Merry Christmas, Profe!

Freitag, 27. Januar 2017 von Konstantin

D (Mehr dazu weiter unten)

Ausblick aus meinem Strandhostal 😀 (Mehr dazu weiter unten)

Wieder einmal ist viel Zeit nach meinem letzten Blogeintrag vergangen. An den BlogeintrĂ€gen sieht man die Zeit durch die Finger rieseln: Mein letzter Blogeintrag ist praktisch schon wieder zwei Monate her, dabei fĂŒhlt es sich an, als wĂ€re der Eintrag fast noch „frisch“.

Dennoch ist seit dem letzten Eintrag viel passiert: Weihnachten, komplette VerÀnderung meines Arbeitsplans, zwei Kurzurlaube, Silvester, und so weiter.

An mich selber habe ich eigentlich immer den Anspruch, einen kurzen, knackigen Blogeintrag zu schreiben, der nicht schon nach dem ersten Absatz langweilig wird. Dies verbietet mir schon fast, die ganzen oben genannten Ereignisse hier jetzt herunter zu berichten. Aber vielleicht muss ich dann jetzt auch einmal ĂŒber meinen Schatten springen (mir, einem eingefleischten Deutsch-LKler fĂ€llt dies gar nicht so leicht).

Deswegen beginnen wir direkt einmal mit dem Titel: Merry Christmas, Profe! Warum fröhliche Weihnachten auf Englisch? Warum das Wort Lehrer (Profesor -> Profe) auf Spanisch? Riiiichtig, ab Dezember habe ich begonnen, Englischunterricht zu geben, zweimal die Woche, in den sogenannten Nivelationsklassen. In den Klassen werden Bewohner und ehemalige Bewohner des Jungenheims Casa Hogar de JesĂșs und des MĂ€dchenheims Valle Feliz unterrichtet. Die Klassen haben den Zweck, dass die Kids, die hĂ€ufig eine lĂ€ngere Zeit nicht die Möglichkeit hatten, eine normale Schule zu besuchen, auf ein Level zu bringen, dass sie wieder in eine normale Unterrichtsklasse einsteigen können. D.h., dass zum Beispiel in einer Nivelationsklasse ein SechzehnjĂ€hriger zusammen mit einem NeunjĂ€hrigen unterrichtet wird, da sie sich ungefĂ€hr auf dem gleichen schulischen Level befinden. Im Prinzip steht hinter diesen Klassen ein super Konzept, was aber in vielen Situationen gar nicht so leicht umzusetzen ist: Viele Kinder haben lange Zeit ihres Lebens weder eine richtige Erziehung, noch eine Form von Schulbildung erfahren. So treten im Unterricht Probleme auf, die man aus seiner eigenen Schullaufbahn gar nicht kannte: Einige Kinder sind beispielsweise direkt komplett demotiviert, sobald sie einen kleinen Fehler machen. Dies ist ja eigentlich kein großes Problem, fĂŒr einige Kids aber nun mal schon. Des Weiteren habe ich ja schon erwĂ€hnt, dass teilweise NeunjĂ€hrige mit SechzehnjĂ€hrigen unterrichtet werden. In so einer Situation denkt sich der SechzehnjĂ€hrige natĂŒrlich auch: „Mein Zug ist schon abgefahren, ich werde sowieso nicht mehr viel lernen, ich werde eh in einem handwerklichen Beruf arbeiten“, usw. Auch ein Problem, besonders fĂŒr die ehemaligen Bewohner der Heime, die jetzt wieder bei ihrer Familie wohnen, aber immer noch in die Nivelationsklassen gehen, ist mangelnde Förderung am Nachmittag: Die Schule geht von sieben bis ein Uhr, danach sollten am Nachmittag die Hausaufgaben erledigt werden. Die Kids aus den Kinderheimen haben dafĂŒr am Nachmittag ihre Erzieher, die sie hierbei unterstĂŒtzen. Die Kids, die wieder bei ihren Familien wohnen, wĂ€ren zwar auch auf HausaufgabenunterstĂŒtzung angewiesen, bekommen diese aber hĂ€ufig nicht, da die Familie hĂ€ufig selber nicht viel mehr Bildung erfahren hat.

Dennoch war ich sehr zufrieden ĂŒber die Ergebnisse der ersten Klassenarbeit in Englisch. Sie war zwar noch nicht „extrem“ anspruchsvoll, aber dennoch auch nicht zu einfach.

Ein anderes cooles Resultat aus dem Englischunterricht kam vom sechsjĂ€hriges IsaiĂĄs: Er geht in eine Nivelationsklasse da er einerseits noch nicht lesen und schreiben kann, aber andererseits auch enorme Probleme bei der Aussprache vom Spanischen, also seiner Muttersprache hat. Da er weder lesen noch schreiben kann, war er natĂŒrlich auch im Englischunterricht nicht gerade prĂ€sent. Aber dann ist er irgendwann nachmittags im Heim zu mir gekommen: „Good Morning!“ und hat dann auf Englisch bis 15 gezĂ€hlt. Das hat mich extrem gefreut, da ich selber ihm eigentlich gar nicht so viel zugetraut hĂ€tte, eben weil er noch nicht lesen und schreiben kann.

Seit neuestem gebe ich jetzt am Wochenende auch noch Basketballunterricht. Hier treten, wie eigentlich zu erwarten war, viele PhÀnomene seitens der Kinder auf, die ich auch schon aus dem Englischunterricht kenne: Sehr schnelle Demotivation bei Fehlern, oder generell keine Motivation, teilweise auch das Nichtanerkennen von Regeln.

Dazu möchte ich aber im Allgemeinen auch noch einmal sagen: Es sind Kids, die aus schweren Familiensituationen kommen. Es sind Kids, die schon sehr viel Leid in ihrem Leben erfahren haben. Es sind Kids, die teilweise wenig Erziehung bekommen haben. Dennoch: Die meisten von ihnen sind sehr herzlich und aufgeschlossen, und ich sehe fĂŒr mich in der Arbeit mit diesen Kids die große Chance, mit einer Art von Kindern zu arbeiten, die ich wahrscheinlich in Deutschland so nicht vorfinden werde.

Übrigens: Soviel Zeit fĂŒr die ganzen neuen Projekte habe ich dadurch, dass das Sozialarbeiterprojekt „ErradicaciĂłn de trabajo infantil“, bei dem ich vorher immer mitgearbeitet habe, von der Regierung vorlĂ€ufig erst einmal auf Eis gelegt wurde, d.h. die Förderungsmittel gestrichen wurden. Dies resultiert auch daraus, dass im Februar die PrĂ€sidentschaftswahlen anstehen, und noch nicht feststeht, ob der zukĂŒnftige PrĂ€sident sich auch so intensiv in soziale Projekte investieren wird.

Die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest verliefen fĂŒr mich eher ein wenig unspektakulĂ€r: Bei tĂ€glichen Temperaturen zwischen 25-30 Grad kommt man, an Temperaturen um null Grad gewohnt, einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Nichtsdestotrotz haben wir mit den Kids im Heim ein schönes Weihnachtsfest gefeiert: Wir waren zusammen in der Messe, haben viel und lecker gegessen. Meine Mitfreiwillige Bernadette und ich haben noch mit eine der coolsten Aufgaben bekommen: Spender aus Deutschland haben fĂŒr alle Kids einen neuen Satz Klamotten, d.h. Jeans, T-Shirt und Schuhe bezahlt. Wir durften diese an die Kids austeilen. Ich kann mich nicht darin erinnern, mich selbst einmal so ĂŒber neue Klamotten gefreut zu haben. Zitat vom VierjĂ€hrigen Santiago: „Das sind ganz neue Klamotten, nur fĂŒr mich?“

Übrigens war ich seit dem letzten Blogeintrag auch noch zweimal im Kurzurlaub, also jeweils ein Wochenende. Das erste Ziel war das KĂŒstenstĂ€dtchen Canoa, das zwar sehr stark vom Erdbeben betroffen war, aber jetzt schon wieder zum Großteil aufgebaut wurde. Dort habe ich einfach mal zwei Tage nur am Strand die Zeit vergehen lassen, und habe natĂŒrlich trotz 50er Sonnencreme einen starken Sonnenbrand bekommen.

Zweites Ziel war Mindo, ein StĂ€dtchen zwischen Santo Domingo und Quito. Eigentlich auch ein sehr schönes Reiseziel, aber leider bin ich direkt nach der Ankunft krank geworden und war so dann doch wieder froh, nach den eigentlich sehr schönen Anblicken der Naturlandschaften wieder nach Santo Domingo zurĂŒck zu kehren.

Soooo, das soll es dann jetzt auch gewesen sein von meinem literarisch nicht ganz einwandfrei geschriebenen Bericht. Nach diesem Bericht wird die Zeit zu rasen beginnen: Im Februar habe ich zuerst eine Woche Seminar, dann kommen mein Bruder Alexander und unser Kumpel Felix und wir machen drei Wochen Ecuador (wie man jetzt heutzutage sagt) Roadtrip. Dann beginnen hier auch schon die zweimonatigen Schulferien, und dann ist auch schon Mai.

In der Hoffnung, dass ihr hier trotz der rennenden Zeit noch viel von mir lesen könnt, wĂŒnsche ich euch ganz viele GrĂŒĂŸe aus Ecuador y bastante gasolina (ordentlich Benzin),

euer Konni

 

Was ist arm, was ist reich?

Sonntag, 27. November 2016 von Konstantin

Ich, nach Mithilfe im Viertel "El Ebano"

Armut: Was ist das? Bedeutet Armut, in einem Rohbau mit Wellblechdach zu wohnen? Bedeutet Armut, immer auf jeden Cent achten zu mĂŒssen? Oder kann Armut vielleicht auch etwas ganz Anderes bedeuten: Z.B. Armut an Höflichkeit? Armut, sich keine Zeit fĂŒr Dinge zu nehmen?

In Deutschland hatte man die Frage „Was ist arm, was ist reich?“ schnell beantwortet: Deutschland ist ein reiches Land; Ecuador ein armes. Ich zuhause, im Haushalt mit eigenem Reihenhaus und zwei Autos bin reich, die in Ecuador mit Wellblechdach und keinem eigenen Auto arm.

Jetzt, nach fast vier Monaten im „armen“ Ecuador, denke ich ganz anders darĂŒber. Über diese Zeit habe ich mich an einige dieser „anderen ReichtĂŒmer“ Ecuadors schon gewöhnt: Jeder morgen beginnt mit einem fröhlichen „Buenos dĂ­as“ (Guten Morgen), und das zwar nicht nur in den Raum hereingebrĂŒllt, sondern von jedem Arbeitskollegen einzeln. Wenn ich im Restaurant sitze, und mein Mittagessen schon vor mir steht, wird mir von anderen Leuten die ins Restaurant hereinkommen ein „Buenas tardes“ (Guter Nachmittag) und „Buen provecho!“ (Guten Appetit) gewĂŒnscht.

Was ich damit sagen möchte: Wir machen uns es hĂ€ufig zu leicht. Wir versuchen immer, Alles in unsere Muster und Schubladen einzuordnen. Wir sortieren in „arm und reich“, und das eigentlich immer nur gemessen an der Wirtschaftsleistung. Und so schnellt passiert es dann: Deutschland, ein sehr wirtschaftsstarkes Land ist automatisch ein „reiches, entwickeltes Land“. Ecuador, ein Land das eindeutig nicht so wirtschaftsstark wie Deutschland ist, ist automatisch ein „armes, (3. Welt)-Entwicklungsland“. Dabei ist Deutschland genauso ein Entwicklungsland wie Ecuador: Wir mĂŒssen lernen, langfristig, nachhaltig und vor allem verantwortungsbewusst mit unser enormen Wirtschaftsleistung umzugehen. Genauso können sich viele Deutsche (eingeschlossen mir selbst) aber auch noch in der Hinsicht entwickeln, zufriedener zu sein mit dem was sie haben und nicht in jeder Kleinigkeit ein Problem zu sehen.

NatĂŒrlich sind alle diese Dinge leicht gesagt und auch ein wenig ĂŒber einen Kamm geschert, aber ich möchte euch dennoch erzĂ€hlen, wie ich zu diesem Gedankengang gekommen bin: in meinem Kurzurlaub in Baños habe ich in einem sogenannten Dorm ĂŒbernachtet: Ein Mehrbettzimmer in einem Hostel, dass man sich mit anderen, fremden Reisenden teilt. Meine Zimmergenossen waren allesamt ebenfalls EuropĂ€er: eine Deutsche, eine NiederlĂ€nderin und ein Tscheche. Da ich natĂŒrlich meistens als Letzter aufgestanden bin, habe ich jedem meiner Zimmergenossen, wenn ich sie dann irgendwo gesehen habe, einen guten Morgen gewĂŒnscht. Da wurde ich das erste Mal schrĂ€g angeguckt, und mehr als ein genervtes „Morg’n“, kam nicht zurĂŒck. Als ich dann aber einmal den Anderen einen guten Appetit gewĂŒnscht habe, als sie zum FrĂŒhstĂŒck gingen, wurde ich komplett schrĂ€g angeguckt.
Dies hat mich dann einfach dazu angeregt, die oben lesbare Thematik mal anders zu bedenken.

So jetzt aber genug herumphilosophiert, noch ein ganz schneller Exkurs aus meiner Mitarbeit im Sozialarbeiterprojekt „Ausrottung von Kinderarbeit und Straßenbetteln“: Ich habe das GefĂŒhl, im Rahmen dieses Projektes lerne ich andauernd wichtige Leute kennen. Letzten Monat lernte ich den MilitĂ€rgeneral Santo Domingos kennen, da wir bei ihm waren, um einen Ausflug fĂŒr die Kids des Projektes zu besprechen.
Letzten Donnerstag lernte ich dann noch weitere „Lokalprominenzen“ kennen: Der offizielle Schirmherr des Projektes, Padre Martin, hatte eine Art Pressekonferenz, um ĂŒber die Arbeit gegen das Straßenbetteln zu berichten. Wir waren als Zuschauer mit bei der Konferenz dabei. Ebenfalls zu dieser Pressekonferenz als Redner kamen die Direktorin des Sozialarbeitsministeriums und die Generalin der Polizei in Santo Domingo, aber auch sogar der Gouverneur der Provinz Santo Domingo. Fehlt nur noch, dass ich dem PrĂ€sidenten Ecuadors einmal die Hand schĂŒttele 😀

Padre Martin (Schirmherr des Projekts), Dirketorin des Ministeriums, Gouverneur der Provinz, GenerÀlin der Polizei der Provinz

v. l. n. r.: Padre Martin (Schirmherr des Projekts), Dirketorin des Ministeriums, Gouverneur der Provinz, GenerÀlin der Polizei der Provinz

ZusĂ€tzlich noch neu zu meinen Aufgabenfeldern im Heim dazugekommen, ist der wöchentliche Besuch im MĂ€dchenheim „Valle Feliz“, in dem die Schwestern einiger Jungs des Casa Hogars de JesĂșs leben.

Fernando, Luis, Jonathan und ich auf dem Weg ins MĂ€dchenheim

Fernando, Luis, Jonathan und ich auf dem Weg ins MĂ€dchenheim

Sooo, dat sollet jetzt aber auch erstmal jewesen sin von diesem sehr philosophischen Eintrag heute. Vielleicht wird der nÀchste Eintrag schon bald kommen: NÀchstes Mal möchte ich euch, sofern es interessiert, ganz abseits von meiner Arbeit in Santo Domingo berichten und euch ein wenig etwas von den wunderschönen Andenlandschaften Ecuadors berichten, in denen ich Anfang des Monats Urlaub gemacht habe und nÀchstes Wochenende wahrscheinlich wieder hinfahre.

In diesem Sinne, viele GrĂŒĂŸe aus dem fast schon zu warmen Santo Domingo y buenas lavadoras (gute Waschmaschinen) wĂŒnscht euch

euer Konni

 

Unfassbar dankbar – fĂŒr die paar SĂ€tze Englisch?

Samstag, 08. Oktober 2016 von Konstantin

Dankes-Schweinehaufen nach einem UnterrichtsstĂŒndchen Englisch 😀

Seit mittlerweile fast schon einem Monat habe ich einen komplett anderen Arbeitsplan, von dem ich euch noch gar nichts habe wissen lassen. Morgens arbeite ich jetzt nicht mehr im Kinderheim, sondern bin mit den Sozialarbeitern der FundaciĂłn Calasanz unterwegs. Ganz grobe ErklĂ€rung: Das Kinderheim „Casa Hogar de JesĂșs“ ist Teil einer FundaciĂłn, benannt nach dem Heiligen „San JosĂ© de Calasanz“. Dieser setzte sich zu Lebzeiten dafĂŒr ein, dass Kinder aus armen VerhĂ€ltnissen eine Chance auf Bildung hatten.

Und dieser Gedanke wird heute durch die Sozialarbeiter der FundaciĂłn fortgefĂŒhrt: Es gibt viele arme Familien in Santo Domingo. Viele Familien können sich die SchulgebĂŒhren nicht leisten, viele Familien können sich die nötigen Schulartikel nicht leisten. Manche Familien können sich noch nicht einmal Lebensmittel fĂŒr ihre Kinder leisten. Die Arbeit der Sozialarbeiter besteht darin, die Familien und deren Kinder zuerst einmal ausfindig zu machen, und dann durch GesprĂ€che ausfindig zu machen, wie man diesen Kindern und Familien helfen kann. Beispielsweise ein großer Teil der Arbeit liegt in der PrĂ€ventionsarbeit, direkt mit den Kindern:

Zweimal im Monat treffen sich die Sozialarbeiter eines bestimmten Viertels mit allen Kindern, die sie in diesem Viertel betreuen. Bei diesen Treffen werden dann VortrĂ€ge, bspw. Über KindesentfĂŒhrung, Umgang mit der Armut der Eltern, usw. gehalten. Auch wenn sich dies erstmal komisch anhört: Es ist schon hĂ€ufiger passiert, dass Kinder in Santo Domingo nach Schulschluss von EntfĂŒhrern vor der Schule abgefangen und entfĂŒhrt wurden. Deswegen gibt es jetzt einerseits diese VortrĂ€ge, andererseits steht jetzt bei Schulschluss vor vielen Schulen eine Polizeistreife zur PrĂ€vention. Bei den Treffen mit den Kindern werden aber nicht nur so unschöne Themen behandelt, es wird auch viel gebastelt, viel gelacht, und einfach viel miteinander gesprochen. Mein Part bei diesen Treffen war bisher eigentlich immer das Übernehmen eines kurzen Englischunterrichts: Da es hier an einigen Schulen gar keinen Englischunterricht gibt, bzw. dieser an vielen Schulen eher dĂŒrftig ausfĂ€llt, lag meine Aufgabe einfach darin, den Kids ein paar Froskeln und SĂ€tze auf Englisch beizubringen. Hierbei versuchte ich mich immer an den Englischunterricht aus Grundschulzeiten zurĂŒckzuerinnern, sodass am Ende der Unterricht immer mit einer Runde „Head and Shoulders, Knees and Toes“ endete. Ich selber hielt damals als Kind diese Form des Unterrichts nicht fĂŒr besonders sinnvoll. Hier ist das aber etwas ganz Anderes: Die Kinder sind hochmotiviert, singen laut mit, und sind am Ende einfach nur unfassbar dankbar fĂŒr diese Minieinheit Englischunterricht. Das war echt ein beeindruckendes GefĂŒhl, eine Dankbarkeit seitens der Kinder, die ich in Deutschland noch nie erlebt habe. Dabei habe ich doch nur ein paar SĂ€tze Englisch geredet.

Mehr Bilder von einer dieser VortrÀge könnt ihr euch hier angucken: Link zum OneDrive-Ordner

(Nicht wundern, sind sehr viele Bilder und viele Bilder doppeln sich auch, aber die ecuadorianische Einstellung zu Fotos lautet nunmal: „Toma más fotos!“ = Mach noch mehr Fotos! :D)

Wenn ich dann einmal nicht gerade als Englischlehrer unterwegs bin, sitze ich im Auto mit dem noch jungen Sozialarbeiter FabiĂĄn. Dieser ist nicht direkt in die oben beschriebene Arbeit mit den Kindern involviert, sondern kĂŒmmert sich um speziellere EinzelfĂ€lle. Z.B. waren wir vorletzte Woche bei einem Herrn, der wĂ€hrend des schlimmen Erdbebens vor einem halben Jahr, aus dem zweiten Stock seines Hauses heruntergefallen ist. Sein Haus ist natĂŒrlich vollkommen zerstört; aber zusĂ€tzlich ist er jetzt auch noch querschnitzgelĂ€hmt. Unsere Aufgabe bestand dann erst einmal darin, die Daten des Herrn aufzunehmen, und ihn dann zum Amtsbesuch zu begleiten, bei dem es darum ging, ob er eine Art Behindertengeld erhalten wird oder nicht. ZusĂ€tzlich dazu haben wir uns dann noch an verschiedenen Stellen nach einem Job fĂŒr ihn umgehört.

D

Trotz der vielen neuen, coolen Aufgaben: Emiliano hol' ich trotzdem noch jeden Tag vom Kindergarten ab 😀

Nachmittags kehre ich dann immer ins Heim zurĂŒck, und packe hier und dort mit an. Als ich Anfang August ankam, lebten im Heim 20 Kinder; zwei Monate spĂ€ter leben jetzt 38 Kinder im Heim. ZusĂ€tzlich findet man jetzt auch wieder Kinder jeden Alters im Heim: Der JĂŒngste, Emiliano, ist jetzt 20 Monate alt; der Älteste ist 16 Jahre alt. Diese hohe Anzahl an Kindern, zusĂ€tzlich so verschiedenen Alters, stellt natĂŒrlich eine große Herausforderung fĂŒr die Erzieher da, die sie aber dennoch gut meistern.

Mittlerweile ist auch eine weitere Freiwillige angekommen, Bernadette aus der NĂ€he von Stuttgart. Sie arbeitet sehr viel mit den ganz kleinen Kindern und macht dabei einen echt guten Job; wahrscheinlich, weil sie auf Grund fĂŒnf kleinerer Geschwister sehr erfahren im Umgang mit so kleinen Kids ist.

Das war es jetzt aber erst einmal fĂŒr den Eintrag heute. Ich habe das GefĂŒhl, je lĂ€nger ich weg bin, desto schlechter wird mein Ausdrucksvermögen in der deutschen Sprache. Naja, dafĂŒr wird dat Spanisch ja auch besser 😀

Danke auch noch einmal fĂŒr die vielen RĂŒckmeldungen auf meinen Blog. Es freut mich sehr, dass so viele sich fĂŒr meine Arbeit hier in Ecuador interessieren und ich euch von meinen Erfahrungen berichten kann.

Viele GrĂŒĂŸe y mucho arroz (viel Reis)

WĂŒnscht euch

Konni

 

4500 Meter ĂŒber dem Meerespiegel – und trotzdem den Gipfel noch nicht gestĂŒrmt

Freitag, 09. September 2016 von Konstantin

Aussicht vom Vulkan Pinchincha ĂŒber Quito

Aussicht vom Vulkan Pinchincha ĂŒber Quito

Letztes Wochenende trat ich das erste Mal eine Reise raus aus dem Kinderheim an: Es ging fĂŒr zweieinhalb Tage nach Quito, in die Hauptstadt Ecuadors. Nach mehreren stressigen Busfahrten kam ich in meinem Hostel im Touristenviertel Mariscal an. Sofort befindet man sich in einer Blase: Alle sprechen Englisch, die HĂ€lfte der Leute die man trifft sind ebenfalls Reisende, alles ist teurer, die Straßen sind komplett beleuchtet, und so weiter. Nach vier Wochen in Santo Domingo fĂŒhlte sich das Touristenviertel Mariscal irgendwie mehr wie ein Ort auf Mallorca an, als einer in Ecuador.

Da ich nur zweieinhalb Tage in Quito Zeit hatte, war das Programm natĂŒrlich sehr eng geschnĂŒrt: Direkt am ersten Tag wollte ich den „Hausvulkan“ von Quito, den Pinchincha besteigen. Hierzu muss ich erklĂ€ren: Ich lebe in der Stadt Santo Domingo, diese liegt auf 700 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. Quito liegt auf 2800 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel; die Wanderung auf den Vulkan Pinchincha startet an der Bergstation auf 4000 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel. (Zum Vergleich: der höchste Berg Deutschlands liegt auf 2962 Metern ĂŒber dem Meeresspiegel). Dementsprechend dĂŒnn ist auf dem Vulkan die Luft: jegliche ReisefĂŒhrer raten einem: Akklimatisieren. Dies bedeutet einfach nur, vor einer anstrengenden Wanderung in geraumen Höhen schon ca. eine Woche auf ordentlichen Höhen zu leben, damit der Körper Zeit hat, sich an die dĂŒnne Luft zu gewöhnen. Der optimistische RheinlĂ€nder in mir hat aber natĂŒrlich mal wieder gesagt: „Kenne mer nit, bruche mer nit!“. Und so begann ich, direkt am ersten Morgen nach meiner Ankunft, meinen Körper (gewohnt an 700 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel) langsam zur 4700 Meter hohen Vulkanspitze hochzuschleppen. Dies war dermaßen anstrengend, dass ich, besonders gegen Ende, alle 20 Meter eine Pause eingelegen musste. Der Aufstieg gegen Ende war sehr steil, wie auf dem Foto zu sehen 😀

Aussicht ĂŒber den sehr steilen Weg

Aussicht ĂŒber den sehr steilen Weg

UngefĂ€hr die letzten 150-200 Höhenmeter werden komplett geklettert – auf Grund der aufziehenden Wolken und meines halbtoten Körpers, entschloss ich mich dann doch dagegen, das letzte StĂŒck noch zu bezwingen. Aber immerhin: 4500 Meter ĂŒber dem Meeresspiegel, mein persönlicher Höhenrekord, auch wenn der Gipfel in Zukunft noch gestĂŒrmt werden muss. NĂ€chstes Mal dann aber mit Akklimatisieren: Auch wenn ich nur 500 Höhenmeter gewandert bin, fĂŒhlte ich mich danach so platt wie nach einer Wanderung in Österreich mit 1500 gemachten Höhenmetern 😀

Dennoch aber hat sich die Wanderung gelohnt: Ich hatte perfektes Wetter und konnte wolkenfrei alle Berge im Umkreis sehen. Gerne könnt ihr euch hier ein paar Bilder von der Wanderung angucken: Link zum OneDrive-Ordner

Sonntag habe ich dann eine kleine Altstadttour mit ein paar anderen deutschen Reisenden gemacht. Es ist so: Sobald man in ein Jugendhostel zieht, lernt man direkt einen Haufen sehr netter Leute kennen, die hÀufig Trips in die gleiche Richtung unternehmen möchten. Auch zur Altstadttour könnt ihr euch hier ein paar Bilder angucken: Link zum OneDrive-Ordner

Abschließend zum Wochenendndtrip lĂ€sst sich sagen: Quito ist wunderschön und lohnt sich sehr, dennoch befindet man sich dort in einer Art Touristenblase. Deswegen habe ich mich sogar fast ein wenig gefreut, wieder in das untouristische Santo Domingo zurĂŒckzukehren.

Sooo, dat war’s jetzt aber auch. Ich wollte mich aber trotzdem noch einmal fĂŒr die vielen netten Kommentare und Nachrichten bedanken, ich freue mich immer sehr, etwas aus der Heimat zu hören 😀

Viele GrĂŒĂŸe aus dem immer warmen Santo Domingo,

Konni

 

Speedaufstehen, Stapelfahren und Wetter mit besonderen BedĂŒrfnissen

Dienstag, 16. August 2016 von Konstantin
Aussicht aus dem Auto auf der Fahrt von Quito nach Santo Domingo

Aussicht aus dem Auto auf der Fahrt von Quito nach Santo Domingo

Heute möchte ich euch ein wenig von meinem „Arbeitsalltag“ erzĂ€hlen. Dieser beginnt jeden Morgen um sechs Uhr. Wie ihr wisst, bin ich ein HochleistungslangschlĂ€fer, weswegen ich mittlerweile die Methode des Speedaufstehens anwende (Ferienlagerteilnehmer kennen das): Ich dusche am Abend vorher und leg‘ Alles soweit bereit hin, sodass der Wecker dann erst um zehn vor sechs klingelt und ich mich dann nur noch zum Treffpunkt rollen muss.

Nach dem FrĂŒhstĂŒck gehe ich zusammen mit dem anderthalbjĂ€hrigen Emiliano zum Kindergarten. Meistens werden wir von Bobby begleitet; dem Hund, der ebenfalls hier im Heim lebt. Gleichzeitig ist Bobby eins der wenigen Wörter die Emiliano schon sprechen kann, sodass er jedes Mal, wenn er Bobby sieht, auch wenn er nur kurz hinter einem Busch verschwunden war, mit freudestrahlendem Gesicht „Bobby!“ ruft. Sehr knuffig 😀

Danach geht’s immer fĂŒr eine Stunde in die KĂŒche zum Schnibbeln. Von vielen einheimischen FrĂŒchten, die ich mittlerweile schon schĂ€len und schnibbeln kann, weiß ich noch nicht einmal den Namen 😀

ZusĂ€tzlich „helfe“ ich auch jeden Tag eine Stunde in der WĂ€scherei, aber ich muss dich enttĂ€uschen Mutter, ich habe noch kein einziges T-Shirt dort gefaltet, denn die nette Waschfrau macht in der einen Stunde, in der ich dort bin, eine Art Hochleistungsspanischkurs mit mir, sehr hilfreich.

Am Nachmittag habe ich zurzeit noch jeden Tag einen weiteren Spanischkurs, damit ich möglichst schnell in die Sprache reinkomme.

Das erste richtige Wochenende bin ich erstmal hier im Heim geblieben und hab‘ mit den Ă€lteren Jungs eine Metropoly-Runde (genau, das ist die „legale“ sĂŒdamerikanische Version von Monopoly) nach der Anderen gezockt. Außerdem haben wir sehr viel Fußball gespielt; ich habe auf meiner Stammposition, Betonmauer, natĂŒrlich mal wieder geglĂ€nzt.

Ihr merkt schon, zurzeit stapelt sich die Arbeit noch nicht bei mir; aber stapeln ist das richtige Stichwort: Es geht um den Ausflug in die Hauptstadt Quito. UrsprĂŒnglich dachte ich, dass wir nur zu dritt in dem Minivan fahren, nĂ€mlich Erick, der zu einer Untersuchung musste, Antonio, Hausmeister und Fahrer, und ich. Aber dann sammelten wir immer mehr und mehr Leute ein, sodass wir dann am Ende in einem auf 4,5 Personen ausgelegten Minivan zu siebt saßen. Aber wie man im Rheinland auch so schön sagt: „Et hĂ€tt noch emmer joot jejange“.

In Quito selbst haben wir gar nicht viel gesehen; eher viel gewartet: Ich musste ewig in der Immigrationsbehörde auf mein Visum warten und Erick musste ewig auf seinen Behandlungstermin im Krankenhaus warten; sodass wir eigentlich nur zum Warten nach Quito gefahren waren.

Auf der RĂŒckfahrt wurde fĂŒr mich der Begriff Aprilwetter neudefiniert: Ihr seht das Bild ganz oben; das war ein paar Kilometer nach Quito. Ungelogen weniger als 15 Minuten spĂ€ter, sah es so aus:

D (Dominic ist der Blog- und Fotocoach der Sternsinger)

Sorry Dominic, aber die Fluchtlinie ist auf Grund des Nebels leider nicht erkennbar 😀 (Dominic ist der Blog- und Fotocoach der Sternsinger)

Aber naja, das soll’s erstmal gewesen sein. In diesem Sinne, tschĂŒss und muchas bananas!

Euer Konni

Übrigens: Muchas bananas ist gar keine spanische Verabschiedung, sondern heißt einfach nur: „Viele Banananen!“ 😀

 

Und plötzlich war ich weg…

Sonntag, 07. August 2016 von Konstantin

Blick ĂŒber das Kinderheim

Blick ĂŒber das Kinderheim

Und plötzlich war ich weg von zuhause. Leute die mich kennen, wissen, dass ich an den kompletten Freiwilligendienst immer sehr locker und „entspannt“ herangegangen bin. Aber jetzt plötzlich holt es auch mich ein: Alle reden spanisch, es ist viel wĂ€rmer, generell irgendwie ist Alles anders. Dann kommen die Fragen auf: Was tust du dir hier an, du hĂ€ttest doch auch einfach ein FSJ zuhause irgendwo machen können
 Was machst du denn jetzt ein Jahr ohne Familie, Freunde, Karneval


Aber je weiter man dem Ziel gekommen ist, desto grĂ¶ĂŸer ist auch die Vorfreude auf die Dinge, die ich im Freiwilligendienst erleben werde.

Am Freitagmorgen, um drei Uhr, ging es in Hennef los. Nach Frankfurt. Von dort nach Madrid. Von dort elf Stunden nach Quito. Von dort drei Stunden nach Santo Domingo. Immer wieder irgendwelche Verzögerungen hier und da. Und so war ich dann nach 24h im Casa Hogar de JesĂșs angekommen.

Der erste Tag im Heim gestaltete sich doch schwieriger als gedacht. Alle anderen Freiwilligen des letzten Jahrgangs sind bereits abgereist, was mir bis dahin gar nicht so klar war. ZusĂ€tzlich kommt die andere Freiwillige meines Jahrgangs erst in anderthalb Monaten. Keiner außer der Heimleiterin Teresita spricht Englisch, geschweige denn Deutsch.

Am Morgen habe ich direkt das erste Mal mitgefrĂŒhstĂŒckt. Ich glaube es gab Ei mit irgendwas drinne
 Bin mir nicht ganz sicher. FĂŒr ein paar SĂ€tze mit den Kids, wie sie denn heißen und wie alt sie sind hat das Spanisch dann zum GlĂŒck doch noch gereicht.  Mittags war ich dann bei der Mutter von Teresita zum Essen: Sowohl der Reis als auch die Champignons als auch die Erbsen und die Mören waren sehr lecker (ich weiß, ich erkenne mich selber nicht mehr wieder :D)

Das soll’s dann auch erstmal gewesen sein mit meinem ersten Blogeintrag. Viele GrĂŒĂŸe nach Deutschland, und denkt dran, wenn irgendjemand den ich kenne Geburtstag hat, muss mir das vorher jemand schreiben damit ich das nicht vergesse 😀

Euer Konni

(Übrigens, das Bild ist nicht von mir selber geschossen, so gutes Wetter war hier heute nicht. Gerne könnt ihr euch die Webseite des Kinderheimes, wo ich das Bild gefunden habe, angucken: hogardejesus.com)