Karwoche mal anders – eine Nation feiert Ostern

Samstag, 21. April 2018 von Lea Feldhaus

Hallo alle zusammen,

Perdón Señor te pido. Pequé mi Dios pequé. – Ich bitte dich, Herr, um Vergebung. Ich habe gesündigt, mein Gott.

Das hörte man vor einigen Wochen in ganz Juigalpa und Nicaragua auf den bunt geschmückten Straßen. An jeder Ecke ein kleiner Altar mit Kreuz, Bild und Kerze. Und wieso?

Na, das ist ja wohl klar: Es war Semana Santa, also die Karwoche.

Bereits am Palmsonntag ging es mit einem Palmumzug und einem Ritt auf dem Esel symbolisch los. Aus dem Einzug in Jerusalem wurde ein Einzug in Juigalpa. Immerhin beginnen die beiden Städte mit dem gleichen Buchstaben. Auf einem kleinen Lastwagen wurden Palmzweige ausgegeben, die in allen Formen verknotet wurden. Selbst der Bischofsstab wurde aus den gesegneten Pflanzenteilen gebunden.

In der folgenden Woche verbrachte ich viel Zeit in der Kirche. Die Pfarrer predigten, man solle diese heilige Zeit doch mit Jesus verbringen und ihn auf seinem letzten Weg begleiten, statt mit seiner Familie im Schwimmbad zu sitzen und es sich gut gehen zu lassen. Denn die Karwoche ist die heißeste Zeit im Jahr und das wird fleißig genutzt. Wenn man schon mal Ferien hat. Nichts destotrotz waren abends die Kirchenbänke voll, die Reihen vor den Beichtstellen waren lang und es schien, als würde das ganze Land in die Kirchen zurückkehren.

Gründonnerstag fanden das letzte Abendmahl und die Fußwaschung statt. Dabei fiel mir besonders auf, dass nur Männer vorne am Altar saßen. Doch meine Arbeitskollegin meinte, es seien die letzten Jahre auch Frauen dabei gewesen.

Eine Gruppe von rund dreißig jungen Erwachsenen spielte die Passion Christi an den Stationen nach

Den absoluten Höhepunkt der Woche fand sich im Karfreitag. Dieser begann für mich offiziell um neun Uhr mit dem Kreuzweg. Bereits zuvor habe ich von einem Freund Respektsbekundungen bekommen: „Wow, wenn ihr das überlebt, dann werde ich das nie vergessen!“ Wie komisch. Ist doch nur ein Kreuzweg. Im Nachhinein weiß ich, was gemeint war… Pünktlich um 9:17 Uhr kamen meine Bekannte und ich an der Kathedrale an und beobachteten, wie die Prozession durch die Haupttüren nach draußen kam: Zwei übermann große Figuren von Jesus und Maria wurden von je acht bis zehn Menschen getragen (das Militär musste kommen, um die Lektoren immer wieder abzulösen…), es folgten Schauspieler, Lektoren, Gemeinde und Priester/Bischof, sodass der Umzug sehr groß wurde. Dementsprechend langsam bewegte er sich auch. Für mich war es spannend, die verschiedenen Menschen zu beobachten. Zum Beispiel all jene, die barfuß und mit zugebundenen Augen die gesamten vier Stunden mitgelaufen sind. Geführt von einer Person an ihrer Seite. Barfußlaufen ist in Nicaragua eigentlich sehr verpönt. Und aus Erfahrung kann ich sagen, es tut auch sehr weh, da die Straßen doch deutlich heißer sind, als in der deutschen Julisonne. Meine Begleiterin erklärte, dass einige Menschen auf diese Art und Weise um Vergebung der Sünden bitten, oder vor einiger Zeit um etwas gebeten haben (zum Beispiel Gesundheit einer Person etc.) und im Gegenzug versprachen, jedes Jahr den Kreuzweg so mitzugehen.

Jede Station wurde von einer Gruppe von rund dreißig Jugendlichen und Erwachsenen dramaturgisch unterlegt. Es ist ein großer Unterschied, die Passion in der Bibel zu lesen, sie in der Kirche zu hören oder so auf der Straße zu sehen. Crucifícalo-Schreie (Kreuzigt ihn) und Peitschenschläge zwischen den Stationen. Ein stürzender Jesus, der ohne irgendeinen Schutz ausgeliefert ist an die Soldaten. Eine Mutter, die ihrem Sohn beim Sterben zusehen muss. All das hat mir eine unglaubliche Gänsehaut auf die Arme gezaubert (bei 38 Grad schon ein Kunststück). Obwohl ich mich in der Woche eigentlich gar nicht so österlich gefühlt habe, wurde mir in diesen vier Stunden und der anschließenden Messe noch einmal ganz anders bewusst, was vor 2000 Jahren in Jerusalem geschehen ist. Als wir um drei doch wieder zu Hause waren, führte kein Weg an einem Mittagsschlaf mehr vorbei.

Man beachte das Größenverhältnis Mensch – Figur…

Jesus fällt zum ersten Mal

Für die letzte Station wird symbolisch der Sarg Jesu in die Kathedrale gebracht

Die Osternacht fand bereits am Samstag um sieben Uhr nachts statt. Das Osterfeuer wurde auch hier gesegnet und die Messe war sehr ähnlich wie Deutschland. Trotzdem habe ich mich anders gefühlt. Dieses Jahr kein Weihrauchfassschwenken von meiner Seite, keine Glocke, die in der Schlaftrunkenheit des frühen Morgens umgeworfen wurde…. Das ändert irgendwie einiges. Der große Vorteil der Messe Samstagabend zeigte sich am nächsten Tag. Der Pfarrer, der die gesamte Woche eigentlich nur in der parroquia verbrachte, wollte auch nicht mehr, sagte spontan die Abendmesse ab und wir fuhren zu zwölft an den nahen Fluss, um die Wärme zum Schwimmen zu nutzen. Wobei man das in Anführungszeichen setzen müsste, denn viele Nicaraguaner können nicht schwimmen, obwohl es in ihrem Land so viele Möglichkeiten gibt. Aber Spaß hat diese Primäre auf jeden Fall gemacht.

Auch im Centro waren die Ferien deutlich zu spüren. Als wir am Montag wieder anfingen zu arbeiten, war eine Rundumentstaubung nötig und so blieben die Kinder frühs zu Hause, damit wir alles wieder auf Vordermann bringen konnten. Auch nachmittags waren wenige Leute da. Denn viele Kinder haben den ersten Schultag blau gemacht und sind ein letztes Mal ins Schwimmbad gefahren.

Doch spätestens ab Dienstag sind wieder alle zurück. Dank einer ganzen Menge Schokolade, die ihren Weg aus Deutschland zu mir gefunden hat, haben auch wir unseren kurzen österlichen Moment gehabt, als alle zusammen ihren Schokoosterhasen essen durften:)

In diesem Sinne grüße ich euch ganz herzlich aus Nicaragua und besonders aus Juigalpa, Chontales

Un abrazo fuerte – eine dicke Umarmung

Eure Lea

 

P.S.: Seit Mittwochabend gibt es in einigen Teilen des Landes politische Unruhen. Einige Unis sind geschlossen, es gibt viele Demonstrationen, die zum Teil eskalieren. Juigalpa ist friedlich. Trotzdem bitte ich euch, dieses Land mit ins Gebet zu nehmen und um den Frieden zu bitten.

 

Ein Abschied auf unbekannte Zeit

Montag, 12. März 2018 von Lea Feldhaus

Hallo ihr Lieben,

Was bedeutet es eigentlich, wenn man von Abschied spricht? Ist es ein „nicht mehr wiedersehen“? Oder eher ein „Ich kenne dich nicht mehr, obwohl du mir gegenüber stehst“? Ist es für immer oder nur vorübergehend? Gibt es einen Weg, das Geschehene rückgängig zu machen oder muss man es akzeptieren? Und gibt es den einen Weg wie man „Tschüss“ sagt?

Das sind Fragen, die mir immer wieder in den letzten Tagen und Wochen in den Kopf gekommen sind. Eigentlich hatte ich gehofft und gedacht, mich bis Juli nicht mit dem Thema Abschied auseinandersetzen zu müssen. Doch ich habe nicht bedacht, dass es unzählige Arten von Verabschiedungen gibt. Und man weiß nie richtig, wie es kommt. Auf einmal wird es Zeit, Abschied zu nehmen und ich kann euch versichern, obwohl ich wusste, dass dieser Moment kommen wird, so war ich doch überfordert.

Wieso schreibe ich das alles nieder? Vor einiger Zeit ist eine nahe Verwandte gestorben. Und neben der Tatsache, dass ich knapp zehntausend Kilometer entfernt von ihrem Heimatland wohne und ich daher nicht zur Beerdigung kommen konnte, kommt auch noch dazu, dass die hiesige Kultur ganz anders trauert als die meinige. Natürlich. Aber für mich war das eine komische Erfahrung. Als ich meiner Mentorin erzählt habe, was passiert ist, war ich von ihrer Reaktion völlig überrascht. Meine „mamá nica“ saget mir ganz trocken ins Gesicht: „Das tut mir leid. Aber ich möchte dich nicht weinen sehen. Du darfst dich heute Abend mal in deinem Zimmer verkriechen, für zehn Minuten. Aber jetzt nicht. Kannst du mir bitte noch das Bild zu Ende zeichnen?“ Das war alles. Was ist da passiert? Ich habe nicht um Mitleid oder etwas Ähnliches gefragt, aber ein bisschen Einfühlsamkeit hatte ich doch erhofft. Schließlich bedeutet Tod ja auch immer ein Abschied auf unbekannte Zeit.

Ein bisschen mehr habe ich das Ganze eine Woche später verstanden. Denn Gott hat seine eigenen Wege. Am Tag der Beerdigung in Deutschland habe ich natürlich viel an meine Familie gedacht. Ich verbrachte den Tag aber in Managua, um – endlich – mein Visum abholen zu können. Gegen elf Uhr rief mich Mar an, um mir mitzuteilen, dass nun auch in Juigalpa eine Anghörige meiner Gastfamilie gestorben sei. Für mich eine sehr komische Erfahrung, war ich in meinen Gedanken noch gar nicht richtig bereit, mich auf etwas derartiges einzulassen. Trotzdem bin so schnell wie möglich zurück, um alle zu unterstützen. Denn hier wird ganz anders getrauert. Stirbt jemand am Morgen des einen Tages, so versammeln sich bereits in der Nacht alle Verwandten und Freunde im Haus des Toten, um sich von ihm zu verabschieden, an ihn zu erinnern und die jeweils anderen zu trösten. In nur vier Stunden werden alle benachrichtigt, die Beerdigung und das Requiem vorbereitet und alle notwendigen Dinge organisiert. Dank der Visumssache kam ich erst spät hinzu, und vielleicht deshalb, aber ich habe am ganzen Abend nur eine Handvoll Personen weinen sehen. Dazu muss man sagen, dass es über hundert Menschen waren. Gemeinsam wurde der erste Rosenkranz gebetet. (Denn es folgt die novena. Neun Tage lang werden im Haus mittags eine Kurzfassung und abends der komplette Rosenkranz gebetet. Als Erinnerung und Geleit des Toten.) Bereits einen Tag später findet die Beerdigung statt. Das ist vorgeschrieben. Und als ich zu meiner Chefin sagte, in Deutschland sei es oft eine Woche später, sah ich ein leicht verwirrtes Gesicht vor mir. Es spiegelte ziemlich genau das wieder, was ich bei den Worten „morgen“ und „Beerdigung“ empfunden habe… Am Freitag also war es so weit. Der Priester hat eine – ziemlich normale – Messe gehalten, den Sarg gesegnet und ist dann gegangen. Denn was am Grab passiert, ist Sache der Familie. In einer Prozession lief die Trauergemeinde bis zum Friedhof. Ich war bereits einige Male vorher an diesem Ort und habe mich gefragt, wieso so viel Beton da ist, aber jetzt verstehe ich es. In kompletter Stille, ohne Gesang, ohne Segen wurden auf das Loch im Boden die Platten gelegt und verputzt. Der Sarg wurde wortwörtlich eingemauert.

In diesem Moment hatte ich das Gefühl, doch irgendwie Abschied nehmen zu können. War ich den Tag vorher nicht in Deutschland, so fühlte es sich ein bisschen so an, als wäre ich es jetzt. Obwohl es natürlich ganz anders war. Aber ich verstand auch auf einmal, was meine Mentorin zu mir sagte. Es ist die Art, hier zu trauern. In nur 24 Stunden „Adiós“ zu sagen, ermöglicht es nicht, es zu realisieren. Denn von einem Moment auf den anderen geht es schnell. So viel ist zu tun, dass die Gefühle manchmal auf der Strecke bleiben und erst viel später, wenn man alleine ist und Ruhe einkehrt, nach oben kommen. Natürlich ist die Stimmung gedämpfter, alle betrübter, doch ich habe auch gemerkt, dass eben viel weniger nach außen gezeigt wird. Trage ich in Deutschland Schwarz als Zeichen der Trauer, so kommen hier auch noch Blau und Weiß dazu. Je nachdem, wie nah du dem Toten stehst und was du ausdrücken möchtest. Weiß als Friedensfarbe ist immer angebracht.

All diese Erkenntnisse und Gedanken haben mich sehr beschäftigt. Ich habe lange überlegt, ob ich sie mit euch teilen soll oder nicht. Aber ich glaube, dass es ebenso Teil meines Freiwilligendienstes in Nicaragua ist wie all die fröhlichen Erlebnisse. Und damit sollte es auch Platz in diesem Blog finden.

Ich schicke euch ganz viele Drücker von hier. Ich denke an euch

LEA

 

185 Tage Nicaragua – was die Zeit so mit sich brachte

Samstag, 03. Februar 2018 von Lea Feldhaus

Hallo alle zusammen,

Ich schlage die Augen auf und frage mich, was anders ist. Mein Handy neben mir erklärt mir, es sei 16:02 Uhr. Komisch. Ich habe doch noch gar nicht den Tag angefangen. Und dann sind da noch die komischen Geräusche: ein Hahn kräht, ein Auto hupt, Hund bellen sich an – und was mich am meisten verwirrt – eine ganze Gruppe von Menschen, die irgendetwas reden, das ich nicht verstehe. Da fällt es mir wieder ein. Ich bin irgendwo in einem Zimmer in einer Stadt knapp 9300 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Wer hätte das je gedacht. Ich auf jeden Fall nicht. Nach all der Vorbereitung irgendwann einmal aufzubrechen. Wow.

Diese Situation ist nun schon sechs Monate her. Oder genauer gesagt 4440 Stunden. Denn gestern war so zusagen mein nicaraguanischer halber Geburtstag. Seit dem ist viel Zeit vergangen und noch viel mehr Situationen. Manchmal hat sich die Zeit gezogen und ich habe mich gefragt – Wieso bin ich noch mal hier? Und dann kommt irgendjemand, man unterhält sich, lacht und merkt – genau deshalb.

Für die vielen lieben Menschen, die hier in Nicaragua leben.

Für die Kinder, die dir quer über die Straße „Adiós profe“ zurufen und beim Verabschieden ein: „Ich mag euch sehr“ hinterherschieben.

Für die Geschichten, die sie mit dir teilen. Und die Umarmungen, nach denen sie sich zwischen den Arbeiten manchmal sehnen.

Für die wunderschöne Natur, die einen ganz großen Teil des zentralamerikanischen Landes ausmacht.

Für die Erfahrung, nicht zu wissen, was der Gegenüber dir sagen will und du dich fragst, ob er nicht doch ein bisschen verrückt ist, wenn er dir erklärt, dass du bei Grippe und Fieber bitte als allererstes kalt duschen sollst.

ABER: Es ist nicht immer deine Kultur, die das Richtige macht und alles andere, das Fremde, ist falsch. Alle Wege führen nach Rom. Und es sind hundert Wege, die zum gleichen Ziel führen. Man muss sich nur darauf einlassen. Probiere es einfach mal aus. Und wenn es nichts ist, dann weißt du es für das nächste Mal. Dieses Einlassen ist nicht immer leicht. Aber das soll es ja auch nicht sein, oder?! Überwinde dich.

Ich durfte es im letzten halben Jahr ein bisschen lernen. Noch immer fallen mir Dinge schwer, weil ich mich nach dem Sinn frage, aber das ist – denke ich – normal. Denn auch wenn ich in Nicaragua lebe und mich oft wie eine Halbnica fühle, komme ich aus Deutschland. Und damit aus einer Kultur, die im ersten Moment sehr ähnlich ist. Aber sich in den Kleinigkeiten von der nicaraguanischen sehr unterscheidet. Zum Glück. Denn die Abwechslung macht unsere Welt erst so bunt, so schön, so verdreht, so hässlich, so unverständlich, so multikulturell, so WELTLICH, wie sie ist.

Einige Eindrücke aus den letzten 185 Tagen möchte ich euch noch in Bilder zeigen. Vergesst nicht. Ich zeige euch nicht Nicaragua. Ich zeige euch einen ganz kleinen Teil von dem kleinen Teil, den ich kennenlernen darf!

Schon vor der Ausreise begann das Jahr – im letzten Seminar gestalteten alle Freiwilligen zusammen diese Leinwand

 

Auf Wiedersehen Deutschland. Frankfurt wird das letzte sein, dass ich für ein Jahr von meinem Heimatland sehe

 

Herzlich Willkommen. Das ist man hier fast immer. Denn die Nicaraguaner sind ein sehr gastfreundliches Völkchen

 

Ein viel zu großes Zimmer, aber wunderschön und mein Zuhause für die nächsten 51 Wochen

 

Eine neue Sprache zu lernen ist gar nicht so einfach. Die erste Zeit habe ich jeden Abend eine neue Vokabelliste an die Tür geklebt.

 

Ein Teil meiner Gastfamilie. Ja, es fehlen noch welche…

 

Ich bin euch noch ein Foto vom typischen Nica-Gericht schuldig: Gallo Pinto – Gemalter Hahn

 

Willkommen im Centro „Jesús Amigo“ – Freund Jesu

 

Wenn die Kinder mal wieder Bastelhausaufgaben haben, dann helfe ich gerne mit, denn es ist eine Abwechslung zwischen Mathe, Englisch und Spanisch

 

Im Januar haben wir einmal alles umgeräumt und ausgemistet. Da kam eine ganze Menge Dinge hoch, die schon als verschollen galten.

 

Im Dezember ging es anderthalb Wochen nur ums Spielen. Besonders Sackhüpfen ist weltweit echt der gleiche Spaß

 

Trotzdem wird immer wieder gearbeitet, gedacht und überlegt. Und das am besten gemeinsam

 

Einige wenige Male im Jahr wird für alle gekocht. Und dann sieht es in der Küche ungefähr so aus…

 

Piñata – darüber habe ich euch ja schon ein wenig erzählt

 

Am 15. September wird hier der Unabhängigkeitstag gefeiert. Der ganze Monat ist danach benannt und es gibt Umzüge und Veranstaltungen nur zu diesem Thema. Mit dabei sind immer die Trachten und Nationalsymbole Nicaraguas

 

Die Nationalblume Sacuanjoche

 

So sieht es aus, wenn man beim Tanzen der Folklore aus ganzem Herzen dabei ist

 

Während der Regenzeit hier sind viele Straßen manchmal über Stunden überschwemmt. Es schüttet aus Strömen und will gar nicht mehr aufhören. Aber es sorgt auch dafür, dass das Wetter erträglich ist. Und es macht Spaß, im Regen zu tanzen

 

In Nicaragua ist Präsentation und Aussehen noch viel wichtiger. Die Nägel zu bemalen gilt dabei als Kunst und wichtig. Wer es kann muss es ganz bestimmt auch für den Rest der Familie machen. So wie meine Mentorin. Manchmal sitzt sie den ganzen Samstag und bemalt nach und nach alle Fußnägel, die es mal wieder nötig haben

 

Währenddessen habe ich angefangen, ein bisschen zu knüpfen und Ukulele zu spielen. Das Leben in Juigalpa ist ziemlich passiv und es gibt kaum etwas zu machen, da die meiste Freizeit vor allem in der Familie gefeiert wird. Dann suche ich mir doch auch ein bisschen Abwechslung

 

Im Dezember und Januar hatte ich die Ehre, einen Teil des Landes meiner Familie zu zeigen.

 

Da kommt auch schon mal Blödsinn bei rum…

 

Ein kritischer Blick – Ich hatte tatsächlich nach fünf Monaten Nicaragua vergessen, wie viele Eindrücke in den ersten Tagen auf einen einrieseln

 

Seht ihr die Vulkane rauchen?! Dieser hier heißt Masaya und ist noch immer sehr aktiv. Auf Grund der giftigen Gase darf man nur fünfzehn Minuten oben sein…

 

Wer von euch Kaffeeliebhaber ist, der ist in Nicaragua genau an der richtigen Stelle. Besonders im Norden wird er angebaut und in die ganze Welt exportiert

 

Da Nicaragua so viel Natur hat gehört auch viel Wasser (im hiesigen Winter) dazu…

 

Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist Schwarz.
Seht ihr die Mückenschwärme?

 

Auf einen Teil der Reise sind auch meine zwei Gastgeschwister und gute Freunde mitgekommen. Mit den beiden habe ich unglaublich viel Spaß

 

Bei aller Liebe – hier lässt sich wohl kaum noch das Heimatland leugnen 🙂

 

Das ist Managua, die Hauptstadt Nicaraguas. Die Lebensbäume sind ein Projekt der Vizepräsidentin, welches aber durchaus kritisch betrachtet wird.

 

Gemeinsam mit meiner Mentorin und ihren Kindern auf einem Benefizlauf in Managua. Das Thema: Brustkrebs

 

 

Und schwups sind die Haare ab. Die werden für Perücken verwendet. Irgendwie eine lustige Vorstellung, dass jetzt eine Nica mit meinen Haren rumläuft. Zumal ja eigentlich alle Menschen hier schwarze oder dunkelbraune Haare haben

 

Purisima – Maria Empfängnis
In jedem Haus wird ein Altar gestaltet, der für einige Tage daran erinnert, was am 08.Dezember gefeiert wird

 

Jeden Abend wird ein Rosenkranz gebetet. Und das ganze auch mit Musik unterlegt. Denn ich habe das Gefühl, es gibt mehr spanische Purisimalieder als deutsche Weihnachtslieder…

 

Im Dezember finden auch die Firmungen statt. Und zwar in blau – weiß. Wer nicht in Uniform kommt, darf nicht gehen.

 

Im Anschluss gibt es auf dem Kirchplatz für alle etwas zu essen.

 

An was müsst ihr hier denn denken?
Jup: an eine Schuleinführung

 

 

Darf ich vorstellen: Das ist Luz

 

Viele Grüße und bis bald

LEA

 

Was es bedeutet …

Dienstag, 23. Januar 2018 von Lea Feldhaus

… Frei zu haben

Wie ich euch ja bereits vor knapp einem Monat erzählt habe, standen in Nicaragua die großen Ferien an. Gefühlt das ganze Land hatte frei und hat das auch genutzt. Häuser wurden repariert, der Bauernhof auf dem Land mal wieder langfristig bewohnt, die Familie besucht. Eben dies galt auch für meine Familie, die über Weihnachten und Neujahr hier in Nicaragua meine Gastfamilie und das wunderschöne Land kennenlernen durfte. Drei Wochen lang reisten wir von Ort zu Ort. Die Gastfreundschaft war dabei immer zu spüren. Bereits am zweiten Tag ging es auf die Schuleinführung meiner kleinen Gastschwester. Da die Koffer meiner Eltern in Madrid geblieben sind, kam es kurzerhand zum Klamottenaustausch, sodass meine Mama die Kleidung meiner Mentorin anhatte, um auch wirklich den Festlichkeiten angebracht erscheinen zu können

Die fremde Kleidung fällt gar nicht auf, oder?
Nur die Kopfbedeckung sieht etwas anders aus:)

Und so ging es auch weiter, gemeinsam mit zwei sehr guten Freunden durften sie Land und Leute kennenlernen. Vor allem touristische Orte wie Granada, Ometepe, Matagalpa, Estelí und Somoto standen auf der Karte. Aber eben auch Juigalpa, die Stadt, in der ich seit fast sechs Monaten wohne (könnt ihr das glauben?). Da sich dorthin eigentlich nie irgendwelche „Fremden“ verirren, fielen wir auch gleich auf: Gleich bei nächstbester Gelegenheit, auf dem Weg zum Tortilla-Kaufen wurde ich gefragt, ob ich jetzt glücklich sei. Schließlich seien jetzt meine Eltern da. Und das von einer Person, die ich zwar vom Sehen kenne, aber noch nie mit ihr gesprochen habe. So ist es hier. Da wird genauestens aufgepasst, was passiert und jede Neuigkeit direkt mit dem Nachbarn ausgetauscht

Ein paar Eindrücke der Reise folgen hier, da ich euch schlecht drei Wochen „Elternzeit“ wiedergeben kann:

Granada mit seinem „Hausvulkan“ Mombacho

Vulkan Masaya: Jup, das ist Lava…

Isla de Ometepe

Mitten im Nicaraguasee

Laguna de Apoyo

Cañon de Somoto – wenn ihr durchwollt, müsst ihr schwimmen und springen…

In der Nähe Matagalpas
Das ist Kaffee

… 2018 zu feiern

Über Silvester ging es zu meiner Gastfamilie, mit der wir das neue Jahr einläuten durften. Für mich war das ein schöner Moment, mit meinen nun zwei Familien vereint zu feiern. Schließlich begleiten sie mich 2018 in fast gleichen Teilen und liegen mir fest am Herzen.

Die Feier selbst lief sehr ruhig da. Da eine Gastschwester erst kurz zuvor operiert wurde und nicht bei uns sein konnte, fehlten auch ihre Schwester und Eltern. Umso enger war der Kontakt per Telefon mit ihnen.

Um Mitternacht ging es dann los, wirklich laut zu feiern, wie es in Nicaragua eigentlich der Fall ist. Der sogenannte „viejito“, also der kleine Alte, wurde verbrannt und das letzte Jahr gleich mit ihm. Bereits einen Tag vorher begannen die Basteleien an ihm. Alte Kleider wurden zusammengenäht und mit Papier befüllt. So wachte er den ganzen 31. Dezember vor der Tür und grüßte die Passanten. Schön drapiert im Schaukelstuhl sah er so echt aus, dass ich mich mehrmals erschreckt habe…

Kurz vor zwölf wurde die lebensgroße Puppe dann noch mit Böllern gefüttert. Das ging ab! Vor einigen Jahren soll das hier wohl jedes Haus gemacht haben, aber mittlerweile sind die Preise der Knaller so hoch, dass es sich viele nicht mehr leisten können. Und offen gestanden, mein Herz hätte auch nicht mehr als die zwei „viejitos“ in der Nachbarschaft mitgemacht 🙂

Viel entspannter war dann der letzte Teil des Abends. Alle saßen in einem Kreis, einschließlich meiner Schwester Mirjam. In der Mitte ein Hühnerknochen. Der wurde reihum geworfen. Je nachdem wie er landete sollte er dir sagen, ob du im folgenden Jahr ein Mädchen oder Jungen gebären wirst. Naja, da wurde auch schon mal sechs Mal geworfen, bis der Knochen dir ein Mädchen vorhersagte… Folgen nun vorher im gleichen Jahr fünf Jungs?!?!?! Ich hoffe, nicht:) Lustig war es trotzdem. Und wer weiß?

… Wenn die Arbeit wieder anfängt

Seit dem 8. Januar nun arbeiten wir nun wieder im Centro. Der Abschied von meinen Eltern vorher ist mir schwergefallen, denn die Zeit mit ihnen habe ich sehr genossen. Doch dank einiger Freunde und der Spontanität hier hatte ich nicht allzu lange Heimweh.

Im Centro begann die Arbeit nur wenige Tage später. Wir haben fast alles umgeräumt, geputzt und gereinigt. Jetzt glänzt es wieder. Es sieht alles anders aus. Denn wir haben einmal alle Klassenräume getauscht. Nun geht es daran, herauszufinden, wie viele der Kinder aus dem letzten Jahr auch im kommenden Schuljahr wieder bei uns lernen werden. Bisher haben sich noch nicht alle angemeldet, doch es sind deutlich weniger, als ich erwartet habe. Mal schauen, wie sich das entwickelt, es sind noch zwei Tage Zeit.

(Das habe ich vor einer Woche geschrieben. Update: 110 Kinder in allen Altersstufen werden in den nächsten Monaten hier studieren…)

… Priester zu werden

Ich singe für die Mutigen, die ihren Weg suchen, die das zurück lassen, was sie gefangen hält. Ich sing‘ für die vertrauenden, die Gottes Ruf hören, die auch ins Ungewisse gehen mit ihm.“

An dieses Lied musst ich am 13. Januar denken. Denn an diesem Samstag ging es für die Pfarrei „Nuestra Señora de Guadaloupe“ mit zwei Bussen in Richtung Camoapa. Das ist eine kleine Stadt im angrenzenden „Bundesland“ und knapp eine Fahrstunde von Juigalpa entfernt. Nach dort hatte Policarpo uns eingeladen, um mit ihm gemeinsam seine Priesterweihe zu feiern. Der Diakon hat zuvor fast ein halbes Jahr unsere Gemeinde geleitet, da ein Pfarrer fehlt. Und wie es so ist, wenn großzügig eingeladen wird: die Leute sind von nah und fern gekommen. Mehr 200 Menschen. In einer großen Messe mit Chor, „Keyboard-Orgel“, Bischof, der gefühlt ganzen Priesterschaft des Bistums, allen nicaraguanischen Priesteramtskandidaten und viel Freude wurde ihm das Sakrament gespendet. Nicht zu vergessen, sind aber auch die vergossenen Tränen. Denn neben der Freude war auch viel Traurigkeit zu spüren. Später hat uns Padre Policarpo erklärt, dass es eben auch ein Abschied ist, und er ins Ungewisse geht. Ungewiss, wann und wie oft er seine Familie sehen kann, wo er eingesetzt wird und was nun Neues für ihn beginnt. Da ist eine große Gefühlswolke schon zu verstehen, oder?! Daher gebe ich seine Bitte an euch weiter, für ihn zu beten. Auch wenn ihr ihn nicht kennt.

Jetzt wird es ernst

Die ersten Worte des Priesters.

Kennt ihr mich noch?

Bis sehr bald. Ich hab euch lieb

Lea

 

Advent, Advent, kein Lichtlein brennt?

Donnerstag, 21. Dezember 2017 von Lea Feldhaus

Hallo ihr Lieben,

Kaum vorstellbar: Der Dezember zieht ins Land und das Jahr 2017 neigt sich dem Ende entgegen. Fühlt ihr euch so?

Ich mich definitiv nicht! Schließlich ist es wettermäßig für mich noch immer noch August. Es windet was das Zeug hält, wodurch auch die warmen Temperaturen angenehm bleiben (ab und zu ist mir sogar echt kalt…)

Allerdings hat der Dezember begonnen und damit verbunden auch die freie Zeit im Centro. Denn für die Kinder und eigentlich fast ganz Nicaragua beginnen jetzt die großen Sommerferien.

Damit aber nicht alle aus dem stressigen Alltag in die absolute Leere des Nichtstuns  fallen, hatten wir eine Woche spielen und basteln vorbereitet. Etwas ganz neues und gutes, fand ich. Denn normalerweise besteht das Projekt aus Nachhilfe und Übung. So können wir trotz der oft schlechten Schulbildung der Eltern bzw. ihrer fehlenden Zeit (viele arbeiten den ganzen Tag als Tortilla-Verkäufer, bügeln oder waschen…) den Kindern Unterstützung beim Lernen zukommen lassen. Das ist zwar sehr gut, bringt mich aber oft an meine Grenzen, da wir so kaum spielen oder Abwechslung in dieses doch rund um die Welt für Schüler öde Thema Schule bringen können. Da sind alle gleich 🙂

Am 6. Dezember endete diese schöne Woche in einem Purisima-Fest. Das ist Maria Empfängnis und sehr wichtig im ganzen Land. Neun Tage lang wird jeden Tag der Rosenkranz gebetet, für die Schönheit des Lebens gedankt und für alle Kranken gebittet. Mit großen Umzügen und lauten Rufen wird die große Freude ausgedrückt. Da klingen Lieder und Reime durch die Straßen, wie:

Quien causa tanta alegria – la concepción de Maria. (Welche Sache bringt uns so große Freude – Maria Empfängnis)

Maria de Nicaragua – Nicaragua de Maria (Maria für Nicaragua – Nicaragua für Maria)

Una iglesia sin Maria – no es iglesia todavia (eine Kirche ohne Maria – ist immerhin noch keine Kirche)

All dies durften wir am Nikolaustag also auch hier feiern. Natürlich mit piñata, Essen, Gesang, Geschnatter und Vorfreude auf Ferien und Weihnachten. Bereits früh morgens ging es los mit schmücken und kochen. Sechs Stunden zur Vorbereitung reichen total aus.

Dachte ich. Aber wie es immer so ist waren schließlich doch die Menschen erst da, bevor wir fertig waren. Aber zum Glück sind ja alle entspannt und mit einiger Verspätung ging es dann auch los. Ich fand es beeindruckend, wie groß und klein mit einander respektvoll umgegangen sind. Denn meistens treffen sie nicht aufeinander,da die einen morgens, die anderen nachmittags studieren. Einmal alle zusammen an einem Tisch: das werde ich so schnell nicht vergessen.

Marienaltar aufbauen – das dürfen nur die Großen. Gespielt wird trotzdem

Mit Stolz darf ich sagen, dass wir drei dieser Sterne mit den Großen gebastelt haben

Wenn man schön zusammen sitzt

Eine schöne Tradition: Die Besten der Besten, die Kinder mit der besten Entwicklung im letzten Jahr und die mit der besten Erziehung werden für das mit einem kleinen Geschenk noch einmal belohnt. Da lohnt es sich, zu kämpfen…

Am eigentlichen Tag, dem 8. Dezember war bereits frei, sodass wir den Gottesdienst mit Erstkommunion und allem drum und dran genießen konnten. Auch nachmittags ging es mit Freunden und Nachbarn weiter mit beten. Denn wer gut mitgemacht hat, bekommt im Anschluss ein Paket mit Süßem, Spielzeug, Reis oder Bohnen. Manchmal auch von allem etwas 🙂 ich glaube, so viel Rosenkranz hab ich noch nie gebetet…

Noch einmal wurde in letzter Sekunde die Deko geändert. Sie war wunderschön.
Nur leider konnte so keiner die Bank betreten… 🙂

Ich fand es eine wunderbare Erfahrung, denn dieses Fest feiern wir in unserer Kultur doch eher selten. Während mir immer mehr unsere Traditionen auffallen und fehlen, wird hier der Advent ganz anders begangen. Frei nach dem Motto „ein Feiertag ohne feiern ist wie ein Kalender ohne Datum – kann man machen, bringt aber nichts“ wird hier jeder Heilige mehr oder weniger intensiv bedacht. Aber das immer laut!!!! So kam es das bereits am 14. die Patronin des Viertels begangen wurde. Kein Problem. Und dazwischen noch ein großer Geburtstag. Ich kann euch sagen: ich platze vor lauter Essen und neuen Eindrücken.

Und so ist es gut all dies mit meinem Weihnachtsgeschenk teilen zu können. Denn am 14. sind meine kleine Schwester und meine Eltern in Nicaragua angekommen. Davon ein anderes mal mehr.

Ich hab euch lieb und wünsche euch eine besinnliche Zeit mit ein bisschen Ruhe, Geborgenheit. Weihnachten und die Geburt Jesu ist nah. Vergesst das neben den ganzen Dingen nicht, die noch zu tun sind.

Eine dicke Umarmung

Hasta muy pronto

 

 

Que viva!!!

Sonntag, 03. Dezember 2017 von Lea Feldhaus

Hallöchen alle zusammen,

wie bereits im letzten Bericht versprochen möchte ich euch von dem Fest „Christo Rey“ – Christ König erzählen, welches ich im Heim Madre Albertina in Granada mitfeiern durfte. Mit diesem Fest wird das Kirchenjahr geschlossen und mit dem jetzt kommenden ersten Advent ein Neues begonnen. Da ich bereits eine Woche vorher das Projekt meiner Mitfreiwilligen Sandra kennenlernen durfte, wurde ich gleich für den nächsten Sonntag zu eben diesem Fest eingeladen. Das war eine besondere Ehre für mich, denn nur die engste Familie des Heims durfte daran teilnehmen. Dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön!

Also bin ich nach nur sechs Tagen nach Granada zurückgekehrt. Sandras Gastfamilie hat mich mit offenen Armen empfangen, denn ich wollte, bevor ich zum Mithelfen ins Heim lief, zumindest meine Sachen kurz abstellen. Das war eine schlaue Entscheidung. Bis fast halb zwölf nachts waren wir im Projekt, um Luftballons aufzublasen, zu bekleben, die Sitzordnung festzulegen (die am nächsten Tag dann doch noch mal umgeworfen wurde…) und alles anstehende noch mehr oder weniger gut zu bearbeiten.

Nach nur knapp vier Stunden Schlaf ging es Sonntag früh schon wieder los, um die Mädchen für die Messe mit dem Bischof fertig zu machen. Zu dem Anlass kamen alle mit einem neuen Kleid, was unglaublich schön aussah.

Alles begann mit der Sieben-Uhr-Messe in der nahe gelegenen parroquia

Beim Mittagessen war die Stimmung heiter. Zu Marimba-Tönen lässt es sich unglaublich gut quatschen. Auch getanzt wurde natürlich zur typischen Nica-Musik. Und es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass alle dabei waren: Von der Jüngsten bis zur Ältesten, von den drei Freiwilligen bis den im Projekt lebenden Nonnen, von der Erzieherin bis zum Pfarrer. Alle. Und ja, es ist schon ein herrlicher Anblick, wenn ein Pfarrer mit nicaraguanischem Hüftschwung tanzt. Da lacht die Seele.

Immer auf den Beinen, um zu schauen, was noch zu tun ist – das ist meine Mitfreiwillige Sandra

Langsam trudeln alles zum Essen und tanzen ein. Selbst der Bischof war eingeladen – auch wenn er nicht lange blieb

Wenn schon einmal alle beisammen sind und dazu auch noch so schön, da kann man gleich ein offizielles Foto machen.

Gegen drei Uhr nachmittags haben sich dann schließlich doch alle müde und glücklich auf den Weg nach Hause gemacht. Es wurde aufgeräumt und ich bin mit einer Menge neuer Eindrücke im Gepäck nach Juigalpa zurückgefahren.

Dort geht die Feier jetzt weiter, denn es hat die Zeit der Purisima begonnen. Einem Fest, welches am 08. Dezember im ganzen Land seinen Höhepunkt findet. Mit Umzügen, Rosenkranzgebeten und Süßigkeiten wird sich jedoch jetzt schon auf das Fest „Mariä Empfängnis“ vorbereitet.

In dem Sinne

Quien causa tanta alegria?

La concepción de Maria!

 

Ein Wochenende Nicaragua

Mittwoch, 29. November 2017 von Lea Feldhaus

Hallo ihr Lieben,

Nach einer etwas längeren Sendepause jetzt ein kleines „Lea-Update“.

Die letzten Wochen ist nicht viel passiert. Das Centro arbeitet vor sich hin, ohne dass viel passiert. Die Kinder kommen mit ihren Hausaufgaben zu uns und wir helfen ihnen, sie zu lösen, erklären ihnen neue Dinge und geben Übungen zum Festigen. Das ist eigentlich eine gute Sache, ich merke aber immer wieder, wie ich mir mehr Abwechslung wünsche, da durch diese Routine des Arbeitens kaum gespielt oder andere Sachen gemacht werden.

Gerade deshalb war das vorletzte Wochenende sehr wichtig für mich. Gemeinsam mit Sandra habe ich mich am Samstag nach San Juan del Sur begeben. Bereits Freitag durfte ich ihre Stadt Granada kennenlernen und am nächsten Morgen ein bisschen in ihr Projekt schnuppern. Auch wenn es nur zwei Stunden waren, bin ich von den ersten Eindrücken überzeugt. Überrascht war ich tatsächlich von der Größe (geschätzt ist die Fläche dreimal so groß, wie die des Centros und es sind nur ein Drittel der Kinder…)

Das ist nur ein Teil des Projektes…

Nach einer Singerunde, die länger gedauert hat, als wir annahmen, ging es dann los nach San Juan. Unterwegs haben wir die Schönheit Nicaraguas genießen dürfen, vorbei an Vulkanen, weitem Land und Dörfern. Besonders schön finde ich immer wieder, dass sich innerhalb von 10 Minuten die Landschaft so stark ändern kann. Schon deshalb lohnt sich jede Busfahrt. Egal für welche Zeit. Letzten Endes waren wir zwar nur für eine Nacht in der kleinen Stadt, aber seht euch die Bilder an…. Sie sagen alles. Mit Strand, Berg, Bucht und Wellen wird es immer als Surferparadies beschrieben, aber auch wenn Sandra und ich es beide nicht können haben wir beschlossen, noch mehr als einmal in die Gelassenheit des Ortes einzutauchen….

Schon auf der Hinfahrt konnte man aus dem Bus Vulkane beobachten.

 

Bei einem traumhaften Sonnenuntergang ein Foto.
Selbst meine Mentorin hat mir vorher aufgetragen unbedingt ein Foto von diesem Anblick zu machen.

 

Das ist dann wohl der Ausblick, von dem man glaubt, es gibt ihn nur in Filmen, oder?

Viele liebe Grüße aus Juigalpa, wo ich mittlerweile wieder angekommen bin.

Bis bald, es kommt noch ein Beitrag zum letzten Wochenende, wo ich im Heim Christo Rey mitfeiern durfte…

Eure Lea

 

 

 

Essenszeit

Montag, 13. November 2017 von Lea Feldhaus

Ihr Lieben,

Vor knapp drei Monaten bin ich von (mehr…)

 

Seifenkreativität

Samstag, 14. Oktober 2017 von Lea Feldhaus

Hey alle zusammen,

Vor knapp einer Woche zog durch Zentralamerika ein Tropensturm, der alles lahmgelegt hat. Costa Rica hatte weder Strom noch Wasser und auch Nicaragua hat seine Portion abbekommen. Ich glaube, ihr habt ein paar Bilder gesehen, die in den Nachrichten waren.
Schon seit ich angekommen bin, bin ich vom Regen und Wasser hier fasziniert. Es formt den Tagesablauf. Wenn es regnet, lässt jeder alles stehen und liegen und geht tendenziell nicht mehr vor die Tür.
In den vergangen Tagen waren schon mehrere größere Regenschauer in Juigalpa angekommen. Einmal so heftig, dass der Strom im Centro ausgefallen ist und wir mit den Kindern im Dunkeln saßen.
Am Donnerstag Morgen um sieben fing es richtig an, zu schütten. 14 Stunden Dauerregen ergossen sich aus den Wolken und sorgten dafür, dass die Straßengräben sich in reißende Flüsse verwandelten. Die Kinder wurden aus der Schule geholt. Keiner verließ mehr das Haus. Die Vizepräsidentin suspendierte alle Schüler für Freitag aus der Schule.
Irgendwann gegen 10 Uhr stand in der Küche (und zum Glück in keinem anderen Zimmer im Haus) das Wasser knöchelhoch. Der Regen hatte das Erdreich durchtränkt und drückte sich von unten durch den Boden ins Haus. Mit Eimer, Besen, Kehrblech und Tüchern haben wir es raustransportiert. Und dann passierte das, was ich so faszinierend fand. Irgendwie mussten wir die Löcher stopfen. Aber Zement war nicht im Haus.
Da kam eine andere Idee auf: Wir brauchen etwas, was dicht ist, beweglich, und im Haus ist.
Na, fällt es euch ein?
Seife!
Ich war am Anfang ziemlich skeptisch. Schließlich löst Seife sich im Wasser ja auf. Aber es hat funktioniert. Sogar richtig gut.
Alle Seife wurde zusammengesucht, und Stück für Stück in die Ecken geklebt. Der Rest des Tages war viel entspannter. Es mussten zwar immer noch Tücher gewrungen werden, aber da es uns allen gut ging, und der größte Teil des Wassers draußen blieb hatten wir Zeit 🙂

Diese „Seifenkreativität“, wie ich sie mal nenne, fasziniert mich total. Mit dem wenigen, was gerade zur Verfügung steht, kann man trotzdem total viel machen. Einen Bus für die Schule bauen? Kein Problem. Warum nehmen wir nicht die leere Saftflasche dafür?
Eine Wand hat undicht? Nimm Seife. Dann können wir später Zement kaufen und es abdichten, wenn es getrocknet ist.
Und falls es doch nicht funktioniert und der nächste Regen wieder einen Besuch in der Küche macht, wissen wir jetzt:
Seife ist die ultimative Lösung

Viele Grüße an alle aus Juigalpa
Lea

 

 

Piñata und Co.

Mittwoch, 13. September 2017 von Lea Feldhaus

Hallo alle zusammen,

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Und in den August fallen hier viele Feste. Vor allem Geburtstage waren in den letzten zwei Wochen so einige. Von einer Feier möchte ich euch erzählen.
Heute (vorletzten Sonntag…) haben wir den Geburtstag einer Cousine gefeiert. Ihre Eltern wohnen in einem Haus ungefähr eine halbe Stunde von hier entfernt. Da sie aber in Juigalpa arbeitet, wohnt sie hier und fährt für das Wochenende aufs Land zu ihren Eltern. Heute haben wir sie da besucht und ihren Geburtstag (nach-) gefeiert. Wir, das sind meine Gastfamilie mit Großeltern,  sechs der acht Kinder mit Familie, und ich. Auch die Brüder Claudias waren da.

Eine gestaltete Geburtstagswand bekommt hier jeder.

Weil nun aber schlecht alle mit dem Taxi hinfahren konnten, war eine andere Transportmöglichkeit gesucht. Und da bietet sich doch ein Lastwagen perfekt an. Jeder hat Platz hinten im Laderaum und man kann auch noch 6 x 3 Liter Coca Cola, Radio, Kühlkisten, Matratze und andere Dinge locker unterbringen, ohne dass es eng wird. Unglaublich. Und es wackelt ganz schön. 🙂

Wie alles hier ist auch der Wagen knallbunt

Nach knapp einer halben Stunde Fahrt sind wir angekommen. Fast jedenfalls. Es fehlt noch ein Fußmarsch durch ein Flüsschen, über eine Wiese, entlang der Berge zur Hütte. Es ist echt malerisch. Und hat mir gut gefallen. Auch wenn ich dankbar bin, dass ich nicht da leben muss. Denn zum Alltag dort gehört es zum Beispiel auch, sich im Fluss zu waschen. Und der ist auf Grund der Regenzeit, von der ich ja schon erzählt habe, extrem schlammig.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll wann anders erzählt werden.

Wir sind also nach knapp fünfzehn Minuten Marsch mit all den Sachen aus dem Laster auf dem Rücken endlich angekommen. Dort erwartete uns strahlender Sonnenschein und eine schöne Sitzrunde im Schatten. Auch eine Hängematte war aufgespannt. Und mit kaltem Wasser ließ es sich gut aushalten. Die Kinder spielten im Schatten unglaublicher Kletterbäume. Mir hat es da auch sehr gut gefallen und so hab ich mich dazugesellt. Zu siebt startete wir eine Erkundungstour des Geländes. Dabei stießen wir auch auf den Stall, der Fast leer war. Die Hühner liefe, schließlich frei rum. Nur die kleinen Küken waren drin. Die sind unglaublich weich und so kam schnell die Idee, sie einzufangen. Aber verständlicherweise fanden das die kleinen Hühner nicht so cool wie wir, denn durch alle Kinderhände gereicht zu werden, bedeutete für sie eine ganze Menge Stress. Deshalb flüchteten sie zum einzigen Schutz in der Nähe. Eine Truthenne (jedenfalls glaub ich, dass es eine war…) Unter ihren Flügel konnten sich fast alle verstecken. Und vor allem waren sie da sicher. Das große Tier gilt nämlich als gefährlich. Zwar war es zu dem Moment ruhig, aber das kann sich schnell ändern. Deshalb ist es auch festgebunden, damit es in dem Fall keine großen Verletzungen geben kann. Wer sich zu nah rantraute, kam trotzdem in den „Hackbereich“. Und so hieß es Abstand halten.

Näher ran muss echt sein…

Von etwas Anderem, ganz Wichtigem hab ich aber noch gar nicht erzählt:
Zu jedem Geburtstag gehört eine Piñata!!!!! Das ist im Prinzip eine Figur an einem Strick, gefüllt mit Süßigkeiten und kleinen Münzen. Ihr habt bestimmt schon einmal davon gehört. Auch heute war sie dabei in Form einer pinken Schweines mit rotem Kleid. Irgendwann mittags haben ein paar Erwachsene sie aufgestochen und alles Wichtige hineingetan, denn bisher war nichts drin. Insgesamt fünf (oder sechs?) Tüten Bonbons und Lutscher, sowie Córdoba-Münzen verschwanden im Bauch und Kopf des Pappmaché-Schweins. Nach dem Mittagessen und einem Kaffee ging es dann los: Erst einmal Fotos machen mit allen möglichen Leuten und Geburtstagskind. Und dann wurde ein Stock gesucht. Zur Musik mussten reihum alle draufschlagen. Die anderen feuerten an. Aber bitte immer tanzen! Und wehe, wenn nicht. Es ist schon ein echt lustiger Anblick.

Unsere Piñata in Form eines Schweines

Damit es aber nicht zu einfach wird, steht eine Person am Seil und zieht daran. Dadurch hüpft die Figur auf und ab und es ist schwerer zu treffen. Den Geübten unter den Gästen macht das nichts aus, aber danebengetroffen wird trotzdem schon mal (deshalb gilt für erste Regel: Komme niemals einer piñata zu nahe!)

Ein bisschen mitgenommen. Aber es geht noch weiter:)

Als es dann oft genug geklappt hat, zerbrach das Schwein und alle Süßigkeiten sind herausgefallen.
Und schon ging das Gewusel auf dem Boden los. Wie ein Hummelhaufen. Ihr könnt es euch bestimmt denken. Ich lache bei dem Gedanken daran immer noch 🙂

Doch irgendwann war der Boden wieder sauber, die Taschen gefüllt und auch der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Ich sage euch, den Weg zurück bin ich geschlafwandelt, so müde war ich. Dass meine Füße dabei durch den Schlamm des Regens liefen hab ich erst zu Hause registriert. Die Schuhe muss ich morgen wohl mal putzen. Mit dem Laster und weniger Gepäck als auf den Hinweg ging es Richtung Bett. Ihr habt es doch sicher bis zu euch rufen gehört, oder?!

In diesem Sinne meld ich mich zum Schlafen ab und wünsche euch eine gute Nacht.
Passt auf euch auf.
Bis bald
Lea