Alltag – oder zumindest ein Tag aus meinem Leben

Mittwoch, 24. Mai 2017 von Julia Wolf

 

06.30 Uhr: Ich werde wach, mein Gastbruder muss in die Uni.. wie hab ich es jemals geschafft so früh auszustehen? Ich dreh mich nochmal um.

07.30 Uhr: Der Wecker klingelt… Ich liebe die Schlummertaste.

07.55 Uhr: Die Nachrichten aus Deutschland sind beantwortet. Aber aus dem warmen Bett raus?

08.15 Uhr: Zeit aufzustehen. Sachen zusammenpacken, umziehen.

08.25 Uhr: Jetzt frühstücken, heute wieder Quinoa mit manjar blanco und Brot. Kurz mit meiner Gastmami sprechen.. unglaublich diese Frau, ist schon seit 5 Uhr wach. Zeug abspülen.

08.45 Uhr: Ich muss los. MICANTO ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes nur um die Ecke, aber ich muss noch Brot für den Nachmittag kaufen. Und duschen.

08.55 Uhr: Warmes Wasser ist eine Wohltat! Und heute kommt es sogar heiß.. das Leben kann so schön sein.

09.10 Uhr: Fast pünktlich! Chana wartet schon auf mich. Fange an, ein neues Projekt MICANTOs auf deutsch zu übersetzen. Heißt es durch oder mit? Ich muss mal wieder nach einem Synonym für Möglichkeit suchen. Danke Internet!

10.00 Uhr: Ich brauche eine Pause! Mache die Büros sauber… Wer hätte das gedacht, ich vermisse einen Staubsauger, das von mir am meisten verhasste Haushaltsgerät.

10.20 Uhr: Bin am Buchstaben ausschneiden. Motivationssätze für die Kinder, die nachmittags kommen, um ihre Hausaufgaben zu machen. Hab das R schon wieder falschrum geschnitten… also nochmal.

11.15 Uhr: Wir gehen nach Shudal, dem ländlichen Teil Cajamarcas. Suchen ein Jungen, der uns ein Interview zum Thema Kinderarbeit geben soll. Chana fängt an seinen Namen zu rufen, wir können nicht zu seinem Haus, sonst fressen uns die Hunde.

12.30 Uhr: Er hat alle Fragen beantwortet, ein fleißiger Junge! Unvorstellbar für mich, als Kind arbeiten zu müssen. Für ihn die einzige Möglichkeit.

13.10 Uhr: Zeit nach Hause zu gehen… Ich habe Hunger!

13.40 Uhr: Nach der Suppe gibts natürlich Reis mit Pommes und Hühnchen. Meine Schwester beschwert sich über zu viel Reis… mir schmeckts.

13.50 Uhr: Das aktuelle Weltgeschehen wird diskutiert. Sie sind besorgt, bieten mir Schutz an, wenn die USA Russland angreifen soll. Da ist die Lage Deutschlands ja eher als schlecht einzuschätzen. Da haben sie wohl Recht.

14.10 Uhr: Mal wieder sehr unterhaltsam, das Mittagessen. Und jetzt noch Pause, ich muss dringend mein Zimmer kehren. Aber ich bevorzuge dann doch mich ne halbe Stunde hinzulegen… mach ich heut abend.

14.58 Uhr: Ich muss los.. sag meiner Schwester Bescheid, die arbeitet auch in MICANTO mit. Aber ist eher als unpünktlich zu beschreiben, ich warte also noch auf sie.

15.10 Uhr: Bin heute erstmal bei den Kleinsten, den Kindern aus der ersten und zweiten Stufe. Wie bringt man dem einem Kind lesen bei?

15.35 Uhr: Suche inzwischen die wichtigsten Schrifsteller Perus raus… interessant. Aber hauptsache kurz, diese Anweisung hab ich von einem Kind aus der sechsten Klasse bekommen. Ich drucke es ihm aus, ist so mittellang geworden, weiß jetzt schon, dass er sich das nicht durchlesen wird.

16.02 Uhr: Ohje, direkte Proportionalität. Und was ist der Unterschied zwischen pflanzlicher und menschlicher Zelle? Ich wusste das doch alles mal!

16.30 Uhr: Die Glocke klingelt. Zeit für den Zwischensnack und eine halbe Stunde spielen. Nach dem Hände waschen wird gebetet und dann gegessen. In einem Rekordtempo versteht sich, geht ja alles von der Zeit zum Spielen weg.

16.59 Uhr: Das Fußballspiel ist im vollem Gange.  Oho, gleich ist fünf, dann müssen die Hausaufgaben weiter gemacht werden.

17.02 Uhr: Und es wird gemeckert, wie immer. Das letzte Tor entscheidet.

17.05 Uhr: Der menschliche Atmungapperat muss noch gebastelt werden. Wissen die Lehrer eigentlich, was das für ´ne Arbeit ist? Und, dass die Materialien Geld kosten, das nicht jedes Kind hier hat?

17.35 Uhr: Leichte Panik: es fehlt noch über die Hälfte. Die anderen gehen zum Lesen in die Bibliothek.

17.55 Uhr: Der Raum muss gekehrt werden, der Atmungsapperat ist noch nicht fertig, die Matheaufgabe muss noch schnell verbessert werden.

18.00 Uhr: Und wieder die Glocke, die Mamas warten schon. Hasta mañana! Bis morgen!

18.05 Uhr: Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Nur der Atmunsapperat ist noch nicht fertig…

18.25 Uhr: Endlich! Kein Meisterwerk, aber immerhin fehlt nichts. Auch das letzte Kind geht nach Hause.

18.30 Uhr: Die Bastelarbeiten für den Muttertag werden noch bisschen verschönert. Zusammengekehrt wird auch nochmal.

18.55 Uhr: Zeit zu gehen. Sind alle Fenster zu? Die Lichter aus? Die Türen zu?

19.05 Uhr: Komme nach hause. Habe Hunger und bin müde. Unterhalte mich mit meiner Gastmama, ihre Mutter ist krank.

19.30 Uhr: Wir essen zu Abend. Heute kam auch mein Gastvater wieder, er arbeitet immer 4 Tagesschichten in der Miene. Mein Bruder ist noch nicht da, meine Schwester hat seit 18.00 Uhr wieder Uni. Mein Gastvater fragt mich, wie es ist im Zug zu reisen und ob es da laut ist. Ist es im Zug laut? Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr richtig daran.

20.10 Uhr: Mein Bruder kommt von der Uni nach hause, erzählt von seinem Tag, ist verärgert über seine Kameraden und Professoren. Hab irgendwie keine Lust mir das auch wieder anzutun, bin dankbar für mein derzeitiges Leben.

20.40 Uhr: Helfe meiner Mama noch bisschen beim Abspülen. Also eigentlich leiste ich ihr nur Gesellschaft, denn ihrer Meinung nach ist das Wasser viel zu kalt für meine Hände, da werde ich nur krank. Ich kapituliere, spüle ab, wenn sie nicht da ist.

21.00 Uhr: Es wird still im Haus. Meine Eltern gehen schalfen, stehen beide morgen wieder früh auf. Da dreht mein Bruder seine Musik auf. Nun, dann werde ich jetzt wohl noch bisschen lateinamerikanische Musik hören, hat zum Glück einen guten Musikgeschmack.

22.10 Uhr: Kann jetzt Filme auf 3 Sprachen schauen, die Auswahl ist dadurch deutlich größer…

23.30 Uhr: Die ersten Nachrichten aus Deutschland erreichen mich. Ein Zeichen zu schlafen.. Gute Nacht, freue mich schon auf Morgen!

 

So könnte irgendein Tag aussehen, der nächste wäre dann allerdings schon wieder einen anderen Eintrag wert. Hier gibt es kaum Routine, vor allem morgens mache ich eben das, was anfällt. Ich gehe mit einem Kind zum Arzt, besuche Familien oder Schulen, gehe einkaufen oder manchmal ist es auch sehr ruhig und ich verbringe die Stunden mit basteln.
Ich würde also nicht sagen, dass ihr gerade mein Alltag erfahren habt, aber zumindest ein Beispiel, wie ein Tag aussehen könnte. Ich hoffe es hat euch gefallen, bis zum nächsten Mal!

Julia

 

Endlich Sommerferien! – „Vacaciones“ im Kinderheim

Montag, 22. Mai 2017 von Konstantin

Mit Jesús, Matias, Luis und Juan-Carlos beim Fútbol Americano zocken, und das in der prallen Morgensonne

„Schreib‘ mal wieder einen Blog!“

Das habe ich jetzt in letzter Zeit immer häufiger gesagt bekommen. Mittlerweile ist das schon leichter gesagt als getan: Nach fast zehn Monaten hier in Ecuador, im Casa Hogar de Jesús, ist das meiste Alltag geworden. „Worüber soll ich eigentlich erzählen? Ist doch alles wie immer…“.

Dennoch versuche ich es mal: Es ist immer noch jeden Tag heiß (25° plus). Es regnet immer noch mindestens einmal pro Tag. Ich bin immer noch dabei, mein Spanisch Stückchen für Stückchen zu verbessern.

Wobei, eigentlich ist ja doch einiges passiert: Schon während meiner Reise mit Alexander und Felix begannen hier die zweimonatigen Schulferien. Als ich von der Reise wiederkam, wurde ich direkt voll ins Programm mit eingebunden: Ich hatte viele neue Aufgaben, die mir wirklich Spaß gemacht haben, an oberster Stelle: Jeden Tag eine Stunde Sport mit jeweils unterschiedlichen Gruppen, in denen ich anbieten konnte was ich wollte. Zum Lieblingsspiel der Kids in meinen Sportstunden entwickelte sich schnell: „Fútbol Americano“, also American Football. Dies habe ich häufig mit den Kids in einer leicht umgeänderten Version gespielt. Es kam glaube ich deshalb so gut an, da dies durchaus ein Spiel ist, in dem man mit viel Körpereinsatz und Präsens spielen darf, aber dennoch alles im Rahmen der Fairness und der Verhältnismäßigkeit bleiben muss. So funktionierte das Spiel meistens sogar gut in den unausgeglichenen Gruppen, d.h. die Gruppen, in denen sowohl Zehnjährige, aber auch Fünfzehnjährige teilgenommen haben.

Des Weiteren habe ich die älteren Kids in der Gartenarbeit und in der Küche unterstützt: Die Jugendlichen bekamen die Möglichkeit, jeden Vormittag im großen Garten und in der Küche des Heimes zu arbeiten, um so einerseits handwerkliche Fähigkeiten zu erlernen, aber auch um sich ein Taschengeld für die Zeit zu verdienen, wenn sie das Heim wieder verlassen.

Juan, beim Arbeiten mit dem Küchenteam

Josue, beim Abholzen eines kaputten Pfefferbaums

Der Wiederbeginn der Schule gestaltete sich unerwartet stressig: Zwei Tage vor Schulbeginn wurde mir gesagt, dass ich die Schulmaterialien für die Kinder vorbereiten solle. Dabei dachte ich, dass das wohl locker gehen wird, die paar Bleistifte und Hefte zusammenzusuchen. Dabei hatte ich aber nicht damit gerechnet, dass jedes Kind für das Schuljahr eine „listisima“, also eine riieeesige Liste mit Schulartikeln benötigt. Auf Nachfrage, wieso denn ein Kind von sieben Jahren so einen Berg an Materialien braucht, wurde mir geantwortet, dass der Staat diese Materiallisten voraussetze. Alle Materialien einer Liste zusammen kosten schnell mal zwischen 60-100 $. Da habe ich mich schon gefragt, ob man so etwas von einer finanziell schwachen Familie verlangen kann, die monatlich vielleicht 400 $ für Alles hat.

Von mir, mit voller Freude, aufgeräumter Materialraum

Mit dem Wiederbeginn der Schule hat sich auch mein Arbeitsplan zum erneuten Male vollkommen verändert: Einerseits habe ich wieder begonnen, den Kids aus den Nivelierungsklassen des Heimes Englischunterricht zu geben.  Der Unterricht an sich läuft irgendwie besser, als vor den Ferien: Vor den Ferien dachte ich immer, dass ich den Druck hätte, wirklich allen gleichviel beizubringen. Dadurch wurde es häufig, gerade bei den älteren Jungs, stressig. Auch, da ich lediglich 1,5 Jahre älter bin als einige von ihnen. Dementsprechend hatte ich mir für nach den Ferien vorgenommen: Entspannter sein, und: wer kein Bock hat, hat kein Bock, nicht mein Problem. Auch wenn diese Einstellung natürlich meinerseits egoistisch klingt, funktioniert es damit besser: Da ich so weniger in einer strengen Position dastehe, und dadurch auch den Kids mehr Respekt an sich entgegenbringe, bringen die meisten auch mir mehr Respekt entgegen, was sich dadurch äußert, dass eigentlich alle, zumindest bis zu einem gewissen Maße, gut im Unterricht mitmachen.

Auch mein Sportprogramm führe ich zu einem kleinen Teil fort: Zweimal die Woche habe ich jetzt Sportunterricht mit den Jungs, die ausschließlich im Heim unterrichtet werden. Interessant ist, dass viele der in Deutschland klassischen Sportkinderspiele völlig unbekannt sind. Mittlerweile spiele ich mit den Kids Spiele wie Pommesfangen (ganz einfaches Fangenspiel), oder auch Feuer Wasser Blitz., und sogar Popcornfangen.

Eine Sache, die noch interessant ist zu erzählen: Nach zehnjähriger Präsidentschaft unter Rafael Correa, fanden in den letzten Monaten die Wahlen für seinen Nachfolger statt. Kopf an Kopf standen sich: Guillermo Lasso, neoliberaler Kandidat, möchte Steuern senken und eine Million neue Arbeitsplätze schaffen. Auf der anderen Seite: Lenín Moreno, aus der gleichen Partei wie der bisherige Präsident, möchte Sozialprogramme fortführen und ausweiten, genauso die Erdölförderung weiter ausbauen und das dadurch erwirtschaftete Geld für Sozialausgaben verwenden. Er selber nennt die Politik seiner Partei: „Lateinamerikanischer Sozialismus des 21. Jahrhunderts“.

Menschenmenge bei Kundgebung für Präsidentschaftskandidaten Lenín Moreno

Die Wahl gestaltete sich als Kopf- an Kopfrennen: Während die ersten Medien schon einen Wahlsieg des Neoliberalen Lasso verkündeten, gewann am Ende doch ganz knapp der „Sozialist“ Lenín Moreno.

Auch in meinem Kollegen- und Bekanntenkreis gab es sowohl Befürworter des Einen, als auch des Anderen.

Ich selber bin erst zu kurz hier und auch zu uninformiert, um mir ein abschließendes Urteil erlauben zu dürfen, dennoch denke ich, dass mit der Wahl Leníns definitiv das deutlich kleinere Übel gewählt wurde.

Generell aber hat mich erfreut zu sehen, wie diskussions- und politikfreudig hier viele Menschen im Hinblick auf die Wahlen waren. Das äußerte sich durch Straßenkundgebungen, Fahnen an Haus und Auto, usw. Außerdem wurde meistens nicht die Konfrontation gescheuht, wenn jemand sagte, dass er anderer Meinung ist.

Den neuen Präsidenten habe ich übrigens schonmal live bei einer Wahlkampfveranstaltung in Cuenca gesehen:

Lenín Moreno, auf Wahlkampfbühne. Hielt an dieser Stelle eine sehr beeindruckende Rede

Soooo, Word sagt mir, ich habe schon an dieser Stelle 804 Wörter, weswegen ich schnellstmöglich ein „Tschüß“ finden sollte.

Viele Grüße und Tschüß,

euer Konni

 

Made in Cambodia

Donnerstag, 18. Mai 2017 von Sophia Koch

Um ehrlich zu sein wusste ich kaum etwas über Kambodscha bevor ich mich für das Projekt hier entschied. Ich wusste, dass sich Kambodscha in Asien befindet. Dennoch musste ich erst mal auf der Karte suchen wo genau das denn jetzt war. Ich lernte Kambodscha NICHT mit Kasachstan zu verwechseln.

Was ich jedoch über Kambodscha wusste war, dass dort Kleidung produziert wird, die ich und viele meiner Freunde in Modeläden einkaufen. Kambodscha ist ein Land vieler (Textil-) Fabriken. „Made in Cambodia“ heißt es auf einem kleinen Etikett in einigen meiner Kleidungsstücke.  Nun lebe ich seit mehreren Monaten im Land, wo meine Kleidung hergestellt wurde. (Ein in Kambodscha produziertes T-Shirt habe ich sogar mit dabei, ich habe es zurück zum Ort seiner Entstehung gebracht.)                                                 Auf dem Weg von Phnom Penh (Hauptstadt Kambodschas) zu meinem Projekt in Takeo komme ich immer an  einigen Fabriken vorbei. Ich sehe die Transportwagen auf deren Ladeflächen Arbeiter, meist Frauen dicht an dicht gedrängt zu den Fabriken und nach getaner Arbeit zurück nach Hause fahren. Ich weiß nicht viel mehr über diese Fabriken als das, was ich sehe und was ich von Einheimischen höre. Ich bin weiß Gott kein Experte in diesem Gebiet ebenso wenig konnte ich eine Fabrik von innen besichtigen oder einen Fabrikarbeiter zu diesem Thema befragen. So sind alle diese Angaben ohne Gewähr und alle meiner subjektiven Wahrnehmung folgend.                                                                           Ich weiß dass Fabrikarbeiter zu sein einer der schlechter bezahlten Berufe in Kambodscha ist, wenn nicht der schlechteste. Eine alleinerziehende Mutter kann mit ca.140$ (festgesetzter Mindestlohn) im Monat keine mehrköpfige Familie verpflegen. 140$ im Monat. 4,7$ pro Tag. Ich kann nicht von so wenig Geld leben. Auch wenn essen und trinken hier um ein vielfaches günstiger zu erhalten ist als in Deutschland (ein ganz einfaches Mittagessen für ca. 0,50$) reichen tut es trotzdem nicht. Die Arbeitsbedingungen sind zu dem häufig schlecht. Gesundheitlich Standards häufig nicht erfüllt. Was tun wenn man krank wird (es gibt keine Krankenversicherungen)? Kein Geld für den Arzt. Es sind zumeist keine Ausbildungen oder ähnliche Qualifikationen nötig um in einer Fabrik arbeiten zu können. Das macht es einem einerseits einfach einen Job dort zu bekommen, andererseits macht das jeden Arbeiter aber auch entbehrlich.

In Phnom Penh  leben viele der Fabrikarbeiter in vierteln am Rande der Stadt in großen Plattenbauten. Dort ist es sehr schmutzig. Die Wohnungen sind sehr klein und es wohnen zu viele Menschen darin. Es ist nicht besonders hygienisch.                                                        Für die eigenen Kinder zu sorgen und ihnen eine Schulbildung zu finanzieren ist unter diesen Bedingungen nicht immer möglich. Denn obwohl die öffentlichen Schulen kostenlos sind müssen Kinder trotzdem für „extra Stunden“ zahlen, in denen der Lehrer essentiellen und prüfungsrelevanten Unterrichtsstoff unterrichtet.

Unter den Kindern hier in WOCC ist auch ein siebenjähriges Mädchen, die nicht zuhause wohnen kann, da sowohl ihre alleinerziehende Mutter als auch ihre  sechzehnjährige Schwester den ganzen Tag in einer Fabrik arbeiten müssen. Sie ist hier um eine Schulbildung zu bekommen. Um mit 16 nicht arbeiten zu müssen sondern zur Schule gehen zu dürfen und um eine arbeitsfreie Kindheit zu haben.

Aber nicht alles an den Fabriken ist schlecht. Frauen (denn das ist die Mehrheit der Fabrikarbeiter) bekommen die Möglichkeit zu arbeiten und ihre Familie mitzufinanzieren. Der Lohn ist in den letzten Jahren zudem um einiges gestiegen und beträgt nun minimal 140$ im Monat. Alleinerziehende Mütter haben somit eine Möglichkeit ihre Kinder zu unterstützen. Es gibt eine Alternative für eine unausgebildete Frau zur Arbeit als Prostituierte und/ oder Kellnerin in einer der vielen Karaoke Bars.

Das „Made in Cambodia“- Schildchen ist kein Gütesiegel, es steht nicht für fairen Handel oder besonders hohe Qualität des Produkts. Das zeigen schon die Preise für die ich diese Kleider erworben habe.                                                                                                   Warum kaufen wir trotzdem diese Kleider? Warum, wenn wir doch durch die Medien über die schlechten Arbeitsbedingungen wissen? Warum muss ich die billigste Kleidung kaufen, die es gibt? Billig und viel. Ein T-Shirt 5€. Ist weniger nicht mehr? Weniger Kleidung, mehr Qualität? Ich kann mir faire Kleidung leisten. Wenn nicht Fair Trade dann zumindest Second Hand. Weshalb unterstütze ich dieses System? Weshalb müssen andere Menschen für mich am Existenzminimum leben? Damit ich mich immer nach der neusten Mode kleiden und ein anderes T-Shirt für jeden Tag des Jahres tragen kann?

Sollte ich also überhaupt keine in Kambodscha produzierten Kleider mehr kaufen, entsprechende Läden vermeiden? Diese Frage  habe ich einen einheimischen Mitarbeiter des Projekts WOCC gefragt. Seine Antwort: Die Produkte nicht zu kaufen schadet der kambodschanischen Wirtschaft mehr als dass es dem einzelnen Fabrikarbeiter hilft. Es ist an der Regierung Gesetze gegen schlechte Arbeitsbedingungen zu erlassen, den Mindestlohn für Fabrikarbeiter zu erhöhen etc.

Es ist vermutlich gar nicht möglich dem „Made in Cambodia“  Schild und all dem für das es stehen kann, im alttäglichen Leben völlig zu entkommen. Das rechtfertigt jedoch kein exzessives Kaufverhalten zu Dumpingpreisen.  Ein Bewusstsein dafür zu entwickeln oder sich einfach immer mal wieder zu fragen: wo kommt meine Kleidung eigentlich her und was bedeutet das im Einzelnen? Ich glaube das wäre schon ein Schritt in die richtige Richtung.

Was ist mir meine Kleidung wert? -Am Ende entscheidet das jeder selbst.

 

An einem Ort den nicht einmal Google kennt…

Dienstag, 16. Mai 2017 von Lea

Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser, schönes Hotel, gutes Essen.

Für viele mag so das Paradies auf Erden aussehen- doch in diesem Blogeintrag möchte ich euch von einem ganz anderen kleinen Paradies berichten, das ich in den Ostertagen kennenlernen durfte. (Ich weiß ist auch schon eine Weile her- aber besser spät als nie ;))

Los ging es an einem Mittwochmorgen mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Wohin? Das wussten wir in diesem Moment auch nicht genau und was uns erwarten wurde erst recht nicht, aber wir gehen es nicaraguanisch an: mit Spontanität und Geduld. Das, was wir wussten war: Es geht in  die Berge Nicaraguas in die Region Chontales um dort eine Bauerngemeinde während der Ostertage zu begleiten. Und so kam es, dass ein nicaraguanisches Lehrerpaar, 5 Schülerinnen und 2 deutsche Freiwillige, 5 Säcke gespendeter Kleidung und 4 Säcke gespendeter Lebensmittel sich in einem alten Schulbus auf den Weg machten. Es wurden noch weitere Jugendliche, Schwestern und Säcke eingesammelt bis wir nach stundenlanger Busfahrt in Juigalpa, der größten Stadt der Region Chontales ankamen. Nach weiterer Wartezeit (Stichpunkt Geduld) wurden wir dann auf verschiedene Pickups geladen, die jeweils in verschiedene Bergdörfer fahren sollten.

Auf der Pickup Ladeflache sitztend mit erfrischendem Wind im Gesicht und beeindruckender Aussicht auf eine sich stetig veränderndere Landschaft, ging es so tiefer in die Berge. Alles wurde grüner und kühler und das erste Mal seit langer Zeit hatte ich wieder den Geruch von feuchtem Grass in der Nase und das angenehme Gefühl nicht schwitzen zu mussen. Irgendwann hielten wir dann an einer kleinen aus Holz gebauten Kapelle und wurden begrüßt. Zu Fuß machten wir uns dann weiter auf dem Weg zu einem Haus, dass für diese Tage unsere Schlafgelegenheit sein sollte. Kurzerhand wurde es mit weiteren Tijeras (im Prinzip ein Holzgestell, auf das eine Plane gespannt wird) und einem improvisiertem Bett ausgestattet. Zum Abendessen wurden wir zu einer sehr herzlichen Familie nach Hause eingeladen. Und so saßen wir dann gemütlich bei Kerzenschein/im Dunklen (die meisten Häuser haben keinen Strom) an einem Holztisch bei Reis und Bohnen und cosas del horno (Gebäckstücken). Auch die folgenden Tage wurden wir von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und uns wurde liebevoll alles was möglich war aufgetischt. Es ist wahrnsinnig beeindruckend, wie viel uns die Menschen geschenkt und gegeben haben, obwohl sie sehr einfach und oft nur mit dem aller Nötigsten leben.

Unser Haus für die Ostertage

 

Die Nacht war extrem kalt und die Meldung am morgen, dass im Fluss geduscht wird nicht sonderlich verlockend. Doch alles war halb so wild und ich muss sagen es hatte wirklich etwas in der Natur an einem Bach zu stehen und sich zu waschen. Am ersten Tag haben wir dann verschiedene Familie , die sehr verstreut und teilweise weit auseinander leben, besucht um sie zu den verschiedenen Versanstaltungen und Messen einzuladen. Und wieder wurden wir sehr herzlich begrüsst und mit Pinol (ein typisches Getränk in Nicaragua), Cafe, oder Gebäck versorgt. Am Nachmittag fand dann die erste Messe statt und wir haben anschließend mit den Kindern gemalt und gespielt.

Der nächste Tag, der Freitag, der 14.04., war auf zwei Weisen besonders für mich. Zum einen war es der Karfreitag und zum anderen mein erster Geburtstag an einem Ort, den ich kaum kannte, und mit Menschen, die ich auch erst seit kurzem kannte. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, sondern war ein sehr schöner und emotionaler Tag. Zuerst begingen wir den Kreuzweg und trafen uns danach in der Kapelle zu einer sehr rührende und emotionalen Wortgottesdienst. Am Abend wurden dann die Essenspackete gepackt und währenddessen bei Cafe und cosas del orno  Geburtstagsliedern für mich gesungen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Am Samstag veranstalteten wir den ganzen Tag Programm mit der Gemeinde: Fangenspielen, Gesichter bemalen, Piñata, Bilder ausmalen, die gespendete Kleidung verteilen und am Abend fand dann der Höhepunkt der Ostertage statt: die Vigilia. Angefangen mit Osterfeuer, dann Gottesdienst mit Gesang und Kerzen und einer der besten Predigten, die ich bin jetzt gehöht habe- von einem einfachen Bauern mit  riesigen Herz. Und so kam es, dass ich an einem Ort den nicht einmal Google kennt, in einer Kapelle mit  unglaublich großzügigen Menschen und mit  fröhlichem Gesang ung Jubelrufen Ostern gefeiert habe.

Beim Kleider sortieren…

Mehr Pferde als Autos auf dem „Kirchenparkplatz“

Dass uns der Abschied am nächsten Morgen sehr schwer gefallen ist,  brauche ich glaub ich gar nicht zu erzählen. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie schnell man Menschen in sein Herz schießen kann, wie tief der Glaube der Menschen dort ist und wie unglaublich viel ich aus diesen paar Tagen mitnehmen werde! Ich glaube diese Tage waren einer der außergewöhnlichsten , die ich bis jetzt hier in Nicaragua erlebt habe und ich werde mich immer gerne an sie zurückerinnern!

 

 

Eindrucksvolles Bolivien

Samstag, 13. Mai 2017 von Julia

 

Ein Blick von El Alto auf La Paz

Jetzt ist es schon wieder Mai und ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Zu meiner Ausrede: Ich hatte wirklich viel zu tun. Aber jetzt habe ich wenigstens viel zu erzählen, aber verzeiht mir, wenn ich nicht alles bis ins kleinste Detail erzähle;-)  Alles fing im Dezember mit Weihnachten an. Meine bisherige Vorstellung war nicht allzu groß und auch in Bezug zum Heimweh habe ich mir keine allzu große Gedanken gemacht, sind ja schließlich nur 3 Tage…. Doch es kam anders als gedacht. Ich habe meine Familie und Freunde schrecklich vermisst. Aber Grüße meiner Familie, meiner Freunde und Bekannten aus meiner Gemeinde haben mir gut getan; außerdem war es schön, meine Gastfamilie, die ich sehr lieb gewonnen habe, um mich zu haben, so wurde ich wenigstens etwas von zu Hause abgelenkt.

Dann hat sich spontan ergeben, dass Danica, die Freiwillige des Kindermissionswerkes in Sucre, direkt nach Weihnachten nach La Paz kam und wir uns getroffen haben; aus eigentlich geplanten drei Tagen in La Paz wurden dann doch mehr: noch ein Ausflug zum Laga Titicaca, nach Tiahuanaco, einer alten Inkastadt, nach Potosi, nach Uyuni in die Salzwüste und letztendlich nach Sucre, wo dann auch unser gemeinsames Zwischenseminar stattgefunden hat. Alles in allem eine unglaublich schöne Zeit, die nach vielen Monaten Arbeit und des Eingewöhnens auch nötig war.

 

Danica und ich in der Salzwüste

Kurz darauf hat Rosse, eine Erzieherin aus meinem Projekt, mich gefragt, ob ich an Karneval in Oruro „Tobas“ mit einer Tanzgruppe tanzen würde. Natürlich fiel mir die Antwort auf die Frage, ob ich beim größten Karneval in Bolivien tanzen wolle, sehr leicht. Darauf folgten einige Wochen harter Arbeit, in denen wir uns mehrmls wöchentlich trafen, um die Schritte einzuüben. Alles in allem ziemlich anstrengend und auch alles ziemlich überwältigend. Und dann war es endlich soweit. Es war Ende Februar und die Karnevalstage standen bevor. Ich, schon total aufgeregt, wie es sein würde, versuchte mir schon auszumalen, was mich erwarten würde, was natürlich nicht ansatzweise dem entsprach, wie es dann tatsächlich war: es war viel größeer, bunter und lauter, einfach viel besser, als ich es mir je hätte vorstellen können, und ich tanzend mittendrin, war einfach der Hammer!!!

Unsere Tanzgruppe

 

Und trotz der vielen Aufregung und Anstrengung blieb mir dennoch keine Zeit zum Ausruhen, denn in der darauffolgenden Woche sollte Verstärkung aus Deutschland kommen. Eine deutsche Praktikantin, Fidelis, ist seit Anfang März da und wir verstehen uns schon wirklich super!  Einfach toll, sich mal wieder richtig in unserer Muttersprache unterhalten zu können.

Doch damit nicht genug; jetzt schaffe ich es , mich mal in Ruhe hinzusetzen, um etwas für euch zu  schreiben und euch zu berichten. Über Ostern haben Danica, Fidelis und ich uns getroffen und sind für ein paar Tage nach Tarija gefahren.

Lagunas Coloradas/farbige Lagunen

 Es ist in den letzten Monaten ganz schön viel passiert. Ich hoffe, die Bilder helfen dabei, Euch einen kleinen Überblick in mein Leben hier in Bolivien zu verschaffen. Ich versuche jetzt wieder etwas regelmäßiger zu schreiben, doch allzu viel Zeit bleibt da nicht mehr, nur noch knappe drei Monate und das Jahr ist vorbei. Ganz schön krass, wie schnell die Zeit vergeht und eigentlich möchte ich noch gar nicht weg, so gut gefällt es mir hier…. Die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen und die Arbeit macht mir riesig viel Freude. Doch noch bleibt ja Zeit und die sollte und möchte ich genießen, also bis dahin

Eure Julia

 

 

 

 

 

 

Home, sweet Home

Donnerstag, 11. Mai 2017 von Barbara Menke

Liebe Freunde und Verwandte,

Mein absolutes und unersetzbares Lieblingsbild!

Es kommt mir vor, als sei ich schon seit Ewigkeiten hier. Als sei alles um mich herum immer schon so gewesen, wird auch noch lange so weiter gehen und nicht in weniger als drei Monaten vorbei sein. Ich habe mich so sehr in meinen Alltag eingefunden, in alle meine Schülerinnen und Schüler verliebt und großartige Freunde gefunden, dass ich noch gar nicht einsehe, dass dies irgendwann ein Ende nehmen wird. Aber wie mein lieber Herr Vater einmal gesagt hat: „Wenn es nicht total bescheuert wird, wirst du sowieso immer wieder an diesen Ort zurückkommen!“. Und tenzenziell hat er Recht damit, vor ein paar Wochen haben wir uns von Tabea Ortmanns verabschiedet, meiner Vorfreiwilligen, die schon Heimweh nach Masaka hatte und das schöne Städchen für einen Monat besuchen kam.

Aber da ich seit ungefähr Weihnachten mit meinem Blog im Verzug bin, möchte ich nun endlich wieder einmal ein Wenig von meinem Leben in Uganda erzählen. In der ersten Februarwoche hatte ich ein Zwischenseminar, für das ich nach Nairobi, Kenia reisen durfte. Dieses Seminar hat alle meine Erwartungen nicht nur erfüllt, sondern auch weit übertroffen. Super witzige Mitfreiwillige aus Uganda und Kenia, unfassbar kompetente Teamer und ein tolles Programm zur Reflexion des Freiwilligendienstes. Und das beste Essen, das ich in den letzten neun Monaten aß! Das Seminar hat nicht nur ganz viel Austausch mit den Anderen geboten, sondern mir auch noch einmal ziemlich viel Motivation für die zweite Hälfte mit auf den Weg gegeben. Da der Großteil der Anderen auch hauptsächlich an Schulen ist, haben wir viel über das Unterrichten und verschiedene Lernmethoden geredet, bis ich fast zurück nach Uganda gelaufen wäre, weil ich unbedingt wieder zu meinen Schülern wollte!

An alle Jungs vom Vorbereitungsseminar: Wir durften endlich wieder kreativ sein und einen Lebensfluss zeichnen!

Das oberste Bild mit dem Blondschopf in der Mitte ist das Meine 😀

 

 

 

 

 

 

 

Zurück in der St. Augustine Primary School habe ich dann (da ich ja jetzt lange genug da sei und das sicher gehandlet kriege), zwei neue Klassen bekommen. Die P5 und die P7. Anstelle der gewohnten 25 Kinder, sitzen hier pro Klasse 70 und mehr Schülerinnen und Schüler vor mir und schauen mich erwartungsvoll an. Obwohl sie wirklich brav und ruhig sind, ist es trotzdem sehr viel schwieriger, fast die dreifache Menge an Schülern unter Kontrolle zu halten. Ich gebe mein Bestes und wenn ich merke, dass die Konzentration nachlässt, gehe ich mit allen einmal nach draußen und spiele ein sog. „Anschuggerle“, ein kurzes Spiel, welches alle wieder aufwecken soll (auch mich, Unterrichten strengt mehr an als ich dachte). Am Beliebtesten sind hier das „Pony“-Spiel und „Funky Chicken“, weil man dabei viel singen, brüllen und tanzen kann. Ihr würdet nicht glauben, wie großartig auch die ganz Kleinen schon tanzen können..

Während des beliebten „Anschuggerles“

Meine Unkreativität hat Tim gebeten, ein Plakat des Verdauungssystems für meine P5 zu gestalten

Ich würde euch gerne von zwei Erlebnissen aus der Schule erzählen, die mich besonders bewegt haben. Da in Bulando bisher kein Religionsunterricht für die Kinder angeboten wurde, habe ich gefragt, ob ich dies nicht übernehmen dürfte und da es für das Kollegium in Ordnung war, gebe ich nun Stunden in R.E. (Religious Education) für die Schülerinnen und Schülern in der Klasse P7. Und ich bin schlichtweg begeistert! Dies ist endlich ein Fach, das Austausch und Diskussion bietet und wo sich die Kinder eine eigene Meinung bilden können. Ich finde manches, was die SchülerInnen hier hören, doch etwas fragwürdig und möchte deshalb auch andere Seiten des Glaubens aufzeigen. So wurde den 600 Schülerinnen und Schülern in einem der Gottesdienste erzählt, dass wir Weißen nicht nur intelligenter und fleißiger seien (man siehe sich nur unsere tollen Erfindungen wie das Rad o.ä. an), sondern durch unsere Hautfarbe auch näher am Himmelreich dran, da wir mehr von Gott geliebt würden und er uns deshalb dieses „Geschenk“ der hellen Haut gegeben habe. Da kein Lehrer das Gefühl hatte, aufzustehen und dies zu korrigieren, habe ich eine Unterrichtsstunde zu Genesis vorbereitet (war sowieso im Lehrplan!), wo ich anhand von Beispielen, die die Kinder selbst anfassen und nachlesen konnten, erklärt habe, weshalb alle Menschen von Gott gleich geliebt und wertgeschätzt werden. Dass es keine Unterschiede gibt. Dass jeder an und für sich einzigartig und wunderbar ist. Dass wir Gott nicht „fürchten“ brauchen, weil er uns in seinem Ebenbild genau so geschaffen hat, wie wir sein sollen. Dass wir im Glauben in Gemeinschaft sind und niemals alleine. Ich habe an der Tafel gesammelt, was für die Kinder „ein guter Christ sein“ ausmacht und schon bald wurden Sätze wie „jeden Sonntag in die Kirche gehen“ und „vor dem Essen beten“ durch „füreinander da sein“, „den Mitmenschen helfen und mit ihnen teilen“ und „jeden respektieren, egal welche Hautfarbe, Rasse oder Geschlecht“ ausgetauscht. Ich bin stolz auf diese Kinder, wir haben viel gelacht und ich glaube, dass ihnen gerade diese Stunde irgendwie auch ein Wenig etwas für das Leben im Allgmeinen gebracht hat.

In dieser Klasse sind alle Kinder Christen, außer einem Mädchen, Aisha kommt aus einer muslimischen Familie. (Jetzt kommt der Part, von dem ich eigentlich berichten wolle). Das Mädchen folgte mir nach Schulschluss nach draußen, fiel auf die Knie, nahm meine Hände und flüsterte, dass sie mir wünsche, dass „mein Gott“ mich immer auf meinem Weg begleite. Nicht nur jetzt, sondern „für immer“. Dies hat mich so tief berührt, weil es aus dem Herzen dieses Kindes kam und, auch wenn es nicht „mein“ Gott ist, doch eine so große Aufgeschlossenheit und Akzeptanz zeigt.

Einige der Schülerinnen aus der P7 vor unserem Klassenzimmer 🙂

Das nächste Ereignis ist schon ein paar Wochen her, berührt mich jedoch immer noch, wenn ich daran denke.

An einem Morgen bin ich in die Schule in Bulando gefahren, um den Kindern ein bisschen etwas über Biologie zu erzählen, als ich sah, dass in dem kleinen Klassenzimmer nur 15 SchülerInnen, anstelle der sonst 76 Kinder saßen. Auf meine Nachfrage hin, erklärte mir der Schulleiter, dass sie die Kinder in die umliegenden Dörfer schicken mussten, damit sie dort um Geld betteln. Die Schule hatte keine Mittel mehr, um den SchülerInnen Stifte zu kaufen, was aber wichtig wäre, da im Unterricht zu dieser Zeit nicht mehr mitgeschrieben werden konnte. Die Kinder haben ihre Schulzeit mit Betteln verschwendet, anstatt den Unterricht zu besuchen. Ich habe dies hier nun schon öfter erlebt und auch andere Freiwillige erzählten mir von ähnlichen Erlebnissen an ihren Schulen. Was ich damals gefühlt habe ist schwer in Worte zu fassen. Irgendetwas zwischen Traurigkeit und Wut über die Bildungspolitik der Regierung. Aber da dies primär kein politischer Blog ist, werde ich meine Gefühle hier nicht weiter ausführen. 😀 Zudem dies auch aktuell nicht mehr der Stand der St. Augustines ist! Dank des Patenschaftprojektes haben wir mittlerweile nicht nur 600 neue Hefte, Stifte und Bücher für Schüler und Lehrer, sondern sogar auch Zirkel und Geodreiecke für den Mathe- und Scienceunterricht!

Mit buntem Geschenkpapier verschönert: neu eingeschlagene Hefte für den Reli-Unterricht

Ansonsten ist das Leben als weiße „Lehrerin“ in Uganda immer noch sehr abwechslungsreich, witzig und lehrreich (für mich). Alle Schülerinnen und Schüler in Bulando und Kayijja kennen inzwischen meinen Namen und ich werde morgens und nachmittags mit einem lauten „Baabula“, „Baabla“(Barbara kann ich Uganda wirklich niemand aussprechen) oder „Teacher Nantale“ (mein ugandischer Name, so werde ich vor allem während des Unterrichtens genannt) begrüßt und verabschiedet. Selbst andere Weiße die nach Bulando zur Schule kommen werden „Barbara“ genannt und wenn ich durch die benachbarten Dörfer fahre wird mir immer wieder mein Name selbst von Erwachsenen zugerufen. Die längere Anwesenheit einer Weißen spricht sich einfach in schnellster Zeit herum! Manchmal ist das ein Wenig seltsam für mich, aber man gewöhnt sich daran..

„The absorption of food“, Science-Unterricht in der P5.

Ich liebe meine Klassen nach wie vor aus tiefstem Herzen. Ich weiß, dass diese Kinder unfassbar klug und witzig sind und wir können in den Pausen (und manchmal während des Unterrichts) so viel Unsinn zusammen machen, dass es mir immer eine Freude ist, dorthin zu fahren! Gerade ist Regenzeit und daher komme ich morgens leider nicht in die Dörfer, da anstelle einer Straße, ein reißender Bach dorthin führt, aber dafür bin ich dann nachmittags länger da.  Einmal hatte ich eine Freistunde und habe  mich in Teresas Englischunterricht in die Klasse P3 gesetzt. Sie wollte die Vokabeln der „Umwelt“erklären und suchte aktuell nach dem Wort „Erde“. Sie fragte also die Klasse, worauf wir denn stünden, die kleine Eve meldete sich und flüsterte „Schlamm“.  Das fand ich wirklich süß und traurig gleichzeitig, da wir durch den starken Regen am Morgen tatsächlich nur noch in Schlammpfützen saßen. Danach kam noch einmal so ein traurig-witziger Moment für uns, als Teresa einen Mülleimer in ihre Umwelt auf der Tafel zeichnete (sehr Deutsch) und die Kinder nicht wussten, was das sein sollte..

76 SchülerInnen, gar kein Problem 😛

An diesem Tag war auch Philippa noch hier, eine Freiwillige, die für vier Wochen in Uganda war, und bemerkte, dass einer der Schüler, Eddie, humpelte. Wir gingen also kurz mit ihm nach draußen, um uns das Bein anzusehen und fanden eine offene, entzündete und eiternde Wunde. Eddie wurde von einem Boda angefahren und nicht behandelt. Als wir mit ihm zu seiner Familie fuhren und seinen Eltern sagten, wir würden ihren Sohn gerne ins Krankenhaus bringen, fing die Mutter an zu weinen und versteckte den Jungen unter einer Decke. Sie habe kein Geld für eine Behandlung, wir sollten wieder gehen. Als wir mitteilten, dass die Kosten übernommen werden würden und die Gesundheit vorginge, verschwand die Mutter kurz und brachte uns dann noch einen anderen Jungen, etwas jünger als Eddie, der wegen zu vielen Schmerzen verursacht durch Verletzungen in seiner Leiste auch nicht mehr Laufen konnte. Wir setzten beide Jungen auf ein Boda und Philippa fuhr mit den Beiden in das Krankenhaus in Kitovu, wo sie dann untersucht und behandelt wurden. Mittlerweile sind beide wieder gesund und zurück in der Schule! 🙂

Philippa und Eddie

Schön ist es mit den Schülerinnen und Schülern aber nicht nur während der Schulzeit, sondern ganz besonders auch danach und auf dem Nachhauseweg. Egal ob ich alleine bin oder mit Teresa (war, sie ist vor zwei Wochen zurück nach Deutschland geflogen), uns folgte immer eine riesengroße Traube von Kindern, die uns meist sogar bis ins nächste Dorf begleiteten. In Bulando fahren keine Bodas, weshalb wir immer erst in das nächste Dorf, Kayijja, laufen mussten um von dort dann nach Hause zu kommen. Ich liebe diese Wege, denn die Kinder sind immer SO niedlich, das könnt ihr euch gar nicht vorstellen! Meistens fängt Einer leise an zu murmeln „do you know the funky chicken“ und die anderen Kinder singen dann nach und nach mit, bis sie das Lied laut grölen und Teresa und mich (jetzt nur noch mich) zwingen, für sie das „Funky Chicken“ zu spielen. So geht das dann den ganzen Weg bis nach Kayijja und wir erfinden mit den Kindern immer neue Figuren für das Spiel. (Für alle, die das nicht kennen, eine kurze Erläuterung: Ein Spielleiter ruft laut „do you know the funky chicken?“, die Kinder antworten dann mit „what did you say?“, man wiederholt dies zwei Mal und macht dann die Geräusche und Bewegungen eines Huhnes nach. Es können folgen das Krokodil, der Tiger und eigentlich alle lebenden Tierarten dieses Planeten. Sehr einfach, aber leicht verständlich und bringt ziemlich viel Spaß).

Eine kleine Traube von „Funky Chicken“-Liebhabern (dazwischen Teresa)

Beste Freunde auf dem Heimweg 🙂

Wer genau hinsieht, kann am Ende der Porrigeausgabeschlange eine Barbara erkennen

Zudem wurde ich von einem einheimischen Deutschlehrer einer weiterführenden Schule in Masaka gebeten, für eine seiner Schülerinnen, Lydia, ein Empfehlungsschreiben für ein FSJ in Deutschland zu schreiben und ihr bei der Bewerbung zu helfen. Tatsächlich wurde sie sogar angenommen und wird im August nach Stuttgart fliegen. Nun treffe ich mich jede Woche mit Lydia und gebe ihr Deutschnachhilfe, was mir großen Spaß bringt und mir auch besonders kulturell noch einmal ganz neue Sichtweisen auf Deutschland gibt.

Aber jetzt genug von den Schulen, ich hoffe, ich konnte nun einmal einen besseren Einblick in mein Leben als „Lehrerin“ hier in Uganda geben. Tatsächlich mache ich ja auch noch andere Dinge. Neben der Schule und dem Office haben ich in den letzten Wochen sehr viel Zeit in der Holzwerkstatt (auch in Bulando) verbracht. Die beiden Mädchen in meinem Alter sind wie Schwestern für mich geworden und die Eltern der Familie haben mich als ihre Tochter „adoptiert“. Dies ist in Uganda ein sehr sehr großes Zeichen von Liebe und Respekt und ich weiß das wirklich zu schätzen. Derzeit bastele ich sogar selbst an einer kleinen Holzstatue, aber die meiste Zeit verbringe ich eigentlich mit den Mädchen in der Küche oder den Gärten. Hier bringen sie mir bei, die traditionellen Gerichte zuzubereiten (ich habe schon ein Huhn gekauft und zerlegt, es hieß Louise), und zeigen mir, welche der einheimischen Pflanzen beispielsweise heilende Wirkungen haben (Aloe Vera gewinnt alles) oder wie man richtig seine Erde lockert und umgräbt. In dieser 10-köpfigen Familie darf ich so viel Liebe erfahren und so viel lernen! Hier fühle ich mich wirklich wie eine Einheimische, ich wurde einem Clan zugeteilt (auch keine Selbstverständlichkeit, (ich durfte mir den Löwen-Clan aussuchen)) und ich habe teilweise sogar die ugandischen Sitten übernommen. So knie ich mich beispielsweise nieder, wenn Respektpersonen wie die Mutter, der Vater oder der große Bruder zu mir kommen. Es ist eine großartige Erfahrung, so das alltägliche Leben der Ugander mitzuerleben und seid euch sicher, in Deutschland werde ich Matooke und Posho zubereiten und ihr werdet nicht darum herum kommen, es zu kosten! 😉

Die Mutter (rechts) und Maxencia (links) zeigen mir das traditionelle Zubereiten von Speisen

Liebe Freunde und Verwandte, seid versichert, dass ich mit meinem nächsten Blogeintrag nicht wieder so lange auf mich warten lasse (dann bin ich nämlich schon zurück in Deutschland, haha), denn ich möchte euch unbedingt auch noch von meinen Reisen durch Uganda, Kenia und Rwanda und dem Projekt, in welchem ich während der aktuellen Schulferien arbeite, berichten! Fühlt euch gedrückt und gegrüßt, ich schicke ganz viel Sonne in die (noch) kalte Heimat,

Barbara 🙂

 

Geschichten, die das Leben schreibt

Dienstag, 25. April 2017 von Julia Wolf

Die Kinder hier sind mir inzwischen sehr ans Herz gewachsen. In ihre Gesichter zu schauen und zu sehen, wie sie lernen und spielen, wie sie sich streiten und wieder vertragen, wie sie sich anstrengen, das macht mich glücklich und zufrieden. Auch wenn es keine Engel sind und mir manchmal ganz schön auf die Nerven gehen, habe ich sie unendlich lieb. Ich weiß inzwischen viele Namen, erkenne sie schon von Weitem auf der Straße, weiß wer zu wem gehört. Diese wundervollen Kinder kennen zu dürfen, ist ein Privilieg, zu sehen, wie sie leben müssen, welche Schicksale sie durchmachen, bricht mir das Herz. Ich würde ihnen gerne etwas abnehmen.

Da ist zum Beispiel Pedro, mit seinem kleinen Bruder Saulo. Zwei gut erzogene Jungen, Saulo sehr intelligent und fleißig, ohne Probleme in der Schule und Pedro, 12 Jahre alt, der als kleiner Junge einen heftigen Schlag auf den Hinterkopf bekommen hat und bis heute nicht lesen kann, da er sich die Buchstaben nicht merken kann. Diese Schwäche macht ihn extrem unsicher und empfindlich, was im aggressiven Verhalten endet.

Oder Cristian, der mir als sehr sympatisch, aufgeweckt und wohlerzogen vorkommt, aber daheim große Probleme macht, da sein Vater im Gefängnis sitzt und er mit der Situation völlig überfordert ist. Während seine Mutter von 6 Uhr morgens bis 21 Uhr abends arbeitet, ohne damit die Lebenshaltungskosten abdecken zu können, muss er sich mit seine 14 Jahren um seine 2 kleinen Geschwister kümmern und kämpf, in dem schrecklichen Leid nicht unterzugehen. Als aggressiv bezeichnet ihn seine Tante, die Beziehung zu seiner Mutter ist schwierig, auch weil ihr die Zeit fehlt, für ihre Kinder da zu sein.

Perla mit ihren Geschwistern, von den Eltern vernachlässigt, aber jedes Jahr kommt ein neues Geschwisterchen dazu. Kinder, denen jegliche elterliche Zuneigung, Liebe und Aufmerksamkeit fehlt, ohne Erziehung. Mit jedem Problem stehen sie alleine da, um die Geschwister müssen sich die Schwestern kümmern, das Geld reicht hinten und vorne nicht.

Rolando, ein Junge der immer morgens kommt, um mit mir seine Englischhausaufgaben zu machen. Dem letzten von 8 Kindern wurde noch nie viel Aufmerksamkeit geschenkt, er kämpfte sich alleine durch die Schule, wäscht in den Ferien Autos für 10 Soles (ca. 2.80€) den ganzen Tag lang und verdient somit seinen eigenen Lebensunterhalt. Seine Eltern sind beide alkoholkrank. Sein größtes Ziel ist, nicht die gleichen Fehler zu machen, wie seine Eltern, will studieren, um aus dem Teufelskreis der Armut zu kommen.

Da ist Lindaly, die mit ihrer Großmutter in einem Gestell wohnt, das noch nicht mal als Hütte bezeichnet werden kann. Kaum Kleidung, ohne die Unterstützung der Nachbarn wäre das Mädchen wohl schon verhungert. Die Mutter strab als sie 3 war an Krebs, vom Rest der Familie verstoßen, der Vater hat eine neue Familie. Ein sehr unsicheres Mädchen, viel gemobbt, noch mehr gelitten. Was wird aus ihr wenn die Oma stirbt?

Maricielo und Pilar, Zwillinge, die sich kaum gleichen. Maricielo hat Leukämie, gerade wachsen die Haare wieder nach. Da es in Cajamarca keine Krebsbehandlung gibt, muss sie alle paar Monate nach Lima reisen. Die Kosten sind kaum zu stemmen. Pilar leidet genauso darunter, schreit oft nach Aufmerksamkeit, ist unruhig, lässt kaum mit sich reden.

Oder Robert, mit seinen 2 Geschwistern, die in einer „Hütte“ wohnen, die bei jedem bisschen stärkeren Regen (also in den letzten Monaten sehr häufig) fast zusammenfällt und alles nass wird. Sie leiden extrem unter ihrem aggressiven Vater, der keinen Finger rührt, außer um seine Kinder und seine Frau zu schlagen.

Cristian, dessen Mutter im vergangenen Jahr verstorben ist und jetzt mit seinem Schwestern und seinem alkoholkranken Vater lebt, emotional instabil ist und immernoch sehr stark trauert. Er ist für seine 13 Jahre viel zu klein, ich würde ihn höchstens auf 8 schätzen. Er muss seinen Tanten helfen, die Tiere zu hüten, darf kaum Kind sein.

Ein sehr charismatisches, starkes Mädchen ist Nancy, 14 Jahre alt, auch sie lebt in Armut. Außerdem hat sie oft sehr starke Kopfschmerzen, die Krankenversicherung zahlt aber keine weiteren Behandlungen mehr. Ihr kleiner Bruder hat Downsyndrom, um ihn kümmert sie sich.

Es sind Geschichten, die mich aufwühlen, nachdenklich und traurig machen. Besuche ich die Kinder, kämpfe ich oft mit den Tränen und die Bilder werde ich wohl nie wieder vergessen. Ich bin, mit meinem deutschen Pass, mit meiner friedlichen Kindheit, meiner Krankenversicherung, privilegierter als der Großteil der Weltbevölkerung. Hoffentlich vergesse ich das nie wieder.

Da haben wir meinen Geburtstag gefeiert:)

„Meine Eltern trinken, aber das hat keinen Einfluss auf mich, denn ich habe MICANTO endeckt, das Beste was mir je passiert ist.“ Das ist ein Satz Rolandos, er hat ihn so ganz alleine aufgeschrieben. Es gibt immer Hoffnung, immer ein Weg zu helfen, immer ein Licht am Ende des Tunnels. Lasst uns das nicht vergessen, vergesst nicht, dass es mehr gibt, als uns und unsere Familie. Und auch in Deutschland kann man helfen, Leben zu verändern, vor allem sein eigenes. Es gibt nichts schöneres, als anderen Freude zu bereiten, ihnen einen Grund zum Freuen zu geben, ein Lächeln zu schenken. Auch ich habe diese Freude erlebt, nämlich als wir zusammen meinen Geburtstag gefeiert haben! Es war auf jeden Fall einer der schönsten, die ich je gefeiert habe, ich habe ihn sehr genossen.

Viele liebe Grüße aus Cajamarca, seid dankbar,

Julia

 

 

Auf Osterhasenjagd

Sonntag, 23. April 2017 von Danica Helmlinger

Bald ist Ostern, und da darf doch eine Sache eigentlich nicht fehlen! – dachte ich mir und habe deshalb für die Jugendlichen, die in meinem Projekt wohnen, dieses Jahr den Osterhasen gespielt.
Doña Martha, eine der Krankenschwestern, war gleich Feuer und Flamme, als es darum ging, kreative und barrierefreie Verstecke zu finden, und auch wenn wir einen zweiten Anlauf starten mussten (bei dem wir dann die Vorhänge zugezogen haben, dass auch wirklich keiner mehr aus dem Fenster schaut ;)), hat es an Ideen nicht gefehlt. Kein Wunder also, dass die Jugendlichen ganz schön gründlich suchen mussten, bis wirklich alle Süßigkeiten gefunden wurden!
Aber dank den „kalt, wärmer, nein, wieder kälter!“ Hinweisen, war auch das kein Problem.
Hier also ein paar Fotos von den fleißigen Suchern:

Nachdem das Suchen beendet war, backten wir zusammen noch einen Kuchen, dessen Rezept Doña Martha mitbrachte. Diese backt und kocht übrigens ziemlich gerne, weswegen sie mir, zusammen mit Doña Janet, einer anderen Krankenschwester, beigebracht hat Tucumanas (mit Gemüse und Fleisch oder Ei gefüllte Teigtaschen) und Pasteles de Queso (mit Käse gefüllte Teigtaschen) herzustellen. Aber davon mehr in einem anderen Blogeintrag 🙂

 

Feliz cumpleaños! Happy Birthday! Alles Gute!

Samstag, 15. April 2017 von Julia Wolf

Nun, ich weiß, der 19. März ist jetzt schon ein bisschen her, aber die Erinnerungen sind noch da, also wollte ich euch heute von der Geburtstagsfeier MICANTOs erzählen, die am Josefstag (19.März) gefeiert wird, da er der Schutzpatron der Arbeiter ist und damit auch der Heilige MICANTOs.

Natürlich werden 12 Jahre gebührend gefeiert. Los ging es am Freitag, mit allen Kindern, die sich jeden Samstag in ihren Gruppen treffen, um zusammen darüber zu sprechen, was MICANTO eigentlich ist, wofür es steht und wie es den Kindern hilft. Danach führte jede Gruppe eine einstudierte Nummer auf, hauptsächlich Tänze, aber auch Gedichte oder Clowns waren unter den unterhaltsamen und teilweise aufwändigen Stücken.

Samstag ging es  morgens schon mit einem Fußball- und Volleyballtunier weiter. Aber mit Verspätung, denn es hatte die ganze Nacht stark geregnet, bis es erst gegen halb zehn aufhörte. Es wurde trotzdem ein ereignisreicher, spannender und sportlicher Vormittag, auch wenn verlieren gelernt sein muss;)

Und nachmittags war dann das Highlight der Kinder: eine Unsha. In wenigen Worten erklärt, ist das ein gefällter Baum, der (eigentlich) in die Mitte der Straße, hier aber in die Mitte der Rasenfläche, gestellt wird und mit Früchten geschmückt wird. Man nimmt sich an die Hände, tanzt um diesen Baum herum und eine Axt wird rumgegeben, mit der die Kinder diesen Baum  „fällen“. Als er umgekippt ist, sind die Mädels und Jungs wie wild hingerannt, obwohl mir mein Instinkt eher gesagt hat: Wegrennen! Muss man wahrscheinlich damit aufwachsen, um bei einem umfallenden Baum nicht vor Angst begraben zu werden das Weite zu suchen, sondern zu schauen wo er hinfliegt und genau da hin zu sprinten. Hört sich gefährlich an, ist aber nichts passiert und war lustig anzuschauen:). Danach wurde noch getanzt, unglaublich schön, Kinder die in ihrem kurzen Leben schon zu viel erlebt und gelitten haben, so ausgelassen, glücklich und unbeschwert zu sehen.

Und Sonntags, also der offizielle Tag, fing in der Früh mit einem Gottesdienst an. Danach wurde zusammen durch die Straßen gezogen, mit Luftballoons, Flyern und einer Menge Gebrüll, aber leider auch mit Regen. Abgeschlossen wurde mit einem gemeinsamen Mittagessen und einer Torte (übrigens mit Manjar blanco, super lecker!).

 

 

Es waren wunderschöne, sehr anstrengende Tage, schon die Woche davor wurde geschmückt, gebastelt und dekoriert, manchmal bis spät am Abend. Und doch hat es sich gelohnt. MICANTO ist für die 120 Kinder, die aktuell teilnehmen und auch für die „Ehemaligen“ ein zweites Zuhause. Sie kommen mit all ihren Problemen, oder auch nur, wenn ihnen langweiligen ist. Ein Ort, der ihnen so gut es eben geht, gibt was sie brauchen. Lebensfreude schenkt, wenn die Sorgen groß sind, Ohren, wenn die Probleme übermächtig werden, Entspannung, wenn der alltägliche Stress, zwischen Schule und Arbeit, zwischen Eltern und Geschwistern, nicht mehr zu bewältigen scheint, Hilfe, wenn niemand sonst sich dafür interessiert, Liebe, wenn sie an anderen Stellen fehlt. Auch hier ist nicht alles perfekt, aber ich kann nur sagen:

Auf viele Jahre mehr!

 

 

 

 

 

 

Und wer die Nachrichten über Peru und die schweren Regenfälle gesehen hat: Ich habe ja oben schon erwähnt, dass es bei uns viel geregnet hat, im Hochland kam es aber zu keiner Katastrophe. Die Nordküste allerdings ist stark betroffen, die Autobahnen stark beschädigt, viele haben ihr Leben verloren, noch mehr ihre Häuser. Die Bilder habt ihr ja gesehen, die Berichte gehört. Inzwischen hat sich die Situation beruhigt, die Menschen sind allerdings noch besorgt, da die Regenmonate noch nicht vorbei sind.

Ich melde mich bald wieder, machts gut,

Julia

 

66% Nica

Freitag, 07. April 2017 von Lea

5.8.16. An einem schwülen Augustabend setze ich das erste Mal Fuß auf nicaraguanischen Boden- ohne Vorstellungen davon, wie mein Leben dort aussehen würde und ohne jemanden dort zu kennen.

5.4.17. Genau 8 Monate danach kann ich mir kaum vorstellen, wie mein Leben anders aussehen könnte als es jetzt ist und ich habe sehr liebenswerte Menschen kennengelernt, die jetzt wie selbstverständlich Teil meines Alltags und meines Lebens sind.

Und was dazwischen passiert ist?

So viel, dass ich es selber manchmal nicht realisieren kann. Denn ohne dass ich es bemerkt habe fing die Zeit ab diesen Moment, in dem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, an zu rennen. August, September, Oktober , November und schon war Weihnachten und Silvester, doch die Zeit rannte nur noch schneller und so zogen Januar, Februar und März wie im Flug vorbei. Und hier stehe ich nun: 3/4 dieses Jahres hinter mir und höchste Zeit auf meine letzten Monate hier zurück zublicken. Dale! (Los gehts!)

 

November- Monat der Feste

Im November haben sich die Ereignisse nur so überschlagen und ein Fest das nächste lückenlos abgelöst. Es war ein Monat mit sehr viel Arbeit und wenig Freizeit aber auch ein Monat mit viel Freude und unzählichen neuen Eindrücken. Den Anfang machte das legendäre Bingofest im Heim Madre Albertina- und ja, man kann tatsächlich 9 Stunden am Stück Bingo spielen und ja, es passen sehr viel mehr Menschen ins Heim als man denkt. Danach folgte das Cristo Rey Fest. Ein Tag mit Gottesdienst, Festessen, Tanz und festlicher Kleider und ebenso festliche Stimmung.

Zwischendrin fanden auch noch die Wahlen hier in Nicaragua statt- ein wirklich interessantes Erlebnis für mich und die Zeit sich selbst mehr mit der Geschichte und der Politik Nicaraguas zu befassen.

Am 28. November begann das religiöse Fest in Granada in der Kathedrale. Die Marienstatue wurde von ihrem Platz in der Kathedrale zu den Menschen heruntergeholt. Der Gottesdienst selbst hat mich ehr an ein Konzert oder Prominentenauftritt erinnert.  Alle standen kreischend und applaudierend mit Handy in der Hand in der Kirche um die Marienstatue zu sehen und ein Bild zu schießen- auch die Pfarrer nicht ausgeschlossen. In den folgenden 9 Tagen erlebte ich dann eine ganz andere Art Maria zu ehren: die Purisima. Ab diesen Tag wurde jeden Tag im Heim die Purisima gefeiert. Das bedeutet, dass jeden Tag vor einer mit Lichterketten beschmückten Marienstatue ein Rosenkranz gebetet und gesungen wurde. Am Ende wurden nach  verschiedenen Jubelrufe noch Süßes oder Leckereien verteilt . In dieser Zeit war ganz Granada im Außnahmezustand.

Cristo Rey Fest- ein Tag mit Gottesdienst, Festessen (für das das Heimschwein Dari sein Leben lassen musste) Tanz und festlicher Stimmung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bingo, Bingo, Bingo

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember- Monat der Besinnung?

Der Höhepunkt der religiösen Festlichkeiten ist die Griteria. Gemeinsam mit dem Heim waren wir mit dem Bus in den Städten Masaya und Managua unterwegs um in verschiedene Häuser zu gehen, ihre Marienstatuenaltare zu bestaunen, Lieder zu singen und dann mit Geschenken beladen weiter zu ziehen. So etwas wie an diesem Abend habe ich noch nie erlebt und die fröhlichen Gesänge und Rufe werden mir noch lange im Gedächnis bleiben!

Eine ganz andere und besondere Art Maria zu ehren- die Purisima!

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Advents- und Weihnachtszeit ist fast unbemerkt vorbeigeschlichen und, um zu mindest etwas Stimmung und Vorfreude für Weihnachten aufzubringen, habe ich für die Familie einen selbstgemachten Adventskalender aufgehängt- was erstmal erklärt werden musste. An Weihnachten selbst und mit meiner Vorstellung einer besinnlichen Heiligabend wurde ich komplett überrascht: Statt einem ruhigen Abend vor dem Weihnachtsbaum wurde nach dem Familienessen laute Partymusik gespielt, Salsa getanzt und um Mitternacht geböllert und erst dann Frohe Weihnachten gewünscht. Bis in die frühen Morgenstunden wurde dann mit einer Salsaparty bei Freunden weitergefeiert.

Geschenke gibt es hier in den meisten Familien nicht- vor allem aus finanziellen Gründen. Und ich muss sagen, dass es darauf nicht ankommt, auch wenn man sich natürlich über kleine Geschenke freut. Was viel wichtiger ist, damit sich ein Weihnachtsfest nach Weihnachten anfühlt, ist ein gemeinsames Essen und Zeit mit der (Gast-)Familie. Trotzdem hat mich einige Zeit der Gedanke beschäftigt, dass viele Kinder hier weder an Geburtstagen noch an Weihnachten Geschenke bekommen- ist dies doch in unserer Kindheit immer ein Highlight und nicht wegzudenken gewesen.

 

Weihnachtsfeier im Heim- wer findet die „Weiße“? 😉

Mit Weihnachten kamen dann auch meine langersehnten Ferien und somit die Gelegenheit auch andere Facetten Nicaraguas kennenzulernen.

Über Silvester machten wir uns auf ans Meer nach El Transito. Ich glaube, ich habe bis jetzt an keinem Ort so stark die Unterschiede zwischen Reichtum und Armut so deutlich zu sehen bekommen. Die erste Häuserreihe mit Meerblick- Villen von Kanadiern und Amerikanern und direkt daneben Blechhütten ohne fließendes Wasser und mit offenen Feuerstellen. Wir wurden zufällig von Kanadiern eingeladen ihre Villa zu besichtigen und in diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie viel ich von hier mit nach Hause nehmen werde. Keine 10 Meter weiter leben die Menschen in selbstgebauten Hütten, ein Bett wird mit der ganzen Familie geteilt, es gibt meistens kein fließendes oder gar sauberes Wasser…

Das alles bringt einem zum Nachdenken und auf die Frage, die wir uns alle einmal stellen: Was brauchen wir wirklich? Was ist das was uns glücklich macht? Und wie gehen wir mit diesen enormen Unterschieden und Armut um, die es auf der Welt gibt?

 

Januar- neue Facetten Nicaraguas und ein neues Jahr im Heim beginnt

Auf dem aktiven Vulkan Telica: Unter dem Sternenhimmel an der Kraterkante entlang laufen und in die Lava zu schauen- einfach unbeschreiblich!

Kayakfahren auf dem Rio San Juan

 

 

Auf einer Farm beim Schokolade machen.. Wer kann mir sagen, wie es geht?

Blick über den Rio San Juan und dem Dschungel im Indio Maiz

Anfang des Jahres konnte ich eine neue Seite Nicaraguas kennenlernen: den Rio San Juan. Was mich vor allem überrascht hat ist zu sehen, wie sehr es die Menschen freut, wenn man versucht auf ihrer Landessprache mit ihnen zu sprechen und interessiert an ihrem Land ist.

Und auch ein neues Jahr im Heim hat begonnen. Die Mädchen sind aus ihren Ferien ins Heim zurückgekehrt und  auch einige neue Gesichter waren dabei. Ein paar Mädchen sind jedoch auch nicht zurückgekommen und ich habe wieder einmal gemerkt wie sehr mir jedes Mädchen ans Herz gewachsen ist.

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Neuer Anstrich: Ich kann mit Stolz sagen, dass jetzt ein  frisch gemaltes Sternsinger-Kindermissionswerk-Logo den Salon ziert.

 

Februar- Arbeit und Zwischenseminar

Und schon stand ich wieder komplett in meinem Alltag… eine Sache, die glaube ich viele oft vergessen. Auch wenn wir Freiwilligen in einem weit entfernten Land leben und die Chance haben viel Neues kennenlernen und auch etwas reisen können, sellt sich trotzdem ein Alltag ein. Ein Alltag, in dem man morgens aufsteht, zur Einsatzstelle geht, abends müde von der Arbeit  mit den Kinder und der Hitze zurückkommt… Nicht, dass es nicht schön und auch aufregend ist,  doch so ein Freiwilligendienst ist mehr als ein Jahr Action, Abenteuer und Reisen.

März- Besuch in Juigalpa

Im März war es soweit: Ich hatte die Möglichkeit meine Mitfreiwillige Mafalda in ihrem Zuhause und in ihrem Projekt in Juigalpa zu besuchen!

 

Hier und Jetzt

Morgen ist der letzte Tag vor den Osterferien und damit steht wieder eine ganz neue Erfahrung für mich an: Die Semana Santa in Nicaragua!

Und da auch diese Zeit  wieder schnell vergehen wird, heißt es jeden Moment zu genießen! 🙂

Auf die nächsten 33 %!