Nach zwei Monaten – Fast schon eine Nica

Mittwoch, 04. Oktober 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Jetzt bin ich schon seit zwei Monaten von Zuhause weg und muss feststellen, wie schnell einerseits die Zeit vergangen ist und andererseits wie viel ich schon gesehen und erlebt habe.

In den letzten Wochen im Projekt habe ich mit einigen Mädels sehr persönliche Gespräche geführt, die mir  gezeigt haben, dass ich für sie nicht die „Deutsche“ bin, sondern auch eine Freundin und Teil der ganzen Gruppe. Besonders die älteren Mädchen suchten bei mir nach Antworten, aber auch nach einer Umarmung und Verständnis. So gerne ich auch dem Wunsch der Mädchen nachkommen möchte, dass wir einmal wöchentlich Zumba tanzen (der Tanzlehrer nennt sich nicht Sandra, sondern „Youtube“), so unmöglich ist es aufgrund der wenigen Zeit die wir haben. Der Tagesablauf ist hier sehr geregelt. Aufstehen ist um 4.30 Uhr, Frühstück um 6 Uhr und danach werden die Älteren auch schon vom Schulbus abgeholt und kommen erst um 13 Uhr zum Mittagessen. Danach waschen wir zusammen und es werden Hausaufgaben gemacht. Jetzt ist es etwa 16 Uhr und wir könnten tanzen. Wir könnten, denn dir Mädchen erhalten verschiedenen Unterricht außerhalb der Schule: Zwei Mal die Woche gibt es Computerunterricht, ein Mal Religionsunterricht, einmal beten wir zusammen den Rosenkranz und am anderen Tag gibt es eine Art „Mädchenstunde“, in der die Mädchen besondern über Krankheiten und sexuelle Gewalt aufgeklärt werden. Ich hoffe aber sehr, dass ich euch bald berichten kann, dass wir nachmittags das Programm für die älteren Mädchen ein wenig modofizieren konnten.

 

Sportttag mit 30 Mädchen

Gruppenfoto nach dem Sport

Am Freitag hatten die Mädchen keine Schule. Das ist hier jeden letzten Freitag im Monat. Deswegen haben wir, das Personal, einen Sporttag

organisiert. Los ging es morgens mit dem Einteilen der vier Gruppen und dem Gestalten eines Logos. Gestärkt in ihrem Teamgeist durften die Teams in verschidenen Spielen gegeneinander antreten.

Wir haben unglaublich viel gelacht, geschwitzt und für Muskelkater gesorgt! Stolz hat mein Team den ersten Platz belegt und sich einen leckeren Preis abgeholt. Es gab Schokokekse!

Am Nachmittag haben wir ein Mädchen aus dem Heim besucht, dass vor einigen Wochen operiert wurde und sich leider noch nicht gut von der Operation erholt hat, da sie sich eine Infektion eingeholt hat und muss vermutlich erneut ins Krankenhaus. Wir wünschen ihr alle eine schnelle Genesung!

 

 

Happy Birthday! Feliz Cumpleaños!

Diesen Monat durfte ich gleich an drei Geburtstagen teilnehmen, die so unterschiedlich waren! Zuerst wurde meine Arbeitskollegin 25 und wir gingen mit dem Personal in Granada gemeinsam raus. Das hat mir sehr gut getan, weil ich für sie dazugehöre und sie sich mir auch anvertraut haben über Schicksäle, die ihnen verfahren sind und sie mit mir teilen wollten. „Weil du unsere Freundin bist“ sagten sie!  Und so fühle ich mich auch. Die Arbeit war an diesem Arbeit ein „Tabu-Thema“ und so konnten wir viel persönlicher miteinander reden.

Geburtstagsfeiern

Danach ging es auf den Geburtstag des Neffen meiner Kollegin, der sechs wurde. Vor dem Haus wurden Plastikstühle aufgestellt, Musik laut gedreht, Essen und Trinken verteilt, eine Piñata aufgehangen und nach dem leckeren (aber natürlich viel zu süßen) Kuchen getanzt. Ich kannte niemanden und dennoch waren alle so herzlich zu mir. Groß und Klein haben zusammen getanzt.

Zum Ende des Monats feierte Julia, meine Gastschwester, ihren 14. Geburtstag. Da hier der 15. Geburtstag groß gefeiert wird (etwa wie bei uns der 18.), gab es dieses Jahr keine Feier. Dennoch haben die Eltern an sie gedacht und um 5 Uhr wurde ich diesmal nicht vom Hahn des Nachbarn wach, sondern von Geburtstagmusik. Es gab einen Geburtstagskuchen, sowie viele Umarmungen und Glückwünsche. Da ich arbeiten musste, konnte ich nicht mit ihr den Tag verbringen, aber umso überraschter war ich, als ich nach Hause kam und sich auf einmal die Familie im Wohnzimmer versammelt hatte. Man muss hier niemanden einladen, es ist selbstverständlich, dass du an dem Geburtstag deiner Familie denkst und sie an diesem Tag besuchst. So wurde Musik angemacht, im Wohnzimmer getanzt, Kuchen gegessen und ihre Patentante bestellte Pizza. Danach haben wir noch zusammen aufgeräumt und gingen spät ins Bett.

 

Die Vielfalt der Natur

Am Wochenende habe ich mich in der Umgebung auf die Suche nach einem ruhigen Ort gemacht, um nach einer stressigen und arbeitsreichen Woche zu entspannen. Was ist dann passender als die Lagune. Also fuhr ich am Sonntag dorthin und entspannte dort. Obwohl es regnete konnte ich bis in den Nachmittag in einer Hängematte entspannen und mit einer Freundin den Tag genießen. Am Montag wurde ich morgens wieder mit Regen begrüßt, was mich zwar ärgerte, aber nicht von meinem Plan abhielt, den aktiven Vulkan Masaya zu besteigen. Okay, ich wollte ihn besteigen, aber da er momentan zu aktiv ist, wurde ich dann dort hoch gefahren. Mit viel glück ging ich bei der Kontrolle als Nica durch. Auch wenn im heim Besuch ist sind die Gäste irritiert, wenn ich erzähle, dass ich aus Deutschland sei. Mein erster Vulkan! Man konnte bis tief in den Krater schauen, es war einfach unglaublich!

Die Lagune de Apoyo

Der Vulkan Masaya

 

Reis und Bohnen

Typisches nicaraguanisches Frühstück

Das esse ich. Jeden Tag. Jetzt denkt ihr vermutlich, dass ich es nicht mehr sehen kann, aber so ist es nicht. Hier wird morgens Gallopinto (Reis mit Bohnen) gefrühstückt, welcher mit Ei, Käse und Kochbananen serviert wird. Die anderen traditionellen Gerichte in Nicaragua sind meist basierend auf Hühnchen oder Fleisch. Richtig, ich habe hier gelernt, dass Hühnchen kein Fleisch ist. Genauso habe ich auch gelernt, dass Käse nicht gleich herzhaft ist. Als es mich in eine Bäckerei zog (die große Sehnsucht bach Brot hat schon begonnen!), stellte ich zunächst fest, dass es hier nur das weiche Brot, welches man von Hot Dogs oder Burgern kennt, in variierter Form und Größe gibt. Also nahm ich etwas, dass etwas anders aussah und mit Käse sein sollte. Ein Biss und ich erlebte den Genuss eines Süßgebäcks. Gut, also ich denke ich vertraue nicht mehr auf das, was drin ist, sonders probiere mich durch die Leckereien, um richtig urteilen zu können. Lecker war es dennoch!

Die Vielfalt von Reis und Bohnen begleitet also den ganzen Tag. Auch wenn es Nudeln gibt, ist die Beilage immer Reis mit Bohnen. Eigentlich ganz simpel, denn es ist für Nicas wie für uns das Brot.

Zu meinem Lieblingsgericht ist hier etwas geworden, was auch für Nicas als große Delikatesse gilt. Als ich zum ersten Mal kosten durfte, musste ich schmunzeln. Mit großen Worten wurde mir gesagt, dass es heute etwas ganz besonderes geben würde. Ich hoffe meine Reaktion war nicht allzu irritiert. Die Delikatesse war Bohnensuppe mit Reis. Genau, das Gleiche wie sonst nur als Suppe und mit einem Spritzer Zitronensaft serviert. Aber auch ich freue mich jedes Mal, wenn es wieder Sopa de Frijoles gibt!
Ein bisschen möchte ich euch aber dennoch neidisch machen, denn die Obstvielfalt ist hier ganz anders. Ich darf hier lecker Drachenfrucht löffeln und auf Äpfel verzichten, denn die gibt es hier kaum und sind sehr teuer.

Wir sind vereint – 3. Oktober

Ein kleines Handbuch über Deutschland

Auch hier! Da für mich der dritte Oktober ein Feiertag ist, habe ich das mit den Mädchen teilen wollen, so wie sie auch mit mir ihre Festigkeiten teilen. Daher habe ich mir Gedanken gemacht und ihnen Apfelkuchen gebacken. Die Idee war schnell da, die Umsetzung schwieriger als gedacht. Am Ende habe ich mit meinen Kräften morgens um 6 Uhr den Teig zubereitet. Den habe ich dann mit ins Heim genommen, weil wir zuhause keinen Ofen haben und dort in einem Mikrowellenofen gebacken. Einer war natürlich wenig für 35 Personen, als wurden sie nacheinander gebacken. Das Resultat: Sie haben sich sehr gefreut!

Darüber hinaus bereitete ich noch kleine Karten vor, die ein wenig die Geschichte und den Hintergrund darstellen sollten.

Die Freude über ihren ersten Apfelkuchen war groß!

 

Viva Nicaragua!

Donnerstag, 21. September 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Laute Rufe, viele Trommeln, tanzende Nicas und eine menge „Viva Nicaragua!“-Rufe erfüllten letzte Woche den Unabhängigkeitstag. Am 14. September war der Höhepunkt wochenlanger Vorbereitungen endlich Wirklichkeit geworden.

Im Allgemeinen habe ich schon festgestellt, dass in Nicaragua tatasächlich viel gefeiert wird. Es gibt immer einen Anlass, um laute Musik zu hören, Folklore (so nennt man den hier typischen Volkstanz) zu tanzen oder eine Piñata aufzuhängen. Begleitet wird das Ganze meistens mit lauten Trommeln und einer Menge Freude!

Meine Schwester und ich

Überall schienen sich die Menschen auf den 14. September vorzubereiten. In den Schulen wurden viele Sachen zu diesem Thema gebastelt und besonders viele Nachmittage für den Umzug geübt. Ja genau, anlässlich des Unabhängigkeitstag gab es hier in Granada einen großen Umzug, der von Schülern gestaltet wurde. Dabei war es für mich besonders beeindruckend, dass die besten Schüler in verschiedenen Kategorien (Sport, Mathematik, Kunst, …) und Altersklassen geehrt wurden. Hier ist es von großer Bedeutung zu den besten Schülern zu gehören, was – wenn wir mal ehrlich sind – in Deutschland nicht der Ehrgeiz der meisten Schüler ist.

Während die Besten auf der Bühne Platz nahmen, führte jede Schule mit ihren besten Schülern einen kleinen Akt vor. Diese waren entweder eine Tanzchoreografie oder ein Marsch mit Fahnenschwenken. Da meine Gastschwester in ihrem Jahrgang Primatin ist, hatte sie ebnefalls die große Ehre  eine Fahne tragen zu dürfen!

Da dieser Tag so wichtig für die Nicas ist, gibt es hier eine ganze Woche Ferien! Ja, also ganz so gut hatte ich es nicht, weil ich eine normale Arbeitswoche hatte. Während sich also viele Mädchen und alle Erzieherinnen in die Ferien verabschiedeten, ging der Alltag im Heim natürlich weiter. So genoss ich das erste mal eine Stille im Heim und entspannte Tage, an denen wir viel gebastelt und zusammen gekocht haben. Trotz allem habe ich natürlich nicht die Festlichkeiten verpasst!

 

 

Irgendwie wollte ich dann doch noch die Ferien ausnutzen (auch wenn es eigentlich ein normales Wochenende für mich war) und verbrachte zwei Tagr auf der Vulkaninsel „Ometepe“. Zusammen mit einer Freiwilligen fuhren wir nach Rivas und danach weiter mit der Fähre auf die Insel, ins Grüne. Dort trafen wir noch auf zwei Deutsche, die auf der Insel wohnen. Obwohl wir Pech mit dem Wetter hatten, konnten wir sehr gut entspannen und ich bin erholt in diese Woche gestartet.

Mit anderen Freiwilligen auf Erkundungstour. Hinter uns der Vulkan

 

Umgeben vom Nicaragua-See

 

Ojo de Agua – eine Mineralquelle zum Entspannen

 

Meine Arbeit im Heim läuft weiterhin sehr gut. Ich verbringe viel Zeit hier und mir macht es auch sehr viel Spaß! Ich habe mit jetzt auch ein Spanisch-Nica-Wörterbuch angelegt, denn auch ich muss hier einiges von ‚meinen‘ Mädels lernen!

Bis bald 🙂

(mehr…)

 

Kein Problem!

Sonntag, 27. August 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Während ihr euren normalen Alltag nachgeht, muss ich feststellen, dass mir hier einige Türen offengestellt wurden. Nach 25 Tagen haben sich hier in Nicaragua einige Probleme gelöst, die ich aus Deutschland mitbrachte. Wie einfach man sie doch bewältigen kann liegt ganz in den Händen der Nicas.

Ich weiß wie oft ich in Deutschland am Bahngleis stand und wieder feststellen musste, dass die Pünktlichkeit der deutschen Bahn mir wirklich den letzten Nerv raubt. Besonders wenn es im Winter kalt war und ich spürte wie die Kälte sich um meine Füße wickelte. Aber hier in Nicaragua ist das kein Problem, weil hier keine Bahnen fahren. Genau, hier fahren nur Taxis und Busse. Zwar gab es hier einmal eine Bahnstrecke, die auch durch Granada fuhr, aber die steht seit einigen Jahren schon still und der ehemalige Bahnhof wird hier nun als technische Hochschule benutzt.

Der Bahnhof von Granada

Ebenso kompliziert war es rechtzeitig den Bus zu erreichen oder ihm noch hinterherzulaufen, damit man ihn noch erreicht. Wie gut, dass hier die Busse nicht an bestimmten Haltestellen halten, sondern man einfach sagt wo man raus möchte und sich so weite Fußwege ersparen kann. Es ist also hier  kein Problem an seinem Ziel auszusteigen, anstatt bis zur Haltestelle zu fahren, um vielleicht sogar die gefahrene Strecke zurücklaufen zu müssen, weil das ZIel vorher lag.

Genauso ist hier auch für Autofahrer die Teilnahme am Straßenverkehr so viel günstiger. Knöllchen für das überqueren einer roten Ampel gibt es nicht, weil keine Ampeln aufgestellt sind. Die Vorfahrt kann man hier auch keinem nehmen, da es keine Verkehrsschilder und auch kein „Rechts-vor-Links“ gibt. Ebenso gibt es keine Richtgeschwindigkeit, man fährt so schnell wie man sicher durch die Straßen kommt und die Motorräder, die von rechts und links überholen, nicht übersieht. So viel einfacher kann es sein Auto zu fahren und das Portmonnaie freut sich auch. Es ist also kein Problem einfach den Menschen die Verkehrsordnung zu überlassen, denn es funktioniert.

 

Spontaner Besuch bei der Polizei

So gelassen ist hier die Mentalität der Nicas – und ich merke schon, dass sie sehr ansteckend ist – , dass auch die Polizei immer eine offene Tür hat. Als wir vergangene Woche mit einer kleinen Gruppe von den Mädchen aus dem Heim zu einer Moden-Show gingen, die vom Behindertenzentrum veranstaltet wurde, erwischte uns auf dem Rückweg ein Regenschauer. Und wer von den Erziehern hatte mit Regenschirmen vorgesorgt? Keiner. Also kamen wir auf dem Heimweg an der Polizeistation vorbei und wurden herzlichst mit Kaffee empfangen. Nein, für die Kleinen war es auch nicht Langweilig, denn für die Polizistin war es kein Problem den Fernseher einzuschalten.

 

Gestern war ein unglaublich spannender Tag, da die Mädchen jeden letzten Freitag im Monat keinen Schulunterricht haben, planten wir verschiedene Aktivitäten im Heim. So ging es morgens mit einem Rollenspiel los, das in Kleingruppen vorgetragen wurde. So hat jede Gruppe einen Wert gezogen (Ehrlichkeit, Respekt, Freundlichkeit,….), den sie dann darstellen musste. Danach gab es noch einen Gesangswettbewerb, bei dem die Mädchen sehr schnell Texte mit einer passenden Melodie komponierten und vorgetragen haben. Zum Abschluss ging es nach dem Mittagessen zu einem Umzug. Anlässlich des internationalen Welttages der Menschen mit Behinderung gingen Menschen durch die Straßen Granadas und wir

Bei dem Umzug zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ich mit einer Kollegin. Na, wer erkennt mich?

waren auch dabei! Einige Mädchen trugen die Volkstracht (Folklore) und andere nahmen Bilder mit verschiedenen Menschen mit einem Rahmen, den ich gestalten durfte und die Menschen sehr begeisterten (Die Aufschrift Yo y tu en un mismo corazón bedeutet Du und ich in einem selben Herzen). Sogar die Bürgermeisterin nahm sich nicht die Gelegenheit mit einigen Kindern hinter dem Rahmen ablichten zu lassen! Das war einfach kein Problem, dass sie sich unter die Menschen mischte.

 

 

Nach einer sehr ereignisreichen Woche freue ich mich schon auf alle weiteren Festlichekeiten und gesunden Arbeitsstunden. Ja, leider habe ich mich mit einer Bindehautentzündung infiziert. Daher trage ich auch die Maske auf den Bildern…

Mit einem wichtigen Gruß möchte ich mich von diesem Eintrag verabschieden, denn derzeit wird bei mir daheim das größte deutsche Bürgerschützenfest gefeiert. In diesem Sinne grüße ich alle Neusser Bürgerschützen und habe die große Ehre das erstmalig aus Nicaragua zu tun!

 

 

Jeden Tag Fiesta – ich streiche das Wort „Arbeit“

Dienstag, 15. August 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Hallo ihr Lieben!

Wie versprochen möchte ich euch von meiner Arbeit berichten, der ich hier seit letzter Woche nachgehe. Wobei ich sagen muss, dass Arbeit schon fast das falsche Wort ist. Nicht nur, weil ich die große Ehre hatte bereits an meinem dritten Tag im Heim die Mädchen auf eine Fiesta zu begleiten – nein, vorallem weil ich sehr viel Freude an meiner Arbeit habe!

Langsam habe ich mich an das Klima hier gewöhnt, aber es ist einfach winterlich heiß! Ich sitze draußen und kann mir nicht vorstellen, dass es etwas erfrischenderes als ein bisschen Kälte gäbe… und dann kommt ein Regenschauer und ich bin dankbar für die eine Stunde, die der Regen die Temperatur auf 27 Grad akühlen lässt! Ja, Deo ist in letzter Zeit nicht nur mein bester Freund und treuer Begleiter geworden, sondern leider auch mein hoher Kostenfaktor bei diesem Konsum!

Für die Menschen ist dieses Klima natürlich normal und auch die Mädchen im Heim stört der Regen und die Hitze kaum. Momentan sind 29 Mädchen mit verschiedenen Hintergründen, die sie hierher brachten, im Heim „Madre Albertina“ untergebracht und jede hat schon einen Platz in meinem Herzen eingenommen! Es ist für mich besonders faszinierend wie die Mädchen untereinander umgehen. Die Jüngste ist vier und die Älteste ist bereits sechszehn. Es treffen also neunundzwanzig Charaktere mit einer Altersamplitude von zwölf Jahren auf mich und schaffen es, dass ich am Liebsten das Bett Nummer dreißig beziehen möchte.

Jetzt sollt ihr nicht denken, dass es bei mir zuhause nicht schön sei – im Gegenteil – ich bin sehr gut aufgehoben bei meiner Gastfamilie und gehe von Dienstag bis Samstag (da ich samstags arbeite, habe ich Sonntag und Montag frei) folgenden Alltag nach:

Um 5.00 Uhr geht hier der Tag los, der Hahn des Nachbarn fängt an zu krähen und meine Familie stampft nacheinander in die Duschkabine, die sich neben meinem Zimmer befindet, um den Tag mit einer kalten Dusche zu beginnen. Duschen gibt es, aber kein fließendes Wasser, also heißt es meistens (ich hatte bisher zwei Mal das Glück fließend Wasser zu haben!) sich das Wasser mit einer kleinen Schale über den Körper zu gießen. Klingt für euch wahrscheinlich komisch, aber ich habe mich schnell daran gewöhnt und plane morgens schon ein paar Minuten länger ein, da es natürlich die Morgendusche verzögert.

Um 6.00 Uhr klingelt mein Wecker das erste Mal und – natürlich – wird erst einmal auf „Schlummern“ gedrückt. Jetzt ist es schon 6.30 Uhr und ich höre wie meine jüngere Gastschwester das Haus verlassen hat, weil hier die Schule schon um 6.40 Uhr beginnt. Das letzte Mal drehe ich mich in meinem Bett um und dann geht es auch für mich unter die Dusche. Das Frühstück steht auch schon bereit – Danke Mama Nica– und dann geht es auch schon mit dem Rad zum Heim.

Um 8 Uhr bin ich nun angekommen und muss mich zunächst von allen umarmenden Mädchen befreien, um meine Tasche abstellen zu können. Morgens gehen die Kleinen (vier bis sechs Jahre) und die Älteren (vierzehn bis sechszehn Jahre) zur Schule bzw. Vorschule. Dann bleiben noch zwanzig Gesichter, die fragen, was ich denn als Merienda (Zwischenmahlzeit) vorbereitet hätte. Bisher habe ich Kuchen, Kekse, Obst und andere nicaraguanische Spezialitäten verteilt. Hier muss ich auch noch eine Menge von der Köchin lernen, die bereits aufgelistet hat, was sie mir alles beibringen wird.

Gegen 9.30 Uhr sehe ich wie sich schlagartig die Miene der Mädchen ändert: Hausaufgaben stehen an. Während die einen schnell fertig sind, brauchen andere etwas länger. Ich muss nun mit einem Mädchen ihre Hausaufgaben machen und wir gehören nicht zu den Schnellen… Am Dienstag gibt es dann noch Musikunterricht. Letzte Woche haben alle Mädchen eine eigene Blockflöte bekommen! Was für eine Freude, aber leider nicht für meine Ohren, da alle auf mich zuliefen und mir ihre Flöte zeigen wollte ohne jedoch auf ihr spielen zu können. Ich warte schon auf die nächsten Wochen, wenn sich der Klang verbessert!

Um 11.30 Uhr machen sich die Mädchen für die Schule fertig, die Uniform wird nochmal gebügelt, die Haare gekämmt und dann gibt es vor der Schule noch Mittagessen. Für mich auch. Deswegen fahre ich nach Hause, wo ich von meiner Mama Nica wieder einen leckeren Teller serviert bekomme.

Nach einem kurzen Mittagsschlaf geht es um 14 Uhr weiter. Sicher, es ist ruhiger, aber deswegen nicht langweilig. Jetzt steht auf meinem Plan Englisch und Mathematik. Genau, ich helfe zwei Mädchen, die keine ausreichende Schulbidung erfahren haben, auf die Srpünge und komme nie um viele Witze und Späße herum! Spätestens um 16 Uhr dampft uns der Kopf und ich spiele mit den Kleinen.

Um 17 Uhr schaue ich nie auf die Uhr. Eigentlich wäre dann mein Feierabend, aber irgendetwas hält mich immer dreißig, vierzig, fünfzig Minuten länger.

Puh, jetzt bin ich zuhaue und freue mich auf meinen Schaukelstuhl, ein lekeres Abendessen und den alltäglichen Film mit meiner Familie.

 

Und was hat es jetzt mit der Fiestta auf sich?

Am  Donnerstag hatte ich die große Ehre zehn Mädchen und die Schwestern zu einem Fest in der Hauptstadt, Managua, zu begeiten. In einem Auto mit siebzehn Personen – ja das ist nur hier möglich – ging es um 8 Uhr los zur Prozession des Santo Domingo, des Stadtpatron. Es war so bunt und alle waren fröhlich, eine unglaubliche Stimmung! Von hieraus wurde mir ein wenig die Stadt gezeigt und es ging zur Kathedrale, wo die Prozession ihr Ende hatte. Zunächst gab es aber eine große Tanz- und Musikeinlage in der Kirche, dann pilgerten Menschen auf Knien, mit verbunden Augen oder mit dem Rücken zum Altar die letzten Meter. Dieser Teil war für mich sehr bewegend. Die Menschen nahmen große Anstrengungen auf sich, sie trugen ihre Kinder als zusätzliche Last auf den Schultern, man sah leidende Gesichter und hörte viele Bitten, die die Menschen im Glauben sendeten.

 

Gefeiert wurde dann wieder als das Allerheiligste nun den Altarrum erreicht hatte und es wurde gemeinsam gesungen, getanzt und gebetet. Die Mädchen und ich waren jetzt schon sehr erschöpft und dann hieß es nach einem leckeren Abendessen, das uns die Schwestern zur Verfügung stellten, im Regen nach Granda zu fahren. „Kein Problem“, wurde mir gesagt, als ich die Regengüsse sah, „wir haben eine Überdachung!“ Ja, die hatten wir tatsächlich: eine Plastikplane. So kam ich abends gegen 21 Uhr trocken und vor Freude von Energie wieder geladen zuhause an und durfte von meinem spannenden Tag berichten. Gracias! Ich bin sehr dankbar das erlbet haben zu können!

 

So viel Text und trotzdem könnte ich viel mehr schreiben und viel mehr Ausdrücke finden, um zu beschreiben wie schön es hier ist! Ich hoffe, dass auch ihr eine schöne Zeit habt und gesundt bleit – man glaubt es kaum, aber meine Mama Nica hat einen grippalen Infekt (schließlich ist hier ja Winter).

Bis bald!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Wo bist du?

Montag, 07. August 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Nachdem ich vor einigen Tagen hier angekommen bin, kann ich euch zeigen wo ich hier gelandet bin. Vorweg, es ist traumhaft schön und die lange Reise hat sich definitiv gelohnt! Für viele von euch ist Nicaragua oder auch Granada ein Punkt auf der Weltkarte oder sogar nur ein Name, mit dem man nicht viel verbindet. Von meiner Heimat unterscheidet sich nicht nur der Name, die Kultur, das Klima und der hier typische koloniale Baustil, sondern auch die Mentalität. So hieß es bei jedem Onkel und Cousin, jeder Tante und Cousine, jedem Bekannten und Nachbarn: Bienvenida, Sandra! (Herzlich Willkommen, Sandra!)

 

Vor allen Türen hieß man mich herzlich Willkommen

 

Hier wohne ich und bin immer Bienvenida

 

Neben den vielen netten Menschen, konnte ich auch schon die Stadt ein wenig kennenlernen und hoffe, dass ich mich bald nicht mehr verlaufen werde. Granada ist eine sehr große Stadt und besonders durch die Lage am Nicaragua-See einfach traumhaft schön. Ich denke die Bilder werden euch einen Eindruck von der Schönheit Nicaraguas geben.

Die Kathedrale von Granada

 

Die Kathedrale von oben

 

Der Nicaragua-See

 

Überall Schaukelstühle

 

Jetzt zur Regenzeit sind alle Parkanlagen grün

 

Einer von vielen Plätzen Granadas

 

 

Ab morgen werde ich im Heim arbeiten und auch davon bald berichten. Ich schicke euch viele Grüße aus dem sehr heißen Granada.

 

 

 

 

Nach 24 Stunden am anderen Ende der Welt

Donnerstag, 03. August 2017 von Sandra Abrantes Diaz