Manege frei für… Circo Barranca

Samstag, 09. Dezember 2017 von Jan Kaatze

Vor ein paar Wochen war es soweit – die erste Aufführung mit dem Zirkus stand bevor!  Aber mal ganz von vorne…

Seit einigen Wochen läuft nun das Zirkusprojekt, in welchem nun jeden Mittwoch auf Wiese der Schule die Kinder sich in Akrobatik und Jonglage auszuprobieren. Gleich von Anfang an merkete ich, wie viel Spaß dies den Kindern machte und so entstanden sehr schnell die ersten Pyramiden und bei der Jonglage zeigten sich auch erste Erfolge. Mit der Zeit wurde es schon normal, dass sich jede Menge schaulustige Schüler versammelten um den „Zirkuskindern“ zuzuschauen. Somit kam natürlich schnell die Nachfrage, wann denn nun endlich die erste Aufführung sei..

Die erste Pyramide

Die Gelegenheit dafür bat sich am 20. November, dem Tag der Mexikanischen Revolution, an welchem jede Klasse und einige Kurse etwas auf dem Sportplatz der Schule aufführten. „Hast du nicht Lust auch etwas mit dem Zirkus zu präsentieren..?“ wurde ich dann gefragt. Klar, eine gute Gelegenheit um den Kindern ein erstes Gefühl zu geben wie es ist das Gelernte vorführen zu können und auch dem Rest der Schule den Zirkus zu zeigen. Also machte ich mich an die Arbeit mit den Kindern in Kleingruppen erste Nummern einzuüben. Sagenhafte 3 Unterrichtseinheiten verblieben uns, um die komplette Show auf die Beine zu stellen. Ein großes Problem war auch, dass jede Woche andere Kinder fehlten und es somit scheinbar unmöglich schien in den Kleingruppen die Abläufe zu gestalten. Es stellte sich jedoch herraus, dass die Kinder sehr gut auch alleine Ideen für die Nummern entwickeln konnten, was mich teilweise sehr beeindruckt hat.

In der letzten Stunde wurde dann noch eine neue Nummer ausgearbeitet, die Kostüme zusammengestellt und jegliche Musik ausgesucht, welche bei den Vorführung laufen sollte.

Dann kam der Tag der Aufführung und wir waren alles andere als fertig – zwei Kinder hatten ihre Kostüme vergessen, einer seine Jonglierbälle und ein Kind fehlte ganz, wesshalb die Nummer nocheinmal umgeändert werden musste… Wirklich auf den allerletzten Drücker war dann alles bereit für die Aufführung und die Nervösität war einigen Kindern formlich anzusehen.

Dann hieß es: „Toi – Toi – Toi“ und los ging die Schow.

Letztendlich kann ich jedoch stolz sagen, dass die Aufführung sehr gut gelaufen ist und auch die Kinder sehr zufreiden mit dieser waren. Auch vom Publikum bekamen die Kinder sehr viel positive Rückmeldung für diese mal ganz andere Aufführung, was ihnen auch nocheinmal zeigte,wie viel sie in den letzten Wochen geschafft haben und wie bei vielen auch die Motivation stieg Neues zu erlernen . Das machte sich auch in der nächsten Zirkustunde sehr bemerkbar.

Die Clownsnummer.. 😀

 

Jonglage

Die „Zirkuskinder…“

Die nächste Aufführung in einer Woche steht auch schon an, wofür die Vorbereitungen bereits auf Hochtouren laufen.

Mir macht es von Woche zu Woche mehr Spaß mit den Kindern zu trainieren und auch die kleinen Lernerfolge mit zu erleben.

Bis dann

 

Schon so viel erlebt und noch so viel zu erleben!

Mittwoch, 06. Dezember 2017 von Lena Neuenhofer

Schon fast vier Monate in Uganda und erst einen Blogeintrag geschrieben. Meine einzige Ausrede ist, dass ich mehrmals gehört habe, dass wer sich wenig meldet, dem geht es gut. Es ist aber trotzdem Zeit, dass ihr wieder mal etwas von mir hört.

Es ist in den zwei Monaten seitdem ich mich zuletzt gemeldet habe schon wieder unglaublich viel passiert ich weiß überhaupt nicht wo ich anfangen soll.

Am besten fange ich dort an, wo ich auch die meiste Zeit verbringe: bei der Arbeit. Anfangs als ich noch keinen strukturierten Arbeitsplan hatte, hatte ich die Möglichkeit mir die verschiedenen Projekte anzuschauen und kennenzulernen bevor ich mich entscheiden musste, wo ich gerne mitwirken wollte. Doch meine Definition von „Kennenlernen“ und „Anschauen“ unterscheidet sich leicht von der Definition der Ugander. Ich wurde nämlich zu der Schule St. Jude gebracht, an der ich die Lehrer unterstützen sollte und da es mein erster Tag dort war, dachte ich, ich würde erstmal nur zuschauen wie es dort läuft. Doch nach 10 Minuten sollte ich schon eine Klasse in English unterrichten.  Mir wurde nicht gesagt was ich genau unterrichte sollte, auf welchem Niveau die Schüler waren,…. Das war eine kleine Überraschung für mich! Aber eigentlich hätte ich so etwas erahnen können, wenn es für sieben Klassen auch nur vier Lehrer gibt.

Muzungu! Muzungu! Muzungu! Das habe ich an meinem ersten Tag im Kindergarten Adrian Nursery and Day Care Centre den ganzen Tag gehört! 104 Kinder zwischen drei und sechs Jahren gehen zur Nursery School. Je nach Alter und Leistungsniveau sind die Kinder in drei Klassen, Baby Class, Middle Class und Top Class aufgeteilt. Ich helfe hauptsächlich in der Baby Class, wo ungefähr dreiviertel der Kinder sind. Ja, 75 drei bis vier Jährige in einer Klasse! CHAOS! Mit drei Jahren lernen die Kinder schon Englisch Lesen und Schreiben. Wenn ich mich richtig erinnere waren meine Gedanken in dem Alter wo ganz anders – auf dem Spielplatz, im Sandkasten, beim Basteln….

 

Meine Hauptaufgaben sind morgens und mittags das Essenverteilen und die Aufgaben die die Kinder zu erledigen müssen in die Hefte einzutragen. 75 Mal eine Aufgabe wie: „Verbinde das Bild mit dem zugehörigem Wort“ zu schreiben und zu malen kann auf Dauer lästig werden. Da wird mir bewusst was für eine Arbeit ein Drucker übernimmt und wie verwöhnt ich da bin! Es macht mir sehr viel Spaß mit den Kindern zu spielen, aber es ist nicht ganz einfach mit ihnen eine Beziehung aufzubauen, da ihre Englisch- und meine Lugandakenntnisse noch nicht auf dem besten Stand sind, so dass wir gut miteinander kommunizieren können.

Aber man sagt das Beste kommt zum Schluss. Ich habe das Transitory Home kennenglernt und mich direkt wohl gefühlt. Dort kann ich nämlich das was mir bei in den anderen Projekten fehlt, eine Beziehung mit den Menschen aufbauen, erreichen. Ich gehe normalerweise vier Mal die Woche in das Internat. Dort lernen Mädchen unterschiedliche Fertigkeiten, wie z.B. Schneidern, Kochen, Landwirtschaft betreiben, Englisch, Luganda, Buisness culture und Nähen, damit sie die Grundlagen beherrschen, wenn sie später anfangen zu Arbeiten. Nach zwei Jahren Schule, machen sie ein Praktikum für drei Monate und haben danach Examen.  Zusammen mit Tatjana unterrichte ich „Buisness culture“, ein Fach das viel mit Finanzen, Buchhaltung und Kalkulation zu tun hat. Obwohl Mathe nie wirklich mein Lieblingsfach war und ich es manchmal für unnötig gehalten habe, merke ich wie wichtig die Grundlagen die man ab der Grundschule bis zur fünften oder sechsten Klasse lernt bzw. gelernt haben muss: Addition, Subtraktion und das Einmaleins.  Wenn ich einer 17 Jährigen frage was 3+1 ist und ich als Antwort „3“ bekomme (und nein das ist kein Scherz) bin ich kurz vor dem Verzweifeln. Aber das ist die Wahrheit. Die Mädchen, die auf das Internat gehen, haben alle die Schule frühzeitig abgebrochen, manche früher als andere und das Resultat ist, dass sie überhaupt kein Grundwissen besitzen. Aber gerade die Grundlagen sind so extrem wichtig und nicht nur in dem Fach Buisness culture, sondern auch in den anderen Fächern und im Alltag. Ich habe es nämlich selbst miterlebt wie die Lehrerin vom Schneiderkurs gefragt hat: „wenn du eine Schulterbreite von 46cm hast, wie viel ist die Hälfte? Wo muss die Naht sein?“ Das erste was alle Mädchen gemacht haben, ist sich das Maßband genommen und bei 46cm einmal halbiert und dann abgelesen. Und noch nicht mal das hat bei allen funktioniert. Sie haben leider überhaupt keine Vorstellung, ob das was sie gerechnet oder abgelesen haben realistisch sein kann. Obwohl mich dieses Mangel an Wissen sehr schockiert hat, habe ich jetzt auch ein Ziel das ich erreichen möchte bevor ich wieder abreise: dass sie die Grundlagen in Mathe beherrschen!!! Es wird mir viel Geduld kosten, aber bestimmt sowohl für die Mädchen als auch für mich ein sehr schönes Gefühl sein wenn wir das Ziel erreichen.

Um auch mal ein bisschen Spaß mit ihnen zu haben und nicht den ganzen Tag nur Zahlen zu sehen, spielen wir häufig nachmittags noch Fussball oder Volleyball oder tanzen zu Musik.

Arbeit auf dem Feld

 

 

 

 

 

In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit Tatjana, einer Freiwilligen aus der Gegend von Freiburg, die aber leider nur drei Monate hier in Uganda bleibt und deswegen schon bald abreist. Wir verstehen uns unglaublich gut und haben zusammen viele neue Freunde kennengelernt mit denen wir auch viel unternehmen. Wenn wir nichts Besonderes vorhaben, fahren wir häufig sonntags an den Strand zu Lake Nabugabo, der etwa eine halbe Stunde von Masaka entfernt ist und zu den wenigen Seen in Uganda gehört der bilharziosefrei ist. Diese Möglichkeit nutzen wir alle gerne aus um ein bisschen schwimmen zu gehen oder sogar anderen Schwimmen beizubringen denn, dass Jugendliche und Erwachsene schwimmen können ist nicht üblich.

Lake Nabugabo

„Wer nach Afrika reist, muss unbedingt auf eine Safari gehen“ wurde mir mehrmals gesagt und dies habe ich  in der Tat auch gemacht. Los ging das Abendteuer am Freitag um 6 Uhr morgens. Nach etwa 12 Stunden in einem Safaribus haben wir das Ziel Packach im Norden Ugandas erreicht. Eine lange Fahrt war sie, aber auf keinen Fall langweilig. Obwohl die Natur Ugandas nicht sehr abwechslungsreich ist, weil es eigentlich alles überall gibt, war die Fahrt, würde man denken, langweilig. Aber es war genau das Gegenteil. Kilometer weit nur grüne Landschaft, die sehr bewundernswert ist! Ja, GRÜN! Ein Vorurteil vieler: Afrika sei heiß, trocken und braun! Stimmt aber nicht. Jedenfalls nicht in Uganda. Momentan ist die Regenzeit und es regnet im Durchschnitt vier Mal die Woche. Nach der anstrengenden Anreise sind wir sehr früh morgens auf die erste Gamedrive gefahren  und hatten nach einer guten halben Stunde schon drei der fünf Großen gesehen: Giraffen, Elefanten und Büffel ohne Ende! Quer durch die größte Safari Ugandas durch den auch der längste Fluss der Welt fließt; das behaupten jedenfalls alle Ugander, dass ihr Fluss, der Nil, der längste Fluss sei und nicht der Amazonas. Laut vielen Interentquellen ist es auch noch sehr umstritten welcher Fluss jetzt tatsächlich länger ist. Während der Bootsfahrt, auf dem Weg zu den Murchison Falls, nach denen der Park auch benannt wurden ist, sind uns noch ein paar große Flusstiere begegnet. Da wir während dem Wochenende sowieso fast die ganze Zeit nur im Safaribus saßen, war es schön als wir hoch zu den Murchison Falls gewandert sind und von denen wir eine super Sicht über den National Park hatten. Abends ging es auf eine weitere Gamedrive und unsere Hoffnung noch ein weiteres der fünf Großen zu sehen war eigentlich schon gestorben…..doch plötzlich meinte der Safariführer „kommt schnell runter vom Dach!“ Und da haben wir vier Löwen gesehen. Dadurch wurde der Tag nur noch besser als er schon bereits war.

 

 

 

Masaka! Masaka wird modern!! Jeden Tag wenn ich zur Arbeit fahre sieht Masaka ein bisschen anders aus. Die Hauptstraßen werden asphaltiert, Gebäude werden fertig gebaut, Straßenlaternen mit Solarplatten werden aufgestellt…. Und alles nur, weil der Präsident kommt (meinen viele) und von dem eigentlich nicht mehr viel gehalten wird. Würde Ehemalige jetzt nach Masaka kommen, würden sie die Stadt wahrscheinlich überhaupt nicht wiedererkennen. Ob modern oder nicht, fühle ich mich in meiner neuen Heimat sehr wohl und kann es kaum fassen, dass ein Drittel schon rum ist.

Masaka Town

Zuletzt möchte ich mich noch ganz doll bei Tatjana für die tollen Fotos bedanken. Sie hat sich nämlich immer die Zeit genommen von all dem was wir erlebt haben Fotos zu machen, die ich mit euch allen teilen darf.

Ich freue mich schon darauf euch bald neues erzählen zu können!

Bis dann!

Lena

 

Cola ist günstiger als Wasser

Sonntag, 03. Dezember 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Schwarz und Weiß. Groß und Klein. Voll und leer. Hell und Dunkel. Tag und Nacht. All dies sind Gegensätze, die ganz eindeutig und selbstverständlich sind, aber in den letzten Wochen sind mir doch einige Merwürdigkeiten über den Weg gelaufen.

Zunächst sage ich euch, dass tatsächlich Cola günstiger ist als die Flasche Wasser (natürlich nicht die Originale ‚Coca Cola‘). Stelle man sich doch vor wieviele grundlegende Mineralien und Vitamine diese Cola mit einem sehr geringen Zuckeranteil hat. Natürlich soll man eher zu diesem sagenhaften Getränk einer ausgewogenen Ernährung greifen als zu einem Wasser. Ich finde dieses Sache ziemlich kontrastreich, während die Nicas nicht verstehen wieso die Deutschen (ich stellvertretend in diesem Sinne)  immer nur Wasser trinken.

Erschreckend fand ich, dass ich erst jetzt – nach fast vier Monaten – auf diese Unterschiede bewusst geachtet habe. So viel war am Anfang zu neu und hinzunehmen, dass scheinbar keine Zeit zum Hinterfragen und Reflektieren war. Als ich am Montag (genau, da wollte ich mich eigentlich von meiner langen stressigen Woche erholen) spontan in eine Schule im Barrio gegangen bin, um dort im Unterricht zu helfen, war ich in Granada 2.0! Da meine Wege noch nie bis an diesen äußeren Ring Granadas gereicht hatten, hatte ich das Gefühl das „richtige Granada“ kennenzulernen. Während im Zentrum Café neben Restaurant neben Karaoke-Bar grenzt, grenzt hier die Armut. Kinder, die auf der Straße ohne Schuhe, ungewaschen, nach essen fragend entgegekommen, Häuser, deren Konstruktion nicht beendet wurden und Türen fehlen. Bilder die mich zum Nachdenken brachten und noch viel mehr der Tag in der Schule. Hier bekommen die Kinder besonders in Englisch aber auch Mathematik und Spanisch Nachhilfe. Es ist also eine schulbegleitende Schule (verständlich?). Und kostenlos. Ein ganz tolles Projekt, dass hier vor ca fünf Jahren entstand und mir auch zeigt, woher meine Mädels aus dem Heim kommen. Viele sagten, dass sie in einem Barrio wohnen, aber wenn nun aus einer Vorstellung ein eigenes Bild wird, merke ich, dass es mich sehr berührt hat. Einerseits war es so traurig, aber andererseits auch so schön zu wissen, dass die Mädchen in dem Heim gut aufgehoben sind!

Arm und Reich. Auch ein Kontrast. Aber wie ist dieser definiert? Wann ist man arm und wann ist man reich? Und wer entscheidet das? Hier ist der arm, der nicht liebt und jeder der reich, der sich liebt. Liebe ist wie Gold und deswegen versuche ich den Mädchen ganz viel Gold zu schenken. Reichtum macht Nicas nicht glücklich. Damit meine ich nicht, dass es Zuhause nicht genauso ist, aber hier ist diese Tendenz deutlicher zu spüren! Eine Mentalität die aus einem Geben besteht ist hier normal! Hier treilt nicht nur der Reiche mit den Armen, sondern such der Arme gibt etwas ab. Das beobachte ich oft wenn ich die Marktstrasse entlang gehe und sehe wie untereinander die Bettler teilen, aber auch die Marktfrauen dem Nachbarstand Kundschaft bringt. Eine  ganz ungewohnte Situation für mich, dass mir dann noch Schuhe bei der eigentlichen ‚Konkurrenz ‚ gezeigt werden, die mir gefallen könnten. Stelle man sich das doch nur einmal vor. Mit dem Morgengrauen fängt die Arbeit dort für die Menschen an und hört erst auf, wenn ein bestimmtes Pensum verkauft ist. Und jetzt helfe ich meiner Konkurrenz, dass sie auch verkauft. Einfach liebevoll! Und das ist sehr beneidenswert.

Das Denken ist in mancherlei Hinsicht noch ein wenig schwer nachzuvollziehen, aber ich bemühe mich auch dies anzunehmen. Ich gehe bei Fieber unter eine warme Decke, um zu schwitzen und trinke warmen Tee. Im Heim soll ich das Kind kalt duschen, ein kaltes Tuch auf die Stirn legen und eiskaltes Wasser zu trinken geben. Sehr verwirrend! Genauso wie ich irritiert bin von ihnen, ging es ihnen aber als ich von dem erzählte wie ich es kenne.

Machismo gehört zur Religion. Ja, dass kann man hier schon fast denken. Zum Einen ist der Glaube hier von sehr großer Bedeutung! Letztens waren wir ganze zwei Stunden vor Messbeginn in der Kirche, um gerade noch einen Sitzplatz zu finden (dazu im nächsten Blog aber mehr). Die täglichen Gottesdienste um 6.30 Uhr in der Früh sind gut besucht. Ich finde es so schön wie der Glaube Kraft gibt und Zusammenhalt! Diese Gemeinschaft ist hier sehr stark zu spüren, aber auch die typische ‚Dorfgemeinschaft‘, weil hier jeder jeden kennt. Tja, meine Anwesenheit ist auch nicht unbemerkt geblieben und es passiert, dass mir fremde Personen sagen, dass sie mit meiner Gastoma, Gastmutter oder sonst einem Familienangehörigen befreundet seien. Aber ich finde es schön, dass man sich untereinander kennt und dadurch auch hilft. Neben dieser so traditionellen Seite steht der nicaraguanische Machismo. Es ist eine Seltenheit nicht irgendwelche Schmeicheleien hinterhergerufen zu bekommen. Ist das nicht paradox, dass so sehr an die Gott, die Heilige Maria, sie Gleichheit und Nächstenliebe geglaubt wird, während zugleich in die Intimsphäre der Frau eingegriffen wird?

Wie ihr seht stelle ich fest, wie spannend und kontrasreich das einfach „Sein oder Nicht-Sein“ hier ist. Dass die Cola günstiger ist als das Wasser wird mich durchaus nicht verlocken und genauso wenig möchte ich barfuß durch die Straßen gehen. Wie gut, dass mir außer an ein wenig Schlaf nichts fehlt (auch dank meiner sehr lieben gastfamilie!).

Mit anderen Worten ich fühle mich wie ein Barren Gold 🙂

 

Eure Sandra

 

Que viva!!!

Sonntag, 03. Dezember 2017 von Lea Feldhaus

Hallöchen alle zusammen,

wie bereits im letzten Bericht versprochen möchte ich euch von dem Fest „Christo Rey“ – Christ König erzählen, welches ich im Heim Madre Albertina in Granada mitfeiern durfte. Mit diesem Fest wird das Kirchenjahr geschlossen und mit dem jetzt kommenden ersten Advent ein Neues begonnen. Da ich bereits eine Woche vorher das Projekt meiner Mitfreiwilligen Sandra kennenlernen durfte, wurde ich gleich für den nächsten Sonntag zu eben diesem Fest eingeladen. Das war eine besondere Ehre für mich, denn nur die engste Familie des Heims durfte daran teilnehmen. Dafür noch einmal ein herzliches Dankeschön!

Also bin ich nach nur sechs Tagen nach Granada zurückgekehrt. Sandras Gastfamilie hat mich mit offenen Armen empfangen, denn ich wollte, bevor ich zum Mithelfen ins Heim lief, zumindest meine Sachen kurz abstellen. Das war eine schlaue Entscheidung. Bis fast halb zwölf nachts waren wir im Projekt, um Luftballons aufzublasen, zu bekleben, die Sitzordnung festzulegen (die am nächsten Tag dann doch noch mal umgeworfen wurde…) und alles anstehende noch mehr oder weniger gut zu bearbeiten.

Nach nur knapp vier Stunden Schlaf ging es Sonntag früh schon wieder los, um die Mädchen für die Messe mit dem Bischof fertig zu machen. Zu dem Anlass kamen alle mit einem neuen Kleid, was unglaublich schön aussah.

Alles begann mit der Sieben-Uhr-Messe in der nahe gelegenen parroquia

Beim Mittagessen war die Stimmung heiter. Zu Marimba-Tönen lässt es sich unglaublich gut quatschen. Auch getanzt wurde natürlich zur typischen Nica-Musik. Und es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, dass alle dabei waren: Von der Jüngsten bis zur Ältesten, von den drei Freiwilligen bis den im Projekt lebenden Nonnen, von der Erzieherin bis zum Pfarrer. Alle. Und ja, es ist schon ein herrlicher Anblick, wenn ein Pfarrer mit nicaraguanischem Hüftschwung tanzt. Da lacht die Seele.

Immer auf den Beinen, um zu schauen, was noch zu tun ist – das ist meine Mitfreiwillige Sandra

Langsam trudeln alles zum Essen und tanzen ein. Selbst der Bischof war eingeladen – auch wenn er nicht lange blieb

Wenn schon einmal alle beisammen sind und dazu auch noch so schön, da kann man gleich ein offizielles Foto machen.

Gegen drei Uhr nachmittags haben sich dann schließlich doch alle müde und glücklich auf den Weg nach Hause gemacht. Es wurde aufgeräumt und ich bin mit einer Menge neuer Eindrücke im Gepäck nach Juigalpa zurückgefahren.

Dort geht die Feier jetzt weiter, denn es hat die Zeit der Purisima begonnen. Einem Fest, welches am 08. Dezember im ganzen Land seinen Höhepunkt findet. Mit Umzügen, Rosenkranzgebeten und Süßigkeiten wird sich jedoch jetzt schon auf das Fest „Mariä Empfängnis“ vorbereitet.

In dem Sinne

Quien causa tanta alegria?

La concepción de Maria!

 

Ein Wochenende Nicaragua

Mittwoch, 29. November 2017 von Lea Feldhaus

Hallo ihr Lieben,

Nach einer etwas längeren Sendepause jetzt ein kleines „Lea-Update“.

Die letzten Wochen ist nicht viel passiert. Das Centro arbeitet vor sich hin, ohne dass viel passiert. Die Kinder kommen mit ihren Hausaufgaben zu uns und wir helfen ihnen, sie zu lösen, erklären ihnen neue Dinge und geben Übungen zum Festigen. Das ist eigentlich eine gute Sache, ich merke aber immer wieder, wie ich mir mehr Abwechslung wünsche, da durch diese Routine des Arbeitens kaum gespielt oder andere Sachen gemacht werden.

Gerade deshalb war das vorletzte Wochenende sehr wichtig für mich. Gemeinsam mit Sandra habe ich mich am Samstag nach San Juan del Sur begeben. Bereits Freitag durfte ich ihre Stadt Granada kennenlernen und am nächsten Morgen ein bisschen in ihr Projekt schnuppern. Auch wenn es nur zwei Stunden waren, bin ich von den ersten Eindrücken überzeugt. Überrascht war ich tatsächlich von der Größe (geschätzt ist die Fläche dreimal so groß, wie die des Centros und es sind nur ein Drittel der Kinder…)

Das ist nur ein Teil des Projektes…

Nach einer Singerunde, die länger gedauert hat, als wir annahmen, ging es dann los nach San Juan. Unterwegs haben wir die Schönheit Nicaraguas genießen dürfen, vorbei an Vulkanen, weitem Land und Dörfern. Besonders schön finde ich immer wieder, dass sich innerhalb von 10 Minuten die Landschaft so stark ändern kann. Schon deshalb lohnt sich jede Busfahrt. Egal für welche Zeit. Letzten Endes waren wir zwar nur für eine Nacht in der kleinen Stadt, aber seht euch die Bilder an…. Sie sagen alles. Mit Strand, Berg, Bucht und Wellen wird es immer als Surferparadies beschrieben, aber auch wenn Sandra und ich es beide nicht können haben wir beschlossen, noch mehr als einmal in die Gelassenheit des Ortes einzutauchen….

Schon auf der Hinfahrt konnte man aus dem Bus Vulkane beobachten.

 

Bei einem traumhaften Sonnenuntergang ein Foto.
Selbst meine Mentorin hat mir vorher aufgetragen unbedingt ein Foto von diesem Anblick zu machen.

 

Das ist dann wohl der Ausblick, von dem man glaubt, es gibt ihn nur in Filmen, oder?

Viele liebe Grüße aus Juigalpa, wo ich mittlerweile wieder angekommen bin.

Bis bald, es kommt noch ein Beitrag zum letzten Wochenende, wo ich im Heim Christo Rey mitfeiern durfte…

Eure Lea

 

 

 

Immer dieses Wasser

Montag, 27. November 2017 von Vreda van den Hurk

Mein erstes Problem mit Wasser hatte ich in diesem Monat mit meinem Handy. In Afrika wäscht man seine Wäsche mit den Händen. Leider hatte ich mein Handy in meinen Klamotten, als ich diese in die Waschschüssel tat. So hatte ich einen kleinen Wasserschaden. Nachdem ich mein Handy vier Tage lang in Reis eingelegt hatte, funktionierte es wieder. Nur meine Simkarte wurde nicht mehr angenommen. Zum Glück haben wir im Gästehaus Wlan installiert bekommen, sodass ich mein Handy zumindest zu Hause nutzen kann.

Ein weiteres Problem mit Wasser ensteht durch das momentane Wetter in Uganda. In der Regenzeit hat es zu wenig geregnet und es ist bereits jetzt sehr trocken. So hatten wir im Gästehaus schon einen Tag lang kein fließendes Wasser. Auch in der Schule waren beide Wassertanks leer und mussten wieder aufgefüllt werden. Wenn es so weiter geht, kann es sein, dass wir das Wasser für das Gästehaus mit Kanistern aus dem Wasserloch der Schule holen müssen. Das war zumindest letztes Jahr der Fall. Im schlimmsten Fall haben ganze Ortschaften für eine Weile kein Wasser mehr. Man hört oft aus den Medien von der Trockenheit und der Wasserknappheit in Afrika. Wenn man das dann aber wirklich miterlebt, ist das noch mal etwas ganz anderes.

Wie im letzten Blogeintrag erwähnt war ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin Lea und Anne beim Viktoriasee. Die Versuchung war groß, einfach in das kühle Wasser rein zu springen. Aber die angeblich vorhandenen Parasiten haben uns doch letztendlich davon abgehalten. Abends sind wir nach Sseta gefahren, wo Anne lebt. Sseta liegt ungefähr 40 Minuten von der Hauptstadt Kampala entfernt. Zusammen mit Anne haben wir den Gottesdienst der Gemeinde ihrer Mitbewohnerin Maggie besucht. Es war ein großes Fest, nur leider auf Luganda. Nach dem Gottesdienst gab es eine große Spendenaktion für das geplante neue Haus für den Priester. Es kam extra ein Moderator vom Radio, um auch wirklich jeden zum Spenden zu motivieren. Die ersten Spender gingen nach vorne und sagten laut in ein Mikrofon, wie viel sie bar spenden. Uns war dieser Umgang mit Spenden ein wenig peinlich. Denn eigentlich ist es deine persönliche Sache, wie viel Geld du spendest. Wenn du es laut allen sagen musst, ist es einfach nur Prahlerei. Wir drei Mädchen waren die einzigen Weissen bei der ganzen Aktion. So musste der Moderator natürlich auch zu uns kommen. Wir verstanden erst nicht ganz, was er uns sagen wollte. Als er jedoch das zweite Mal zu uns kam, forderte er uns direkt auf, zu spenden. Er meinte, dass wir als Weisse ja viel Geld hätten und als gutes Beispiel mit einer großen Spendensumme voran gehen sollten. Wir blieben jedoch einfach sitzen, da wir nicht das neue, große Haus für den Priester mitfinanzieren wollten. Also kam er noch ein drittes Mal. Er fragte, ob er die Ehre haben könnte, uns nach vorne zum Spenden zu begleiten. Daraufhin erklärten Anne und ich ihm, dass wir nach Uganda gekommen sind, um zu arbeiten. Und für diese Arbeit bekommen wir Geld fürs Wohnen und Essen. Wir sind nicht als Geldgeber gekommen. Natürlich hörte dies nur der Moderator. Alle anderen hörten, wie der Moderator ins Mikrofon uns fragte, ob sie uns auch das Essen bezahlen sollten, wenn wir wieder in unserem Heimatland seien. Es war wirklich unverschämt, wie er uns vor der ganzen Gesellschaft bloßstellte. Wir standen auf und gingen. Wir fühlten uns einfach nur schlecht. Es ist wirklich unglaublich, was für ein Status einem als Weisse immer wieder zugeschrieben wird. Jeder erwartet von einem, dass man Geld hat. Man muss allen immer erklären, dass man eben nicht als Geldgeber nach Uganda gekommen ist. Das ist manchmal sehr ermüdend.

Letzte Woche ist noch eine weitere Freiwillige in das Gästehaus eingezogen. Zu dritt haben wir jetzt eine richtige WG. Mit ihr zusammen haben wir die Farm von Cosna besucht, da dies ihr Haupttätigungsfeld ist. Gemeinsam mit den Tagelöhnern haben wir Bohnen geerntet. Das heißt, dass wir am Hang unter den Büschen die Bohnen aus der Erde gerupft haben. Diese harte Arbeit haben Lea und ich nur für zwei Stunden ausgehalten. Die Tagelöhner arbeiten für ganze fünf Stunden. Außerdem müssen sie meistens noch eine Stunde zur Farm und nachmittags wieder zurück nach Hause zu Fuß laufen. Manche hatten auch ihre Kinder dabei, die sie entweder bei ihrer Arbeit auf dem Rücken trugen oder neben sich gelegt hatten. Für die ganze Arbeit bekammen sie etwas mehr als einen Euro. Es waren besonders viele Tagelöhner da, da vor einer kurzen Zeit die Goldmiene in dem Ort geschlossen wurde, sodass es jetzt viele Arbeitslose gibt. Nach diesem Tag lernten Lea und ich sehr zu schätzen, wo und wie wir aufgewachsen sind. Ich könnte mir nicht vorstellen jeden Tag diese harte Arbeit zu leisten, um meine Familie ernähren zu können. Es ist wirklich ein Privileg, dass wir zur Schule gehen konnten und jetzt selber entscheiden dürfen, was wir später arbeiten wollen. So viele Menschen leben weltweit von der Landwirtschaft. Manchmal kann man das gar nicht glauben.

Zusammen mit einem Sozialarbeiter von Hosfa sind Lea und ich diese Woche mit dem Motorrad aufs Land gefahren. Dort haben wir Menschen besucht, die durch Hosfa unterstützt werden. Es ging wirklich weit raus. Die Wege, die wir entlang fuhren, glichen eher Trampelfaden als Straßen. Autos können dort nicht mehr entlang fahren. Wir lernten sehr interessante Menschen kennen. Zum Beispiel besuchten wir einen Mann, der nicht mehr richtig laufen kann. Er bekommt durch Hosfa finanzielle Unterstützung für seine Medizin und den Transport zum Krankenhaus. Er lebt zusammen mit seinen Söhnen, da seine Frau bereits verstorben ist. Vor allem der Transport stellt für diese Familie eine große Herausforderung dar. Man muss eine halbe Stunde bis zur nächsten Straße laufen und von dort aus ein Taxi nehmen, um in die Stadt zu gelangen. Da der Mann jedoch nicht laufen kann, muss er sich immer ein Motorrad rufen, was sehr teuer ist. Auf unseren Wegen zu den Menschen fuhren wir an kleinen Lehmhütten und unterernährten Menschen vorbei, die zudem nur zerfetzte Kleidung trugen. Man könnte sagen, dass ich jetzt das richtige Afrika gesehen habe. Natürlich erschrickt man leicht, wenn man sieht, wie schrecklich zum Teil die Lebensbedingungen hier sind. Trotzdem ist mir aufegefallen, dass viele Menschen eine gewisse Zufriedenheit in sich tragen. Sie sind glücklich und teilen das auch mit dir. Zum Beispiel wurden wir bei dem Mann, der nicht so gut laufen kann, gleich dazu eingeladen, eine Nacht bei ihm zu verbringen. Wir mussten ihm versprechen, dass wir das nächste Mal zur Mittagszeit kommen, damit er uns ein Essen anbieten kann. Über solche Einladungen freue ich mich immer sehr. Denn obwohl er selbst nicht viel Essen für sich hat, möchte er das, was er hat, mit uns teilen.

Nachdem es beim letzten Mal nicht geklappt hat, habe ich nun endlich meine Braids bekommen. Es hat ganze vier Stunden gedauert. Sie sehen sehr cool aus. Ich habe jetzt ganze sechs Packungen Extensions auf meinem Kopf, was sehr schwer ist. Leider jucken sie auch sehr, weshalb ich sie nur noch für so eine Woche drinnen lassen möchte. Aber es war auf jeden Fall schön, es einmal gemacht zu haben.

Letztes Wochenende waren wir noch auf dem Silberjubiläum von einem Priester aus Mityana. Diese Jubiläen sind immer sehr trocken, da gefühlt zwanzig Leute Reden auf Luganda halten. Nur das Essen war sehr lecker:)

Also tut mir leid, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Aber wie ihr lesen könnt, habe ich in letzter Zeit sehr viel erlebt.

Liebe Grüße

Eure Vreda

 

Schon drei Monate!!!

Montag, 27. November 2017 von Vreda van den Hurk

Ja, tatsächlich bin ich jetzt schon ganze drei Monate hier in Uganda! Ich kann es kaum glauben. Die erste Zeit ist so schnell vorbei gegangen!

Eigentlich wollte ich diesen neuen Beitrag heute beim Friseur schreiben, wo ich vier Stunden lang Braids geflochten bekommen hätte. Doch gerade als ich in die Stadt fuhr, wurde der Termin abgesagt, da die Friseurin nicht da war. Verpasste Verabredungen und kurzfristig abgesagte Termine gehören in Uganda zur Tagesordnung. So war ich vor einem Monat bei meiner Gastfamilie, da mein Gastbruder John Geburtstag hatte. Ich kam erst nach Dunkelheit und einer langen Reise an. Das Tor war offen und als ich vor der Tür stand, sah ich Licht im Wohnzimmer brennen und hörte den Fernsehr laufen. Doch auch nach mehrfachem Klopfen öffnete mir keiner die Tür. Ich rief meine Gastschwester an. Von ihr erfuhr ich, dass sie und mein kleiner Gastbruder zu ihren Großeltern gefahren sind, um dort den Unabhängigkeitstag von Uganda zu feiern. Da es bereits dunkel war und die Großeltern etwas außerhalb von Kampala wohnen, konnte ich dort nicht mehr hinfahren. Die Haushaltshilfe Prossie sollte eigentlich da sein. Nach zwanzig Minuten kam diese tatsächlich vom Einkaufen zurück. Ich freute mich sehr sie zu sehen, doch hatten wir wieder ein paar Probleme bei der Verständigung, da sie kein Englisch spricht. Als ich auf mein Zimmer kam, fing ich erst einmal an lautstark zu lachen. In Deutschland wäre man voll sauer auf Personen, die einfach nicht da sind, obwohl man sich verabredet hatte. Doch hier ist es total normal. Ich war von mir selbst überrascht, dass auch ich nicht böse auf meine Gastfamilie war. Ich war total gelassen. Ich glaube, dass ich von der Mentalität her langsam eine richtige Uganderin geworden bin. Anstatt wütend auf meinem Zimmer zu hocken, habe ich im Wohnzimmer mit Prossie eine lugandische Serie geschaut und ihr beim Erdnüsse knacken geholfen. Am nächsten Morgen sind wir dann zusammen zu den Großeltern gefahren, wo wir Johns Geburtstag gefeiert haben. Er hat sich sehr über meinen selbstgebackenen Kuchen und die Geschenke gefreut. Zusammen haben wir ein riesieges Mittagessen gekocht. Ich saß draußen und habe Kartoffeln geschält. Die Nachbarn standen die ganze Zeit an der Hecke und haben mir zugeschaut. Vielleicht haben sie noch nie ein „Muzungu“ Kartoffeln schälen gesehen:) Tatsächlich wurde ich schon oft gefragt, ob ich wüsste, wie man Matooke (Kochbananen) oder Kartoffeln schälen würde. Ich weiß nicht, ob manche denken, dass „Weiße“ nicht kochen würden. Aber ich habe wirklich schon einmal in meinem Leben Kartoffeln gekocht, sogar in Deutschland:) Hier in Uganda ist es so, dass Menschen mit etwas mehr Geld eine Haushaltshilfe haben, die für sie kocht. Da das Bild der meisten Ugander von „Weißen“ die einer reichen Person ist, vermuten sie wahrscheinlich, dass wir nicht selber kochen. Es ist manchmal sehr lustig, was für Bilder Ugander von Europäern und Amerikanern haben. Ich glaube, dass alle Menschen in einer gewissen Weise Vorurteile haben. Dabei spielt es gar keine Rolle, inwieweit die sich ausdrücken. Man hat einfach Angst vor Anderem, Ungewissem, allem, was einem nicht bekannt ist. Doch ich bin sehr froh, dass ich durch mein FSJ lerne, diese Angst mit Neugier zu ersetzen. Es ist unglaublich interessant, andere Kulturen kennenzulernen. Und ich glaube, dass ich auch sehr viel hier mitnehmen werde.

Vor einem Monat habe ich eine Mitbewohnerin bekommen. Sie heißt Lea, ist 19 Jahre alt und kommt aus Heidelberg. Mit ihr habe ich schon sehr viel über das „Neue“ diskutiert, dass wir hier jeden Tag erfahren. Oft sitzen wir noch bis spät abends auf dem Sofa und tauschen uns über unsere Erfahrungen aus. Wir arbeiten zusammen im Krankenhaus und in der Grundschule, jedoch in unterschiedlichen Bereichen, sodass wir immer über etwas reden können. Nur die fünfte Klasse unterrichten wir zusammen in Deutsch und Computer, was bei der Größe (56 Schüler!) auch sehr hilfreich ist. In Lea habe ich auch eine wunderbare Reisepartnerin gefunden. Gleich an ihrem ersten Wochenende sind wir nach Masaka gefahren, wo wir Lena und ihre Mitbewoherin Tatjana besucht haben. Masaka hat genau die perfekte Größe für eine ugandische Stadt. Trotzdem habe ich mich auch wieder auf  Mityana gefreut, da dies schon eine richtige Heimat für mich geworden ist. Letztes Wochenende waren wir in Kampala, wo wir zum Beispiel den Palast vom Kabaka (König von Buganda) besucht haben. Leider konnten wir nicht rein, da der König gerade wirklich im Palast anwesend war. Normalerweise hält er sich woanders auf und lebt auch nicht im Palast, aufgrund dessen Geschichte. Idi Amin und Obote haben dort Folterkammern gebaut, in denen über 20.000 Oppositionelle getötet wurden. In Kampala haben wir auch die „L`Arche“ besucht, in der Ruth arbeitet. Ruth ist eine andere Freiwillige, die ich in der Sprachschule kennengelernt habe. Die „L`Arche“ ist eine Einrichtung für schwer behinderte Menschen. Sie können dort zur Schule gehen, nähen, basteln und einfach gut leben. Wir haben sie besucht, da sie ein Sportfest veranstaltet haben. Man hat allen die Freude und den Spaß in das Gesicht geschrieben gesehen. Nur wir waren teilweise ein wenig überfordert, da manche Menschen sich nicht gut verständigen konnten, aber auf unsere Aufmerksamkeit bedacht waren.

Dieses Wochenende besuchen wir Anne, auch eine Freiwillige aus dem Sprachkurs, in Sseta. Zusammen wollen wir für einen Tag an den Viktoriasee fahren.

Lea bleibt nur für drei Monate. Deshalb sind so gut wie alle Wochenenden bei uns ausgebucht, damit Lea so viel wie möglich von Uganda sieht. Wenn ihr Visum im Januar ausläuft, hatten wir überlegt, ob wir noch für eine Woche in eines der Nachbarländer von Uganda reisen. Keine Sorge, der Kongo und Südsudan kamen für uns nicht in Frage:)

Also ganz liebe Grüße aus dem verregneten Uganda                                           Besonders an Lea´s Mama, die so fleißig den Blog mitverfolgt;)

Vreda

(Den Blogeintrag habe ich eigentlich schon vor zwei Wochen geschrieben. Da ich aber nicht so gutes Internet hatte, veröffentliche ich ihn erst jetzt.)

 

Ein Jahr im Mädchenheim Madre Albertina geht zu Ende

Montag, 27. November 2017 von Sandra Abrantes Diaz
 

Essenszeit

Montag, 13. November 2017 von Lea Feldhaus

Ihr Lieben,

Vor knapp drei Monaten bin ich von (mehr…)

 

Spieglein, Spieglein an der Wand…

Freitag, 10. November 2017 von Sandra Abrantes Diaz

…Wer ist die Schönste im ganzen Heim?

In diesem Monat haben wir den Tag der Resistencia indígena gefeiert. Am 12. Oktober haben wir im Heim dieses Fest mit einer Miss-Wahl gefeiert. Das war ein sehr schöner und besonders lustiger und abwechslungsreicher Tag. Auch die Mädchen haben es sehr genossen, dass der Alltag einfach einmal bei Seite geschoben wurde.

Die Kandidatinnen

Zuvor hatten sich je zwei Kandidaten für Miss Chiquitita, Miss Princesa und Miss Reina durch Abstimmungen durchgesetzt. Sie konkurierten also in drei Altersklassen. Da es bei diesem Wettkampf nicht in unserer Hand liegen sollte, wer von den Mädchen gewinnt, kamen zwei Frauen von außerhalb, die die Mädchen nicht kennen und stellten die Jury dar. In drei Kategorien traten dann die Mädchen an und jetzt wurde es erst einmal hektisch, denn in wenigen Minuten hieß es Anziehsachen zu finden. In einem kleinen Abstellraum haben die Erzieherinnen und ich zusammengequetscht die Spenden, die ins Heim gebracht werden für die Mädchen, nach einem sportlicher Kleidung und Abendkleidern durchsucht. Währenddessen mussten sich die Mädchen auf den schwierigen Teil der ganzen Miss-Wahl vorbereiten. Es gab verschieden Fragen bezüglich der Bedeutung des Tages und den Glauben, auf die sie später überzeugend antworten mussten.

Alles in allem war es unglaublich hektisch, weil dann noch die Schuhe fehlten, die Frisur nicht gefiel und die Kandidatinnen immer nervöser wurden. Auch ich fieberte eifrig mit und fand es so schön zu sehen wie alle begeistert auf diese Aktivität warteten. Es wurden noch Plakate gebastelt, der Saal hergerichtet und dann ging es los!

Siegerinnen

Die Krone wird abgegeben

Nach den drei Präsentationen sportlich, folklorrich und schick, ging es in die Fragerunde. Es war unglaublich süß, wie nervös auf einmal die Mädchen wurden. Normalerweise kenne ich sie so offen und zappelig, aber in diesem Moment zitterten bei der einen die Beine, bei der anderen die Hand. Und dann standen unsere Siegerinnen fest! Die ,Ex-Majestäten‘ mussten ihre Krone abgeben und es gab viele Umarmungen und es war auch keine traurig, dass sie nicht gewonnen hat.

Es war so schön anzusehen, wie sich die Mädchen untereinander unterstützthaben, Sachen geliehen haben und es auch jeder gegönnt haben. hier gign es Ihnen in erster Linie nicht um den Sieg, sondern die Vorbereitung und die Show stand für sie viel mehr im Vordergrund, was ich unglaublich bewundere!

 

…wer ist die zweite in diesem Land?

Diesen Monat ging es für mich nach Juigalpa, um dort Lea, die zweite Sternsingerin an meiner Seite zu besuchen. Die Fahrt dorthin war ein wenig umständlich, weil ich nachdem ich Managua, die hauptstadt erreicht hatte dort noch ans andere Ende der Stadt musste, um die Bushaltestelle zu erreichen, ab der die Busse nach Juigalpa abfahren. Bei Lea angekommen, durfte ich ein frisches kühles Klima erleben und unglaublich viele Mücken.

Von ihrer doch sehr großen Gastfamilie wurde ich auch ganz herzlich begrüßt und lecker bekocht. Am nächsten Morgen ging es  mit Lea also auf eine große Sightseeingtour, wobei wir denke ich die größte Attraktion waren. Während ich in Granada entspannt durch die Straßen laufe, merkte ich wie sehr die Blicke auf uns „Weiße“ gerichtet waren. Juigalpa wird nicht von Touristen angefahren und daher waren wir wirklich die einzigen „Nicht-Nicas“, was durchaus schön war, um in ein traditionelles Leben einzutauchen.

Üblich ist es hier noch, dass man mit Pferden seine Wege macht, dass es keine Straßen gibt, dass es keinen Markt gibt und dass man im Grünen wohnt. Wie unterschiedlich ein Land doch sein kann, nicht wahr? Im Zentrum Granadas ist es nämlich sehr touristisch und laut. Hier sind auch alle Straßen asphaltiert und es gibt zwei große amerikanische Supermärkte.

Der Aussichtspunkt

Berg rauf Berg runter leifen wir dann bis zu einem Aussichtspunkt, der einfach traumhaft schön war. Über die ganze Stadt bis weit ins Land konnten wir den Ausblick genießen. Nach einer Runde im Park und der Kirche war dann alles gesehen und wir konnten uns über die letzten Wochen austauschen, was unglaublich gut getan hat.

Am nächsten Vormittag habe ich dann noch Leas Projekt kennenlernen dürfen und war auch sehr begeistert! Mal sehen, wann es dann wohl für die Kinder in meinem Projekt ein neues deutsches Gesicht gibt…

Juigalpa

Eine von vielen steilen Straßen

 

 

 

… wie geht die Arbeit im Projekt voran?

In den letzten Wochen merke ich wie sehr das Heim für mich mein zweites Zuhause geworden ist und auch das Umfeld mir sehr vertraut wird. Mittwochs begleite ich die Mädchen immer um 6.30 Uhr in die Messe und heute wurde ich sogar in den Fürbitten von Priester erwähnt, was mir ehrlichgesagt in diesem Moment sehr unangenehm war, da ich nie daran gedacht habe, dass nicht nur für die Kinder, die ich unterstütze, sondern auch für mich gebetet wird. Natürlich habe ich mich in diesem Moment auch sehr gefreut mit ins Gebet genommen zu werden und Dankbarkeit für mein Dasein zu erhalten!

Außerdem laufen momentan viele Vorbereitungen für den kommenden Monat, in dem mich ein viel stressiger Alltag einholen wird, da in zwei Wochen hier die großen Sonmerferien anfangen werden. Dann werden wir vierundzwanzig Stunden die Mädchen im Heim haben, keine Hausaufgaben und auch keine Bügelstunde für die Uniform etc. Derzeit sammle ich viele Bastelideen, um besonders mit Recyceltem Material zu arbeiten. Die Ergebnisse werde ich euch dann in den nächsten Wochen präsentieren!

Dass ich im Heim Madre Albertina meinen Alltag gefunden habe merke ich auch daran, dass die Mädchen ein engere Bindung zu mir gewonnen haben. Kleinigkeiten sind es die mir zeigen, dass ich mittlerweile auch für sie Teil der „Familie“ geworden bin. Besonders freue ich mich, dass ich Firmpatin sein werde von einem Mädchen! Genauer berichte ich dann wenn es so weit ist.

Wie jeden Monat wurden auch für Oktober die Mädchen prämiert, die sich gut benommen haben. Deshalb ging es nach Rivas, um dort zunächst einen Pilgerort zu besuchen und danach fuhren wir in die Stadt und konnten den Nachmittag zusammen genießen. Immer mehr lerne ich von den Kindern, dass jeder Moment schön sein kann, solange du dich glücklich machst. Einfach nur an das Positive zu denken und dass was einen stört nicht allzu sehr zu gewichten habe ich in dieser Zeit definitiv gelernt! Besonders die Rückfahrt mit den drei Jugendlichen wurde sehr witzig. Zwar war es schon dunkel und wir mussten draußen auf der Transportfläche die lange Fahrt verbringen, aber wir haben uns mit Singen und Tanzen beschäftigt. Während also drei gesungen haben musste eine die Hüfte schwingen. Das zeigt wie normal diese Kinder sind und nicht vielmehr als ein bisschen Freiraum brauchen, um Spaß zu haben.

 

Die Aussicht auf den Volkan Concepcion

Auf dem Weg nach Rivas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich melde mich schon bald wieder und wüncshe euch ein frohes Martinsfest

Eure Sandra