Zeitreise – Kleinigkeiten von September bis November

Donnerstag, 05. Januar 2017 von Joan

Warum „Zeitreise“ ? Weil ich die letzten Blogeinträge immer ganz bestimmten Themen gewidmet habe, aber gerne ein bisschen in der Zeit zurückgehen würde, um von einigen interessanten anderen Sachen zu erzählen, die mir in den ersten 4 Monaten (dem Ersten, der größtenteils aus Sprachkurs bestand ausgeschlossen) passiert sind bzw. die ich gemacht habe.

27.09.2016

Mal wieder saßen wir zu viert, Almudena, Awa, Dario und ich beim Abendessen, als plötzlich Isa anrief um uns zu sagen, dass es Morgen mal nicht zur Arbeit sondern auf einen Ausflug in ein anderes, italienisches Projekt, in der Nähe des Titicacasees geht. Am nächsten Tag sind wir also früh aufgestanden, haben uns Brote gemacht und sind losgefahren. Mit Isa und ihrem Sohn haben wir uns zu 6 ins Auto gequetscht, zum Glück gibt es im Kofferraum noch Sitze weil bei den unbefestigten Straßen kann es schnell mal ungemütlich werden, wenn man auch noch jemanden auf den Schoß nehmen muss. Nach ca. 2 Stunden fahrt bekamen wir dann das erste Mal den Titicacasee zu Gesicht.

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Kaum vorstellbar, ein See auf dieser Höhe (3800m) und von dieser Größe. Es sieht fast aus als wäre man am Meer. Leider ist der See aufgrund von den niedrigen Regensummen in den letzten Jahren und den schmelzenden Gletschern immer weiter ausgetrocknet. Wir selber bekommen das dieses Jahr auch zu spüren, da wir ein paar mal kein Wasser mehr hatten und es viele Bereiche in Bolivien gibt, in denen es nur ein paar Tage die Woche Wasser und dann manchmal auch nur für einige Stunden am Tag gibt.

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Immoment herrscht Regenzeit und es sollte eigentlich fast jeden Tag Regnen, aber wir hatten im November und Dezember immer mal wieder eine Woche in der es gar nicht geregnet hat.

Nach 4 Stunden Fahrt sind wir dann im anderen Projekt angekommen, auch wenn es nur 150km von unserem Wohnort entfernt ist, braucht man leider so lange. Hier gibt es halt keine Autobahnen… Im Projekt leben ca. 50 Jungen die sich mit dem Thema Holzwerken beschäftigen. Wir waren auch nicht nur da um uns das Projekt anzuschauen, sondern auch um neue Stühle für unser eigenes zu kaufen bzw. das Modell auszusuchen. Nach einem gemütlichen Mittagessen am See ging es dann auch zurück nach Hause, da wir ja am nächsten Tag arbeiten mussten.

03.10.2016 – 07.10.2016

In dieser Woche, Darios letzte Woche in Bolivien habe ich zusammen mit ihm auf dem Bauernhof gearbeitet. Es gab noch viel zu tun und er wollte sein letztes großes Projekt, einen Pavillion für die Kinder, fertigstellen bevor er zurück nach Italien fliegt. Mein erster Tag bestand darin 50cm tiefe Löcher in der trockensten Erde zu graben die man sich nur vorstellen kann. Pro Loch habe ich locker 20 Minuten gebraucht und nach 6 Löchern war ich so aus der Puste, dass wir ersteinmal Mittagspause machen mussten. Mit diesem brillianten Ausblick Mittag zu essen, daran könnte ich mich wirklich gewöhnen. Am ersten Tag betonierten wir noch einige Holzstämme ein und fuhren dann total fertig von der Arbeit nach Hause. Die nächsten Tage liefen sehr ähnlich ab und obwohl wir außer einem Maßband, einer Säge, einem Hammer, dessen Kopf nach jedem reingeschlagenen Nagel abfiel, Nägel und einer selbstgebauten Schlauchwaage nichts anderes hatten, ist das Projekt innerhalb einer Woche fertig geworden.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Jetzt kann man Brot oder Pizza im Steinofen backen und es dannach im Schatten im Pavillion genießen, die Sonne und die Höhe als Kombination sind hier nämlich echt Kräftezehrend, was ich in dieser Woche nochmal wirklich zu spüren bekommen habe.

28.10.2016

Ich kann jetzt übrigens die Titelmusik von Rocky auf der Panflöte spielen, das Instrument kannt ich nur empfehlen, ist einfacher als ich gedacht habe. Wenn man aus einer halbvollen Flasche schöne Töne herausbekommt, dann schafft man das auch halbwegs mit einer Panflöte.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

14.11.2016-18.11.2016

Mein Arbeitsweg heute war anders. Ich bin mal nicht mit einem Minibus zur Arbeit gefahren, sondern habe ein Truffi genommen, undzwar in die genau andere Richtung. Diese Woche sollten wir in der Fabrik des Projektes aushelfen, da es anscheinend sehr viel Arbeit geben würde. Es stellte sich heraus das das Kindermissionswerk T-Shirts bestellt hatte, die wir einpacken durften. Diese T-Shirts werden dann in Deutschland verkauft um das Projekt zu unterstützen, was ich für eine sehr gute Idee halte. Mit guter Musik und meiner Mitbewohnerin zusammen habe ich dann die grauen und gelben T-Shirts eingepackt. Wenn irgendwer ein schlecht eingepacktes kauft ist Das meine Schuld, die ersten 20 sind mir nicht so gut gelungen, tut mir leid !

Die fertig eingepackten T-Shirts

Die fertig eingepackten T-Shirts

21.11.2016

Heute wurde ich mal nicht von meinem Wecker sondern von Isa geweckt, warum ? Weil wir einen spontanen Ausflug zum Huayna Potosi, dem Berg im Norden El Altos machen wollten. Rosa und Anna, zwei Frauen aus Spanien waren im November zu Gast bei uns im Haus und bevor sie zurück nach Spanien fliegen würden, wollte Isa Rosa, die das erste mal in Bolivien war noch etwas zeigen. Rosa ist Ärztin und hat alle Kinder aus dem Projekt untersucht, sie ist zusammen mit Anna aus Murcia gekommen, die sozusagen Mitgründerin des Projektes Palliri ist. Wir sind früh morgens losgefahren richtung Norden. Zuerst kamen wir an den Kupferseen vorbei und haben dannach noch einen Friedhof am Fuße des Berges besucht. Zum Schluss haben wir Mittaggegessen, an einem kleinem See mit dem Blöken der Schafe im Hintergrund. Es war sehr entspannt und man denkt kaum so in der Nähe von El Alto eine so tolle Landschaft auf dieser Höhe anzutreffen. Übrigens haben wir uns entschieden mit einigen Freiwilligen eine 3-Tages Tour auf den Huayna Potosi zu machen. 6088 Meter und eine wundervolle Aussicht erwarten uns dann. Man muss aber auf den Winter abwarten, der ja zu unserer Sommerzeit ist, da das Wetter jetzt zu schlecht ist. Einen Tag verbringt man dabei größtenteils mit Kokakauen, da die Höhe von über 6000m kein Kinderspiel ist. Mal sehen wie es wird, Fotos davon wird es dann auf jeden Fall auch noch geben!

- Mittagspause -

- Mittagspause -

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

 

Abschiede, Geburtstag und Kurzurlaub in Cusco

Dienstag, 15. November 2016 von Joan

Seit dem letzten Eintrag ist mitlerweile über ein Monat vergangen in dem viel passiert ist. Am zweiten Wochenende im Oktobor sind wir alle zusammen essen gegangen, Isa (meine Chefin bzw. Gastmutter), Christobal (ihr Mann aus Spanien), Almu, Awa, Dario und Christian, ein Medizinstudent aus Deutschland, der hier im Arco Iris Krankenhaus ein Praktikum macht. Was es zu feiern gab ? Darios und Christians Abschied, Awas Geburtstag nachträglich und meinen Geburtstag einen Tag zu früh. Das stört hier aber keinen, wir haben irgendwie jeden Geburtstag bis jetzt einen Tag zu früh gefeiert, da es zeitlich immer besser passte. Als Ausrede haben wir benutzt, dass man im Heimatland ja schon längst, besser gesagt ein paar Stunden Geburtstag hatte. Wir waren alle zusammen argentinisches Steak essen, was extrem lecker geschmeckt hat. Am nächsten Tag ist Christian dann geflogen und wir haben meinen Geburtstag noch richtig gefeiert. Auch wenn ich nicht der allerbeste Koch bin, habe ich Schnitzel und Spetzle gemacht, was mehr oder weniger gut geklappt hat. Meine Mitbewohner haben sich sehr darüber gefreut, mal was aus meiner Heimat zu essen auch wenn ihre ja nicht ganz so weit davon entfernt liegt. Den zwei bolivianischen Gästen aus dem Projekt hat es anscheinend ebenfalls sehr gut geschmeckt, auch wenn die Spetzle nicht unbedingt die beste Form hatten, das Abscharben vom Brett erfordert wohl noch ein bisschen Übung. Als ich dann noch auf dem Klo war, bevor ich ins Bett gehen wollte, hörte ich komisches Gemurmel vor der Tür und als ich heruastrat, wurde ich mit einer leckeren Torte überrascht. Mein Gesicht ist zum Glück nicht komplett in der Torte gelandet, was hier in Bolivien aber eigentlich so Sitte ist. Trotz vollen Bäuchen und der späten Uhrzeit haben wir dann alle noch Torte gegessen und den Geburtstag ausklingen lassen. Montags waren wir dann in La Paz, da Dario bevor er fahren würde noch ein paar Sachen erledigen wollte und ich mich um mein Handy kümmern musste, um meine Sim Karte aktivieren zu lassen. Mittwoch sind wir dann gegen Mittag losgefahren nach Cusco einer meiner Meinung nach sehr schönen Stadt in Peru.

Im Gegensatz zu El Alto ist es in Cusco auch schön grün !

Im Gegensatz zu El Alto ist es in Cusco auch schön grün !

Hier fährt man normalerweise Bus wenn man irgendwo hin will, da es um einiges billiger ist als Fliegen. Die Sitze im Bus sind fast wie Betten und so ließ sich die 13 stundenlange Fahrt sehr gut ertragen. Nachdem wir um 5 Uhr morgens gut in Cusco angekommen waren, mussten wir uns erstmal ein Hostel suchen, was nicht unbedingt schwer fällt, da man am Busbahnhof direkt von vielen Leuten angesprochen wird, die einem ihr Hostel vorstellen. Den ersten Tag haben wir die Stadt erstmal zu Fuß erkundet, das Inka Museum besucht und an einer Freewalking Tour teilgenommen. In der Stadt gibt es noch viele Mauern und Gebäude aus Inkazeit die man sich angucken kann. Beeindruckend sind ihre Mauern, die nur aus lückenlos zusammengesetzten Steinen bestehen ohne so etwas wie Mörtel zu benutzten. Am Abend sind wir dann alle tot ins Bett gefallen, da wir von der Busfahrt bzw. dem früh Aufstehen doch ein bisschen müde waren. Freitag haben wir dann einen Ausflug zu etwas abgelegen Inkaruinen gemacht, diesmal nicht zu Fuß sondern auf Pferden. Meins war leider ein bisschen stur und auch wenn meine einzige Reiterfahrung darin bestand, als Kind auf dem Rücken eines Ponys zu sitzten, hat es ganz gut geklappt. Abends sind wir dann lecker Essen gegangen um uns von Dario zu verabschieden, da Almu und ich in dieser Nacht um 3 Uhr aufstehen würden, um zum Machu Picchu zu fahren. Als der Wecker dann klingelte dachte ich mir erst warum ich mir das antue, aber ich sage nur so viel, die Entscheidung den Machu Picchu anzugucken werde ich wohl niemals bereuen. Nach jeweils 1,5 Stunden Bus und Zugfahrt waren wir in „Aquas calientes“ angekommen, der Stadt bzw. dem Dorf in der Nähe des Machu Picchus. Von dort aus ging es mit dem Bus nach oben, man kann zwar auch laufen aber selbst wenn man an die Höhe gewöhnt ist, ist der 2km lange Weg, der eigentlich nichts anderes als eine Treppe ist, nicht gerade unastrengend. Wir haben uns also entschloßen mit dem Bus hochzufahren und wieder runter zu laufen.

Typisches "Touristen-Machu-Pichu-Bild" aber was solls, es ist wunderschön !

Typisches "Touristen-Machu-Picchu-Bild" aber egal, es ist wunderschön dort !

Die Aussicht war atemberaubend, mein neuer Platz 1. vor der Aussicht auf La Paz. Der spanischsprachige Guide hat uns in zwei einhalb Stunden einmal herumgeführt und vieles erzählt zum Beispiel wie der Machu Picchu wiederentdeckt wurde, etwas über die Architektur, wie die Inkas dort gelebt haben und warum man überhaupt an einem so schwer erreichbaren Ort eine Stadt erbaut. Ich will jetzt nicht alles erzählen, dafür ist dieser Blog natürlich auch nicht da, ich will nur sagen das es auf jeden fall extrem sehenswert ist, wenn man mal in die Nähe kommen sollte. Wir sind dann mit letzten Kräften gegen Nachmittag die „Treppe“ hinutergewandert und nach einem frühen Abendessen um 6 Uhr ins Bett gegangen. Am nächsten Tag ging es zurück nach Cusco und von dort aus direkt mit dem Bus nach La Paz, da wird am nächsten Tag natürlich auch wieder arbeiten mussten.

 

Kinder, Bildung, Sport und Mode – Palliris Facettenreichtum und meine Arbeit

Freitag, 07. Oktober 2016 von Joan

Meine neue Mitbewohnerin aus Deutschland Awa und ich haben letzten Montag, nach dem ersten Monat „Ankommen“ und Sprachkurs am wöchentlichen Meeting der Fundacion Palliri teilgenommen, bei dem es größtenetils um uns selber ging und was wir machen wollen, genauer gesagt im nächsten Jahr machen werden. An dieser Stelle bietet es sich auch nochmal an das extrem vielfältige Projekt Palliri vorzustellen. Das Projekt besteht sogesehen aus drei verschiedenen Teilen. Als erstes die Arbeit mit Kindern, daneben noch dem Bauernhof von dem im letzten Blogeintrag ja ausführlich berichtet habe und zu guter Letzt die Klamottenfabrik und die drei Läden in La Paz. Fangen wir mit der Fabrik und den Läden an von denen ich bis jetzt ja noch kaum, bzw. nichts erzählt habe. Hier „Oben“ in El Alto gibt es eine Klamottenfabrik in der größtenteils Frauenmode von den Mitarbeiter*n/innen genäht wird. Diese Klamotten werden dann ausgeliefert an die drei „Coconut“ Läden, das wird hier übrigens nicht Englisch sondern wie man „nut“ im Deutschen lesen würde ausgesprochen. Ich durfte vor kurzem mit meiner Mitbewohnerin Awa und einer Bolivianerin zusammen modeln, was zwar nicht unbedingt meine Spezialität ist, trotzdem aber großen Spaß gemcht hat.

Awa und ich nach dem Modeln

Awa und ich nach dem Modeln

Diesen Freitag habe ich dann eines der 3 Geschäfte mit Claudia, der Chefin der Geschäfte und Sixto dem Sekretär der Fundacion Palliri zusmannen gestrichen. Außerdem habe ich mit Isa zusammen Drachen, so wie man sie aus dem Bilderbuch kennt gebastelt und mit Blumen bestückt, um das Schaufenster für die neue „Frühlingskollektion“ zu gestalten. Ja hier sind die Jahreszeiten genau anders herum als in Deutschland, auch wenn hier schon fast ein Tageszeitenklima herrscht. Das sind aber nur Nebenaktivitäten neben meiner richtigen Arbeit. Ich arbeite eigentlich im Zentrum der Fundacion Palliri in „Mitchme“, einem Zentrum für Kinder von 5-18 Jahren. Dort gibt es 3 „Klassen“, die Erste mit Kindern von 5-8, die Zweite mit Kindern von 9-13 und die Dritte mit Kindern von 14-18. Morgens von 10 bis Mittags um 13 Uhr arbeite ich mit den Jugendlichen und helfe in Mathe, Chemie, Physik oder Englisch was zwar auf Spanisch selbst für mich noch gar nicht einfach ist, aber trotzdem wie schon die Nachhilfe in Deutschland viel Spaß macht. Nach dem Mittagessen gehe ich dann in die Klasse mit den 9-13 Jährigen die nur Nachmittags da sind, da sie Vormittags selber noch Schule haben. Dort helfe ich bei den Hausaufgaben, spiele Schach oder löse Zauberwürfel wofür ich jetzt für alle Kinder der Spezialist bin (Danke an meinen Freund Kai & meine Schwester Maja mit denen ich das zusammen gelernt habe !). Außerdem wird jede freie Minute genutzt um draußen auf dem Platz Fußball zu spielen.

Ein Nachmittagsausflug in einen Park in El Alto

Ein Nachmittagsausflug in einen Park in El Alto

Neben Mitchme gibt es noch eine Fußballschule in die ich Dienstags und Donnerstags nach dem Mittagessen gehe um aufzupassen, mitzuspielen und zu trainieren. So langsam kann ich auch wieder alles geben ohne dierekt aus der Puste zu sein ! Meine Mitbewohnerin arbeitet in der Dritten von vier Einrichtungen dem Kindergarten und die letzte Einrichtung ist eher etwas kleiner in die Kinder von 5-15 ähnlich wie in Mitchme kommen. Dort haben wir die Hofwände schon schön angemalt. Zu guter Letzt gibt es dann noch den Bauernhof, der von den Kindern oft besucht wird, um auf von uns vorbereiteten Workshops teilzunhemen bei denen es ums zum Beispiel ums Brotbacken oder kennenlernen des Bauernhofs geht. Das Projekt ist also sehr facettenreich was dazu führt, dass meine Arbeit meistens auch sehr abwechslungsreich ist, was manchmal anstrengend werden kann, dafür aber eigentlich immer großen Spaß macht.

 

Der Bauernhof – Selbstgemachtes Brot und sind Meerschweinchen eine Delikatesse ?

Freitag, 30. September 2016 von Joan

Letztens kam ich vom Sprachkurs nach Hause und unser Küchentisch war komplett mit Mehl bedeckt. Zwei meiner Mitbewohner waren gerade dabei Brotteig zu backen und Dario mein italiänischer Mitbewohner erklärte mir auf Spanisch wie genau das funktioniert und warum er das macht. Dario arbeitet auf dem Bauernhof der Fundacion Palliri und hat diesen Teil des Projektes im letzten Jahr sehr weit nach vorne getrieben. Mein Spanischverständnis wird von Tag zu Tag besser und so konnte ich zum Glück vertehen, dass er mich dazu einladen wollte, am nächsten Tag mit ihm zu kommen und auf dem Bauernhof Brot zu backen. Da konnte ich natürlich schlecht Nein sagen, auch wenn das früh Aufstehen bedeutete und mein Magen sich noch nicht zu 100% an das örtliche Essen gewöhnt hat. Ich wollte aber unbedingt mal den Bauernhof sehen, da ich bis vor kurzem noch nichtmal wusste, dass das Projekt einen Bauernhof hat.

- eine Übersicht über den Bauernhof -

- eine Übersicht über den Bauernhof -

Am nächsten Tag sind wir also früh aufgestanden und Isa die Leiterin des Projektes Palliri, aka. meine Chefin, aka. meine Gastmutter für ein Jahr, die ich schon in Deutschland kennen lernen durfte brachte uns zum Bauernhof. Ich habe geholfen ein Loch zu graben und ein Sonnensegel aufzubauen, da die Kindergartenkinder aus unserem Projekt auch kommen wollten, um selber beim Brotbacken helfen zu können. Nachdem wir fertig waren und darauf warteten, dass der Steinofen heiß wurde, zeigte mir Dario den größten Teil des Bauernhofes. Es gibt einige Kühe,

Einen Tag waren wir in einem 1500m tiefer gelegenem Tal um Gras für die Kühe zu besorgen.

Einen Tag waren wir in einem 1500m tiefer gelegenem Tal um Gras für die Kühe zu besorgen.

Hühner, ein paar weiße Hasen, ganz viele kleine Meerschweinchen, Enten und sogar 4 Lamas. Hier werden Meerschweinchen übrigens oft gegessen, die von unserem Bauernhof sind aber nicht zum Essen sondern für die Kinder da. Auch wenn bald leider welche verkauft werden müssen, da sie sich so schnell vermehren und was mit diesen dann passiert kann man ja schlecht bestimmen. Eines der Lamas ist noch jung und läuft gern frei auf dem Bauernhof rum, auch wenn es dann gerne verbotenerweise den Heuvorrat anfrisst. Ich konnte es streicheln, wir mussten es aber irgendwann leider anbinden, bevor es uns die kleinen Kinder umrennt. Wir haben mit den Kindern dann Teig geknetet, auch wenn wir diesen natürlich nicht direkt zu Brot backen konnten, weswegen Dario und Almu ja am Tag vorher Teig für alle vorbereitet hatten.

Die Kindergartenkinder beim Teig kneten

Die Kindergartenkinder beim Teig kneten

Nach 2 Stunden musste ich dann die Kinder wieder zum Kindergarten begleiten, das Brot war bis dahin leider noch nicht fertig, da der Ofen noch nicht heiß genug war.

Am Wochenende war ich dann nochmal auf dem Bauernhof, da Dario einige Frauen aus einer Stofffärbungsfabrik zum Grillen eingeladen hatte. Wir sind früh morgens aufgestanden und mit einem Taxi zur Kreuzung gefahren, an der wir auf die Anderen warten sollten. Nach einer halben Stunde trafen sie dann auch mit einem Pick-Up ein. Es waren 7 Personen + ein kleines Schaf, da nur für 5 Personen im Auto platz war setzten sich die andern einfach hinten auf die Ladefläche, der Weg zum Bauernhof ist schon so holprig genug, weswegen die Fahrt noch aufregender wurde. Am Bauernhof angekommen zeigten wir alles, aßen Orangen und sammelten Enten- und Hühnereier. Bis 1 Uhr Mittags waren es 13 Eier, von denen wir oft einige mit Nachhause nehmen, um am Wochenende lecker Rührei machen zu können. Der Grill wurde hier natürlich ohne Grillanzüner sondern mit trockenem Gras und kleinen Stöcken angezündet.

Grillen mit schöner Aussicht in Achocalla

Grillen mit schöner Aussicht in Achocalla

Es gab kaum etwas zu Essen was ich so zubereitet kannte, aber extrem lecker war es trotzdem. Wie zu jedem Essen gab es Suppe, diesmal das Besondere war das mit Orangen zusammen gekochte Hühnchen, was sehr gut schmeckt hat. Es gab außerdem Brot mit Käse von den Bauernhofkühen, Kochbananen die vielleicht zu einer meiner neuen Lieblingsspeisen werden könnten, Kartoffeln, Reis, Möhren und noch mehr Kartoffel in allen Farben sage ich jetzt mal. Hier isst man „Chuños“, die aussehen wie kleine schwarze kartoffeln. Es sind zerstampfte Kartoffeln die immer wieder zerkleinert und an der Luft getrocknet werden, bis fast alles Wasser aus ihnen entwichen ist. Außerdem gibt es weiße Kartoffeln die „Tunta“ heißen. Das sind Kartoffeln die ein paar Wochen/Monate im Wasser bzw. in einen Fluss gelegt werden, bis sie „ausgespült“ sind, wurde mir erzählt und ich hoffe ich habe das auf Spanisch richtig verstanden. Den Geschmack konnte ich aber noch nicht genau zuordnen, es schmeckt auf jeden Fall keinesfalls nach Kartoffel. Mit der Suppe zusammen schmecken diese auch ganz gut, ohne Suppe gehören sie aber eher nicht zu meinen Lieblingsspeisen… Wichtig war aber, da jeder etwas mitgebracht hatte, dass ich auch von allem mindestens ein Löffel esse, selbst wenn ich weiß, dass es mir nicht schmecken wird. Es ist einfach sehr unhöflich von einer Person etwas nicht zu essen. Was hier beim Essen auch ganz anders ist als bei uns, ist, dass man nicht am Anfang „Guten Appetit“ sagt, sondern sich nach dem Essen bei jedem der mit einem gegessen hat, dafür bedankt, dass man zusammen essen konnte. Ein einfaches „Gracias“ reicht da schon, was dann mit „Provecho“ erwiedert wird. Es war ein sehr toller, erfahrungsreicher Tag und wir wurden für übernächste Woche in die Fabrik zu einem Mittagessen eingeladen, ich hoffe davon kann ich dann auch etwas berichten.

Insgesamt läuft es immoment aber auch sonst sehr toll, ich habe jetzt richtig angefangen zu arbeiten mit einem sehr interessanten Wochenplan, von dem ich bald bestimmt auch mal berichten werde.

 

Die Höhe – Schnee auf der WG und der allerschönste Ausblick

Montag, 05. September 2016 von Joan

Auch ich bin gut angekommen, in einem fremden Land, weit weg von Zuhause und weit weg von den meisten bekannten Dingen. Mein erster Eindruck war, puh ist das anstrengen den 18kg schweren Rucksack auf den Rücken zu hieven, ohne das einem auf fast 4100m schwindelig wird. Ich wurde dafür direkt mit offenen Armen am Flughafen empfangen, vom Gepäck erleichtert und nach Hause gebracht. Nach Hause. Mein neues Zuhause. El Alto – Die Höhe, eine Stadt die ihrem Namen alle ehre macht. Ich wohne in einer WG mit 3 tollen WG-Partnern aus Spanien, Italien und zum Glück, für den ersten Monat auch aus Deutschland. Wir haben zusammen gefrühstückt und dannach hab ich mich erst einmal ausgeruht, das Zimmer einrichten konnte auch noch ein Tag warten. Die Müdigkeit vom Flug war groß und die Höhe allein war schon anstrengend genug, zum Glück habe ich mich aber recht schnell daran gewöhnt. Ein bisschen Kopfschmerzen war das einzige Schlimme, das man nach 10 Treppenstufen aus der Puste ist, war am Anfang auch nichts Besonderes, jetzt kann ich wenigstens schon 30 laufen, bis das Atmen anfängt schwer zu fallen, aber auch das wird von Tag zu Tag besser. Leider geht es in La Paz fast überall hoch oder runter was bedeutet, dass es ein haufen Treppen oder einfach steile Wege gibt (zum Glück ist El Alto flach). Deswegen bietet die Stadt aber den aller aller wünderschönsten Ausblick, den meine Augen bis jetzt sehen durften.

Das ist neben der Teleferico-station | Hinten rechts im Bild der Illimani 6,438m (wird nächstes Jahr auch noch bestiegen)

Das ist neben der Teleferico-Station | Hinten rechts im Bild der Illimani 6,438m (wird nächstes Jahr auch noch bestiegen)

Wenn ich meine Fotos angucke bin ich immer entäuscht, denn um diesen Ausblick wirklich genießen zu können, muss man einfach hier sein. Ich habe am zweiten Tag direkt angefangen an einem Sprachkurs teilzunehmen, was für mich die erste große Herausforderung darstelle, undzwar die Sprachschule zu finden. Um ins Zentrum von La Paz zu kommen brauche ich nämlich so zwischen 1 und 1,5 Stunden, hängt von der Tagezeit und den längen der Schlangen ab. Von Zuhause aus nehme ich immer einen Minibus, eines der Hauptverkehrsmittel hier in El Alto und La Paz. Es sind umgebaute Vans, die meistens für ca. 14-15 Personen Platz bieten. Vorne in der Scheibe hängen dann Schilder, die die Orte anzeigen zu denen der Bus fährt und wenn man den Richtigen gefunden hat, winkt man einfach und hofft, dass noch ein Platz frei ist. Man zahlt immer das Gleiche und wenn man raus will, ruft man einfach „Esquina por favor“ oder „voy a bajar“,was so viel bedeutet „Die Ecke bitte“ oder „Ich werde aussteigen“.

Ein Teil meines Schulweges in La Paz.

Ein Teil meines Schulweges in La Paz.

Am Anfang war ich total überfordert und dachte ich würde mich niemals zurecht finden. Doch zum Glück hatte ich die ersten 3 Tage Begleitung von meiner deutschen WG-Partnerin die mir vieles zeigen konnte. Jetzt komm ich sicher in die Stadt und auch wieder nach Hause. In die Stadt runter (La Paz liegt ca. auf 3600m-3700m) fahre ich dann immer mit der Teleferico, der örtlichen Seilbahn. Es erinnert ein bisschen an Skiurlaub, vor allem weil ich nach der ersten Woche morgens aufgewacht bin und es plötzlich draußen weiß war. Es hatte über Nacht geschneit, was hier anscheinend trotz der Höhe gar nicht so oft vorkommt.

Bild aus der Teleferico-Gondel. Leider war es extrem nebelig.

Bild aus der Teleferico-Gondel. Leider war es extrem nebelig.

Das Gute daran ist, dass es nachdem es geschneit hat, die nächste Zeit insgesamt wärmer wird, hat mir mein italiänischer Mitbewohner erklärt. Die Temperatur hier schwank tagsüber aber eh extrem. Morgens wenn ich aufwache ist es meistens nur knapp über 0°C, oben bei mir in El Alto. Fährt man runter nach La Paz ist es dafür direkt wärmer und wenn mittags die Sonne scheint kann man oft sogar im T-Shirt herumlaufen. Leider bekommt man auch extrem schnell Sonnenbrand, was mein Nacken schon zu spüren bekommen hat (hatte die Sonnencreme vergessen). Ich hoffe ich konnte meine ganzen Gedanken irgendwie ein bisschen zusammenfassen, ich wusste erst gar nicht wo ich anfangen und wo ich aufhören sollte. Abschließend kann ich nur sagen, dass diese zwei Städte so extrem viel Neues und Interessantes zu sehen bieten und ich hoffe, dass ich in nächster Zeit viele tolle neue Eindrücke sammeln und teilen kann.