Seifenkreativität

Samstag, 14. Oktober 2017 von Lea Feldhaus

Hey alle zusammen,

Vor knapp einer Woche zog durch Zentralamerika ein Tropensturm, der alles lahmgelegt hat. Costa Rica hatte weder Strom noch Wasser und auch Nicaragua hat seine Portion abbekommen. Ich glaube, ihr habt ein paar Bilder gesehen, die in den Nachrichten waren.
Schon seit ich angekommen bin, bin ich vom Regen und Wasser hier fasziniert. Es formt den Tagesablauf. Wenn es regnet, lässt jeder alles stehen und liegen und geht tendenziell nicht mehr vor die Tür.
In den vergangen Tagen waren schon mehrere größere Regenschauer in Juigalpa angekommen. Einmal so heftig, dass der Strom im Centro ausgefallen ist und wir mit den Kindern im Dunkeln saßen.
Am Donnerstag Morgen um sieben fing es richtig an, zu schütten. 14 Stunden Dauerregen ergossen sich aus den Wolken und sorgten dafür, dass die Straßengräben sich in reißende Flüsse verwandelten. Die Kinder wurden aus der Schule geholt. Keiner verließ mehr das Haus. Die Vizepräsidentin suspendierte alle Schüler für Freitag aus der Schule.
Irgendwann gegen 10 Uhr stand in der Küche (und zum Glück in keinem anderen Zimmer im Haus) das Wasser knöchelhoch. Der Regen hatte das Erdreich durchtränkt und drückte sich von unten durch den Boden ins Haus. Mit Eimer, Besen, Kehrblech und Tüchern haben wir es raustransportiert. Und dann passierte das, was ich so faszinierend fand. Irgendwie mussten wir die Löcher stopfen. Aber Zement war nicht im Haus.
Da kam eine andere Idee auf: Wir brauchen etwas, was dicht ist, beweglich, und im Haus ist.
Na, fällt es euch ein?
Seife!
Ich war am Anfang ziemlich skeptisch. Schließlich löst Seife sich im Wasser ja auf. Aber es hat funktioniert. Sogar richtig gut.
Alle Seife wurde zusammengesucht, und Stück für Stück in die Ecken geklebt. Der Rest des Tages war viel entspannter. Es mussten zwar immer noch Tücher gewrungen werden, aber da es uns allen gut ging, und der größte Teil des Wassers draußen blieb hatten wir Zeit 🙂

Diese „Seifenkreativität“, wie ich sie mal nenne, fasziniert mich total. Mit dem wenigen, was gerade zur Verfügung steht, kann man trotzdem total viel machen. Einen Bus für die Schule bauen? Kein Problem. Warum nehmen wir nicht die leere Saftflasche dafür?
Eine Wand hat undicht? Nimm Seife. Dann können wir später Zement kaufen und es abdichten, wenn es getrocknet ist.
Und falls es doch nicht funktioniert und der nächste Regen wieder einen Besuch in der Küche macht, wissen wir jetzt:
Seife ist die ultimative Lösung

Viele Grüße an alle aus Juigalpa
Lea

 

 

Piñata und Co.

Mittwoch, 13. September 2017 von Lea Feldhaus

Hallo alle zusammen,

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Und in den August fallen hier viele Feste. Vor allem Geburtstage waren in den letzten zwei Wochen so einige. Von einer Feier möchte ich euch erzählen.
Heute (vorletzten Sonntag…) haben wir den Geburtstag einer Cousine gefeiert. Ihre Eltern wohnen in einem Haus ungefähr eine halbe Stunde von hier entfernt. Da sie aber in Juigalpa arbeitet, wohnt sie hier und fährt für das Wochenende aufs Land zu ihren Eltern. Heute haben wir sie da besucht und ihren Geburtstag (nach-) gefeiert. Wir, das sind meine Gastfamilie mit Großeltern,  sechs der acht Kinder mit Familie, und ich. Auch die Brüder Claudias waren da.

Eine gestaltete Geburtstagswand bekommt hier jeder.

Weil nun aber schlecht alle mit dem Taxi hinfahren konnten, war eine andere Transportmöglichkeit gesucht. Und da bietet sich doch ein Lastwagen perfekt an. Jeder hat Platz hinten im Laderaum und man kann auch noch 6 x 3 Liter Coca Cola, Radio, Kühlkisten, Matratze und andere Dinge locker unterbringen, ohne dass es eng wird. Unglaublich. Und es wackelt ganz schön. 🙂

Wie alles hier ist auch der Wagen knallbunt

Nach knapp einer halben Stunde Fahrt sind wir angekommen. Fast jedenfalls. Es fehlt noch ein Fußmarsch durch ein Flüsschen, über eine Wiese, entlang der Berge zur Hütte. Es ist echt malerisch. Und hat mir gut gefallen. Auch wenn ich dankbar bin, dass ich nicht da leben muss. Denn zum Alltag dort gehört es zum Beispiel auch, sich im Fluss zu waschen. Und der ist auf Grund der Regenzeit, von der ich ja schon erzählt habe, extrem schlammig.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll wann anders erzählt werden.

Wir sind also nach knapp fünfzehn Minuten Marsch mit all den Sachen aus dem Laster auf dem Rücken endlich angekommen. Dort erwartete uns strahlender Sonnenschein und eine schöne Sitzrunde im Schatten. Auch eine Hängematte war aufgespannt. Und mit kaltem Wasser ließ es sich gut aushalten. Die Kinder spielten im Schatten unglaublicher Kletterbäume. Mir hat es da auch sehr gut gefallen und so hab ich mich dazugesellt. Zu siebt startete wir eine Erkundungstour des Geländes. Dabei stießen wir auch auf den Stall, der Fast leer war. Die Hühner liefe, schließlich frei rum. Nur die kleinen Küken waren drin. Die sind unglaublich weich und so kam schnell die Idee, sie einzufangen. Aber verständlicherweise fanden das die kleinen Hühner nicht so cool wie wir, denn durch alle Kinderhände gereicht zu werden, bedeutete für sie eine ganze Menge Stress. Deshalb flüchteten sie zum einzigen Schutz in der Nähe. Eine Truthenne (jedenfalls glaub ich, dass es eine war…) Unter ihren Flügel konnten sich fast alle verstecken. Und vor allem waren sie da sicher. Das große Tier gilt nämlich als gefährlich. Zwar war es zu dem Moment ruhig, aber das kann sich schnell ändern. Deshalb ist es auch festgebunden, damit es in dem Fall keine großen Verletzungen geben kann. Wer sich zu nah rantraute, kam trotzdem in den „Hackbereich“. Und so hieß es Abstand halten.

Näher ran muss echt sein…

Von etwas Anderem, ganz Wichtigem hab ich aber noch gar nicht erzählt:
Zu jedem Geburtstag gehört eine Piñata!!!!! Das ist im Prinzip eine Figur an einem Strick, gefüllt mit Süßigkeiten und kleinen Münzen. Ihr habt bestimmt schon einmal davon gehört. Auch heute war sie dabei in Form einer pinken Schweines mit rotem Kleid. Irgendwann mittags haben ein paar Erwachsene sie aufgestochen und alles Wichtige hineingetan, denn bisher war nichts drin. Insgesamt fünf (oder sechs?) Tüten Bonbons und Lutscher, sowie Córdoba-Münzen verschwanden im Bauch und Kopf des Pappmaché-Schweins. Nach dem Mittagessen und einem Kaffee ging es dann los: Erst einmal Fotos machen mit allen möglichen Leuten und Geburtstagskind. Und dann wurde ein Stock gesucht. Zur Musik mussten reihum alle draufschlagen. Die anderen feuerten an. Aber bitte immer tanzen! Und wehe, wenn nicht. Es ist schon ein echt lustiger Anblick.

Unsere Piñata in Form eines Schweines

Damit es aber nicht zu einfach wird, steht eine Person am Seil und zieht daran. Dadurch hüpft die Figur auf und ab und es ist schwerer zu treffen. Den Geübten unter den Gästen macht das nichts aus, aber danebengetroffen wird trotzdem schon mal (deshalb gilt für erste Regel: Komme niemals einer piñata zu nahe!)

Ein bisschen mitgenommen. Aber es geht noch weiter:)

Als es dann oft genug geklappt hat, zerbrach das Schwein und alle Süßigkeiten sind herausgefallen.
Und schon ging das Gewusel auf dem Boden los. Wie ein Hummelhaufen. Ihr könnt es euch bestimmt denken. Ich lache bei dem Gedanken daran immer noch 🙂

Doch irgendwann war der Boden wieder sauber, die Taschen gefüllt und auch der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Ich sage euch, den Weg zurück bin ich geschlafwandelt, so müde war ich. Dass meine Füße dabei durch den Schlamm des Regens liefen hab ich erst zu Hause registriert. Die Schuhe muss ich morgen wohl mal putzen. Mit dem Laster und weniger Gepäck als auf den Hinweg ging es Richtung Bett. Ihr habt es doch sicher bis zu euch rufen gehört, oder?!

In diesem Sinne meld ich mich zum Schlafen ab und wünsche euch eine gute Nacht.
Passt auf euch auf.
Bis bald
Lea

 

Wassermassen überall

Sonntag, 27. August 2017 von Lea Feldhaus

Ihr Lieben,

Ich stehe nicht im Regen. Ich dusche unter Wolken.

Den Spruch kann man als Optimist gefühlt immer anbringen. Aber selbst Realisten bekommen hier in Nicaragua eine Menge Gelegenheiten, ihn zu nutzen.
Denn gerade ist hier „Winter“, also Regenzeit. Nica-Regen ist kurz, heftig, warm und löst die Schwüle in angenehme Luftfeuchtigkeiten und Temperaturen auf. Das ist auch nötig, weil ohne ihm der Kontrast zur Sonne (und der damit verbundenen Hitze) fehlen würde. Für mich ist es faszinierend. Immer wieder aufs Neue. Dann dusche ich im Regen, staune über die Wassermassen, die die Wolken in sich bergen. Muss lachen, weil es so ungewohnt und wunderschön ist.

Meine „Gastschwester“ filmt mich manchmal und grinst den Rest des Tages vor sich hin, wenn sie mich sieht…
Denn für sie als Nicaraguanerin gehört das Wasser zum Alltag, genauso wie die früh eintretende Dämmerung zum Leben hier dazugehört. Es fängt an zu tröpfeln? Dann stellen sich mal eben alle, die unterwegs sind, für ein paar Minuten unter. Auf die Zeit kommt es echt nicht an. Und schlechte Laune bekommt hier auch keiner vom Regen… Es ist schließlich normal. Kritisch wird es nur, wenn die Wäsche noch draußen hängt… Irgendwer wird dann bei dem Gedanken daran zum Retter. Für die Situation gibt es einen Reflex:) Denn ohne werden die mühsam mit der Hand gewaschenen Kleidungsstücke platschnass und  wahrscheinlich erst am nächsten Tag wieder trocken.

 

Ihr Lieben,
Es regnet gerade. Und ich liebe das Geräusch auf dem Wellblechdach, denn es ist beruhigend. Die Welt ist normal und sorgt mit dem Wetter dafür, dass ich in Juigalpa in einer so wunderbar grünen Stadt wohnen kann. Was es in Deutschland das ganze Jahr über gibt, existiert hier nur wenige Monate im Jahr. Und der Niederschlag muss dann eben für die restliche Zeit reichen.

Viele Grüße von hier und bis bald
Lea

 

Bienvenida

Freitag, 04. August 2017 von Lea Feldhaus

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erleben.

Was denn zum Beispiel? Seid versichert, der Fantasie muss keine Grenzen gesetzt werden.
Als ich am Mittwoch, dem 02. August 2017, gemeinsam mit Sandra in unsere neue Wahlheimat aufbrach, reisten mit uns 22 kg Gepäck, 6.7 kg Handgepäck, Handtasche mit Pass, Reiseverbindung und Kalender als umfunktioniertes Tagebuch und natürlich ungefähr ein Pfund Briefe, die ich zum Abschied für das nächste Jahr bekommen habe. Das ist viel zu viel Gepäck, selbst wenn man einen Sitzplatz bekommen hätte. Das heißt, nein, erst einmal begann unsere Reise mit dem Einchecken. Dabei bekam ich einen Sitzplatz, aber Sandra nicht. Nach Abgabe des Gepäcks ging es dann los, ab durch die Sicherheitsschleuse. Und dann hoffen, dass noch ein Platz frei ist. Es hat alles geklappt, aber aufregend war das schon. Und noch cooler war es, als wir angefangen haben, mit allen möglichen Menschen Plätze zu tauschen. Das Ende der Geschichte: Zwei Plätze neben einander, einer davon am Fenster, beide mit mehr Beinfreiheit. Und das für den elf Stunden langen Flug. Der Ausblick während der Zeit war wunderschön: Unser Weg führte über Großbritannien, den Atlantik (größtenteils mit Wolken bedeckt) vorbei an dem nicht sichtbaren Island, Grönland (das ich erst beim zweiten Blick erkannte, denn es guckten nur Bergspitzen durch die dichte weiße Decke), über Kanada, die USA nach Houston.

Dort mussten wir in das Flugzeug nach Managua umsteigen (mit vorherigem Transitvisumsantrag, viermaligem Fingerabdruck nehmen und noch einmal durch die Sicherheitsschleuse). Dieser ganze Vorgang lief mach meiner inneren Uhr um halb drei nachts ab.

Dass da fast alle im Flugzeug schliefen ist klar, aber die wenigen wachen Momente lohnten sich: Ein Gewitter von oben, Lichter, die wie kleine Glühwürmchen aussahen und natürlich der Moment, in dem man kapiert, dass das echt ist und man bald in seiner neuen Wahlheimat angekommen ist!

Ihr Lieben,
Von ebenda sende ich euch heiße Grüße und glaube ganz fest, dass sich die weite Reise lohnt!
Macht es gut und bis bald
Eure Lea