Was machst du so?

Freitag, 21. Oktober 2016 von Lea

Jeden Tag hier in Nicaragua habe ich die Chance etwas weiter in das Leben und die Kultur der Menschen einzutauchen. Wie viel für mich mittlerweile normal geworden ist, was vor einigen Wochen noch komplett neu und fremd war, ist mir erst aufgefallen, als ich vor einigen Tagen mit Freunden aus Deuschland geskypet habe. Um diese alltäglichen Kleinigkeiten festzuhalten und euch ein Bild davon zu geben, wie mein Leben hier aussieht, werde ich euch mal einen „normalen“ Tag aus meinem Nica-Leben schildern.

4:50-5:00 Uhr morgens. Der Hahn des Nachbarn kräht: der Tag beginnt für die meisten Menschen hier. Für mich: viel zu früh! Wahrscheinlich auch nur eine Gewohnheitssache, doch mein Langschläfer in mir wehrt sich noch erfolgreich dagegen. Also nochmal umdrehen und weiterschlafen…

6:30 Uhr. Mein Wecker klingelt, aber ich kann mich noch nicht überwinden das Bett zu verlassen…

6:50 Uhr. Höchste Zeit endlich aufzustehen (bzw. aus dem Moskitonetz zu klettern)! Mittlerweile läuft das alles problemlos ab, doch die ersten Tage fand ich mich morgens nassgeschwitzt, mit zerstochenen Füßen und im Moskitonetz verknotet wieder. Doch für alles gibt es bekanntlich eine Lösung: Mein Moskitonetz wurde dann erstmal mit Stecknadeln am Bett, an der Wand und am Fenster befestigt. (An dieser Stelle: Danke Mama, wer hätte denn sonst beim Packen an Stecknadeln gedacht?). Gegen die Hitze in der Nacht, denn auch nachts fallen die Temperaturen kaum , hilft nur der Ventilator und Gewohnheit: denn auch an verschwitzte T-shirts am nächsten Morgen gewöhnt man sich.

Um so dankbarer ist man, wenn aus der Dusche ein kräftiger Wasserstrahl kommt- und wenn kein Wasser kommt- auch kein Problem, dann muss eben ein Becher herhalten, mit dem man sich nach und nach Wasser über den Kopf kippt. Geht, dauert eben nur ein bisschen länger.

Umso besser, dass das leckere Frühstuck, das meist aus Gallopinto (ein Reis-Bohnen-Gemisch und DAS typisch-nicaraguanische Gericht überhaupt), Rührei, frittiertem Käse oder auch aus frischen Früchten besteht, schon bereit steht. Ein kurzes Adios! meinerseits und etwas ausführlichere Verabschiedungen meiner Gastfamilie und los geht es mit dem Fahrrad zum Heim. Mit Blick auf den Vulkan Mombacho, vorbei an bunten Häuserreihen und begleitet von Nachrufen der nicaraguanischen Mannerwelt (ist hier absolut normal), lege ich den 5 Minuten Slalom-Weg zum Hogar de Niñas Madre Albertina zurück.

Im Heim erwartet mich schon die  „Vormittagsgruppe“ der Mädchen. Denn hier geht je nach Klassenstufe ein Teil der Schüler vormittags und ein anderer Teil der Schüler nachmittags zur Schule. Insgesamt leben zur Zeit 30 Mädchen im Heim und ja: die Namen kann ich jetzt. 😉 Zu meinen Aufgaben gehöret es jeweils vormittags und nachmittags einen Snack (Merienda) vorzubereiten, bei den Hausaufgaben zu helfen, die Mädchen zum waschen und aufräumen zu ermutigen, zu spielen…

In ein paar Satzen zu beschreiben, wie es ist im Heim zu arbeiten, ist unmöglich, weil jeder Tag andere Überraschungen bereit hält und kein Tag, wie der andere ist. So kommen zum Beispiel Besuche ins Heim, Projekte finden statt, wir waren im Krankenhaus, um die Kinder dort mit Tanz und Piñata aufzuheitern, wir waren bei einer Ausstellungen, bei dem wir das Heim vorgestellt haben, ein anderes Mädchenheim war zu Besuch… Man merkt es ist immer was los und langweilig wird es nie. Ich kann nur sagen, dass es mir unglaublich gut gefällt und auch wenn es manchmal anstrengend ist, habe ich die Mädchen schon richtig ins Herz geschlossen.

Meistens treibt mich der Hunger dann aber doch gegen 12 Uhr zurück nach Hause und ich werde nicht enttäuscht: Meine Gastmutter steht schon in der Küche und bereitet das immer sehr leckere Essen zu. Nebenbei wird mir dann auch die nicaraguanische Küche beigebracht und sich über den Vormittag/Hitze ausgetauscht. Nach dem Essen ist für mich dann erstmal Siesta angesagt. Um 2 Uhr geht es dann nochmal ins Heim, wo mich die „Nachmittagsgruppe“ erwartet.

5:15-5:30 Uhr. Erschöpft aber glücklich komme ich wieder Zuhause an. Dann wird erstmal ausgeruht, gegessen, Nachrichten beantwortet, entweder Ferngesehen, zur Spanischstunde geradelt oder mit anderen Freiwilligen getroffen…

Gegen 6-7 Uhr geht die Sonne unter. Einige Stunden später liege ich im Bett, der Ventilator wird ausgerichtet und das Moskitonetz richtig ausgebreitet, und wenige Minuten später bin ich dann auch eingeschlafen… Ein weiter Tag im Granada geht zu Ende.

 

Die Farben Nicaraguas

Donnerstag, 29. September 2016 von Lea

Blau-Weiß-Blau.

Am vergangenen Mittwoch und Donnerstag war es endlich so weit: die Nationalfeiertage Nicaraguas. Schon Wochen vorher wurde im Mädchenheim fleißig Nicaraguaflaggen und die Nationalsymbole gemalt, meine Gastoma führte mich in die Heldentaten und Nationalgeschichten ihres Vaterlandes ein und meine Gastschwester präsentierte mir ihr Band, das sie bei dem Festumzug tragen würde. Denn hier ist es üblich, dass die Schüler der verschiedenen Schulen am 14. September mit Musik und Tanz durch die Straßen ziehen. So kam es also, dass ich mich Mittwochnachmittag auf dem Platz vor der Kathedrale in der prallen Sonne in einer Menschenmenge aus Schülern in Schuluniformen und Müttern mit Wasserflaschen wiederfand. Um 4 Uhr ging dann der Umzug los- und für mich die Jagd nach guten Bildern meiner Gastschwester, die als sehrgute Schülerin eine der Fahnen tragen durfte.

Ich war wirklich beeindruckt, wie die Menschen hier ihren Nationalfeiertag und ihre Unabhängigkeit feiern. Überall waren die nationalen Farben zu sehen und die Nationallieder zu hören.

Der 15. September, der offizielle Nationalfeiertag, war dann vergleichsweise ruhig, aber genau die richtige Einstimmung auf die Ferien!

Erfrischendes Blau.

Während meiner freien Tagen habe ich Besuch von Mafalda aus Juigalpa, Chontales bekommen. Das erste schon aus Deutschland bekannte Gesicht hier in Nicaragua! Es war wirklich schön, sich mal austauschen zu können und zusammen die Gegend rund um Granada zu erkunden.

Unser erster Ausflug ging zur Laguna de Apoyo, ein Vulkankrater, der sich vor vielen, vielen Jahren mit Wasser gefüllt hat und jetzt einfach wunderschön ist. Die Anreise mit Bus, Wandern in der Mittagshitze, Taxifahrt und Mitfahrgelegheit hat uns mal wieder eines gezeigt- immer spontan und flexibel bleiben! 😉 Der Tag an der Lagune hat sich wirklich angefühlt, wie ein Tag Urlaub und war eine ganz andere Seite des Nicaraguas, das ich bis jetzt kenne: erfrischend blau und grün.

Laguna de Apoyo

Laguna de Apoyo

... einige Minuten spaeter

... einige Minuten später

Bei Sonnenschein...

Bei Sonnenschein...

Am nächsten Tag ging es dann mit einer Fähre zu den Isletas, kleine idyllische Inseln, die sich vor Granada im Nicaraguasee befinden. Aber seht selbst…

Die Isletas und der Vulkan Mombacho

Die Isletas und der Vulkan Mombacho

Idylle pur

Idylle pur

Braun-Weiß-Rot.

„Glaubst du, wenn ich nach Deutschland gehe und deutsch spreche werde ich auch weiß?“

„Warum bist du so oft rot im Gesicht?“

„Warum bin ich braun und du weiß?“

Alles Fragen, die mir im Heim von Mädchen gestellt wurden und gar nicht so leicht zu beantworten sind, wie man vielleicht denken mag. Dass man seine Hautfarbe nicht ändert, nur weil man in einem anderen Land und in einer anderen Kultur lebt und eine andere Sprache spricht, kann ich nur bestätigen. 😉 Aber eigentlich ist es doch eine ganz interessante Idee, oder?

Rot ist hier absolut nicht meine Lieblingsfarbe, auch wenn sie sowas wie meine zweite Hautfarbe geworden ist. Für die Mädchen hier immer wieder ein Rätsel und erstaunt wird festgestellt: „Estás roja.“ ( Du bist rot.) Ich war auch ziemlich überrascht, als an den ersten Tagen verzweifelt versucht wurde meine Lippen und Backen abzuschminken…

Anfangs ist mir noch richtig aufgefallen, wie dunkel die Hautfarbe der Menschen hier ist. Mittlerweile bin ich ehr überrascht, wenn ich in den Spiegel schaue und mir auffällt, wie weiß ich im Gegensatz zu ihnen bin. Und es ist wirklich so, dass man sich an alles nach und nach an alles gewöhnt und jeden Tag mehr Dinge normal und alltäglich werden, die am Anfang noch so ungewohnt waren. Langsam habe ich das Gefühl, dass ich hier wirklich ankomme…

Darüber und über meinen ‚“Alltag“ in Nicaragua dann aber das nächstes Mal!

Viele Liebe Grüße aus dem farbenfrohen Nicaragua! 🙂

Lea

 

Heiß, Heißer, Nicaragua

Sonntag, 21. August 2016 von Lea

Seit zwei Woche bin ich jetzt schon hier in Granada, Nicaragua und trotzdem habe ich noch nicht herausgefunden, wie ich mit der Hitze hier umgehen soll. Mit den Mädchen aus dem Heim Fangen spielen- Leistungssport, ein Eis essen ohne sich zu beckleckern- eine Sache der Unmöglichkeit, sich in die Sonne zu stellen oder sogar zu legen- hier nur etwas für Verrückte! 😉

Doch dann kam für mich letzte Woche total unerwartet das erste Gewitter. Mein erstes Gewitter in Nicaragua und mit das schlimmste, das ich miterlebt habe. Der Donner, der Regen, der unaufhörlich auf das Blechdach prasselt, und das Beben machten jeden Versuch einzuschlafen unmöglich. Anders als in Deutschland mache ich mir hier Sorgen und Gedanken über Blitzableiter (gibt es hier nicht), über Regen, der sich seinen Weg in mein Zimmer bahnt, über den Stromausfall und die Menschen, die ein paar Straßen weiter in ihren selbstgebauten Holz- und Blechhütten leben. Die nächsten Tage war es dann etwas kühler, aber die Temperatur kletterte schnell wieder über die 30-Grad- Linie. Um so dankbarer bin ich hier für einen Ventilator und Kühlschrank, was hier alles andere als selbstverständlich ist.

Abgesehen von den Wettererlebnissen (=Hitze) konnte ich meine ersten Eindrücke von dem Land, den Menschen hier und der Stadt Granada sammeln.

...über den Dächern Granadas...

...über den Dächern Granadas...

Der Vulkan Mombacho

Der Vulkan Mombacho

...vor dem ältesten Haus Granadas...

...vor dem ältesten Haus Granadas...

Gut vernetzt ;)

Gut vernetzt 😉

Meine erste Woche war ich jeweils vormittags in der Sprachschule und habe mich durch Vokabeln, Verbformen und Texte gekämpft, jedoch auch sehr schöne Plätze in Granada kennengelernt.

So lässt es sich lernen...

Nachmittags ging es dann mit dem Mofa oder Fahrrad ins Hogar Madre Albertina, in dem mich jeden Tag fröhliche und sehr liebenswerte Mädchen erwarten. Abends- verschwitzt, müde und glücklich- gibt es dann typisch nicaraguanisches Essen und der Tag endet dann meistens mit einem kleinen Fernsehrabend.

So jetzt aber erstmal genug! Ganz liebe Grüße aus dem heiß, heißer, Nicaragua! 🙂

 

Unglaublich- aber wahr!

Donnerstag, 11. August 2016 von Lea

Ich schlage meine Augen auf und das Erste was ich sehe: ein riesiges Moskitonetz über meinem Kopf. Eine schwüle Hitze schlägt mir entgegen. Wo bin ich hier?

Seit fast einem halben Jahr wusste ich nun, wo ich mein nächstes Jahr verbringen werde- in Granada, Nicaragua. Doch es fühlte sich immer so weit entfernt an und so kam es, dass ich Tage vor der Abreise noch vom „nächsten Jahr“ gesprochen habe.
Auch bei den Abschieden, beim Packen oder – jetzt wäre es doch eigentlich wirklich Zeit- im Flugzeug fühlte sich alles so unwirklich an. Erst an diesem ersten Morgen wurde mir bewusst: Hier in Nicaragua, über 9000 km entfernt von allem was ich kenne, werde ich für ein Jahr leben!
Unglaublich- aber wahr!

Morgens um 4 Uhr in Windach begann meine 20-stündige Reise in meine neue Heimat. Die Flüge, erst nach London und dann weiter nach Miami und zum Schluss nach Managua, verliefen reibungslos. Weiter ging es mit einer einstündigen Fahrt von Managua nach Granada in einem kleinen Pick up. Mein Koffer auf der Ladefläche, mit mir im Auto ein Fahrer, zwei Schwestern und zwei Mädchen aus dem Heim fuhren wir durch die dunklen Straßen Managuas.
In Granada angekommen, wartete meine Gastfamilie schon vor dem Haus und begrüßte mich sehr herzlich.

Willkommen in Nicaragua!

Managua bei Nacht
Managua, die Hauptstadt Nicaraguas, bei Nacht

Mittlerweile bin ich schon 5 Tage in Granada und was ich bis jetzt alles erlebt und gesehen habe, kommt in meinem nächsten Eintrag! Ganz liebe Grüße an alle!