5 Dinge, ….

Freitag, 24. März 2017 von Danica Helmlinger

In diesem Eintrag möchte ich euch einen besseren Einblick in die bolivianische Kultur geben und an der einen oder anderen Stelle auch ein paar Denkanstöße über Themen geben, die mir hier täglich begegnen. Hier also eine Liste der Dinge, die man sich von Bolivianern abschauen sollte :).

1. Dankbarkeit: Vor dem Essen wird hier bei vielen Christen ein Dankgebet gesprochen, soweit, so bekannt. Doch hier ist es nach dem Essen üblich, sich bei jedem, mit dem man gegessen hat, zu bedanken. Das ist für mich mehr als ein einfaches „gracias“. So wird einem immer wieder bewusst, dass das, was man hat, alles andere als selbstverständlich ist und wie sehr man das Essen in der Gemeinschaft genossen hat. Vor meinem Freiwilligendienst habe ich mir darüber recht selten Gedanken gemacht, und ich glaube, dass man in Deutschland allgemein viele Sachen nicht genug wertschätzt.

2. Kochen: Auch wenn die bolivianische Küche allgemein als sehr fleischhaltig bezeichnet werden kann, hat sie auch für Vegetarier wie mich einiges zu bieten. Da wären zum Beispiel Salteñas, das sind mit Gemüse oder Fleisch gefüllte Teigtaschen oder Umitas, in Maisblätter eingewickelte Kuchen mit Käse und Rosinen. Oder, mein bolivianisches Lieblingsgericht bisher, Erdnusssuppe. Im Allgemeinen ist das Essen hier deftiger, reicher an Kohlenhydraten (um zu sättigen) und wird mit Llajwa, einer scharfen Soße, gewürzt.

3. Familie: Die Familienstrukturen in Bolivien und Deutschland sind derart unterschiedlich, dass man damit wohl ein ganzes Buch füllen könnte, doch ich fasse mich etwas kürzer. Während eine deutsche Durchschnittsfamilie 1,3 Kinder zur Welt bringt (wie auch immer man sich das vorstellen soll), sind Familien mit bis zu 10 Kindern hier wirklich keine Seltenheit. Natürlich gibt es auch in Bolivien Einzelkinder oder kinderlose Paare, aber die Mehrheit der Familien, vorallem in den Dörfern, hat wesentlich mehr Kinder. Das kann dann auch zu Verwirrung führen und wenn ich erzähle, dass ich nur eine Schwester habe, werde ich oft überrascht angeschaut und gefragt, warum deutsche Familien so klein sind oder wie viele Kinder pro Familie in Deutschland gesetzlich erlaubt sind. Die Familie spielt hier einfach eine viel größere Rolle, oft hat man auch zu seinen Cousinen und Geschwistern eine enge freundschaftliche Bindung. Die alten oder kranken Familienmitglieder werden meist zuhause gepflegt. Wenn man in der Familie gerade gebraucht wird, hat das höchste Priorität. Die meisten meiner Ende 20-jährigen Kolleginnen wohnen immer noch mit ihrer Familie zusammen. Das ist in Bolivien ganz normal, denn egal wie alt man ist, die eigenen Eltern werden das ja auch immer bleiben. Diese Einstellung finde ich besser als das „Nesthocker“, dass den meisten Deutschen wohl in den Kopf kommen würde, wenn sie so etwas hören.

4. kein unnötiger Stress: Ich gehöre leider zu den Menschen, die bei Verabredungen meistens spät dran sind und doch pünktlich sein wollen. Die Lösung: hektisch seinen Haustürschlüssel und den Geldbeutel suchen und dann losrennen, um die Bahn noch zu erwischen. Mittlerweile kommt mir das alles etwas albern vor, denn mal ehrlich, auf eine halbe Stunde früher oder später kommt es
doch meistens wirklich nicht an, oder? Da gefällt mir die „hora boliviana“ (dt.: bolivianische Uhrzeit) wesentlich besser. Wenn man spät dran ist, dann ist das eben so, hier muss man sich dafür auch nicht entschuldigen, da es etwas ganz normales ist, derjenige wird ja schon einen Grund haben, dass er nicht pünktlich gekommen ist. Es mag etwas befremdlich klingen, wenn man sich für 7 Uhr verabredet und der erste eine Viertelstunde später eintrudelt und dann noch weitere 15 Minuten auf den Rest wartet, aber es ist wesentlich entspannter, nicht unter Zeitdruck zu stehen und zu wissen, dass die Welt nicht untergeht und keiner enttäuscht ist, wenn man es nicht rechtzeitig schafft.

5. Großzügigkeit: Alleine etwas zu essen, ohne den Menschen um einen herum etwas anzubieten, gilt hier als grob unhöflich. Auch wenn es nur ein Stück Brot ist, es ist ganz normal, den anderen Menschen im Wartezimmer oder seinen Freunden, mit denen man gerade unterwegs ist, etwas anzubieten. Und es ist auch erwünscht, das Angebotene dann auch wirklich anzunehmen. Mir gefällt diese Eigenheit sehr gut und ich bin immer wieder positiv überrascht, mit welcher Selbstverständlichkeit und wie ohne zu Murren geteilt wird. Auch Bettlern gegenüber ist die Bevölkerung hier, gerade bei alten Menschen, die keine Altersvorsorge haben, meist viel großzügiger.Getrennte Rechnungen zu bekommen ist sehr unüblich, entweder man lädt die andere Person ein, oder es wird zusammengelegt. In Sachen teilen und Großzügigkeit können wir noch einiges von Bolivianern lernen!

 

Alles Friede, Freude, manjar blanco?

Donnerstag, 02. März 2017 von Julia Wolf

„Mir geht es super! Peru ist ein wunderschönes Land und mir geht es viel besser als ich erwartet habe.“ Das oder so in der Art ist meine gewöhnliche Antwort auf die Frage, wie es mir hier in Cajamarca geht. Das schon mehr Zeit hinter mir liegt, als vor mir, macht mich vor allem traurig. Aber natürlich ist hier nicht alles perfekt. Heute will ich über 10 Probleme meinerseits oder in Cajamarca allgemein schreiben. Einige sind nicht ganz ernst gemeint, aber ein bisschen grinsen is ja auch gesund:).

  1. Wasserknappheit

Die Sorgen für das Jahr 2017 sind vorprogrammiert. Denn in den normalerweise regenreichen Monaten wie September, August, Oktober, November, Dezember und Januar gab es kaum Niederschlag. Die Lebensmittelpreise, zum Beispiel für Kartoffeln, werden, bedingt durch Ernteausfälle, stark ansteigen. In den letzten Monaten hatten die Behörden starke Waldbrände zu bekämpfen, Familien fehlt das Wasser zum Essen kochen, waschen, zum Leben. Man wird aufgefordert kürzer zu duschen, weil der Wasserpreis um 10% steigen wird. Ehrlich gesagt, wenn ich, jemand aus Deutschland natürlich, höre, der mir erzählt, er hat gebadet, finde ich das inzwischen ziemlich unwirklich.

  1. Meine Gröẞe

Ich hatte ja schon einmal erwähnt, dass ich mit meinen 1,76 m gröẞer bin, als die Durchschnittsfrau in Peru (1,51m). Aber leider ist auch der typische peruanische Mann nur 1,64 m groẞ. Das führt zu einigen Schwierigkeiten: zum Beispiel schlafen mir im Bus regelmäẞig meine eingequetschten Beine ein. Beim Aussteigen stoẞe ich mir meinen Kopf an der Decke an. Ganz schlimm ist es aber, wenn ich keinen Sitzplatz bekomme. Dann stehe ich verkrüppelt im Bus und mir schmerzt danach mein ganzer Rücken. Zum Glück ist Cajamarca nicht so groẞ, den Groẞteil meiner Wege kann ich also zu Fuẞ zurücklegen. Aber natürlich bekomme ich auf der Straẞe ziemlch viel Aufmerksamkeit. Die Leute errinern sich an mich, weil ich weiẞ und riesig bin. Dass ich ja bis zum Himmel reiche habe ich auch schon gehört. In Cajamarca selbst habe ich inzwischen 3 Männer gesehen, die ungefähr so groẞ waren wie ich.

  1. Unterernährung

Kinder mit aufgeblähtem Hungerbauch sieht man hier so gut wie gar nicht. Aber das bedeutet leider nicht, dass sie nicht an Hunger leiden. Sie bekommen zwar genug zu essen, es fehlt aber an Nährstoffen durch Gemüse, Fleisch oder auch Fisch. Das verursacht einige Krankheiten, aber vor allem wachsen sie nicht richtig, sind immer müde und können sich schlecht konzentrieren. Viele Kinder leiden auch an Parasiten im Bauch und sind deshalb unterernährt. Auf 380 Millionen Kinder wird die Zahl der Kinder geschätzt, die nicht ausreichend Nährstoffe erhalten. Diese Unterernährung wird sie ihr ganzes Leben lang begleiten und sie daran hindern ihr eigentliches Potenzial zu entfalten.

  1. Gewalt

Mit Gewalt meine ich hier nicht Kriminalitat oder Gewalt in den Straßen, nein ich spreche von häuslicher Gewalt. Laut Frauenministerin Ana María Romero-Lozada hat Peru weltweit den dritthöchsten Wert bei gewaltsamen Übergriffen auf Frauen. Pro Monat werden ca. 10 Frauen durch ihre eigenen Männer getötet. Diese Zahl ist für mich schwer zu fassen und kaum vorstellbar, dass das nur die Ziffer für Ermordungen ist, die Körperverletzungen ausgenommen. Wenn ich meine Freunde oder Kollegen aus dem Projekt frage, warum das so ist, begründen diese es mit der Machokultur in ihrem Land. Mir ist auch schon aufgefallen, dass bei solchen Vorfällen häufig nur die Frau bemitleidet wird, dass der Mann beschuldigt wird, ist selten. Sie werden zwar meistens schon gerichtlich verurteil, aber die Moral, die Strafe der Gesellschaft fehlt. Das ist meine persönliche Wahrnehmung, die wahren Gründe können ganz andere sein. Und auch Kinder leiden an häuslicher Gewalt. Ich saß letztens mit einem ungefähr 9 jährigem Jungen an seinen Hausaufgaben. Wir waren fast fertig, als es Zeit nach Hause zu gehen war und die Glocke klingelte. Ich meinte, dass wir seine Aufgaben noch schnell beenden konnten, er aber packte schnell seine Sachen zusammen, entschuldigte sich, denn wenn er zu spät nach hause kommt, würde sein Vater ihn schlagen. Und das sind keine Popoklapser, sondern richtige Schläge, unter anderem auch mit dem Gürtel. Auch Lehrer sind teilweise noch gewalttätig, auch wenn das inzwischen verboten ist.

  1. Mein schlechtes Gewissen

Letztens haben wir mit den Kindern MICANTOs einen Ausflug zum reichsten College in Cajamarca gemacht. Es war ein schöner Tag, alle waren ziemlich aufgeregt und fröhlich. Sie wurden mit offenen Armen empfangen, es wurde zusammen gespielt und am Ende haben sie sogar Geschenke bekommen. Die Kinder haben sich riesig gefreut, es waren Süßigkeiten und Getränke dabei, die sie davor noch nicht gekannt haben. Ich allerdings war wütend und traurig. Warum geben die Reichsten aus Cajamarca denn nicht mehr ab? Warum nur billige Süẞigkeiten in Plastiktüten, wenn sie mehr geben könnten, ohne das es ihnen schaden würde? Und schnell wurde mir bewusst, wenn ich ihnen diesen Vorwurf mache, muss ich ihn mir auch selber machen. Wieso fällt es uns so schwer zu teilen? Warum haben wir immer Angst schlechter dazu stehen? Woher kommt dieser Wunsch möglichst reich zu sein? Warum häufen wir Dinge an, die wir überhaupt nicht brauchen? Warum interessieren uns die Arbeitsbedingungen nicht, solange unsere Kleidung nur billig ist?  Sind wir wirklich benachteiligt, nur weil wir kein iPhone besitzten?

  1. Straẞenhunde

Jeden Tag auf meinem Arbeitsweg habe ich Todesangst. Nicht wegen Raubüberfallen oder Diebstählen, sondern wegen Hunden. Als ich anfangs gefragt wurde, ob ich Angst vor Hunden habe, habe ich immer noch ganz mutig verneint. Aber da wusste ich auch noch nicht, dass es einen Unterschied zwischen peruanischen Straẞenhunden und deutschen Haustierhunden gibt. Umzingelt von 5 laut bellenden Monstern klopft einem das Herz nämlich ganz schön, während man überlegt, was man alles in seinem Leben eigentlich noch machen wollte, bevor man von Hunden zerfleischt wird. Und alle die mich jetzt auslachen: kommt nur mal her und lasst euch mal anknurren, dann versteht ihr was ich meine. Übrigens ist meine Angst nicht unbegründet, fast alle Einheimischen haben ungefähr genauso viel Angst wie ich, viele können dir auch eine Narbe zeigen, natürlich von einem Hundebiss.

  1. Fehlende staatliche Unterstützung

Mir fällt oft auf, dass MICANTO viele verschiedene Institutionen in einer ist. Die Kinder kommen her, um ihre Hausaufgaben zu machen und sich für Prüfungen vorzubereiten. Aber auch um sich ihre Herzen auszuschütten, wenn es daheim gekracht hat. Sie kommen um Spaẞ zu haben und mit anderen Kindern zu spielen. Aber es wird sich auch um Kinder gekümmert, die keine Papiere haben und nicht registriert sind. Kinder, die nicht zur Schule gehen, weil sie kein Geld fur die Aufnahme haben, oder mit 10 noch nicht lesen oder schreiben können und Kinder, die in schwierigen Verhältissen leben, Waisen oder Halbwaisen sind. Um diese Fälle kümmert sich MICANTO, ohne vom Staat unterstützt zu werden. Aber es fehlen hier eben funktionierende Jugendämter, Horte, Förderschulen und Anlaufstellen, die Kinder in Not auffangen und ihnen helfen vorwärts zu gehen. Ich hoffe ihr versteht was ich meine, ich weiß, dass es auch in Deutschland Leid und Armut gibt, dass es eine Vielzahl an Problemen zu bekämfen gilt, aber wir sollten uns mehr umschauen, über den Tellerrand blicken und dankbar für unser Sozialsystem sein.

  1. Schulsystem

Fragt man meine Kollegen im Projekt nach dem peruanischen Schulsystem, können die Reaktionen teilweise heftig ausfallen. Bemängelt wird vor allem die hohen Kosten für einen Schulbesuch. Gezahlt werden muss nicht nur eine Gebühr zur Einschreibung, sondern auch die Uniform, die Schulutensilien und der Schulweg. Fallen die Kosten für den Weg nicht an, kann man sich sehr glücklich schätzen, denn dass bedeutet, dass man einen Platz in der nächst gelegenen Schule bekommen hat. Es passiert tatsächlich, dass Schulen wegen Überfüllung niemand mehr aufnehmen und das gar nicht selten. Hat man einen Platz bekommen, werden die Kinder in riesigen Klassen von 30 und mehr unterrichtet. Schüler, die das Tempo nicht mithalten werden ausgeschlossen, eine Förderung für Schlechtere gibt es nicht. Und wer durchfällt hat wenig Chancen auf einen Schulplatz. Es kann also passieren, dass ein Kind von 13 Jahren vor dir steht, dass weder lesen noch schreiben kann, weil es keinen Schulplatz mehr bekommt.

  1. Zurüchkehren

Es ist für mich inzwischen unvorstellbar, wieder nach Deutschland zu kommen. Natürlich freue ich mich auf meine Familie, Freunde, auf Menschen, die mich schon ewig kennen. Ich freue mich, auf der Straße nicht mehr aufzufallen und auf einen guten bayrischen Schweinebraten. Aber hier alles zurücklassen und in mein Luxusleben zurückkehren? Warm aus der Leitung fließendes Wasser als das normalste auf der Welt anzusehen? In einem isolierten Haus zu sitzen, ohne an tausende Kinder zu denken, die gerade frieren? Essen zu kaufen, ohne an Menschen zu denken, die heute nichts haben werden? Zum Arzt zu gehen, ohne an jene zu denken, denn es viel schlechter geht, aber kein Geld für den Besuch haben?

  1. Peru geht es nicht am schlechtesten

Ich würde mir gerne einreden, dass es keine Menschen gibt, denen es schlechter geht, als die ich hier sehe. Aber Peru ist ein aufsteigendes Land, mit zuletzt starker Wirtschaftsleistung, auch wenn das nur langsam bei der Bevölkerung ankommt. Aber die meisten  Kinder haben genug zu Essen, sie können lesen und schreiben, gehen zur Schule und haben durchaus Aufstiegschancen. Sie haben zwar mit Unterernährung und verschiedenen anderen Erkrankungen zu kämpfen, aber akut lebensbedrohliche Umstände sind selten. Und trotzdem sehe ich so viel Leid und Schmerz, soviel Hoffnungslosigkeit und Armut, dass es mir das Herz zerreist. Eine ganze Familie lebt in einem Zimmer, mit unsicherer Stromverbindung und nur kaltem Wasser, das noch dazu sehr oft ausgeht. Krankheiten bleiben unentdeckt weil kein Geld für einen Arztbesuch da ist. Kinder sind nicht offiziell registriert, von den Eltern verlassen, von der Tante verachtet. Hunderte “Häuser”, vielleicht ist das bessere Wort Lehmhütten, sind jedes Jahr vor Fluten und plötzlichen starken Regenfällen gefährdet, was ganze Familien obdachlos machen würde. Und da soll es noch so viel mehr schlechter gehen? Ich kann und will es mir nicht vorstellen.

Trotz all diesen Problemen bleibe ich dabei: Peru ist ein wunderschönes Land, ich fühle mich unendlich wohl. Ein Stück Herz werde ich hier lassen. Und jetzt denke ich nicht mehr an meinen Abschied, mir bleibt ja noch die Hälfte!

Ganz liebe Grüße,

Julia

 

Tanzen für die Inklusion

Mittwoch, 01. März 2017 von Danica Helmlinger

Wie bereits in meinem letzten Blogeintrag angedeutet, möchte ich heute über etwas ganz Besonderes schreiben: Das erste integrative Tanz- und Theaterfestival in Sucre, veranstaltet vom ETI, dem Projekt, in dem ich arbeite.

Das Fest zu veranstalten hatte zwei Hauptzwecke. Zum einen sollten mit dem Gewinn aus den Eintrittskarten für jeden Residenzbewohner Weihnachtsgeschenke besorgt werden können. Weihnachtsgeschenke meint hier allerdings nicht neue Sneakers, Kleider oder gar ein Handy sondern Lebensmittel wie Reis, Zucker, Tee, Speiseöl, Kekse und Schokolade, vor allem letzteres war etwas ganz besonderes für die Beschenkten, da es eben alles andere als alltäglich ist.
Die Mehrheit der Bewohner kommt nämlich vom Land, was hier in Bolivien meistens bedeutet, dort zu leben, wo es weder einen Arzt noch gefestigte Straßen gibt. Der nächste Nachbar lebt häufig auch kilometerweit entfernt. Die Familien der meisten Residenzbewohner sind folglich auch sehr arm und leben von ihren landwirtschaftlichen Erzeugnissen. Mit dem Lebensmittelkorb, den jeder als Geschenk zum Abschied vor den großen Ferien aus dem Erlös des Festes bekam, sollte den Residenzbewohnern und ihren Familien ein schönes Fest ermöglicht werden.

Das andere Ziel war es, den Menschen in Sucre, von denen ein Großteil vielleicht auch noch nie Kontakt mit einem Menschen mit Behinderung hatte, zu zeigen, dass diese Menschen genau so wie jeder andere Talente haben, z.B. gut singen oder mitreißend tanzen können, und dass diese Talente so gut sind, dass es sich lohnt, dafür ein Festival zu veranstalten. Und ich kann nur betonen, dass es sich wirklich gelohnt hat! Mit welcher Energie und Kreativität die Kinder und Jugendlichen dabei waren, welchen Mut jeder einzelne hatte, vor einer großen, fremden Menschenmenge zu reden, zu singen oder zu tanzen, das war einfach großartig! Ich war so stolz auf jeden einzelnen Teilnehmer :).
Schon etwa zwei Monate vorher liefen die Vorbereitungen auf Hochtouren. Was wird alles aufgeführt? Wo wird das Fest stattfinden? Wer ist für was zuständig? Das waren nur einige der vielen Fragen, die in diesem Zusammenhang aufgetaucht sind.
Jeder Einzelne war nun gefragt. Lehrerin Marcelina, der ich morgens bei der Arbeit mit den Erwachsenen und mittags bei der Hausaufgabenbetreuung helfe, 4 Lehramtsstudenten, die im ETI aushelfen und ich haben uns überlegt, was die Kinder der Hausaufgabenhilfe aufführen könnten. Es fielen Vorschläge wie ein Theaterstück oder einen Tanz, doch schließlich fiel die Entscheidung auf eine Modenschau von Berufen mit recycelten Kostümen. Als goldener Abschluss sollte ein Gruppentanz folgen.
Mit den Erwachsenen, die morgens ins Projekt kommen um verschiedene Handwerklichkeiten wie Schmuckherstellung zu lernen, nähten wir die verschiedenen Kostüme: Ein Feuerwehrmannanzug aus Safttüten und ein Sportleroutfit aus alten Plakaten sind nur ein kleines Beispiel. Jeder der Mitarbeiter im ETI hat mitgeholfen, Plastiktüten oder altes Papier zu sammeln und die Lehrerin Eliana, die für die Nähwerkstatt zuständig ist, hat aus Windelpackungen sogar ein recyceltes Brautkleid genäht!

 

Ich fand es sehr schön zu sehen, wie jeder mit Herzblut auf diese Veranstaltung hingearbeitet hat. Mit einigen Jugendlichen haben wir noch einen afrobolivianischen Tanz eingeübt, bei dem auch ich mittanzen sollte. Jeden Nachmittag haben wir uns dafür auf dem Sportplatz getroffen und getanzt, wobei ich mit dem bolivianischen Rythmusgefühl und der Leidenschaft fürs Tanzen nicht wirklich mithalten konnte 😀

Eine Woche davor bin ich mit ein paar Jugendlichen aus der Residenz losgezogen, um Eintrittskarten zu verkaufen und Passanten zu der Veranstaltung einzuladen, und dann war es auch schon soweit!

Am Mittag schmückten wir die Bühne, brachten die Kostüme und Requisitien an ihren Platz und dann hieß es auch schon umziehen! Wir hatten alle ziemliches Lampenfieber und die Stimmung hinter der Bühne war angespannt. Doch als es dann tatsächlich losging, lockerte sich die Lage. Ein Auftritt folgte dem anderen und schließlich hieß es auch für mich: „auf die Bühne!“. Zwar lief nicht alles wie geplant, eine der Tänzerinnen aus unserer Gruppe konnte nicht zur Veranstaltung kommen, allerdings waren wir danach ziemlich erleichtert und konnten den Rest des Festivals in vollen Zügen genießen.

 

 

Die Kindergartenkinder führten mit ihren Erzieherinnen einen Ententanz auf, eine Schulklasse spielte das Weihnachtsevangelium der Geburt Jesu nach und schließlich folgten die Chuntunquis, ein Tanz, der die Freude der Hirten bei der Nachricht über die Geburt des Gottessohnes immitiert und der in der im Departamento Chuquisaca, dem „Bundesland“ in dem ich lebe, in der Vorweihnachtszeit getanzt wird.
Tatsächlich habe auch ich ein bisschen von den Residenzbewohnern gelernt, wie man Chuntunquis tanzt und ich finde es ist eine sehr schöne und frohe Art, der Geburt Jesu zu gedenken. Ein Residenzbewohner, durch einen Unfall im Rollstuhl, hielt eine Rede in der auch sehr persönliche Gedanken miteinfloßen. Über die neue Situation, das Gefühl des Gefangenseins und der Hilflosigkeit, aber auch über die Stärke und die Hoffnung, die er erfahren durfte.
Als Gäste waren die Ballettschule Sucre und zwei Clowns regionaler Berühmtheit eingeladen, was vor allem den Kindern im Publikum großen Spaß bereitet hat.
Auch wenn die Vorbereitung viel Zeit in Anspruch genommen hat, hat es sich total gelohnt! Ich hoffe, dass die Zuschauer dadurch aufmerksamer und offener für das Thema Inklusion geworden sind.
Dem ETI, seien es die Kinder, Lehrer oder Therapeutinnen, wird dieses Fest sicher noch lange in guter Erinnerung bleiben 🙂

 

 

WOCC-Ein Waisenhaus?

Dienstag, 21. Februar 2017 von Sophia Koch

Ball spielen im Regen

Was ist Wat Opot Children‘s Community eigentlich für ein Projekt? Ist es ein Kinderheim, ist es ein Waisenhaus? Welche Rolle spielt HIV/ AIDS im Projekt?
WOCC ist in erster Linie ein Zuhause für Kinder. Ursprünglich wurde es als Hospiz für Menschen gegründet, die an AIDS starben. Heute sind Medizin, Untersuchungen und Behandlungen für HIV positive Patienten in ganz Kambodscha kostenlos und das Hospiz in der Form überflüssig geworden.
Das Projekt beherbergt nun 49 Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen dort sind. Die meisten von ihnen haben Familie. Entfernte Verwandte, Geschwister, Vater, Mutter. Und jedes Kind hat seine eigene auf ihre Weise traurige Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt sind mir nur ein Mädchen und ein Junge bekannt von denen bisher keine Angehörigen gefunden wurden, die also Vollwaisen sind. Andere Gründe auf dem Projekt zu leben sind beispielsweise Eltern, die den ganzen Tag arbeiten müssen, Schulbildung, medizinische Versorgung, Diskriminierung oder einfach ein Zuhause, was nicht kindgerecht ist.
Ich möchte an dieser Stelle die Geschichte eines kleinen Jungen mit euch teilen, der Ende November 2016 ein neues Mitglied der Gemeinschaft von WOCC geworden ist. Mir ist seine Geschichte sehr nahe gegangen, einerseits, weil ich begleitend dabei war als wir ihn von seinem zuhause abgeholt haben (einen Hausbesuch gemacht und die familiäre Lage ermittelt haben) und andererseits, weil sein Geschichte exemplarisch ist für Situationen, in denen das ursprüngliche zuhause kein Ort für ein Kind ist.
Sein Name ist Samuel (Name geändert). Samuel ist ein dreijähriger Junge aus der Provinz Takeo in Kambodscha. Ein Jahr nach seiner Geburt starb seine Mutter an AIDS. Sein Vater ist HIV positiv und nicht mehr im Besitz seiner vollen Geistesskräfte. Als ich ihm begegnete schien er sehr zurückgezogen und in seiner eigenen Welt gefangen zu sein. Samuels Oma ist 85 Jahre alt, was die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kambodschaners weit übertrifft. Sie ist blind. Tagsüber ist sie diejenige, die sich um Samuel kümmert. Um ihn in Sicherheit zu wissen, insbesondere während der Regenzeit, wo das Wasser hochsteht und Kinder ertrinken können, band sie Samuel ans Bett, auf dem sie die meiste Zeit des Tages sitzt. Die Familie ist auch sehr arm, hat sich das Geld für ihre Hütte nur geliehen. Das Grundstück ist extrem klein und Samuel hatte kaum Spielzeuge und Spielraum.
Der Umgang der Oma mit Samuel schien mir trotzdem sehr liebevoll und ich denke auch, dass er seinem Vater sehr wichtig ist und das beide sich bemüht haben den jungen so gut zu unterstützen, wie es ihnen in ihrer geistigen und körperlichen Verfassung möglich war.
Auf dem Projekt liebt Samuel es umher zu rennen und Ball zu spielen, hat ein großes Faible für Autos und wie mir scheint auch Kühe. Er ist ein sehr aufgewecktes Kind und steckt voller Lebensfreude. Er hat nun die Möglichkeit kindgerecht aufzuwachsen mit viel Raum für Bewegung und verschiedensten Aktivitäten und Angeboten.
Zusätzlich leidet er auch an Epilepsie, die vor und während Infekten, häufig bei ihm auftritt. Er kippt dann einfach um und fängt an sich am ganzen Körper zu verkrampfen und gleichzeitig unkontrolliert zu zittern. So ein Anfall dauert meist nicht länger als eine Minute und das einzige, was man als Danebenstehender tun kann ist darauf zu achten, dass er sich nicht selbst verletzt, besonders nicht den Kopf. Nach so einem Anfall ist er dann kreidebleich kommt wieder zu sich, fängt an zu weinen und schläft dann schnell, erschöpft von allem was sein Körper gerade durchgemacht hat, ein.
Im Normalfall ist ein zuhause mit liebenden Eltern, der beste platz für ein heranwachsendes Kind. Und ich wünsche jedem Kind dass es so ein liebendes Elternhaus hat. Es kann aber auch Situationen geben, wie soeben beschrieben, in denen das Elternhaus nicht der ideale Platz für ein Kind ist. In diesem Fall kann ich sagen, dass WOCC das beste neue Zuhause ist, was Samuel und viele andere Kinder haben können. Davon bin ich nach 6 Monaten auf dem Projekt voll und ganz überzeugt. Denn das ist genau, was WOCC ist:
Ein Zuhause für Kinder!

 

Die wahrscheinlich wichtigste Sache der Welt

Montag, 30. Januar 2017 von Julia Wolf

Nun, wer sich einen philosophisch angehauchten Beitrag erhofft, der muss leider wo anders suchen. Denn heute geht es um, zumindest für mich, die wahrscheinlich wichtigste Sache der Welt: Essen. Ganz ernst gemeint ist das natürlich nicht, aber wer mich kennt, der weiß: ich esse gern, ich esse viel und bin dabei nicht ganz einfach, mich als wählerisch zu bezeichen ist noch ziemlich wohlwollend. Aber ich glaube, mit meinem Essverhalten bin ich nur in die falsche Kultur hineingeboren, denn  hier in Cajamarca esse ich fast alles, was auf den Tisch kommt unglaublich gerne.

Yuca - Maniok

Ganz allgemein gibt es zu jedem Mittag Reis. Ein Freund von mir hat mal gesagt: „Ein Essen ohne Reis ist kein Essen“. Und diese Einstellung merkt man auch. Selbst in den wenigen Fällen, in denen es mal Nudeln gibt, wünschen sich die Peruaner Reis dazu. Für mich unvorstellbar, aber zum Glück ist der Reis lecker und ich hab mich inzwischen gut daran gewöhnt. Ungefähr jeden zweiten Tag in der Woche gibt es dann zum Reis Kartoffeln und Hühnchen. Die anderen Tage wird variiert: Reis mit Süßkartoffel (viel leckerer als in Deutschland) und Hähnchen, Reis mit Linsen (auch besser) und Hähnchen, Reis mit Erbsen (leider nicht besser) und Hähnchen.  Und Yuca, Maniok, ist auch sehr zu empfehlen, gibt es auch mal, natürlich mit Reis und Hähnchen;)

Selten gibt es auch mal anderes Fleisch, zum Beispiel Ente, ganz selten Schwein. Aber Fisch wird hier auch öfters in der Woche zubereitet. Und weil immer welche Fragen: Meerschweinchen habe ich schon gegessen. Ich finde das schmeckt ganz gut, aber für mich nicht unglaublich besonders. Auch Ceviche (roher Fisch eingelegt in eine Limonensauce) ist gut, aber ich brauche es nicht jeden Tag.

Und wenn wir schon bei den Spezialitäten sind, erzähle ich euch noch von meinen Lieblingsspeisen:

Arroz chaufa

Arroz chaufa: Ein peruanisch – japanisches Reisgericht, bestehend aus Reis (arroz), Hühnchen, Frühlingszwiebeln, Lauch und Sojasoße, alles angebraten und vermischt

Aji de Gallina: Kommt dem Deutschen Hühnerfrikasse sehr nahe, schmeckt super lecker und vor allem ist es schärfer


Alles mit Camote oder Yuca: Camote ist die Süßkartoffel und wie ich schon sagte, viel besser als die deutsche und meiner Meinung nach nicht zu vergleichen. Vielleicht habe ich aber auch die falsche in Deutschland probiert, das kann natürlich sein. Yuca kannte ich davor nicht, der deutsche Name ist Maniok. Insgesamt gibt es hier sehr viele verschiedene Kartoffelsorten, die auch sehr viel besser sein können, als die gelbe Kartoffel, die auch bei uns bekannt ist

Aber das allerbeste, dass es hier gibt und in Deutschland nicht, ist manjar  blanco. Das ist Milch und Zucker verkocht, bis eine cremeartige Konsistenz entsteht. Die Peruaner benutzen das als Brotaufstrich, als Kuchenfüllung aber auch als Verfeinerung von jedlichem Gebäck. Alfajores de maizena sind zum Beispiel kleine Kekse aus Maismehl übereinandergelegt und mit manjar blanco gefüllt. Super lecker, ich kann davon unendlich essen.

alfajores aus Maismehl mit manjar blanco

Alfajores aus Maismehl mit manjar blanco

Zu den Früchten kann ich leider nicht viel sagen, die schmecken mir auch hier nicht. Aber die anderen Freiwilligen lieben sie und ich habe gehört sie sind ziemlich billig. Wenn man in der Mangozeit (um Weihnachten) ein Schnäppchen macht, kauft man 5 Mangos für 1 Sol (28ct.). Ich gebe diesen Sol eher für ein Kilo Äpfel aus, die schmecken gleich.

Insgesamt kann man hier sehr günstig essen gehen, für 4 Soles (1,12€) bekommt man schon ein gutes Mittagessen, natürlich ist das dann kein Luxusmahl, aber auf jeden Fall ausreichend und mit reichlich Reis natürlich.

Nun zum Schluss bleibt mir noch zu sagen, ich hoffe mir passen meine Hosen im August noch, denn das Essen ist köstlich und es wird schwer, Hosen zu finden, weil ich 20 cm über der Durchschnittsgröße einer peruanischen Frau liege (ca. 1,51m, ich bin 1,76m). Aber bis es soweit ist genieße ich Arroz, papa y pollo, also Reis mit Kartoffeln und Hähnchen:)

Liebe Grüße aus Cajamarca und guten Appetit,

Julia Wolf

 

Merry Christmas, Profe!

Freitag, 27. Januar 2017 von Konstantin

D (Mehr dazu weiter unten)

Ausblick aus meinem Strandhostal 😀 (Mehr dazu weiter unten)

Wieder einmal ist viel Zeit nach meinem letzten Blogeintrag vergangen. An den Blogeinträgen sieht man die Zeit durch die Finger rieseln: Mein letzter Blogeintrag ist praktisch schon wieder zwei Monate her, dabei fühlt es sich an, als wäre der Eintrag fast noch „frisch“.

Dennoch ist seit dem letzten Eintrag viel passiert: Weihnachten, komplette Veränderung meines Arbeitsplans, zwei Kurzurlaube, Silvester, und so weiter.

An mich selber habe ich eigentlich immer den Anspruch, einen kurzen, knackigen Blogeintrag zu schreiben, der nicht schon nach dem ersten Absatz langweilig wird. Dies verbietet mir schon fast, die ganzen oben genannten Ereignisse hier jetzt herunter zu berichten. Aber vielleicht muss ich dann jetzt auch einmal über meinen Schatten springen (mir, einem eingefleischten Deutsch-LKler fällt dies gar nicht so leicht).

Deswegen beginnen wir direkt einmal mit dem Titel: Merry Christmas, Profe! Warum fröhliche Weihnachten auf Englisch? Warum das Wort Lehrer (Profesor -> Profe) auf Spanisch? Riiiichtig, ab Dezember habe ich begonnen, Englischunterricht zu geben, zweimal die Woche, in den sogenannten Nivelationsklassen. In den Klassen werden Bewohner und ehemalige Bewohner des Jungenheims Casa Hogar de Jesús und des Mädchenheims Valle Feliz unterrichtet. Die Klassen haben den Zweck, dass die Kids, die häufig eine längere Zeit nicht die Möglichkeit hatten, eine normale Schule zu besuchen, auf ein Level zu bringen, dass sie wieder in eine normale Unterrichtsklasse einsteigen können. D.h., dass zum Beispiel in einer Nivelationsklasse ein Sechzehnjähriger zusammen mit einem Neunjährigen unterrichtet wird, da sie sich ungefähr auf dem gleichen schulischen Level befinden. Im Prinzip steht hinter diesen Klassen ein super Konzept, was aber in vielen Situationen gar nicht so leicht umzusetzen ist: Viele Kinder haben lange Zeit ihres Lebens weder eine richtige Erziehung, noch eine Form von Schulbildung erfahren. So treten im Unterricht Probleme auf, die man aus seiner eigenen Schullaufbahn gar nicht kannte: Einige Kinder sind beispielsweise direkt komplett demotiviert, sobald sie einen kleinen Fehler machen. Dies ist ja eigentlich kein großes Problem, für einige Kids aber nun mal schon. Des Weiteren habe ich ja schon erwähnt, dass teilweise Neunjährige mit Sechzehnjährigen unterrichtet werden. In so einer Situation denkt sich der Sechzehnjährige natürlich auch: „Mein Zug ist schon abgefahren, ich werde sowieso nicht mehr viel lernen, ich werde eh in einem handwerklichen Beruf arbeiten“, usw. Auch ein Problem, besonders für die ehemaligen Bewohner der Heime, die jetzt wieder bei ihrer Familie wohnen, aber immer noch in die Nivelationsklassen gehen, ist mangelnde Förderung am Nachmittag: Die Schule geht von sieben bis ein Uhr, danach sollten am Nachmittag die Hausaufgaben erledigt werden. Die Kids aus den Kinderheimen haben dafür am Nachmittag ihre Erzieher, die sie hierbei unterstützen. Die Kids, die wieder bei ihren Familien wohnen, wären zwar auch auf Hausaufgabenunterstützung angewiesen, bekommen diese aber häufig nicht, da die Familie häufig selber nicht viel mehr Bildung erfahren hat.

Dennoch war ich sehr zufrieden über die Ergebnisse der ersten Klassenarbeit in Englisch. Sie war zwar noch nicht „extrem“ anspruchsvoll, aber dennoch auch nicht zu einfach.

Ein anderes cooles Resultat aus dem Englischunterricht kam vom sechsjähriges Isaiás: Er geht in eine Nivelationsklasse da er einerseits noch nicht lesen und schreiben kann, aber andererseits auch enorme Probleme bei der Aussprache vom Spanischen, also seiner Muttersprache hat. Da er weder lesen noch schreiben kann, war er natürlich auch im Englischunterricht nicht gerade präsent. Aber dann ist er irgendwann nachmittags im Heim zu mir gekommen: „Good Morning!“ und hat dann auf Englisch bis 15 gezählt. Das hat mich extrem gefreut, da ich selber ihm eigentlich gar nicht so viel zugetraut hätte, eben weil er noch nicht lesen und schreiben kann.

Seit neuestem gebe ich jetzt am Wochenende auch noch Basketballunterricht. Hier treten, wie eigentlich zu erwarten war, viele Phänomene seitens der Kinder auf, die ich auch schon aus dem Englischunterricht kenne: Sehr schnelle Demotivation bei Fehlern, oder generell keine Motivation, teilweise auch das Nichtanerkennen von Regeln.

Dazu möchte ich aber im Allgemeinen auch noch einmal sagen: Es sind Kids, die aus schweren Familiensituationen kommen. Es sind Kids, die schon sehr viel Leid in ihrem Leben erfahren haben. Es sind Kids, die teilweise wenig Erziehung bekommen haben. Dennoch: Die meisten von ihnen sind sehr herzlich und aufgeschlossen, und ich sehe für mich in der Arbeit mit diesen Kids die große Chance, mit einer Art von Kindern zu arbeiten, die ich wahrscheinlich in Deutschland so nicht vorfinden werde.

Übrigens: Soviel Zeit für die ganzen neuen Projekte habe ich dadurch, dass das Sozialarbeiterprojekt „Erradicación de trabajo infantil“, bei dem ich vorher immer mitgearbeitet habe, von der Regierung vorläufig erst einmal auf Eis gelegt wurde, d.h. die Förderungsmittel gestrichen wurden. Dies resultiert auch daraus, dass im Februar die Präsidentschaftswahlen anstehen, und noch nicht feststeht, ob der zukünftige Präsident sich auch so intensiv in soziale Projekte investieren wird.

Die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest verliefen für mich eher ein wenig unspektakulär: Bei täglichen Temperaturen zwischen 25-30 Grad kommt man, an Temperaturen um null Grad gewohnt, einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Nichtsdestotrotz haben wir mit den Kids im Heim ein schönes Weihnachtsfest gefeiert: Wir waren zusammen in der Messe, haben viel und lecker gegessen. Meine Mitfreiwillige Bernadette und ich haben noch mit eine der coolsten Aufgaben bekommen: Spender aus Deutschland haben für alle Kids einen neuen Satz Klamotten, d.h. Jeans, T-Shirt und Schuhe bezahlt. Wir durften diese an die Kids austeilen. Ich kann mich nicht darin erinnern, mich selbst einmal so über neue Klamotten gefreut zu haben. Zitat vom Vierjährigen Santiago: „Das sind ganz neue Klamotten, nur für mich?“

Übrigens war ich seit dem letzten Blogeintrag auch noch zweimal im Kurzurlaub, also jeweils ein Wochenende. Das erste Ziel war das Küstenstädtchen Canoa, das zwar sehr stark vom Erdbeben betroffen war, aber jetzt schon wieder zum Großteil aufgebaut wurde. Dort habe ich einfach mal zwei Tage nur am Strand die Zeit vergehen lassen, und habe natürlich trotz 50er Sonnencreme einen starken Sonnenbrand bekommen.

Zweites Ziel war Mindo, ein Städtchen zwischen Santo Domingo und Quito. Eigentlich auch ein sehr schönes Reiseziel, aber leider bin ich direkt nach der Ankunft krank geworden und war so dann doch wieder froh, nach den eigentlich sehr schönen Anblicken der Naturlandschaften wieder nach Santo Domingo zurück zu kehren.

Soooo, das soll es dann jetzt auch gewesen sein von meinem literarisch nicht ganz einwandfrei geschriebenen Bericht. Nach diesem Bericht wird die Zeit zu rasen beginnen: Im Februar habe ich zuerst eine Woche Seminar, dann kommen mein Bruder Alexander und unser Kumpel Felix und wir machen drei Wochen Ecuador (wie man jetzt heutzutage sagt) Roadtrip. Dann beginnen hier auch schon die zweimonatigen Schulferien, und dann ist auch schon Mai.

In der Hoffnung, dass ihr hier trotz der rennenden Zeit noch viel von mir lesen könnt, wünsche ich euch ganz viele Grüße aus Ecuador y bastante gasolina (ordentlich Benzin),

euer Konni

 

Besser spät als nie ;-)

Donnerstag, 26. Januar 2017 von Danica Helmlinger

Zum neuen Jahr habe ich es mir zum Vorsatz gemacht, von nun an öfters Blogeinträge zu verfassen und euch über meinen Freiwilligendienst und mein Leben hier in Sucre, der Hauptstadt Boliviens, zu berichten. Hier nun also nach 5 Monaten mein erster Blogeintrag 😉 :

Meine Einsatzstelle ist das ETI, kurz für Escuela Taller de Integración (dt.: Schule und Werkstatt für Integration), ein Zentrum für Menschen mit und ohne Behinderungen  unterschiedlicher Altersklassen. Hierzu gehören eine Nähwerkstatt, zwei integrative Kindergärten, Physiotherapie, ein Wohnheim und die terapía ocupacional, ein Angebot für erwachsene Menschen mit Behinderung. Außerdem gehört auch die Schule Cristina Aitken de Guitierrez dazu, die in enger Verbindung mit den anderen Angeboten des Zentrums steht.

Die Frauen und Männer in der Nähwerkstatt nehmen Aufträge an und schneidern beispielsweise Schuluniformen. Je nach Auftrag sind unterschiedlich viele Menschen dort beschäftigt. Die Näherei soll vor allem alleinerziehenden Müttern eine gute Existenz ermöglichen.

In den Kindergärten lernen die Kinder durch Spiele ihre motorischen Fähigkeiten zu verbessern, Grundkenntnisse wie die Farben oder Zahlen und Sozialkompetenzen zu entwickeln. Diese sind besonders wichtig, um die Kinder für die Behinderungen ihrer Mitmenschen zu sensibilisieren. So ist es für die Kleinen selbstverständlich, ihrem blinden Freund die Hand zu reichen und ihm so den Weg zu zeigen.

Zwei Physiotherapeutinnen behandeln Personen unterschiedlichen Alters, die teilweise den Kindergarten besuchen, im Wohnheim leben oder auch externe Patienten sind. Das ETI ermöglicht diese Hilfe auch Menschen, die sich eine derartige Therapie in anderen Praxen nicht leisten könnten.

Ein weiterer und sehr wichtiger Bestandteil des ETI ist die Residenz, in der zurzeit 16 Menschen im Alter von 14-50 Jahren leben. Einige von ihnen besuchen die oben genannte Schule oder die Universität. Andere arbeiten in der Näherei oder nehmen nur an den Therapien teil.

In der terapía ocupacional lernen verschiedene Menschen alltägliche Kenntnisse wie Lebensmittel zuzubereiten oder den Wert verschiedener Geldmünzen zu erkennen, aber auch andere Tätigkeiten wie stricken oder Schmuck herzustellen, der zu Gunsten dieser Teilnehmer an verschiedenen Anlässen verkauft wird.

Mein Arbeitsbereich erstreckt sich von eben genannter terapía ocupacional über die mittägliche Hausaufgabenbetreuung der Kinder. Da ich im Projekt zu Mittag esse, bietet sich auch die Gelegenheit, viel mit den Residenzbewohnern zu reden und ihnen bei unterschiedlichsten Aufgaben zur Hilfe zu stehen. In der Klausurenphase der drei Studenten im Wohnheim habe ich beispielsweise auch diesen bei der Bewältigung des Lernstoffes geholfen. Ich begleite die Bewohner  auch zu Arztbesuchen oder bei kleinen Einkäufen.

Besonders Spaß macht es mir, mit den Kindern auf dem Sportplatz Fußball zu spielen oder andere Spiele zu veranstalten, so dass sie sich nach dem Schultag austoben können, um wieder mit neuer Konzentration ihre Hausaufgaben zu erledigen. Sehen zu dürfen, wie jeder einzelne sich weiterentwickelt und es mit dem Einmaleins immer besser klappt, ist eine sehr, sehr schöne Erfahrung. Auch das Gefühl, langsam ein Teil des ETI zu werden und einen festen Platz zu haben, erfreut mich ungemein.

Dazu gehört auch meine Teilnahme an einigen Festen, die vom ETI veranstaltet wurden, unter anderem ein großes Theater- und Tanzfest, von dem ich euch bald näher berichten werde. Bis dahin wünsche ich euch allen ein frohes neues Jahr 2017 und wie man hier in Bolivien sagt ¡Qué les vaya bien! (Machts gut!).

 

Uganda- 11 Dinge die ich sehr mag und 11 Dinge die ich nicht mag

Sonntag, 08. Januar 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

nun bin ich schon seit über 5 Monaten in Uganda und ich denke, dass ich mittlerweile schon eine Bilanz ziehen kann, was ich hier in diesem Land mag und was eher weniger. Hauptsächlich mache ich das nur, weil ich mich einmal so richtig über alles das mich nervt aufregen wollte und mir dachte, dass die Feiertage doch genau richtig dafür sind. Ihr seid alle voll Liebe und Freude über das Fest der Geburt Christi und das neue Jahr und merkt gar nicht, wie ich mich über diese Dinge echauffiere (geschickt, nicht?). Aber auch wenn es hier über 30° C sind, in den Weihnachtspaketen aus Deutschland wurden mir Tannenzweige und Räucherstäbchen geschickt und die verbreiten nun ganz wunderbaren Weihnachtsduft in meinem Zimmer, weshalb ich doch noch in festliche Stimmung gekommen bin. In Gedanken bin ich bei euch allen und auf dem Weihnachtsmarkt, esse dort vegane Crêpes und trinke Punsch (Glühwein war nur dann cool, als man es noch nicht durfte), vermisse die wunderschöne Freiburger Weihnachtsdekoration und Mamas klassische Weihnachtsmusik aus dem Wohnzimmer. Ich danke euch, für all die liebe Weihnachtspost aus der Ferne und hoffe, ihr hattet besinnliche Festtage und einen wunderbaren Start in das Jahr 2017!

Bevor ich aber diese Liste schreibe, möchte ich euch noch auf den neuesten Stand meiner aktuellen Tätigkeit bringen. 🙂 (Übrigens werden die Bilder, die auf dem Kopf sind richtig herum angezeigt, wenn man sie anklickt!) Jetzt in der Trockenzeit haben die Schulen leider geschlossen und es wird erst Anfang Februar weiter gehen, weshalb ich mir eine neue Beschäftigung für diese Wochen suchen musste. Derzeit arbeite ich hauptsächlich sehr viel im Office, wo wir Freiwilligen Tim, Teresa und ich mit den Mitarbeitern einen Reiseführer über Masaka schreiben (man kann Flyer entweder hässlich oder sehr hässlich gestalten, wir mussten wirklich einmal aufräumen dort) und zu Hause arbeite ich an einem Umweltprojekt, das im Mürz gestartet werden soll, wo wir besonders Workshops zur Nachhaltigkeit u.ä. geben und den Menschen erklären, wie sie ihre Lebensmittel lange haltbar machen können. Ansonsten geht es gerade darum, neue Schüler für das kommende Schuljahr anzuwerben (Weiße sind da sehr gut für die Werbung) und sicher zu stellen, dass die bedürftigen Kinder eine Patenschaft bekommen, damit auch sie die Chance haben eine Schule zu besuchen. Dafür fahren wir in die umliegenden Dörfer, reden mit den Eltern und nehmen Namen und Daten der Kinder auf. Heute hat ein Freund von mir, Moses, der hier in Masaka ein eigenes NGO-Projekt aufgebaut hat und bei dem wir immer mal mithelfen, Axel und mich zu einer Schule auf einem Berg gefahren, wo wir uns erst die aktuellen Baustand der neuen Schulgebäude ansahen und dann in die umliegenden Dörfer fuhren, um nach Kindern zu sehen, die eigentlich im Schulalter sind, jedoch keinen Unterricht bekommen. Wir fragten nach Namen und Alter, Verwandten und generellen Lebensstandards und ich bin heute ein Wenig traumatisiert aus diesem Treffen heraus gekommen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Wir lernten eine Familie kennen, eine blinde Mutter mit neun Kindern, der Vater kam kürzlich bei einem Verkehrsunfall ums Leben, deren Haus beim letzten starken Wind einstürzte. Das Jüngste der Kinder konnte nicht gerettet werden und starb unter dem Schutt, das Haus ist immer noch eine Ruine, denn eine Reparatur kann sich die Mutter nicht leisten. Zwei der Kinder haben einen aufgeblähten Hungerbauch, fast die Hälfte ist HIV-positiv. Wir wollen diese Kinder zur Schule schicken und wenn Moses und seine Mitarbeiter Sponsoren finden wird dies auch möglich sein. Er war die letzten Jahre so erfolgreich, dass die Bergschule gerade sogar ausgebaut wird, mit Schlafsälen für die Schüler und einer Küche (heute habe ich mein erstes Mahl über offenem Feuer auf Stöcken zubereitet. Es gab -Überraschung- braune Bohnen).

Dies alles sind Erfahrungen für die ich unendlich dankbar bin, denn sie zeigen mir, was so ein Auslandsjahr doch bewirken kann, es zeigt mir, dass jede Kleinigkeit zählt, dass wir zählen und dass ich dankbar sein kann für alles, das ich in meinem zu Hause in Deutschland habe.

Moses und die Kinder vor ihrem eingestürzten Haus

Moses und die Kinder vor ihrem eingestürzten Haus

Unsere Schüler für das kommende Schuljahr. Fünf von fünf benötigen eine Patenschaft.

Unsere Schüler für das kommende Schuljahr. Fünf von fünf benötigen eine Patenschaft.

Dinge die ich sehr mag:

  • Meine Arbeit. Wir schreiben irgendeinen Abend vorletzter Woche und es ist wieder einmal Stromausfall, weshalb ich nicht meinem gewohnten Internetkonsum nachgehen und mir Blogs über leckere vegane Gerichte durchlesen kann, und so überkommt mich eine kreative Phase und ich bin plötzlich motiviert, Arbeitsblätter für 25 Kinder per Hand zu schreiben. Der Plan ist, einfach einen Wiederholungstest des Stoffs der letzten Stunde zu schreiben, was ich schon nach ungefähr zwei Stunden mühevoller Arbeit zu tiefst bereue, als ich noch nicht einmal die Hälfte fertig habe. Aber so einen Luxus wie Kopierer oder gar Overheadprojektoren gibt es auf den Dörfern Ugandas eher nicht und so habe ich die begonnenen Arbeit tatsächlich irgendwann spät in der Nacht noch zu Ende geführt. Am nächsten Tag bin ich dann spontan zur Schule nach Kayijja gefahren (dort, wo ich Science unterrichte) und als ich so überraschend im Türrahmen meiner Klasse Primary 5 stand wurden ihre Augen riesengroß, die Schüler riefen laut „Yes!“ und einige gaben sich ein High-Five. Das war denke ich mein bisher schönster Moment in Uganda, denn diese große Freude über meinen Besuch zeigte mir nicht nur, dass die Kinder meinen Unterricht mögen und sogar etwas dabei lernen, sondern dass sie es auch gerne tun. Die Meisten erinnerten sich auch noch an den Großteil aus der letzten Stunde (es ging um das Immunsystem, mein Lieblingsthema), einige erreichten sogar die volle Punktzahl und das machte mich unfassbar stolz. Auch beim Patenschaftsprojekt machen wir große Fortschritte. Wir konnten ein paar Schulgebäude ausbauen, bzw. sogar eine ganz neue sanitäre Einrichtung bauen und weitere Kinder zur Schule schicken. Es ist wunderbar, diesen Fortschritt selbst mitzuerleben und es macht mich, wenn ich nicht gerade wieder Malaria habe, wirklich täglich glücklich hier zu sein.

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Natürlich musste ich ein Foto meiner Arbeit machen und nach Hause schicken 😀

  • Feiertage. Da in Uganda Weihnachten erst am 25. gefeiert wird war der 24. hier tatsächlich ein ganz gewöhnlicher Tag, was wir deutschen Freiwilligen so nicht wirklich auf uns sitzen lassen konnten, da wir den Heiligen Abend schon den Tag davor im Blut hatten und so sind wir daher gemeinsam Essen gegangen und haben versucht auch bei 33° C ein bisschen festlich zu sein. Das eigentliche Weihnachtsfest habe ich zusammen mit den neuen Freiwilligen Teresa und Tim in einem Waisenhaus, dem „Motherhouse“ in Masaka gefeiert. Wir bekamen ein großartiges Buffet mit traditionellem Weihnachtsessen und die Kinder haben für und mit uns Gesungen, Getanzt und auf Trommeln gespielt. Wegen der Klimaerwärmung blieb der sonst für Weihnachten typische Regen in Uganda aus, weil sich die gesamte Regenzeit verschoben hat, aber wir hatten auch bei über 30° C sehr viel Freude mit den vielen liebenswerten und unfassbar süßen Kindern. Es war wirklich schön, wenn auch sehr anders.

Zwei Mädchen aus dem Kinderheim, die Mütze bringt weihnachtlichen Spaß

Zwei Mädchen aus dem Kinderheim, die Mütze bringt weihnachtlichen Spaß

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Bilou und die fast passende Weihnachtsmütze 🙂

  • Über Silvester bin ich mit den Eirene-Freiwilligen, Teresa der Eine-Welt-Freiwilligen und Tim dem Opam-Freiwilligen an den Lake Bunyonyi in den Südwesten Ugandas, an der Grenze zu Ruanda und dem Kongo, gefahren, wo wir elf fünf großartige Tage auf einem Steg am See verbracht haben. Die nächste größere Stadt heißt Kabale und sieht aus wie die Kulisse für einen Westernfilm. Auch die Gegend um den See herum ist die Schönste, die ich bisher in Uganda sah! Wirklich, es ist atemberaubend! In der Nacht vom 31. auf den 1. wurden wir mit einem Motorboot auf Toms Island (der Originalname heißt „Insel der 100 Vögel“ oder so ähnlich) gebracht und bekamen dort von den Einheimischen eine Führung über die Insel mit anschließendem Buffet und BBQ für die Fleischesser unter uns (es gab Ziege). Bis Mitternacht wurden dann Spiele mit den anderen dort anwesenden Gruppen aus Italien, Frankreich und Ruanda gespielt (tatsächlich gewannen wir die Meisten, gerade bei Strategiespielen kommt niemand gegen die deutsche Genauigkeit an) und um kurz nach elf fuhren wir dann mit Kanus auf den See hinaus. Überall schwammen Kerzen auf dem Wasser und wir Kanus ordneten uns in einer kreisförmigen Formation an, um dann Punkt Mitternacht eine Flasche Sekt herumzugeben, uns in die Arme zu fallen und dann in den See zu springen. Wir haben selten so ein romantisches Silvester gefeiert. 😀
Sonnenuntergang auf den Kanus

Sonnenuntergang auf den Kanus

"Gegend, viel Gegend!" (Aussicht von unserem Hotel aus)

"Gegend, viel Gegend!" (Aussicht von unserem Hotel aus)

  • The African Spirit. Viel mehr als in Europa, haben die Ugander das Zugehörigkeitsgefühl zu ihrem Kontinent Afrika. Die Musik die sie spielen (Reggae), die Lieder die sie singen und die Gedichte die sie schreiben, alles beschreibt den ganzen Kontinent, nicht ein kleines Land darin. Die Einheimischen begrüßen uns mit „Welcome to Afrika“, „How do you like Afrika“ und „Is it your first time in Afrika“ und berichten mit leuchtenden Augen von der Schönheit Afrikas. Die Schönheit in Uganda kann ich auf jeden Fall schon bestätigen, Kenia, Ruanda und Tansania auch bald und mehr wird sich hoffentlich noch ergeben. Deshalb haben wir denke ich auch so viele allgemeine Stereotypen die Afrika betreffen und so Wenige über Europa, weil hier die Zusammengehörigkeit viel mehr über den Kontinent verteilt ist und meiner Erfahrung nach auch wirklich viele Leute so sind wie in unserer Vorstellung. Wenn ich mich mal locker mache und entspanne kommt immer irgendein gut gelaunter Ugander vorbei und beglückwünscht mich mit: „Yes, that’s the African Spirit“ (Ja, das ist der Geist Afrikas).
  • Ein typisches Bild? Ja, vielleicht. Trotzdem super? Auf jeden Fall! (Aufgenommen in der Nähe Ngogwes am Viktoriasee)

    Ein typisches Bild? Ja, vielleicht. Trotzdem super? Auf jeden Fall! (Aufgenommen in der Nähe Ngogwes am Viktoriasee)

  • Die Natur. Ohne zu Übertreiben kann ich sagen, dass ich die Natur Ugandas sehr viel schöner finde, als alles, das ich bisher in Deutschland und Europa sah. Die Farben sind wunderschön, die Größe der Pflanzen überwältigend und der üppige Wachstum des Regenwaldes majestätisch, wie wir es uns mit unseren „kleinen“ Misch- und Nadelwäldern kaum vorstellen können. Steht man zwischen Schlingpflanzen und Akazien kommt man sich so winzig vor. Ich liebe es, Spaziergänge zwischen den Kaffee- und Bananenplantagen zu machen und Axel, Tim und ich laufen mittlerweile immer von der Stadt zurück anstatt ein Boda zu nehmen, damit wir die Aussicht über das Tal unterhalb unseres Berges genießen können. Uganda ist wirklich unfassbar grün und im Kontrast zu den roten Straßen ergibt das eine Farbenpracht, von der man nie genug sehen kann. Zudem ist immer gutes Wetter. 😀
  • Der Regenwald in Ngogwe. Ich fühlte mich selten so winzig!

    Der Regenwald in Ngogwe. Ich fühlte mich selten so winzig.

  • Auf den Buvuma-Islands am Viktoriasee

    Auf den Buvuma-Islands am Viktoriasee im Napoleon Golf

  • Grassroots. Das Grassroots ist ein kleines Café in der Stadtmitte von Masaka Town, das vegane und vegetarische Gerichte anbietet und ich bin dort quasi eingezogen. Da es sogar WLAN gibt, erledige ich dort nahezu die gesamte Büroarbeit bei einem Grünen Smoothie und ein bisschen Guacamole. Wer hätte gedacht, dass ich so ein Stück des grünen Freiburgs inmitten von Uganda finden würde.. Ich könnte mich dort jedenfalls wohler nicht fühlen und auch alle anderen Freiwilligen wurden von mir schon dorthin verschleppt (alles nur zu ihrem Besten natürlich) und haben das Café kennen und lieben gelernt.
  • Freundlichkeit und Offenheit der Menschen. Es passiert nicht selten, dass ich irgendwo auf den Straßen Masakas unterwegs bin und mir plötzlich ein strahlender Ugander entgegenrennt, meinen Namen ruft und mich fragt, wie Dies und Das läuft und ich einfach überhaupt keinen Schimmer habe, wer das ist. Weil die Ugander einfach so unfassbar freundlich und offen sind, komme ich täglich mit wirklich SO vielen neuen Leuten in Kontakt, die ganzen Gesichter kann ich mir einfach nicht merken. Meistens fällt das auch gar nicht auf, weil ich einfach breit zurück grinse und frage, wie „Stuff“ so läuft und mein Gegenüber direkt zu erzählen beginnt und ich mich dann Meistens wieder erinnere.. Unangenehm wird es erst, wenn ich mich erneut jemandem vorstelle und nach seinem Namen frage und er mich daran erinnern muss, dass wir uns schon zuvor trafen und einander vorgestellt wurden. (Zitat Axel, gestern: „Gut dass du diese Peinlichkeit auf dich nehmen musstest, ich hatte auch kein Ahnung mehr wer das ist, bis er es dir wieder gesagt hat“.) Aber neben meiner Unfähigkeit, mir Gesichter zu merken, bringt diese Freundlichkeit unglaublich viele Vorteile, egal was ich meine einheimischen Freunde frage, sie sind für alles begeisterungsfähig und immer mit dabei.
  • Die große Gastfreundschaft. An einem verlängerten Wochenende habe ich mich mit den Eirene-Freiwilligen in Ngogwe getroffen, wo wir in einem Projekt namens YARD unterkamen und einer der runden Lehmhütten mit Reetdach nächtigten durften. Alle Mitarbeiter des Projektes waren unheimlich freundlich, luden uns stets zum Essen ein, und setzten sich abends mit uns ans Lagerfeuer, machten laute Reggea Musik an und zwangen uns, mit ihnen zu tanzen. 😀 Wie selbstverständlich fuhr uns einer an einem Tag an den Viktoriasee zur der Busisi-Fähre, diese bringt die Bewohner des Festlandes umsonst auf die nächste Insel und holt sie abends nach getaner Arbeit wieder ab. Wir sind mit aufgesprungen und hatten mit den Einheimischen einen ganz wunderbaren Tag auf der grünen Insel, obwohl wir uns eigentlich gar nicht kannten und sie auch nur eher spärliches Englisch sprachen.
  • Rosanna, Anna und ich am Ufer des Lake Victoria

    Rosanna, Anna und ich am Ufer des Lake Victoria

    Aussicht von der Busisi-Fähre auf die Landzunge der Insel

    Aussicht von der Busisi-Fähre auf die Landzunge der Insel

  • Doch nicht nur dort, egal, wo ich hinkomme, ich werde mit einer selbstverständlichen Freundlichkeit und Liebe empfangen, die in Deutschland vermutlich sogar eher fremd wäre. Einmal begleitete ich eines der Mädchen mit nach Hause in den Slum Nyendos. Die winzige Backsteinhütte hatte nur ein Zimmer in welchem sich das ganze Leben abspielt und auch nur einen Stuhl, welcher für Gäste ist, denn es ist unhöflich, diese auf dem Boden sitzen zu lassen. Auch wenn mir das unangenehm auf höchster Stufe war, saß ich nun als Einzige auf einem Stuhl und die ganze aufgeregte Familie mit großen Augen um mich herum, in der Erwartung, ich würde gleich irgendetwas besonders Außergewöhnliches machen, weil ich nun mal weiß bin. Es kann aber auch etwas nervig sein, wenn wir beispielsweise in der Schule nicht mit den Lehrern draußen aus Plastikschüsseln essen, sondern richtiges Geschirr bekommen und an den Tisch des Direktors gesetzt werden und niemand verstehen kann, warum wir das gar nicht möchten (weil wir sind ja weiß und das gewohnt und so weiter). Trotzdem schafft es die selbstverständliche Gastfreundschaft Ugandas gegenüber Fremden und Reisenden, dass man sich in diesem Land einfach nur wohl fühlen kann.

  • African Time. In Deutschland war ich bekannt als die, die stets zehn Minuten zu spät kommt (Einige Freundinnen, Laetitia, Amelie und Felicitas, haben irgendwann angefangen, mir falsche Zeiten für unsere Treffen zu nennen, damit ich am Ende pünktlich da bin, sehr raffiniert). Hier bin ich dafür bekannt, die deutsche Pünktlichkeit in Person zu sein und immer schon an Ort und Stelle zu stehen, wenn ein Treffen verabredet war. Das liegt aber einfach nur daran, dass die Einheimischen noch viel mehr zu spät kommen und nie wissen können, seit wann ich schon warte. Und das ist großartig! 😀 So kann ich in meinem Zehn-Minuten-zu-spät-Modus bleiben und trotzdem jedes Mal noch pünktlich sein. (Zitat Papa: „Du darfst alle guten Eigenschaften aus Uganda mitnehmen, nur das mit der Zeit bitte nicht, dann tauchst du hier wahrscheinlich gar nicht mehr auf“.) Ich muss sogar zugeben, dass mich das Zu-spät-Kommen der Ugander ab einer Stunde dann auch nervt. In der Sprachschule habe ich aber gelernt, dass elf Uhr noch bis elf Uhr neunundfünfzig ist und man bei einem verabredetem Treffen um elf erst um zwölf Uhr eins zu spät ist, deshalb darf ich mich auch nicht beschweren..

  • Die Tradition. Uganda ist voll von Traditionen. So läuft alles gleich ab und folgt dem selben Schema, Hochzeiten, Jubiläen, Beerdigungen, Taufen, bist du auf einer gewesen, bist du auf allen gewesen. Dazu kommen hunderte von kleinen Bräuchen die sich stets wiederholen. Am Liebsten mag ich die Trommelinszenierungen und traditionellen Tänze, die an orientalische Bauchtänze, nur in unfassbar viel schneller, erinnern. Die Ugander haben schon versucht, mir einige dieser Dinge beizubringen, aber ich bin noch eher am Scheitern. Zurück in Deutschland werde ich euch dann alle mit meinen neuerworbenen Künsten vom Hocker werfen, ich habe ja noch sieben Monate Zeit zu üben. 😉
  • "Bodenverdichtungsmaßnahme".)

    Auf einer Hochzeit wird der traditionelle Tanz Ugandas aufgeführt (Zitat Tim: "Bodenverdichtungsmaßnahme".)

  • Boda-Boda Fahrten. Egal ob lang oder kurz, ich liebe Boda fahren und ich genieße es jedes Mal. Auch wenn ich natürlich nicht selbst fahren darf, spüre ich doch den Wind durch meine Haare streifen und die Sonne auf meiner Haut brennen, die vom Fahrtwind abgekühlt wird. Meine liebste Zeit sind die Dämmerung und der frühe Morgen, wenn der Tag gerade anbricht und nach frischem Gras und Tau riecht oder abends, wenn er zu Ende geht und alles in eine ganz neue Atmosphäre getaucht wird. Die Lichter gehen an, die Stimmung verändert sich (wird abends meistens noch besser) und dann eine gute Fahrt über die Hügel der Stadt mit Blick auf die Lichter Masakas – versucht das zu Steigern! 🙂 Was ich auch wirklich gut finde, sind Fahrten auf der Ladefläche eines Trucks. Nur drei Plätze aber zwölf Leute? Kein Problem, es gibt ja eine Ladefläche, da passen auch zwanzig Personen drauf, man muss nur richtig Stapeln können. Auch unsere Fahrt zum Lake Bunyonyi war eher abenteuerlich -elf Leute in einem 5-Sitzer. Über vier Stunden lang. Bei solchen Fahrten fühle ich mich dann stets wie der maximale Afrika-Trekker, der in tarnfarbener Kleidung die tiefe Wildnis erkundet (nur ohne die tarnfarbene Kleidung und ohne die Erkundung, aber der Berg auf dem wir heute unterwegs waren zählt sicher als Wildnis, es gab grüne Kobras).
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Ein Boda, Vier Leute? Auf jeden Fall kein Problem! 😀

  • Meine Katze. Vor einigen Wochen hat mir Father Edward ein kleines Kätzchen geschenkt, das kaum größer war als meine Hand. Sie heißt Lilli und macht hier alles besser. Sie ist niedlich und neugierig und hat schon mein ganzes Zimmer auf den Kopf gestellt. Außerdem folgt sie mir über das Gelände auf Schritt und Tritt, Miaut laut wenn ich nicht mehr in Sichtweite bin und ist mit ein Grund dafür, wenn ich zu spät komme, weil sie auf meinem Schoß eingeschlafen ist und ich sie nicht wecken möchte. Gerade Zahnt sie noch und hat daher größte Freude daran, meine Gegenstände, Kleider, Arme und Beine nicht nur zu Zerkratzen sondern auch zu Zerbeißen. (Aber ihre großen Kulleraugen machen alles wieder gut!)

Dinge die ich nicht mag:

  • Posho and Beans. Dies ist ein ugandisches Gericht, das einfach nur Maismatsche, die zu einem Einheitsbrei verrührt wurde, gemischt mit braunen Bohnen, enthält und welches es jeden (!) Tag in den Schulen und dem Kindergarten zum Mittagessen gibt. Wenn gerade die Season dafür ist, peppen sie es mit einer Avocado oder Tomate auf, ansonsten hilft nur ganz viel Salz um irgendeinen Geschmack herzustellen. Abends gibt es bei mir jeden Tag Matooke (Pampe aus Kochbananen, ersetzt hier die Funktion der Kartoffel bei uns), Maniok (eine Wurzel) und Dodo (Grünzeug, dass wahllos im Garten gerupft wurde, wird auch liebevoll einfach „weed“ (=Unkraut) genannt). Ihr seht also, kulinarisch hat Uganda der deutschen Küche gar nichts zu bieten! 😛
  • Wasser- und Stromausfälle. Ich hatte keine Ahnung, für was ich alles Wasser brauche, bis ich keines mehr hatte. Kochen, Trinken, Duschen, Waschen, Spülen, Zähne putzen, Hände waschen oder einfach mal die Toilette abspülen, ohne Wasser geht gar nichts mehr! Und ich muss mit meinem Eimer und meinem gelben Einheitskanister erst einen Hügel hinab steigen um Wasser aus dem Auffangbecken zu holen und selbst das geht nicht immer. Warm geduscht habe ich seit Deutschland nicht mehr, aber mittlerweile habe ich mich wirklich gut an den Eimer gewöhnt. Es funktioniert und das zählt. Seit mehreren Wochen habe ich chronischen Wasserausfall und das Wasser wird wohl auch eher nicht wiederkommen. Auch Strom ist hier nur dann da, wenn nicht irgendwelche wichtigen Leute gerade beschlossen haben, der gesamten Stadt den Strom abzustellen oder wieder einmal eine Palme auf die Stromleitungen gefallen ist. Weil der Strom so häufig ausfiel und mein Handy tatsächlich aus war, wenn die Akku leer ging, habe ich mir hier eine PowerBank gekauft, jedoch besitzt diese den ugandischen Elektronikstandart und war nach einer Woche kaputt. Aber dadurch, dass ich einer höheren Macht wegen nicht ständig an meinem Handy oder Laptop erreichbar sein kann, habe ich begonnen wieder unfassbar viel zu lesen, was wirklich gut tut.
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Da seid ihr neidisch was? Wer will nicht an Weihnachten bisschen Wäsche mit der Hand waschen? 😀

Ein kleiner Junge teilt sich mit uns Christians Wasserstelle in Ngogwe

Ein kleiner Junge teilt sich mit uns Christians Wasserstelle in Ngogwe

  • Dass Schmatzen ein Ausdruck von Höflichkeit ist. Je lauter, desto besser! Ich bin einer jener Menschen, die es schrecklich finden neben Personen zu sitzen die Schmatzen, laut Kauen oder auch nur zu laut Atmen. Und es ist jeden einzelnen Tag eine neue Zerreißprobe für mich, nicht unbemerkt irgendetwas unter dem Tisch kaputt zu machen, um meine, durch diesen Geräuschpegel ausgelöste, Anspannung loszuwerden. Diese für meine Ohren und Ausgeglichenheit schmerzhafte Erfahrung, die ich hier ein Jahr lang machen werde, dürfte Balsam für Mamas Seele sein, die mich immer zur Therapie schicken wollte, wenn ich mich über zu laute Geräusche am Esstisch aufgeregt habe. Liebe Frau Mutter, das hier ist Therapie genug für mich! Am Schlimmsten wird dieses Geräusch übrigens, wenn die Priester und Gäste Fleisch genießen. Einmal wollte ich dagegen vorgehen und dabei ergab sich folgendes Gespräch:
Ich: „Ist es denn wirklich nötig, dass es hier so gut wie jeden Tag Fleisch zu den Mahlzeiten gibt?“
Father Stew: „Aber es gibt doch nur einmal die Woche Fleisch!“
Father Paul: „Ja, an den anderen Tagen gibt es Hühnchen oder Fisch.“
Ich: „Und Huhn ist kein Tier oder wie?“
Father Paul: „Nein, das ist Geflügel. Vögel gehören nicht dazu.“
Ich habe erst einmal verdutzt nachfragen müssen, ob man denn in Uganda im Biologie Unterricht nie die sieben TIER-Klassen durchnimmt, zu denen doch auch unsere lieben Vögel gehören. Tatsächlich nicht. Immerhin weiß ich jetzt, was ich nun nach den Ferien als Erstes unterrichten werde..
Father Edward zum Abschluss: „Jetzt fehlt nur noch, dass du uns erzählen willst, dass du auch keine Grashüpfer isst, weil das Insekten sind und du die zu Tieren zählst.“
  • Die Straßen und der Verkehr. Die Straße die zu einer meiner Schulen führt wird liebevoll „Discoroad“ genannt, weil man während der Fahrt so richtig schön durchgeschüttelt wird. Schlaglöcher so tief wie Kraterspalten, Schlammlachen und Felsbrocken die den Weg versperren sind alltägliche Hindernisse, bei starkem Regen ist sie nicht befahrbar. Nebenbei ist die Masakaroad, die Straße, die die Autos, Matatus und Busse von Kampala nach Masaka führt, die „tödlichste Straße der Welt“. Aber das liegt hier an den Unfällen und nicht der Beschaffenheit der Straßenoberfläche, denn der Verkehr ist wirklich grausam. Es gibt hier und da ein paar Ampeln in größeren Städten, aber die werden flächendeckend und mit offensichtlichem Einverständnis der Polizei in ganz Uganda ignoriert. Sicherheit wird auch eher klein geschrieben. Dass man sich nicht Anschnallt erwähnte ich ja bereits in einem der ersten Einträge, mittlerweile bin ich aber nicht nur bei Ben, sondern auch schon mit Einheimischen im Auto mitgefahren und das war gar keine Freude mehr. Sie fahren wie die gesengte Sau durch die Innenstadt, Rücksicht auf Passanten wird eher nicht genommen und Gehupt wird jedes Mal, wenn es ein anderes Transportmittel wagt, auf der selben Straße unterwegs zu sein (also tendenziell immer). Einmal ist ein anderes Boda so nah an mich heran gefahren, dass es mein Bein streifte und verbrannte, die Brandblase ist auch immer noch nicht ganz verheilt. Auch sind die Fahrer nicht immer nüchtern oder clear, daher komme ich den Leuten beim Verhandeln um den Preis immer etwas näher um zu riechen, ob sie eine Fahne haben oder noch gut gerade stehen können. 😀 Mein neuer Nachbar Tim hat mich anfangs auch gefragt, ob es Teil der Prüfung zum Dasein als Matatufahrer sei, wie man möglichst riskante Überholmanöver fährt und wie man mit nur einer Hand lenkt, um mit der anderen gleichzeitig ein Handy zu bedienen. Es geht ja nur um das Leben von so zwanzig Personen..
Kampala

Kampala

  • „Ooh, sorry!“ In Uganda ist es üblich, sich für alles zu entschuldigen. Ganz gleich, ob man selbst etwas verbrochen oder überhaupt nichts damit zu tun hatte. Fällt also eine Person neben dir hin, hilfst du ihr nicht auf oder fragst, ob sie sich wehgetan hat, nein nein, du schaust sie mitleidig an, sagst „ooh, sorry!“ und wartest, bis die Person selber wieder aufgestanden ist (ist mir natürlich noch nicht passiert, war auch gar nicht peinlich). Aber egal ob du dir einen Fleck Ketchup auf dein T-Shirt gekleckert hast oder erzählst, dass deine Schwester gestorben ist, die Reaktion ist immer „ooh, sorry“ und mittlerweile kann ich das gar nicht mehr hören, weil es für mich so die unpersönlichste Reaktion geworden ist, die man auf etwas haben kann. Schlimmer noch als „Kale“ (=okay, fine) für das mich meine Freunde in Deutschland schon zu hassen angefangen haben. Sie erzählen mir eine emotionale Geschichte aus ihrem Leben und ich antworte mit „kale“, einfach weil das in Uganda die Antwort auf absolut alles ist.. Ich bin aber schon am Abgewöhnen dran. 😀
  • Mosquitos. Nicht nur, dass sie mit ihrer Anwesenheit ab der Dämmerung jeden noch so schönen Abend stören, sie sind auch unfassbar laut, sodass ich wirklich nicht schlafen kann, wenn sich auch nur Eine in meinem Zimmer befindet. In Masaka Town hat jemand folgenden, sehr passenden Spruch auf eine Mauer gesprayt: When you think you are too small to make a difference, you have never spent a night with a mosquito (Wenn du denkst, du seist zu klein um einen Unterschied zu machen, hast du noch nie eine Nacht mit einem Mosquito verbracht). Diesen Satz würde ich so unterschreiben, letzten Monat hat mir eine der Stechmücken tatsächlich Malaria gebracht und sich und ihre ganze Sippe so nicht gerade sehr beliebt bei mir gemacht. Anfangs hielt ich es für eine gewöhnliche Grippe, als jedoch auch Fieber hinzu kam, kam mir die Sache dann verdächtig vor. Ich ließ mich also in der nächsten Klinik auf Malaria testen und als der Test positiv ausfiel, fuhr mich Father Paul, einer der Priester mit denen ich zusammen wohne, in das örtliche Krankenhaus für die Behandlung. Wer dieses Fieberthermometer schon alles vor mir im Mund hatte möchte ich nicht wissen (auch das zweite und dritte nicht, die haben alle nicht funktioniert), aber ich habe danach nachgelesen was man sich wohl für Krankheiten über Speichel holen kann und das sind alles keine Schlimmen. Weil ich bei meinen Sozialpraktika im St. Josefs Krankenhaus in Freiburg gelernt habe, wie man richtig Blutdruck und Puls misst, durfte ich das selbst machen und meine eigenen Krankenakte ausfüllen, hat Spaß gemacht. Dr. Maura Lynch, eine irische Ärztin die seit 49 Jahren in Uganda arbeitet, hat mir die passenden Medikamente gegeben und nach weniger als einer Woche war ich schon wieder gesund. Ich hatte auch Glück, dass ich vorher täglich eine Prophylaxe eingenommen habe, denn so wurde ein großer Ausbruch der Erkrankung von vorneherein verhindert und meine Malaria verlief wirklich erträglich. Drei Wochen später hatte ich allerdings noch eine zweite Malaria und weil mein Immunsystem das nicht erwartet hatte, war der zweite Ausbruch der Krankheit gar kein Spaß mehr. Ich hatte auch die Prophylaxe abgesetzt und diesmal so die volle Wucht Malaria abbekommen (und Dr. Maura hatte Urlaub). Ich hasse Mücken.
  • Die Erwartungshaltung an den „reichen“ Weißen. Hier könnte ich so viele Beispiel aufzählen, das ist eigentlich wirklich sehr traurig. Es beginnt mit den Straßenkindern Masakas (die mittlerweile alle meinen Namen wissen, die Ankunft eines neuen Weißen verbreitet sich wie ein Lauffeuer. Manchmal laufe ich durch die Stadt und plötzlich rennen mir einige Kinder hinterher und rufen „Hey Barbara, how are you?“ und strecken mir ihre kleinen Händchen entgegen und ich habe diese Kinder noch nie zuvor gesehen) und endet mit armen Erwachsenen, die zu mir kommen und mich fragen, ob ich nicht ihr Sponsor werden möchte. Einer dieser Menschen ist Hamidu, der mich in der Kirche ansprach, ob ich etwas Zeit für mich hätte, er würde gerne mit mir sprechen. Natürlich setzte ich mich zu ihm und hörte mir an, was er zu erzählen hatte (eine tragische Geschichte, bei der ich nicht ganz sicher bin, ob wirklich alles stimmt) und lud ihn am Ende sogar zu mir ein, damit er etwas Essen und Trinken konnte. Ich gab ihm Namen und Telefonnummern von Menschen, an die er sich wenden konnte und hoffte, dass es ihm bald besser gehen würde. Von da an kam Hamidu andauernd vorbei, wenn ich nicht da war hinterließ er Briefe und er erwartete immer mehr von mir. Was noch mit der Hoffnung auf Schulgeld begann, endete bald in der Hoffnung, ich könnte ihn nach Deutschland bringen. Dies ist nur eine von vielen Geschichten, wo Einheimische viel zu viel von uns Weißen erwarten und das macht mich wirklich traurig. Spreche ich sie darauf an, erzählen sie mir, dass sie denken, wir würden alle in Geld schwimmen und in Europa gäbe es keine Armut. Erzähle ich ihnen, dass auch bei uns Menschen in Armut oder auf der Straße leben werden ihre Augen groß und rechne ich ihnen vor, was es sie so ungefähr kosten würde nach Deutschland zu gehen, verschlägt es ihnen vollkommen die Sprache. Bis sie auf die Idee kommen, dass ja auch ich sie einfach dorthin bringen könnte, ich habe ja ein Zimmer dort und sicher auch genug Geld. Genauso die Bodafahrer. Mir wurde noch nie ein fairer Preis angeboten, den ich nicht erhandelt habe, sie verlangen beim ersten Fragen immer viel zu viel von mir. Egal ob bei Transportmitteln, auf Märkten oder als fliegender Händler, mit den (Touri-)Weißen macht man in Uganda einfach die besten Geschäfte!
Matooke-Markt

Matooke-Markt

  • Die Latrinen. Wer hasst sie nicht, diese kleinen, übelriechenden Öffnungen im Boden. Hier reicht es wirklich irgendwo in der Nähe (oder auch nicht in der Nähe, ganz egal) des eigentlichen Gebäudes ein Loch zu graben und ein paar Stöcke drumherum zu stellen und man darf dieses Örtchen Latrine nennen. Meist von Kakerlaken besiedelt (das ist mein Ernst, und die Tiere können fliegen!) eher unattraktiv für penible Personen wie mich, und besonders im Dunkeln sowieso unbetretbar. Leider ist dies sowohl in den Schulen und dem Kindergarten, als auch in den meisten Restaurants und Bars die einzige Möglichkeit für einen „short call“ (kurzen Anruf =Toilettengang) fortzugehen und deshalb habe ich mir jetzt Gummistiefel besorgt, mit denen ich dann tapfer dorthin stapfen kann.
  • Dass man beim Gehen nicht Essen darf. Es wird als unhöflich empfunden, wenn die Mahlzeit nicht genossen, sondern schnell heruntergeschlungen wird. So verspeisen die Einheimischen alles im Sitzen oder Stehen, sogar ihre Rolex (rolled-eggs), welche ja eigentlich zum Mitnehmen gemacht ist. Diese Regel der Höflichkeit breche ich aber nahezu täglich, weil ich jeden Morgen genau so aufstehe, dass ich gerade noch Zeit habe, mir ein Toast zu machen und dies dann hektisch auf dem Weg zur Arbeit auf die Hand zu essen. So fange ich mir morgens erst einmal ein paar böse Blicke der vorbeikommenden Passanten ein, bevor ich dann wieder in die fröhlichen und lachenden Gesichter der Schüler blicken kann. Doch nicht nur aus Höflichkeit wird dieses Verhalten verpönt, ein Einheimischer erzählte mir, dass hungernde Menschen auf der Straße einen noch größeren Hunger bekommen, wenn sie essende Passanten vorbeieilen sehen.
Unser Rolex-Dealer in Kabale. Wir haben ihn reich gemacht!

Unser Rolex-Dealer in Kabale. Wir haben ihn reich gemacht!

  • Die deutsche Grammatik. Ab und zu Unterrichte ich an meiner Nachbarschule The Archbishops School Deutsch. Das gehört nicht zu meiner regelmäßigen Tätigkeit, ich helfe nur aus, wenn ich gerade gebraucht werde. Und versteht das nicht falsch, ich mag nicht die Grammatik an sich nicht, ich bin in Deutsch in der Schule immer gut gewesen und meine Freunde in Deutschland und vor Ort nennen mich liebevoll „Grammatik-Nazi“ (kurze Anmerkung an all diese: Wenn ich euch verbessere tue ich das für euch, nicht für mich 🙂 ), aber diese zu unterrichten bringt gar nicht mal so viel Spaß. Wenn ich die Schüler hier die einzelnen Wörter durchdeklinieren lasse, bin ich doch froh, dass mein lieber Herr Vater so manche Nacht lange wach geblieben ist, um mit mir für Latein die einzelnen Deklinationsklassen zu lernen, das ganze Grammatikzeugs aus dem Lateinunterricht bringt mir jetzt tatsächlich doch endlich noch etwas. Ich muss sagen, ich war noch nie besser darin, gebeugte Personalpronomen oder Relativsätze zu erklären, aber trotzdem würde ich Deutsch nicht als Fremdsprache lernen wollen. Wir haben wirklich so viele Fälle, Regeln und dann aber auch immer irgendwelche unsinnigen Ausnahmen, sodass man einfach keine Merksätze aufstellen kann, die immer für alles gelten können!
  • Die Bürokratie. Wie meine weise Mutter voraussehen konnte, bin ich in Uganda mit einer offenen Handtasche herumgelaufen und habe mir so nicht nur das Handy entwenden lassen, sondern kurz vor Weihnachten auch den Geldbeutel verloren. Darin befanden sich, neben sehr viel Geld da ich gerade vom Automaten kam, so ziemlich alle wichtigen Dokumente und so hatte ich die schöne Aufgabe, mich erneut mit der ugandischen Bürokratie auseinanderzusetzten. Nach einem kurzen Anruf in Deutschland, um meine Kreditkarte sperren zu lassen (Zitat der Dame am Apparat: „Sie klingen aber ganz schön fröhlich für jemanden, der gerade seine Karte verloren hat..“ -die ugandische Gelassenheit tut mir offenbar gut!) ging ich also nach einer Woche Prokrastination zur Polizei, nach meiner letzten Erfahrung auf dem Revier hatte ich keine Eile was dies anging, und wollte meinen Verlust zu Protokoll geben. Dabei ergab sich folgendes Gespräch:
Ich: „Guten Tag, ich habe meinen Geldbeutel verloren oder er wurde mir geklaut und ich würde gerne den Verlust eines offiziellen Dokuments zu Protokoll geben.“
Polizeibeamtin: „War etwas Bedeutendes im Gelbeutel?“
Ich: „Ja, ein offizielles Dokument.“
Sie: „Ist das wertvoll?“
Ich: „Nicht wirklich, aber wichtig.“
Sie: „Aha. Wenn es nicht wertvoll ist, kannst du bitte morgen wieder kommen, ich wollte gerade ein bisschen Pause machen.“
  • So viel also dazu. Da die Beamtin keine Lust hatte, sich meines Verlustes anzunehmen, wandte ich mich also an einen der männlichen Polizisten, die mich die ganze Zeit anstarrten und nach einem kurzen Check, ob ich schon verheiratet bin, nahm er sich dann gerne Zeit für mich. So schnell wie noch nie hier bekam ich meine Unterlagen, direkt neben den Stempel auf dem Verlustdokument auch die Handynummer des Beamten und als uns der Polizeipräsident sah, auch noch seine Unterschrift darunter. Mit diesem Dokument fuhr ich dann nach Kampala zum Immigration Office, um mir eine neue Reentry-Permit-Card ausstellen zu lassen, damit ich nach meiner Aufenthalt in Kenia nächsten Monat auch wieder ins Land hinein komme, jedoch waren dem Büro gerade die Karten ausgegangen. Mit fünf Wochen Warten und 200$ ließe sich laut der Mitarbeiterinnen eventuell schon eine neue Karte besorgen, sie könnten nur nicht so genau sagen, ob ich bis dahin nicht trotzdem 100$ Gebühren an den Grenzen zu zahlen hätte. An diesem Tag war ich sehr sehr froh, dass ich auch schon einige Beziehungen in Kampala aufgebaut habe und so habe ich über die Tante des Schwagers eines Freundes die Telefonnummer der Chefin des Büros bekommen, die mir schließlich erklärte, dass der Stempel in meinem Reisepass gleichbedeutend mit einer solchen Karte sei und ich mit Vorzeigen des Passes Uganda jederzeit verlassen und wieder betreten könne. Sie erklärte mir auch, dass ihre Mitarbeiterinnen sich gerne Geld für Arbeit geben ließen, die eigentlich gar nicht nötig sei (200$ für eine Permit-Card), zu stören schien sie das aber nicht. Das Beste des Tages war aber eigentlich Tims Anliegen. Er wollte sein Visum gerne verlängern und zu einem East-Africa-Visa (Ruanda und Kenia eingeschlossen) ändern lassen und die fleißigen Beamtinnen schlugen vor, seinen Wunsch für einen extra-Zuschuss von 50$ sogar noch am selben Tag zu erledigen. Tim nahm dies an, ließ seinen Pass dort und als wir den Anruf bekamen, dass wir ihn wieder abholen könnten, war das Tor bei unserer Ankunft keine zehn Minuten später schon verriegelt und er Gatekeeper erklärte uns, dass wir leider nicht mehr reinkämen. Es ist mir dann aber doch noch gelungen ins Amt hineinzukommen, suchte die Chefin und ließ mir den Pass geben. Als Gegenleistung wollte sie entweder ein Trinkgeld oder einen ugandischen Tanz von mir sehen. Ich entschied mich für den Tanz. Zurück in der Wohnung sahen wir uns das neue Visum an und stellten fest, dass man einfach mit Kugelschreiber „Special Pass“ hineingekritzelt und einen Stempel darunter gesetzt hatte. Gültig vom 06.01.17 bis zum 05.01.17. Das Visum war also Minus einen Tag lang gültig! Wir riefen die Chefin erneut an und sie sagte, wir können den Pass am nächsten Tag vorbei bringen und sie verbesserte es. Als Tim tags darauf vor ihrem Büro stand und sie nicht da war, rief er sie an und sie sagte, Zitat: „oh sorry, ich hatte vergessen, dass ich heute gar nicht Arbeite!“.
Ihr seht also, ohne Geduld kommt man hier nicht voran. 😛 Übrigens hat die Katze mein Handy in heißem Tee ertränkt, weshalb ich nun wieder einmal ein neues Gerät habe. Und da sich meine deutsche SIM-Card gerade zum Transport in meinem verloren gegangenen Geldbeutel befand, habe ich jetzt auch eine neue Nummer. Diese benutze ich nun auch für WhatsApp, auf der Anderen werde ich gar nicht mehr erreichbar sein, also schreibt mich doch einfach an: +256 775644055.

Von Herzen wünsche ich euch allen noch fröhliche und besinnliche Ferien und ich hoffe, dass ihr zwischen dem ganzen Stress der Städte auch Zeit für die Familie und zum Plätzchen backen habt. Und auch wenn Weihnachten schon vorbei ist, falls ihr ein paar Plätzchen übrig habt (bevorzugt mit Schokolade oder Marmelade darin) könnt ihr sie mir sehr gerne nach Uganda schicken! 😀

Eure Barbara

 

Zeitreise – Kleinigkeiten von September bis November

Donnerstag, 05. Januar 2017 von Joan

Warum „Zeitreise“ ? Weil ich die letzten Blogeinträge immer ganz bestimmten Themen gewidmet habe, aber gerne ein bisschen in der Zeit zurückgehen würde, um von einigen interessanten anderen Sachen zu erzählen, die mir in den ersten 4 Monaten (dem Ersten, der größtenteils aus Sprachkurs bestand ausgeschlossen) passiert sind bzw. die ich gemacht habe.

27.09.2016

Mal wieder saßen wir zu viert, Almudena, Awa, Dario und ich beim Abendessen, als plötzlich Isa anrief um uns zu sagen, dass es Morgen mal nicht zur Arbeit sondern auf einen Ausflug in ein anderes, italienisches Projekt, in der Nähe des Titicacasees geht. Am nächsten Tag sind wir also früh aufgestanden, haben uns Brote gemacht und sind losgefahren. Mit Isa und ihrem Sohn haben wir uns zu 6 ins Auto gequetscht, zum Glück gibt es im Kofferraum noch Sitze weil bei den unbefestigten Straßen kann es schnell mal ungemütlich werden, wenn man auch noch jemanden auf den Schoß nehmen muss. Nach ca. 2 Stunden fahrt bekamen wir dann das erste Mal den Titicacasee zu Gesicht.

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Awa, Ich, Almu und Isas Sohn Cristobal

Kaum vorstellbar, ein See auf dieser Höhe (3800m) und von dieser Größe. Es sieht fast aus als wäre man am Meer. Leider ist der See aufgrund von den niedrigen Regensummen in den letzten Jahren und den schmelzenden Gletschern immer weiter ausgetrocknet. Wir selber bekommen das dieses Jahr auch zu spüren, da wir ein paar mal kein Wasser mehr hatten und es viele Bereiche in Bolivien gibt, in denen es nur ein paar Tage die Woche Wasser und dann manchmal auch nur für einige Stunden am Tag gibt.

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Ein altes Boot in der Nähe des Titicacasees

Immoment herrscht Regenzeit und es sollte eigentlich fast jeden Tag Regnen, aber wir hatten im November und Dezember immer mal wieder eine Woche in der es gar nicht geregnet hat.

Nach 4 Stunden Fahrt sind wir dann im anderen Projekt angekommen, auch wenn es nur 150km von unserem Wohnort entfernt ist, braucht man leider so lange. Hier gibt es halt keine Autobahnen… Im Projekt leben ca. 50 Jungen die sich mit dem Thema Holzwerken beschäftigen. Wir waren auch nicht nur da um uns das Projekt anzuschauen, sondern auch um neue Stühle für unser eigenes zu kaufen bzw. das Modell auszusuchen. Nach einem gemütlichen Mittagessen am See ging es dann auch zurück nach Hause, da wir ja am nächsten Tag arbeiten mussten.

03.10.2016 – 07.10.2016

In dieser Woche, Darios letzte Woche in Bolivien habe ich zusammen mit ihm auf dem Bauernhof gearbeitet. Es gab noch viel zu tun und er wollte sein letztes großes Projekt, einen Pavillion für die Kinder, fertigstellen bevor er zurück nach Italien fliegt. Mein erster Tag bestand darin 50cm tiefe Löcher in der trockensten Erde zu graben die man sich nur vorstellen kann. Pro Loch habe ich locker 20 Minuten gebraucht und nach 6 Löchern war ich so aus der Puste, dass wir ersteinmal Mittagspause machen mussten. Mit diesem brillianten Ausblick Mittag zu essen, daran könnte ich mich wirklich gewöhnen. Am ersten Tag betonierten wir noch einige Holzstämme ein und fuhren dann total fertig von der Arbeit nach Hause. Die nächsten Tage liefen sehr ähnlich ab und obwohl wir außer einem Maßband, einer Säge, einem Hammer, dessen Kopf nach jedem reingeschlagenen Nagel abfiel, Nägel und einer selbstgebauten Schlauchwaage nichts anderes hatten, ist das Projekt innerhalb einer Woche fertig geworden.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Dario und der Bauer Don Eduardo benutzen die Schlauchwaage damit die beiden Pfeiler nacher auf der gleichen Höhe sind.

Jetzt kann man Brot oder Pizza im Steinofen backen und es dannach im Schatten im Pavillion genießen, die Sonne und die Höhe als Kombination sind hier nämlich echt Kräftezehrend, was ich in dieser Woche nochmal wirklich zu spüren bekommen habe.

28.10.2016

Ich kann jetzt übrigens die Titelmusik von Rocky auf der Panflöte spielen, das Instrument kannt ich nur empfehlen, ist einfacher als ich gedacht habe. Wenn man aus einer halbvollen Flasche schöne Töne herausbekommt, dann schafft man das auch halbwegs mit einer Panflöte.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

Die typische Form der Panflöte "Siku" die hier gespielt wird.

14.11.2016-18.11.2016

Mein Arbeitsweg heute war anders. Ich bin mal nicht mit einem Minibus zur Arbeit gefahren, sondern habe ein Truffi genommen, undzwar in die genau andere Richtung. Diese Woche sollten wir in der Fabrik des Projektes aushelfen, da es anscheinend sehr viel Arbeit geben würde. Es stellte sich heraus das das Kindermissionswerk T-Shirts bestellt hatte, die wir einpacken durften. Diese T-Shirts werden dann in Deutschland verkauft um das Projekt zu unterstützen, was ich für eine sehr gute Idee halte. Mit guter Musik und meiner Mitbewohnerin zusammen habe ich dann die grauen und gelben T-Shirts eingepackt. Wenn irgendwer ein schlecht eingepacktes kauft ist Das meine Schuld, die ersten 20 sind mir nicht so gut gelungen, tut mir leid !

Die fertig eingepackten T-Shirts

Die fertig eingepackten T-Shirts

21.11.2016

Heute wurde ich mal nicht von meinem Wecker sondern von Isa geweckt, warum ? Weil wir einen spontanen Ausflug zum Huayna Potosi, dem Berg im Norden El Altos machen wollten. Rosa und Anna, zwei Frauen aus Spanien waren im November zu Gast bei uns im Haus und bevor sie zurück nach Spanien fliegen würden, wollte Isa Rosa, die das erste mal in Bolivien war noch etwas zeigen. Rosa ist Ärztin und hat alle Kinder aus dem Projekt untersucht, sie ist zusammen mit Anna aus Murcia gekommen, die sozusagen Mitgründerin des Projektes Palliri ist. Wir sind früh morgens losgefahren richtung Norden. Zuerst kamen wir an den Kupferseen vorbei und haben dannach noch einen Friedhof am Fuße des Berges besucht. Zum Schluss haben wir Mittaggegessen, an einem kleinem See mit dem Blöken der Schafe im Hintergrund. Es war sehr entspannt und man denkt kaum so in der Nähe von El Alto eine so tolle Landschaft auf dieser Höhe anzutreffen. Übrigens haben wir uns entschieden mit einigen Freiwilligen eine 3-Tages Tour auf den Huayna Potosi zu machen. 6088 Meter und eine wundervolle Aussicht erwarten uns dann. Man muss aber auf den Winter abwarten, der ja zu unserer Sommerzeit ist, da das Wetter jetzt zu schlecht ist. Einen Tag verbringt man dabei größtenteils mit Kokakauen, da die Höhe von über 6000m kein Kinderspiel ist. Mal sehen wie es wird, Fotos davon wird es dann auf jeden Fall auch noch geben!

- Mittagspause -

- Mittagspause -

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

Der Friedhof am Fuße des Huayna Potosi

 

Weihnachten – und was fehlt ist Sonnenschutz

Sonntag, 01. Januar 2017 von Julia Wolf

WeihnachtenZu Reflexion waren noch nicht alle da;) – feiert man rund um die Welt – aber immer anders. Wie das Weihnachtsfest in Cajamarca aussehen kann, dass möchte ich euch heute erzählen.

Am 17. Dezember wurde die Geburt Jesu in meinem Projekt „MICANTO“ gefeiert. Schon am Tag davor wurde geschmückt, geputzt und geübt, dass dann auch alles klappt. Geplant war um 9 Uhr zu beginnen, tatsächlich wurde es dann aber ungefähr eine halbe Stunde später, fast pünktlich;)

Alle (ungefähr 160 Kinder, wenige Mütter und 30 Gruppenleiter) versammelten sich und reflektierten zusammen, was Weihnachten für sie bedeutet. Ich war zu der Zeit noch damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen zu beenden, deswegen kann ich euch dazu leider nichts näheres berichten.

Danach ging es auf die Wiese und jede Gruppe durfte etwas Einstudiertes präsentieren. Tänze, Lieder oder Texte wurden vorgetragen und es kamen sogar Maria und Josef vorbei, um bei den Gruppen Unterschlupf zu suchen. Aber wie wir alle wissen war nur noch der Stall frei…
Als kleine Geschenke bekamen die Kinder Tüten mit Süßigkeiten und ein Stück Panetón, das traditionelle Weihnachtsgebäck, das sehr stark an Weihnachtsstollen erinnert. Außerdem wurde heiße Schokolade dazu serviert, das typische Getränk hier an Weihnachten, das sehr lecker ist. Ein Großteil wurde an MICANTO von örtlichen Firmen gespendet, sie haben den Kindern damit eine große Freude gemacht.
Pech war allerdings, dass die Sonne an diesem Tag unglaublich stark geschienen hat. Die ist auf 2900m deutlich intensiver und ich hatte zeitweise das Gefühl, dass mir gleich mein Körper verbrennt. Deswegen haben alle Kinder Schattenplätze gesucht, was bei einer fast senkrecht stehenden Sonne schwierig ist.

Aber es war trotzdem ein schönes Fest, die glücklichen Kinderaugen machen vieles wett und außerdem habe ich auch eine Tasse heiße Schokolade bekommen;)
In meiner Familie haben wir in der Nacht von 24. auf 25.12. gefeiert, denn hier wird erst um Mitternacht das Kind in die aufgebaute Krippe gelegt. Um 20.00 Uhr wollten wir eigentlich in die Kirche gehen, da mein Gastbruder traditionell getanzt hat. Allerdings war diese überfüllt und wir haben nichts gesehen. So gegen 22.00 Uhr gab es dann das Adendessen. Meine Gastmutter hat Ente zubereitet, sehr lecker, auf offenem Feuer gekocht. Normalerweise essen die Peruaner zu Weihnachten Truthahn, in meiner Gastfamilie schmeckt der aber keinem. Dazu gibt es wieder Panetón, Brot, kleine Kekse und heiße Schokolade, es wird also süß und salzig gemischt. Bis 24.00 Uhr haben wir dann noch Filme (Kevin allein in New York) angeschaut und kurz nach Mitternacht habe ich dann meine Geschenke verteilt, die mir meine Familie (Dankeschön!) geschickt hatte. Zwar hatten die Kinder schon Spielsachen bekommen, aber das ich auch was für die Erwachsenen hatte, war dann doch ungewöhnlich. Auch sie haben sich sehr gefreut über die Kleinigkeiten.

Ein Gruppenbild

Ehrlich gesagt haben mich dann die Weihnachtsgrüße, die mich durch das Internet erreicht haben nachdenklich gemacht. Ist “Lasst euch reichlich beschenken” der passende Weihnachtsgruß? Warum gibt es zu Weihnachten die größten Geschenke? Das beste Bild ist der Weihnachtsbaum, mit gefühlt unendlichen Geschenken?

Versteht mich nicht falsch, ich verurteile niemand, bin ja selber ein Teil dieser Gesellschaft. Aber was zählt zu Weihnachten wirklich? Und haben wir nicht schon längst alles Materielle was wir brauchen?

Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und ruhige, erholsame Tage. Ich wünsche euch einen gutes, glückliches neue Jahr 2017, vergesst die Welt um euch herum nicht!

Liebe Grüße aus der Ferne,

Julia