilie.

 

 

Der Vulkan Popocatepetl ragt über Puebla

 

Die Kathedrale auf dem Zócalo

 

Leider gab es auch schon aufreibende Momente. Zwei Erdbeben der Stärke 7-8 erschütterten innerhalb zwei Wochen das zentrale Mexiko. Das erste Beben verschlief ich tatsächlich, weil ich anfangs noch sehr müde war von der Arbeit, der Fremdsprache und der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Hektisch weckte mich meine Gastfamilie, während ich im Halbschlaf versuchte die Situation einzuordnen. Im Schockmoment und durch die Hektik der Familie dachte ich zuerst wir werden überfallen, wodurch ich wirklich einen riesigen Schock hatte. Klingt sehr dämlich, aber im Halbschlaf läuft man eben auf Autopilot.. :D. Als mir die Lage dann endlich erklärt wurde, war ich auch nicht unbedingt beruhigt. Ich konnte mich anscheinend nicht darauf verlassen, dass ich im Notfall alleine aufwache. Dieser Gedanke machte mich für die nächsten Nächten wirklich unruhig.

Erdbeben dieser Stärke sind nicht typisch für diese Region, weshalb sich alles recht schnell normalisierte. Jedenfalls bis ich mich knapp zwei Wochen später im Migrationsamt wiederfand, um mein Visum abzuholen. Noch auf dem Weg warnte mich eine Mitarbeiterin, dass es eine Simulation geben wird, anlässlich des Bebens vor 32 Jahren in Mexiko City, welches mehr als 10.000 Tote forderte.

Gerade als ich meine Dokumente zur Kontrolle übergeben hatte, heulte eine Sirene auf. Die Stimmung blieb entspannt, da wir von der Übung ausgingen. Doch plötzlich machte der Boden einen Satz nach oben, dann noch Einen und dann bebte die Erde ununterbrochen. Jetzt war klar, dass leider ein reales Beben war.  Zum Glück war ich im Erdgeschoss und rannte mit meiner Begleiterin auf die Straße. Da war die Gefahr aber nicht vorbei. In den engen Straßen muss man weiter auf Fassadenteile, Stromleitungen, oder den Straßenverkehr aufpassen. Zu allem Überfluss hatte meine Begleiterin eine Panikattacke mit Kreislaufzusammenbruch. So musste ich uns ohne jegliche Erfahrung mit Verhalten bei Erdbeben durch das Chaos auf der Straße schlagen. Immerhin funktionierten meine Instinkte besser, als beim ersten Mal im Halbschlaf! 😀

Das Naturphänomen dauerte keine Minute und war eben so plötzlich weg, wie es gekommen war. In meiner Sichtweite sah ich weder Verletzte noch Sachschäden, doch in den Nachrichten wurde das Ausmaß dann sichtbar. Besonders Mexiko City hatte es hart getroffen. Und das am Gedenktag des Erdbebens von 1985… Galgenhumor der Natur.

Richtig unheimlich wurde es auf dem Heimweg. Gerade als wir auf einer Autobahnbrücke im Stau standen, fing die Erde erneut an zu schwanken. Beklemmender kann eine Situation kaum sein!

Abends sollte ich eine Notfalltasche packen und mit Sachen schlafen, falls uns ein Beben in der Nacht überrascht. Glücklicherweise blieb es seitdem ruhig! Nach und nach normalisierte sich die Situation, auch wenn zahlreiche Menschen obdachlos, verletzt oder getötet wurden.

Unter anderem deshalb nahm ich am 06.10 am Sicherheitsbriefing in der deutschen Botschaft in Mexiko City teil. Da ich sowieso in die Hauptstadt musste, blieb ich gleich eine Woche im Heim vor Ort, wo ich schon meine erste Woche verbrachte. Mein Mit-Freiwilliger in Mexiko, Jan, reiste extra sieben Stunden aus Guadalajara an und wohnte mit mir zusammen in meinem Projekt. Einige Tage arbeiteten wir und ich stellte ihm mein Projekt vor. Das Wochenende nutzten wir, um die Pyramiden von Teotihuacan zu besuchen.

 

 

Straße der Toten und Pyramide des Mondes

 

Niemals die Mittagssonne unterschätzen

 

 

Während dieser Zeit Deutsch zu reden war anfangs sehr merkwürdig, aber es war wichtig sich über den Freiwilligendienst auszutauschen. Es war erstaunlich, wie ähnlich man über Vieles dachte, aber wie unterschiedlich sich ein FSJ gestaltet.

Nach dem Tapetenwechsel in der Hauptstadt kehrte ich mit neuer Energie zurück zum Alltag. Gerade durch den Austausch mit einer Person in einer ähnlichen Situation, entspannte sich meine Sicht auf viele Kleinigkeiten.

Zwei Wochen arbeite ich jetzt wieder in Puebla und genieße die Zeit sehr! Es ist wirklich eine einmalige Chance ganz bewusst in einer neuen Kultur zu leben. Natürlich gibt es auch hier Tage die zum Vergessen sind, aber es ist eine große Möglichkeit, die uns Freiwilligen eröffnet wird! Ich habe jetzt so gut wie möglich zusammengefasst, was bisher passiert ist. Ab jetzt kommt dann wirklich regelmäßig ein neuer Artikel!

Nos vemos!

 

Motor aus für die Umwelt – Tag des Fußgängers

Samstag, 28. Oktober 2017 von Jakob Dybowski

Und wo lang jetzt ? Geradeaus – einfach geradeaus. Ok, ist auch nicht so schwer zu erraten. Wir fahren jetzt schon bestimmt über eine Stunde in die selbe Richtung. Auf der selben Straße! Und ein Ende ist immer noch nicht in Sicht. Langsam frage ich mich wie lang diese Straße eigentlich geradeaus gehen will. Egal. Wenigstens können wir uns so nicht verfahren;) Also: Weiterstrampeln! Links und rechts fliegen die Häuser nur so vorbei, während wir mit Vollgas über den Asphalt radeln. Die Sonne bruzelt wärmend von oben, ein kühler Fahrtwind weht mir ins Gesicht und kein Auto ist zu sehen. Ab und zu kreuzen Fußgängern oder andere Radfahrern die Fahrbahn. Ansonsten gehört die Straße uns. Freiheit!!

Hier ist normalerweise IMMER Stau.

Aber ich fang mal ein bisschen weiter vorne an. Schon fast zwei Monate bin ich jetzt hier. Wow! Eigentlich schon unglaublich lange. Mittlerweile habe ich mich auch gut an die neuen Umstände gewöhnt. Also keine Kopfschmerzen mehr, die Kälte kommt mir nicht mehr schlimm vor, mein Spanisch wird besser und die Hunde sind zu angenehmen Zeitgenossen geworden. Alles in Allem geht es mir super! Ich hatte ebenfalls Zeit genug, die neue Umgebung ein bisschen näher kennenzulernen. So habe ich zusammen mit einigen Jungs aus meinem Projekt z.B. schon eine Fahrradtour gemacht. Zweimal im Jahr gibt es in Bolivien nämlich den Tag des Fußgängers. Von 10 -17 Uhr dürfen an diesem Tag überall keine Autos fahren. Die sonst so verstopften Straßen sind dann voller Spaziergänger, Jogger oder Fahrradfahrer. Fast jeder ist an diesem Tag unterwegs. Auch ein riesiges Straßenfest findet statt. Mit diesem Tag soll auf die steigende Umweltverschmutzung durch Abgase hingewiesen werden. Warum gibt es das eigentlich nicht in Deutschland? Wer doch mal ne gute Idee! Ein weiterer Vorteil ist außerdem, dass die Menschen animiert werden sich mal wieder sportlich zu betätigen und nicht nur „faul“ mit dem Bus zu fahren. Und genau das haben wir gemacht!

Wir bei der Fahrradtour

25Km bis in den Nachbarort Viacha und wieder zurück. 20Km davon auf der selben Straße, immer geradeaus. Das „Altiplano,“ die Hochebene auf der auch El Alto liegt, ist flach und einfach riesig. Erschöpft und glücklich falle ich an diesem Tag ins Bett aber noch eine Woche später merke ich in den Beinen was ich gemacht habe. Vielleicht ist es gut, dass ich normalerweise auch den Bus nehmen kann 😉

Bis Bald euer Jakob

 

Auf ins Museum!

Freitag, 27. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Vergangenen Freitag war für die 9- bis 13-Jährigen von „Michme“ ein besonderer Tag, denn es stand eine Exkursion ins Musikmuseum von La Paz an. Alle waren sehr gespannt und voller Vorfreude. Die erste kleine Herausforderung stellte das Einsteigen in den Minibus dar, denn insgesamt waren wir 12 Personen, die in den 8-Sitzer passen mussten. Doch schließlich hatte jeder seinen Platz gefunden (zwei davon auf Hockern im Kofferraum :P) und ich bin mir sicher, es hätten auch noch mindestens fünf weitere Personen mit hineingepasst :p

Das Museum war sehr interessant und neben allen möglichen traditionellen und teilweise sehr kunstvoll gestalteten Instrumenten konnte man durch ein Vergrößerungsglas sogar die kleinste Gitarre der Welt bestaunen. Die Kinder waren sehr beeindruckt und nachdem wir alles gesehen und ausprobiert hatten, ging es wieder hoch nach El Alto – ein sehr gelungener Tag!

 

Die Todesstraße

Mittwoch, 25. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Ein anderes Mal waren wir (Malin, Isa, ein spanische Ehepaar und ich) in Croico. Das ist eine nordöstlich von La Paz entfernte Stadt in den sogenannten Yungas. Das Klima ist hier sehr warm und tropisch und so liefen wir zur Abwechslung bei über 30 Grad im kurzen T-Shirt herum, konnten Bananenpalmen und andere tropische Pflanzen und Tiere bestaunen.

Blick von Coroico aus in die Yungas

Das Highlight des Tages war die Autofahrt über die Todesstraße, welche lange als die gefährlichste Straße der Welt galt. Nirgendwo sonst in Südamerika fallen die Anden so steil ins Amazonastiefland als hier. Auf einer Strecke von nur 92 km wird ein Höhenunterschied von ganzen 3000 Metern überwunden und man durchfährt fast alle Klima- und Vegetationszonen Südamerikas an einem einzigen Tag. Die Todesstraße ist sehr schmal und besitzt keine Leitplanken. Früher wie heute muss bei Gegenverkehr das von oben kommende Fahrzeug nach links in Richtung des Abgrunds ausweichen, da das von unten kommende Fahrzeug nach einem Stopp am Hang womöglich nicht mehr anfahren könnte. Die Autofahrt ist wirklich spannend und kann für manche sehr nervenauftreibend sein, doch glücklicherweise können wir sagen: „Wir leben noch!“ :p

Die Todesstraße

 

Immer schön links halten…

 

 

Lamas, Vicuñas und Flamingos, soweit das Auge reichen kann!

Mittwoch, 25. Oktober 2017 von Marianka Rehm

In solchen Hütten leben die „Chulpas“

Vor Kurzem holte uns Isa (die Projektleiterin von Palliri und unsere Gastmutter) morgens ab und wir brachen auf zu einem Tagesausflug in den Nationalpark Sajama nahe der chilenischen Grenze. Die Autofahrt führte über den Altiplano, eine Hochebene im Westen Boliviens. Die Menschen, die in dieser weiten und kargen Region leben, werden „Chulpas“ genannt und leben in sehr einfachen Verhältnissen, die für uns heute kaum mehr vorstellbar sind. Meist haben sie kein Fließendwasser und leben ausschließlich von ihrem Vieh und dem, was sie selbst anbauen. Vor allem nachts wird es auf dem Altiplano sehr kalt und es kommt zu Minustemperaturen.

 

 

Außerhalb der Städte zeigt sich Boliviens Natur von ihrer schönsten Seite. Die unberührten und unendlich weiten Landschaften sind einfach wunderschön! Hier ein paar Eindrücke vom Nationalpark:

 

Flamingos!

 

Ein Vicuña

 

Achtung, Lamas unterwegs! :p

 

 

 

Prinzessin der Freundschaft, Prinzessin der Verantwortlichkeit, Prinzessin der Sympathie, …

Sonntag, 22. Oktober 2017 von Marianka Rehm

Hallo ihr Lieben! Auch wenn man das auf 4100 Meter nicht so sehr spürt und eigentlich „an einem einzigen Tag alle vier Jahreszeiten erlebt“, wie mir eine Einheimische einmal erklärte, ist der Winter nun offiziell vorbei und so langsam wird es etwas wärmer. Während bei euch also der Herbst begonnen hat, war hier in Bolivien am 21. September „Dia de la primavera“ (Frühlingsanfang) und gleichzeitig Tag der Freundschaft. Das wurde natürlich kräftig gefeiert. Morgens waren die Kinder vom Kindergarten und der Vorschule an der Reihe. Als Malin (meine Mitbewohnerin und ebenfalls Freiwillige in Palliri) und ich, ausgestattet mit Kamera und Fotoapparat, im Zentrum „Delicias“ eintrafen, waren die Vorbereitungen für die „Krönung von König und Königin“ („Coronación“) in vollen Gängen und der Saal füllte sich langsam mit den Familien der Kinder, welche heute alle mitgekommen waren. Wir wussten nicht genau, was uns bei der Feier erwarten würde, doch das Outfit der Kinder verriet einiges: Alle waren sehr hübsch gemacht, die Mädchen trugen die schönsten Prinzessinnenkleider, die Jungs die schicksten Anzüge. Es war soweit und nach einem kurzen gemeinsamen Gebet begann die Zeremonie:

Nacheinander schritten die Prinzessinnen- und Prinzenpaare über den roten Teppich zu ihren Plätzen. Der Prinz machte (sofern er gerade wollte :p) jeweils einen Knicks und überreichte seiner Prinzessin ein Blume, bevor sich beide setzten und das nächste Pärchen schon bereitstand. Dazu gab es Musik und immer wieder wurden mitgebrachte Snacks herumgereicht. Jede Prinzessin hatte ihren eigenen besonderen Namen. So gab es zum Beispiel die Prinzessin der Liebe, die Prinzessin der Freundlichkeit, die Prinzessin der Verantwortlichkeit oder etwa die Prinzessin der Gelassenheit. Den wortwörtlich krönenden Abschluss der Feier stellte das hereinschreitende Königspaar dar. Dieses durfte sich, begleitet von zwei Rittern, auf den Königsthron (gebaut aus einem Tisch, einem Sofa und schönen Stoffen) Platz nehmen und wurde zunächst feierlich „gekrönt“, also mit Krone, Zepter und Umhang ausgestattet. Anschließend versammelten sich alle Paare in der Mitte und zum Ausklang der Feier wurde zusammen getanzt. Auch wenn die Zeremonie für manche etwas kitschig erscheinen mag, war es ein wirklich schönes und fröhliches Fest und mal was ganz Neues für mich, den Frühling und die Freundschaft auf diese Art zu feiern =)

 

 

Schon von Weitem konnte man sehen: Hier wird gefeiert!

 

Das gekrönte Königspaar auf seinem Thron

 

Leckere Kombi: „gelatina“, Käse und Chips :p

Später hieß es für uns: Abbauen und auf zum Zentrum „Michme“! Hier sollte nämlich am Abend gefeiert werden. Die Feier der Größeren lief etwas anders ab. So traten die Gruppen der verschiedenen Zentren Palliris gegeneinander an und mussten sich in Sachen Tanz, Kreativität des Kostümes beziehungsweise des Beitrags, sowie mit dem Vortrag eines Frühlingsgedichts beweisen. Malin und ich hatten die Ehre, Teil der Jury sein zu dürfen und die Beiträge zu bewerten, was sich wirklich nicht einfach gestaltete, da jede Aufführung einzigartig war und sich alle etwas ganz Besonderes ausgedacht hatten. Am Ende gab es dann aber doch zwei, die für ihre Gruppe am meisten Punkte eingesammelt hatten und zum Königspaar 2017 gekrönt wurden. Herzlichen Glückwunsch! 

Malin und ich mit dem Königspaar 2017 =)

 

Der dekorierte Saal

 

Blick vom Jurytisch aus :p

 

Viele traditionelle Kleider und Tänze gab es zu bestaunen, was ich sehr spannend fand =)