Und auf einmal ist alles wieder anders?

Donnerstag, 17. August 2017 von Mafalda Sondermann

Seit drei Wochen bin ich zurück zuhause. Obwohl das gar nicht ganz richtig klingt, denn seit meinem Freiwilligendienst in Nicaragua ist Deutschland nicht mehr mein einziges Zuhause. Nach einem Jahr im Centro, bei meiner Gastfamilie und mit meinen Freunden habe ich mich auch in einer erst fremden Kultur, gar nicht mehr so fremd gefühlt. Stattdessen ist das, was zunächst wie eine Vielzahl von außergewöhnlichen Erlebnissen schien, nach und nach zu meinem Alltag geworden.

Dazu gehören viele kleine Dinge, wie die „buenos días“-Rufe der Kinder jeden Morgen, das gemeinsame Mittagessen am großen Tisch mit der ganzen Familie oder einfach die holprige Busfahrt in die Innenstadt. Man könnte ja denken, so wäre es mit der Zeit langweilig geworden, gerade bei der Arbeit, wo meine Aufgaben das Jahr über recht ähnlich geblieben sind. Doch ganz im Gegenteil, je besser ich die Kinder kennengelernt habe, desto mehr Spaß hat es mir gemacht. Da war es gar nicht so einfach, im Juli Abschied nehmen zu müssen.

„Kannst du nicht noch ein bisschen bleiben?“ – Die Kinder im Centro wünschen mir eine gute Reise

Auch meine Gastfamilie habe ich sehr lieb gewonnen. Denn am Ende war das herzliche Zusammenleben viel wichtiger, als der Internetanschluss oder ständig fließend Wasser. Ich durfte also auch außerhalb des Centros die Lebensweise in Nicaragua auf eine ganz direkte Weise kennenlernen und habe noch dazu ganz viele Gastgechwister, -nichten und -eltern gewonnen. Dabei hat es mich zwar manchmal überrascht, wenn auf einmal abends um zehn die kleine Gastnichte an meinem Schreibtisch saß und malen wollte. Aber dann habe ich mich daran gewöhnt und einfach schon vorher die Stifte bereit gelegt. Das zeigt auch, dass Kinder doch überall auf der Welt irgendwie ähnlich sind.

Ein letztes „gracias“ in der Gastfamilie, ab jetzt heißt es wieder „danke“

Das ist mir im Laufe des Jahres immer wieder aufgefallen: So anders sind die Menschen gar nicht in Nicaragua. Auch wenn der Lebensstandard verglichen mit Deutschland sehr unterschiedlich ist, haben die Personen selbst doch ähnliche Wünsche. So kann ich selbst jetzt sagen: Ich fühle mich sowohl dort als auch hier zuhause.

 

Dankbar und Glücklich

Montag, 14. August 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde, Verwandte und Begleiter,

Bei dem Rwenzori Gebirge, Kasese

Nun bin ich schon seit fast drei Wochen wieder zurück in Deutschland. Und was soll ich sagen – die Rückkehr, das Wiedereinfinden vor dem ich so eine Angst hatte, wurde mir von meinen Lieben sehr schön und einfach gestaltet.

Aber das nur vorneweg, ich würde gerne noch ein Wenig von den letzten Wochen und dem Abschied aus Uganda erzählen, eine für mich sehr emotionale Zeit. Am vierten Juli ist meine gute Freundin Jessica von Freiburg nach Entebbe gereist, wo ich sie dann abholen und direkt in die Hauptstadt Kampala bringen konnte.

Sipi Falls, Mbale (um das Klischee der Wüste Afrikas aufzuheben)

Da ich noch Arbeit zu leisten hatte war unser Zeitplan sehr eng getaktet, und Jessy lernte im Schnelldurchlauf Mbale, Jinja, Kampala, Kasese und Fort Portal kennen. Sie sah die Sipi Falls und die Quelle des Nils, kletterte auf dem Rwenzori Gebirge, badete bei Regen in heißen Quellen und besuchte die Kraterseen erloschener Vulkane. Die Krönung war eine Safari, bei welcher wir mit dem Boot und einem Tracker einen Vormittag lang über den Kanal zwischen Lake Edward und Lake George fuhren und unter anderem ganzen Elefantenherden beim Tränken am Ufer zusehen konnten.

Und dann konnte Jessy meine Stadt, mein Projekt, meine Freunde in Uganda kennen lernen. Es war großartig, mein dortiges Leben mit einer mir so wichtigen Person zu teilen, mich vor Ort darüber auszutauschen und dort gemeinsam zu Leben und zu Arbeiten.

Die Schüler der St. Augustine School

Sie war so begeistert, dass sie schon am zweiten Tag auch selbst unterrichtete, Englisch in der Klasse P4. Nach der Schule besuchten wir immer wieder meine ugandische Familie, die bald schon auch Jessica als ihre „Tochter“ aufnahmen. Gemeinsam kochten und aßen wir, besuchten die Gärten mit Matooke, Kaffee und Passionsfrüchten und sahen unserem ältesten „Bruder“ dabei zu, wie er zwei wunderschöne Statuen aus Holz für uns schnitze. Die Wochenenden und freien Nachmittage verbrachten wir wieder in dem Kinderheim, von welchem ich in meinem letzten Blogeintrag erzählte, spielten Fußball mit den Jungen und besuchten vier der Kinder in der Schule. Hier hatten wir die Möglichkeit, Einblicke in die Klausuren zu bekommen und uns außerdem mit den Lehrern zu unterhalten, wobei wir ausschließlich positivste Rückmeldungen mitbekamen. Alle Jungen sind Erst- oder zweitbester ihrer Stufe, sie erreichen volle Punktzahl in den Klausuren und legen ein gutes Benehmen an den Tag. Ein Kritikpunkt an Timothy war, dass er „zu viel selbst denkt“ und dadurch manchmal „ungehorsam“ wirke.

Ist das nicht großartig? Alle dieser Schüler waren vor wenigen Jahren noch Straßenkinder, verlassen, ungebildet, alleine. Und seht sie euch jetzt an, in ihrem neuen Zuhause erfahren sie so viel Zuneigung und Unterstützung, dass sie in meinen Augen Unglaubliches vollbringen können. Ich war und bin so stolz auf diese Kinder, nicht, weil sie gute Noten erbringen, sondern weil sie wieder aufrecht laufen, so viel Freude empfinden, solch aufgeschlossenen, zuvorkommenden, freundlichen jungen Menschen sind und erst mich, und später auch Jessy, dazu gebracht haben sie vom ersten Tag an mit ganzem Herzen zu lieben und wertzuschätzen!

„Chris Brown from Uganda“ (rechts) und „Stubborn“ (Links)

Am letzten Donnerstag begleiteten Jessy und ich die Brüder Julius und Barnabas bei ihrem „Nightwalk“ in der Innenstadt Masakas. Wir liefen zu den Plätzen, an welchen sich die Straßenkinder für gewöhnlich aufhalten, trommelten alle zusammen und suchten uns eine Stelle, an welcher wir auch mit fast vierzig Kindern ungestört sitzen konnten. Wir erzählten, lachten, spielten Karten und aßen am Ende der Nacht noch einmal gemeinsam. Diese Zeit mit den Straßenkindern war unfassbar witzig und wertvoll.

Die Klasse P4 wollte ein Abschiedsfoto machen, das uns immer zum Lachen bringt 🙂

Dass dieser letzte Monat so schön und bereichernd war, hat die Gedanken an den baldigen Abschied nicht wirklich einfacher gemacht. An dem Tag vor meinem Rückflug musste ich mich in der St. Augustine Schule in Bulando von meinen Schülerinnen und Schülern und dem Kollegium verabschieden. Jede Klasse hatte ein Lied oder einen Tanz vorbereitet (selbstverständlich wurde ich auch wieder gezwungen mitzutanzen), einige Lehrer und der Schulleiter hielten sehr bewegende Reden, am Ende sang der Science-Lehrer John Denvers „Leaving on a Jetplane“ und die ganze Schulgemeinde betete für mich, uns und euch!
Immer wieder flossen Tränen, was auch wirklich nicht besser wurde, als ich mich am Nachmittag auch noch von meiner ugandischen Familie und am Abend von all meinen Freunden, den Einheimischen wie Deutschen, verabschieden musste. Ich hatte ein sehr schönes Abendessen mit den Priestern und Mädchen der Kurie und danach trafen wir uns mit den wichtigsten Menschen in unserer Lieblingsbar dem „Vspots“, tanzten zu Reggea Musik (manch einer wird uns für Klischees halten) und knuddelten uns noch einmal so lange, dass es bis zum nächsten Wiedersehen reichen sollte. Ich kann meine Liebe für Uganda, für diese Menschen, für diese Einstellung zum Leben nicht in Worte fassen.

Ein letztes Highlight war der Rückflug. Mal abgesehen davon, dass Thomas und ich als Vegetarier nicht nur stets als Erstes unser Essen bekamen, sondern auch das viel besser aussehende, und daher von allen Seiten neidisch beäugt wurden, hatten wir in dieser Nacht einen unfassbar klaren Sternenhimmel. Ich durfte am Fenster sitzen und so hatte ich, ganz besonders über der kilometerlangen Sahara, von welcher aus keine Lichter blendeten und über welcher keine Wolken zogen, einen Ausblick, den ich niemals vergessen werde. Wir flogen über der Wüste, durch einen schwarzen Himmel mit tausenden von leuchtenden Sternen und es war, als würde ich schweben. Als würde die Zeit kurz stehen bleiben, als würde sich die Welt für einen Augenblick nicht drehen und mir ein paar Sekunden mehr Zeit geben, mich von diesem Kontinent zu verabschieden.

Ich habe mein Schwesterlein wieder!

Und dann sah ich die Lichter Tel Avivs, die Lichter der Küste und die Lichter der Städte, die uns zum Mittelmeer und bald zu den Städten Europas führten. Man sagt, dass beim Fliegen der Körper vor dem Geist am Ziel ankommt, da alles so schnell geht und man sich erst neu einstellen muss, aber ich habe das Gefühl, dass mein Geist bei meiner Ankunft in Deutschland schon sehr präsent war. Als ich meinem Vater am Frankfurter Flughafen das erste Mal wieder in die Arme fallen konnte, als ich meinen ersten Soja Latte bei Starbucks bestellte und im Zug, als der Schaffner eine Durchsage machte, weil wir acht Minuten Verspätung hatten und ich mich vor Lachen darüber kaum mehr halten konnte, belustigt daran erinnernd, dass ich in Uganda auch schon fünf einhalb Stunden in einem Bus gesessen habe, ehe er losfuhr. Zu Hause, als ich nach zwölf Monaten wieder meine Schwester und Mutter drücken konnte und im Supermarkt, als Papa mich ausgelacht hat, weil das Erste, das ich kaufte, Bananen waren. Am Abend, als all unsere lieben Nachbarn und guten Freunde der Familie vorbei kamen und neben so viel Freude über die Rückkehr, auch noch das beste selbstgemachte vegane Essen mitbrachten. Und auch wenn ich nach zwei Nächten ohne Schlaf nicht viel erzählen konnte, war es doch einfach schön beieinander zu sitzen und den anderen zuzuhören.

Die Freiburger Mannschaft hatte wohl erwartet, dass ich in Uganda erwachsen geworden sei, jedoch mussten alle mit einem Schmunzeln feststellen, dass dies doch noch nicht eingetreten ist. Ich hörte Frederik zu seinem Vater rennen und sagen: „Gell, du hattest gesagt Barbara kommt als erwachsene junge Frau zurück und ich hab gesagt sie bleibt die Alte. Und ich hatte Recht!“

Ich würde auch sagen, dass mich die Zeit in Uganda nicht grundlegend verändert hat, sie hat nur meinen Blick, meine Sicht auf die Dinge geprägt und mich in mancher Hinsicht vielleicht weiser gemacht, nicht älter. Ich weiß nun um manche Wahrheiten, die ich nicht so leicht werde vergessen können und wollen und ich kenne die Relationen von arm und reich, gut und schlecht, richtig und falsch von den Menschen auf der anderen Seite der Weltkugel. Ich habe Dinge gesehen und erlebt, die mich in jedem Gedanken beeinflussen, die ich immer im Hinterkopf haben werde, bei jeder Entscheidung die ich treffe und in Zukunft treffen werde. Auch ich laufe nun aufrechter, rede weniger (aber immer noch genug, keine Sorge) und höre mehr zu. Ein westafrikanisches Sprichwort lautet: „Wenn du das erste Mal hierherkommst, dann mach die Augen und Ohren auf, nicht den Mund. Du kannst so viel lernen.“

Wanderung auf dem Mount Egon, Mbale

Ich wurde häufig nach meinen Highlights aus diesem Jahr gefragt und ich konnte und kann immer nur die gesamte Zeit dort nennen. Ich war selten so glücklich, so nah bei mir selbst, durfte solch besondere Menschen kennen lernen. War noch nie so dankbar! Ich habe so viele Dinge wertgeschätzt. Habe selten in so kurzer Zeit so viel gelernt. Es gibt keinen Tag, an welchem ich nicht glücklich war. Ich weiß, dass dies nicht selbstverständlich ist und mir ist auch bewusst, dass ihr, liebe Freunde,Verwandte und Begleiter, einen sehr großen Teil dazu beigetragen habt. Ich möchte euch für jede unfassbar nette, aufbauende und unterstützende Nachricht danken, für all eure warmen Worte, Gedanken und Gebete und all die Liebe, die ich in diesem Jahr von zu Hause erfahren durfte, wozu ihr alle gehört.

Und nun werde ich mir etwas zu Essen machen. Ich weiß noch nicht, was genau, aber ich kann mit Sicherheit sagen, dass es kein Posho and Beans sein wird!

Mit ganz vielen lieben Grüßen und, trotz Regen, Sonne im Herzen,
eure Barbara 

 

Perspektiven

Sonntag, 23. Juli 2017 von Konstantin

Alle Kinder im Heim haben ihre ganz eigene, mehr oder wenige schöne Geschichte hinter sich. Während einige unter den extrem armen Verhältnissen ihrer Eltern zu leiden hatten, wurden andere Kinder von ihren Eltern geschlagen und missbraucht.

Das langfristige Ziel für alle Kinder im Heim: Sie wieder in ein geordnetes Umfeld unterzubringen, am Besten innerhalb der Familie, bspw. Bei den Großeltern, dem Onkel, der Tante, optimalerweise wieder bei den leiblichen Eltern. Das Equipo Técnico (bestehend aus einer Psychologin und zwei Sozialarbeiterinnen) hat die Aufgabe, für die Kids ein geeignetes Lebensumfeld im Rahmen der Familie zu suchen.

Durch die ganz speziellen Vorgeschichten und die unterschiedlichen Situationen, hat jedes Kind eine andere Perspektive für seine weitere Kindheit und die Zukunft:

Das ist Denzel. Er und seine Brüder, Matias und Joseph, leben bereits seit vier Jahren im Heim. Zwischendurch sind sie einmal für ein paar Monate zu ihrer Mutter zurückgekehrt, weil dies aber nicht funktioniert hat, wohnen sie jetzt wieder im Heim.

 

Deivison (auf dem Foto) und seine zwei Brüder, Jaime und Cristian, warten schon seit knapp einem Jahr darauf, zusammen mit ihrer Schwester wieder zu ihrer Mutter ziehen zu können. Auf Grund einiger Vorkommnisse, wurde das Datum, an dem sie wieder nachhause können, immer weiter nach hinten geschoben.

 

Ihn kennt ihr schon alle: Emiliano, den jüngsten Heimbewohner. Er und auch seine Brüder Deiker und Diego wurden in wichtigen frühkindlichen Phasen von ihrer Mutter stark vernachlässigt. Emiliano verbrachte im Alter von anderthalb Jahren bereits einen Monat auf der Intensivstation, da er stark unterernährt war. Wahrscheinlich werden die drei nie wieder bei ihrer leiblichen Mutter leben können.

 

Einen schöneren Ausgang hatte es für Miguel (auf dem Foto) und seinen Bruder Kevin: Die beiden leben jetzt bei ihrem Onkel, der Leiter eines Hotels an der Küste ist. Dort haben sie auch die Möglichkeit, wieder normale Schulen zu besuchen. Zu ihrem leiblichen Vater dürfen sie leider immer noch nicht zurück, da er sein Alkoholproblem immer noch nicht im Griff hat.

 

Auf dem letzten Bild könnt ihr, zusammen mit ein paar Jungs, die Heimleiterin Teresita sehen. Sie ist sozusagen eine Art „Mama“ dieser ganzen Geschichten, gleichzeitig auch eine Perspektivengeberin: Sie arbeitet intensiv mit den Sozialarbeiterinnen zusammen, um das Beste für die Jungs herauszuholen und zu ermöglichen. Gleichzeitig arbeitet sie, zusammen mit Padre Martin, dem Pater der Stiftung, immer an neuen Projekten, um noch mehr vernachlässigten Kindern in Santo Domingo zu helfen. Zur Zeit arbeiten sie an einer Art „Frauenhaus“, wo Kinder und junge Mütter in Not hingebracht werden können, wenn es in ihrem Umfeld gerade nicht sicher ist.

Teresita versucht Perspektive für unsere Heimkids zu schaffen: Nämlich entweder, dass sie irgendwann wieder in einem geordneten familiären Umfeld leben können, oder dass sie, wenn sie 18 werden und das Heim verlassen, auf eigenen Beinen stehen und das Schlimme, was ihnen widerfahren ist, hinter sich lassen können.

Meine Perspektive ist erst einmal Folgende: Nächsten Samstag geht es für mich zurück nach Deutschland. Ein Jahr voller spannender Eindrücke, Erfahrungen, Höhen und Tiefen geht zu Ende. Insgesamt kann ich einfach nur sagen: Danke! An Ecuador, an Santo Domingo, an die Fundación Calasanz, an das Casa Hogar de Jesús, natürlich an euch, die ihr meinen Blog gelesen habt, und allen voran, den ganzen netten Menschen die ich hier kennengelernt habe und demnächst vermissen werde.

Danke!

 

Und das wars?

Dienstag, 18. Juli 2017 von Julia Wolf

Es ist wohl das letzte Mal, dass ich mich aus Peru melde. Ich kann euch sagen, es ist ein unbeschreiblich komisches Gefühl, das mich durch die letzten Tage begleitet. Ich verdränge die Tatsache, dass das wohl beste Jahr meines Lebens in einer Woche zu Ende sein soll. Es gibt so viele Dinge, bei denen ich gerne noch dabei wäre, so viele Gespräche, die eigentlich noch geführt müssen werden, Freundschaften, die darauf warten, vertieft zu werden, Orte, die noch unbekannt sind, Essen, die unprobiert sind. Aber die Zeit rennt mir davon, schon die letzten Monate sind rasend schnell vergangen.

Bevor ich weggeflogen bin, habe ich mir oft ausgemalt, wie es ist zurückzukommen. Vor allem weil das Leben, in einem fernen Land, unter komplett fremden Leuten, mit einer anderen Sprache, völlig unvorstellbar war. Aber inzwischen habe ich hier auch meine Lieben, Freunde, meine Gastfamilie, meine Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch die Kinder, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Letztens war eine meiner engsten Kollegin für eine lange Zeit verhindert zur Arbeit zu kommen. Ich habe sie jeden Tag vermisst. Oder wird ein Kind krank und kommt nicht zu MICANTO, fragt man seine Freunde, wie es ihr/ihm geht. Man merkt, dass jemand fehlt. Dieses Leben, diese Menschen auf unbestimmte Zeit zurückzulassen, sich anderen Aufgaben zu widmen, seine Prioritäten anders zu setzen, ist mir heute noch unvorstellbar.

Was ich mir vor einem Jahr noch so gut vorstellen konnte, ist heute weit weg. Ich habe viele Sachen aus Deutschland vergessen, nicht mehr im Kopf, wie das Leben sich dort abspielt. Das hört sich krass an, ich hätte jeden belächelt, der mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich das mal schreiben werde, aber so ist es gekommen. Ein Jahr ist eine lange Zeit, die so schnell vorbeigeht. Man hat so viele Freunde gefunden, Menschen die man wirklich liebt, mein ganzer Alltag, mein Leben ist hier. Ich fühle mich nicht bereit, das hinter mir zu lassen, mich in einen neuen, sicher auch spannenden Lebensabschnitt zu wagen und mein geliebtes Cajamarca zu verlassen.

Und gleichzeitig wache ich morgens auf und freue mich, meine Schwestern, meinen Eltern und meine Freunde bald wieder in die Arme schlieβen zu können, Aufbackpizza zu essen, nachts drauβen rumzulaufen (ist hier auch nicht wirklich gefährlich, aber meiner Gastmama zu liebe:)), in einer Menschenmenge nicht aufzufallen, Körnerbrötchen zu essen und Auto zu fahren.

Es ist also ein ständiges Auf- und Ab der Gefühle, aber es gelingt mir auch gut, meine nahe Abreise zu verdrängen. Ob das so gut ist, wird sich erst später zeigen.

Aber zum Schluss noch was aufregendes: Ich war in Cusco! Mit zwei anderen Freiwilligen habe ich meine letzten freien Tage genutzt und das heilige Tal mit dem Machu Pichu zu besuchen. Sehr beeindruckend muss ich sagen, jeder der die Möglichkeit hat, das Weltwunder zu besuchen, sollte das auf jeden Fall tun. Auch wenn es von Touristen überlaufen ist und somit auch entsprechend teuer, ist es schöner als Vieles was ich bisher gesehen habe und auf jeden Fall ein Besuch wert.

Ich weiβ nicht, ob ich mich nochmal melde, wenn nicht, dann bedanke ich mich für jeden einzelnen Leser, es war mir eine Ehre, euch ein bisschen mit durch mein Jahr zu nehmen. Und es war besser als ich mir je erträumt habe, ein groβes Stück meines Herzens bleibt hier. Aber ich komme zurück, die einzige Gewissheit, auf die ich mich zurzeit verlassen kann.

 

Danke fürs Lesen, vielleicht bis bald,

 

Julia

 

Helden

Freitag, 30. Juni 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

 

Kurz vorneweg, ich bin so stolz wie Oskar und strahle vermutlich wie ein Honigkuchenpferd, denn ich komme gerade aus der Grundschule und habe dort ein Mädchen mit Trisomie 21 sowie stark ausgeprägten Lernschwierigkeiten kennengelernt und (gezwungenermaßen) das gesamte Gespräch mit ihr auf Luganda geführt. Dass dies geklappt hat, wird mich jetzt noch den ganzen Tag glücklich machen. 😀

 

Aber darum soll es in diesem Eintrag nicht gehen, sondern um große und kleine Helden, die ich während der letzten Monate in Uganda kennen lernen durfte. Manche von euch haben meinen Blog die letzten Male gerne gemeinsam mit ihren Kindern gelesen. Ich bin mir nicht sicher, ob diesmal alle Beiträge ganz kindgerecht sind, deshalb würde ich alle Eltern unter euch bitten, einfach kurz zu überfliegen, ob das alles auch okay für die Kinder ist, ich wäre ungern der Auslöser für schlechte Träume o.ä. 🙂 Danke euch!

Helden sind für mich Menschen, die über sich selbst hinaus wachsen oder beschließen, ihr Leben ganz für ihr Mitmenschen hinzugeben. Seit meinem letzten Blogeintrag waren schon wieder einmal Schulferien (alle drei Monate, also nach jedem Schulterm bekommen die Kinder ein paar Wochen frei) und die freie Zeit habe ich in einem Waisenheim nahe Nabugabu verbracht und bin dort aus dem Staunen gar nicht mehr heraus gekommen. Ich möchte die Geschichte von zwei Helden mit euch teilen, die durch ihr Handeln noch vielen weiteren Menschen helfen, zu Helden zu werden.

Zwei meiner Freunde, die Brüder Julius und Barnabas, haben vor vier Jahren beschlossen, dass sie nicht mehr in Uganda leben können, zwischen all den Straßenkindern, ohne wenigstens zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen (sie haben meinen größten Respekt dafür). So begonnen sie, abends nach der Schule durch die Straßen Masakas zu laufen, mit den dort lebenden Kindern zu spielen und sich mit ihnen zu unterhalten, ihnen zuzuhören. Manche kamen danach noch so häufig zum Essen bei ihnen zu Hause vorbei, dass die beiden sie bald ganz bei sich aufnahmen. Und auch wenn fünf Jungen so ein neues zu Hause gefunden hatten, sahen sie noch immer all die anderen Kinder draußen auf der Straße schlafen. Sie sammelten privat Spenden von Freunden und

13 der 24 Jungen im besten Anzug vor ihrem neuen Heim

bauten von diesem Geld ein kleines Häuschen auf einem leeren Grundstück, ca. 45 Minuten außerhalb von Masaka Town, in einem Dorf nahe Nabugabu. Ihr Tatendrang und ihre Begeisterung steckten ihre Freunde und viele der damaligen Freiwilligen aus Kanada an und gemeinsam wurden abends sogenannte „Nightwalks“ unternommen, in welchen sie zu den Straßenkindern gingen, durch Spielen und Tanzen ihr Vertrauen gewannen und nicht selten auch Essen mitbrachten. Die Kinder erfuhren das Gefühl von Zuneigung und wurden das erste mal in ihrem Leben als Kinder und nicht als Abschaum wahrgenommen. Bald wurde das kleines Häuschen möbliert und mit dem Nötigsten ausgestattet und sobald die Straßenjungen dazu bereit waren, durften sie einziehen.

Sie lernten, einen geregelten Tagesablauf zu haben, Regeln zu befolgen, freundlich und höflich gegenüber anderen und fair gegenüber einander zu sein. Julius und Barnabas machen beide eine Ausbildung zum Lehrer und konnten ihr Wissen so direkt den mittlerweile 24 Kindern in ihrem Heim weitergeben. Die Jungen wurden so lange zu Hause unterrichtet, bis genug Geld da war, jeden einzelnen in die Schule zu schicken. Obwohl sie selbst noch in Ausbildung sidinvestieren die Brüder fast ihre ganze Zeit und ihr Geld für diese ehemaligen Straßenkinder und sind seit nun mittlerweile vier Jahren Bezugspersonen, Lebenslehrer und ganz besonders eines: wie liebende Eltern. Jeden Abend wird mindesten zwei Stunden lang Fußball gespielt, nicht nur, weil Julius ganz verrückt danach ist, sondern auch, damit die Jungen lernen im Team zu kämpfen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und Spaß am Spiel zu haben (alle der Jungen haben mit den sog. „Straßenkämpfen“ aufgehört, bei welchen man um Geld wettet, wer am Stärksten ist). Letzten Monat haben die Brüder ein Fußballturnier in ihrem Dorf organisiert, bei welchem jedes Kind mitmachen konnte, solange es zwischen 12 und 16 Jahren alt war und ein Team zusammenstellte. Zu gewinnen gab es einen Fußball und nagelneue Trickots! Das Ziel war es, alle Kinder des Dorfes dafür zu sensibilisieren, mit jedem Kind zu spielen, ganz egal ob Straßenkind, Waise oder aus einer funktionierenden Familie kommend. Und meines Ermessens nach war das Turnier ein voller Erfolg! Es wurde so viel gelacht, gespielt und lauthals singend angefeuert, dass ich den ganzen Tag nicht mehr aufhören konnte zu grinsen.

Als ich die Jungen das erste Mal kennen lernen durfte, konnte ich nicht glauben, dass diese Kinder von der Straße kommen sollten, ungebildet, ungeliebt und täglicher Gewalt ausgesetzt, denn sie sind die höflichsten, freundlichsten und wohlerzogensten Jungen, mit denen ich bisher in Uganda Zeit verbracht habe, und nebenher sprechen sie auch noch großartiges Englisch.
Ich möchte mit euch die Geschichten von zwei der Kindern teilen (natürlich mit deren Erlaubnis), weil ich selten so tief berührt war und jede für sich eine riesengroße Erfolgsgeschichte ist! 

Ema (links) und Geoffrey (rechts) errichten ihr eigenes kleines Maracuja Feld

Geoffrey ist zehn Jahre alt. Die Brüder holten ihn vor zwei Jahren von der Straße, als er acht war. Die Gang, mit welcher er nachts unterwegs war, behandelte ihn nicht schlecht, da er am niedlichsten aussah und deshalb beim Betteln das meiste Geld einbrachte. Seit er fünf war, hatte er eine schwere Abhängigkeit nach „Spirit“, einem hochprozentigen Alkohol, den man in Uganda in Tüten an der Tanke oder kleinen Straßenläden kaufen kann. Ich habe dies einmal gekostet (natürlich zu Recherchezwecken) und es ist widerlich! Geoffrey hat mir erzählt, dass es ihn hat alles vergessen lassen. Wenn er betrunken war, war ihm warm und er hatte keine Sorgen, alles war egal. Aufgrund des Alkoholkonsums wurde Geoffreys Wachsum gehemmt und er sieht noch heute sehr jung aus, seine neuen Brüder nennen ihn deshalb nur „Babyface“, was allerdings liebkosend und nicht böse gemeint ist. Seinen Staßennamen „police pie“ hat er aufgegeben. Aufgrund des Mangels an Größe ist der Junge innerlich schon sehr schnell „erwachsen“ geworden und behauptet sich unfassbar gerne gegenüber anderen im Ballspielen, Lernen oder Tanzen. Weil er so voll Lebensfreude und Energie ist fiel er mir als erstes auf und ich wollte ihn knuddeln (ich habe ein Knuddel-Problem, was süße Kinder angeht), jedoch stieß er mich weg. Er wollte nicht, dass andere so einen Moment der „Schwäche“ sehen könnten. Ich habe dies verstanden, jedoch nicht so einfach akzeptiert. Alle Kinder sollen wissen, was es heißt, bedingungslos gemocht zu werden und (freundschaftliche) Liebe annehemen zu können. Ich kam häufig zu Besuch, spielte Basketball und Fußball mit ihm, wir spielten „Ninja“ und Tanzten zu meiner unfassbar schlechten Handymusik im Aufenthaltsraum. Einmal spielten wir Fangen, als er über mein Bein stolperte und aus Versehen auf mich fiel. Er blieb einfach liegen und ließ sich von mir knuddeln und das war wohl mein schönster Tag im Waisenheim.

Auch wenn Geoffrey klein ist, ist sein Herz riesengroß. An einem Abend traf ich Julius und er erzählte mir, dass er gerade an diesem Tag einen Umschlag von Geoffreys Schule erhalten hatte, mit einem Brief und Taschengeld (er gibt den Jungen jeden Morgen ein Wenig Geld, damit sie sich in der Pause einen Snack kaufen können) von ca. einem Monat. Der Brief war auf Luganda geschrieben,

Geoffrey

aber Julius hat ihn für mich ins Englsche übersetzt: „Dear Uncle Julius, I am being in school and working hard, but always I remember where you picked me from. I do remember my friends I left in hard conditions, so I have not been taking my breakfast snack and asked the canteen woman to save it for me and she agreed. Today I have picked it and sent it to you. Use it to buy snacks like popcorn or chapatti to the homeless boys on streets during your night walk. Tell them its from police pie.“ (Meine Übersetzung ins Deutsche: Lieber Onkel Julius, ich bin in der Schule und arbeite hart, jedoch erinnere ich mich immer daran, wo du mich hergeholt hast. Ich erinnere mich an meine Freunde, die ich mit harten Bedingungen zurück gelassen habe, deshalb habe ich meinen Frühstückssnack nicht gegessen und die Dame in der Kantine gebeten, das Geld für mich aufzubewahren. Heute habe ich das Geld abgeholt und sende es nun zu dir. Benutze es, um bei deinem nächsten Nightwalk Snacks wie Popcorn oder Chapatti für die obdachlosen Kinder auf der Straße zu kaufen. Sag ihnen, es ist von police pie.“)
Diese kleine Persönlichkeit hat mich vor Freude zu Tränen gerührt.

Dann haben wir da noch Abdul. Er ist jetzt fünfzehn, die Brüder holten ihn von der Straße als er elf war. Abdhu hatte noch eine Familie als er beschloss auszuziehen. Sein Vater handelte mit Drogen und seine Mutter prostituierte sich. Auch er griff gerne mal zu dem ein oder anderen Tütchen Marihuana (hier „Ganja“ genannt), bis dies nicht mehr reichte seine Sinne zu vernebeln und er eine Benzin-Abhängigkeit entwickelte. Er hat mir erzählt, dass es ihn „Ausknoggte“, wenn er lange genug daran schüffelte und ihn dies nachts schlafen ließ. Er hat drei Tattoos, eine Pistole und einen Totenkopf auf dem Oberarm und ein Schwert auf dem Unterarm. Daneben eine Blume, die er sich selbst stach, als er hörte, dass seine Mutter an AIDS gestorben und sein Vater kurz darauf wegen Betrugs im Geschäft ums Leben kam. Julius und Barnabas haben ihm ein neues Zuhause geschenkt, ihm Lesen und Schreiben beigebracht, Englisch und Mathematik. Abdul wollte ein guter Schüler sein. Er wollte lernen und Anerkennung durch Leistung bekommen, nicht mehr durch Stärke. Er wurde so gut, dass er die Aufnahmeprüfung an der besten Schule Masakas bestand. Und nicht nur das: dieses Jahr gewann er den Mathematikwettbewerb der größeren Region Masakas und hat damit nicht nur sich, seine Brüder und neuen Väter so stolz wie Oskar gemacht, sondern auch eine Einladung der Makerere Universität bekommen, um dort in weiteren Wettbewerben die gesamte Region Masakas zu vertreten!

Straßenjungen spielen Karten beim Wochenend-Program

Zudem bieten die Brüder jedes Wochenende das sogenannte “Weekend program” an, Stunden, in welchen sie und die Waisenjungen Zeit mit den noch auf der Staße lebenden Kindern verbringen. Meistens wird Fußball und Karten gespielt, danach gemeinsam gegessen und dabei darf jedes Kind von seiner Woche erzählen. Von Konflikten und Erfolgen. Sie sind eine Familie, teilen ihre Geschichten, ihr Lachen und die Tränen. Manchmal lässt Julius einen seiner Jungen alleine zu den Straßenjungen sprechen, weil er überzeugt davon ist, dass dieser sie noch viel besser verstehen kann. Letzte Woche war es der zwölfjährige Timothy. Ich möchte einen Satz seiner „Rede“ mit euch teilen: „Gebt niemals den guten Teil in euch selbst auf! Er ist es, der uns anders macht. Habt immer Hoffnung.“
Was habe ich in meinen „Ferien“ gelernt? Urteile niemals. Sieht man Julius das erste Mal, mag er wie ein „Muzungu-Hunter“ (einer, der sich lieber mit Weißen abgibt) herüber kommen, jedoch versucht er einfach nur die Kosten für Lebensmittel und medizinische Versorgung und die hohen Gebühren der guten Schulen von 24 Jungen zu sichern und ist dabei selbst noch Studierender und nur wenige Jahre älter als ich. Sieht man die Straßenkinder das erste Mal, schmutzig, ungepflegt, frech, fällt es schwer, das Potenzial zu dem besten Schüler der Stadt in ihnen zu sehen. Aber es ist da. Es braucht Liebe und Pflege und Zeit, aber der Wille ist in jedem einzelnen von ihnen!

Die drei Jungs haben mir die Haare geflochten 😀

Aber genug meiner Ferienarbeit, was ich danach erleben durfte, ist nämlich auch ziemlich cool. Mein Mitfreiwilliger Thomas (manch einer mag sich aus meinen ersten Blogeinträgen an ihn erinnern, wir wohnten während des Luganda-Sprachkurses gemeinsam in Kampala) und ich, haben für drei Wochen die Projekte getauscht. Er zog also nach Masaka und verbrachte viel Zeit in dem Kindergarten und den Schulen, während ich in seinem Haus (wirklich, ein ganzes Haus, es war großartig) in Mityana wohnte und seine Tätigkeiten im Krankenhaus und der Schule übernahm.

Mityana ist ein hübsches kleines Städchen, bestehend aus einer Straße (Masaka hat immerhin drei), und mit regem Matatu- und Bodaverkehr. Die zu fahrenden Strecken sind so überschaubar, dass jede Fahrt „Lukumi“ (1000 Schilling = 25 Cent) kostet und es ist wirklich unfassbar entspannt, einfach losfahren zu können, ohne stundenlang einen Preis aushandeln zu müssen. Auf dem großen Obst- und Gemüsemarkt in Mityanas Zentrum findet sich alles, was es zur Selbstversorgung bedarf und was es nicht gibt, kann man notfalls an der Tankstelle kaufen, dem einzigen „Supermarkt“ der Stadt.

Die ersten beiden Wochen hatte ich die Möglichkeit meinen Erfahrungshorizont noch etwas zu erweitern und im St. Francis

Barbara passt auf den kleinen Leonard Pius auf, während seine Mutter in der Behandlung ist

Community Health Centre zu arbeiten, einem der vom Kindermissionswerk gesponserten Projekte in Uganda und es war großartig und schwer für mich zugleich. Ich begann in der „Dental Section“, dem Zahnarzt, und auch wenn es unglaubwürdig klingen mag, diese Abteilung war am Schwersten für mich zu durchstehen. Täglich kamen Menschen mit ansich kleinen Beschwerden, die jedoch aufgrund fehlenden Geldes nicht behandelt werden konnten. Hatte jemand Karies, wurde der betroffene Zahn und die beiden daneben liegenden einfach herausgezogen und Mädchen in meinem Alter hatten von da an ein entstelltes Lächeln. An einem Morgen kam eine junge Mutter mit ihrem (schätzungsweise) drei oder vier Jahre alten Sohn in die Klinik. Der Kleine hatte einen geschwollenen Kiefer und weinte vor Schmerzen, durch tagelangen Nahrungsmangel vollkommen abgemagert. Der Zahnarzt diagnostizierte einen Tumor, ob gut- oder bösartig sollte anhand einer Biopsie festgestellt werden. Das weitere Verfahren wären eine Strahlentherapie (bösartig) oder das einfache Entfernen des Tumors (gutartig) gewesen. Die Mutter konnte sich nicht einmal die Biopsie leisten und fragte den Arzt unter Tränen, ob sie also nicht einmal erführe, woran ihr Sohn nun sterben würde. Er bejahte und musste sie fort schicken. Meine Entsetzung könnt ihr euch mit Sicherheit vorstellen, und dies war kein Einzelfall. Ich möchte nicht sagen, dass ich mit der Zeit abgestumpft bin, aber mein Empfinden für manche Realitäten auf dieser Welt ist auf jeden Fall noch einmal auf eine ganze andere Art und Weise sensibilisiert worden. Für mich sind alle diese Personen, und dabei ganz besonders die Ärzte, Schwestern und Helfer, riesengroße Helden, da sie jeden Morgen aufstehen und ihren wichtigen Dienst für die Mitmenschen leisten!

Schon bald schnupperte ich also lieber einmal bei der Apotheke, der Geburtshilfe, dem Labor und den Allgemeinärzten vorbei.

Im Labor 🙂

Hängen blieb ich in der „Chronic Care“, der Abteilung, in welcher man sich vor allem mit HIV infizierten und von AIDS betroffenen Patienten beschäftigt (aber auch weitere chronische Krankheiten we Diabetes o.ä. werden langfristig behandelt). Ein besonderes Augenmerk wird hier auf die Schwangeren und junge Mütter gelegt und auch wenn es ein für die Psyche schweres Thema ist, sich viel damit auseinander zu setzten, konnte ich hier mit einem beruhigteren Gewissen arbeiten, da die Kosten für die meisten Behandlungen vom Kindermissionswerk übernommen werden und ich nicht ständig das Bedürfnis hatte, jedes Medikament für eine Besserung bezahlen zu wollen. Manche der Patienten wollten (verständlicherweise) keine Fremden bei ihren Gesprächen mit dabei haben, besonders, wenn es sehr emotional wurde, und so hatte ich viel Zeit mich durch die Büroordner zu wühlen, sie mit Hilfe der Akten auf den neuesten Stand zu bringen und in eine Ordnung zu bringen. Tatsächlich hat mir das ziemlich viel Spaß gebracht und ich hatte die Möglichkeit mich mit all den Mitarbeitern zu unterhalten, auszutauschen und von ihnen zu lernen.

Aus der Kategorie: sieht nicht super aus, schmeckt aber so 😀

Danach hatte ich noch eine Woche in dem St. Theresa Vocational Training Centre, einer Berufsschule für junge Menschen in meinem Alter, die dort das Handwerk des Bäckers, Kochs, Schneiners, Ingenieurs, Schneiders oder Mechanikers erlernen können (das war jetzt nicht genderkonform geschrieben, entschuldigt bitte). Die meiste Zeit verbrachte ich in der Küche, wo wir großartige Marmorkuchen und Bananenbrote bucken. Das deutsche Rührkuchen Rezept für den Marmorkuchen wurde sogar in den Lehrplan aufgenommen, ein voller Erfolg also. 😀 Alle waren unfassabar freundlich, aufgeschlossen und haben mir die Zeit in der Schule so mit ihren großen Herzen ganz wunderbar gestaltet.

Meine freie Zeit konnte ich Aerobics und Yoga widmen (manch einer wird sagen, was für ein Klischee ich doch geworden sei), wo ich einige großartige Menschen kennen lernen durfte. Einheimische, wie Besucher und andere Freiwillige. Mir ist aufgefallen, dass man, ganz besonders in dem kleinen Mityana, häufig die einzige weiße Person ist und wenn doch mal ein Weißer auftaucht, habe ich das Gefühl, ihn genauso anzustarren wie die Einheimischen. Allerdings kommt man durch das Angestarre meist auch relativ schnell in Kontakt und so durfte ich in diesen drei Wochen sehr sehr interessante Menschen aus Bristol, Oxford, den USA und tatsächlich sogar Berlin kennenlernen.
Ich denke das faszinierendste am Reisen sind für mich die Menschen, denen man unterwegs begegnet. Dies mag an meinem unbezwingbaren Drang zur Kommunkikation liegen oder daran, dass unsere Persönlichkeit durch den Austausch mit unseren Mitmenschen, anderen Meinungen und Anschauungen wächst und sich weiter entwickelt. An jedem Ort denken Menschen anders, handeln so verschieden und gehen auf eine Art und Weise mit Situationen um, die mir so bisher ganz fremd waren, aber wie großartig ist es, all diese Erlebnisse und Begegnungen in seinen Erfahrungsschatz aufzunehmen?

Teresa und Barbara vor einem der Kraterseen in Fort Portal im April 2017

In Anlehnung daran, habe ich schon seit einer ganzen Weile vor, einen Reisebericht als Rundmail zu schreiben, jedoch fehlt mir dazu fast ein Wenig die Zeit. Durch lauter glückliche Umstände konnte ich bisher nämlich nicht nur durch Uganda selbst reisen, sondern hatte auch die Möglichkeit, einmal quer durch Kenia und Rwanda zu kommen –zwei wunderschöne Länder! Aktuell stressen mich jedoch noch die Bewerbungsfristen, Motivationsschreiben und all die Dinge für die Unis, die zwar sein müssen, welche ich jedoch lieber schon längst hinter mir hätte. Aber es ist Besserung in Sicht: Schon nächste Woche wird mich meine gute Freundin Jessica aus Freiburg besuchen kommen und den Rest des Freiwilligendienstes mit mir in Uganda verbringen. Ich könnte aufgeregter und vorfreudiger nicht sein und fiebere auf den Juli daher mehr hin, als ich eigentlich dachte, denn am Ende des Monats werde ich ja schon zurück in Deutschland sein. Kaum zu glauben! Und noch eine großartige Nachricht: meine Katze Lilli ist hochträchtig und wird bald Junge bekommen. Sobald es so weit ist, werde ich das Haus, außer zum Unterrichten, vermutlich nicht mehr verlassen. 😀

Ich wünsche euch allen von Herzen einen wunderschönen Sommer und hoffentlich ganz viel Zeit im Freibad,
eure Barbara

 

 

Alltag – oder zumindest ein Tag aus meinem Leben

Mittwoch, 24. Mai 2017 von Julia Wolf

 

06.30 Uhr: Ich werde wach, mein Gastbruder muss in die Uni.. wie hab ich es jemals geschafft so früh auszustehen? Ich dreh mich nochmal um.

07.30 Uhr: Der Wecker klingelt… Ich liebe die Schlummertaste.

07.55 Uhr: Die Nachrichten aus Deutschland sind beantwortet. Aber aus dem warmen Bett raus?

08.15 Uhr: Zeit aufzustehen. Sachen zusammenpacken, umziehen.

08.25 Uhr: Jetzt frühstücken, heute wieder Quinoa mit manjar blanco und Brot. Kurz mit meiner Gastmami sprechen.. unglaublich diese Frau, ist schon seit 5 Uhr wach. Zeug abspülen.

08.45 Uhr: Ich muss los. MICANTO ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes nur um die Ecke, aber ich muss noch Brot für den Nachmittag kaufen. Und duschen.

08.55 Uhr: Warmes Wasser ist eine Wohltat! Und heute kommt es sogar heiß.. das Leben kann so schön sein.

09.10 Uhr: Fast pünktlich! Chana wartet schon auf mich. Fange an, ein neues Projekt MICANTOs auf deutsch zu übersetzen. Heißt es durch oder mit? Ich muss mal wieder nach einem Synonym für Möglichkeit suchen. Danke Internet!

10.00 Uhr: Ich brauche eine Pause! Mache die Büros sauber… Wer hätte das gedacht, ich vermisse einen Staubsauger, das von mir am meisten verhasste Haushaltsgerät.

10.20 Uhr: Bin am Buchstaben ausschneiden. Motivationssätze für die Kinder, die nachmittags kommen, um ihre Hausaufgaben zu machen. Hab das R schon wieder falschrum geschnitten… also nochmal.

11.15 Uhr: Wir gehen nach Shudal, dem ländlichen Teil Cajamarcas. Suchen ein Jungen, der uns ein Interview zum Thema Kinderarbeit geben soll. Chana fängt an seinen Namen zu rufen, wir können nicht zu seinem Haus, sonst fressen uns die Hunde.

12.30 Uhr: Er hat alle Fragen beantwortet, ein fleißiger Junge! Unvorstellbar für mich, als Kind arbeiten zu müssen. Für ihn die einzige Möglichkeit.

13.10 Uhr: Zeit nach Hause zu gehen… Ich habe Hunger!

13.40 Uhr: Nach der Suppe gibts natürlich Reis mit Pommes und Hühnchen. Meine Schwester beschwert sich über zu viel Reis… mir schmeckts.

13.50 Uhr: Das aktuelle Weltgeschehen wird diskutiert. Sie sind besorgt, bieten mir Schutz an, wenn die USA Russland angreifen soll. Da ist die Lage Deutschlands ja eher als schlecht einzuschätzen. Da haben sie wohl Recht.

14.10 Uhr: Mal wieder sehr unterhaltsam, das Mittagessen. Und jetzt noch Pause, ich muss dringend mein Zimmer kehren. Aber ich bevorzuge dann doch mich ne halbe Stunde hinzulegen… mach ich heut abend.

14.58 Uhr: Ich muss los.. sag meiner Schwester Bescheid, die arbeitet auch in MICANTO mit. Aber ist eher als unpünktlich zu beschreiben, ich warte also noch auf sie.

15.10 Uhr: Bin heute erstmal bei den Kleinsten, den Kindern aus der ersten und zweiten Stufe. Wie bringt man dem einem Kind lesen bei?

15.35 Uhr: Suche inzwischen die wichtigsten Schrifsteller Perus raus… interessant. Aber hauptsache kurz, diese Anweisung hab ich von einem Kind aus der sechsten Klasse bekommen. Ich drucke es ihm aus, ist so mittellang geworden, weiß jetzt schon, dass er sich das nicht durchlesen wird.

16.02 Uhr: Ohje, direkte Proportionalität. Und was ist der Unterschied zwischen pflanzlicher und menschlicher Zelle? Ich wusste das doch alles mal!

16.30 Uhr: Die Glocke klingelt. Zeit für den Zwischensnack und eine halbe Stunde spielen. Nach dem Hände waschen wird gebetet und dann gegessen. In einem Rekordtempo versteht sich, geht ja alles von der Zeit zum Spielen weg.

16.59 Uhr: Das Fußballspiel ist im vollem Gange.  Oho, gleich ist fünf, dann müssen die Hausaufgaben weiter gemacht werden.

17.02 Uhr: Und es wird gemeckert, wie immer. Das letzte Tor entscheidet.

17.05 Uhr: Der menschliche Atmungapperat muss noch gebastelt werden. Wissen die Lehrer eigentlich, was das für ´ne Arbeit ist? Und, dass die Materialien Geld kosten, das nicht jedes Kind hier hat?

17.35 Uhr: Leichte Panik: es fehlt noch über die Hälfte. Die anderen gehen zum Lesen in die Bibliothek.

17.55 Uhr: Der Raum muss gekehrt werden, der Atmungsapperat ist noch nicht fertig, die Matheaufgabe muss noch schnell verbessert werden.

18.00 Uhr: Und wieder die Glocke, die Mamas warten schon. Hasta mañana! Bis morgen!

18.05 Uhr: Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Nur der Atmunsapperat ist noch nicht fertig…

18.25 Uhr: Endlich! Kein Meisterwerk, aber immerhin fehlt nichts. Auch das letzte Kind geht nach Hause.

18.30 Uhr: Die Bastelarbeiten für den Muttertag werden noch bisschen verschönert. Zusammengekehrt wird auch nochmal.

18.55 Uhr: Zeit zu gehen. Sind alle Fenster zu? Die Lichter aus? Die Türen zu?

19.05 Uhr: Komme nach hause. Habe Hunger und bin müde. Unterhalte mich mit meiner Gastmama, ihre Mutter ist krank.

19.30 Uhr: Wir essen zu Abend. Heute kam auch mein Gastvater wieder, er arbeitet immer 4 Tagesschichten in der Miene. Mein Bruder ist noch nicht da, meine Schwester hat seit 18.00 Uhr wieder Uni. Mein Gastvater fragt mich, wie es ist im Zug zu reisen und ob es da laut ist. Ist es im Zug laut? Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr richtig daran.

20.10 Uhr: Mein Bruder kommt von der Uni nach hause, erzählt von seinem Tag, ist verärgert über seine Kameraden und Professoren. Hab irgendwie keine Lust mir das auch wieder anzutun, bin dankbar für mein derzeitiges Leben.

20.40 Uhr: Helfe meiner Mama noch bisschen beim Abspülen. Also eigentlich leiste ich ihr nur Gesellschaft, denn ihrer Meinung nach ist das Wasser viel zu kalt für meine Hände, da werde ich nur krank. Ich kapituliere, spüle ab, wenn sie nicht da ist.

21.00 Uhr: Es wird still im Haus. Meine Eltern gehen schalfen, stehen beide morgen wieder früh auf. Da dreht mein Bruder seine Musik auf. Nun, dann werde ich jetzt wohl noch bisschen lateinamerikanische Musik hören, hat zum Glück einen guten Musikgeschmack.

22.10 Uhr: Kann jetzt Filme auf 3 Sprachen schauen, die Auswahl ist dadurch deutlich größer…

23.30 Uhr: Die ersten Nachrichten aus Deutschland erreichen mich. Ein Zeichen zu schlafen.. Gute Nacht, freue mich schon auf Morgen!

 

So könnte irgendein Tag aussehen, der nächste wäre dann allerdings schon wieder einen anderen Eintrag wert. Hier gibt es kaum Routine, vor allem morgens mache ich eben das, was anfällt. Ich gehe mit einem Kind zum Arzt, besuche Familien oder Schulen, gehe einkaufen oder manchmal ist es auch sehr ruhig und ich verbringe die Stunden mit basteln.
Ich würde also nicht sagen, dass ihr gerade mein Alltag erfahren habt, aber zumindest ein Beispiel, wie ein Tag aussehen könnte. Ich hoffe es hat euch gefallen, bis zum nächsten Mal!

Julia

 

Endlich Sommerferien! – „Vacaciones“ im Kinderheim

Montag, 22. Mai 2017 von Konstantin

Mit Jesús, Matias, Luis und Juan-Carlos beim Fútbol Americano zocken, und das in der prallen Morgensonne

„Schreib‘ mal wieder einen Blog!“

Das habe ich jetzt in letzter Zeit immer häufiger gesagt bekommen. Mittlerweile ist das schon leichter gesagt als getan: Nach fast zehn Monaten hier in Ecuador, im Casa Hogar de Jesús, ist das meiste Alltag geworden. „Worüber soll ich eigentlich erzählen? Ist doch alles wie immer…“.

Dennoch versuche ich es mal: Es ist immer noch jeden Tag heiß (25° plus). Es regnet immer noch mindestens einmal pro Tag. Ich bin immer noch dabei, mein Spanisch Stückchen für Stückchen zu verbessern.

Wobei, eigentlich ist ja doch einiges passiert: Schon während meiner Reise mit Alexander und Felix begannen hier die zweimonatigen Schulferien. Als ich von der Reise wiederkam, wurde ich direkt voll ins Programm mit eingebunden: Ich hatte viele neue Aufgaben, die mir wirklich Spaß gemacht haben, an oberster Stelle: Jeden Tag eine Stunde Sport mit jeweils unterschiedlichen Gruppen, in denen ich anbieten konnte was ich wollte. Zum Lieblingsspiel der Kids in meinen Sportstunden entwickelte sich schnell: „Fútbol Americano“, also American Football. Dies habe ich häufig mit den Kids in einer leicht umgeänderten Version gespielt. Es kam glaube ich deshalb so gut an, da dies durchaus ein Spiel ist, in dem man mit viel Körpereinsatz und Präsens spielen darf, aber dennoch alles im Rahmen der Fairness und der Verhältnismäßigkeit bleiben muss. So funktionierte das Spiel meistens sogar gut in den unausgeglichenen Gruppen, d.h. die Gruppen, in denen sowohl Zehnjährige, aber auch Fünfzehnjährige teilgenommen haben.

Des Weiteren habe ich die älteren Kids in der Gartenarbeit und in der Küche unterstützt: Die Jugendlichen bekamen die Möglichkeit, jeden Vormittag im großen Garten und in der Küche des Heimes zu arbeiten, um so einerseits handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen, aber auch um sich ein Taschengeld für die Zeit zu verdienen, wenn sie das Heim wieder verlassen.

Juan, beim Arbeiten mit dem Küchenteam

Josue, beim Abholzen eines kaputten Pfefferbaums

Der Wiederbeginn der Schule gestaltete sich unerwartet stressig: Zwei Tage vor Schulbeginn wurde mir gesagt, dass ich die Schulmaterialien für die Kinder vorbereiten solle. Dabei dachte ich, dass das wohl locker gehen wird, die paar Bleistifte und Hefte zusammenzusuchen. Dabei hatte ich aber nicht damit gerechnet, dass jedes Kind für das Schuljahr eine „listisima“, also eine riieeesige Liste mit Schulartikeln benötigt. Auf Nachfrage, wieso denn ein Kind von sieben Jahren so einen Berg an Materialien braucht, wurde mir geantwortet, dass der Staat diese Materiallisten voraussetze. Alle Materialien einer Liste zusammen kosten schnell mal zwischen 60-100 $. Da habe ich mich schon gefragt, ob man so etwas von einer finanziell schwachen Familie verlangen kann, die monatlich vielleicht 400 $ für Alles hat.

Von mir, mit voller Freude, aufgeräumter Materialraum

Mit dem Wiederbeginn der Schule hat sich auch mein Arbeitsplan zum erneuten Male vollkommen verändert: Einerseits habe ich wieder begonnen, den Kids aus den Nivelierungsklassen des Heimes Englischunterricht zu geben.  Der Unterricht an sich läuft irgendwie besser, als vor den Ferien: Vor den Ferien dachte ich immer, dass ich den Druck hätte, wirklich allen gleichviel beizubringen. Dadurch wurde es häufig, gerade bei den älteren Jungs, stressig. Auch, da ich lediglich 1,5 Jahre älter bin als einige von ihnen. Dementsprechend hatte ich mir für nach den Ferien vorgenommen: Entspannter sein, und: wer kein Bock hat, hat kein Bock, nicht mein Problem. Auch wenn diese Einstellung natürlich meinerseits egoistisch klingt, funktioniert es damit besser: Da ich so weniger in einer strengen Position dastehe, und dadurch auch den Kids mehr Respekt an sich entgegenbringe, bringen die meisten auch mir mehr Respekt entgegen, was sich dadurch äußert, dass eigentlich alle, zumindest bis zu einem gewissen Maße, gut im Unterricht mitmachen.

Auch mein Sportprogramm führe ich zu einem kleinen Teil fort: Zweimal die Woche habe ich jetzt Sportunterricht mit den Jungs, die ausschließlich im Heim unterrichtet werden. Interessant ist, dass viele der in Deutschland klassischen Sportkinderspiele völlig unbekannt sind. Mittlerweile spiele ich mit den Kids Spiele wie Pommesfangen (ganz einfaches Fangenspiel), oder auch Feuer Wasser Blitz., und sogar Popcornfangen.

Eine Sache, die noch interessant ist zu erzählen: Nach zehnjähriger Präsidentschaft unter Rafael Correa, fanden in den letzten Monaten die Wahlen für seinen Nachfolger statt. Kopf an Kopf standen sich: Guillermo Lasso, neoliberaler Kandidat, möchte Steuern senken und eine Million neue Arbeitsplätze schaffen. Auf der anderen Seite: Lenín Moreno, aus der gleichen Partei wie der bisherige Präsident, möchte Sozialprogramme fortführen und ausweiten, genauso die Erdölförderung weiter ausbauen und das dadurch erwirtschaftete Geld für Sozialausgaben verwenden. Er selber nennt die Politik seiner Partei: „Lateinamerikanischer Sozialismus des 21. Jahrhunderts“.

Menschenmenge bei Kundgebung für Präsidentschaftskandidaten Lenín Moreno

Die Wahl gestaltete sich als Kopf- an Kopfrennen: Während die ersten Medien schon einen Wahlsieg des Neoliberalen Lasso verkündeten, gewann am Ende doch ganz knapp der „Sozialist“ Lenín Moreno.

Auch in meinem Kollegen- und Bekanntenkreis gab es sowohl Befürworter des Einen, als auch des Anderen.

Ich selber bin erst zu kurz hier und auch zu uninformiert, um mir ein abschließendes Urteil erlauben zu dürfen, dennoch denke ich, dass mit der Wahl Leníns definitiv das deutlich kleinere Übel gewählt wurde.

Generell aber hat mich erfreut zu sehen, wie diskussions- und politikfreudig hier viele Menschen im Hinblick auf die Wahlen waren. Das äußerte sich durch Straßenkundgebungen, Fahnen an Haus und Auto, usw. Außerdem wurde meistens nicht die Konfrontation gescheuht, wenn jemand sagte, dass er anderer Meinung ist.

Den neuen Präsidenten habe ich übrigens schonmal live bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cuenca gesehen:

Lenín Moreno, auf Wahlkampfbühne. Hielt an dieser Stelle eine sehr beeindruckende Rede

Soooo, Word sagt mir, ich habe schon an dieser Stelle 804 Wörter, weswegen ich schnellstmöglich ein „Tschüß“ finden sollte.

Viele Grüße und Tschüß,

euer Konni

 

Made in Cambodia

Donnerstag, 18. Mai 2017 von Sophia Koch

Um ehrlich zu sein wusste ich kaum etwas über Kambodscha bevor ich mich für das Projekt hier entschied. Ich wusste, dass sich Kambodscha in Asien befindet. Dennoch musste ich erst mal auf der Karte suchen wo genau das denn jetzt war. Ich lernte Kambodscha NICHT mit Kasachstan zu verwechseln.

Was ich jedoch über Kambodscha wusste war, dass dort Kleidung produziert wird, die ich und viele meiner Freunde in Modeläden einkaufen. Kambodscha ist ein Land vieler (Textil-) Fabriken. „Made in Cambodia“ heißt es auf einem kleinen Etikett in einigen meiner Kleidungsstücke.  Nun lebe ich seit mehreren Monaten im Land, wo meine Kleidung hergestellt wurde. (Ein in Kambodscha produziertes T-Shirt habe ich sogar mit dabei, ich habe es zurück zum Ort seiner Entstehung gebracht.)                                                 Auf dem Weg von Phnom Penh (Hauptstadt Kambodschas) zu meinem Projekt in Takeo komme ich immer an  einigen Fabriken vorbei. Ich sehe die Transportwagen auf deren Ladeflächen Arbeiter, meist Frauen dicht an dicht gedrängt zu den Fabriken und nach getaner Arbeit zurück nach Hause fahren. Ich weiß nicht viel mehr über diese Fabriken als das, was ich sehe und was ich von Einheimischen höre. Ich bin weiß Gott kein Experte in diesem Gebiet ebenso wenig konnte ich eine Fabrik von innen besichtigen oder einen Fabrikarbeiter zu diesem Thema befragen. So sind alle diese Angaben ohne Gewähr und alle meiner subjektiven Wahrnehmung folgend.                                                                           Ich weiß dass Fabrikarbeiter zu sein einer der schlechter bezahlten Berufe in Kambodscha ist, wenn nicht der schlechteste. Eine alleinerziehende Mutter kann mit ca.140$ (festgesetzter Mindestlohn) im Monat keine mehrköpfige Familie verpflegen. 140$ im Monat. 4,7$ pro Tag. Ich kann nicht von so wenig Geld leben. Auch wenn essen und trinken hier um ein vielfaches günstiger zu erhalten ist als in Deutschland (ein ganz einfaches Mittagessen für ca. 0,50$) reichen tut es trotzdem nicht. Die Arbeitsbedingungen sind zu dem häufig schlecht. Gesundheitlich Standards häufig nicht erfüllt. Was tun wenn man krank wird (es gibt keine Krankenversicherungen)? Kein Geld für den Arzt. Es sind zumeist keine Ausbildungen oder ähnliche Qualifikationen nötig um in einer Fabrik arbeiten zu können. Das macht es einem einerseits einfach einen Job dort zu bekommen, andererseits macht das jeden Arbeiter aber auch entbehrlich.

In Phnom Penh  leben viele der Fabrikarbeiter in vierteln am Rande der Stadt in großen Plattenbauten. Dort ist es sehr schmutzig. Die Wohnungen sind sehr klein und es wohnen zu viele Menschen darin. Es ist nicht besonders hygienisch.                                                        Für die eigenen Kinder zu sorgen und ihnen eine Schulbildung zu finanzieren ist unter diesen Bedingungen nicht immer möglich. Denn obwohl die öffentlichen Schulen kostenlos sind müssen Kinder trotzdem für „extra Stunden“ zahlen, in denen der Lehrer essentiellen und prüfungsrelevanten Unterrichtsstoff unterrichtet.

Unter den Kindern hier in WOCC ist auch ein siebenjähriges Mädchen, die nicht zuhause wohnen kann, da sowohl ihre alleinerziehende Mutter als auch ihre  sechzehnjährige Schwester den ganzen Tag in einer Fabrik arbeiten müssen. Sie ist hier um eine Schulbildung zu bekommen. Um mit 16 nicht arbeiten zu müssen sondern zur Schule gehen zu dürfen und um eine arbeitsfreie Kindheit zu haben.

Aber nicht alles an den Fabriken ist schlecht. Frauen (denn das ist die Mehrheit der Fabrikarbeiter) bekommen die Möglichkeit zu arbeiten und ihre Familie mitzufinanzieren. Der Lohn ist in den letzten Jahren zudem um einiges gestiegen und beträgt nun minimal 140$ im Monat. Alleinerziehende Mütter haben somit eine Möglichkeit ihre Kinder zu unterstützen. Es gibt eine Alternative für eine unausgebildete Frau zur Arbeit als Prostituierte und/ oder Kellnerin in einer der vielen Karaoke Bars.

Das „Made in Cambodia“- Schildchen ist kein Gütesiegel, es steht nicht für fairen Handel oder besonders hohe Qualität des Produkts. Das zeigen schon die Preise für die ich diese Kleider erworben habe.                                                                                                   Warum kaufen wir trotzdem diese Kleider? Warum, wenn wir doch durch die Medien über die schlechten Arbeitsbedingungen wissen? Warum muss ich die billigste Kleidung kaufen, die es gibt? Billig und viel. Ein T-Shirt 5€. Ist weniger nicht mehr? Weniger Kleidung, mehr Qualität? Ich kann mir faire Kleidung leisten. Wenn nicht Fair Trade dann zumindest Second Hand. Weshalb unterstütze ich dieses System? Weshalb müssen andere Menschen für mich am Existenzminimum leben? Damit ich mich immer nach der neusten Mode kleiden und ein anderes T-Shirt für jeden Tag des Jahres tragen kann?

Sollte ich also überhaupt keine in Kambodscha produzierten Kleider mehr kaufen, entsprechende Läden vermeiden? Diese Frage  habe ich einen einheimischen Mitarbeiter des Projekts WOCC gefragt. Seine Antwort: Die Produkte nicht zu kaufen schadet der kambodschanischen Wirtschaft mehr als dass es dem einzelnen Fabrikarbeiter hilft. Es ist an der Regierung Gesetze gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu erlassen, den Mindestlohn für Fabrikarbeiter zu erhöhen etc.

Es ist vermutlich gar nicht möglich dem „Made in Cambodia“  Schild und all dem für das es stehen kann, im alttäglichen Leben völlig zu entkommen. Das rechtfertigt jedoch kein exzessives Kaufverhalten zu Dumpingpreisen.  Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln oder sich einfach immer mal wieder zu fragen: wo kommt meine Kleidung eigentlich her und was bedeutet das im Einzelnen? Ich glaube das wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist mir meine Kleidung wert? -Am Ende entscheidet das jeder selbst.

 

An einem Ort den nicht einmal Google kennt…

Dienstag, 16. Mai 2017 von Lea

Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser, schönes Hotel, gutes Essen.

Für viele mag so das Paradies auf Erden aussehen- doch in diesem Blogeintrag möchte ich euch von einem ganz anderen kleinen Paradies berichten, das ich in den Ostertagen kennenlernen durfte. (Ich weiß ist auch schon eine Weile her- aber besser spät als nie ;))

Los ging es an einem Mittwochmorgen mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Wohin? Das wussten wir in diesem Moment auch nicht genau und was uns erwarten wurde erst recht nicht, aber wir gehen es nicaraguanisch an: mit Spontanität und Geduld. Das, was wir wussten war: Es geht in  die Berge Nicaraguas in die Region Chontales um dort eine Bauerngemeinde während der Ostertage zu begleiten. Und so kam es, dass ein nicaraguanisches Lehrerpaar, 5 Schülerinnen und 2 deutsche Freiwillige, 5 Säcke gespendeter Kleidung und 4 Säcke gespendeter Lebensmittel sich in einem alten Schulbus auf den Weg machten. Es wurden noch weitere Jugendliche, Schwestern und Säcke eingesammelt bis wir nach stundenlanger Busfahrt in Juigalpa, der größten Stadt der Region Chontales ankamen. Nach weiterer Wartezeit (Stichpunkt Geduld) wurden wir dann auf verschiedene Pickups geladen, die jeweils in verschiedene Bergdörfer fahren sollten.

Auf der Pickup Ladeflache sitztend mit erfrischendem Wind im Gesicht und beeindruckender Aussicht auf eine sich stetig veränderndere Landschaft, ging es so tiefer in die Berge. Alles wurde grüner und kühler und das erste Mal seit langer Zeit hatte ich wieder den Geruch von feuchtem Grass in der Nase und das angenehme Gefühl nicht schwitzen zu mussen. Irgendwann hielten wir dann an einer kleinen aus Holz gebauten Kapelle und wurden begrüßt. Zu Fuß machten wir uns dann weiter auf dem Weg zu einem Haus, dass für diese Tage unsere Schlafgelegenheit sein sollte. Kurzerhand wurde es mit weiteren Tijeras (im Prinzip ein Holzgestell, auf das eine Plane gespannt wird) und einem improvisiertem Bett ausgestattet. Zum Abendessen wurden wir zu einer sehr herzlichen Familie nach Hause eingeladen. Und so saßen wir dann gemütlich bei Kerzenschein/im Dunklen (die meisten Häuser haben keinen Strom) an einem Holztisch bei Reis und Bohnen und cosas del horno (Gebäckstücken). Auch die folgenden Tage wurden wir von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und uns wurde liebevoll alles was möglich war aufgetischt. Es ist wahrnsinnig beeindruckend, wie viel uns die Menschen geschenkt und gegeben haben, obwohl sie sehr einfach und oft nur mit dem aller Nötigsten leben.

Unser Haus für die Ostertage

 

Die Nacht war extrem kalt und die Meldung am morgen, dass im Fluss geduscht wird nicht sonderlich verlockend. Doch alles war halb so wild und ich muss sagen es hatte wirklich etwas in der Natur an einem Bach zu stehen und sich zu waschen. Am ersten Tag haben wir dann verschiedene Familie , die sehr verstreut und teilweise weit auseinander leben, besucht um sie zu den verschiedenen Versanstaltungen und Messen einzuladen. Und wieder wurden wir sehr herzlich begrüsst und mit Pinol (ein typisches Getränk in Nicaragua), Cafe, oder Gebäck versorgt. Am Nachmittag fand dann die erste Messe statt und wir haben anschließend mit den Kindern gemalt und gespielt.

Der nächste Tag, der Freitag, der 14.04., war auf zwei Weisen besonders für mich. Zum einen war es der Karfreitag und zum anderen mein erster Geburtstag an einem Ort, den ich kaum kannte, und mit Menschen, die ich auch erst seit kurzem kannte. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, sondern war ein sehr schöner und emotionaler Tag. Zuerst begingen wir den Kreuzweg und trafen uns danach in der Kapelle zu einer sehr rührende und emotionalen Wortgottesdienst. Am Abend wurden dann die Essenspackete gepackt und währenddessen bei Cafe und cosas del orno  Geburtstagsliedern für mich gesungen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Am Samstag veranstalteten wir den ganzen Tag Programm mit der Gemeinde: Fangenspielen, Gesichter bemalen, Piñata, Bilder ausmalen, die gespendete Kleidung verteilen und am Abend fand dann der Höhepunkt der Ostertage statt: die Vigilia. Angefangen mit Osterfeuer, dann Gottesdienst mit Gesang und Kerzen und einer der besten Predigten, die ich bin jetzt gehöht habe- von einem einfachen Bauern mit  riesigen Herz. Und so kam es, dass ich an einem Ort den nicht einmal Google kennt, in einer Kapelle mit  unglaublich großzügigen Menschen und mit  fröhlichem Gesang ung Jubelrufen Ostern gefeiert habe.

Beim Kleider sortieren…

Mehr Pferde als Autos auf dem „Kirchenparkplatz“

Dass uns der Abschied am nächsten Morgen sehr schwer gefallen ist,  brauche ich glaub ich gar nicht zu erzählen. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie schnell man Menschen in sein Herz schießen kann, wie tief der Glaube der Menschen dort ist und wie unglaublich viel ich aus diesen paar Tagen mitnehmen werde! Ich glaube diese Tage waren einer der außergewöhnlichsten , die ich bis jetzt hier in Nicaragua erlebt habe und ich werde mich immer gerne an sie zurückerinnern!

 

 

Eindrucksvolles Bolivien

Samstag, 13. Mai 2017 von Julia

 

Ein Blick von El Alto auf La Paz

Jetzt ist es schon wieder Mai und ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Zu meiner Ausrede: Ich hatte wirklich viel zu tun. Aber jetzt habe ich wenigstens viel zu erzählen, aber verzeiht mir, wenn ich nicht alles bis ins kleinste Detail erzähle;-)  Alles fing im Dezember mit Weihnachten an. Meine bisherige Vorstellung war nicht allzu groß und auch in Bezug zum Heimweh habe ich mir keine allzu große Gedanken gemacht, sind ja schließlich nur 3 Tage…. Doch es kam anders als gedacht. Ich habe meine Familie und Freunde schrecklich vermisst. Aber Grüße meiner Familie, meiner Freunde und Bekannten aus meiner Gemeinde haben mir gut getan; außerdem war es schön, meine Gastfamilie, die ich sehr lieb gewonnen habe, um mich zu haben, so wurde ich wenigstens etwas von zu Hause abgelenkt.

Dann hat sich spontan ergeben, dass Danica, die Freiwillige des Kindermissionswerkes in Sucre, direkt nach Weihnachten nach La Paz kam und wir uns getroffen haben; aus eigentlich geplanten drei Tagen in La Paz wurden dann doch mehr: noch ein Ausflug zum Laga Titicaca, nach Tiahuanaco, einer alten Inkastadt, nach Potosi, nach Uyuni in die Salzwüste und letztendlich nach Sucre, wo dann auch unser gemeinsames Zwischenseminar stattgefunden hat. Alles in allem eine unglaublich schöne Zeit, die nach vielen Monaten Arbeit und des Eingewöhnens auch nötig war.

 

Danica und ich in der Salzwüste

Kurz darauf hat Rosse, eine Erzieherin aus meinem Projekt, mich gefragt, ob ich an Karneval in Oruro „Tobas“ mit einer Tanzgruppe tanzen würde. Natürlich fiel mir die Antwort auf die Frage, ob ich beim größten Karneval in Bolivien tanzen wolle, sehr leicht. Darauf folgten einige Wochen harter Arbeit, in denen wir uns mehrmls wöchentlich trafen, um die Schritte einzuüben. Alles in allem ziemlich anstrengend und auch alles ziemlich überwältigend. Und dann war es endlich soweit. Es war Ende Februar und die Karnevalstage standen bevor. Ich, schon total aufgeregt, wie es sein würde, versuchte mir schon auszumalen, was mich erwarten würde, was natürlich nicht ansatzweise dem entsprach, wie es dann tatsächlich war: es war viel größeer, bunter und lauter, einfach viel besser, als ich es mir je hätte vorstellen können, und ich tanzend mittendrin, war einfach der Hammer!!!

Unsere Tanzgruppe

 

Und trotz der vielen Aufregung und Anstrengung blieb mir dennoch keine Zeit zum Ausruhen, denn in der darauffolgenden Woche sollte Verstärkung aus Deutschland kommen. Eine deutsche Praktikantin, Fidelis, ist seit Anfang März da und wir verstehen uns schon wirklich super!  Einfach toll, sich mal wieder richtig in unserer Muttersprache unterhalten zu können.

Doch damit nicht genug; jetzt schaffe ich es , mich mal in Ruhe hinzusetzen, um etwas für euch zu  schreiben und euch zu berichten. Über Ostern haben Danica, Fidelis und ich uns getroffen und sind für ein paar Tage nach Tarija gefahren.

Lagunas Coloradas/farbige Lagunen

 Es ist in den letzten Monaten ganz schön viel passiert. Ich hoffe, die Bilder helfen dabei, Euch einen kleinen Überblick in mein Leben hier in Bolivien zu verschaffen. Ich versuche jetzt wieder etwas regelmäßiger zu schreiben, doch allzu viel Zeit bleibt da nicht mehr, nur noch knappe drei Monate und das Jahr ist vorbei. Ganz schön krass, wie schnell die Zeit vergeht und eigentlich möchte ich noch gar nicht weg, so gut gefällt es mir hier…. Die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen und die Arbeit macht mir riesig viel Freude. Doch noch bleibt ja Zeit und die sollte und möchte ich genießen, also bis dahin

Eure Julia