An einem Ort den nicht einmal Google kennt…

Dienstag, 16. Mai 2017 von Lea

Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser, schönes Hotel, gutes Essen.

Für viele mag so das Paradies auf Erden aussehen- doch in diesem Blogeintrag möchte ich euch von einem ganz anderen kleinen Paradies berichten, das ich in den Ostertagen kennenlernen durfte. (Ich weiß ist auch schon eine Weile her- aber besser spät als nie ;))

Los ging es an einem Mittwochmorgen mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Wohin? Das wussten wir in diesem Moment auch nicht genau und was uns erwarten wurde erst recht nicht, aber wir gehen es nicaraguanisch an: mit Spontanität und Geduld. Das, was wir wussten war: Es geht in  die Berge Nicaraguas in die Region Chontales um dort eine Bauerngemeinde während der Ostertage zu begleiten. Und so kam es, dass ein nicaraguanisches Lehrerpaar, 5 Schülerinnen und 2 deutsche Freiwillige, 5 Säcke gespendeter Kleidung und 4 Säcke gespendeter Lebensmittel sich in einem alten Schulbus auf den Weg machten. Es wurden noch weitere Jugendliche, Schwestern und Säcke eingesammelt bis wir nach stundenlanger Busfahrt in Juigalpa, der größten Stadt der Region Chontales ankamen. Nach weiterer Wartezeit (Stichpunkt Geduld) wurden wir dann auf verschiedene Pickups geladen, die jeweils in verschiedene Bergdörfer fahren sollten.

Auf der Pickup Ladeflache sitztend mit erfrischendem Wind im Gesicht und beeindruckender Aussicht auf eine sich stetig veränderndere Landschaft, ging es so tiefer in die Berge. Alles wurde grüner und kühler und das erste Mal seit langer Zeit hatte ich wieder den Geruch von feuchtem Grass in der Nase und das angenehme Gefühl nicht schwitzen zu mussen. Irgendwann hielten wir dann an einer kleinen aus Holz gebauten Kapelle und wurden begrüßt. Zu Fuß machten wir uns dann weiter auf dem Weg zu einem Haus, dass für diese Tage unsere Schlafgelegenheit sein sollte. Kurzerhand wurde es mit weiteren Tijeras (im Prinzip ein Holzgestell, auf das eine Plane gespannt wird) und einem improvisiertem Bett ausgestattet. Zum Abendessen wurden wir zu einer sehr herzlichen Familie nach Hause eingeladen. Und so saßen wir dann gemütlich bei Kerzenschein/im Dunklen (die meisten Häuser haben keinen Strom) an einem Holztisch bei Reis und Bohnen und cosas del horno (Gebäckstücken). Auch die folgenden Tage wurden wir von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und uns wurde liebevoll alles was möglich war aufgetischt. Es ist wahrnsinnig beeindruckend, wie viel uns die Menschen geschenkt und gegeben haben, obwohl sie sehr einfach und oft nur mit dem aller Nötigsten leben.

Unser Haus für die Ostertage

 

Die Nacht war extrem kalt und die Meldung am morgen, dass im Fluss geduscht wird nicht sonderlich verlockend. Doch alles war halb so wild und ich muss sagen es hatte wirklich etwas in der Natur an einem Bach zu stehen und sich zu waschen. Am ersten Tag haben wir dann verschiedene Familie , die sehr verstreut und teilweise weit auseinander leben, besucht um sie zu den verschiedenen Versanstaltungen und Messen einzuladen. Und wieder wurden wir sehr herzlich begrüsst und mit Pinol (ein typisches Getränk in Nicaragua), Cafe, oder Gebäck versorgt. Am Nachmittag fand dann die erste Messe statt und wir haben anschließend mit den Kindern gemalt und gespielt.

Der nächste Tag, der Freitag, der 14.04., war auf zwei Weisen besonders für mich. Zum einen war es der Karfreitag und zum anderen mein erster Geburtstag an einem Ort, den ich kaum kannte, und mit Menschen, die ich auch erst seit kurzem kannte. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, sondern war ein sehr schöner und emotionaler Tag. Zuerst begingen wir den Kreuzweg und trafen uns danach in der Kapelle zu einer sehr rührende und emotionalen Wortgottesdienst. Am Abend wurden dann die Essenspackete gepackt und währenddessen bei Cafe und cosas del orno  Geburtstagsliedern für mich gesungen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Am Samstag veranstalteten wir den ganzen Tag Programm mit der Gemeinde: Fangenspielen, Gesichter bemalen, Piñata, Bilder ausmalen, die gespendete Kleidung verteilen und am Abend fand dann der Höhepunkt der Ostertage statt: die Vigilia. Angefangen mit Osterfeuer, dann Gottesdienst mit Gesang und Kerzen und einer der besten Predigten, die ich bin jetzt gehöht habe- von einem einfachen Bauern mit  riesigen Herz. Und so kam es, dass ich an einem Ort den nicht einmal Google kennt, in einer Kapelle mit  unglaublich großzügigen Menschen und mit  fröhlichem Gesang ung Jubelrufen Ostern gefeiert habe.

Beim Kleider sortieren…

Mehr Pferde als Autos auf dem „Kirchenparkplatz“

Dass uns der Abschied am nächsten Morgen sehr schwer gefallen ist,  brauche ich glaub ich gar nicht zu erzählen. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie schnell man Menschen in sein Herz schießen kann, wie tief der Glaube der Menschen dort ist und wie unglaublich viel ich aus diesen paar Tagen mitnehmen werde! Ich glaube diese Tage waren einer der außergewöhnlichsten , die ich bis jetzt hier in Nicaragua erlebt habe und ich werde mich immer gerne an sie zurückerinnern!

 

 

66% Nica

Freitag, 07. April 2017 von Lea

5.8.16. An einem schwülen Augustabend setze ich das erste Mal Fuß auf nicaraguanischen Boden- ohne Vorstellungen davon, wie mein Leben dort aussehen würde und ohne jemanden dort zu kennen.

5.4.17. Genau 8 Monate danach kann ich mir kaum vorstellen, wie mein Leben anders aussehen könnte als es jetzt ist und ich habe sehr liebenswerte Menschen kennengelernt, die jetzt wie selbstverständlich Teil meines Alltags und meines Lebens sind.

Und was dazwischen passiert ist?

So viel, dass ich es selber manchmal nicht realisieren kann. Denn ohne dass ich es bemerkt habe fing die Zeit ab diesen Moment, in dem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, an zu rennen. August, September, Oktober , November und schon war Weihnachten und Silvester, doch die Zeit rannte nur noch schneller und so zogen Januar, Februar und März wie im Flug vorbei. Und hier stehe ich nun: 3/4 dieses Jahres hinter mir und höchste Zeit auf meine letzten Monate hier zurück zublicken. Dale! (Los gehts!)

 

November- Monat der Feste

Im November haben sich die Ereignisse nur so überschlagen und ein Fest das nächste lückenlos abgelöst. Es war ein Monat mit sehr viel Arbeit und wenig Freizeit aber auch ein Monat mit viel Freude und unzählichen neuen Eindrücken. Den Anfang machte das legendäre Bingofest im Heim Madre Albertina- und ja, man kann tatsächlich 9 Stunden am Stück Bingo spielen und ja, es passen sehr viel mehr Menschen ins Heim als man denkt. Danach folgte das Cristo Rey Fest. Ein Tag mit Gottesdienst, Festessen, Tanz und festlicher Kleider und ebenso festliche Stimmung.

Zwischendrin fanden auch noch die Wahlen hier in Nicaragua statt- ein wirklich interessantes Erlebnis für mich und die Zeit sich selbst mehr mit der Geschichte und der Politik Nicaraguas zu befassen.

Am 28. November begann das religiöse Fest in Granada in der Kathedrale. Die Marienstatue wurde von ihrem Platz in der Kathedrale zu den Menschen heruntergeholt. Der Gottesdienst selbst hat mich ehr an ein Konzert oder Prominentenauftritt erinnert.  Alle standen kreischend und applaudierend mit Handy in der Hand in der Kirche um die Marienstatue zu sehen und ein Bild zu schießen- auch die Pfarrer nicht ausgeschlossen. In den folgenden 9 Tagen erlebte ich dann eine ganz andere Art Maria zu ehren: die Purisima. Ab diesen Tag wurde jeden Tag im Heim die Purisima gefeiert. Das bedeutet, dass jeden Tag vor einer mit Lichterketten beschmückten Marienstatue ein Rosenkranz gebetet und gesungen wurde. Am Ende wurden nach  verschiedenen Jubelrufe noch Süßes oder Leckereien verteilt . In dieser Zeit war ganz Granada im Außnahmezustand.

Cristo Rey Fest- ein Tag mit Gottesdienst, Festessen (für das das Heimschwein Dari sein Leben lassen musste) Tanz und festlicher Stimmung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bingo, Bingo, Bingo

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember- Monat der Besinnung?

Der Höhepunkt der religiösen Festlichkeiten ist die Griteria. Gemeinsam mit dem Heim waren wir mit dem Bus in den Städten Masaya und Managua unterwegs um in verschiedene Häuser zu gehen, ihre Marienstatuenaltare zu bestaunen, Lieder zu singen und dann mit Geschenken beladen weiter zu ziehen. So etwas wie an diesem Abend habe ich noch nie erlebt und die fröhlichen Gesänge und Rufe werden mir noch lange im Gedächnis bleiben!

Eine ganz andere und besondere Art Maria zu ehren- die Purisima!

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Advents- und Weihnachtszeit ist fast unbemerkt vorbeigeschlichen und, um zu mindest etwas Stimmung und Vorfreude für Weihnachten aufzubringen, habe ich für die Familie einen selbstgemachten Adventskalender aufgehängt- was erstmal erklärt werden musste. An Weihnachten selbst und mit meiner Vorstellung einer besinnlichen Heiligabend wurde ich komplett überrascht: Statt einem ruhigen Abend vor dem Weihnachtsbaum wurde nach dem Familienessen laute Partymusik gespielt, Salsa getanzt und um Mitternacht geböllert und erst dann Frohe Weihnachten gewünscht. Bis in die frühen Morgenstunden wurde dann mit einer Salsaparty bei Freunden weitergefeiert.

Geschenke gibt es hier in den meisten Familien nicht- vor allem aus finanziellen Gründen. Und ich muss sagen, dass es darauf nicht ankommt, auch wenn man sich natürlich über kleine Geschenke freut. Was viel wichtiger ist, damit sich ein Weihnachtsfest nach Weihnachten anfühlt, ist ein gemeinsames Essen und Zeit mit der (Gast-)Familie. Trotzdem hat mich einige Zeit der Gedanke beschäftigt, dass viele Kinder hier weder an Geburtstagen noch an Weihnachten Geschenke bekommen- ist dies doch in unserer Kindheit immer ein Highlight und nicht wegzudenken gewesen.

 

Weihnachtsfeier im Heim- wer findet die „Weiße“? 😉

Mit Weihnachten kamen dann auch meine langersehnten Ferien und somit die Gelegenheit auch andere Facetten Nicaraguas kennenzulernen.

Über Silvester machten wir uns auf ans Meer nach El Transito. Ich glaube, ich habe bis jetzt an keinem Ort so stark die Unterschiede zwischen Reichtum und Armut so deutlich zu sehen bekommen. Die erste Häuserreihe mit Meerblick- Villen von Kanadiern und Amerikanern und direkt daneben Blechhütten ohne fließendes Wasser und mit offenen Feuerstellen. Wir wurden zufällig von Kanadiern eingeladen ihre Villa zu besichtigen und in diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie viel ich von hier mit nach Hause nehmen werde. Keine 10 Meter weiter leben die Menschen in selbstgebauten Hütten, ein Bett wird mit der ganzen Familie geteilt, es gibt meistens kein fließendes oder gar sauberes Wasser…

Das alles bringt einem zum Nachdenken und auf die Frage, die wir uns alle einmal stellen: Was brauchen wir wirklich? Was ist das was uns glücklich macht? Und wie gehen wir mit diesen enormen Unterschieden und Armut um, die es auf der Welt gibt?

 

Januar- neue Facetten Nicaraguas und ein neues Jahr im Heim beginnt

Auf dem aktiven Vulkan Telica: Unter dem Sternenhimmel an der Kraterkante entlang laufen und in die Lava zu schauen- einfach unbeschreiblich!

Kayakfahren auf dem Rio San Juan

 

 

Auf einer Farm beim Schokolade machen.. Wer kann mir sagen, wie es geht?

Blick über den Rio San Juan und dem Dschungel im Indio Maiz

Anfang des Jahres konnte ich eine neue Seite Nicaraguas kennenlernen: den Rio San Juan. Was mich vor allem überrascht hat ist zu sehen, wie sehr es die Menschen freut, wenn man versucht auf ihrer Landessprache mit ihnen zu sprechen und interessiert an ihrem Land ist.

Und auch ein neues Jahr im Heim hat begonnen. Die Mädchen sind aus ihren Ferien ins Heim zurückgekehrt und  auch einige neue Gesichter waren dabei. Ein paar Mädchen sind jedoch auch nicht zurückgekommen und ich habe wieder einmal gemerkt wie sehr mir jedes Mädchen ans Herz gewachsen ist.

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Neuer Anstrich: Ich kann mit Stolz sagen, dass jetzt ein  frisch gemaltes Sternsinger-Kindermissionswerk-Logo den Salon ziert.

 

Februar- Arbeit und Zwischenseminar

Und schon stand ich wieder komplett in meinem Alltag… eine Sache, die glaube ich viele oft vergessen. Auch wenn wir Freiwilligen in einem weit entfernten Land leben und die Chance haben viel Neues kennenlernen und auch etwas reisen können, sellt sich trotzdem ein Alltag ein. Ein Alltag, in dem man morgens aufsteht, zur Einsatzstelle geht, abends müde von der Arbeit  mit den Kinder und der Hitze zurückkommt… Nicht, dass es nicht schön und auch aufregend ist,  doch so ein Freiwilligendienst ist mehr als ein Jahr Action, Abenteuer und Reisen.

März- Besuch in Juigalpa

Im März war es soweit: Ich hatte die Möglichkeit meine Mitfreiwillige Mafalda in ihrem Zuhause und in ihrem Projekt in Juigalpa zu besuchen!

 

Hier und Jetzt

Morgen ist der letzte Tag vor den Osterferien und damit steht wieder eine ganz neue Erfahrung für mich an: Die Semana Santa in Nicaragua!

Und da auch diese Zeit  wieder schnell vergehen wird, heißt es jeden Moment zu genießen! 🙂

Auf die nächsten 33 %!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Was machst du so?

Freitag, 21. Oktober 2016 von Lea

Jeden Tag hier in Nicaragua habe ich die Chance etwas weiter in das Leben und die Kultur der Menschen einzutauchen. Wie viel für mich mittlerweile normal geworden ist, was vor einigen Wochen noch komplett neu und fremd war, ist mir erst aufgefallen, als ich vor einigen Tagen mit Freunden aus Deuschland geskypet habe. Um diese alltäglichen Kleinigkeiten festzuhalten und euch ein Bild davon zu geben, wie mein Leben hier aussieht, werde ich euch mal einen „normalen“ Tag aus meinem Nica-Leben schildern.

4:50-5:00 Uhr morgens. Der Hahn des Nachbarn kräht: der Tag beginnt für die meisten Menschen hier. Für mich: viel zu früh! Wahrscheinlich auch nur eine Gewohnheitssache, doch mein Langschläfer in mir wehrt sich noch erfolgreich dagegen. Also nochmal umdrehen und weiterschlafen…

6:30 Uhr. Mein Wecker klingelt, aber ich kann mich noch nicht überwinden das Bett zu verlassen…

6:50 Uhr. Höchste Zeit endlich aufzustehen (bzw. aus dem Moskitonetz zu klettern)! Mittlerweile läuft das alles problemlos ab, doch die ersten Tage fand ich mich morgens nassgeschwitzt, mit zerstochenen Füßen und im Moskitonetz verknotet wieder. Doch für alles gibt es bekanntlich eine Lösung: Mein Moskitonetz wurde dann erstmal mit Stecknadeln am Bett, an der Wand und am Fenster befestigt. (An dieser Stelle: Danke Mama, wer hätte denn sonst beim Packen an Stecknadeln gedacht?). Gegen die Hitze in der Nacht, denn auch nachts fallen die Temperaturen kaum , hilft nur der Ventilator und Gewohnheit: denn auch an verschwitzte T-shirts am nächsten Morgen gewöhnt man sich.

Um so dankbarer ist man, wenn aus der Dusche ein kräftiger Wasserstrahl kommt- und wenn kein Wasser kommt- auch kein Problem, dann muss eben ein Becher herhalten, mit dem man sich nach und nach Wasser über den Kopf kippt. Geht, dauert eben nur ein bisschen länger.

Umso besser, dass das leckere Frühstuck, das meist aus Gallopinto (ein Reis-Bohnen-Gemisch und DAS typisch-nicaraguanische Gericht überhaupt), Rührei, frittiertem Käse oder auch aus frischen Früchten besteht, schon bereit steht. Ein kurzes Adios! meinerseits und etwas ausführlichere Verabschiedungen meiner Gastfamilie und los geht es mit dem Fahrrad zum Heim. Mit Blick auf den Vulkan Mombacho, vorbei an bunten Häuserreihen und begleitet von Nachrufen der nicaraguanischen Mannerwelt (ist hier absolut normal), lege ich den 5 Minuten Slalom-Weg zum Hogar de Niñas Madre Albertina zurück.

Im Heim erwartet mich schon die  „Vormittagsgruppe“ der Mädchen. Denn hier geht je nach Klassenstufe ein Teil der Schüler vormittags und ein anderer Teil der Schüler nachmittags zur Schule. Insgesamt leben zur Zeit 30 Mädchen im Heim und ja: die Namen kann ich jetzt. 😉 Zu meinen Aufgaben gehöret es jeweils vormittags und nachmittags einen Snack (Merienda) vorzubereiten, bei den Hausaufgaben zu helfen, die Mädchen zum waschen und aufräumen zu ermutigen, zu spielen…

In ein paar Satzen zu beschreiben, wie es ist im Heim zu arbeiten, ist unmöglich, weil jeder Tag andere Überraschungen bereit hält und kein Tag, wie der andere ist. So kommen zum Beispiel Besuche ins Heim, Projekte finden statt, wir waren im Krankenhaus, um die Kinder dort mit Tanz und Piñata aufzuheitern, wir waren bei einer Ausstellungen, bei dem wir das Heim vorgestellt haben, ein anderes Mädchenheim war zu Besuch… Man merkt es ist immer was los und langweilig wird es nie. Ich kann nur sagen, dass es mir unglaublich gut gefällt und auch wenn es manchmal anstrengend ist, habe ich die Mädchen schon richtig ins Herz geschlossen.

Meistens treibt mich der Hunger dann aber doch gegen 12 Uhr zurück nach Hause und ich werde nicht enttäuscht: Meine Gastmutter steht schon in der Küche und bereitet das immer sehr leckere Essen zu. Nebenbei wird mir dann auch die nicaraguanische Küche beigebracht und sich über den Vormittag/Hitze ausgetauscht. Nach dem Essen ist für mich dann erstmal Siesta angesagt. Um 2 Uhr geht es dann nochmal ins Heim, wo mich die „Nachmittagsgruppe“ erwartet.

5:15-5:30 Uhr. Erschöpft aber glücklich komme ich wieder Zuhause an. Dann wird erstmal ausgeruht, gegessen, Nachrichten beantwortet, entweder Ferngesehen, zur Spanischstunde geradelt oder mit anderen Freiwilligen getroffen…

Gegen 6-7 Uhr geht die Sonne unter. Einige Stunden später liege ich im Bett, der Ventilator wird ausgerichtet und das Moskitonetz richtig ausgebreitet, und wenige Minuten später bin ich dann auch eingeschlafen… Ein weiter Tag im Granada geht zu Ende.

 

Die Farben Nicaraguas

Donnerstag, 29. September 2016 von Lea

Blau-Weiß-Blau.

Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag war es endlich so weit: die Nationalfeiertage Nicaraguas. Schon Wochen vorher wurde im Mädchenheim fleißig Nicaraguaflaggen und die Nationalsymbole gemalt, meine Gastoma führte mich in die Heldentaten und Nationalgeschichten ihres Vaterlandes ein und meine Gastschwester präsentierte mir ihr Band, das sie bei dem Festumzug tragen würde. Denn hier ist es üblich, dass die Schüler der verschiedenen Schulen am 14. September mit Musik und Tanz durch die Straßen ziehen. So kam es also, dass ich mich Mittwochnachmittag auf dem Platz vor der Kathedrale in der prallen Sonne in einer Menschenmenge aus Schülern in Schuluniformen und Müttern mit Wasserflaschen wiederfand. Um 4 Uhr ging dann der Umzug los- und für mich die Jagd nach guten Bildern meiner Gastschwester, die als sehrgute Schülerin eine der Fahnen tragen durfte.

Ich war wirklich beeindruckt, wie die Menschen hier ihren Nationalfeiertag und ihre Unabhängigkeit feiern. Überall waren die nationalen Farben zu sehen und die Nationallieder zu hören.

Der 15. September, der offizielle Nationalfeiertag, war dann vergleichsweise ruhig, aber genau die richtige Einstimmung auf die Ferien!

Erfrischendes Blau.

Während meiner freien Tagen habe ich Besuch von Mafalda aus Juigalpa, Chontales bekommen. Das erste schon aus Deutschland bekannte Gesicht hier in Nicaragua! Es war wirklich schön, sich mal austauschen zu können und zusammen die Gegend rund um Granada zu erkunden.

Unser erster Ausflug ging zur Laguna de Apoyo, ein Vulkankrater, der sich vor vielen, vielen Jahren mit Wasser gefüllt hat und jetzt einfach wunderschön ist. Die Anreise mit Bus, Wandern in der Mittagshitze, Taxifahrt und Mitfahrgelegheit hat uns mal wieder eines gezeigt- immer spontan und flexibel bleiben! 😉 Der Tag an der Lagune hat sich wirklich angefühlt, wie ein Tag Urlaub und war eine ganz andere Seite des Nicaraguas, das ich bis jetzt kenne: erfrischend blau und grün.

Laguna de Apoyo

Laguna de Apoyo

... einige Minuten spaeter

... einige Minuten später

Bei Sonnenschein...

Bei Sonnenschein...

Am nächsten Tag ging es dann mit einer Fähre zu den Isletas, kleine idyllische Inseln, die sich vor Granada im Nicaraguasee befinden. Aber seht selbst…

Die Isletas und der Vulkan Mombacho

Die Isletas und der Vulkan Mombacho

Idylle pur

Idylle pur

Braun-Weiß-Rot.

„Glaubst du, wenn ich nach Deutschland gehe und deutsch spreche werde ich auch weiß?“

„Warum bist du so oft rot im Gesicht?“

„Warum bin ich braun und du weiß?“

Alles Fragen, die mir im Heim von Mädchen gestellt wurden und gar nicht so leicht zu beantworten sind, wie man vielleicht denken mag. Dass man seine Hautfarbe nicht ändert, nur weil man in einem anderen Land und in einer anderen Kultur lebt und eine andere Sprache spricht, kann ich nur bestätigen. 😉 Aber eigentlich ist es doch eine ganz interessante Idee, oder?

Rot ist hier absolut nicht meine Lieblingsfarbe, auch wenn sie sowas wie meine zweite Hautfarbe geworden ist. Für die Mädchen hier immer wieder ein Rätsel und erstaunt wird festgestellt: „Estás roja.“ ( Du bist rot.) Ich war auch ziemlich überrascht, als an den ersten Tagen verzweifelt versucht wurde meine Lippen und Backen abzuschminken…

Anfangs ist mir noch richtig aufgefallen, wie dunkel die Hautfarbe der Menschen hier ist. Mittlerweile bin ich ehr überrascht, wenn ich in den Spiegel schaue und mir auffällt, wie weiß ich im Gegensatz zu ihnen bin. Und es ist wirklich so, dass man sich an alles nach und nach an alles gewöhnt und jeden Tag mehr Dinge normal und alltäglich werden, die am Anfang noch so ungewohnt waren. Langsam habe ich das Gefühl, dass ich hier wirklich ankomme…

Darüber und über meinen ‚“Alltag“ in Nicaragua dann aber das nächstes Mal!

Viele Liebe Grüße aus dem farbenfrohen Nicaragua! 🙂

Lea

 

Heiß, Heißer, Nicaragua

Sonntag, 21. August 2016 von Lea

Seit zwei Woche bin ich jetzt schon hier in Granada, Nicaragua und trotzdem habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich mit der Hitze hier umgehen soll. Mit den Mädchen aus dem Heim Fangen spielen- Leistungssport, ein Eis essen ohne sich zu beckleckern- eine Sache der Unmöglichkeit, sich in die Sonne zu stellen oder sogar zu legen- hier nur etwas für Verrückte! 😉

Doch dann kam für mich letzte Woche total unerwartet das erste Gewitter. Mein erstes Gewitter in Nicaragua und mit das schlimmste, das ich miterlebt habe. Der Donner, der Regen, der unaufhörlich auf das Blechdach prasselt, und das Beben machten jeden Versuch einzuschlafen unmöglich. Anders als in Deutschland mache ich mir hier Sorgen und Gedanken über Blitzableiter (gibt es hier nicht), über Regen, der sich seinen Weg in mein Zimmer bahnt, über den Stromausfall und die Menschen, die ein paar Straßen weiter in ihren selbstgebauten Holz- und Blechhütten leben. Die nächsten Tage war es dann etwas kühler, aber die Temperatur kletterte schnell wieder über die 30-Grad- Linie. Um so dankbarer bin ich hier für einen Ventilator und Kühlschrank, was hier alles andere als selbstverständlich ist.

Abgesehen von den Wettererlebnissen (=Hitze) konnte ich meine ersten Eindrücke von dem Land, den Menschen hier und der Stadt Granada sammeln.

...über den Dächern Granadas...

...über den Dächern Granadas...

Der Vulkan Mombacho

Der Vulkan Mombacho

...vor dem ältesten Haus Granadas...

...vor dem ältesten Haus Granadas...

Gut vernetzt ;)

Gut vernetzt 😉

Meine erste Woche war ich jeweils vormittags in der Sprachschule und habe mich durch Vokabeln, Verbformen und Texte gekämpft, jedoch auch sehr schöne Plätze in Granada kennengelernt.

So lässt es sich lernen...

Nachmittags ging es dann mit dem Mofa oder Fahrrad ins Hogar Madre Albertina, in dem mich jeden Tag fröhliche und sehr liebenswerte Mädchen erwarten. Abends- verschwitzt, müde und glücklich- gibt es dann typisch nicaraguanisches Essen und der Tag endet dann meistens mit einem kleinen Fernsehrabend.

So jetzt aber erstmal genug! Ganz liebe Grüße aus dem heiß, heißer, Nicaragua! 🙂

 

Unglaublich- aber wahr!

Donnerstag, 11. August 2016 von Lea

Ich schlage meine Augen auf und das Erste was ich sehe: ein riesiges Moskitonetz über meinem Kopf. Eine schwüle Hitze schlägt mir entgegen. Wo bin ich hier?

Seit fast einem halben Jahr wusste ich nun, wo ich mein nächstes Jahr verbringen werde- in Granada, Nicaragua. Doch es fühlte sich immer so weit entfernt an und so kam es, dass ich Tage vor der Abreise noch vom „nächsten Jahr“ gesprochen habe.
Auch bei den Abschieden, beim Packen oder – jetzt wäre es doch eigentlich wirklich Zeit- im Flugzeug fühlte sich alles so unwirklich an. Erst an diesem ersten Morgen wurde mir bewusst: Hier in Nicaragua, über 9000 km entfernt von allem was ich kenne, werde ich für ein Jahr leben!
Unglaublich- aber wahr!

Morgens um 4 Uhr in Windach begann meine 20-stündige Reise in meine neue Heimat. Die Flüge, erst nach London und dann weiter nach Miami und zum Schluss nach Managua, verliefen reibungslos. Weiter ging es mit einer einstündigen Fahrt von Managua nach Granada in einem kleinen Pick up. Mein Koffer auf der Ladefläche, mit mir im Auto ein Fahrer, zwei Schwestern und zwei Mädchen aus dem Heim fuhren wir durch die dunklen Straßen Managuas.
In Granada angekommen, wartete meine Gastfamilie schon vor dem Haus und begrüßte mich sehr herzlich.

Willkommen in Nicaragua!

Managua bei Nacht
Managua, die Hauptstadt Nicaraguas, bei Nacht

Mittlerweile bin ich schon 5 Tage in Granada und was ich bis jetzt alles erlebt und gesehen habe, kommt in meinem nächsten Eintrag! Ganz liebe Grüße an alle!