Alles Friede, Freude, manjar blanco?

Donnerstag, 02. März 2017 von Julia Wolf

„Mir geht es super! Peru ist ein wunderschönes Land und mir geht es viel besser als ich erwartet habe.“ Das oder so in der Art ist meine gewöhnliche Antwort auf die Frage, wie es mir hier in Cajamarca geht. Das schon mehr Zeit hinter mir liegt, als vor mir, macht mich vor allem traurig. Aber natürlich ist hier nicht alles perfekt. Heute will ich über 10 Probleme meinerseits oder in Cajamarca allgemein schreiben. Einige sind nicht ganz ernst gemeint, aber ein bisschen grinsen is ja auch gesund:).

  1. Wasserknappheit

Die Sorgen für das Jahr 2017 sind vorprogrammiert. Denn in den normalerweise regenreichen Monaten wie September, August, Oktober, November, Dezember und Januar gab es kaum Niederschlag. Die Lebensmittelpreise, zum Beispiel für Kartoffeln, werden, bedingt durch Ernteausfälle, stark ansteigen. In den letzten Monaten hatten die Behörden starke Waldbrände zu bekämpfen, Familien fehlt das Wasser zum Essen kochen, waschen, zum Leben. Man wird aufgefordert kürzer zu duschen, weil der Wasserpreis um 10% steigen wird. Ehrlich gesagt, wenn ich, jemand aus Deutschland natürlich, höre, der mir erzählt, er hat gebadet, finde ich das inzwischen ziemlich unwirklich.

  1. Meine Gröẞe

Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass ich mit meinen 1,76 m gröẞer bin, als die Durchschnittsfrau in Peru (1,51m). Aber leider ist auch der typische peruanische Mann nur 1,64 m groẞ. Das führt zu einigen Schwierigkeiten: zum Beispiel schlafen mir im Bus regelmäẞig meine eingequetschten Beine ein. Beim Aussteigen stoẞe ich mir meinen Kopf an der Decke an. Ganz schlimm ist es aber, wenn ich keinen Sitzplatz bekomme. Dann stehe ich verkrüppelt im Bus und mir schmerzt danach mein ganzer Rücken. Zum Glück ist Cajamarca nicht so groẞ, den Groẞteil meiner Wege kann ich also zu Fuẞ zurücklegen. Aber natürlich bekomme ich auf der Straẞe ziemlch viel Aufmerksamkeit. Die Leute errinern sich an mich, weil ich weiẞ und riesig bin. Dass ich ja bis zum Himmel reiche habe ich auch schon gehört. In Cajamarca selbst habe ich inzwischen 3 Männer gesehen, die ungefähr so groẞ waren wie ich.

  1. Unterernährung

Kinder mit aufgeblähtem Hungerbauch sieht man hier so gut wie gar nicht. Aber das bedeutet leider nicht, dass sie nicht an Hunger leiden. Sie bekommen zwar genug zu essen, es fehlt aber an Nährstoffen durch Gemüse, Fleisch oder auch Fisch. Das verursacht einige Krankheiten, aber vor allem wachsen sie nicht richtig, sind immer müde und können sich schlecht konzentrieren. Viele Kinder leiden auch an Parasiten im Bauch und sind deshalb unterernährt. Auf 380 Millionen Kinder wird die Zahl der Kinder geschätzt, die nicht ausreichend Nährstoffe erhalten. Diese Unterernährung wird sie ihr ganzes Leben lang begleiten und sie daran hindern ihr eigentliches Potenzial zu entfalten.

  1. Gewalt

Mit Gewalt meine ich hier nicht Kriminalitat oder Gewalt in den Straßen, nein ich spreche von häuslicher Gewalt. Laut Frauenministerin Ana María Romero-Lozada hat Peru weltweit den dritthöchsten Wert bei gewaltsamen Übergriffen auf Frauen. Pro Monat werden ca. 10 Frauen durch ihre eigenen Männer getötet. Diese Zahl ist für mich schwer zu fassen und kaum vorstellbar, dass das nur die Ziffer für Ermordungen ist, die Körperverletzungen ausgenommen. Wenn ich meine Freunde oder Kollegen aus dem Projekt frage, warum das so ist, begründen diese es mit der Machokultur in ihrem Land. Mir ist auch schon aufgefallen, dass bei solchen Vorfällen häufig nur die Frau bemitleidet wird, dass der Mann beschuldigt wird, ist selten. Sie werden zwar meistens schon gerichtlich verurteil, aber die Moral, die Strafe der Gesellschaft fehlt. Das ist meine persönliche Wahrnehmung, die wahren Gründe können ganz andere sein. Und auch Kinder leiden an häuslicher Gewalt. Ich saß letztens mit einem ungefähr 9 jährigem Jungen an seinen Hausaufgaben. Wir waren fast fertig, als es Zeit nach Hause zu gehen war und die Glocke klingelte. Ich meinte, dass wir seine Aufgaben noch schnell beenden konnten, er aber packte schnell seine Sachen zusammen, entschuldigte sich, denn wenn er zu spät nach hause kommt, würde sein Vater ihn schlagen. Und das sind keine Popoklapser, sondern richtige Schläge, unter anderem auch mit dem Gürtel. Auch Lehrer sind teilweise noch gewalttätig, auch wenn das inzwischen verboten ist.

  1. Mein schlechtes Gewissen

Letztens haben wir mit den Kindern MICANTOs einen Ausflug zum reichsten College in Cajamarca gemacht. Es war ein schöner Tag, alle waren ziemlich aufgeregt und fröhlich. Sie wurden mit offenen Armen empfangen, es wurde zusammen gespielt und am Ende haben sie sogar Geschenke bekommen. Die Kinder haben sich riesig gefreut, es waren Süßigkeiten und Getränke dabei, die sie davor noch nicht gekannt haben. Ich allerdings war wütend und traurig. Warum geben die Reichsten aus Cajamarca denn nicht mehr ab? Warum nur billige Süẞigkeiten in Plastiktüten, wenn sie mehr geben könnten, ohne das es ihnen schaden würde? Und schnell wurde mir bewusst, wenn ich ihnen diesen Vorwurf mache, muss ich ihn mir auch selber machen. Wieso fällt es uns so schwer zu teilen? Warum haben wir immer Angst schlechter dazu stehen? Woher kommt dieser Wunsch möglichst reich zu sein? Warum häufen wir Dinge an, die wir überhaupt nicht brauchen? Warum interessieren uns die Arbeitsbedingungen nicht, solange unsere Kleidung nur billig ist?  Sind wir wirklich benachteiligt, nur weil wir kein iPhone besitzten?

  1. Straẞenhunde

Jeden Tag auf meinem Arbeitsweg habe ich Todesangst. Nicht wegen Raubüberfallen oder Diebstählen, sondern wegen Hunden. Als ich anfangs gefragt wurde, ob ich Angst vor Hunden habe, habe ich immer noch ganz mutig verneint. Aber da wusste ich auch noch nicht, dass es einen Unterschied zwischen peruanischen Straẞenhunden und deutschen Haustierhunden gibt. Umzingelt von 5 laut bellenden Monstern klopft einem das Herz nämlich ganz schön, während man überlegt, was man alles in seinem Leben eigentlich noch machen wollte, bevor man von Hunden zerfleischt wird. Und alle die mich jetzt auslachen: kommt nur mal her und lasst euch mal anknurren, dann versteht ihr was ich meine. Übrigens ist meine Angst nicht unbegründet, fast alle Einheimischen haben ungefähr genauso viel Angst wie ich, viele können dir auch eine Narbe zeigen, natürlich von einem Hundebiss.

  1. Fehlende staatliche Unterstützung

Mir fällt oft auf, dass MICANTO viele verschiedene Institutionen in einer ist. Die Kinder kommen her, um ihre Hausaufgaben zu machen und sich für Prüfungen vorzubereiten. Aber auch um sich ihre Herzen auszuschütten, wenn es daheim gekracht hat. Sie kommen um Spaẞ zu haben und mit anderen Kindern zu spielen. Aber es wird sich auch um Kinder gekümmert, die keine Papiere haben und nicht registriert sind. Kinder, die nicht zur Schule gehen, weil sie kein Geld fur die Aufnahme haben, oder mit 10 noch nicht lesen oder schreiben können und Kinder, die in schwierigen Verhältissen leben, Waisen oder Halbwaisen sind. Um diese Fälle kümmert sich MICANTO, ohne vom Staat unterstützt zu werden. Aber es fehlen hier eben funktionierende Jugendämter, Horte, Förderschulen und Anlaufstellen, die Kinder in Not auffangen und ihnen helfen vorwärts zu gehen. Ich hoffe ihr versteht was ich meine, ich weiß, dass es auch in Deutschland Leid und Armut gibt, dass es eine Vielzahl an Problemen zu bekämfen gilt, aber wir sollten uns mehr umschauen, über den Tellerrand blicken und dankbar für unser Sozialsystem sein.

  1. Schulsystem

Fragt man meine Kollegen im Projekt nach dem peruanischen Schulsystem, können die Reaktionen teilweise heftig ausfallen. Bemängelt wird vor allem die hohen Kosten für einen Schulbesuch. Gezahlt werden muss nicht nur eine Gebühr zur Einschreibung, sondern auch die Uniform, die Schulutensilien und der Schulweg. Fallen die Kosten für den Weg nicht an, kann man sich sehr glücklich schätzen, denn dass bedeutet, dass man einen Platz in der nächst gelegenen Schule bekommen hat. Es passiert tatsächlich, dass Schulen wegen Überfüllung niemand mehr aufnehmen und das gar nicht selten. Hat man einen Platz bekommen, werden die Kinder in riesigen Klassen von 30 und mehr unterrichtet. Schüler, die das Tempo nicht mithalten werden ausgeschlossen, eine Förderung für Schlechtere gibt es nicht. Und wer durchfällt hat wenig Chancen auf einen Schulplatz. Es kann also passieren, dass ein Kind von 13 Jahren vor dir steht, dass weder lesen noch schreiben kann, weil es keinen Schulplatz mehr bekommt.

  1. Zurüchkehren

Es ist für mich inzwischen unvorstellbar, wieder nach Deutschland zu kommen. Natürlich freue ich mich auf meine Familie, Freunde, auf Menschen, die mich schon ewig kennen. Ich freue mich, auf der Straße nicht mehr aufzufallen und auf einen guten bayrischen Schweinebraten. Aber hier alles zurücklassen und in mein Luxusleben zurückkehren? Warm aus der Leitung fließendes Wasser als das normalste auf der Welt anzusehen? In einem isolierten Haus zu sitzen, ohne an tausende Kinder zu denken, die gerade frieren? Essen zu kaufen, ohne an Menschen zu denken, die heute nichts haben werden? Zum Arzt zu gehen, ohne an jene zu denken, denn es viel schlechter geht, aber kein Geld für den Besuch haben?

  1. Peru geht es nicht am schlechtesten

Ich würde mir gerne einreden, dass es keine Menschen gibt, denen es schlechter geht, als die ich hier sehe. Aber Peru ist ein aufsteigendes Land, mit zuletzt starker Wirtschaftsleistung, auch wenn das nur langsam bei der Bevölkerung ankommt. Aber die meisten  Kinder haben genug zu Essen, sie können lesen und schreiben, gehen zur Schule und haben durchaus Aufstiegschancen. Sie haben zwar mit Unterernährung und verschiedenen anderen Erkrankungen zu kämpfen, aber akut lebensbedrohliche Umstände sind selten. Und trotzdem sehe ich so viel Leid und Schmerz, soviel Hoffnungslosigkeit und Armut, dass es mir das Herz zerreist. Eine ganze Familie lebt in einem Zimmer, mit unsicherer Stromverbindung und nur kaltem Wasser, das noch dazu sehr oft ausgeht. Krankheiten bleiben unentdeckt weil kein Geld für einen Arztbesuch da ist. Kinder sind nicht offiziell registriert, von den Eltern verlassen, von der Tante verachtet. Hunderte “Häuser”, vielleicht ist das bessere Wort Lehmhütten, sind jedes Jahr vor Fluten und plötzlichen starken Regenfällen gefährdet, was ganze Familien obdachlos machen würde. Und da soll es noch so viel mehr schlechter gehen? Ich kann und will es mir nicht vorstellen.

Trotz all diesen Problemen bleibe ich dabei: Peru ist ein wunderschönes Land, ich fühle mich unendlich wohl. Ein Stück Herz werde ich hier lassen. Und jetzt denke ich nicht mehr an meinen Abschied, mir bleibt ja noch die Hälfte!

Ganz liebe Grüße,

Julia

 

Die wahrscheinlich wichtigste Sache der Welt

Montag, 30. Januar 2017 von Julia Wolf

Nun, wer sich einen philosophisch angehauchten Beitrag erhofft, der muss leider wo anders suchen. Denn heute geht es um, zumindest für mich, die wahrscheinlich wichtigste Sache der Welt: Essen. Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht, aber wer mich kennt, der weiß: ich esse gern, ich esse viel und bin dabei nicht ganz einfach, mich als wählerisch zu bezeichen ist noch ziemlich wohlwollend. Aber ich glaube, mit meinem Essverhalten bin ich nur in die falsche Kultur hineingeboren, denn  hier in Cajamarca esse ich fast alles, was auf den Tisch kommt unglaublich gerne.

Yuca - Maniok

Ganz allgemein gibt es zu jedem Mittag Reis. Ein Freund von mir hat mal gesagt: „Ein Essen ohne Reis ist kein Essen“. Und diese Einstellung merkt man auch. Selbst in den wenigen Fällen, in denen es mal Nudeln gibt, wünschen sich die Peruaner Reis dazu. Für mich unvorstellbar, aber zum Glück ist der Reis lecker und ich hab mich inzwischen gut daran gewöhnt. Ungefähr jeden zweiten Tag in der Woche gibt es dann zum Reis Kartoffeln und Hühnchen. Die anderen Tage wird variiert: Reis mit Süßkartoffel (viel leckerer als in Deutschland) und Hähnchen, Reis mit Linsen (auch besser) und Hähnchen, Reis mit Erbsen (leider nicht besser) und Hähnchen.  Und Yuca, Maniok, ist auch sehr zu empfehlen, gibt es auch mal, natürlich mit Reis und Hähnchen;)

Selten gibt es auch mal anderes Fleisch, zum Beispiel Ente, ganz selten Schwein. Aber Fisch wird hier auch öfters in der Woche zubereitet. Und weil immer welche Fragen: Meerschweinchen habe ich schon gegessen. Ich finde das schmeckt ganz gut, aber für mich nicht unglaublich besonders. Auch Ceviche (roher Fisch eingelegt in eine Limonensauce) ist gut, aber ich brauche es nicht jeden Tag.

Und wenn wir schon bei den Spezialitäten sind, erzähle ich euch noch von meinen Lieblingsspeisen:

Arroz chaufa

Arroz chaufa: Ein peruanisch – japanisches Reisgericht, bestehend aus Reis (arroz), Hühnchen, Frühlingszwiebeln, Lauch und Sojasoße, alles angebraten und vermischt

Aji de Gallina: Kommt dem Deutschen Hühnerfrikasse sehr nahe, schmeckt super lecker und vor allem ist es schärfer


Alles mit Camote oder Yuca: Camote ist die Süßkartoffel und wie ich schon sagte, viel besser als die deutsche und meiner Meinung nach nicht zu vergleichen. Vielleicht habe ich aber auch die falsche in Deutschland probiert, das kann natürlich sein. Yuca kannte ich davor nicht, der deutsche Name ist Maniok. Insgesamt gibt es hier sehr viele verschiedene Kartoffelsorten, die auch sehr viel besser sein können, als die gelbe Kartoffel, die auch bei uns bekannt ist

Aber das allerbeste, dass es hier gibt und in Deutschland nicht, ist manjar  blanco. Das ist Milch und Zucker verkocht, bis eine cremeartige Konsistenz entsteht. Die Peruaner benutzen das als Brotaufstrich, als Kuchenfüllung aber auch als Verfeinerung von jedlichem Gebäck. Alfajores de maizena sind zum Beispiel kleine Kekse aus Maismehl übereinandergelegt und mit manjar blanco gefüllt. Super lecker, ich kann davon unendlich essen.

alfajores aus Maismehl mit manjar blanco

Alfajores aus Maismehl mit manjar blanco

Zu den Früchten kann ich leider nicht viel sagen, die schmecken mir auch hier nicht. Aber die anderen Freiwilligen lieben sie und ich habe gehört sie sind ziemlich billig. Wenn man in der Mangozeit (um Weihnachten) ein Schnäppchen macht, kauft man 5 Mangos für 1 Sol (28ct.). Ich gebe diesen Sol eher für ein Kilo Äpfel aus, die schmecken gleich.

Insgesamt kann man hier sehr günstig essen gehen, für 4 Soles (1,12€) bekommt man schon ein gutes Mittagessen, natürlich ist das dann kein Luxusmahl, aber auf jeden Fall ausreichend und mit reichlich Reis natürlich.

Nun zum Schluss bleibt mir noch zu sagen, ich hoffe mir passen meine Hosen im August noch, denn das Essen ist köstlich und es wird schwer, Hosen zu finden, weil ich 20 cm über der Durchschnittsgröße einer peruanischen Frau liege (ca. 1,51m, ich bin 1,76m). Aber bis es soweit ist genieße ich Arroz, papa y pollo, also Reis mit Kartoffeln und Hähnchen:)

Liebe Grüße aus Cajamarca und guten Appetit,

Julia Wolf

 

Weihnachten – und was fehlt ist Sonnenschutz

Sonntag, 01. Januar 2017 von Julia Wolf

WeihnachtenZu Reflexion waren noch nicht alle da;) – feiert man rund um die Welt – aber immer anders. Wie das Weihnachtsfest in Cajamarca aussehen kann, dass möchte ich euch heute erzählen.

Am 17. Dezember wurde die Geburt Jesu in meinem Projekt „MICANTO“ gefeiert. Schon am Tag davor wurde geschmückt, geputzt und geübt, dass dann auch alles klappt. Geplant war um 9 Uhr zu beginnen, tatsächlich wurde es dann aber ungefähr eine halbe Stunde später, fast pünktlich;)

Alle (ungefähr 160 Kinder, wenige Mütter und 30 Gruppenleiter) versammelten sich und reflektierten zusammen, was Weihnachten für sie bedeutet. Ich war zu der Zeit noch damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen zu beenden, deswegen kann ich euch dazu leider nichts näheres berichten.

Danach ging es auf die Wiese und jede Gruppe durfte etwas Einstudiertes präsentieren. Tänze, Lieder oder Texte wurden vorgetragen und es kamen sogar Maria und Josef vorbei, um bei den Gruppen Unterschlupf zu suchen. Aber wie wir alle wissen war nur noch der Stall frei…
Als kleine Geschenke bekamen die Kinder Tüten mit Süßigkeiten und ein Stück Panetón, das traditionelle Weihnachtsgebäck, das sehr stark an Weihnachtsstollen erinnert. Außerdem wurde heiße Schokolade dazu serviert, das typische Getränk hier an Weihnachten, das sehr lecker ist. Ein Großteil wurde an MICANTO von örtlichen Firmen gespendet, sie haben den Kindern damit eine große Freude gemacht.
Pech war allerdings, dass die Sonne an diesem Tag unglaublich stark geschienen hat. Die ist auf 2900m deutlich intensiver und ich hatte zeitweise das Gefühl, dass mir gleich mein Körper verbrennt. Deswegen haben alle Kinder Schattenplätze gesucht, was bei einer fast senkrecht stehenden Sonne schwierig ist.

Aber es war trotzdem ein schönes Fest, die glücklichen Kinderaugen machen vieles wett und außerdem habe ich auch eine Tasse heiße Schokolade bekommen;)
In meiner Familie haben wir in der Nacht von 24. auf 25.12. gefeiert, denn hier wird erst um Mitternacht das Kind in die aufgebaute Krippe gelegt. Um 20.00 Uhr wollten wir eigentlich in die Kirche gehen, da mein Gastbruder traditionell getanzt hat. Allerdings war diese überfüllt und wir haben nichts gesehen. So gegen 22.00 Uhr gab es dann das Adendessen. Meine Gastmutter hat Ente zubereitet, sehr lecker, auf offenem Feuer gekocht. Normalerweise essen die Peruaner zu Weihnachten Truthahn, in meiner Gastfamilie schmeckt der aber keinem. Dazu gibt es wieder Panetón, Brot, kleine Kekse und heiße Schokolade, es wird also süß und salzig gemischt. Bis 24.00 Uhr haben wir dann noch Filme (Kevin allein in New York) angeschaut und kurz nach Mitternacht habe ich dann meine Geschenke verteilt, die mir meine Familie (Dankeschön!) geschickt hatte. Zwar hatten die Kinder schon Spielsachen bekommen, aber das ich auch was für die Erwachsenen hatte, war dann doch ungewöhnlich. Auch sie haben sich sehr gefreut über die Kleinigkeiten.

Ein Gruppenbild

Ehrlich gesagt haben mich dann die Weihnachtsgrüße, die mich durch das Internet erreicht haben nachdenklich gemacht. Ist “Lasst euch reichlich beschenken” der passende Weihnachtsgruß? Warum gibt es zu Weihnachten die größten Geschenke? Das beste Bild ist der Weihnachtsbaum, mit gefühlt unendlichen Geschenken?

Versteht mich nicht falsch, ich verurteile niemand, bin ja selber ein Teil dieser Gesellschaft. Aber was zählt zu Weihnachten wirklich? Und haben wir nicht schon längst alles Materielle was wir brauchen?

Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und ruhige, erholsame Tage. Ich wünsche euch einen gutes, glückliches neue Jahr 2017, vergesst die Welt um euch herum nicht!

Liebe Grüße aus der Ferne,

Julia

 

100 Dinge die ich in 100 Tagen gelernt habe

Montag, 14. November 2016 von Julia Wolf

1. Eine Waschmaschine ist Luxus
2. Eine warme Dusche ist Luxus
3. Über das Wetter redet man immer gern
4. Es ist schade, nur wegen seiner Hautfarbe anders behandelt zu werden
5. Essen kann auch in anderen Ländern sehr gut sein
6. Peruaner essen am Liebsten ohne Messer
7. Dein Geburtsort ist zufällig, die kannst ihn nicht ändern und auch nicht beeinflussen
8. Ich hatte eine unglaublich gl
ückliche Kindheit
9. Krank sein ist bl
öd, aber wenn es Leute gibt, die sich um einen kümmern, ist es halb so schlimm
10. Gemüse, mit viel Reis vermischt, kann ich schon mal mitessen
11. Hier gibt es Gemüsesorten, die mir richtig gut schmecken
12. Bananen aber sind auch hier richtig eklig
13. Menschen sind ähnlicher als sie scheinen
14. Auch mit 1,76 Meter kann man sich schon wie ein Riese vorkommen
15. Man kann sich mehr als an einem Ort zuhause f
ühlen
16. Die ersten Monate in einem fremden Land, mit anderem Essen, anderem Klima und anderen Umständen, sind sehr spannend und sehr anstrengend
17. Straßenhunde sind unglaublich angsteinfl
ößend
18. Auf 2700m zu leben braucht eine Eingewöhnungsphase
19. Linsen sind richtig gut
20. Ein Mittagessen ohne Reis ist kein Essen
21. Eine Sprache zu lernen erfordert Zeit und Geduld
22. Wasser ist unglaublich kostbar
23. Auch Strom sollte man zu schätzen wissen
24. Isolierte H
äuser sind praktisch
25. Deutschland ist ein extrem reiches Land
26. Verkehr kann auch ohne Ampeln funktionieren (zumindest mehr oder weniger:)
27. Fußgängerampeln sind trotzdem nützlich
28. Ein Deutscher kann das Bild eines ganzen Landes prägen
29. Jede Generalisation ist falsch, einschließlich diese (Henry David Thoreau)
30. Mach deine eigene Erfahrungen und sei dir bewusst, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt oder einem anderen Ort ganz anders sein könnten
31. Fisch kann besser sein als Fleisch
32. Mich an eine andere W
ährung zu gewöhnen, fällt schwerer als gedacht
33. Sei ehrlich zu deinen Mitmenschen, genauso wie auch zu dir selbst
34. Nimm dir auch mal Zeit für dich
35. Stricken macht Spaß
36. Mais kann auch lecker sein
37. Umweltschutz lohnt sich
38. Unbebaute, scheinbar unendliche Weiten sind beeindruckend
39. Reisetabletten sind hilfreich, selbst wenn sie nur Placebo sein sollten
40. Nur weil jemand seine Jacke im Haus an hat, bedeutet es nicht, dass er gleich geht
41. Sprich mit den Menschen, wenn es dir nicht gut geht
42. Es gibt sehr viele verschiedene, leckere Sorten von Kartoffeln
43. In ein 5-Mann Taxi passen auch 10 Leute rein
44. Taschentücher sind nützlich
45. Prioritäten können sich verschieben
46. Einfach „ja“ sagen und hoffen, dass es keine Frage war, klappt nicht immer
47. Hinterfrage Einstellungen, vor allem deine eigene
48. Kinder sind intelligente Wesen
49. Erwarte nicht zu viel von dir
50. Fahrrad fahren macht mir auch in Peru keinen Spaß, noch weniger auf 2700m
51. Nutella ist nicht unersetzbar
52. Harry Potter ist wahrscheinlich überall beliebt
53. Sei dankbar für deine Krankenversicherung
54. Ohne Messer essen ist richtig schwer
55. Einen ersten Geburtstag kann man auch richtig groß feiern
56. Das kleine 1×1
57. Schnell im Kopf rechen
58. Castingsshows anzuschauen finde ich unglaublich langweilig
59. Das spanische Vater Unser
60. Hausschuhe braucht man nicht unbedingt, schön warm sind sie trotzdem
61. Was für mich ein Abenteuer ist, ist für andere Alltag
62. Ich bin extrem priviligiert
63. Du kannst nicht die ganze Welt retten, das Lächeln eines Kindes ist schon viel Wert
64. Zwiespältige Gefühle sind unglaublich unangenehm
65. Die peruanische Süßkartoffeln (chamote) ist richtig lecker
66. Die 5 Soles Münze aus 2011 halten alle für gefälscht, tatsächlich ist das aber nur ein Gerücht
67. Es ist unglaublich nützlich die englische Sprache zu beherrschen
68. Die Zeit vergeht extrem schnell
69. Es ist ein komisches Gefühl, befristet in einem Land zu leben
70. Ich bin abhänig von Schokolade
71. Wir Deutsche sollten bewusster leben und vor allem dankbarer sein
72. Spinat wächst nicht tiefgefroren, quadratisch zusammengepresst, sondern gleicht ein bisschen dem Löwenzahn
73. Eine Kuh auf der Straße ist nichts ausergewöhnliches
74. Es ist ein heimiges Gefühl, wenn die Leute dich auf deinem Arbeitsweg erkennen
75. Der Straßenverkäufer ist ziemlich nett
76. Menschen, die sich ehrlich um dich kümmern und sich um dich sorgen, sind sehr viel Wert
77. Alkohol ist eine Droge und wird überall unterschätzt
78. Auch auf Hühner auf dem Dach kann man sich gewöhnen
79. Ich vermisse weniger als gedacht, nur ne Aufbackpizza wäre mal wieder lecker:)
80. Internet war ne coole Erfindung
81. Gibts nur eine kalte Dusche, muss man nicht mehr jeden Tag duschen
82. Es ist ein Privileg, wenn man nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss
83. Bist du gesund, oder kannst dir eine ärtzliche Behandlung leisten, dann sei sehr dankbar
84. Mir gefällt mein Leben in Peru
85. Mein Magen hält erstaunlich viel aus, strapaziere ihn aber nicht zu sehr
86. Mundhygiene ist sehr wichtig
87. Es fühlt sich gut an, etwas Nützliches zu machen
88. Eine 6-Tage Woche ist hier normal, meistens ist nur der Sonntag frei
89. Die vielen kleinen Tante-Emma Läden in den Häusern sind praktisch und haben teilweise sehr lange
offen
90. Auch ein Qualifikationsspiel kann man sehr ernst nehmen
91. Mit zwei Kleinkindern zusammenzuleben kann anstrengend sein
92. Eine 20-Jährige Mutter ist nichts ungewöhnliches
93. Eine 25- Jährige Frau, die keine Kinder hat, ist etwas ungewöhnliches
94. Die Kindheit prägt uns, die Art des Denkens zu verändern ist schwierig
95. Mit Jogginghose zur Arbeit zu kommen kann ganz normal sein, ich habe trotzdem immer Jeans an
(zumindest bis jetzt)
96. Claudio Pizarro ist Peruaner und spielt bei Werder Bremen
97. Bayern München ist ziemlich bekannt
98. Jeder Deutsche trinkt Bier schon zum Frühstück;)
99. Zum Zahnartzt geht wohl kein KInd gern
100. Mir bleibt noch viel zu lernen

 

MICANTO – ein drittes Zuhause?

Donnerstag, 03. November 2016 von Julia Wolf

Wo arbeitest du eigentlich in Peru? Eine häufig gestellte Frage und deswegen möchte ich euch heute mal mein Projekt vorstellen. Der Name „MICANTO – José Obrero“ setzt sich aus den Wörtern Movimiento Internacional Cristiano de adolescentes, niñas y niños organizados zusammen. Übersetzt: internationale christliche Bewegung für arbeitende Kinder und Jugendliche. José Obrero ist der Name des Heiligen Josef, ebenfalls ein Arbeiter.

Zu Beginn will ich betonen, dass ich noch lang nicht alles gesehen oder verstanden habe. In viele Bereiche habe ich kurze, schöne Einblicke erhalten, aber eben noch nicht mehr. Ich freue mich darauf MICANTO, seine Arbeit, die Mitarbeiter und die Kinder besser und intensiver kennen lernen zu dürfen.

Mein bisheriger Arbeitsbereich ist zurzeit das sogenannte „Reforzamiento“, also die Unterstützung bei den Hausaufgaben der Kinder. Je nach Klassenstufe sind ungefähr 35 Kinder in 3 Räume aufgeteilt. Sie kommen um 3 Uhr um ihre „Tareas“ zu erledigen und zu üben. Was wie ein Hort klingt, ist für die meisten Kinder noch mehr. Einige Eltern können weder lesen noch schreiben. Schon die einfachsten Rechenaufgaben überfordert sie. In MICANTO haben die Kinder die Chance, Hilfe zu bekommen und so ihre Lebenssituation langfristig zu verbessern. Außerdem wird hier mit den Kindern geübt und ihre Schwächen, teilweis im Austausch mit ihren Lehrern, gezielt trainiert.

Auch Feste werden zusammen gefeiert, zum Beispiel der Tag des Mädchens am 11. Oktober, oder gerade wird für den „Tag des Kindes“ geplant.
Des Weiteren wird auch versucht, die Gesundheit der Kinder zu verbessern. Vom obligatorischem Hände waschen, Vorträge über die richtige Ernährung von Kindern für die Mütter, hinzu kostenlose Zahnpasta, wird vieles umgesetzt.
Auch Samstags ist was los bei MICANTO. Nachmittags treffen sich 11 Kleingruppen mit jeweils 5-15 Kindern. Diese Gruppen, jeweils geleitet von 2 freiwilligen Mitarbeitern, Studenten aus Cajamarca, begleiten die Kinder und sind wie eine zweite Familie. Hier wird beispielsweise gelernt, wie man sich richtig ernährt. Sie lernen ihre Rechte kennen und habe zusammen auch jede Menge Spaß. Viele Kinder aus den Gruppe kommen aus kaputten, zerrütteten Familien. Oft erleben/ erlebten sie Gewalt gegen sich selbst oder in ihrem nahem Umfeld und müssen Arbeiten gehen, meistens unbezahlt. Ich saß schon einem kleinen Jungen gegenüber, der nicht mehr wusste, als seinen Namen. Er wohnt bei seiner Tante, ist nicht offiziell registriert, wahrscheinlich ungefähr 7 Jahre alt und hat noch nie eine Schule besucht. Ehrlich gesagt, kam ich mir ziemlich hilflos vor und seine Geschichte lässt mich nicht los. MICANTO versucht, a
lle Kinder da abzuholen, wo sie sind, um sie zu fördern und ihre Lebenssituation zu verbessern. Das Ziel ist dabei, die Kinder bei ihrer Entwicklung zu eigenständigen, selbstbewussten und kritischen Menschen zu unterstützen und so die Gesellschaft zu verändern. Bei all den Schwierigkeiten, schon das Lachen der Kinder in diesen zwei unbeschwerten Stunden in der Woche, sind alle Bemühungen wert.

Ich hoffe euch hat die kleine Zusammenfassung gefallen, ich könnte noch sehr viel mehr schreiben!

Wer noch mehr Bilder sehen möchte, oder die spanische Sprache beherrscht, kann gerne die Webseite besuchen: http://micanto.weebly.com/

Und zum Schluss bleibt nur zu sagen: ich bin sehr froh hier gelandet zu sein, unglaublich nette Menschen, sehr liebe Kinder, wertvolle Arbeit, kurzum ein tolles Projekt!

Bis bald,
Julia

 

Angekommen in Cajamarca

Samstag, 01. Oktober 2016 von Julia Wolf

6 Wochen- hören sich lang an und sind doch so schnell vergangen. Der erste Monat in Cajamarca war sehr schön und mir geht es wirklich gut!

Angekommen nach einer langen Busfahrt, empfangen von sehr lieben Menschen( 2 weitere deutsche Freiwillige, Dianira und Chana aus meinem Projekt und meiner Gastmutter) und später kamen auch noch von Kinder aus MICANTO dazu. Die erste Woche habe ich mit Sightseeing verbracht, mit immer unterschiedlichen Leuten. Inzwischen kann ich sagen, dass mir die Stadt und ihr Umfeld wirklich sehr gut gefallen. Nicht so groß und laut wie Lima, nicht so klein und still wie meine Heimatstadt.

Langsam wird auch mein Arbeitstag in MICANTO alltäglicher. Da die Kinder nur nachmittags kommen, geht es morgens um 9 Uhr ruhig los. Teambesprechung am Freitag, Dienstag und Donnerstag immer unterschiedliche Dinge, wie Zimmer aufräumen, einzelnen Kindern bei Bastelarbeiten helfen, oder andere anfallende Sachen erledigen. So gegen halb eins gehe ich dann nach Hause zum Essen. Meine Gastmutter kocht richtig gut. Ich habe schon viele neue Lieblingsessen:). Nach der Mittagspause laufe ich 10 Minuten zurück zu meinem Projekt und helfe den Kindern bei ihren Hausaufgaben, so gut das eben, mit meinem inzwischen schon verbesserten Spanisch, geht. 3 Stunden später sind (hoffentlich) alle für den nächsten Schultag gut vorbereitet und in MICANTO kehrt wieder Ruhe ein. Um 7 Uhr mache auch ich mich auf den Heimweg, immer in Begleitung, weil es zu dieser Zeit schon dunkel ist. Nach dem Abendessen (meist Brot mit Tee, besser, als es sich anhört) schaue ich noch mit meinen Gastschwestern und -mutter fern. Meistens gehe aber schon sehr früh ins Bett:)

An die Höhe habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt. Man braucht aber auf jeden Fall ein paar Tage! Das Wetter hier ist für mich perfekt, morgens und abends ziemlich kalt, tagsüber angenehm warm.

Jeden Tag falle ich todmüde in mein Bett, voller Vorfreude und Neugier, denn es warten noch jeden Tag viele Überraschungen auf mich!

Ich wünsche euch einen schönen Herbst ,bei mir wird es jetzt erstmal Frühling:)

Liebe Grüße aus der Ferne,

Julia

 

Lima, CIMA und das Klima

Donnerstag, 01. September 2016 von Julia Wolf

Endlich ist es soweit, ich bin in Peru angekommen! Die ersten 2 Wochen in Lima, eigentlich in Cineguilla, 2 Stunden Busfahrt vom Zentrum entfernt, sind schon wieder vorbei.

Mit Friedrich, einem anderen KMW/Missio Freiwilligen, habe ich in einem Jugenprojekt gewohnt, dass zurzeit das Zuhause von 76 Jungen ist, die entweder von der Strasse kommen und/oder nicht in ihren Familien leben koennen, aufgrund von Alkohol- und Drogenmissbrauchs oder Gewalt. CIMA bietet ihnen ein Dach ueber dem Kopf, ausreichend Essen und vor allem Beschaeftigung. Wer genaueres lesen moechte, auf der Webseite http://www.hogarcima.org/de/das-kinderheim/ gibt es ganz viele Informationen, sogar auf deutsch:)

Der Tag in CIMA beginnt um 6.10 Uhr (!) mit einer Morgenandacht. Dabei wird ein Text aus der Bibel vorgelesen, eine kurze Predigt gehalten und gemeinsam gebetet. Zum Schluss, der Teil der mir am Besten gefallen hat, wird ziemlich laut und kraftvoll gesungen. Danach geht es zum morgendlichen Fussballspiel, allerdings nicht mit mir, denn ohne Fruehstueck geht bei mir nichts, noch dazu sind alle viel schneller, kleiner und wendiger als ich. Durch einen Nelkenbrei (besser als es sich anhoert) und Broetchen gestaerkt, geht es um halb 9 mit der Ansprache weiter (gebt Bescheid wenn ihr das Gelaende verlasst, hebt euren Muell auf, nehmt die Muetzen ab,…) um dann mit den Talleres, also Workshops, anzufangen. Ungefaehr die Haelfte der Jungs befindet sich da bereits in der Schule. Die anstehenden Aufgaben in der Kueche, auf dem Feld, dem eigenen Bauernhof mit Schweinen, einer Kuh, Huehnern und ganz vielen Meerschweinchen, in der Werkstatt und in der Hydrokultur werden unter den Jungen aufgeteilt, einige musizieren auch zusammen oder malen auf Stoff. Gleichzeitig findet auch Unterricht statt. Sie lernen mit den Computer umzugehen, Dinge zu reparieren, aber auch Mathematik und andere grundlegende Sachen. Nach dem Mittagesssen (in den 2 Wochen gab es einmal Nudeln, sonst immer Reis, aber sehr lecker:) und einer Pause, werden die Arbeiten in den verschiedenen Workshops fertiggestellt und bis spaetestens 18.00 Uhr sind alle Jungen aus der Schule zurueck und ueberbruecken die Zeit bis zum Abendessen mit Fussball spielen oder anderen Aktivitaeten. Um 21.00 Uhr laeutet die Glocke und es ist Schlafenszeit.

In den 2 Wochen hier habe ich keine grossen Aufgaben uebernommen, langweilig war es trotzdem nie. Beim Reinschnuppern in die Workshops habe ich gemalt, Gitarre „gespielt“ (es tut mir immernoch Leid fuer Alex, der Junge, der es versucht hat mir beizubringen, dem wahrscheinlich untalentiertesten Menschen der Welt), auf dem Feld mitgearbeitet, Schweinestall ausgemistet, oder einen Jungen zum Zahnartzt begleitet.

Mein Eindruck von CIMA ist wirklich sehr positiv, ich habe mich sehr wohlgefuehlt. Alle hatten sehr viel Geduld mit mir und meinem Spanisch, die Jungs sind sehr freundlich und aufgeschlossen. Die meiste Zeit merkt man ihnen ihre so schwere Vergangenheit nicht an, es war toll ein Teil ihrer Gemeinschaft gewesen zu sein.

Von Lima habe ich ausser der deutschen Botschaft, ganz viel Verkehr und der Busstaion nichts gesehen, ich werde also bestimmt nochmal zurueckkehren und vielleicht klappt ja auch ein  Besuch in CIMA:)

Und zum deutschen Liebliengsthema: In Lima ist zurzeit Winter, dass bedeutet nachts, in der Frueh und am Abend ist es richtig kalt, am Tag angenehm warm. Der Landschaft sieht man allerdings an, dass es die zweittrockenste Hauptstadt der Welt ist, sehr staubig und kaum Pflanzen, ausser sie werden extra bewaessert.

Es waren 2 wundervolle erste Wochen in Peru, in einem wunderschoenem Land mit sehr freundlichen Leuten und leckerem Essen (z.B. Ceviche und Cuy, also Meerschweinchen) und ich freue mich schon euch ueber Cajamarca zu berichten!

Liebe Gruesse,

Julia