Dankbar und Glücklich

Montag, 14. August 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde, Verwandte und Begleiter,

Bei dem Rwenzori Gebirge, Kasese

Nun bin ich schon seit fast drei Wochen wieder zurück in Deutschland. Und was soll ich sagen – die Rückkehr, das Wiedereinfinden vor dem ich so eine Angst hatte, wurde mir von meinen Lieben sehr schön und einfach gestaltet.

Aber das nur vorneweg, ich würde gerne noch ein Wenig von den letzten Wochen und dem Abschied aus Uganda erzählen, eine für mich sehr emotionale Zeit. Am vierten Juli ist meine gute Freundin Jessica von Freiburg nach Entebbe gereist, wo ich sie dann abholen und direkt in die Hauptstadt Kampala bringen konnte.

Sipi Falls, Mbale (um das Klischee der Wüste Afrikas aufzuheben)

Da ich noch Arbeit zu leisten hatte war unser Zeitplan sehr eng getaktet, und Jessy lernte im Schnelldurchlauf Mbale, Jinja, Kampala, Kasese und Fort Portal kennen. Sie sah die Sipi Falls und die Quelle des Nils, kletterte auf dem Rwenzori Gebirge, badete bei Regen in heißen Quellen und besuchte die Kraterseen erloschener Vulkane. Die Krönung war eine Safari, bei welcher wir mit dem Boot und einem Tracker einen Vormittag lang über den Kanal zwischen Lake Edward und Lake George fuhren und unter anderem ganzen Elefantenherden beim Tränken am Ufer zusehen konnten.

Und dann konnte Jessy meine Stadt, mein Projekt, meine Freunde in Uganda kennen lernen. Es war großartig, mein dortiges Leben mit einer mir so wichtigen Person zu teilen, mich vor Ort darüber auszutauschen und dort gemeinsam zu Leben und zu Arbeiten.

Die Schüler der St. Augustine School

Sie war so begeistert, dass sie schon am zweiten Tag auch selbst unterrichtete, Englisch in der Klasse P4. Nach der Schule besuchten wir immer wieder meine ugandische Familie, die bald schon auch Jessica als ihre „Tochter“ aufnahmen. Gemeinsam kochten und aßen wir, besuchten die Gärten mit Matooke, Kaffee und Passionsfrüchten und sahen unserem ältesten „Bruder“ dabei zu, wie er zwei wunderschöne Statuen aus Holz für uns schnitze. Die Wochenenden und freien Nachmittage verbrachten wir wieder in dem Kinderheim, von welchem ich in meinem letzten Blogeintrag erzählte, spielten Fußball mit den Jungen und besuchten vier der Kinder in der Schule. Hier hatten wir die Möglichkeit, Einblicke in die Klausuren zu bekommen und uns außerdem mit den Lehrern zu unterhalten, wobei wir ausschließlich positivste Rückmeldungen mitbekamen. Alle Jungen sind Erst- oder zweitbester ihrer Stufe, sie erreichen volle Punktzahl in den Klausuren und legen ein gutes Benehmen an den Tag. Ein Kritikpunkt an Timothy war, dass er „zu viel selbst denkt“ und dadurch manchmal „ungehorsam“ wirke.

Ist das nicht großartig? Alle dieser Schüler waren vor wenigen Jahren noch Straßenkinder, verlassen, ungebildet, alleine. Und seht sie euch jetzt an, in ihrem neuen Zuhause erfahren sie so viel Zuneigung und Unterstützung, dass sie in meinen Augen Unglaubliches vollbringen können. Ich war und bin so stolz auf diese Kinder, nicht, weil sie gute Noten erbringen, sondern weil sie wieder aufrecht laufen, so viel Freude empfinden, solch aufgeschlossenen, zuvorkommenden, freundlichen jungen Menschen sind und erst mich, und später auch Jessy, dazu gebracht haben sie vom ersten Tag an mit ganzem Herzen zu lieben und wertzuschätzen!

„Chris Brown from Uganda“ (rechts) und „Stubborn“ (Links)

Am letzten Donnerstag begleiteten Jessy und ich die Brüder Julius und Barnabas bei ihrem „Nightwalk“ in der Innenstadt Masakas. Wir liefen zu den Plätzen, an welchen sich die Straßenkinder für gewöhnlich aufhalten, trommelten alle zusammen und suchten uns eine Stelle, an welcher wir auch mit fast vierzig Kindern ungestört sitzen konnten. Wir erzählten, lachten, spielten Karten und aßen am Ende der Nacht noch einmal gemeinsam. Diese Zeit mit den Straßenkindern war unfassbar witzig und wertvoll.

Die Klasse P4 wollte ein Abschiedsfoto machen, das uns immer zum Lachen bringt 🙂

Dass dieser letzte Monat so schön und bereichernd war, hat die Gedanken an den baldigen Abschied nicht wirklich einfacher gemacht. An dem Tag vor meinem Rückflug musste ich mich in der St. Augustine Schule in Bulando von meinen Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium verabschieden. Jede Klasse hatte ein Lied oder einen Tanz vorbereitet (selbstverständlich wurde ich auch wieder gezwungen mitzutanzen), einige Lehrer und der Schulleiter hielten sehr bewegende Reden, am Ende sang der Science-Lehrer John Denvers „Leaving on a Jetplane“ und die ganze Schulgemeinde betete für mich, uns und euch!
Immer wieder flossen Tränen, was auch wirklich nicht besser wurde, als ich mich am Nachmittag auch noch von meiner ugandischen Familie und am Abend von all meinen Freunden, den Einheimischen wie Deutschen, verabschieden musste. Ich hatte ein sehr schönes Abendessen mit den Priestern und Mädchen der Kurie und danach trafen wir uns mit den wichtigsten Menschen in unserer Lieblingsbar dem „Vspots“, tanzten zu Reggea Musik (manch einer wird uns für Klischees halten) und knuddelten uns noch einmal so lange, dass es bis zum nächsten Wiedersehen reichen sollte. Ich kann meine Liebe für Uganda, für diese Menschen, für diese Einstellung zum Leben nicht in Worte fassen.

Ein letztes Highlight war der Rückflug. Mal abgesehen davon, dass Thomas und ich als Vegetarier nicht nur stets als Erstes unser Essen bekamen, sondern auch das viel besser aussehende, und daher von allen Seiten neidisch beäugt wurden, hatten wir in dieser Nacht einen unfassbar klaren Sternenhimmel. Ich durfte am Fenster sitzen und so hatte ich, ganz besonders über der kilometerlangen Sahara, von welcher aus keine Lichter blendeten und über welcher keine Wolken zogen, einen Ausblick, den ich niemals vergessen werde. Wir flogen über der Wüste, durch einen schwarzen Himmel mit tausenden von leuchtenden Sternen und es war, als würde ich schweben. Als würde die Zeit kurz stehen bleiben, als würde sich die Welt für einen Augenblick nicht drehen und mir ein paar Sekunden mehr Zeit geben, mich von diesem Kontinent zu verabschieden.

Ich habe mein Schwesterlein wieder!

Und dann sah ich die Lichter Tel Avivs, die Lichter der Küste und die Lichter der Städte, die uns zum Mittelmeer und bald zu den Städten Europas führten. Man sagt, dass beim Fliegen der Körper vor dem Geist am Ziel ankommt, da alles so schnell geht und man sich erst neu einstellen muss, aber ich habe das Gefühl, dass mein Geist bei meiner Ankunft in Deutschland schon sehr präsent war. Als ich meinem Vater am Frankfurter Flughafen das erste Mal wieder in die Arme fallen konnte, als ich meinen ersten Soja Latte bei Starbucks bestellte und im Zug, als der Schaffner eine Durchsage machte, weil wir acht Minuten Verspätung hatten und ich mich vor Lachen darüber kaum mehr halten konnte, belustigt daran erinnernd, dass ich in Uganda auch schon fünf einhalb Stunden in einem Bus gesessen habe, ehe er losfuhr. Zu Hause, als ich nach zwölf Monaten wieder meine Schwester und Mutter drücken konnte und im Supermarkt, als Papa mich ausgelacht hat, weil das Erste, das ich kaufte, Bananen waren. Am Abend, als all unsere lieben Nachbarn und guten Freunde der Familie vorbei kamen und neben so viel Freude über die Rückkehr, auch noch das beste selbstgemachte vegane Essen mitbrachten. Und auch wenn ich nach zwei Nächten ohne Schlaf nicht viel erzählen konnte, war es doch einfach schön beieinander zu sitzen und den anderen zuzuhören.

Die Freiburger Mannschaft hatte wohl erwartet, dass ich in Uganda erwachsen geworden sei, jedoch mussten alle mit einem Schmunzeln feststellen, dass dies doch noch nicht eingetreten ist. Ich hörte Frederik zu seinem Vater rennen und sagen: „Gell, du hattest gesagt Barbara kommt als erwachsene junge Frau zurück und ich hab gesagt sie bleibt die Alte. Und ich hatte Recht!“

Ich würde auch sagen, dass mich die Zeit in Uganda nicht grundlegend verändert hat, sie hat nur meinen Blick, meine Sicht auf die Dinge geprägt und mich in mancher Hinsicht vielleicht weiser gemacht, nicht älter. Ich weiß nun um manche Wahrheiten, die ich nicht so leicht werde vergessen können und wollen und ich kenne die Relationen von arm und reich, gut und schlecht, richtig und falsch von den Menschen auf der anderen Seite der Weltkugel. Ich habe Dinge gesehen und erlebt, die mich in jedem Gedanken beeinflussen, die ich immer im Hinterkopf haben werde, bei jeder Entscheidung die ich treffe und in Zukunft treffen werde. Auch ich laufe nun aufrechter, rede weniger (aber immer noch genug, keine Sorge) und höre mehr zu. Ein westafrikanisches Sprichwort lautet: „Wenn du das erste Mal hierherkommst, dann mach die Augen und Ohren auf, nicht den Mund. Du kannst so viel lernen.“

Wanderung auf dem Mount Egon, Mbale

Ich wurde häufig nach meinen Highlights aus diesem Jahr gefragt und ich konnte und kann immer nur die gesamte Zeit dort nennen. Ich war selten so glücklich, so nah bei mir selbst, durfte solch besondere Menschen kennen lernen. War noch nie so dankbar! Ich habe so viele Dinge wertgeschätzt. Habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt. Es gibt keinen Tag, an welchem ich nicht glücklich war. Ich weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist und mir ist auch bewusst, dass ihr, liebe Freunde,Verwandte und Begleiter, einen sehr großen Teil dazu beigetragen habt. Ich möchte euch für jede unfassbar nette, aufbauende und unterstützende Nachricht danken, für all eure warmen Worte, Gedanken und Gebete und all die Liebe, die ich in diesem Jahr von zu Hause erfahren durfte, wozu ihr alle gehört.

Und nun werde ich mir etwas zu Essen machen. Ich weiß noch nicht, was genau, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass es kein Posho and Beans sein wird!

Mit ganz vielen lieben Grüßen und, trotz Regen, Sonne im Herzen,
eure Barbara 

 

Helden

Freitag, 30. Juni 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

 

Kurz vorneweg, ich bin so stolz wie Oskar und strahle vermutlich wie ein Honigkuchenpferd, denn ich komme gerade aus der Grundschule und habe dort ein Mädchen mit Trisomie 21 sowie stark ausgeprägten Lernschwierigkeiten kennengelernt und (gezwungenermaßen) das gesamte Gespräch mit ihr auf Luganda geführt. Dass dies geklappt hat, wird mich jetzt noch den ganzen Tag glücklich machen. 😀

 

Aber darum soll es in diesem Eintrag nicht gehen, sondern um große und kleine Helden, die ich während der letzten Monate in Uganda kennen lernen durfte. Manche von euch haben meinen Blog die letzten Male gerne gemeinsam mit ihren Kindern gelesen. Ich bin mir nicht sicher, ob diesmal alle Beiträge ganz kindgerecht sind, deshalb würde ich alle Eltern unter euch bitten, einfach kurz zu überfliegen, ob das alles auch okay für die Kinder ist, ich wäre ungern der Auslöser für schlechte Träume o.ä. 🙂 Danke euch!

Helden sind für mich Menschen, die über sich selbst hinaus wachsen oder beschließen, ihr Leben ganz für ihr Mitmenschen hinzugeben. Seit meinem letzten Blogeintrag waren schon wieder einmal Schulferien (alle drei Monate, also nach jedem Schulterm bekommen die Kinder ein paar Wochen frei) und die freie Zeit habe ich in einem Waisenheim nahe Nabugabu verbracht und bin dort aus dem Staunen gar nicht mehr heraus gekommen. Ich möchte die Geschichte von zwei Helden mit euch teilen, die durch ihr Handeln noch vielen weiteren Menschen helfen, zu Helden zu werden.

Zwei meiner Freunde, die Brüder Julius und Barnabas, haben vor vier Jahren beschlossen, dass sie nicht mehr in Uganda leben können, zwischen all den Straßenkindern, ohne wenigstens zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen (sie haben meinen größten Respekt dafür). So begonnen sie, abends nach der Schule durch die Straßen Masakas zu laufen, mit den dort lebenden Kindern zu spielen und sich mit ihnen zu unterhalten, ihnen zuzuhören. Manche kamen danach noch so häufig zum Essen bei ihnen zu Hause vorbei, dass die beiden sie bald ganz bei sich aufnahmen. Und auch wenn fünf Jungen so ein neues zu Hause gefunden hatten, sahen sie noch immer all die anderen Kinder draußen auf der Straße schlafen. Sie sammelten privat Spenden von Freunden und

13 der 24 Jungen im besten Anzug vor ihrem neuen Heim

bauten von diesem Geld ein kleines Häuschen auf einem leeren Grundstück, ca. 45 Minuten außerhalb von Masaka Town, in einem Dorf nahe Nabugabu. Ihr Tatendrang und ihre Begeisterung steckten ihre Freunde und viele der damaligen Freiwilligen aus Kanada an und gemeinsam wurden abends sogenannte „Nightwalks“ unternommen, in welchen sie zu den Straßenkindern gingen, durch Spielen und Tanzen ihr Vertrauen gewannen und nicht selten auch Essen mitbrachten. Die Kinder erfuhren das Gefühl von Zuneigung und wurden das erste mal in ihrem Leben als Kinder und nicht als Abschaum wahrgenommen. Bald wurde das kleines Häuschen möbliert und mit dem Nötigsten ausgestattet und sobald die Straßenjungen dazu bereit waren, durften sie einziehen.

Sie lernten, einen geregelten Tagesablauf zu haben, Regeln zu befolgen, freundlich und höflich gegenüber anderen und fair gegenüber einander zu sein. Julius und Barnabas machen beide eine Ausbildung zum Lehrer und konnten ihr Wissen so direkt den mittlerweile 24 Kindern in ihrem Heim weitergeben. Die Jungen wurden so lange zu Hause unterrichtet, bis genug Geld da war, jeden einzelnen in die Schule zu schicken. Obwohl sie selbst noch in Ausbildung sidinvestieren die Brüder fast ihre ganze Zeit und ihr Geld für diese ehemaligen Straßenkinder und sind seit nun mittlerweile vier Jahren Bezugspersonen, Lebenslehrer und ganz besonders eines: wie liebende Eltern. Jeden Abend wird mindesten zwei Stunden lang Fußball gespielt, nicht nur, weil Julius ganz verrückt danach ist, sondern auch, damit die Jungen lernen im Team zu kämpfen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und Spaß am Spiel zu haben (alle der Jungen haben mit den sog. „Straßenkämpfen“ aufgehört, bei welchen man um Geld wettet, wer am Stärksten ist). Letzten Monat haben die Brüder ein Fußballturnier in ihrem Dorf organisiert, bei welchem jedes Kind mitmachen konnte, solange es zwischen 12 und 16 Jahren alt war und ein Team zusammenstellte. Zu gewinnen gab es einen Fußball und nagelneue Trickots! Das Ziel war es, alle Kinder des Dorfes dafür zu sensibilisieren, mit jedem Kind zu spielen, ganz egal ob Straßenkind, Waise oder aus einer funktionierenden Familie kommend. Und meines Ermessens nach war das Turnier ein voller Erfolg! Es wurde so viel gelacht, gespielt und lauthals singend angefeuert, dass ich den ganzen Tag nicht mehr aufhören konnte zu grinsen.

Als ich die Jungen das erste Mal kennen lernen durfte, konnte ich nicht glauben, dass diese Kinder von der Straße kommen sollten, ungebildet, ungeliebt und täglicher Gewalt ausgesetzt, denn sie sind die höflichsten, freundlichsten und wohlerzogensten Jungen, mit denen ich bisher in Uganda Zeit verbracht habe, und nebenher sprechen sie auch noch großartiges Englisch.
Ich möchte mit euch die Geschichten von zwei der Kindern teilen (natürlich mit deren Erlaubnis), weil ich selten so tief berührt war und jede für sich eine riesengroße Erfolgsgeschichte ist! 

Ema (links) und Geoffrey (rechts) errichten ihr eigenes kleines Maracuja Feld

Geoffrey ist zehn Jahre alt. Die Brüder holten ihn vor zwei Jahren von der Straße, als er acht war. Die Gang, mit welcher er nachts unterwegs war, behandelte ihn nicht schlecht, da er am niedlichsten aussah und deshalb beim Betteln das meiste Geld einbrachte. Seit er fünf war, hatte er eine schwere Abhängigkeit nach „Spirit“, einem hochprozentigen Alkohol, den man in Uganda in Tüten an der Tanke oder kleinen Straßenläden kaufen kann. Ich habe dies einmal gekostet (natürlich zu Recherchezwecken) und es ist widerlich! Geoffrey hat mir erzählt, dass es ihn hat alles vergessen lassen. Wenn er betrunken war, war ihm warm und er hatte keine Sorgen, alles war egal. Aufgrund des Alkoholkonsums wurde Geoffreys Wachsum gehemmt und er sieht noch heute sehr jung aus, seine neuen Brüder nennen ihn deshalb nur „Babyface“, was allerdings liebkosend und nicht böse gemeint ist. Seinen Staßennamen „police pie“ hat er aufgegeben. Aufgrund des Mangels an Größe ist der Junge innerlich schon sehr schnell „erwachsen“ geworden und behauptet sich unfassbar gerne gegenüber anderen im Ballspielen, Lernen oder Tanzen. Weil er so voll Lebensfreude und Energie ist fiel er mir als erstes auf und ich wollte ihn knuddeln (ich habe ein Knuddel-Problem, was süße Kinder angeht), jedoch stieß er mich weg. Er wollte nicht, dass andere so einen Moment der „Schwäche“ sehen könnten. Ich habe dies verstanden, jedoch nicht so einfach akzeptiert. Alle Kinder sollen wissen, was es heißt, bedingungslos gemocht zu werden und (freundschaftliche) Liebe annehemen zu können. Ich kam häufig zu Besuch, spielte Basketball und Fußball mit ihm, wir spielten „Ninja“ und Tanzten zu meiner unfassbar schlechten Handymusik im Aufenthaltsraum. Einmal spielten wir Fangen, als er über mein Bein stolperte und aus Versehen auf mich fiel. Er blieb einfach liegen und ließ sich von mir knuddeln und das war wohl mein schönster Tag im Waisenheim.

Auch wenn Geoffrey klein ist, ist sein Herz riesengroß. An einem Abend traf ich Julius und er erzählte mir, dass er gerade an diesem Tag einen Umschlag von Geoffreys Schule erhalten hatte, mit einem Brief und Taschengeld (er gibt den Jungen jeden Morgen ein Wenig Geld, damit sie sich in der Pause einen Snack kaufen können) von ca. einem Monat. Der Brief war auf Luganda geschrieben,

Geoffrey

aber Julius hat ihn für mich ins Englsche übersetzt: „Dear Uncle Julius, I am being in school and working hard, but always I remember where you picked me from. I do remember my friends I left in hard conditions, so I have not been taking my breakfast snack and asked the canteen woman to save it for me and she agreed. Today I have picked it and sent it to you. Use it to buy snacks like popcorn or chapatti to the homeless boys on streets during your night walk. Tell them its from police pie.“ (Meine Übersetzung ins Deutsche: Lieber Onkel Julius, ich bin in der Schule und arbeite hart, jedoch erinnere ich mich immer daran, wo du mich hergeholt hast. Ich erinnere mich an meine Freunde, die ich mit harten Bedingungen zurück gelassen habe, deshalb habe ich meinen Frühstückssnack nicht gegessen und die Dame in der Kantine gebeten, das Geld für mich aufzubewahren. Heute habe ich das Geld abgeholt und sende es nun zu dir. Benutze es, um bei deinem nächsten Nightwalk Snacks wie Popcorn oder Chapatti für die obdachlosen Kinder auf der Straße zu kaufen. Sag ihnen, es ist von police pie.“)
Diese kleine Persönlichkeit hat mich vor Freude zu Tränen gerührt.

Dann haben wir da noch Abdul. Er ist jetzt fünfzehn, die Brüder holten ihn von der Straße als er elf war. Abdhu hatte noch eine Familie als er beschloss auszuziehen. Sein Vater handelte mit Drogen und seine Mutter prostituierte sich. Auch er griff gerne mal zu dem ein oder anderen Tütchen Marihuana (hier „Ganja“ genannt), bis dies nicht mehr reichte seine Sinne zu vernebeln und er eine Benzin-Abhängigkeit entwickelte. Er hat mir erzählt, dass es ihn „Ausknoggte“, wenn er lange genug daran schüffelte und ihn dies nachts schlafen ließ. Er hat drei Tattoos, eine Pistole und einen Totenkopf auf dem Oberarm und ein Schwert auf dem Unterarm. Daneben eine Blume, die er sich selbst stach, als er hörte, dass seine Mutter an AIDS gestorben und sein Vater kurz darauf wegen Betrugs im Geschäft ums Leben kam. Julius und Barnabas haben ihm ein neues Zuhause geschenkt, ihm Lesen und Schreiben beigebracht, Englisch und Mathematik. Abdul wollte ein guter Schüler sein. Er wollte lernen und Anerkennung durch Leistung bekommen, nicht mehr durch Stärke. Er wurde so gut, dass er die Aufnahmeprüfung an der besten Schule Masakas bestand. Und nicht nur das: dieses Jahr gewann er den Mathematikwettbewerb der größeren Region Masakas und hat damit nicht nur sich, seine Brüder und neuen Väter so stolz wie Oskar gemacht, sondern auch eine Einladung der Makerere Universität bekommen, um dort in weiteren Wettbewerben die gesamte Region Masakas zu vertreten!

Straßenjungen spielen Karten beim Wochenend-Program

Zudem bieten die Brüder jedes Wochenende das sogenannte “Weekend program” an, Stunden, in welchen sie und die Waisenjungen Zeit mit den noch auf der Staße lebenden Kindern verbringen. Meistens wird Fußball und Karten gespielt, danach gemeinsam gegessen und dabei darf jedes Kind von seiner Woche erzählen. Von Konflikten und Erfolgen. Sie sind eine Familie, teilen ihre Geschichten, ihr Lachen und die Tränen. Manchmal lässt Julius einen seiner Jungen alleine zu den Straßenjungen sprechen, weil er überzeugt davon ist, dass dieser sie noch viel besser verstehen kann. Letzte Woche war es der zwölfjährige Timothy. Ich möchte einen Satz seiner „Rede“ mit euch teilen: „Gebt niemals den guten Teil in euch selbst auf! Er ist es, der uns anders macht. Habt immer Hoffnung.“
Was habe ich in meinen „Ferien“ gelernt? Urteile niemals. Sieht man Julius das erste Mal, mag er wie ein „Muzungu-Hunter“ (einer, der sich lieber mit Weißen abgibt) herüber kommen, jedoch versucht er einfach nur die Kosten für Lebensmittel und medizinische Versorgung und die hohen Gebühren der guten Schulen von 24 Jungen zu sichern und ist dabei selbst noch Studierender und nur wenige Jahre älter als ich. Sieht man die Straßenkinder das erste Mal, schmutzig, ungepflegt, frech, fällt es schwer, das Potenzial zu dem besten Schüler der Stadt in ihnen zu sehen. Aber es ist da. Es braucht Liebe und Pflege und Zeit, aber der Wille ist in jedem einzelnen von ihnen!

Die drei Jungs haben mir die Haare geflochten 😀

Aber genug meiner Ferienarbeit, was ich danach erleben durfte, ist nämlich auch ziemlich cool. Mein Mitfreiwilliger Thomas (manch einer mag sich aus meinen ersten Blogeinträgen an ihn erinnern, wir wohnten während des Luganda-Sprachkurses gemeinsam in Kampala) und ich, haben für drei Wochen die Projekte getauscht. Er zog also nach Masaka und verbrachte viel Zeit in dem Kindergarten und den Schulen, während ich in seinem Haus (wirklich, ein ganzes Haus, es war großartig) in Mityana wohnte und seine Tätigkeiten im Krankenhaus und der Schule übernahm.

Mityana ist ein hübsches kleines Städchen, bestehend aus einer Straße (Masaka hat immerhin drei), und mit regem Matatu- und Bodaverkehr. Die zu fahrenden Strecken sind so überschaubar, dass jede Fahrt „Lukumi“ (1000 Schilling = 25 Cent) kostet und es ist wirklich unfassbar entspannt, einfach losfahren zu können, ohne stundenlang einen Preis aushandeln zu müssen. Auf dem großen Obst- und Gemüsemarkt in Mityanas Zentrum findet sich alles, was es zur Selbstversorgung bedarf und was es nicht gibt, kann man notfalls an der Tankstelle kaufen, dem einzigen „Supermarkt“ der Stadt.

Die ersten beiden Wochen hatte ich die Möglichkeit meinen Erfahrungshorizont noch etwas zu erweitern und im St. Francis

Barbara passt auf den kleinen Leonard Pius auf, während seine Mutter in der Behandlung ist

Community Health Centre zu arbeiten, einem der vom Kindermissionswerk gesponserten Projekte in Uganda und es war großartig und schwer für mich zugleich. Ich begann in der „Dental Section“, dem Zahnarzt, und auch wenn es unglaubwürdig klingen mag, diese Abteilung war am Schwersten für mich zu durchstehen. Täglich kamen Menschen mit ansich kleinen Beschwerden, die jedoch aufgrund fehlenden Geldes nicht behandelt werden konnten. Hatte jemand Karies, wurde der betroffene Zahn und die beiden daneben liegenden einfach herausgezogen und Mädchen in meinem Alter hatten von da an ein entstelltes Lächeln. An einem Morgen kam eine junge Mutter mit ihrem (schätzungsweise) drei oder vier Jahre alten Sohn in die Klinik. Der Kleine hatte einen geschwollenen Kiefer und weinte vor Schmerzen, durch tagelangen Nahrungsmangel vollkommen abgemagert. Der Zahnarzt diagnostizierte einen Tumor, ob gut- oder bösartig sollte anhand einer Biopsie festgestellt werden. Das weitere Verfahren wären eine Strahlentherapie (bösartig) oder das einfache Entfernen des Tumors (gutartig) gewesen. Die Mutter konnte sich nicht einmal die Biopsie leisten und fragte den Arzt unter Tränen, ob sie also nicht einmal erführe, woran ihr Sohn nun sterben würde. Er bejahte und musste sie fort schicken. Meine Entsetzung könnt ihr euch mit Sicherheit vorstellen, und dies war kein Einzelfall. Ich möchte nicht sagen, dass ich mit der Zeit abgestumpft bin, aber mein Empfinden für manche Realitäten auf dieser Welt ist auf jeden Fall noch einmal auf eine ganze andere Art und Weise sensibilisiert worden. Für mich sind alle diese Personen, und dabei ganz besonders die Ärzte, Schwestern und Helfer, riesengroße Helden, da sie jeden Morgen aufstehen und ihren wichtigen Dienst für die Mitmenschen leisten!

Schon bald schnupperte ich also lieber einmal bei der Apotheke, der Geburtshilfe, dem Labor und den Allgemeinärzten vorbei.

Im Labor 🙂

Hängen blieb ich in der „Chronic Care“, der Abteilung, in welcher man sich vor allem mit HIV infizierten und von AIDS betroffenen Patienten beschäftigt (aber auch weitere chronische Krankheiten we Diabetes o.ä. werden langfristig behandelt). Ein besonderes Augenmerk wird hier auf die Schwangeren und junge Mütter gelegt und auch wenn es ein für die Psyche schweres Thema ist, sich viel damit auseinander zu setzten, konnte ich hier mit einem beruhigteren Gewissen arbeiten, da die Kosten für die meisten Behandlungen vom Kindermissionswerk übernommen werden und ich nicht ständig das Bedürfnis hatte, jedes Medikament für eine Besserung bezahlen zu wollen. Manche der Patienten wollten (verständlicherweise) keine Fremden bei ihren Gesprächen mit dabei haben, besonders, wenn es sehr emotional wurde, und so hatte ich viel Zeit mich durch die Büroordner zu wühlen, sie mit Hilfe der Akten auf den neuesten Stand zu bringen und in eine Ordnung zu bringen. Tatsächlich hat mir das ziemlich viel Spaß gebracht und ich hatte die Möglichkeit mich mit all den Mitarbeitern zu unterhalten, auszutauschen und von ihnen zu lernen.

Aus der Kategorie: sieht nicht super aus, schmeckt aber so 😀

Danach hatte ich noch eine Woche in dem St. Theresa Vocational Training Centre, einer Berufsschule für junge Menschen in meinem Alter, die dort das Handwerk des Bäckers, Kochs, Schneiners, Ingenieurs, Schneiders oder Mechanikers erlernen können (das war jetzt nicht genderkonform geschrieben, entschuldigt bitte). Die meiste Zeit verbrachte ich in der Küche, wo wir großartige Marmorkuchen und Bananenbrote bucken. Das deutsche Rührkuchen Rezept für den Marmorkuchen wurde sogar in den Lehrplan aufgenommen, ein voller Erfolg also. 😀 Alle waren unfassabar freundlich, aufgeschlossen und haben mir die Zeit in der Schule so mit ihren großen Herzen ganz wunderbar gestaltet.

Meine freie Zeit konnte ich Aerobics und Yoga widmen (manch einer wird sagen, was für ein Klischee ich doch geworden sei), wo ich einige großartige Menschen kennen lernen durfte. Einheimische, wie Besucher und andere Freiwillige. Mir ist aufgefallen, dass man, ganz besonders in dem kleinen Mityana, häufig die einzige weiße Person ist und wenn doch mal ein Weißer auftaucht, habe ich das Gefühl, ihn genauso anzustarren wie die Einheimischen. Allerdings kommt man durch das Angestarre meist auch relativ schnell in Kontakt und so durfte ich in diesen drei Wochen sehr sehr interessante Menschen aus Bristol, Oxford, den USA und tatsächlich sogar Berlin kennenlernen.
Ich denke das faszinierendste am Reisen sind für mich die Menschen, denen man unterwegs begegnet. Dies mag an meinem unbezwingbaren Drang zur Kommunkikation liegen oder daran, dass unsere Persönlichkeit durch den Austausch mit unseren Mitmenschen, anderen Meinungen und Anschauungen wächst und sich weiter entwickelt. An jedem Ort denken Menschen anders, handeln so verschieden und gehen auf eine Art und Weise mit Situationen um, die mir so bisher ganz fremd waren, aber wie großartig ist es, all diese Erlebnisse und Begegnungen in seinen Erfahrungsschatz aufzunehmen?

Teresa und Barbara vor einem der Kraterseen in Fort Portal im April 2017

In Anlehnung daran, habe ich schon seit einer ganzen Weile vor, einen Reisebericht als Rundmail zu schreiben, jedoch fehlt mir dazu fast ein Wenig die Zeit. Durch lauter glückliche Umstände konnte ich bisher nämlich nicht nur durch Uganda selbst reisen, sondern hatte auch die Möglichkeit, einmal quer durch Kenia und Rwanda zu kommen –zwei wunderschöne Länder! Aktuell stressen mich jedoch noch die Bewerbungsfristen, Motivationsschreiben und all die Dinge für die Unis, die zwar sein müssen, welche ich jedoch lieber schon längst hinter mir hätte. Aber es ist Besserung in Sicht: Schon nächste Woche wird mich meine gute Freundin Jessica aus Freiburg besuchen kommen und den Rest des Freiwilligendienstes mit mir in Uganda verbringen. Ich könnte aufgeregter und vorfreudiger nicht sein und fiebere auf den Juli daher mehr hin, als ich eigentlich dachte, denn am Ende des Monats werde ich ja schon zurück in Deutschland sein. Kaum zu glauben! Und noch eine großartige Nachricht: meine Katze Lilli ist hochträchtig und wird bald Junge bekommen. Sobald es so weit ist, werde ich das Haus, außer zum Unterrichten, vermutlich nicht mehr verlassen. 😀

Ich wünsche euch allen von Herzen einen wunderschönen Sommer und hoffentlich ganz viel Zeit im Freibad,
eure Barbara

 

 

Home, sweet Home

Donnerstag, 11. Mai 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

Mein absolutes und unersetzbares Lieblingsbild!

Es kommt mir vor, als sei ich schon seit Ewigkeiten hier. Als sei alles um mich herum immer schon so gewesen, wird auch noch lange so weiter gehen und nicht in weniger als drei Monaten vorbei sein. Ich habe mich so sehr in meinen Alltag eingefunden, in alle meine Schülerinnen und Schüler verliebt und großartige Freunde gefunden, dass ich noch gar nicht einsehe, dass dies irgendwann ein Ende nehmen wird. Aber wie mein lieber Herr Vater einmal gesagt hat: „Wenn es nicht total bescheuert wird, wirst du sowieso immer wieder an diesen Ort zurückkommen!“. Und tenzenziell hat er Recht damit, vor ein paar Wochen haben wir uns von Tabea Ortmanns verabschiedet, meiner Vorfreiwilligen, die schon Heimweh nach Masaka hatte und das schöne Städchen für einen Monat besuchen kam.

Aber da ich seit ungefähr Weihnachten mit meinem Blog im Verzug bin, möchte ich nun endlich wieder einmal ein Wenig von meinem Leben in Uganda erzählen. In der ersten Februarwoche hatte ich ein Zwischenseminar, für das ich nach Nairobi, Kenia reisen durfte. Dieses Seminar hat alle meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern auch weit übertroffen. Super witzige Mitfreiwillige aus Uganda und Kenia, unfassbar kompetente Teamer und ein tolles Programm zur Reflexion des Freiwilligendienstes. Und das beste Essen, das ich in den letzten neun Monaten aß! Das Seminar hat nicht nur ganz viel Austausch mit den Anderen geboten, sondern mir auch noch einmal ziemlich viel Motivation für die zweite Hälfte mit auf den Weg gegeben. Da der Großteil der Anderen auch hauptsächlich an Schulen ist, haben wir viel über das Unterrichten und verschiedene Lernmethoden geredet, bis ich fast zurück nach Uganda gelaufen wäre, weil ich unbedingt wieder zu meinen Schülern wollte!

An alle Jungs vom Vorbereitungsseminar: Wir durften endlich wieder kreativ sein und einen Lebensfluss zeichnen!

Das oberste Bild mit dem Blondschopf in der Mitte ist das Meine 😀

 

 

 

 

 

 

 

Zurück in der St. Augustine Primary School habe ich dann (da ich ja jetzt lange genug da sei und das sicher gehandlet kriege), zwei neue Klassen bekommen. Die P5 und die P7. Anstelle der gewohnten 25 Kinder, sitzen hier pro Klasse 70 und mehr Schülerinnen und Schüler vor mir und schauen mich erwartungsvoll an. Obwohl sie wirklich brav und ruhig sind, ist es trotzdem sehr viel schwieriger, fast die dreifache Menge an Schülern unter Kontrolle zu halten. Ich gebe mein Bestes und wenn ich merke, dass die Konzentration nachlässt, gehe ich mit allen einmal nach draußen und spiele ein sog. „Anschuggerle“, ein kurzes Spiel, welches alle wieder aufwecken soll (auch mich, Unterrichten strengt mehr an als ich dachte). Am Beliebtesten sind hier das „Pony“-Spiel und „Funky Chicken“, weil man dabei viel singen, brüllen und tanzen kann. Ihr würdet nicht glauben, wie großartig auch die ganz Kleinen schon tanzen können..

Während des beliebten „Anschuggerles“

Meine Unkreativität hat Tim gebeten, ein Plakat des Verdauungssystems für meine P5 zu gestalten

Ich würde euch gerne von zwei Erlebnissen aus der Schule erzählen, die mich besonders bewegt haben. Da in Bulando bisher kein Religionsunterricht für die Kinder angeboten wurde, habe ich gefragt, ob ich dies nicht übernehmen dürfte und da es für das Kollegium in Ordnung war, gebe ich nun Stunden in R.E. (Religious Education) für die Schülerinnen und Schülern in der Klasse P7. Und ich bin schlichtweg begeistert! Dies ist endlich ein Fach, das Austausch und Diskussion bietet und wo sich die Kinder eine eigene Meinung bilden können. Ich finde manches, was die SchülerInnen hier hören, doch etwas fragwürdig und möchte deshalb auch andere Seiten des Glaubens aufzeigen. So wurde den 600 Schülerinnen und Schülern in einem der Gottesdienste erzählt, dass wir Weißen nicht nur intelligenter und fleißiger seien (man siehe sich nur unsere tollen Erfindungen wie das Rad o.ä. an), sondern durch unsere Hautfarbe auch näher am Himmelreich dran, da wir mehr von Gott geliebt würden und er uns deshalb dieses „Geschenk“ der hellen Haut gegeben habe. Da kein Lehrer das Gefühl hatte, aufzustehen und dies zu korrigieren, habe ich eine Unterrichtsstunde zu Genesis vorbereitet (war sowieso im Lehrplan!), wo ich anhand von Beispielen, die die Kinder selbst anfassen und nachlesen konnten, erklärt habe, weshalb alle Menschen von Gott gleich geliebt und wertgeschätzt werden. Dass es keine Unterschiede gibt. Dass jeder an und für sich einzigartig und wunderbar ist. Dass wir Gott nicht „fürchten“ brauchen, weil er uns in seinem Ebenbild genau so geschaffen hat, wie wir sein sollen. Dass wir im Glauben in Gemeinschaft sind und niemals alleine. Ich habe an der Tafel gesammelt, was für die Kinder „ein guter Christ sein“ ausmacht und schon bald wurden Sätze wie „jeden Sonntag in die Kirche gehen“ und „vor dem Essen beten“ durch „füreinander da sein“, „den Mitmenschen helfen und mit ihnen teilen“ und „jeden respektieren, egal welche Hautfarbe, Rasse oder Geschlecht“ ausgetauscht. Ich bin stolz auf diese Kinder, wir haben viel gelacht und ich glaube, dass ihnen gerade diese Stunde irgendwie auch ein Wenig etwas für das Leben im Allgmeinen gebracht hat.

In dieser Klasse sind alle Kinder Christen, außer einem Mädchen, Aisha kommt aus einer muslimischen Familie. (Jetzt kommt der Part, von dem ich eigentlich berichten wolle). Das Mädchen folgte mir nach Schulschluss nach draußen, fiel auf die Knie, nahm meine Hände und flüsterte, dass sie mir wünsche, dass „mein Gott“ mich immer auf meinem Weg begleite. Nicht nur jetzt, sondern „für immer“. Dies hat mich so tief berührt, weil es aus dem Herzen dieses Kindes kam und, auch wenn es nicht „mein“ Gott ist, doch eine so große Aufgeschlossenheit und Akzeptanz zeigt.

Einige der Schülerinnen aus der P7 vor unserem Klassenzimmer 🙂

Das nächste Ereignis ist schon ein paar Wochen her, berührt mich jedoch immer noch, wenn ich daran denke.

An einem Morgen bin ich in die Schule in Bulando gefahren, um den Kindern ein bisschen etwas über Biologie zu erzählen, als ich sah, dass in dem kleinen Klassenzimmer nur 15 SchülerInnen, anstelle der sonst 76 Kinder saßen. Auf meine Nachfrage hin, erklärte mir der Schulleiter, dass sie die Kinder in die umliegenden Dörfer schicken mussten, damit sie dort um Geld betteln. Die Schule hatte keine Mittel mehr, um den SchülerInnen Stifte zu kaufen, was aber wichtig wäre, da im Unterricht zu dieser Zeit nicht mehr mitgeschrieben werden konnte. Die Kinder haben ihre Schulzeit mit Betteln verschwendet, anstatt den Unterricht zu besuchen. Ich habe dies hier nun schon öfter erlebt und auch andere Freiwillige erzählten mir von ähnlichen Erlebnissen an ihren Schulen. Was ich damals gefühlt habe ist schwer in Worte zu fassen. Irgendetwas zwischen Traurigkeit und Wut über die Bildungspolitik der Regierung. Aber da dies primär kein politischer Blog ist, werde ich meine Gefühle hier nicht weiter ausführen. 😀 Zudem dies auch aktuell nicht mehr der Stand der St. Augustines ist! Dank des Patenschaftprojektes haben wir mittlerweile nicht nur 600 neue Hefte, Stifte und Bücher für Schüler und Lehrer, sondern sogar auch Zirkel und Geodreiecke für den Mathe- und Scienceunterricht!

Mit buntem Geschenkpapier verschönert: neu eingeschlagene Hefte für den Reli-Unterricht

Ansonsten ist das Leben als weiße „Lehrerin“ in Uganda immer noch sehr abwechslungsreich, witzig und lehrreich (für mich). Alle Schülerinnen und Schüler in Bulando und Kayijja kennen inzwischen meinen Namen und ich werde morgens und nachmittags mit einem lauten „Baabula“, „Baabla“(Barbara kann ich Uganda wirklich niemand aussprechen) oder „Teacher Nantale“ (mein ugandischer Name, so werde ich vor allem während des Unterrichtens genannt) begrüßt und verabschiedet. Selbst andere Weiße die nach Bulando zur Schule kommen werden „Barbara“ genannt und wenn ich durch die benachbarten Dörfer fahre wird mir immer wieder mein Name selbst von Erwachsenen zugerufen. Die längere Anwesenheit einer Weißen spricht sich einfach in schnellster Zeit herum! Manchmal ist das ein Wenig seltsam für mich, aber man gewöhnt sich daran..

„The absorption of food“, Science-Unterricht in der P5.

Ich liebe meine Klassen nach wie vor aus tiefstem Herzen. Ich weiß, dass diese Kinder unfassbar klug und witzig sind und wir können in den Pausen (und manchmal während des Unterrichts) so viel Unsinn zusammen machen, dass es mir immer eine Freude ist, dorthin zu fahren! Gerade ist Regenzeit und daher komme ich morgens leider nicht in die Dörfer, da anstelle einer Straße, ein reißender Bach dorthin führt, aber dafür bin ich dann nachmittags länger da.  Einmal hatte ich eine Freistunde und habe  mich in Teresas Englischunterricht in die Klasse P3 gesetzt. Sie wollte die Vokabeln der „Umwelt“erklären und suchte aktuell nach dem Wort „Erde“. Sie fragte also die Klasse, worauf wir denn stünden, die kleine Eve meldete sich und flüsterte „Schlamm“.  Das fand ich wirklich süß und traurig gleichzeitig, da wir durch den starken Regen am Morgen tatsächlich nur noch in Schlammpfützen saßen. Danach kam noch einmal so ein traurig-witziger Moment für uns, als Teresa einen Mülleimer in ihre Umwelt auf der Tafel zeichnete (sehr Deutsch) und die Kinder nicht wussten, was das sein sollte..

76 SchülerInnen, gar kein Problem 😛

An diesem Tag war auch Philippa noch hier, eine Freiwillige, die für vier Wochen in Uganda war, und bemerkte, dass einer der Schüler, Eddie, humpelte. Wir gingen also kurz mit ihm nach draußen, um uns das Bein anzusehen und fanden eine offene, entzündete und eiternde Wunde. Eddie wurde von einem Boda angefahren und nicht behandelt. Als wir mit ihm zu seiner Familie fuhren und seinen Eltern sagten, wir würden ihren Sohn gerne ins Krankenhaus bringen, fing die Mutter an zu weinen und versteckte den Jungen unter einer Decke. Sie habe kein Geld für eine Behandlung, wir sollten wieder gehen. Als wir mitteilten, dass die Kosten übernommen werden würden und die Gesundheit vorginge, verschwand die Mutter kurz und brachte uns dann noch einen anderen Jungen, etwas jünger als Eddie, der wegen zu vielen Schmerzen verursacht durch Verletzungen in seiner Leiste auch nicht mehr Laufen konnte. Wir setzten beide Jungen auf ein Boda und Philippa fuhr mit den Beiden in das Krankenhaus in Kitovu, wo sie dann untersucht und behandelt wurden. Mittlerweile sind beide wieder gesund und zurück in der Schule! 🙂

Philippa und Eddie

Schön ist es mit den Schülerinnen und Schülern aber nicht nur während der Schulzeit, sondern ganz besonders auch danach und auf dem Nachhauseweg. Egal ob ich alleine bin oder mit Teresa (war, sie ist vor zwei Wochen zurück nach Deutschland geflogen), uns folgte immer eine riesengroße Traube von Kindern, die uns meist sogar bis ins nächste Dorf begleiteten. In Bulando fahren keine Bodas, weshalb wir immer erst in das nächste Dorf, Kayijja, laufen mussten um von dort dann nach Hause zu kommen. Ich liebe diese Wege, denn die Kinder sind immer SO niedlich, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Meistens fängt Einer leise an zu murmeln „do you know the funky chicken“ und die anderen Kinder singen dann nach und nach mit, bis sie das Lied laut grölen und Teresa und mich (jetzt nur noch mich) zwingen, für sie das „Funky Chicken“ zu spielen. So geht das dann den ganzen Weg bis nach Kayijja und wir erfinden mit den Kindern immer neue Figuren für das Spiel. (Für alle, die das nicht kennen, eine kurze Erläuterung: Ein Spielleiter ruft laut „do you know the funky chicken?“, die Kinder antworten dann mit „what did you say?“, man wiederholt dies zwei Mal und macht dann die Geräusche und Bewegungen eines Huhnes nach. Es können folgen das Krokodil, der Tiger und eigentlich alle lebenden Tierarten dieses Planeten. Sehr einfach, aber leicht verständlich und bringt ziemlich viel Spaß).

Eine kleine Traube von „Funky Chicken“-Liebhabern (dazwischen Teresa)

Beste Freunde auf dem Heimweg 🙂

Wer genau hinsieht, kann am Ende der Porrigeausgabeschlange eine Barbara erkennen

Zudem wurde ich von einem einheimischen Deutschlehrer einer weiterführenden Schule in Masaka gebeten, für eine seiner Schülerinnen, Lydia, ein Empfehlungsschreiben für ein FSJ in Deutschland zu schreiben und ihr bei der Bewerbung zu helfen. Tatsächlich wurde sie sogar angenommen und wird im August nach Stuttgart fliegen. Nun treffe ich mich jede Woche mit Lydia und gebe ihr Deutschnachhilfe, was mir großen Spaß bringt und mir auch besonders kulturell noch einmal ganz neue Sichtweisen auf Deutschland gibt.

Aber jetzt genug von den Schulen, ich hoffe, ich konnte nun einmal einen besseren Einblick in mein Leben als „Lehrerin“ hier in Uganda geben. Tatsächlich mache ich ja auch noch andere Dinge. Neben der Schule und dem Office haben ich in den letzten Wochen sehr viel Zeit in der Holzwerkstatt (auch in Bulando) verbracht. Die beiden Mädchen in meinem Alter sind wie Schwestern für mich geworden und die Eltern der Familie haben mich als ihre Tochter „adoptiert“. Dies ist in Uganda ein sehr sehr großes Zeichen von Liebe und Respekt und ich weiß das wirklich zu schätzen. Derzeit bastele ich sogar selbst an einer kleinen Holzstatue, aber die meiste Zeit verbringe ich eigentlich mit den Mädchen in der Küche oder den Gärten. Hier bringen sie mir bei, die traditionellen Gerichte zuzubereiten (ich habe schon ein Huhn gekauft und zerlegt, es hieß Louise), und zeigen mir, welche der einheimischen Pflanzen beispielsweise heilende Wirkungen haben (Aloe Vera gewinnt alles) oder wie man richtig seine Erde lockert und umgräbt. In dieser 10-köpfigen Familie darf ich so viel Liebe erfahren und so viel lernen! Hier fühle ich mich wirklich wie eine Einheimische, ich wurde einem Clan zugeteilt (auch keine Selbstverständlichkeit, (ich durfte mir den Löwen-Clan aussuchen)) und ich habe teilweise sogar die ugandischen Sitten übernommen. So knie ich mich beispielsweise nieder, wenn Respektpersonen wie die Mutter, der Vater oder der große Bruder zu mir kommen. Es ist eine großartige Erfahrung, so das alltägliche Leben der Ugander mitzuerleben und seid euch sicher, in Deutschland werde ich Matooke und Posho zubereiten und ihr werdet nicht darum herum kommen, es zu kosten! 😉

Die Mutter (rechts) und Maxencia (links) zeigen mir das traditionelle Zubereiten von Speisen

Liebe Freunde und Verwandte, seid versichert, dass ich mit meinem nächsten Blogeintrag nicht wieder so lange auf mich warten lasse (dann bin ich nämlich schon zurück in Deutschland, haha), denn ich möchte euch unbedingt auch noch von meinen Reisen durch Uganda, Kenia und Rwanda und dem Projekt, in welchem ich während der aktuellen Schulferien arbeite, berichten! Fühlt euch gedrückt und gegrüßt, ich schicke ganz viel Sonne in die (noch) kalte Heimat,

Barbara 🙂

 

Uganda- 11 Dinge die ich sehr mag und 11 Dinge die ich nicht mag

Sonntag, 08. Januar 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

nun bin ich schon seit über 5 Monaten in Uganda und ich denke, dass ich mittlerweile schon eine Bilanz ziehen kann, was ich hier in diesem Land mag und was eher weniger. Hauptsächlich mache ich das nur, weil ich mich einmal so richtig über alles das mich nervt aufregen wollte und mir dachte, dass die Feiertage doch genau richtig dafür sind. Ihr seid alle voll Liebe und Freude über das Fest der Geburt Christi und das neue Jahr und merkt gar nicht, wie ich mich über diese Dinge echauffiere (geschickt, nicht?). Aber auch wenn es hier über 30° C sind, in den Weihnachtspaketen aus Deutschland wurden mir Tannenzweige und Räucherstäbchen geschickt und die verbreiten nun ganz wunderbaren Weihnachtsduft in meinem Zimmer, weshalb ich doch noch in festliche Stimmung gekommen bin. In Gedanken bin ich bei euch allen und auf dem Weihnachtsmarkt, esse dort vegane Crêpes und trinke Punsch (Glühwein war nur dann cool, als man es noch nicht durfte), vermisse die wunderschöne Freiburger Weihnachtsdekoration und Mamas klassische Weihnachtsmusik aus dem Wohnzimmer. Ich danke euch, für all die liebe Weihnachtspost aus der Ferne und hoffe, ihr hattet besinnliche Festtage und einen wunderbaren Start in das Jahr 2017!

Bevor ich aber diese Liste schreibe, möchte ich euch noch auf den neuesten Stand meiner aktuellen Tätigkeit bringen. 🙂 (Übrigens werden die Bilder, die auf dem Kopf sind richtig herum angezeigt, wenn man sie anklickt!) Jetzt in der Trockenzeit haben die Schulen leider geschlossen und es wird erst Anfang Februar weiter gehen, weshalb ich mir eine neue Beschäftigung für diese Wochen suchen musste. Derzeit arbeite ich hauptsächlich sehr viel im Office, wo wir Freiwilligen Tim, Teresa und ich mit den Mitarbeitern einen Reiseführer über Masaka schreiben (man kann Flyer entweder hässlich oder sehr hässlich gestalten, wir mussten wirklich einmal aufräumen dort) und zu Hause arbeite ich an einem Umweltprojekt, das im Mürz gestartet werden soll, wo wir besonders Workshops zur Nachhaltigkeit u.ä. geben und den Menschen erklären, wie sie ihre Lebensmittel lange haltbar machen können. Ansonsten geht es gerade darum, neue Schüler für das kommende Schuljahr anzuwerben (Weiße sind da sehr gut für die Werbung) und sicher zu stellen, dass die bedürftigen Kinder eine Patenschaft bekommen, damit auch sie die Chance haben eine Schule zu besuchen. Dafür fahren wir in die umliegenden Dörfer, reden mit den Eltern und nehmen Namen und Daten der Kinder auf. Heute hat ein Freund von mir, Moses, der hier in Masaka ein eigenes NGO-Projekt aufgebaut hat und bei dem wir immer mal mithelfen, Axel und mich zu einer Schule auf einem Berg gefahren, wo wir uns erst die aktuellen Baustand der neuen Schulgebäude ansahen und dann in die umliegenden Dörfer fuhren, um nach Kindern zu sehen, die eigentlich im Schulalter sind, jedoch keinen Unterricht bekommen. Wir fragten nach Namen und Alter, Verwandten und generellen Lebensstandards und ich bin heute ein Wenig traumatisiert aus diesem Treffen heraus gekommen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir lernten eine Familie kennen, eine blinde Mutter mit neun Kindern, der Vater kam kürzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben, deren Haus beim letzten starken Wind einstürzte. Das Jüngste der Kinder konnte nicht gerettet werden und starb unter dem Schutt, das Haus ist immer noch eine Ruine, denn eine Reparatur kann sich die Mutter nicht leisten. Zwei der Kinder haben einen aufgeblähten Hungerbauch, fast die Hälfte ist HIV-positiv. Wir wollen diese Kinder zur Schule schicken und wenn Moses und seine Mitarbeiter Sponsoren finden wird dies auch möglich sein. Er war die letzten Jahre so erfolgreich, dass die Bergschule gerade sogar ausgebaut wird, mit Schlafsälen für die Schüler und einer Küche (heute habe ich mein erstes Mahl über offenem Feuer auf Stöcken zubereitet. Es gab -Überraschung- braune Bohnen).

Dies alles sind Erfahrungen für die ich unendlich dankbar bin, denn sie zeigen mir, was so ein Auslandsjahr doch bewirken kann, es zeigt mir, dass jede Kleinigkeit zählt, dass wir zählen und dass ich dankbar sein kann für alles, das ich in meinem zu Hause in Deutschland habe.

Moses und die Kinder vor ihrem eingestürzten Haus

Moses und die Kinder vor ihrem eingestürzten Haus

Unsere Schüler für das kommende Schuljahr. Fünf von fünf benötigen eine Patenschaft.

Unsere Schüler für das kommende Schuljahr. Fünf von fünf benötigen eine Patenschaft.

Dinge die ich sehr mag:

  • Meine Arbeit. Wir schreiben irgendeinen Abend vorletzter Woche und es ist wieder einmal Stromausfall, weshalb ich nicht meinem gewohnten Internetkonsum nachgehen und mir Blogs über leckere vegane Gerichte durchlesen kann, und so überkommt mich eine kreative Phase und ich bin plötzlich motiviert, Arbeitsblätter für 25 Kinder per Hand zu schreiben. Der Plan ist, einfach einen Wiederholungstest des Stoffs der letzten Stunde zu schreiben, was ich schon nach ungefähr zwei Stunden mühevoller Arbeit zu tiefst bereue, als ich noch nicht einmal die Hälfte fertig habe. Aber so einen Luxus wie Kopierer oder gar Overheadprojektoren gibt es auf den Dörfern Ugandas eher nicht und so habe ich die begonnenen Arbeit tatsächlich irgendwann spät in der Nacht noch zu Ende geführt. Am nächsten Tag bin ich dann spontan zur Schule nach Kayijja gefahren (dort, wo ich Science unterrichte) und als ich so überraschend im Türrahmen meiner Klasse Primary 5 stand wurden ihre Augen riesengroß, die Schüler riefen laut „Yes!“ und einige gaben sich ein High-Five. Das war denke ich mein bisher schönster Moment in Uganda, denn diese große Freude über meinen Besuch zeigte mir nicht nur, dass die Kinder meinen Unterricht mögen und sogar etwas dabei lernen, sondern dass sie es auch gerne tun. Die Meisten erinnerten sich auch noch an den Großteil aus der letzten Stunde (es ging um das Immunsystem, mein Lieblingsthema), einige erreichten sogar die volle Punktzahl und das machte mich unfassbar stolz. Auch beim Patenschaftsprojekt machen wir große Fortschritte. Wir konnten ein paar Schulgebäude ausbauen, bzw. sogar eine ganz neue sanitäre Einrichtung bauen und weitere Kinder zur Schule schicken. Es ist wunderbar, diesen Fortschritt selbst mitzuerleben und es macht mich, wenn ich nicht gerade wieder Malaria habe, wirklich täglich glücklich hier zu sein.

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Natürlich musste ich ein Foto meiner Arbeit machen und nach Hause schicken 😀

  • Feiertage. Da in Uganda Weihnachten erst am 25. gefeiert wird war der 24. hier tatsächlich ein ganz gewöhnlicher Tag, was wir deutschen Freiwilligen so nicht wirklich auf uns sitzen lassen konnten, da wir den Heiligen Abend schon den Tag davor im Blut hatten und so sind wir daher gemeinsam Essen gegangen und haben versucht auch bei 33° C ein bisschen festlich zu sein. Das eigentliche Weihnachtsfest habe ich zusammen mit den neuen Freiwilligen Teresa und Tim in einem Waisenhaus, dem „Motherhouse“ in Masaka gefeiert. Wir bekamen ein großartiges Buffet mit traditionellem Weihnachtsessen und die Kinder haben für und mit uns Gesungen, Getanzt und auf Trommeln gespielt. Wegen der Klimaerwärmung blieb der sonst für Weihnachten typische Regen in Uganda aus, weil sich die gesamte Regenzeit verschoben hat, aber wir hatten auch bei über 30° C sehr viel Freude mit den vielen liebenswerten und unfassbar süßen Kindern. Es war wirklich schön, wenn auch sehr anders.

Zwei Mädchen aus dem Kinderheim, die Mütze bringt weihnachtlichen Spaß

Zwei Mädchen aus dem Kinderheim, die Mütze bringt weihnachtlichen Spaß

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Bilou und die fast passende Weihnachtsmütze 🙂

  • Über Silvester bin ich mit den Eirene-Freiwilligen, Teresa der Eine-Welt-Freiwilligen und Tim dem Opam-Freiwilligen an den Lake Bunyonyi in den Südwesten Ugandas, an der Grenze zu Ruanda und dem Kongo, gefahren, wo wir elf fünf großartige Tage auf einem Steg am See verbracht haben. Die nächste größere Stadt heißt Kabale und sieht aus wie die Kulisse für einen Westernfilm. Auch die Gegend um den See herum ist die Schönste, die ich bisher in Uganda sah! Wirklich, es ist atemberaubend! In der Nacht vom 31. auf den 1. wurden wir mit einem Motorboot auf Toms Island (der Originalname heißt „Insel der 100 Vögel“ oder so ähnlich) gebracht und bekamen dort von den Einheimischen eine Führung über die Insel mit anschließendem Buffet und BBQ für die Fleischesser unter uns (es gab Ziege). Bis Mitternacht wurden dann Spiele mit den anderen dort anwesenden Gruppen aus Italien, Frankreich und Ruanda gespielt (tatsächlich gewannen wir die Meisten, gerade bei Strategiespielen kommt niemand gegen die deutsche Genauigkeit an) und um kurz nach elf fuhren wir dann mit Kanus auf den See hinaus. Überall schwammen Kerzen auf dem Wasser und wir Kanus ordneten uns in einer kreisförmigen Formation an, um dann Punkt Mitternacht eine Flasche Sekt herumzugeben, uns in die Arme zu fallen und dann in den See zu springen. Wir haben selten so ein romantisches Silvester gefeiert. 😀
Sonnenuntergang auf den Kanus

Sonnenuntergang auf den Kanus

"Gegend, viel Gegend!" (Aussicht von unserem Hotel aus)

"Gegend, viel Gegend!" (Aussicht von unserem Hotel aus)

  • The African Spirit. Viel mehr als in Europa, haben die Ugander das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Kontinent Afrika. Die Musik die sie spielen (Reggae), die Lieder die sie singen und die Gedichte die sie schreiben, alles beschreibt den ganzen Kontinent, nicht ein kleines Land darin. Die Einheimischen begrüßen uns mit „Welcome to Afrika“, „How do you like Afrika“ und „Is it your first time in Afrika“ und berichten mit leuchtenden Augen von der Schönheit Afrikas. Die Schönheit in Uganda kann ich auf jeden Fall schon bestätigen, Kenia, Ruanda und Tansania auch bald und mehr wird sich hoffentlich noch ergeben. Deshalb haben wir denke ich auch so viele allgemeine Stereotypen die Afrika betreffen und so Wenige über Europa, weil hier die Zusammengehörigkeit viel mehr über den Kontinent verteilt ist und meiner Erfahrung nach auch wirklich viele Leute so sind wie in unserer Vorstellung. Wenn ich mich mal locker mache und entspanne kommt immer irgendein gut gelaunter Ugander vorbei und beglückwünscht mich mit: „Yes, that’s the African Spirit“ (Ja, das ist der Geist Afrikas).
  • Ein typisches Bild? Ja, vielleicht. Trotzdem super? Auf jeden Fall! (Aufgenommen in der Nähe Ngogwes am Viktoriasee)

    Ein typisches Bild? Ja, vielleicht. Trotzdem super? Auf jeden Fall! (Aufgenommen in der Nähe Ngogwes am Viktoriasee)

  • Die Natur. Ohne zu Übertreiben kann ich sagen, dass ich die Natur Ugandas sehr viel schöner finde, als alles, das ich bisher in Deutschland und Europa sah. Die Farben sind wunderschön, die Größe der Pflanzen überwältigend und der üppige Wachstum des Regenwaldes majestätisch, wie wir es uns mit unseren „kleinen“ Misch- und Nadelwäldern kaum vorstellen können. Steht man zwischen Schlingpflanzen und Akazien kommt man sich so winzig vor. Ich liebe es, Spaziergänge zwischen den Kaffee- und Bananenplantagen zu machen und Axel, Tim und ich laufen mittlerweile immer von der Stadt zurück anstatt ein Boda zu nehmen, damit wir die Aussicht über das Tal unterhalb unseres Berges genießen können. Uganda ist wirklich unfassbar grün und im Kontrast zu den roten Straßen ergibt das eine Farbenpracht, von der man nie genug sehen kann. Zudem ist immer gutes Wetter. 😀
  • Der Regenwald in Ngogwe. Ich fühlte mich selten so winzig!

    Der Regenwald in Ngogwe. Ich fühlte mich selten so winzig.

  • Auf den Buvuma-Islands am Viktoriasee

    Auf den Buvuma-Islands am Viktoriasee im Napoleon Golf

  • Grassroots. Das Grassroots ist ein kleines Café in der Stadtmitte von Masaka Town, das vegane und vegetarische Gerichte anbietet und ich bin dort quasi eingezogen. Da es sogar WLAN gibt, erledige ich dort nahezu die gesamte Büroarbeit bei einem Grünen Smoothie und ein bisschen Guacamole. Wer hätte gedacht, dass ich so ein Stück des grünen Freiburgs inmitten von Uganda finden würde.. Ich könnte mich dort jedenfalls wohler nicht fühlen und auch alle anderen Freiwilligen wurden von mir schon dorthin verschleppt (alles nur zu ihrem Besten natürlich) und haben das Café kennen und lieben gelernt.
  • Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Es passiert nicht selten, dass ich irgendwo auf den Straßen Masakas unterwegs bin und mir plötzlich ein strahlender Ugander entgegenrennt, meinen Namen ruft und mich fragt, wie Dies und Das läuft und ich einfach überhaupt keinen Schimmer habe, wer das ist. Weil die Ugander einfach so unfassbar freundlich und offen sind, komme ich täglich mit wirklich SO vielen neuen Leuten in Kontakt, die ganzen Gesichter kann ich mir einfach nicht merken. Meistens fällt das auch gar nicht auf, weil ich einfach breit zurück grinse und frage, wie „Stuff“ so läuft und mein Gegenüber direkt zu erzählen beginnt und ich mich dann Meistens wieder erinnere.. Unangenehm wird es erst, wenn ich mich erneut jemandem vorstelle und nach seinem Namen frage und er mich daran erinnern muss, dass wir uns schon zuvor trafen und einander vorgestellt wurden. (Zitat Axel, gestern: „Gut dass du diese Peinlichkeit auf dich nehmen musstest, ich hatte auch kein Ahnung mehr wer das ist, bis er es dir wieder gesagt hat“.) Aber neben meiner Unfähigkeit, mir Gesichter zu merken, bringt diese Freundlichkeit unglaublich viele Vorteile, egal was ich meine einheimischen Freunde frage, sie sind für alles begeisterungsfähig und immer mit dabei.
  • Die große Gastfreundschaft. An einem verlängerten Wochenende habe ich mich mit den Eirene-Freiwilligen in Ngogwe getroffen, wo wir in einem Projekt namens YARD unterkamen und einer der runden Lehmhütten mit Reetdach nächtigten durften. Alle Mitarbeiter des Projektes waren unheimlich freundlich, luden uns stets zum Essen ein, und setzten sich abends mit uns ans Lagerfeuer, machten laute Reggea Musik an und zwangen uns, mit ihnen zu tanzen. 😀 Wie selbstverständlich fuhr uns einer an einem Tag an den Viktoriasee zur der Busisi-Fähre, diese bringt die Bewohner des Festlandes umsonst auf die nächste Insel und holt sie abends nach getaner Arbeit wieder ab. Wir sind mit aufgesprungen und hatten mit den Einheimischen einen ganz wunderbaren Tag auf der grünen Insel, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten und sie auch nur eher spärliches Englisch sprachen.
  • Rosanna, Anna und ich am Ufer des Lake Victoria

    Rosanna, Anna und ich am Ufer des Lake Victoria

    Aussicht von der Busisi-Fähre auf die Landzunge der Insel

    Aussicht von der Busisi-Fähre auf die Landzunge der Insel

  • Doch nicht nur dort, egal, wo ich hinkomme, ich werde mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit und Liebe empfangen, die in Deutschland vermutlich sogar eher fremd wäre. Einmal begleitete ich eines der Mädchen mit nach Hause in den Slum Nyendos. Die winzige Backsteinhütte hatte nur ein Zimmer in welchem sich das ganze Leben abspielt und auch nur einen Stuhl, welcher für Gäste ist, denn es ist unhöflich, diese auf dem Boden sitzen zu lassen. Auch wenn mir das unangenehm auf höchster Stufe war, saß ich nun als Einzige auf einem Stuhl und die ganze aufgeregte Familie mit großen Augen um mich herum, in der Erwartung, ich würde gleich irgendetwas besonders Außergewöhnliches machen, weil ich nun mal weiß bin. Es kann aber auch etwas nervig sein, wenn wir beispielsweise in der Schule nicht mit den Lehrern draußen aus Plastikschüsseln essen, sondern richtiges Geschirr bekommen und an den Tisch des Direktors gesetzt werden und niemand verstehen kann, warum wir das gar nicht möchten (weil wir sind ja weiß und das gewohnt und so weiter). Trotzdem schafft es die selbstverständliche Gastfreundschaft Ugandas gegenüber Fremden und Reisenden, dass man sich in diesem Land einfach nur wohl fühlen kann.

  • African Time. In Deutschland war ich bekannt als die, die stets zehn Minuten zu spät kommt (Einige Freundinnen, Laetitia, Amelie und Felicitas, haben irgendwann angefangen, mir falsche Zeiten für unsere Treffen zu nennen, damit ich am Ende pünktlich da bin, sehr raffiniert). Hier bin ich dafür bekannt, die deutsche Pünktlichkeit in Person zu sein und immer schon an Ort und Stelle zu stehen, wenn ein Treffen verabredet war. Das liegt aber einfach nur daran, dass die Einheimischen noch viel mehr zu spät kommen und nie wissen können, seit wann ich schon warte. Und das ist großartig! 😀 So kann ich in meinem Zehn-Minuten-zu-spät-Modus bleiben und trotzdem jedes Mal noch pünktlich sein. (Zitat Papa: „Du darfst alle guten Eigenschaften aus Uganda mitnehmen, nur das mit der Zeit bitte nicht, dann tauchst du hier wahrscheinlich gar nicht mehr auf“.) Ich muss sogar zugeben, dass mich das Zu-spät-Kommen der Ugander ab einer Stunde dann auch nervt. In der Sprachschule habe ich aber gelernt, dass elf Uhr noch bis elf Uhr neunundfünfzig ist und man bei einem verabredetem Treffen um elf erst um zwölf Uhr eins zu spät ist, deshalb darf ich mich auch nicht beschweren..

  • Die Tradition. Uganda ist voll von Traditionen. So läuft alles gleich ab und folgt dem selben Schema, Hochzeiten, Jubiläen, Beerdigungen, Taufen, bist du auf einer gewesen, bist du auf allen gewesen. Dazu kommen hunderte von kleinen Bräuchen die sich stets wiederholen. Am Liebsten mag ich die Trommelinszenierungen und traditionellen Tänze, die an orientalische Bauchtänze, nur in unfassbar viel schneller, erinnern. Die Ugander haben schon versucht, mir einige dieser Dinge beizubringen, aber ich bin noch eher am Scheitern. Zurück in Deutschland werde ich euch dann alle mit meinen neuerworbenen Künsten vom Hocker werfen, ich habe ja noch sieben Monate Zeit zu üben. 😉
  • "Bodenverdichtungsmaßnahme".)

    Auf einer Hochzeit wird der traditionelle Tanz Ugandas aufgeführt (Zitat Tim: "Bodenverdichtungsmaßnahme".)

  • Boda-Boda Fahrten. Egal ob lang oder kurz, ich liebe Boda fahren und ich genieße es jedes Mal. Auch wenn ich natürlich nicht selbst fahren darf, spüre ich doch den Wind durch meine Haare streifen und die Sonne auf meiner Haut brennen, die vom Fahrtwind abgekühlt wird. Meine liebste Zeit sind die Dämmerung und der frühe Morgen, wenn der Tag gerade anbricht und nach frischem Gras und Tau riecht oder abends, wenn er zu Ende geht und alles in eine ganz neue Atmosphäre getaucht wird. Die Lichter gehen an, die Stimmung verändert sich (wird abends meistens noch besser) und dann eine gute Fahrt über die Hügel der Stadt mit Blick auf die Lichter Masakas – versucht das zu Steigern! 🙂 Was ich auch wirklich gut finde, sind Fahrten auf der Ladefläche eines Trucks. Nur drei Plätze aber zwölf Leute? Kein Problem, es gibt ja eine Ladefläche, da passen auch zwanzig Personen drauf, man muss nur richtig Stapeln können. Auch unsere Fahrt zum Lake Bunyonyi war eher abenteuerlich -elf Leute in einem 5-Sitzer. Über vier Stunden lang. Bei solchen Fahrten fühle ich mich dann stets wie der maximale Afrika-Trekker, der in tarnfarbener Kleidung die tiefe Wildnis erkundet (nur ohne die tarnfarbene Kleidung und ohne die Erkundung, aber der Berg auf dem wir heute unterwegs waren zählt sicher als Wildnis, es gab grüne Kobras).
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Ein Boda, Vier Leute? Auf jeden Fall kein Problem! 😀

  • Meine Katze. Vor einigen Wochen hat mir Father Edward ein kleines Kätzchen geschenkt, das kaum größer war als meine Hand. Sie heißt Lilli und macht hier alles besser. Sie ist niedlich und neugierig und hat schon mein ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt. Außerdem folgt sie mir über das Gelände auf Schritt und Tritt, Miaut laut wenn ich nicht mehr in Sichtweite bin und ist mit ein Grund dafür, wenn ich zu spät komme, weil sie auf meinem Schoß eingeschlafen ist und ich sie nicht wecken möchte. Gerade Zahnt sie noch und hat daher größte Freude daran, meine Gegenstände, Kleider, Arme und Beine nicht nur zu Zerkratzen sondern auch zu Zerbeißen. (Aber ihre großen Kulleraugen machen alles wieder gut!)

Dinge die ich nicht mag:

  • Posho and Beans. Dies ist ein ugandisches Gericht, das einfach nur Maismatsche, die zu einem Einheitsbrei verrührt wurde, gemischt mit braunen Bohnen, enthält und welches es jeden (!) Tag in den Schulen und dem Kindergarten zum Mittagessen gibt. Wenn gerade die Season dafür ist, peppen sie es mit einer Avocado oder Tomate auf, ansonsten hilft nur ganz viel Salz um irgendeinen Geschmack herzustellen. Abends gibt es bei mir jeden Tag Matooke (Pampe aus Kochbananen, ersetzt hier die Funktion der Kartoffel bei uns), Maniok (eine Wurzel) und Dodo (Grünzeug, dass wahllos im Garten gerupft wurde, wird auch liebevoll einfach „weed“ (=Unkraut) genannt). Ihr seht also, kulinarisch hat Uganda der deutschen Küche gar nichts zu bieten! 😛
  • Wasser- und Stromausfälle. Ich hatte keine Ahnung, für was ich alles Wasser brauche, bis ich keines mehr hatte. Kochen, Trinken, Duschen, Waschen, Spülen, Zähne putzen, Hände waschen oder einfach mal die Toilette abspülen, ohne Wasser geht gar nichts mehr! Und ich muss mit meinem Eimer und meinem gelben Einheitskanister erst einen Hügel hinab steigen um Wasser aus dem Auffangbecken zu holen und selbst das geht nicht immer. Warm geduscht habe ich seit Deutschland nicht mehr, aber mittlerweile habe ich mich wirklich gut an den Eimer gewöhnt. Es funktioniert und das zählt. Seit mehreren Wochen habe ich chronischen Wasserausfall und das Wasser wird wohl auch eher nicht wiederkommen. Auch Strom ist hier nur dann da, wenn nicht irgendwelche wichtigen Leute gerade beschlossen haben, der gesamten Stadt den Strom abzustellen oder wieder einmal eine Palme auf die Stromleitungen gefallen ist. Weil der Strom so häufig ausfiel und mein Handy tatsächlich aus war, wenn die Akku leer ging, habe ich mir hier eine PowerBank gekauft, jedoch besitzt diese den ugandischen Elektronikstandart und war nach einer Woche kaputt. Aber dadurch, dass ich einer höheren Macht wegen nicht ständig an meinem Handy oder Laptop erreichbar sein kann, habe ich begonnen wieder unfassbar viel zu lesen, was wirklich gut tut.
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Da seid ihr neidisch was? Wer will nicht an Weihnachten bisschen Wäsche mit der Hand waschen? 😀

Ein kleiner Junge teilt sich mit uns Christians Wasserstelle in Ngogwe

Ein kleiner Junge teilt sich mit uns Christians Wasserstelle in Ngogwe

  • Dass Schmatzen ein Ausdruck von Höflichkeit ist. Je lauter, desto besser! Ich bin einer jener Menschen, die es schrecklich finden neben Personen zu sitzen die Schmatzen, laut Kauen oder auch nur zu laut Atmen. Und es ist jeden einzelnen Tag eine neue Zerreißprobe für mich, nicht unbemerkt irgendetwas unter dem Tisch kaputt zu machen, um meine, durch diesen Geräuschpegel ausgelöste, Anspannung loszuwerden. Diese für meine Ohren und Ausgeglichenheit schmerzhafte Erfahrung, die ich hier ein Jahr lang machen werde, dürfte Balsam für Mamas Seele sein, die mich immer zur Therapie schicken wollte, wenn ich mich über zu laute Geräusche am Esstisch aufgeregt habe. Liebe Frau Mutter, das hier ist Therapie genug für mich! Am Schlimmsten wird dieses Geräusch übrigens, wenn die Priester und Gäste Fleisch genießen. Einmal wollte ich dagegen vorgehen und dabei ergab sich folgendes Gespräch:
Ich: „Ist es denn wirklich nötig, dass es hier so gut wie jeden Tag Fleisch zu den Mahlzeiten gibt?“
Father Stew: „Aber es gibt doch nur einmal die Woche Fleisch!“
Father Paul: „Ja, an den anderen Tagen gibt es Hühnchen oder Fisch.“
Ich: „Und Huhn ist kein Tier oder wie?“
Father Paul: „Nein, das ist Geflügel. Vögel gehören nicht dazu.“
Ich habe erst einmal verdutzt nachfragen müssen, ob man denn in Uganda im Biologie Unterricht nie die sieben TIER-Klassen durchnimmt, zu denen doch auch unsere lieben Vögel gehören. Tatsächlich nicht. Immerhin weiß ich jetzt, was ich nun nach den Ferien als Erstes unterrichten werde..
Father Edward zum Abschluss: „Jetzt fehlt nur noch, dass du uns erzählen willst, dass du auch keine Grashüpfer isst, weil das Insekten sind und du die zu Tieren zählst.“
  • Die Straßen und der Verkehr. Die Straße die zu einer meiner Schulen führt wird liebevoll „Discoroad“ genannt, weil man während der Fahrt so richtig schön durchgeschüttelt wird. Schlaglöcher so tief wie Kraterspalten, Schlammlachen und Felsbrocken die den Weg versperren sind alltägliche Hindernisse, bei starkem Regen ist sie nicht befahrbar. Nebenbei ist die Masakaroad, die Straße, die die Autos, Matatus und Busse von Kampala nach Masaka führt, die „tödlichste Straße der Welt“. Aber das liegt hier an den Unfällen und nicht der Beschaffenheit der Straßenoberfläche, denn der Verkehr ist wirklich grausam. Es gibt hier und da ein paar Ampeln in größeren Städten, aber die werden flächendeckend und mit offensichtlichem Einverständnis der Polizei in ganz Uganda ignoriert. Sicherheit wird auch eher klein geschrieben. Dass man sich nicht Anschnallt erwähnte ich ja bereits in einem der ersten Einträge, mittlerweile bin ich aber nicht nur bei Ben, sondern auch schon mit Einheimischen im Auto mitgefahren und das war gar keine Freude mehr. Sie fahren wie die gesengte Sau durch die Innenstadt, Rücksicht auf Passanten wird eher nicht genommen und Gehupt wird jedes Mal, wenn es ein anderes Transportmittel wagt, auf der selben Straße unterwegs zu sein (also tendenziell immer). Einmal ist ein anderes Boda so nah an mich heran gefahren, dass es mein Bein streifte und verbrannte, die Brandblase ist auch immer noch nicht ganz verheilt. Auch sind die Fahrer nicht immer nüchtern oder clear, daher komme ich den Leuten beim Verhandeln um den Preis immer etwas näher um zu riechen, ob sie eine Fahne haben oder noch gut gerade stehen können. 😀 Mein neuer Nachbar Tim hat mich anfangs auch gefragt, ob es Teil der Prüfung zum Dasein als Matatufahrer sei, wie man möglichst riskante Überholmanöver fährt und wie man mit nur einer Hand lenkt, um mit der anderen gleichzeitig ein Handy zu bedienen. Es geht ja nur um das Leben von so zwanzig Personen..
Kampala

Kampala

  • „Ooh, sorry!“ In Uganda ist es üblich, sich für alles zu entschuldigen. Ganz gleich, ob man selbst etwas verbrochen oder überhaupt nichts damit zu tun hatte. Fällt also eine Person neben dir hin, hilfst du ihr nicht auf oder fragst, ob sie sich wehgetan hat, nein nein, du schaust sie mitleidig an, sagst „ooh, sorry!“ und wartest, bis die Person selber wieder aufgestanden ist (ist mir natürlich noch nicht passiert, war auch gar nicht peinlich). Aber egal ob du dir einen Fleck Ketchup auf dein T-Shirt gekleckert hast oder erzählst, dass deine Schwester gestorben ist, die Reaktion ist immer „ooh, sorry“ und mittlerweile kann ich das gar nicht mehr hören, weil es für mich so die unpersönlichste Reaktion geworden ist, die man auf etwas haben kann. Schlimmer noch als „Kale“ (=okay, fine) für das mich meine Freunde in Deutschland schon zu hassen angefangen haben. Sie erzählen mir eine emotionale Geschichte aus ihrem Leben und ich antworte mit „kale“, einfach weil das in Uganda die Antwort auf absolut alles ist.. Ich bin aber schon am Abgewöhnen dran. 😀
  • Mosquitos. Nicht nur, dass sie mit ihrer Anwesenheit ab der Dämmerung jeden noch so schönen Abend stören, sie sind auch unfassbar laut, sodass ich wirklich nicht schlafen kann, wenn sich auch nur Eine in meinem Zimmer befindet. In Masaka Town hat jemand folgenden, sehr passenden Spruch auf eine Mauer gesprayt: When you think you are too small to make a difference, you have never spent a night with a mosquito (Wenn du denkst, du seist zu klein um einen Unterschied zu machen, hast du noch nie eine Nacht mit einem Mosquito verbracht). Diesen Satz würde ich so unterschreiben, letzten Monat hat mir eine der Stechmücken tatsächlich Malaria gebracht und sich und ihre ganze Sippe so nicht gerade sehr beliebt bei mir gemacht. Anfangs hielt ich es für eine gewöhnliche Grippe, als jedoch auch Fieber hinzu kam, kam mir die Sache dann verdächtig vor. Ich ließ mich also in der nächsten Klinik auf Malaria testen und als der Test positiv ausfiel, fuhr mich Father Paul, einer der Priester mit denen ich zusammen wohne, in das örtliche Krankenhaus für die Behandlung. Wer dieses Fieberthermometer schon alles vor mir im Mund hatte möchte ich nicht wissen (auch das zweite und dritte nicht, die haben alle nicht funktioniert), aber ich habe danach nachgelesen was man sich wohl für Krankheiten über Speichel holen kann und das sind alles keine Schlimmen. Weil ich bei meinen Sozialpraktika im St. Josefs Krankenhaus in Freiburg gelernt habe, wie man richtig Blutdruck und Puls misst, durfte ich das selbst machen und meine eigenen Krankenakte ausfüllen, hat Spaß gemacht. Dr. Maura Lynch, eine irische Ärztin die seit 49 Jahren in Uganda arbeitet, hat mir die passenden Medikamente gegeben und nach weniger als einer Woche war ich schon wieder gesund. Ich hatte auch Glück, dass ich vorher täglich eine Prophylaxe eingenommen habe, denn so wurde ein großer Ausbruch der Erkrankung von vorneherein verhindert und meine Malaria verlief wirklich erträglich. Drei Wochen später hatte ich allerdings noch eine zweite Malaria und weil mein Immunsystem das nicht erwartet hatte, war der zweite Ausbruch der Krankheit gar kein Spaß mehr. Ich hatte auch die Prophylaxe abgesetzt und diesmal so die volle Wucht Malaria abbekommen (und Dr. Maura hatte Urlaub). Ich hasse Mücken.
  • Die Erwartungshaltung an den „reichen“ Weißen. Hier könnte ich so viele Beispiel aufzählen, das ist eigentlich wirklich sehr traurig. Es beginnt mit den Straßenkindern Masakas (die mittlerweile alle meinen Namen wissen, die Ankunft eines neuen Weißen verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Manchmal laufe ich durch die Stadt und plötzlich rennen mir einige Kinder hinterher und rufen „Hey Barbara, how are you?“ und strecken mir ihre kleinen Händchen entgegen und ich habe diese Kinder noch nie zuvor gesehen) und endet mit armen Erwachsenen, die zu mir kommen und mich fragen, ob ich nicht ihr Sponsor werden möchte. Einer dieser Menschen ist Hamidu, der mich in der Kirche ansprach, ob ich etwas Zeit für mich hätte, er würde gerne mit mir sprechen. Natürlich setzte ich mich zu ihm und hörte mir an, was er zu erzählen hatte (eine tragische Geschichte, bei der ich nicht ganz sicher bin, ob wirklich alles stimmt) und lud ihn am Ende sogar zu mir ein, damit er etwas Essen und Trinken konnte. Ich gab ihm Namen und Telefonnummern von Menschen, an die er sich wenden konnte und hoffte, dass es ihm bald besser gehen würde. Von da an kam Hamidu andauernd vorbei, wenn ich nicht da war hinterließ er Briefe und er erwartete immer mehr von mir. Was noch mit der Hoffnung auf Schulgeld begann, endete bald in der Hoffnung, ich könnte ihn nach Deutschland bringen. Dies ist nur eine von vielen Geschichten, wo Einheimische viel zu viel von uns Weißen erwarten und das macht mich wirklich traurig. Spreche ich sie darauf an, erzählen sie mir, dass sie denken, wir würden alle in Geld schwimmen und in Europa gäbe es keine Armut. Erzähle ich ihnen, dass auch bei uns Menschen in Armut oder auf der Straße leben werden ihre Augen groß und rechne ich ihnen vor, was es sie so ungefähr kosten würde nach Deutschland zu gehen, verschlägt es ihnen vollkommen die Sprache. Bis sie auf die Idee kommen, dass ja auch ich sie einfach dorthin bringen könnte, ich habe ja ein Zimmer dort und sicher auch genug Geld. Genauso die Bodafahrer. Mir wurde noch nie ein fairer Preis angeboten, den ich nicht erhandelt habe, sie verlangen beim ersten Fragen immer viel zu viel von mir. Egal ob bei Transportmitteln, auf Märkten oder als fliegender Händler, mit den (Touri-)Weißen macht man in Uganda einfach die besten Geschäfte!
Matooke-Markt

Matooke-Markt

  • Die Latrinen. Wer hasst sie nicht, diese kleinen, übelriechenden Öffnungen im Boden. Hier reicht es wirklich irgendwo in der Nähe (oder auch nicht in der Nähe, ganz egal) des eigentlichen Gebäudes ein Loch zu graben und ein paar Stöcke drumherum zu stellen und man darf dieses Örtchen Latrine nennen. Meist von Kakerlaken besiedelt (das ist mein Ernst, und die Tiere können fliegen!) eher unattraktiv für penible Personen wie mich, und besonders im Dunkeln sowieso unbetretbar. Leider ist dies sowohl in den Schulen und dem Kindergarten, als auch in den meisten Restaurants und Bars die einzige Möglichkeit für einen „short call“ (kurzen Anruf =Toilettengang) fortzugehen und deshalb habe ich mir jetzt Gummistiefel besorgt, mit denen ich dann tapfer dorthin stapfen kann.
  • Dass man beim Gehen nicht Essen darf. Es wird als unhöflich empfunden, wenn die Mahlzeit nicht genossen, sondern schnell heruntergeschlungen wird. So verspeisen die Einheimischen alles im Sitzen oder Stehen, sogar ihre Rolex (rolled-eggs), welche ja eigentlich zum Mitnehmen gemacht ist. Diese Regel der Höflichkeit breche ich aber nahezu täglich, weil ich jeden Morgen genau so aufstehe, dass ich gerade noch Zeit habe, mir ein Toast zu machen und dies dann hektisch auf dem Weg zur Arbeit auf die Hand zu essen. So fange ich mir morgens erst einmal ein paar böse Blicke der vorbeikommenden Passanten ein, bevor ich dann wieder in die fröhlichen und lachenden Gesichter der Schüler blicken kann. Doch nicht nur aus Höflichkeit wird dieses Verhalten verpönt, ein Einheimischer erzählte mir, dass hungernde Menschen auf der Straße einen noch größeren Hunger bekommen, wenn sie essende Passanten vorbeieilen sehen.
Unser Rolex-Dealer in Kabale. Wir haben ihn reich gemacht!

Unser Rolex-Dealer in Kabale. Wir haben ihn reich gemacht!

  • Die deutsche Grammatik. Ab und zu Unterrichte ich an meiner Nachbarschule The Archbishops School Deutsch. Das gehört nicht zu meiner regelmäßigen Tätigkeit, ich helfe nur aus, wenn ich gerade gebraucht werde. Und versteht das nicht falsch, ich mag nicht die Grammatik an sich nicht, ich bin in Deutsch in der Schule immer gut gewesen und meine Freunde in Deutschland und vor Ort nennen mich liebevoll „Grammatik-Nazi“ (kurze Anmerkung an all diese: Wenn ich euch verbessere tue ich das für euch, nicht für mich 🙂 ), aber diese zu unterrichten bringt gar nicht mal so viel Spaß. Wenn ich die Schüler hier die einzelnen Wörter durchdeklinieren lasse, bin ich doch froh, dass mein lieber Herr Vater so manche Nacht lange wach geblieben ist, um mit mir für Latein die einzelnen Deklinationsklassen zu lernen, das ganze Grammatikzeugs aus dem Lateinunterricht bringt mir jetzt tatsächlich doch endlich noch etwas. Ich muss sagen, ich war noch nie besser darin, gebeugte Personalpronomen oder Relativsätze zu erklären, aber trotzdem würde ich Deutsch nicht als Fremdsprache lernen wollen. Wir haben wirklich so viele Fälle, Regeln und dann aber auch immer irgendwelche unsinnigen Ausnahmen, sodass man einfach keine Merksätze aufstellen kann, die immer für alles gelten können!
  • Die Bürokratie. Wie meine weise Mutter voraussehen konnte, bin ich in Uganda mit einer offenen Handtasche herumgelaufen und habe mir so nicht nur das Handy entwenden lassen, sondern kurz vor Weihnachten auch den Geldbeutel verloren. Darin befanden sich, neben sehr viel Geld da ich gerade vom Automaten kam, so ziemlich alle wichtigen Dokumente und so hatte ich die schöne Aufgabe, mich erneut mit der ugandischen Bürokratie auseinanderzusetzten. Nach einem kurzen Anruf in Deutschland, um meine Kreditkarte sperren zu lassen (Zitat der Dame am Apparat: „Sie klingen aber ganz schön fröhlich für jemanden, der gerade seine Karte verloren hat..“ -die ugandische Gelassenheit tut mir offenbar gut!) ging ich also nach einer Woche Prokrastination zur Polizei, nach meiner letzten Erfahrung auf dem Revier hatte ich keine Eile was dies anging, und wollte meinen Verlust zu Protokoll geben. Dabei ergab sich folgendes Gespräch:
Ich: „Guten Tag, ich habe meinen Geldbeutel verloren oder er wurde mir geklaut und ich würde gerne den Verlust eines offiziellen Dokuments zu Protokoll geben.“
Polizeibeamtin: „War etwas Bedeutendes im Gelbeutel?“
Ich: „Ja, ein offizielles Dokument.“
Sie: „Ist das wertvoll?“
Ich: „Nicht wirklich, aber wichtig.“
Sie: „Aha. Wenn es nicht wertvoll ist, kannst du bitte morgen wieder kommen, ich wollte gerade ein bisschen Pause machen.“
  • So viel also dazu. Da die Beamtin keine Lust hatte, sich meines Verlustes anzunehmen, wandte ich mich also an einen der männlichen Polizisten, die mich die ganze Zeit anstarrten und nach einem kurzen Check, ob ich schon verheiratet bin, nahm er sich dann gerne Zeit für mich. So schnell wie noch nie hier bekam ich meine Unterlagen, direkt neben den Stempel auf dem Verlustdokument auch die Handynummer des Beamten und als uns der Polizeipräsident sah, auch noch seine Unterschrift darunter. Mit diesem Dokument fuhr ich dann nach Kampala zum Immigration Office, um mir eine neue Reentry-Permit-Card ausstellen zu lassen, damit ich nach meiner Aufenthalt in Kenia nächsten Monat auch wieder ins Land hinein komme, jedoch waren dem Büro gerade die Karten ausgegangen. Mit fünf Wochen Warten und 200$ ließe sich laut der Mitarbeiterinnen eventuell schon eine neue Karte besorgen, sie könnten nur nicht so genau sagen, ob ich bis dahin nicht trotzdem 100$ Gebühren an den Grenzen zu zahlen hätte. An diesem Tag war ich sehr sehr froh, dass ich auch schon einige Beziehungen in Kampala aufgebaut habe und so habe ich über die Tante des Schwagers eines Freundes die Telefonnummer der Chefin des Büros bekommen, die mir schließlich erklärte, dass der Stempel in meinem Reisepass gleichbedeutend mit einer solchen Karte sei und ich mit Vorzeigen des Passes Uganda jederzeit verlassen und wieder betreten könne. Sie erklärte mir auch, dass ihre Mitarbeiterinnen sich gerne Geld für Arbeit geben ließen, die eigentlich gar nicht nötig sei (200$ für eine Permit-Card), zu stören schien sie das aber nicht. Das Beste des Tages war aber eigentlich Tims Anliegen. Er wollte sein Visum gerne verlängern und zu einem East-Africa-Visa (Ruanda und Kenia eingeschlossen) ändern lassen und die fleißigen Beamtinnen schlugen vor, seinen Wunsch für einen extra-Zuschuss von 50$ sogar noch am selben Tag zu erledigen. Tim nahm dies an, ließ seinen Pass dort und als wir den Anruf bekamen, dass wir ihn wieder abholen könnten, war das Tor bei unserer Ankunft keine zehn Minuten später schon verriegelt und er Gatekeeper erklärte uns, dass wir leider nicht mehr reinkämen. Es ist mir dann aber doch noch gelungen ins Amt hineinzukommen, suchte die Chefin und ließ mir den Pass geben. Als Gegenleistung wollte sie entweder ein Trinkgeld oder einen ugandischen Tanz von mir sehen. Ich entschied mich für den Tanz. Zurück in der Wohnung sahen wir uns das neue Visum an und stellten fest, dass man einfach mit Kugelschreiber „Special Pass“ hineingekritzelt und einen Stempel darunter gesetzt hatte. Gültig vom 06.01.17 bis zum 05.01.17. Das Visum war also Minus einen Tag lang gültig! Wir riefen die Chefin erneut an und sie sagte, wir können den Pass am nächsten Tag vorbei bringen und sie verbesserte es. Als Tim tags darauf vor ihrem Büro stand und sie nicht da war, rief er sie an und sie sagte, Zitat: „oh sorry, ich hatte vergessen, dass ich heute gar nicht Arbeite!“.
Ihr seht also, ohne Geduld kommt man hier nicht voran. 😛 Übrigens hat die Katze mein Handy in heißem Tee ertränkt, weshalb ich nun wieder einmal ein neues Gerät habe. Und da sich meine deutsche SIM-Card gerade zum Transport in meinem verloren gegangenen Geldbeutel befand, habe ich jetzt auch eine neue Nummer. Diese benutze ich nun auch für WhatsApp, auf der Anderen werde ich gar nicht mehr erreichbar sein, also schreibt mich doch einfach an: +256 775644055.

Von Herzen wünsche ich euch allen noch fröhliche und besinnliche Ferien und ich hoffe, dass ihr zwischen dem ganzen Stress der Städte auch Zeit für die Familie und zum Plätzchen backen habt. Und auch wenn Weihnachten schon vorbei ist, falls ihr ein paar Plätzchen übrig habt (bevorzugt mit Schokolade oder Marmelade darin) könnt ihr sie mir sehr gerne nach Uganda schicken! 😀

Eure Barbara

 

Einblick in meine Projekte

Mittwoch, 19. Oktober 2016 von Barbara Menke

Hallo ihr Lieben,

Nun endlich auch noch ein Eintrag zu meiner bisherigen Arbeit in Uganda!

Meine Aufgaben hier sind noch immer nicht endgültig geregelt. Jeden Tag bekomme ich Nachrichten mit Änderungen für den nächsten Tag, die nicht selten morgens auch wieder von einer der verantwortlichen Personen über den Haufen geworfen und umstrukturiert werden. Aber das ist Uganda, man lebt den Moment und richtet sich nach den Möglichkeiten, die gerade gegeben sind und plant sich nicht das Leben zu. Ich habe gelernt nie länger als zwei Tage voraus zu planen und trotzdem, alles was zu tun ist, in meiner Woche unterzubringen. Tatsächlich besitze ich aber doch einen offiziellen Plan für meine Arbeit: 😀

Montags bin ich im St. Adrians Kindergarten in meinem Ort Kitovu selbst. In Uganda beginnen die Kinder schon im Alter von zwei Jahren mit richtigem Unterricht, weshalb ich dort wirklich als Lehrerin tätig bin, auch wenn meine ältesten Schüler gerade mal fünf Jahre alt sind. Es gibt die Fächer Mathematics, English, Writing, Health Habits und Social Studies. Da die Kinder nur mit den Zahlen bis 50 Rechnen können müssen, bin sogar ich fähig dort etwas Wissen und neue Lernmethoden einzubringen, denn bis dahin komme ich in Mathe auch noch gut mit (ihr wisst ja vermutlich alle, dass dies immer mein allerbestes Fach war). Ich bin unfassbar gerne dort, jeden Morgen werde ich mit einem kreischenden “Babulaa“ (Barbara für Kinder) begrüßt und hundert winzigen Händen, die sich mir entgegen strecken, weil sie hochgehoben werden wollen. Wir haben drei Klassen, Babyclass, Middleclass und Topclass, außerdem eine Day Care, in welche solche Kinder kommen, die noch zu jung für den Kindergarten sind. Die Kleinen nennen mich „Mama“ und es bricht mir jeden Montagnachmittag aufs Neue das Herz, wenn sie zu Weinen beginnen, wenn ich zurück in die Kurie gehen muss (obwohl sie mich regelmäßig anpinkeln, wenn sie auf meinem Schoß einschlafen). Meine Arbeit besteht hier besonders darin, Silben, einfache Sätze und leichte Rechenaufgaben zu unterrichten. Ansonsten darf ich die „Klassenarbeiten“ und Hausaufgaben korrigieren und die freie Zeit in den Pausen und am Nachmittag gestalten (eigentlich reicht es schon, weiß zu sein, lange Haare und einen Rücken, auf den man klettern kann zu haben). Letzte Woche ist Jasmin dazu gekommen, eine weitere Freiwillige aus Deutschland die jetzt im Transitory wohnt (übrigens wurde letzten Monat ein toter Mann auf dem Weg von ihr zu mir gefunden, weshalb wir immer noch Angst haben, uns abends zu besuchen), und wir machen immer mal kleine kreative Projekte mit den Kindern. So haben wir zum Beispiel Puppen aus Bananenfasern oder Schmuck aus Holzperlen selbst gemacht und es war unfassbar schön zu sehen, was für Spaß und Freude wir damit bringen konnten.

Jasmin und ich sind mindestens so stolz auf unsere Bananenpuppen, wie die Kinder selbst

Jasmin und ich sind mindestens so stolz auf unsere Bananenpuppen, wie die Kinder selbst

Die Schüler der Topclass und ihre Werke

Die Schüler der Topclass und ihre fertigen Werke

Das Gebäude des St. Adrians Kindergarten

Das Gebäude des St. Adrians Kindergarten

Dienstags und Donnerstags bin ich im nächsten Dorf Kayijja an der St. Judes Primary School. Die Begrüßung für Jasmin und mich war wirklich großartig, man hatte ein ganzes Programm an Unterhaltung vorbereitet, Gesänge, Trommeln und den traditionellen Tanz. Am Ende wurden auch wir zum Tanzen aufgefordert (wie immer) und haben die traditionellen Schritte und Bewegungen gelernt -selbstverständlich mit großem Erfolg (Spaß, ich einem Zeugnis würde vermutlich einfach nur „teilgenommen“ stehen). 😛

An dieser Schule unterrichte ich überwiegend Science (Biologie und Landwirtschaft, Mathe und Physik überlasse ich Jasmin) oder Physical Education (Sport) und da die Schüler hier anspruchsvollen Unterrichtsstoff durchnehmen, musste ich mich tatsächlich noch einmal in meinen Bio-Abistoff einlesen und ihn ins Englische übersetzen und mir hier vor Ort die Lehrbücher anschaffen, damit ich mich an den Lehrplan halten kann. Jedoch hat sich das auf jeden Fall gelohnt, die Kinder sind unglaublich fleißig, ehrgeizig und saugen aufmerksam alles auf, das ich ihnen beibringe. Sie sind brav, mucksmäuschenstill und melden sich, wenn sie die korrekte Antwort wissen (also alles das, was ich selbst als Schülerin nicht war).  Nehme ich einen Schüler dran, steht er auf, gibt die Antwort und die Klasse applaudiert für ihn.

Ich gebe zu, dass ich mich selbst NIEMALS als Lehrerin gesehen hätte, nicht in diesem Leben und auch nicht im Nächsten (dafür bin ich schon in einem viel zu pädagogischen Haushalt aufgewachsen), aber es bringt mir wirklich Spaß, ich bereite gerne den Unterricht vor, gestalte mit Jasmin Lernplakate für die jüngeren Schüler und zeichne Karten von Afrika oder der Welt für die Klassenzimmer. Letzten Freitag sind wir mit ein paar Kindern nach Entebbe gefahren und haben dort das Wild Life Resort besucht, ein Ausflug, der mir mindestens so viel Spaß gebracht hat wie den Kindern.

Zebras (tut mir leid Dominic, mir ist nichts Witziges dafür eingefallen)

Zebras (tut mir leid Dominic, mir ist nichts Witziges dafür eingefallen)

Der Kaffernbüffel mit einem Silberreiher auf dem Rücken, dahinter ein Warzenschwein und das Nationaltier Ugandas, der Kronenkranich

Mehr Uganda in einem Foto ist nicht möglich: Der Kaffernbüffel mit einem Silberreiher auf dem Rücken, dahinter ein Warzenschwein und das Nationaltier Ugandas, der Kronenkranich

Gruppenbild einiger der Schüler/innen am Viktoriasee mit ihrer Lehrerin Flaviah

Gruppenbild einiger der Schüler/innen am Viktoriasee mit ihrer Lehrerin Flaviah

Das Größte der drei Schulgebäude der St. Judes Primary School in Kayijja

Das Größte der drei Schulgebäude der St. Judes Primary School in Kayijja

Mittwochs bin ich in dem Dorf Bulando an der St. Augustines Primary School. Meine Aufgaben hier sind die Selben wie an der St. Judes, ich unterrichte bisher überwiegend Science, Englisch, Social Developement und tatsächlich auch Deutsch. Da ich jedoch noch nicht lange hier bin, werde ich erst noch sehen, wie alles funktioniert, aber bisher bin ich guter Dinge und noch durch und durch motiviert. Tatsächlich habe ich hier in Uganda bemerkt, dass ich genau die Art von Lehrerin bin, die ich in der Schule selbst am Nervigsten fand: Ich stürme mit einem lauten und gut gelaunten „Siiba Bulungi, muli mutya?“ (Guten Morgen, wie geht`s euch?) ins Klassenzimmer und wecke die armen Schüler so aus ihrem Schlaf, male anschauliche, kreative und echt hässliche Tafelbilder an, die ich abzeichnen lasse und frage ständig nach, ob die die Kinder überhaupt verstehen wovon ich rede, denn ich spreche immer noch ziemlich schnell -aber daran arbeite ich bereits.. Nachmittags helfe ich immer mal in der anliegenden Holzwerkstatt aus, in welcher bald Straßenjungen der Beruf des Schreiners beigebracht werden soll. Bisher werden Holzstatuen und Körbe aus Bananenfasern und Plastiktüten hergestellt und verkauft und der gesamte Erlös geht an Kinderfamilien in Kitovu, was ich ein großartiges Projekt finde.

Die Schulen auf den Dörfern sind alle nicht sonderlich groß und haben auch nicht sehr viel Geld zu Verfügung stehen, aber ich bekomme mit, dass die Lehrer alles in ihrer Macht stehende tun, um den Kindern die Wichtigen Themen zu lehren. Jedoch können viele der Ideen oder der modernen Unterichtsmethoden hier nicht umgesetzt werden, da zum Einen die Finanzen für die meisten Materialien fehlen und zum Anderen die Schulgebäude in teilweise schrecklichen Zuständen sind. Ich würde hier gerne die St. Augustines Schule in Bulando, an welcher ich selbst Unterrichte, zur Veranschaulichung als Beispiel aufführen. An der Schule befindet sich keine Wasserversorgung und so sind die Schüler darauf angewiesen, jeden Tag ihr Wasser aus einer entfernten Quelle zu holen. Der Weg nimmt nicht nur viel (Unterrichts-) Zeit in Anspruch, sondern birgt auch Gefahren wie Raubüberfälle im Busch oder das Überqueren einer Schnellstraße, wobei es auch schon zu Zwischenfällen kam (man bedenke, dass die Kinder erst zwischen vier und fünfzehn Jahren alt sind). Das Wasser aus der Quelle kommt zudem aus einem angrenzenden Sumfgebiet und ist keineswegs sauber (zurück in Deutschland werde ich vermutlich alles Essen und Trinken können, mein Magen dürfte dann eine Panzerschicht aufgebaut haben). Aber auch das Schulgebäude selbst befindet sich in vielen Teilen in einem unvollständigen und schadhaften Zustand, viele Klassenzimmer haben ein undichtes Dach, welches, verbunden mit dem Erdfußboden, in der Regenzeit keinen Unterricht zulässt, was ich diese Woche selbst erlebte. Zudem sind einige Klassenzimmer noch in ihrem Rohzustand, ohne Fenster, Türen und Putz und für die großen Klassen viel zu klein und zu dunkel. Es gibt kaum Schultische und –bänke und der Unterricht findet so zwangsweise auf dem Boden statt.

Ich beschreibe dies, damit ihr euch vorstellen könnt, unter welchen Zuständen hier unterrichtet wird und wertzuschätzen wisst, was wir alles haben, welche Bildungsmöglichkeiten wir in Deutschland genießen und welche großartigen Materialien uns zur Verfügung stehen. Falls eure Kinder mit ähnlich viel Motivation zur Schule gehen wie ich es tat, könnt ihr ihnen sagen, dass die Schüler hier teilweise täglich mehrere Stunden und viele Kilometer laufen, weil sie unbedingt die Schule besuchen möchten und es in ihrem Dorf keine gibt. Ich unterrichte hier unter anderem acht Jährige und ihre kleinen Geschwister, die um 04:30 Uhr morgens loslaufen und nicht vor 19:30 Uhr wieder zu Hause sind.

Die Schüler der St. Augustines Schule in Bulando, im Hintergrund sind die drei Schulgebäude zu sehen

Die Schüler der St. Augustines Schule in Bulando, im Hintergrund sind die drei Schulgebäude zu sehen

Die meisten sind abgepaust..

Mein erstes selbst gemaltes Lernplakat. Falls euch die Perfektion dieser Tiere, obwohl ich sie gezeichnet habe, verdächtig vorkommt: Die Meisten sind abgepaust..

Freitags bin ich nicht an den Schulen, sondern in einem Büro in Masaka Town. Einerseits schreibe ich Artikel für den Newsletter des Young Catholic Workers Movements und arbeite in der Verwaltung, andererseits durfte ich das Patenschaftsprojekt des Youth Departments übernehmen. Meine Aufgabe bei diesem Projekt besteht derzeit noch darin, mit den Kindern und Jugendlichen zu sprechen und so ein Profil von ihnen zu erstellen, sie zu Hause zu besuchen und, gibt es eine interessierte Familie, kurze Berichte über sie zu verfassen und Fotos zu machen, welche wir den Sponsoren zukommen lassen. Was noch auf mich zukommen wird weiß ich nicht, aber ich werde euch auf jeden Fall auch weiterhin detailliert auf dem Laufenden halten. 😀

Vermutlich klingt das jetzt, als hätte ich stets unglaublich viel zu tun und niemals freie Zeit für Spaß, was in manchen Wochen auch so ist, aber vergesst nie, ich bin immer noch in Uganda, Afrika, hier gibt es keinen Stress. Wenn ich welchen habe, dann weil ich ihn mir selbst mache, die Ugander haben Zeit und Geduld, Warten ist hier keine Zeitverschwendung. Ich habe schon einige Einheimische Freunde gefunden, mit denen ich meist am Wochenende etwas unternehme, und unter der Woche treffe ich mich an vielen Abend mit Axel und Jasmin (und anderen Freiwilligen aus aller Welt, seit letzter Woche ist eine große Gruppe aus Kanada da, die im Masaka Hospital aushilft) im Internetcafé oder in einer der kleinen Bars in Masaka Town, in welchen laut Musik läuft und immer Billiard gespielt wird. Langeweile kommt hier selten auf!

)

Xavier (hinten), Ian und James (vorne) in der VSportsbar

Letzten Sonntag fand hier in Nyendo, einem Nachbardorf von Kitovu, ein großes Tanzfestival für Straßenkinder statt. Organisiert von Wessel Boot, einem Tanzlehrer aus den Niederlanden, der sich in den Kopf gesetzt hatte, den ärmsten Kindern hier einen Tag voll Spaß und ein Lachen zu bescheren und dies auch großartig hinbekommen hat. Finanziert wurde die Veranstaltung ausschließlich von Spenden, die Kinder mussten also keinen Eintritt zahlen und konnten den ganzen Tag bei gutem Wetter und zu Livemusik Tanzen, an Workshops teilnehmen und mit uns Freiwilligen Spielen und Toben. Ich habe das erste Mal alleine auf einer Bühne vor 1000 Menschen getanzt und ich behaupte, dass ich nun jegliche Scham vor Auftritten aller Art abgelegt habe, was mir als frischgebackene Lehrerin sicher irgendwann mal zu Gute kommt. 🙂

Jasmin und ich und ein Haufen stets fotobegeisterter Kinder

Jasmin und ich und ein Haufen stets fotobegeisterter Kinder

Der Breakdeancer Xavier (mitte) gibt eine Show für die Kinder

Der Breakdancer Xavier (Mitte) gibt eine Show für die Kinder

Einer der Freiwilligen verkleidete sich sogar als Clown und spielte einige Gruppenspiele wie "Rainbowplane" o.ä.

Einer der Freiwilligen verkleidete sich sogar als Clown und spielte einige Gruppenspiele wie "Rainbowplane"

Der Flyer für das Straßenkinderfestival

Der Flyer für das Straßenkinderfestival

Die Kinder auf diesem Fest haben so viel gelacht, getanzt und mit vollem Herzen gesungen, dass man fast hätte vergessen können, aus welchem Elend sie kommen, und dass sie auch an diesem Abend wieder alleine auf der Straße schlafen werden. Einige sind gerade mal drei Jahre alt oder jünger und schon auf ihre Geschwister angewiesen, da es keine Eltern mehr gibt. Es ist schrecklich, den Geschichten dieser Kinder zuzuhören und es tut weh, um diese Wahrheiten zu wissen, jedoch weiß ich, dass meine Einsatzstelle beim Young Catholic Workers Movement in Kooperation mit dem Kindermissionswerk schon viel bewegt und einiges erreicht hat. So beispielsweise die Unterstützung von acht Kinderfamilien in Kitovu und die Eingliederung von Kindern in die Gesellschaft durch Schulbildung im St. Adrians Kindergarten. Falls ihr dazu mehr erfahren wollt, schreibt mir doch gerne eine Mail (barbaramenke@outlook.de) und ich kann euch persönlich nähere Informationen zu dem Patenschaftsprojekt geben.

Liebe Grüße aus der Wärme, fühlt euch gedrückt,

Barbara 🙂

 

Kampala, Masaka und korrupte Polizisten

Dienstag, 18. Oktober 2016 von Barbara Menke

Hallo Freunde der Sonne,

Bei euch ist es derzeit vermutlich wärmer als bei mir, denn in Uganda herrscht gerade Regenzeit und es kühlt aufgrund der Regenschauer täglich mindestens einmal ab. Dies ist großartig, denn so ist es zwar immer angenehm warm aber bisher noch nicht so drückend heiß.

Ich hoffe, ihr habt viel Zeit und eine gemütliche Sitzmöglichkeit mitgebracht, denn diese Einträge werden wieder einmal etwas länger sein (Nun, wer hätte das erwartet). 😀

Jetzt bin ich schon seit über zwei Monaten in Uganda und habe so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wie ich all diese Erlebnisse, Begegnungen, Eindrücke und neuen ersten Impressionen in Worte fassen soll. Thomas und ich haben den Sprachkurs erfolgreich abgeschlossen (inklusive Erste-Hilfe-Kurs auf afrikanische Weise –ich verfüge nun endlich über das Fachwissen, mit Schlangenbissen umzugehen) und ich kann behaupten, dass wir sogar Luganda gelernt haben. Mich erneut als Schülerin zu erleben, hat mich wieder einmal vor die Frage gestellt, warum man heute noch freiwillig Lehrer wird, und an dieser Stelle ist ein großes Dankeschön an unseren Sprachlehrer Jackson angebracht, der uns trotz der Papierflieger, des Störens und der akut ausfallenden Motivation bis zum vorletzten Tag nicht aufgegeben hat und uns mit viel Kompetenz und Witz unterrichtete! Zumindest kann ich mich mittlerweile mit den Priestern in meiner neuen Bleibe und meinen Kollegen in Kindergarten und Schule unterhalten, mit den Bodafahrern einen fairen Preis verhandeln und, und das ist am Wichtigsten, mich mit den Kindern verständigen und sie fragen, warum sie sich mit Stühlen auf den Kopf hauen.

Christian, Rosanna, Anna, Axel, Karl, Phillip, Thomas, Sebastian, ich (v. r. n. l.) und natürlich Jackson

Unsere chaotische Sprachschulcrew: Christian, Rosanna, Anna, Axel, Karl, Phillip, Thomas, Sebastian, ich (v. r. n. l.) und natürlich Jackson

Ausflug mit Rosemary und Marc zum Entebbe Beach Resort am Wochenende

Ausflug mit Rosemary und Marc zum Entebbe Beach Resort am Wochenende

Die Eirene-Freiwilligen aus der Sprachschule und ich waren an einem der Wochenenden auf dem diesjährigen Nyege-Nyege Festival, einem internationalen Musik Festival in Jinja am Nil, zu welchen großartige Bands und DJs aus ganz Afrika und Europa kamen und drei Tage am Stück durchgetanzt wurde. Es waren fast genau gleich viele Weiße wie Schwarze dort und es war ein unbeschreiblich schönes Gefühl, Teil dieser Gemeinschaft zu sein. Die ausgelassene Stimmung, die Gespräche mit Fremden und das Sitzen am Nil, während des Sonnenuntergangs sind Erinnerungen, die ich nur zu gerne teile. 🙂

Der wunderschöne Standort am Nil

Der wunderschöne Standort am Nil

Nachts auf dem Nyege-Nyege Festival

Nachts auf dem Nyege-Nyege Festival

Von meinem ganzen sechs Wöchigen Aufenthalt in Kampala gibt es glücklicherweise nur eine unschöne Begegnung von der ich berichten kann. Am letzten Abend vor unseren Umzügen in die verschiedenen Städte Ugandas haben wir beschlossen, noch einmal alle gemeinsam auszugehen, bevor wir uns trennen müssen. Auf dem Weg zum Club wurden zwei unserer Bodas angehalten, unter anderem das, auf dem Sebastian und ich saßen. Wir sollten die Fahrer bezahlen und Christian, Rosanna, Sebastian und ich wurden in das Polizeiauto (ein Panzer mit Sitzen oben drauf) gesetzt, und von Polizisten mit Maschinengewehr bewacht, die ständig „SILIKA!“ schrien, sobald wir zu kommunizieren versuchten. Das Auto fuhr aus der Stadt heraus, zu einer kleinen Blechhütte mitten im Wald und ließ uns dort aussteigen. Es folgte ein langes Gespräch mit den Polizisten, bei welchem wir versuchten freizukommen und sie uns erklärten, dass es ein Verbot sei, zu zweit auf dem Boda zu sitzen und wir fünf Millionen UGS (1400€) zahlen sollen, wenn wir uns freikaufen wollen. Selbstverständlich hatten wir kaum Geld dabei und schon gar nicht eine solche Summe. Keiner von uns hatte sein Handy mit, um jemanden anzurufen und so drohten uns die Polizisten mit einer Nacht im Gefängnis und wir drohten ihnen mit einem späteren Anruf bei der deutschen Botschaft. Letztendlich filzten uns die Männer bis auf die letzte Hosentasche, nahmen uns alle Schilling ab, die wir mit uns trugen und ließen uns gehen. Da wir ohne Geld nach Hause kommen mussten und die Polizei unsere Sicherheit offenbar nicht interessierte, suchten wir vier den Weg aus dem Wald heraus und liefen die nächsten Stunden mitten in der Nacht zurück in die Stadt zum Institut.

Ich bin froh, dass sowohl die Eirene-Freiwilligen, als auch ich, das Thema Korruption auf dem Vorbereitungsseminar schon als Einheiten behandelt hatten, weshalb wir wussten, wie vorzugehen war und nicht in Panik gerieten. Die Polizisten handelten tatsächlich genau nach „Drehbuch“, was uns den Umgang mit der Situation wirklich erleichtert hat. In Uganda ist es keine Seltenheit, dass sich die Polizei mit den „Bazungu“ (Weiße, Fremde) etwas Extrageld beschafft, diese Gehaltserhöhung nennen die Einheimischen hier gerne „Soda-Money“, da sich die Männer davon ein, zwei Soda mehr am Abend gönnen können. Und auch wenn dieses Erlebnis auf den ersten Blick schlimm aussehen mag, war ich zu keinem Zeitpunkt in ernsthafter Gefahr, wir Vier sind stets beieinander geblieben, haben uns an die vorgegeben Verhaltensregeln gehalten und hatten sogar das Glück, gegen Ende des Weges einen Taxifahrer zu finden, der bereit war, uns mitzunehmen, obwohl wir kein Geld bei uns hatten. Er vertraute uns, dass wir ihn bezahlen würden, sobald er uns bei dem Hotel mit unseren Habseligkeiten abgelassen hatte, was für uns nach der weiten gelaufenen Strecke wirklich wie die Rettung vorkam.

Auf dem Weg zurück zum Institut sah ich die vielen Straßenkinder auf dem Boden schlafen, genauso wie die Obst- und Kleinhändler, alle ohne Decken, Kopf an Kopf, es sah aus, als hätte man einen Schalter umgelegt und das ganze städtische Treiben des Tages für ein paar Stunden lahmgelegt. Die Händler und Kleinkrämer schlafen in ihren Ständen und Auslegeplanen, keiner von ihnen hat ein zu Hause, in das er abends gehen kann, und dies zu sehen und zu erleben war schrecklich. Außerdem bekamen wir in der Innenstadt einen bewaffneten Raubüberfall mit, der erst zu einer Schlägerei wurde und dann in einer Schießerei endete, nur wenige Meter vor uns und ich gebe zu, dass ich in dieser Situation dann doch noch sehr viel, sehr große Angst hatte. Trotzdem sind wir Vier gut und unversehrt zurück gekommen und ich bin froh um diese Erlebnisse. Mir wurde einfach nur wieder einmal vor Augen geführt, wie gut es uns geht und dafür können wir täglich unendlich dankbar sein. (Übrigens wurde letzte Woche mein Handy gestohlen und ich gab der Polizei Geld, damit sie es Tracken, passiert ist aber überhaupt nichts, soviel also dazu).

Das Gute dieser Nacht -ein atemberaubender Sonnenaufgang

Das Gute dieser Nacht -ein atemberaubender Sonnenaufgang

Am Tag darauf musste ich mich leider von meinem Zimmernachbarn Thomas verabschieden, aber ich werde ihn spätestens beim Zwischenseminar in Kenia wiedersehen, wenn nicht gar schon früher, wenn wir einmal jeweils für einen Monat das Projekt des anderen besuchen gehen (Thomas, du kannst dich schon mal freuen). 😀

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Ein Selfie zum Abschied

Mein Umzug von Kampala nach Masaka vor fünf Wochen verlief reibungslos. Axel, einer der Eirene-Freiwilligen aus der Sprachschule, der auch in Masaka Town wohnt, und ich, konnten einfach mit dem Bus fahren (eine zwei Stunden Fahrt, die wegen des Verkehrs sieben Stunden dauerte) und unser Gepäck wurde am Tag zuvor schon von meiner Kontaktperson Ben mit dem Auto transportiert.

Die beiden Städte sind sich zwar in der Mentalität sehr ähnlich, jedoch war mein neuer Aufenthaltsort doch eine positive Überraschung. Kampala ist wild gewachsen, chaotisch, für mich Deutsche unfassbar unstrukturiert. Die großen Straßen sind ganztägig verstopft, zugemüllt, der Geräuschpegel immer voll aufgedreht, Händler, Prediger, hupende Autos und ständig Menschen, die meinen Arm festhalten und meine helle Haut und mein blondes Haar berühren wollen. Masaka Town hingegen besteht nur aus drei großen Straßen, die zwar ineinander verzweigt, jedoch übersichtlich und weniger vollgestopft sind. Alles ist zu Fuß gut erreichbar und es gibt weniger Kleinkrämer, dafür umso mehr Plots (richtige Häuser, mit Geschäften oder Imbissen darin). Die Stadt ist unfassbar hügelig und grün, da sie sich in der Nähe des Viktorialakes und zwischen dem Nabugabolake und dem Lake Mburo befindet, weshalb ich von der Terrasse aus eine atemberaubende Aussicht auf die vielfältige ugandische Pflanzenwelt und teilweise auch auf den Regenwald habe. (Lieber Herr Vater, hier habe ich endlich gelernt, bei Autofahrten aus dem Fenster zu sehen, du wärest stolz).

Der Taxipark Kampalas

Der Taxipark Kampalas

Masaka Town, von Axels Balkon aus fotografiert

Masaka Town, von Axels Balkon aus fotografiert

Mein Weg zur Schule

Für die Naturquote: Mein Weg zur Schule

Ich bin im Gästedistrikt des Generalvikars Msgr. Serverus Jjumba in der Kurie untergebracht, etwas außerhalb von Masaka Town, in dem Dorf Kitovu. Mit dem Boda bin ich in zehn Minuten in der Stadt und in einer viertel Stunde bei den Schulen, in welchen ich unterrichte. Mein neues Heim ist ein großes Gelände mit verschiedenen Wohnhäusern, einigen für die Priester, für Gäste, für die drei Mädchen, die hier arbeiten und für die jungen Männer, die sich um die Tiere und die Landwirtschaft kümmern. Es werden Kühe und Schweine gehalten und ziemlich viele Hühner, die mich freundlicherweise jeden Morgen wecken, auch Sonntags. Außerdem haben wir eine supercoole Katze namens Snowball, die zwei verschiedene Augenfarben hat. Gegessen wird weiterhin im Speisesaal, meine Wäsche wasche ich in einer Waschschüssel (ab einer bestimmten Zeit und viel Geschrubbe schmerzhaft und hinterlässt Brandblasen) und Duschen muss ich tatsächlich mit einem Eimer, da die Dusche seit Monaten kaputt ist. Aber ich muss sagen, dass ich das eigentlich gar nicht so schlecht finde, so werde ich wenigstens wach. Von meinem Zimmer aus habe ich Ausblick auf einen Hügel, der so auch in unserem schönen Schwarzwald in den Weinbergen stehen könnte, nur, dass ich morgens immer mal ein paar der scheuen Affen beobachten kann, die dort herumtollen, wenn nicht zu viele Menschen unterwegs sind.

Ein Affe, der sich morgens auf das Gelände der Kurie getraut hat

Ein Affe, der sich morgens auf das Gelände der Kurie getraut hat

Als gute Katholikin gehe ich natürlich weiterhin Sonntags zur Messe, mittlerweile mit dem Generalvikar, weshalb ich in den letzten Wochen selten einen „normalen“ Gottesdienst miterlebt habe. Mein neuer Zimmernachbar Chris (ein Volontär aus Amerika) und ich werde ständig zu Hochzeiten, Jubiläen, Beerdigungen oder Taufen mitgenommen. Das sind immer riesengroße Feste, mit hunderten von Leuten und viel Programm zur Unterhaltung, wie Gesänge, Schauspiel oder traditionelle Tänze zu Trommelmusik. Auch wenn das immer Mal schön ist, muss ich tatsächlich zugeben, dass ich die Gottesdienste aus Kampala vermisse. An den letzten Sonntagen dort waren Thomas und ich nicht mehr im St. Augustines Institut in der Messe, sondern sind dafür in das Jugendcentrum “Sharing“ gegangen. Der Gottesdienst läuft genau so ab, wie ich es mir vorgestellt hatte, die Frauen tragen wunderschöne bunte Kleider, die Männer Anzüge und die Kinder schicke Sonntagskleidung, die wir höchstens zur Erstkommunion auspacken würden. Egal, ob arm oder wohlhabend, es ist ein Festtag und jeder putzt sich heraus. Wir sitzen auf Plastikstühlen und singen drei Stunden lang Gospel, die zwischendurch immer mal von einem Gebet, einer Lesung oder der Kommunion unterbrochen werden.  Alle loben und preisen Gott indem sie Singen, Tanzen oder beim Hosanna wild die Arme über die Köpfe werfen. Immer wenn sich ein Besucher ganz besonders erfüllt fühlt, ruft er „God is good“ und die Gemeinde ruft „all the time“ zurück. In Masaka habe ich bisher leider noch nichts Vergleichbares gefunden. Die Kathedrale in meinem Dorf wurde von Pilgern erbaut und so ist auch der gesamte Ablauf der Messe sehr westlich (wäre es nicht auf Englisch oder Luganda, ich könnte mitsprechen).

Auf dem Karneval in Kampala, im Hintergrund die hektische Innenstadt

Auf dem Karneval in Kampala, im Hintergrund die hektische Innenstadt

Anstelle von Fasnachtswägen, werden die Süßigkeiten hier von Kamelen verteilt

Anstelle von Fasnachtswägen werden die Süßigkeiten hier von Kamelen verteilt

Menschenmassen auf den Straßen

Menschenmassen auf den Straßen

Sebastian und mein kreatives Kostüm

Sebastian und mein kreatives Kostüm

Ich wünsche euch allen noch eine wunderschöne restliche Woche und viele sonnige, herbstliche Tage,

Barbara 🙂

 

Die Kinder Ugandas

Mittwoch, 10. August 2016 von Barbara Menke

Hallo ihr Lieben,

Wir sind gerade mal eine Woche hier und ich bin schon vollkommen verliebt in Uganda. In die atemberaubende Natur (mit Müll drin), in die unfassbare Freundlichkeit der Menschen hier, in die Mentalität und das Essen. Aber ganz besonders in die Kinder!

Ich bin nur noch nicht ganz in der Zeit drin und bitte Thomas immer noch, mich in 5 Minuten abzuholen, wenn es in 10 Minuten Essen gibt. (Zitat Thomas: „Du hast gesagt, ich soll 5 vor da sein und war es erst 3 vor. Ich habe mich schon angepasst“).

Vorgestern wollten Thomas und ich kurz ein bisschen durch die Straßen hier um das Institut herum Laufen gehen (ja, wir sind immer so sportlich) und haben Rosemary nach „Ausgang“ gefragt, woraus dann kurzerhand ein Trip an den Victoriasee wurde. Die Gegend um den See heißt Ggaba, wo wir Roses Freund Marc trafen, welcher uns zum Ufer geführt und uns die schönsten Stellen gezeigt hat.

Afrikanische Mentalität vor dem Victoriasee

Afrikanische Mentalität vor dem Victoriasee

Ggaba ist für mich bisher der schönste Teil Kampalas, überall sind kleine Obst- und Gemüsestände, hübsche Geschäfte in Miniaturgröße und geschäftige Menschen, die Flip-Flops, nützliche Dinge oder Essen auf der Straße verkaufen. Alles ist vollgestopft mit Boda-Bodas, Taxen und Autos. Am Ufer des Sees stehen Männer und zerlegen den frisch gefangenen Fisch, ohne Eis, mit rostigen Messern und ich bin sehr froh, dass ich Vegetarier bin, wenn ich diese Prozedur sehe. Als natürliche Reaktion musste ich mir daraufhin schnell einige Mangos und Passionsfrüchte kaufen…

Obst- und Gemüsestand in Ggaba

Obst- und Gemüsestand in Ggaba

Marc hat uns Alex vorgestellt, einen alten Schulfreund, der, wie ich schätze, als Leiharbeiter auf den Transportbooten arbeitet. Er hat das breiteste Grinsen, das ich je gesehen habe und er strahlt vor Lebensfreude und Energie, obwohl ihm anzusehen ist, dass er nicht viel besitzt. Von diesen Menschen können wir so viel lernen! 🙂

Alex (Mitte) bei der Arbeit

Alex (Mitte) bei der Arbeit

Marc hat uns eingeladen, sein Haus zu besuchen und seine Familie kennenzulernen, was wir natürlich gerne angenommen haben. Es ging durch schmale Gassen, wieder eine Art „Markt“ und ich war erschrocken darüber, was wir dort alles sahen. Die Menschen arbeiten, essen und schlafen hier, zusammen mit Tieren, zwischen Töpfen, Säcken voll Bohnen und Maismehl und kaputten Kühltruhen voll Fisch. Der Abwasserkanal ist gleichzeitig der „Gehweh“, auf den spärlich ein paar Holzbretter gelegt wurden. Es riecht nach Tiermist, nach frischen Früchten und exotischen Gewürzen. In den Gassen nach Fisch (oh Wunder). Ich könnte mir niemals vorstellen so zu leben, aber die Menschen, die vor ihren kleinen Hütten auf dem Boden im Dreck zwischen Hühnern und Ziegen saßen und Reis mit Bohnen aßen, sahen glücklich aus.

Ein Wohnviertel

Ein Wohnviertel

Ausnahmslos alle Kinder haben uns zugewunken und uns angestrahlt. Und es ist so ungefähr das Süßeste, das passieren kann, wenn ein Kleinkind lächelt und fragt „How are you?“. Eine Mutter hat auf uns gezeigt, ihren Kindern erklärt, dass wir „Muzungus“ (Weiße) sind und sie uns grüßen und fragen sollen, wie es uns geht. 🙂

Marc wohnt ziemlich außerhalb, und ich musste erschrocken feststellen dass ich mich, als wir aus der engen und vollen Stadt raus waren und es größer und ländlicher wurde, irgendwie viel sicherer gefühlt habe. Es liegt vermutlich daran, dass ich nicht ständig darauf achten muss, dass meine Tasche zu und meine Wertsachen noch da sind. Langsam aber sicher sind wir den Berg raufgekrakselt, auf der Straße hat eine Gruppe von Kindern gespielt, und als ich mein Handy herausholte um ein Foto von ihnen zu machen, haben sie sich darüber gefreut, als sei Weihnachten, haben sich mehr oder weniger hübsch aufgestellt und in die Kamera gegrinst, dass es breiter nicht möglich ist 😀

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Reaktion von Kindern auf Kameras 🙂

Der ganze Weg nach oben ist genau so, wie man sich Uganda vorstellt, roter Sand, Palmen, Bäume, die ich nicht von zu Hause kenne, Häuser, die zu Ruinen zerfallen sind, Müll. Man läuft über Sand, Steine, kaputte Schuhe, zerdrückte Plastikflaschen und abgeliebte Teddys ohne Kopf.. Er wird von den Kindern als Spielzeug gebraucht, was ich gleichzeitig süß und schrecklich finde. Ein kleiner Junge hat mit einer Plastikflasche einen alten Autoreifen vor sich her gerollt, die Straße runter und wieder herauf, immer wieder.

Eine von Marcs Schwestern hat Malaria und konnte nicht zu uns nach draußen kommen. Ihre Stirn war schweißgetränkt und sie konnte sich kaum drehen, um uns zu sehen. Wir haben alle ihre Hand genommen und das Vater Unser für sie gebetet.

Auf dem Weg zurück ins Institut ist uns eine Gruppe kleiner Kinder, in zerschlissenen Kleidern, begegnet. Das älteste der Mädchen lief mir hinterher und rief ganz laut und aufgeregt „I love you“. Ihr Strahlen und die Freude in ihrem kleinen Gesicht hätten größer nicht sein können, als auch ich „I love you too“ gerufen habe. Sie konnten nicht aufhören, mir ihre Liebe zu bekunden, bis wir um die nächste Ecke abbiegen mussten. Mutter Teresa hat einmal gesagt: „Immer, wenn du jemandem ein Lächeln schenkst, ist das eine Tat der Liebe, ein Geschenk an jene Person, etwas Wunderschönes“. Genau das Erlebe ich jeden Tag hier. Aber nicht, weil ich Lachen und Liebe gebe, sondern weil ich es, wann immer ich draußen bin, auf der Straße von den vielen Kindern geschenkt bekomme.

Ich kann es kaum ertragen, wenn bei Stau Kinder an die Autoscheibe klopfen und hungrig auf ihre Münder zeigen oder viel zu schwer beladen versuchen, Bananen an Fußgänger zu verkaufen. Ich mag der übliche Tourist sein, der am liebsten alle Bananen aufkaufen und alle Straßenkinder bei sich aufnehmen würde, aber ich weiß, das schon viel getan wird und ich freue mich darüber, ab nächsten Monat selbst Teil eines solchen Projektes zu sein.

Ihr Lieben musstet jetzt unfassbar viel Lesen, aber nach dem Sprachkurs wird auch eine Weile nichts mehr von mir hochgeladen werden, da Thomas seinen PC mit nach Mityana nimmt und ich keinen dabei habe. 🙂

Das Tennisfeld des St. Augustines mit Aussicht über Kampala

Das Tennisfeld des St. Augustines mit Aussicht über Kampala

Unsere Nachbarn, drei Meter weiter..

Im Vergleich: Unsere Nachbarn, drei Meter weiter..

Jetzt bin ich erst einmal auf meinen ersten Geburtstag außerhalb Deutschlands gespannt und genieße den letzten Tag mit 18, ganz liebe Grüße,

Barbara

 

„This is Africa“

Mittwoch, 10. August 2016 von Barbara Menke

Hallo ihr Lieben,

„This is so Africa“ -ich weiß nicht, wie häufig ich diesen Satz in den letzten sechs Tagen gesagt habe. Auch wenn ich mit der Erwartung angekommen bin, dass mein „vorgefertigtes“ Bild von Afrika im Allgemeinen stark von der Realität abweicht, ist es hier doch ganz genau so, wie in meinen Erwartungen. Roter Sand, Palmen, wunderschöne Gärten, heruntergekommene, überfüllte Straßen, einfach zusammengebretterte Hütten, Früchte, von denen wir in Europa nur träumen können. Geschäftiges Treiben in der Stadt und Tagelöhner in den Dörfern. Viel Armut, aber unfassbar freundliche Menschen.

„This is so Africa“ sage ich, wenn ich Männer, Frauen und Kinder sehe, die Körbe, gefüllt mit Bananen oder Wasserschüsseln auf dem Kopf tragen und ich sage es, wenn Frauen, in wunderschöne bunte Tücher gehüllt, oder Kinder in zerschlissenen Kleidern an mir vorbei laufen.

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Der Weg zu unserem neuen zu Hause 🙂

An unserem ersten Tag in Kampala wurden wir direkt ins kalte Wasser geschmissen und auf ein Boda-Boda (eine Art Mofa) gesetzt, auf welchem wir ohne irgendwelche Sicherheit oder einen Helm auf einem abenteuerlichen Weg über Schlaglöcher in die Innenstadt gebracht wurden. Immerhin hatte ich nur auf ca. 2/3 des Weges Angst um mein Leben.

Dieser Teil der Stadt ist sogar relativ geordnet, auf der Straße habe ich zwar immer noch berechtigte Panik, aber auf dem „Gehweg“ und und vor den Geschäften kann man gut laufen oder auch mal stehen bleiben, ohne überfahren zu werden. Wir haben Internet und 50.000 Uganda-Schilling Guthaben für unsere Handys gekauft und eine neue Nummer bekommen, die, zumindest bei mir, ausschließlich in Uganda funktioniert. Ich werde an meinem Geburtstag morgen also nicht wirklich erreichbar sein.. 😀

Boda-Boda-Fahrer vor den Geschäften

Boda-Boda-Fahrer vor den Geschäften

Beim Mittagsessen wurden wir wieder von jeder Person im Raum gefragt, ob wir wissen, wie man Bananen isst. Vielleicht denken wirklich alle, dass es in Deutschland keinen Bananen gibt oder diese Frage dient als Einstieg in ein Gespräch. Generell ist mir hier schnell aufgefallen, dass das St. Augustines ein Haus des Austauschs ist, interkulturell wie menschlich. Es wird viel Interesse an jedem Einzelnen gezeigt und immer nach deinem Wohlbefinden gefragt. Trifft man eine Person auf dem Gang, bleibt man stehen, wird unfassbar freundlich begrüßt und nach dem Tag gefragt. Nie sagt mal jemand als allererstes seinen Namen, offenbar sind hier andere Dinge wichtig!

Rosemary, unsere neue Freundin hier, hat uns durch die Gärten des St. Augustines geführt und alles gezeigt. Es wächst so eine Vielfalt an Früchten und „exotischen“ Pflanzenarten hier: Passionsfrüchte, Mangos, Ananas, Feigen, Zitronen, Aloe Vera, Melonen, Avocados, Zuckerrohr (Zitat Thomas, beim Kosten: „Mein Zahnarzt kriegt gerade Rückenschmerzen“) und, natürlich, Bananen. Egal was man hier isst, man schmeckt, dass es nicht erst grün um die halbe Welt geflogen wurde, sondern frisch geerntet wird, wenn es reif ist! Ich werde nie wieder in Deutschland eine Ananas essen und „Wow!“ sagen können. :p

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Unser Zuckerrohr-Dealer 🙂

Aber auch die Fauna hier ist unendlich, neben Skorpionen und Geckos in unseren Zimmern fliegen Vögel, die ich noch nie zuvor gesehen habe, und wenn ich versuche, sie Thomas zu beschreiben kommentiert er das mit „ja und dann hat dein Fabeltier auch noch Löwenklauen und einen Adlerschnabel..“. (Allerdings haben wir hier auch einen Vogel, groß wie ein Pfau und mit Kiwi-Schnabel, der Geräusche wie ein Huhn oder Esel macht und mich jeden morgen vor meinem Fenster erst einmal zum Ausrasten bringt).

Später haben wir uns alle ein „Taxi“ genommen (Ich weigere mich eigentlich, zu diesem Gefährt Taxi zu sagen, es ist eher ein Minibus mit ca. zwölf Sitzen die sich umklappen lassen, damit man rein und raus kommt. Der Bus hält an, wenn du am Straßenrand stehst und gegen die Scheiben klopfst und hält, wenn du „Parking“ rufst. Eine Fahrt kostet zwischen 500 und 700 Uganda-Schilling, was umgerechnet ca. 14 bis 20 Cent sind.) und sind damit in die Stadt gefahren um Einkaufen zu gehen.

Während dieser Tour habe ich mich als Vollblut-Deutsche geouted: Ich habe mir Sonnencreme auf die Wangen und Nasenflügel geschmiert (Zitat Thomas: „Das ist so Deutsch, du läufst bitte immer drei Meter hinter mir“) und, was noch viel schlimmer ist, ich habe mir mein eigenes Toilettenpapier und eine elektrische Fliegenklatsche gekauft.

Für das nächste Essen wollten Thomas und ich gerne etwas StreetFood kosten, natürlich dem Risiko einer Lebensmittelvergiftung bewusst, und haben Rose gebeten, uns an einen guten Ort zu führen. Wir hatten uns etwas Schnelles auf die Hand vorgestellt, aber sie brachte uns in eine Art Markthalle, die wohl so ein kritischer Platz ist, dass wir ihr alle unsere Wertsachen geben mussten und sie meine Handtasche nahm. Wir haben uns den Weg durch riesige Säcke voll Bohnen und Maismehl gebahnt, über roten Sand, Schlamm und einfach zusammengebretterte „Brücken“ aus Holz und Stöcken. Am Rand saßen Männer und Frauen, haben gearbeitet, gekocht oder mit einem Kind auf dem Arm in einer Ecke auf dem Boden geschlafen. Wir wurden über Schleichwege in einen Seitengang gebracht, in dem Unmengen an Töpfen und Wannen standen und viele Frauen gekocht und gearbeitet haben. Dazwischen liefen Kinder herum und auf einem langen Tisch in der Mitte saß ein kleines dickes Baby.

Wir „bestellten“ das, was es immer gibt, Reis, dunkle Bohnen und Matooke (Bananenmatsche) und wurden auf eine schmale Bank an der Wand verfrachtet, wo wir zusammengepfercht zwischen den Arbeiterinnen saßen und versucht haben, beim Essen nicht gegen ihre Bäuche oder Rücken zu stoßen.

In einer der Wannen vor meinen Füßen wurde das schmutzige Geschirr gespült und ich könnte jetzt noch würgen bei dem Gedanken, dass da in dieser Dreckbrühe auch unsere Teller drin gewesen sind. Zwischendurch kam eine große runde Frau, hat das Baby vom Tisch an einem Arm hochgezogen, in die Spülschüssel gesetzt und gebadet…

Einer der Märkte Kampalas

Einer der Märkte Kampalas

Zurück ging es durch einen weiteren Markt, auf dem besonders Kleidung, Schuhe und Schmuck verkauft wurden und ich würde sofort unterschreiben, dass das alles keine legal erworbene Ware war. Einige der Schuhe wurden sogar noch vom letzten Dreck befreit, ehe sie auf dem Verkaufsteppich ausgelegt wurden. 😉

Zwischen den einzelnen Ständen schliefen Menschen auf dem Boden. Nicht alle hatten eine Decke, unter ihnen auch ganz kleine Kinder und es bricht mir das Herz, diese Armut zu sehen.

p

Der Teil des Marktes, bei dem es noch möglich ist, Fotos zu machen :p

Thomas und ich haben hier in den ersten zwei Wochen ziemlich viele Freiheiten und sehr viel Zeit, uns über unsere Eindrücke und Gedanken auszutauschen. Besonders, was wir von hier mitnehmen werden: Mehr Aufmerksamkeit auf und für die Menschen in unserer Umgebung. Jeder hier wird wahrgenommen und das finde ich etwas Wunderschönes.

Am Sonntag haben Thomas und ich uns eine Stunde früher als gewöhnlich aus den Betten gequält, um zur Messe zu gehen. Eigentlich haben wir das nur gemacht, um in der katholischen Einrichtung nicht unangenehm aufzufallen, wenn wir nie mal in der Kirche erscheinen, aber dann waren wir tatsächlich alleine mit zwei Bischöfen und einem einzigen weiteren Mann. Trotzdem haben wir eine komplette Messe gefeiert, ich habe die erste Lesung gelesen und Thomas die Zweite. Die Eucharistiefeier unterscheidet sich in Uganda überhaupt kein bisschen von der in Deutschland, was sehr zu unseren Gunsten war. (Übrigens lässt sich eine komplette Eucharistiefeier in 20 Minuten feiern, wenn man sämtliche Lieder weglässt und die Gebete etwas schneller aufsagt.) 🙂 Jetzt sind wir im St, Augustines ziemlich bekannt (die, die zur Messe aufstehen) und auf der Beliebtheitsskala ziemlich gestiegen!

Mit den herzlichsten Grüßen,

Barbara

 

Wir sind da

Dienstag, 09. August 2016 von Barbara Menke

Hallo ihr Lieben,

Thomas und ich sind heil angekommen, unfassbar freundlich aufgenommen worden und haben uns, so behaupte ich jedenfalls, schon sehr gut eingelebt. In den wenigen Tagen die wir hier in der Hauptstadt Ugandas sind haben wir schon so viel erlebt, dass ich gar nicht weiß, wo ich beginnen soll. Dieser Eintrag wird vermutlich so lang werden, dass ich ihn in einzelne Tage aufteilen muss, wer lieber die Kurzversion haben möchte, kann sich einfach Thomas Blogeintrag durchlesen, aber weil ich ein Mädchen bin, werde ich hier jetzt auch meine Eindrücke und Gefühle mit aufschreiben.. 😉

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Ein letztes Selfie im Frankfurter Hotel 🙂

Am Besten beginne ich mit dem Flug vor sechs Tagen: Thomas und ich haben uns am Frankfurter Flughafen getroffen und sind von dort nach Brüssel geflogen (von den 40 Minuten Flugzeit sind wir gefühlt 10 Minuten geflogen und eine halbe Stunde lang bloß auf dem Boden herum gerollt), hatten zwei Stunden Aufenthalt auf internationalem Boden und saßen dann im Flieger nach Entebbe. Es ging ewig nicht los, und auf meine Frage, ob wir wohl gleich losfahren, hat Thomas mich nur ausgelacht und erklärt, dass der „Flugzeug-Fahrer“ noch nicht da sei. Wir sind mit über einer Stunde Verspätung losgeflogen (Zitat Thomas: „Wir sind schon in Uganda..“) aber der Service war großartig, wir hatten Fernseher und eine Minibar. Thomas hat mir die ca. zwölf Stunden Flugzeit mit Sätzen wie „oh, du heißes, nicht veganes Teil“ über den Schokoriegel, „trinkt oder löffelt man das?“ über eine kleine Packung Wasser oder „das letzte mal Eiswürfel in der Fanta“ verkürzt. Zwischendurch kamen wir in Turbulenzen, bei welchen ich innerlich fast gestorben bin und äußerlich einfach nur von Thomas ausgelacht wurde, wenn ich mich schreckerfüllt und mit weit aufgerissenen Augen an seine Schulter gekrallt habe. Draußen sah man schwarze Wolken, Blitze, und dann einen strahlend gelb-orangenen Horizont. Was mich auch beeindruckt hat, war, dass die Weltkarte auf unseren Monitoren einmal Afrika und nicht Europa als Mittelpunkt hatte. Es war alles „auf dem Kopf“ und Europa war im Verhältnis zu Amerika und Afrika so winzig klein.

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Auf dem Weg nach Brüssel 🙂

Ich habe mich noch nie so weiß gefühlt, wie in dem Moment, als wir am Flughafen ankamen und einfach alles so „afrikanisch“ war. Die Dame, die unsere Pässe kontrollierte, war unfassbar freundlich und fragte erst einmal, wie es uns geht, ehe sie Abdrücke von unseren Fingerabdrücken genommen hat. Der Flughafen in Entebbe riecht vor der Passkontrolle nach Schimmel, dahinter nach Popcorn und es läuft die gleiche Vodafone Werbung wie in Deutschland. Wir wurden von Ben, unserer Kontaktperson, seiner Freundin und Penelope, unserer Koordinatorin, abgeholt und in einen Truck gebracht, dessen Tank nicht mal mehr zu einem Zehntel voll war. Thomas wollte sich direkt anschnallen und wurde dafür laut ausgelacht. Penelope hat uns erklärt, dass es wirklich unüblich sei, im Auto sehr auf Sicherheit zu achten, manchmal schnalle man sich auf dem Beifahrersitz an, aber weil Bens Freundin gerade schwanger ist, müsse sie es nicht machen. 😀

Wir sind durch Entebbe nach Kampala gefahren, nach dem Flughafen kam das Viertel der Reichen und Schönen. Große Backsteinhäuser, wunderschöne Gärten und ein Internat, welches eingezäunt und von Wachmännern gesichert ist. Danach kommt die richtige Stadt. Große Werbeplakate und rechts und links von der Straße stehen kleine Hütten aus Stein, Holz und Blech und unglaublich viele Verkaufsstände. Nachts hängen überall Lichterketten die ein wenig an Weihnachtsbeleuchtung erinnern und es fahren aufgetunte Autos, deren Preis man ihnen ansieht, zwischen alten Klapperkisten, deren Ende man ihnen ganz deutlich ansieht, und lauter Menschen, die alle auf der vollkommen überfüllten Straße laufen. Bisher habe ich noch keine Ampel gesehen.

Die drei Quadratmeter großen Läden tragen Namen wie „Fashion World“ und die unzähligen Apotheken heißen „Rock Pharmacy“ oder „Fancy Pharmacy“ und haben nicht mal eine Eingangstür.

Vor uns fahren Autos, die uns, zumindest in der Innenstadt, sicher schnell eine Raucherlunge zaubern werden und man sieht Ladas, auf deren Ladefläche Unmengen an Zeugs gestapelt sind, worauf dann auch noch ein paar Mitfahrer sitzen. Hupen ist in der übervollen Stadt schon so normal, dass es einfach dazugehört und flächendeckend ignoriert wird. An den Straßenrändern stehen Grills, die bis tief in die Nacht Fleisch, Heuschrecken und gegrillte Banane anbieten. Dazu läuft laute Musik aus GhettoBlastern, es wird getanzt und gesungen, so etwas wie eine Nachtruhe kennen die Menschen hier nicht. An jeder Ecke brennt ein kleines Feuer, das zum einen der Müllverbrennung dient und zum anderen die Einheimischen wärmt, denen nachts bei ca. 20°C schon kalt wird.

Zwischendurch ist dann noch der Präsident Ugandas an uns vorbei gefahren..

Kampalas geschäftige Innenstadt

Kampalas geschäftige Innenstadt

Thomas und ich werden den ersten Monat im St. Augustines Institute leben, einer Art katholischem Hostel, das von Priestern und Nonnen geführt wird. Wir wurden mit einem Glas Milch begrüßt und ich dachte, dass ich aufgrund meines veganen Daseins in Deutschland einen Lactose-Schock bekommen werde, hatte aber nicht mal ein bisschen Bauchweh.

Direkt am ersten Abend hatte ich schon einen Skorpion im Zimmer, wir hatten den ersten Stromausfall und in der Nacht wurde unsere Wasserpumpe geklaut. Klischeehafter hätte unsere erste Nacht unter einem kaputten Moskitonetz in Afrika eigentlich nicht sein können.

Die Aussicht von Thomas und meinem Flur im St. Augustines

Die Aussicht von Thomas und meinem Flur 🙂

Mit den allerbesten grüßen,

Barbara

 

Ich bin dann mal (fast) weg

Montag, 01. August 2016 von Barbara Menke

Hallo liebe Freunde und Verwandten,

Jetzt wird es nicht nur auf dem Papier, sondern langsam auch in meinem Kopf ernst. Ich werde in drei Tagen den Kontinent verlassen und zwischen all meinen Lieben und mir werden für die nächsten zwölf Monate 6000 Kilometer und das Mittelmeer liegen.

Am 4. August fliege ich zusammen mit Thomas, einem weiteren Freiwilligen des Kindermissionswerks, früh morgens vom Frankfurter Flughafen ab, nach Uganda, Entebbe.

Ich erinnere mich an die Zeit letzten Herbst, als ich motiviert wie was, mit einem Globus auf dem Schreibtisch und einer Weltkarte über dem Bett, meine Bewerbung an das Kindermissionswerk schrieb (Zitat Mama. „Hättest du doch nur einmal in deinem Leben so viel für die Schule getan“). Mit der Zusage für den Freiwilligendienst ist für mich ein langer Herzenswunsch in Erfüllung gegangen.

Meine Familie und meine Freunde haben sich unglaublich für mich mitgefreut und ich durfte in den letzten Monaten so viel Freundschaft, Liebe, Unterstützung und Geduld erfahren, dass ein einfaches Danke eigentlich nicht reicht. Bei den letzten Treffen mit meinen guten Freundinnen habe ich Briefe mit auf den Weg bekommen, die mich ausnahmslos alle zu Tränen gerührt haben. Ich bin von so wundervollen Menschen umgeben, dass es jetzt, wo es ernst wird, schon ziemlich schmerzhaft ist.

In der Zeit nach dem Abitur bin ich, neben den Vorbereitungsseminaren, von Urlaub zu Urlaub gehüpft, sodass zwischen Ankunft und der nächsten Abreise oftmals nur ein Tag lag. Dazwischen musste irgendwie noch ein Jahr Afrika geplant werden. Dieser Plan (Packliste, letzte Arztbesuche, eine „Erledigen“-, eine „Klären“- und eine „Besorgen“-Liste) existiert heute auch nur Dank meiner Eltern, die aktuell vermutlich noch mehr Ahnung von meiner Einsatzstelle, meinem Projekt, meiner Unterkunft und dem Land Uganda als solches haben, als ich.

Obwohl ich in jeder freien Minute Organisatorisches erledige, mein Zimmer aufräume (Zitat Mama, die meinen Schreibtisch am Fenster schon für sich beansprucht hat: „Das Zeug hier überall auf dem Boden ist schlecht für das Feng-Shui“) oder Gastgeschenke und Blusen für das nächste Jahr kaufen gehe, habe ich das Gefühl, dass ich noch überhaupt nichts gemacht habe, weil es IMMER noch etwas zu tun gibt. Vollmachten erteilen, Sicherheitskopien von allen Fotos und Daten machen, tränenreiche Verabschiedungen und Abschiedsgeschenke vorbereiten.

In der Theorie ist mir sehr wohl bewusst, dass ich übermorgen nach Frankfurt fahren werde, aber in meinen Gedanken ist dieser Freiwilligendienst noch unfassbar weit weg. Ich werde am Donnerstag aus dem Flugzeug aussteigen und offen für alle neuen Erfahrungen, für die Menschen vor Ort, für die Eindrücke und die Kultur, in das Auto meines Projektleiters, der uns vom Flughafen in Entebbe abholt, stolpern. Ich bin dankbar für diese Chance, ich bin ziemlich aufgeregt, ich habe Angst vor der Ungewissheit, aber trotzdem weiß ich, dass ich nichts lieber will als dieses Jahr! Ich schaue, wie man so schön sagt, dieser Zeit mit einem großen lachenden und einem kleineren weinenden Auge entgegen. Ein Lebensabschnitt ist mit dem Abitur jetzt zu Ende und ein neuer, sehr viel aufregender beginnt in drei Tagen, ich bin gespannt und glücklich und freue mich, all die neuen Eindrücke schon bald mit euch teilen zu können!

Mit den liebsten Grüßen, Barbara 🙂