Blog#1 Alles von Anfang!

Samstag, 28. Oktober 2017 von Markus Bartsch

Nach zwei Monaten am anderen Ende der Welt wird es Zeit endlich meine ersten Eindrücke und Erfahrungen festzuhalten. Warum erst so spät? Nun ja… ich habe hier so viel erlebt, dass ich nie Ruhe hatte den Anfang meines Abenteuers in Mexiko nieder zuschreiben. Doch mittlerweile ist der Alltag auch hier in mein Leben eingekehrt und den ersten Artikel kann ich wirklich nicht weiter hinauszögern…

Damit ich mich nicht sofort verzettel, werde ich in diesem Blog grob die letzten beide Monate wiedergeben. In kommenden Beiträgen (ihr wisst ja alle sechs Wochen… 😀 ) gehe ich dann konkreter auf einzelne Themen ein, wie z.B Arbeit im Projekt, Leben mit der Fremdsprache Spanisch, Freizeit, Langeweile und Überforderung, Sicherheit, auf Reise oder Kulinarisches.

Doch wie verlief denn nun mein Freiwilligendienst bisher? Was für eine erlebnisreiche, wunderschöne Zeit lag noch vor meiner Ausreise hinter mir: letzter Schultag, Abiturprüfungen, Wanderurlaub, Fahrradtour, Abiball und viele Tage am heimischen Strand ohne Schule und Sorgen. Genug zu tun gab es trotzdem: Impfung, Papierkram, Packen, Papierkram, Botschaftsbesuch oder Papierkram. Fakt ist, wer ein FSJ im Ausland machen will, darf sich auf Einiges an Bürokratie freuen!

Meine Ausreise wurde nochmal richtig hektisch, weil ich bis einen Tag vor Abflug auf meinem Ausreiseseminar war. Der Abschied wurde zu einem regelrechten Marathon und ich war glücklich, als ich endlich im Flieger über den großen Teich saß. Endlich konnte ich die Vorbereitungszeit abhaken und endlich viel die Anspannung der letzten Wochen ab. Trotz aller Vorfreude schwang jedoch auch Wehmut, Zweifel, Nervosität und Ungewissheit mit.

Nach 20h des Gefühlschaos im Flugzeugsitz landete ich völlig aufgekratzt in einer der größten Städten der Welt, Mexiko City. Das nie enden-wollende Lichtermeer der Hauptstadt beim Überfliegen ist einfach nur atemberaubend. Nach einem halben Jahr der Vorbereitung tatsächlich am Einsatzort zu landen war absolut surreal!

Zur Eingewöhnung blieb ich zehn Tage in Mexiko City. Mein Projekt, Hogares Calasanz, wirkt nämlich sowohl dort, als auch in meinem derzeitigen Wohnort, Puebla. In der mexikanischen Hauptstadt arbeitet mein Mentor, Padre Reyes, welcher Leiter der Heime in beiden Städten ist und jeden Mittwoch das Projekt in Puebla besucht.

Da war ich also… inmitten der 20 Millionen Metropole. Eine Dimension die sich kaum erfassen lässt. Eine Stadt zehn Mal größer als Hamburg oder 350 Mal größer als mein beschauliches Greifswald. In meinen ersten Tage wurden mir die Innenstadt und einige historische Viertel gezeigt. Was nach einem Kurzbesuch klingt, kann durch den nie ruhenden Verkehr schnell ein Tagesausflug werden.

 

Straßenszene in Mexiko City

 

 

Die Arbeit im Projekt überzeugte mich sofort! Kinder und Betreuer leben in einem sehr engen und vertrauensvollem Verhältnis. Die Atomsphäre ist stabil und trotz der Vorgeschichten der Kinder wirken sie wie „normale“ Heranwachsende. Der Umgang ist sehr respektvoll und persönlich. Unheimlich gastfreundlich wurde ich aufgenommen und so tat es mir fast leid, nach zehn Tagen das Projekt nach Puebla wechseln zu müssen…

 

Terassenblick der Wohnung eines Bekannten

 

 

Hogares Calasanz Haus 2 in Mexiko City

 

 

 

 

 

So reiste ich am 23.08.17 weiter ins zwei Stunden entfernte Puebla. Die Stadt,mit immerhin zwei Millionen Einwohnern, wirkte nach dem Aufenthalt in Mexiko City  fast provinzisch…so verschieben sich die Relationen. Seitdem lebe ich in meiner Gastfamilie. Sie besteht aus meinen Gasteltern und meinem 21 Jahre alten Gast-Bruder. Meine 23 Jahre alte Gast-Schwester habe ich nur kurz kennengelernt, da sie in den Niederlanden studiert. Mit uns wohnen noch fünf Hunde in einem sehr komfortablen Haus: drei Chihuahuas, ein alter Zwergpudel und ein Husky-Welpe.

Huskywelpe Kida

 

Chihuahua Manzana

 

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase verstreichen die Wochen immer schneller. Seither habe ich viele neue Gerichte probiert, Menschen getroffen und Orte besucht. Ich feierte den Unabhängigkeitstag am 16.09, besuchte die Kathedrale von Puebla samt historischem Zentrum und fuhr zum Wochenendhaus meiner Gastfamilie.

 

 

Der Vulkan Popocatepetl ragt über Puebla

 

Die Kathedrale auf dem Zócalo

 

Leider gab es auch schon aufreibende Momente. Zwei Erdbeben der Stärke 7-8 erschütterten innerhalb zwei Wochen das zentrale Mexiko. Das erste Beben verschlief ich tatsächlich, weil ich anfangs noch sehr müde war von der Arbeit, der Fremdsprache und der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Hektisch weckte mich meine Gastfamilie, während ich im Halbschlaf versuchte die Situation einzuordnen. Im Schockmoment und durch die Hektik der Familie dachte ich zuerst wir werden überfallen, wodurch ich wirklich einen riesigen Schock hatte. Klingt sehr dämlich, aber im Halbschlaf läuft man eben auf Autopilot.. :D. Als mir die Lage dann endlich erklärt wurde, war ich auch nicht unbedingt beruhigt. Ich konnte mich anscheinend nicht darauf verlassen, dass ich im Notfall alleine aufwache. Dieser Gedanke machte mich für die nächsten Nächten wirklich unruhig.

Erdbeben dieser Stärke sind nicht typisch für diese Region, weshalb sich alles recht schnell normalisierte. Jedenfalls bis ich mich knapp zwei Wochen später im Migrationsamt wiederfand, um mein Visum abzuholen. Noch auf dem Weg warnte mich eine Mitarbeiterin, dass es eine Simulation geben wird, anlässlich des Bebens vor 32 Jahren in Mexiko City, welches mehr als 10.000 Tote forderte.

Gerade als ich meine Dokumente zur Kontrolle übergeben hatte, heulte eine Sirene auf. Die Stimmung blieb entspannt, da wir von der Übung ausgingen. Doch plötzlich machte der Boden einen Satz nach oben, dann noch Einen und dann bebte die Erde ununterbrochen. Jetzt war klar, dass leider ein reales Beben war.  Zum Glück war ich im Erdgeschoss und rannte mit meiner Begleiterin auf die Straße. Da war die Gefahr aber nicht vorbei. In den engen Straßen muss man weiter auf Fassadenteile, Stromleitungen, oder den Straßenverkehr aufpassen. Zu allem Überfluss hatte meine Begleiterin eine Panikattacke mit Kreislaufzusammenbruch. So musste ich uns ohne jegliche Erfahrung mit Verhalten bei Erdbeben durch das Chaos auf der Straße schlagen. Immerhin funktionierten meine Instinkte besser, als beim ersten Mal im Halbschlaf! 😀

Das Naturphänomen dauerte keine Minute und war eben so plötzlich weg, wie es gekommen war. In meiner Sichtweite sah ich weder Verletzte noch Sachschäden, doch in den Nachrichten wurde das Ausmaß dann sichtbar. Besonders Mexiko City hatte es hart getroffen. Und das am Gedenktag des Erdbebens von 1985… Galgenhumor der Natur.

Richtig unheimlich wurde es auf dem Heimweg. Gerade als wir auf einer Autobahnbrücke im Stau standen, fing die Erde erneut an zu schwanken. Beklemmender kann eine Situation kaum sein!

Abends sollte ich eine Notfalltasche packen und mit Sachen schlafen, falls uns ein Beben in der Nacht überrascht. Glücklicherweise blieb es seitdem ruhig! Nach und nach normalisierte sich die Situation, auch wenn zahlreiche Menschen obdachlos, verletzt oder getötet wurden.

Unter anderem deshalb nahm ich am 06.10 am Sicherheitsbriefing in der deutschen Botschaft in Mexiko City teil. Da ich sowieso in die Hauptstadt musste, blieb ich gleich eine Woche im Heim vor Ort, wo ich schon meine erste Woche verbrachte. Mein Mit-Freiwilliger in Mexiko, Jan, reiste extra sieben Stunden aus Guadalajara an und wohnte mit mir zusammen in meinem Projekt. Einige Tage arbeiteten wir und ich stellte ihm mein Projekt vor. Das Wochenende nutzten wir, um die Pyramiden von Teotihuacan zu besuchen.

 

 

Straße der Toten und Pyramide des Mondes

 

Niemals die Mittagssonne unterschätzen

 

 

Während dieser Zeit Deutsch zu reden war anfangs sehr merkwürdig, aber es war wichtig sich über den Freiwilligendienst auszutauschen. Es war erstaunlich, wie ähnlich man über Vieles dachte, aber wie unterschiedlich sich ein FSJ gestaltet.

Nach dem Tapetenwechsel in der Hauptstadt kehrte ich mit neuer Energie zurück zum Alltag. Gerade durch den Austausch mit einer Person in einer ähnlichen Situation, entspannte sich meine Sicht auf viele Kleinigkeiten.

Zwei Wochen arbeite ich jetzt wieder in Puebla und genieße die Zeit sehr! Es ist wirklich eine einmalige Chance ganz bewusst in einer neuen Kultur zu leben. Natürlich gibt es auch hier Tage die zum Vergessen sind, aber es ist eine große Möglichkeit, die uns Freiwilligen eröffnet wird! Ich habe jetzt so gut wie möglich zusammengefasst, was bisher passiert ist. Ab jetzt kommt dann wirklich regelmäßig ein neuer Artikel!

Nos vemos!

 

Alltag – oder zumindest ein Tag aus meinem Leben

Mittwoch, 24. Mai 2017 von Julia Wolf

 

06.30 Uhr: Ich werde wach, mein Gastbruder muss in die Uni.. wie hab ich es jemals geschafft so früh auszustehen? Ich dreh mich nochmal um.

07.30 Uhr: Der Wecker klingelt… Ich liebe die Schlummertaste.

07.55 Uhr: Die Nachrichten aus Deutschland sind beantwortet. Aber aus dem warmen Bett raus?

08.15 Uhr: Zeit aufzustehen. Sachen zusammenpacken, umziehen.

08.25 Uhr: Jetzt frühstücken, heute wieder Quinoa mit manjar blanco und Brot. Kurz mit meiner Gastmami sprechen.. unglaublich diese Frau, ist schon seit 5 Uhr wach. Zeug abspülen.

08.45 Uhr: Ich muss los. MICANTO ist zwar im wahrsten Sinne des Wortes nur um die Ecke, aber ich muss noch Brot für den Nachmittag kaufen. Und duschen.

08.55 Uhr: Warmes Wasser ist eine Wohltat! Und heute kommt es sogar heiß.. das Leben kann so schön sein.

09.10 Uhr: Fast pünktlich! Chana wartet schon auf mich. Fange an, ein neues Projekt MICANTOs auf deutsch zu übersetzen. Heißt es durch oder mit? Ich muss mal wieder nach einem Synonym für Möglichkeit suchen. Danke Internet!

10.00 Uhr: Ich brauche eine Pause! Mache die Büros sauber… Wer hätte das gedacht, ich vermisse einen Staubsauger, das von mir am meisten verhasste Haushaltsgerät.

10.20 Uhr: Bin am Buchstaben ausschneiden. Motivationssätze für die Kinder, die nachmittags kommen, um ihre Hausaufgaben zu machen. Hab das R schon wieder falschrum geschnitten… also nochmal.

11.15 Uhr: Wir gehen nach Shudal, dem ländlichen Teil Cajamarcas. Suchen ein Jungen, der uns ein Interview zum Thema Kinderarbeit geben soll. Chana fängt an seinen Namen zu rufen, wir können nicht zu seinem Haus, sonst fressen uns die Hunde.

12.30 Uhr: Er hat alle Fragen beantwortet, ein fleißiger Junge! Unvorstellbar für mich, als Kind arbeiten zu müssen. Für ihn die einzige Möglichkeit.

13.10 Uhr: Zeit nach Hause zu gehen… Ich habe Hunger!

13.40 Uhr: Nach der Suppe gibts natürlich Reis mit Pommes und Hühnchen. Meine Schwester beschwert sich über zu viel Reis… mir schmeckts.

13.50 Uhr: Das aktuelle Weltgeschehen wird diskutiert. Sie sind besorgt, bieten mir Schutz an, wenn die USA Russland angreifen soll. Da ist die Lage Deutschlands ja eher als schlecht einzuschätzen. Da haben sie wohl Recht.

14.10 Uhr: Mal wieder sehr unterhaltsam, das Mittagessen. Und jetzt noch Pause, ich muss dringend mein Zimmer kehren. Aber ich bevorzuge dann doch mich ne halbe Stunde hinzulegen… mach ich heut abend.

14.58 Uhr: Ich muss los.. sag meiner Schwester Bescheid, die arbeitet auch in MICANTO mit. Aber ist eher als unpünktlich zu beschreiben, ich warte also noch auf sie.

15.10 Uhr: Bin heute erstmal bei den Kleinsten, den Kindern aus der ersten und zweiten Stufe. Wie bringt man dem einem Kind lesen bei?

15.35 Uhr: Suche inzwischen die wichtigsten Schrifsteller Perus raus… interessant. Aber hauptsache kurz, diese Anweisung hab ich von einem Kind aus der sechsten Klasse bekommen. Ich drucke es ihm aus, ist so mittellang geworden, weiß jetzt schon, dass er sich das nicht durchlesen wird.

16.02 Uhr: Ohje, direkte Proportionalität. Und was ist der Unterschied zwischen pflanzlicher und menschlicher Zelle? Ich wusste das doch alles mal!

16.30 Uhr: Die Glocke klingelt. Zeit für den Zwischensnack und eine halbe Stunde spielen. Nach dem Hände waschen wird gebetet und dann gegessen. In einem Rekordtempo versteht sich, geht ja alles von der Zeit zum Spielen weg.

16.59 Uhr: Das Fußballspiel ist im vollem Gange.  Oho, gleich ist fünf, dann müssen die Hausaufgaben weiter gemacht werden.

17.02 Uhr: Und es wird gemeckert, wie immer. Das letzte Tor entscheidet.

17.05 Uhr: Der menschliche Atmungapperat muss noch gebastelt werden. Wissen die Lehrer eigentlich, was das für ´ne Arbeit ist? Und, dass die Materialien Geld kosten, das nicht jedes Kind hier hat?

17.35 Uhr: Leichte Panik: es fehlt noch über die Hälfte. Die anderen gehen zum Lesen in die Bibliothek.

17.55 Uhr: Der Raum muss gekehrt werden, der Atmungsapperat ist noch nicht fertig, die Matheaufgabe muss noch schnell verbessert werden.

18.00 Uhr: Und wieder die Glocke, die Mamas warten schon. Hasta mañana! Bis morgen!

18.05 Uhr: Es ist wieder Ruhe eingekehrt. Nur der Atmunsapperat ist noch nicht fertig…

18.25 Uhr: Endlich! Kein Meisterwerk, aber immerhin fehlt nichts. Auch das letzte Kind geht nach Hause.

18.30 Uhr: Die Bastelarbeiten für den Muttertag werden noch bisschen verschönert. Zusammengekehrt wird auch nochmal.

18.55 Uhr: Zeit zu gehen. Sind alle Fenster zu? Die Lichter aus? Die Türen zu?

19.05 Uhr: Komme nach hause. Habe Hunger und bin müde. Unterhalte mich mit meiner Gastmama, ihre Mutter ist krank.

19.30 Uhr: Wir essen zu Abend. Heute kam auch mein Gastvater wieder, er arbeitet immer 4 Tagesschichten in der Miene. Mein Bruder ist noch nicht da, meine Schwester hat seit 18.00 Uhr wieder Uni. Mein Gastvater fragt mich, wie es ist im Zug zu reisen und ob es da laut ist. Ist es im Zug laut? Ehrlich gesagt erinnere ich mich nicht mehr richtig daran.

20.10 Uhr: Mein Bruder kommt von der Uni nach hause, erzählt von seinem Tag, ist verärgert über seine Kameraden und Professoren. Hab irgendwie keine Lust mir das auch wieder anzutun, bin dankbar für mein derzeitiges Leben.

20.40 Uhr: Helfe meiner Mama noch bisschen beim Abspülen. Also eigentlich leiste ich ihr nur Gesellschaft, denn ihrer Meinung nach ist das Wasser viel zu kalt für meine Hände, da werde ich nur krank. Ich kapituliere, spüle ab, wenn sie nicht da ist.

21.00 Uhr: Es wird still im Haus. Meine Eltern gehen schalfen, stehen beide morgen wieder früh auf. Da dreht mein Bruder seine Musik auf. Nun, dann werde ich jetzt wohl noch bisschen lateinamerikanische Musik hören, hat zum Glück einen guten Musikgeschmack.

22.10 Uhr: Kann jetzt Filme auf 3 Sprachen schauen, die Auswahl ist dadurch deutlich größer…

23.30 Uhr: Die ersten Nachrichten aus Deutschland erreichen mich. Ein Zeichen zu schlafen.. Gute Nacht, freue mich schon auf Morgen!

 

So könnte irgendein Tag aussehen, der nächste wäre dann allerdings schon wieder einen anderen Eintrag wert. Hier gibt es kaum Routine, vor allem morgens mache ich eben das, was anfällt. Ich gehe mit einem Kind zum Arzt, besuche Familien oder Schulen, gehe einkaufen oder manchmal ist es auch sehr ruhig und ich verbringe die Stunden mit basteln.
Ich würde also nicht sagen, dass ihr gerade mein Alltag erfahren habt, aber zumindest ein Beispiel, wie ein Tag aussehen könnte. Ich hoffe es hat euch gefallen, bis zum nächsten Mal!

Julia

 

ein kleines bisschen Freiheit, ein kleines bisschen Abenteuer

Freitag, 31. März 2017 von Konstantin

Ende Februar ging es endlich los: einen Monat Rundreise durch Ecuador, zusammen mit meinem Bruder Alexander und unserem Kumpel Felix. Das Gepäck sollte möglichst gering ausfallen: Ein großer Rucksack pro Person, mehr nicht. Klamotten für ein paar Tage, mehr nicht. Ein Paar Wanderschuhe, ein Paar Straßenschuhe, mehr nicht. Kamera, Regenjacke, gutes Buch, das war’s dann aber auch. Unsere Reiseplanung war eindeutig: Erstmal müssen Alexander und Felix hier landen, dann kann man weiter gucken. Fest stand lediglich: Geschlafen wird in möglichst günstigen Mehrbettzimmern in Hostals, sich von A nach B bewegt mit dem Bus UND: gegessen wird, wat auf den Tisch kütt.

Reisen ist Freiheit, Reisen ist Abenteuer. Jeden Tag aufs Neue kann ich entscheiden: Wo schlafe ich? Was mache ich morgen? Wo fahre ich morgen noch hin?

Reisen ist aber auch ein unfassbares Privileg: Mit dem deutschen Reisepass kann man in so viele Länder visafrei einreisen, wie mit keinem anderen Reisepass. Privileg 1. Viel wichtiger aber: Bezahlbarkeit. An dieser Stelle mal die Kosten für eine Ecuadorreise überschlagen (in Ecuador zahlt man mit dem US-Dollar): 700 Dollar Flug von Deutschland nach Ecuador, 10 Dollar pro Nacht für ein Hostal, 7,50 Dollar Kosten fürs Essen pro Tag, 2,50 Dollar für den Bus in die nächste Stadt. Somit ist man schnell bei 1300 US-Dollar. 1300 US-Dollar sind gute drei durchschnittliche Monatsgehälter hier in Ecuador. Des Weiteren hat der Durchschnittsecuadorianer, der nicht bei Behörden arbeitet, nur 15 Tage Urlaub im Jahr.

Nutzt die unfassbaren Möglichkeiten, die wir metaphorisch durch unseren Reisepass in die Wiege gelegt bekommen haben. Traut euch hinaus: Auch abseits von Europa und Nordamerika gibt es unfassbar viel zu entdecken! Auch in Teilen der Welt, in denen nicht Englisch gesprochen wird, kann man unfassbar viel entdecken! Durch eine Reise in ein nicht typisches Touristenland unterstützt ihr sogar noch die lokale Wirtschaft.

Dennoch muss man sich immer im Hinterkopf behalten: Es ist ein unfassbares Privileg, die finanziellen Möglichkeiten zu haben, andere Teile der Welt zu sehen. Dementsprechend sollte man, egal wo man ist, dem Fremden und Unbekannten immer mit absolutem Respekt begegnen und sich Gedanken machen, wie man vielleicht gerade in seiner Reisegruppe auf Einheimische wirken könnte.

Und selbst wenn es z.B. nach Mallorca geht: Auch dort ist man fremd. Auch dort kann es als respektlos gelten, kein Wort der Sprache zu können. Auch dort kann es als respektlos gelten, rumzugröhlen und Bierdosen rumzuwerfen, auch wenn es auf Grund der Masse an Touristen vielleicht nicht auffällt.

Dennoch denke ich, dass wir die Privilegien, die wir nun einmal haben, gut z.B. bei schönen Reisen nutzen können, als den puren Materialismus zu unterstützen.

Ecuador ist ein wunderschönes, unfassbar vielfältiges Land. Kein Land ist so vielfältig wie Ecuador. Hier kann man in drei Stunden Busfahrt im absoluten Andenhochland sein, aber genauso in drei Stunden Busfahrt an einem traumhaften Strand. Anstatt jetzt noch weiter zu schreiben, dachte ich, lasse ich einfach die Bilder für mich sprechen:

Los ging’s in der Hauptstadt Quito: Ausblick über die 60km lange Stadt

 

Quilotoa Lagune – Ausmaß und Schönheit praktisch nicht fotografierbar – höchster Punkt unserer Wanderung lag auf 4930m über dem Meerespiegel – wortwörtlich „über den Wolken“

 

Wanderung beim Touristenort Baños

 

Fahrradtour auf einer der Andenstraßen

 

Cascada del Diablo „Teufelswasserfall“

 

in Latacunga ins Karnevalgeschehen involviert worden – Karneval bedeutet hier nicht laute Musik und Alkohol, sondern Mehl, Ei und Sahneschlacht – zusätlich wurden wir von einer Schülergruppe in einen See geworfen

 

irgendwann viel später beim Chimborazo – Ecuadors höchstem Vulkan – 6310m und schneebedeckt – leider auch fast die ganze Zeit wolkenverhangen zu dieser Jahreszeit

 

eine Schlucht in der Nähe eines Wasserfalles in der Nähe des Chimborazos

 

ein verdammt knuffiger Blaufußtölpel – gesehen auf der Isla de la Plata, eine Insel die als eine einzelne Galapagosinsel beworben wird…. Naja 😀

 

Die Surfcrew – sogenannte Bodyboards (Surfbretter für Leute die nicht surfen können) ausgeliehen und in den Hammerwellen des Örtchens Canoas gesurft

 

für die ein oder andere Tür ist einmeterirgendwasneunziggroßfelix dann doch zu groß

 

Nächster Stopp: Santo Domingo, die Stadt in der ich arbeite – Felix und Alexander natürlich eingeladen in „mi casa“ (unteres Stockwerk ist die Wohnung von mir und meiner Mitfreiwilligen)

 

hier ging’s zu einem der für Santo Domingo typischen Flußschwimmbäder – auf Grund der aktuellen Regenzeit und der deswegen sehr starken Strömung in den Flüssen hatten wirr diesen fast für uns alleine

 

Am Ende ging es für uns ins Casa Hogar de Jesús – auf dem Foto zu sehen: die jüngsten Bewohner des Heimes: Emiliano, Patricio, Luis Fernando, Antonio und Santiago zusammen mit ihrer Erzieherin Karla

Abschließend möchte ich sagen: Danke Alexander, Felix, und allen netten Leuten die wir auf der Reise getroffen haben!

Auch danke an euch, wenn ihr bis hier gelesen habt!

Sein wir mutig für Neues und mindestens genauso respektvoll vor Allem, was uns in dieser schönen Welt begegnen kann!

(ihhh drei Sätze mit Ausrufezeichen hintereinander)

Viele Grüße und bastante pasaje (ordentlich Fahrtkosten)

wünscht euch

Konni

 

Merry Christmas, Profe!

Freitag, 27. Januar 2017 von Konstantin

D (Mehr dazu weiter unten)

Ausblick aus meinem Strandhostal 😀 (Mehr dazu weiter unten)

Wieder einmal ist viel Zeit nach meinem letzten Blogeintrag vergangen. An den Blogeinträgen sieht man die Zeit durch die Finger rieseln: Mein letzter Blogeintrag ist praktisch schon wieder zwei Monate her, dabei fühlt es sich an, als wäre der Eintrag fast noch „frisch“.

Dennoch ist seit dem letzten Eintrag viel passiert: Weihnachten, komplette Veränderung meines Arbeitsplans, zwei Kurzurlaube, Silvester, und so weiter.

An mich selber habe ich eigentlich immer den Anspruch, einen kurzen, knackigen Blogeintrag zu schreiben, der nicht schon nach dem ersten Absatz langweilig wird. Dies verbietet mir schon fast, die ganzen oben genannten Ereignisse hier jetzt herunter zu berichten. Aber vielleicht muss ich dann jetzt auch einmal über meinen Schatten springen (mir, einem eingefleischten Deutsch-LKler fällt dies gar nicht so leicht).

Deswegen beginnen wir direkt einmal mit dem Titel: Merry Christmas, Profe! Warum fröhliche Weihnachten auf Englisch? Warum das Wort Lehrer (Profesor -> Profe) auf Spanisch? Riiiichtig, ab Dezember habe ich begonnen, Englischunterricht zu geben, zweimal die Woche, in den sogenannten Nivelationsklassen. In den Klassen werden Bewohner und ehemalige Bewohner des Jungenheims Casa Hogar de Jesús und des Mädchenheims Valle Feliz unterrichtet. Die Klassen haben den Zweck, dass die Kids, die häufig eine längere Zeit nicht die Möglichkeit hatten, eine normale Schule zu besuchen, auf ein Level zu bringen, dass sie wieder in eine normale Unterrichtsklasse einsteigen können. D.h., dass zum Beispiel in einer Nivelationsklasse ein Sechzehnjähriger zusammen mit einem Neunjährigen unterrichtet wird, da sie sich ungefähr auf dem gleichen schulischen Level befinden. Im Prinzip steht hinter diesen Klassen ein super Konzept, was aber in vielen Situationen gar nicht so leicht umzusetzen ist: Viele Kinder haben lange Zeit ihres Lebens weder eine richtige Erziehung, noch eine Form von Schulbildung erfahren. So treten im Unterricht Probleme auf, die man aus seiner eigenen Schullaufbahn gar nicht kannte: Einige Kinder sind beispielsweise direkt komplett demotiviert, sobald sie einen kleinen Fehler machen. Dies ist ja eigentlich kein großes Problem, für einige Kids aber nun mal schon. Des Weiteren habe ich ja schon erwähnt, dass teilweise Neunjährige mit Sechzehnjährigen unterrichtet werden. In so einer Situation denkt sich der Sechzehnjährige natürlich auch: „Mein Zug ist schon abgefahren, ich werde sowieso nicht mehr viel lernen, ich werde eh in einem handwerklichen Beruf arbeiten“, usw. Auch ein Problem, besonders für die ehemaligen Bewohner der Heime, die jetzt wieder bei ihrer Familie wohnen, aber immer noch in die Nivelationsklassen gehen, ist mangelnde Förderung am Nachmittag: Die Schule geht von sieben bis ein Uhr, danach sollten am Nachmittag die Hausaufgaben erledigt werden. Die Kids aus den Kinderheimen haben dafür am Nachmittag ihre Erzieher, die sie hierbei unterstützen. Die Kids, die wieder bei ihren Familien wohnen, wären zwar auch auf Hausaufgabenunterstützung angewiesen, bekommen diese aber häufig nicht, da die Familie häufig selber nicht viel mehr Bildung erfahren hat.

Dennoch war ich sehr zufrieden über die Ergebnisse der ersten Klassenarbeit in Englisch. Sie war zwar noch nicht „extrem“ anspruchsvoll, aber dennoch auch nicht zu einfach.

Ein anderes cooles Resultat aus dem Englischunterricht kam vom sechsjähriges Isaiás: Er geht in eine Nivelationsklasse da er einerseits noch nicht lesen und schreiben kann, aber andererseits auch enorme Probleme bei der Aussprache vom Spanischen, also seiner Muttersprache hat. Da er weder lesen noch schreiben kann, war er natürlich auch im Englischunterricht nicht gerade präsent. Aber dann ist er irgendwann nachmittags im Heim zu mir gekommen: „Good Morning!“ und hat dann auf Englisch bis 15 gezählt. Das hat mich extrem gefreut, da ich selber ihm eigentlich gar nicht so viel zugetraut hätte, eben weil er noch nicht lesen und schreiben kann.

Seit neuestem gebe ich jetzt am Wochenende auch noch Basketballunterricht. Hier treten, wie eigentlich zu erwarten war, viele Phänomene seitens der Kinder auf, die ich auch schon aus dem Englischunterricht kenne: Sehr schnelle Demotivation bei Fehlern, oder generell keine Motivation, teilweise auch das Nichtanerkennen von Regeln.

Dazu möchte ich aber im Allgemeinen auch noch einmal sagen: Es sind Kids, die aus schweren Familiensituationen kommen. Es sind Kids, die schon sehr viel Leid in ihrem Leben erfahren haben. Es sind Kids, die teilweise wenig Erziehung bekommen haben. Dennoch: Die meisten von ihnen sind sehr herzlich und aufgeschlossen, und ich sehe für mich in der Arbeit mit diesen Kids die große Chance, mit einer Art von Kindern zu arbeiten, die ich wahrscheinlich in Deutschland so nicht vorfinden werde.

Übrigens: Soviel Zeit für die ganzen neuen Projekte habe ich dadurch, dass das Sozialarbeiterprojekt „Erradicación de trabajo infantil“, bei dem ich vorher immer mitgearbeitet habe, von der Regierung vorläufig erst einmal auf Eis gelegt wurde, d.h. die Förderungsmittel gestrichen wurden. Dies resultiert auch daraus, dass im Februar die Präsidentschaftswahlen anstehen, und noch nicht feststeht, ob der zukünftige Präsident sich auch so intensiv in soziale Projekte investieren wird.

Die Weihnachtszeit und das Weihnachtsfest verliefen für mich eher ein wenig unspektakulär: Bei täglichen Temperaturen zwischen 25-30 Grad kommt man, an Temperaturen um null Grad gewohnt, einfach nicht so richtig in Weihnachtsstimmung. Nichtsdestotrotz haben wir mit den Kids im Heim ein schönes Weihnachtsfest gefeiert: Wir waren zusammen in der Messe, haben viel und lecker gegessen. Meine Mitfreiwillige Bernadette und ich haben noch mit eine der coolsten Aufgaben bekommen: Spender aus Deutschland haben für alle Kids einen neuen Satz Klamotten, d.h. Jeans, T-Shirt und Schuhe bezahlt. Wir durften diese an die Kids austeilen. Ich kann mich nicht darin erinnern, mich selbst einmal so über neue Klamotten gefreut zu haben. Zitat vom Vierjährigen Santiago: „Das sind ganz neue Klamotten, nur für mich?“

Übrigens war ich seit dem letzten Blogeintrag auch noch zweimal im Kurzurlaub, also jeweils ein Wochenende. Das erste Ziel war das Küstenstädtchen Canoa, das zwar sehr stark vom Erdbeben betroffen war, aber jetzt schon wieder zum Großteil aufgebaut wurde. Dort habe ich einfach mal zwei Tage nur am Strand die Zeit vergehen lassen, und habe natürlich trotz 50er Sonnencreme einen starken Sonnenbrand bekommen.

Zweites Ziel war Mindo, ein Städtchen zwischen Santo Domingo und Quito. Eigentlich auch ein sehr schönes Reiseziel, aber leider bin ich direkt nach der Ankunft krank geworden und war so dann doch wieder froh, nach den eigentlich sehr schönen Anblicken der Naturlandschaften wieder nach Santo Domingo zurück zu kehren.

Soooo, das soll es dann jetzt auch gewesen sein von meinem literarisch nicht ganz einwandfrei geschriebenen Bericht. Nach diesem Bericht wird die Zeit zu rasen beginnen: Im Februar habe ich zuerst eine Woche Seminar, dann kommen mein Bruder Alexander und unser Kumpel Felix und wir machen drei Wochen Ecuador (wie man jetzt heutzutage sagt) Roadtrip. Dann beginnen hier auch schon die zweimonatigen Schulferien, und dann ist auch schon Mai.

In der Hoffnung, dass ihr hier trotz der rennenden Zeit noch viel von mir lesen könnt, wünsche ich euch ganz viele Grüße aus Ecuador y bastante gasolina (ordentlich Benzin),

euer Konni

 

Weihnachten – und was fehlt ist Sonnenschutz

Sonntag, 01. Januar 2017 von Julia Wolf

WeihnachtenZu Reflexion waren noch nicht alle da;) – feiert man rund um die Welt – aber immer anders. Wie das Weihnachtsfest in Cajamarca aussehen kann, dass möchte ich euch heute erzählen.

Am 17. Dezember wurde die Geburt Jesu in meinem Projekt „MICANTO“ gefeiert. Schon am Tag davor wurde geschmückt, geputzt und geübt, dass dann auch alles klappt. Geplant war um 9 Uhr zu beginnen, tatsächlich wurde es dann aber ungefähr eine halbe Stunde später, fast pünktlich;)

Alle (ungefähr 160 Kinder, wenige Mütter und 30 Gruppenleiter) versammelten sich und reflektierten zusammen, was Weihnachten für sie bedeutet. Ich war zu der Zeit noch damit beschäftigt, die letzten Vorbereitungen zu beenden, deswegen kann ich euch dazu leider nichts näheres berichten.

Danach ging es auf die Wiese und jede Gruppe durfte etwas Einstudiertes präsentieren. Tänze, Lieder oder Texte wurden vorgetragen und es kamen sogar Maria und Josef vorbei, um bei den Gruppen Unterschlupf zu suchen. Aber wie wir alle wissen war nur noch der Stall frei…
Als kleine Geschenke bekamen die Kinder Tüten mit Süßigkeiten und ein Stück Panetón, das traditionelle Weihnachtsgebäck, das sehr stark an Weihnachtsstollen erinnert. Außerdem wurde heiße Schokolade dazu serviert, das typische Getränk hier an Weihnachten, das sehr lecker ist. Ein Großteil wurde an MICANTO von örtlichen Firmen gespendet, sie haben den Kindern damit eine große Freude gemacht.
Pech war allerdings, dass die Sonne an diesem Tag unglaublich stark geschienen hat. Die ist auf 2900m deutlich intensiver und ich hatte zeitweise das Gefühl, dass mir gleich mein Körper verbrennt. Deswegen haben alle Kinder Schattenplätze gesucht, was bei einer fast senkrecht stehenden Sonne schwierig ist.

Aber es war trotzdem ein schönes Fest, die glücklichen Kinderaugen machen vieles wett und außerdem habe ich auch eine Tasse heiße Schokolade bekommen;)
In meiner Familie haben wir in der Nacht von 24. auf 25.12. gefeiert, denn hier wird erst um Mitternacht das Kind in die aufgebaute Krippe gelegt. Um 20.00 Uhr wollten wir eigentlich in die Kirche gehen, da mein Gastbruder traditionell getanzt hat. Allerdings war diese überfüllt und wir haben nichts gesehen. So gegen 22.00 Uhr gab es dann das Adendessen. Meine Gastmutter hat Ente zubereitet, sehr lecker, auf offenem Feuer gekocht. Normalerweise essen die Peruaner zu Weihnachten Truthahn, in meiner Gastfamilie schmeckt der aber keinem. Dazu gibt es wieder Panetón, Brot, kleine Kekse und heiße Schokolade, es wird also süß und salzig gemischt. Bis 24.00 Uhr haben wir dann noch Filme (Kevin allein in New York) angeschaut und kurz nach Mitternacht habe ich dann meine Geschenke verteilt, die mir meine Familie (Dankeschön!) geschickt hatte. Zwar hatten die Kinder schon Spielsachen bekommen, aber das ich auch was für die Erwachsenen hatte, war dann doch ungewöhnlich. Auch sie haben sich sehr gefreut über die Kleinigkeiten.

Ein Gruppenbild

Ehrlich gesagt haben mich dann die Weihnachtsgrüße, die mich durch das Internet erreicht haben nachdenklich gemacht. Ist “Lasst euch reichlich beschenken” der passende Weihnachtsgruß? Warum gibt es zu Weihnachten die größten Geschenke? Das beste Bild ist der Weihnachtsbaum, mit gefühlt unendlichen Geschenken?

Versteht mich nicht falsch, ich verurteile niemand, bin ja selber ein Teil dieser Gesellschaft. Aber was zählt zu Weihnachten wirklich? Und haben wir nicht schon längst alles Materielle was wir brauchen?

Ich hoffe ihr hattet alle ein schönes Weihnachtsfest und ruhige, erholsame Tage. Ich wünsche euch einen gutes, glückliches neue Jahr 2017, vergesst die Welt um euch herum nicht!

Liebe Grüße aus der Ferne,

Julia

 

100 Dinge die ich in 100 Tagen gelernt habe

Montag, 14. November 2016 von Julia Wolf

1. Eine Waschmaschine ist Luxus
2. Eine warme Dusche ist Luxus
3. Über das Wetter redet man immer gern
4. Es ist schade, nur wegen seiner Hautfarbe anders behandelt zu werden
5. Essen kann auch in anderen Ländern sehr gut sein
6. Peruaner essen am Liebsten ohne Messer
7. Dein Geburtsort ist zufällig, die kannst ihn nicht ändern und auch nicht beeinflussen
8. Ich hatte eine unglaublich gl
ückliche Kindheit
9. Krank sein ist bl
öd, aber wenn es Leute gibt, die sich um einen kümmern, ist es halb so schlimm
10. Gemüse, mit viel Reis vermischt, kann ich schon mal mitessen
11. Hier gibt es Gemüsesorten, die mir richtig gut schmecken
12. Bananen aber sind auch hier richtig eklig
13. Menschen sind ähnlicher als sie scheinen
14. Auch mit 1,76 Meter kann man sich schon wie ein Riese vorkommen
15. Man kann sich mehr als an einem Ort zuhause f
ühlen
16. Die ersten Monate in einem fremden Land, mit anderem Essen, anderem Klima und anderen Umständen, sind sehr spannend und sehr anstrengend
17. Straßenhunde sind unglaublich angsteinfl
ößend
18. Auf 2700m zu leben braucht eine Eingewöhnungsphase
19. Linsen sind richtig gut
20. Ein Mittagessen ohne Reis ist kein Essen
21. Eine Sprache zu lernen erfordert Zeit und Geduld
22. Wasser ist unglaublich kostbar
23. Auch Strom sollte man zu schätzen wissen
24. Isolierte H
äuser sind praktisch
25. Deutschland ist ein extrem reiches Land
26. Verkehr kann auch ohne Ampeln funktionieren (zumindest mehr oder weniger:)
27. Fußgängerampeln sind trotzdem nützlich
28. Ein Deutscher kann das Bild eines ganzen Landes prägen
29. Jede Generalisation ist falsch, einschließlich diese (Henry David Thoreau)
30. Mach deine eigene Erfahrungen und sei dir bewusst, dass sie zu einem anderen Zeitpunkt oder einem anderen Ort ganz anders sein könnten
31. Fisch kann besser sein als Fleisch
32. Mich an eine andere W
ährung zu gewöhnen, fällt schwerer als gedacht
33. Sei ehrlich zu deinen Mitmenschen, genauso wie auch zu dir selbst
34. Nimm dir auch mal Zeit für dich
35. Stricken macht Spaß
36. Mais kann auch lecker sein
37. Umweltschutz lohnt sich
38. Unbebaute, scheinbar unendliche Weiten sind beeindruckend
39. Reisetabletten sind hilfreich, selbst wenn sie nur Placebo sein sollten
40. Nur weil jemand seine Jacke im Haus an hat, bedeutet es nicht, dass er gleich geht
41. Sprich mit den Menschen, wenn es dir nicht gut geht
42. Es gibt sehr viele verschiedene, leckere Sorten von Kartoffeln
43. In ein 5-Mann Taxi passen auch 10 Leute rein
44. Taschentücher sind nützlich
45. Prioritäten können sich verschieben
46. Einfach „ja“ sagen und hoffen, dass es keine Frage war, klappt nicht immer
47. Hinterfrage Einstellungen, vor allem deine eigene
48. Kinder sind intelligente Wesen
49. Erwarte nicht zu viel von dir
50. Fahrrad fahren macht mir auch in Peru keinen Spaß, noch weniger auf 2700m
51. Nutella ist nicht unersetzbar
52. Harry Potter ist wahrscheinlich überall beliebt
53. Sei dankbar für deine Krankenversicherung
54. Ohne Messer essen ist richtig schwer
55. Einen ersten Geburtstag kann man auch richtig groß feiern
56. Das kleine 1×1
57. Schnell im Kopf rechen
58. Castingsshows anzuschauen finde ich unglaublich langweilig
59. Das spanische Vater Unser
60. Hausschuhe braucht man nicht unbedingt, schön warm sind sie trotzdem
61. Was für mich ein Abenteuer ist, ist für andere Alltag
62. Ich bin extrem priviligiert
63. Du kannst nicht die ganze Welt retten, das Lächeln eines Kindes ist schon viel Wert
64. Zwiespältige Gefühle sind unglaublich unangenehm
65. Die peruanische Süßkartoffeln (chamote) ist richtig lecker
66. Die 5 Soles Münze aus 2011 halten alle für gefälscht, tatsächlich ist das aber nur ein Gerücht
67. Es ist unglaublich nützlich die englische Sprache zu beherrschen
68. Die Zeit vergeht extrem schnell
69. Es ist ein komisches Gefühl, befristet in einem Land zu leben
70. Ich bin abhänig von Schokolade
71. Wir Deutsche sollten bewusster leben und vor allem dankbarer sein
72. Spinat wächst nicht tiefgefroren, quadratisch zusammengepresst, sondern gleicht ein bisschen dem Löwenzahn
73. Eine Kuh auf der Straße ist nichts ausergewöhnliches
74. Es ist ein heimiges Gefühl, wenn die Leute dich auf deinem Arbeitsweg erkennen
75. Der Straßenverkäufer ist ziemlich nett
76. Menschen, die sich ehrlich um dich kümmern und sich um dich sorgen, sind sehr viel Wert
77. Alkohol ist eine Droge und wird überall unterschätzt
78. Auch auf Hühner auf dem Dach kann man sich gewöhnen
79. Ich vermisse weniger als gedacht, nur ne Aufbackpizza wäre mal wieder lecker:)
80. Internet war ne coole Erfindung
81. Gibts nur eine kalte Dusche, muss man nicht mehr jeden Tag duschen
82. Es ist ein Privileg, wenn man nicht jeden Cent zweimal umdrehen muss
83. Bist du gesund, oder kannst dir eine ärtzliche Behandlung leisten, dann sei sehr dankbar
84. Mir gefällt mein Leben in Peru
85. Mein Magen hält erstaunlich viel aus, strapaziere ihn aber nicht zu sehr
86. Mundhygiene ist sehr wichtig
87. Es fühlt sich gut an, etwas Nützliches zu machen
88. Eine 6-Tage Woche ist hier normal, meistens ist nur der Sonntag frei
89. Die vielen kleinen Tante-Emma Läden in den Häusern sind praktisch und haben teilweise sehr lange
offen
90. Auch ein Qualifikationsspiel kann man sehr ernst nehmen
91. Mit zwei Kleinkindern zusammenzuleben kann anstrengend sein
92. Eine 20-Jährige Mutter ist nichts ungewöhnliches
93. Eine 25- Jährige Frau, die keine Kinder hat, ist etwas ungewöhnliches
94. Die Kindheit prägt uns, die Art des Denkens zu verändern ist schwierig
95. Mit Jogginghose zur Arbeit zu kommen kann ganz normal sein, ich habe trotzdem immer Jeans an
(zumindest bis jetzt)
96. Claudio Pizarro ist Peruaner und spielt bei Werder Bremen
97. Bayern München ist ziemlich bekannt
98. Jeder Deutsche trinkt Bier schon zum Frühstück;)
99. Zum Zahnartzt geht wohl kein KInd gern
100. Mir bleibt noch viel zu lernen

 

Angekommen in Cajamarca

Samstag, 01. Oktober 2016 von Julia Wolf

6 Wochen- hören sich lang an und sind doch so schnell vergangen. Der erste Monat in Cajamarca war sehr schön und mir geht es wirklich gut!

Angekommen nach einer langen Busfahrt, empfangen von sehr lieben Menschen( 2 weitere deutsche Freiwillige, Dianira und Chana aus meinem Projekt und meiner Gastmutter) und später kamen auch noch von Kinder aus MICANTO dazu. Die erste Woche habe ich mit Sightseeing verbracht, mit immer unterschiedlichen Leuten. Inzwischen kann ich sagen, dass mir die Stadt und ihr Umfeld wirklich sehr gut gefallen. Nicht so groß und laut wie Lima, nicht so klein und still wie meine Heimatstadt.

Langsam wird auch mein Arbeitstag in MICANTO alltäglicher. Da die Kinder nur nachmittags kommen, geht es morgens um 9 Uhr ruhig los. Teambesprechung am Freitag, Dienstag und Donnerstag immer unterschiedliche Dinge, wie Zimmer aufräumen, einzelnen Kindern bei Bastelarbeiten helfen, oder andere anfallende Sachen erledigen. So gegen halb eins gehe ich dann nach Hause zum Essen. Meine Gastmutter kocht richtig gut. Ich habe schon viele neue Lieblingsessen:). Nach der Mittagspause laufe ich 10 Minuten zurück zu meinem Projekt und helfe den Kindern bei ihren Hausaufgaben, so gut das eben, mit meinem inzwischen schon verbesserten Spanisch, geht. 3 Stunden später sind (hoffentlich) alle für den nächsten Schultag gut vorbereitet und in MICANTO kehrt wieder Ruhe ein. Um 7 Uhr mache auch ich mich auf den Heimweg, immer in Begleitung, weil es zu dieser Zeit schon dunkel ist. Nach dem Abendessen (meist Brot mit Tee, besser, als es sich anhört) schaue ich noch mit meinen Gastschwestern und -mutter fern. Meistens gehe aber schon sehr früh ins Bett:)

An die Höhe habe ich mich inzwischen ganz gut gewöhnt. Man braucht aber auf jeden Fall ein paar Tage! Das Wetter hier ist für mich perfekt, morgens und abends ziemlich kalt, tagsüber angenehm warm.

Jeden Tag falle ich todmüde in mein Bett, voller Vorfreude und Neugier, denn es warten noch jeden Tag viele Überraschungen auf mich!

Ich wünsche euch einen schönen Herbst ,bei mir wird es jetzt erstmal Frühling:)

Liebe Grüße aus der Ferne,

Julia

 

Arrived safely. Sicher angekommen. Deutschland.

Mittwoch, 03. August 2016 von JohannaS

Time to pack my bags and leave
Oh, it’s been a year and I know it’s over
I’m glad I’m walking out differently
Finally I feel the air I breathe in
And I can see the light
Become a light of me
Well in your lights I’ll always be

Oh I don’t know where I am
But it feels like home.

– Son Mieux in Feels

Ich bin zurück in Deutschland. Und die Hoch/Tiefphase, die ich vor dem Abschied hatte, hält an. Bisschen Stimmungsschwangkungen. Gefühlsüberflüsse, die richtig anstrengend sind.

Ich kann noch nicht ganz begreifen, dass ich eben nicht in ein paar Tagen zurück in das Nest fliege, dass ich mir in den vergangenen Monaten alleine gebaut habe. Beim Landeanflug auf Frankfurt kamen mir wieder die Tränen, nachdem ich die vom Abflug getrocknet hatte. Wow! Du bist zurück in Deutschland. Gefühlschaos. Vorfreude auf das Wiedersehen. Ich habe meine Eltern überrascht. Traurigkeit, dass dieses Abenteuer vorbei ist. So lange ich drauf hingefiebert habe und so unendlich dankbar ich bin, es erleben zu dürfen. So wunderbare Menschen kennengelernt und eine so schöne Kultur mitleben zu können. Sie in mir zu behalten.

Danke.

Danke.

Ich bin in vielen Momenten viel zu nachdenklich, sehne mich zurück. Vermisse das Chaos, das Leben, die Früchte, den Klang der Sprache. Man hat sich an viele Dinge gewöhnt, die in unserer Kultur nicht ganz „normal“ sind. Aber es ist okay, es ist eine andere „Welt“.

Und natürlich bin ich froh in der Heimat zu sein. Es ist bequem in hier. Leben im Überfluss. Aber das hab ich gar nicht so sehr vermisst. Ich bin froh mit meiner Schwester durch die Landschaft fahren zu können und zu spaßen. In Deutschland fahren wir übrigens total schnell Auto – so kommt es mir vor. Ich genieße es mit der Familie zu reden. Freunde zu sehen, diese zu umarmen und unendlich lange Gespräche. Die, die schon waren und die, die noch kommen werden.

willkommen geheißen.

willkommen geheißen.

Trotzdem ist ein komisches Gefühl dabei. Es ist alles so vertraut und doch haben sich ein paar Dinge verändert. Wär ja auch schade wenn nicht. Und mit den Dingen auch ich selbst. Ich lebe mehr im Moment, bin erstaunt wie viele Dinge ich hier in Deutschland besitze. Ich bin froh mit den Dingen die ich habe. Plane nicht zu viel in die Zukunft. Im Moment. Lebe nach meinem Herzen und nehme mir Zeit für Dinge.

Seinen Platz hier wiederzufinden fühlt sich fast genauso an, wie als ich vor einem Jahr in Manila gelandet bin. Eben mit dem Unterschied hier bereits ein bestehendes Zuhause zu haben. Zuhause. Ich hab irgendwie mehrere „Zuhause“. Kann und will die Frage „Wo ist es schöner?“ oder „Bist du froh wieder Zuhause zu sein?“ nicht beantworten.

Ein Jahr, dass ein Neunzehntel meines Lebens ausmacht und mich geformt hat. Monate mit schönen und nicht ganz einfachen Momenten. Über Grenzen steigen. Ablehnung und Akzeptanz erleben. Die Gedanken in meinem Kopf sind wirr und ich werde mir Zeit geben und mich wiedermal auf einen Neustart im Oktober freuen können.

Ich wünsche den Freiwilligen, die sich jetzt in das Abenteuer starten ganz eigene wunderbare Erfahrungen, Momente in denen sie an sich wachsen und das richtige Bauchgefühl. Passt auf Euch auf.

Vielen Dank fürs Lesen, die Unterstützung, die lieben Worte. Danke.

Johanna

Here comes the English part. This is for you. For the ones I easily placed in my heart. Within the last year.

It’s incredible that I am “done”. That I do not know how many months from now I am able talking to you face to face or giving you again a hug in real life.

It’s incredible how much I miss you already.

It was unbelievable to say “Good Bye”. I know it should be a “See Ya”. Never mind the term; it was a heartbreaking thing to do. Many tears felt. Even during the landing. So happy to see my family – the surprising was awesome! So sad, that „I am done“.

Miss kita!

Miss kita!

I am already one week here. It is cold. Back in the European summer in Germany. My home. I left my Germany one year ago, with the knowledge that I will be back in less than 60 weeks. But coming “home” again is so, so hard. Sure, I am happy to see my family, to joke with my friends. It’s so nice to see my sister and all her habits. Talking to all the people I missed, when I lived in Manila.  It’s nice to eat my mother’s food. It’s nice to sleep again covered by a heavy planked.

Of course, there are so many moments, when I start missing the avocados, mangos, passion fruits. When I miss the chaos, your Taglish, riding the jeep. It’s not „normal“ here to eat rice for breakfast and to have a cold shower – and of course whenever I do things like that, I have to explain myself. It’s not annoying.. but it’s easier not to answer all there questions. „Which place do you like more?“ or “ You are happy to be home, right?“ – I cannot and do not wanna answer this. I feel as if I have to „homes“ now. You see, it’s so hard.

The same feeling as the one, I arrived in Manila one year ago. One difference. I know almost everything here. And that makes it even more difficult. I am not the same anymore.

Listening to my heart. Being happy with all the things I have. Don’t planning to much. I crossed my own boarders in the last months. Easy and difficult moments. And I wanna thank you for showing me your „world“. I try to bring parts of it to the German „world“.

byebye. see ya.

byebye. see ya.

A good friend told me: “Each place and each person has its own time and we have to accept the beginnings and the endings.”

I just wanted to say, that I arrived safely. And I will keep you all in my heart.

Maraming Salamat Po!

 

Ganz viel Dankesehr

Dienstag, 10. Mai 2016 von JohannaS

„You dug yourself into places,

you never thought you would be,

don’t you fret and don’t you mind,

the only constant is changes,

and you will never know what you will find,..

well, we’re always on your way,

we’re always on our way“ – Radical Face (Ben Cooper)

Ich wurde eingeladen. Mit ner Freundin. Zusammen zu ner Freundin einer Schwester von ner Schwester. Zu deren Dorf- und Familienfest. Und ganz nebenbei kamen innerhalb von 4 Tagen spontane Einladungen zu 3 Geburtstagen hinzu. In meinem Kopf macht das alles Sinn, aber ja, es klingt ein bisschen verwirrend. Und es hat mich sprachlos werden lassen. Sprachlos von all der bedingungslosen Gastfreundschaft. Klar, weiß ich, dass hier Gastfreundschaft extrem gelebt wird, aber das hat nochmal einen drauf gesetzt. – Davon erzähle ich hier. Von ein paar Tagen, in denen ich mein Herz ein bisschen mehr hier verloren habe.

Ich wusste vor der Reise nur meine Flugdaten und dass wir ein paar Tage auf Bohol verbringen werden. Bohol ist eine weitere Insel, die wegen ihrer besonders ausgeprägten hügeligen Landschaft berühmt ist. Wir, das sind eine Deutsche, die ich hier in Manila kennengelernt habe und ich.

Zunächst zu uns beiden. Das Schöne, am „ImAuslandSein“, ist das viele Menschen, die du triffst genauso ticken wie du selbst. Und es war das gleiche bei uns. Kathi und mich. Kein einziger komischer Moment. Es verbindet einen die Abenteuerlust, das gemeinsame Reisen. Man lacht zusammen, teilt manchmal die Angst und all die Eindrücke die im Kopf umhergehen und viel, viele Momente.

We're on our way! - Im Bus - ohne Glas

We're on our way! - Im Bus- im Fahrtwind

Wir wurden also eingeladen und schippern nach ein paar Nächten in Cebu City, ziemlich früh morgens nach Bohol.

Morgenstimmung am Hafen

Morgenstimmung am Hafen

Eine kurze, aber herzliche Umarmung später sitzen wir in einem Van und lernen die Freundes Freunde kennen, tauschen ein paar Geschichten und werden, was wir im Nachhinein festgestellt haben, durch die halbe Insel gefahren. Wir sind geschafft am Ende des Tages. Glücklich von den unwirklichen Orten, die wir gesehen haben und müde vom Beineanziehen im Van.

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

ChocolateHills - frag mich nicht wie sowas entsteht

Es ist dunkel und ich sehe seit Ewigkeiten das Funkeln des Sternenhimmels, als wir aufgeweckt werden und aussteigen. Es fröstelt mich sogar ein bisschen, als wir in das Haus geführt werden, wo uns Kindergelache und große Augen ansehen. „Welcome home!“ – ein bisschen fühl ich mich so. Diese Familie, bei denen wir die nächsten Nächte verbringen werden, lernen wir an diesem Abend kennen. Ja, wir lernen nur einen kleinen Teil kennen, denn wegen des Geburtstags des Papas und der „Fiesta“ – einem jährlichen Dorffest – kommen alle Verwandten zusammen. Und wir zwei Deutsche wie selbstverständlich auch.

unsere Brüder auf Zeit

unsere Brüder auf Zeit

Ausschlafen. Ja, obwohl ich meinen natürlichen Wecker in Manila – das Morgengebet der Schwestern, vermissen werden, schlaf ich auf Bohol seit einer gefühlten Ewigkeit wieder richtig lange aus. Und ja, das ist deutsch. Denn normal sind die Menschen hier schon früh auf den Beinen – Emma, die Frau, der das Haus gehört, nimmt es als Kompliment. Und sie bringt uns einen Kokosschnaps – Guten Morgen!

In den folgenden Tage dürfen wir Dinge erleben, die man nicht gut in Worte fassen kann. Ein bisschen magisch, viel philippinische Kultur und Herzlichkeit.

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

Ohne Schnaps.. dafür mit vielen getrockneten Schalen

„We’re always on our way.“ Leider. – Es ist ein Ort, von dem ich noch nie zuvor träumte und doch mein Herz dort gelassen habe. Aber ja Ben Cooper hat Recht: das Einzige was bleibt sind Veränderungen. Und auch wir müssen von unserer Lieblingsfamilie Abschied nehmen. Danke für die wunderbaren Tage. Danke für die Herzlichkeit, für die Geschichten, die ich jetzt erzählen darf. Danke für diese besondere Art der Gastfreundschaft. Ein letztes „Passt auf euch auf“… Ich weiß nicht ob ich sie jemals wieder sehen werde. Und wir machen uns auf den Weg.

Salamat!

Salamat!

Wir machen uns auf den Weg. Zurück nach Cebu, wo wir nur kurz einen Zwischenstopp einlegen wollen, und im Wasser abkühlen und dann weiter fahren wollen. Der nächste Geburtstag!

Los, esst mit – „Essensschlacht“  – so nennen wir hier den Foodfight, der auf dem Bananenblatt stattfindet und bei der alle gemeinsam mit Händen essen. Noch bevor wir die Namen des Geburstagskindes erfahren singen wir ihm schon ein Ständchen. Den Nachmittag verbringen wir also mit dieser Gruppe. Damit Bilder zu machen, beim schwimmen sich den Rücken zu verbrennen und damit ein paar Kokosnüsse zu verschnapulieren. Ein paar sind untertrieben. Danke für die Einladung! Danke für das Erleben dieser Geburtstagstradition! Dankesehr.

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vor der Schlacht!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Kurz vorm Ende.. Es muss leer werden!

Wir machen und auf den Weg in eine andere Stadt der Insel.

Wir bleiben ein paar Tage. Kathi und ich genießen die Sonne, das Tauchen, das InDenTagLeben. Und ein paar mehr Kokosnüsse…

ja gut, das war noch bei der Lieblingsfamilie

Und wie immer machen wir uns dann wieder auf den Weg zurück nach Cebu City.

Und dann kurz bevor ich wieder zurück nach Manila fliege, holt uns meine Lieblingsschwester am Hostel in ab und bringt uns zu ihrer Nichte. Sie wird 15 und wir dürfen dabeisein. Sie ist ein bisschen schüchtern und nimmt lächelnd unser kleines Geschenk an. Und schon wieder. Man fühlt sich als würde man gerade nach Hause kommen. Wir setzen uns an die KaraokeMaschine und beschallen gemeinsam die Nachbarschaft.

Schnulzen, Liebeslieder,...

Schnulzen & Liebeslieder

Wir lachen viel. Wir singen schief und alle machen mit. Wir leben die Momente und schließen sie in unser Herz. Danke – Dankesehr.

Und ich mach mich auf den Weg. Zurück nach Manila. Zurück zum Entspurt. Mir bleibt nicht mehr lang. Ich will nicht an den Abschied denken, der immer näher rückt.

Ich habe mich in dieses Land verliebt. In die Menschen. In die Kultur. Ich habe mir nach all den Monaten unterbewusst Verhaltensweisen angewöhnt. Ich merke, wie schwer es mir fallen wird viel zurückzulassen.

Wie wunderschön es doch ist!

Wie wunderschön es doch ist!

Auch das bedingungslose. Bedingungslos wurden wir in drei ganz unterschiedliche Familien eingeladen und bedingungslos und so wie ich bin, wurde ich von dem ersten Moment an hier aufgenommen. Obwohl ich anders aussehe, ich aus einer anderen Kultur und mit einer anderen Denkweise angekommen bin. Mit offenen Armen empfangen. Ich wünsche mir, dass dieses bedingungslose Willkommenheißen die Welt erobert.

Liebste Grüße – Johanna

 

Reis, Bananen und ganz viel Zucker

Mittwoch, 06. April 2016 von JohannaS

“ A spoon of sugar helps the medicine go down. In a most delightful way“ – „Mary Poppins“

Ich habe mir mal wieder ne Milch gegönnt. Ungefähr 40 Peso. Das sind fast 80 Cent. Es ist ziemlich viel für 250 ml. Und es ist auch noch Nestlé. Ich bin ein Mensch, der diesen Riesenkonzern nicht unterstützen will. Und ich kämpfe immer wieder selbst mit mir, aber ich will einfach manchmal ne Milch trinken. Und zwar kein verdammtes Milchpulver, das in Wasser aufgelöst wurde um dann in Tetrapaks verkauft zu werden. Sondern echte Milch. Und dabei kommt man kaum an Nestlé und industriell verarbeiteten Lebensmitteln vorbei. Leider.

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Milchprodukte sind ein kleiner Luxus - alles importiert

Wer mich kennt, weiß, dass ich einen kleinen Fable für gesunde Nahrungsmittel und die Verarbeitung dieser habe. Und es ich muss hier manchmal den Kopf schütteln, wie man so gute „Rohstoffe“ so einfach „zunichte machen“ kann. Und darüber schreibe ich hier.

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Süßkartoffel... frittiert... mit Zucker - schmeckt trotzdem zu gut!

Ich hab wohl die anderen Mitarbeiter mit meiner Interesse angesteckt und seit ein paar Wochen messen und wiegen wir unsere Straßenkinder, um zu dokumentieren, wie das neu eingeführte, regelmäßige Feeding „anschlägt“. Als ich den BMI ausrechne komme ich ins Stocken. Ich rechne dreimal nach. Aber es sind wirklich ein paar übergewichtige Kinder dabei.

Ich weiß, dass der BMI nicht das Muskel/Fettverhältnis darstellen kann und wohl auch, dass die Kinder mehr schwere Muskelmasse als leichteres Fett mit sich tragen. Aber übergewichtig? Ich denke sehr viel drüber nach und bemerke, dass wir hier eine Gratwanderung zwischen Nahrungsmittelwelten machen.

Beim Feeding

Beim Feeding

Das Paradies der tropischen Früchten, dem lokalen Reis, dem frischen Fisch und unglaublich vielen, gesunden Kräutern auf der einen Seite. Ja, es gibt so etwas wie philippinische „Hausmannskost“. Oft sind es eintopfähnliche Gerichte, die mit Reis gegessen werden. Es wird Hähnchen oder Fisch in Wasser gekocht. Dazu viel Bohnen, Kürbis und „Malunggay“ – Ein kleinblättriges Gewächs, das unglaublich reich an Vitaminen und Nährstoffen ist. Zusammen mit dem Reis gibt es unglaublich viel Energie und liegt, wenn es nicht allzu fettig ist, kaum auf dem Magen. Fettig wird es, wenn Schwein ins Spiel kommt. Es wird nichts weggeschnitten und manchmal kann man am 2cm-dicken Fettrand ein paar Schweineborsten erkennen – fast schon lecker…nicht!

Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

In einer Eatery - Man schaut in Töpfe, sucht sich sein Essen zusammen.. ein bisschen wie Kantine?

Ich mochte nie Seafood - hier schon!

Ich mochte nie gern Seafood - hier schon!

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Nur Gemüse... das Fleisch sieht man ja kaum.

Ja, bisschen bunt..

Ja, bisschen bunt.. das blaue ist Fruchtsalat!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte!

Das werde ich am meisten vermissen - unglaublich gute Früchte - ohne Salat!

…Und es gibt die industriell verarbeiteten, oft importieren Lebensmitteln, die – im Vergleich selbst zu kochen – sehr viel günstiger sind. Und vollgeladen mit Chemie – Geschmacksverstärkern, Zucker, Salz und Konservierungsstoffen. Und das mag wohl auch der Grund sein, weshalb ein paar Kinder mehr wiegen. Das billige Essen schmeckt, gibt einem Kinderkörper jedoch nichts, was eigentlich essenziell wäre. Sie werden von klein auf an den Geschmack von gesüßtem Milchpulver gewöhnt. Das die Zähne auffressen wird. Sie bekommen, statt ein Essen mit Reis und Gemüse, ein paar Hefebrötchen – mit Zuckertopping. Und klar, dürfen Softdrinks nicht fehlen. Wenn Zucker dran ist, schmeckt fast jedem Kind fast alles. „Sogar die ekelhafteste Medizin“ – so erzählt es Mary Poppins. Aber es macht einen Menschen auf Dauer einfach kaputt. Und ich hoffe, das können wir den Eltern nahe bringen, wie wichtig es doch ist, etwas darauf zu achten. Und wer weis, vielleicht sortieren sie irgendwann nicht das kleingeschnittene Gemüse aus dem Reis.

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Crackern,...

Eine kleine Auswahl an Fertigkuchen, Kaubonbons, Crackern,...

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Sahnetorten.. zu diesem Preis kann man hier keine selbst backen! - 6€

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Jollibee - Philippinische Fastfoodkette mit süßen Spagehetti

Das Essen ist eines der wichtigsten Teile des alltäglichen Lebens hier. Diese Nation isst unglaublich gerne. Und ich gehöre wohl schon langsam ein bisschen dazu. Dreimal am Tag Reis. Kein Tag ohne Fleisch. Hinzukommen mindestens zwei Bananen und 3 Liter Wasser innerhalb von 24 Stunden. Achja und dann die Snacks und das Streetfood – das ist ja nix. Ja, ich habe zugenommen und dank der lieben Fürsorge, dass ich auch ja keinen Hunger verspüre und meiner Neugier bleibt mir nichts anderes übrig, als alles zu probieren. Wirklich alles.

Zum Beispiel auch Hühnerfüße

Zum Beispiel auch Hühnerfüße - nicht unbedingt mein Fall

Algen - wirklich nicht schlecht!

Algen - wirklich nicht schlecht!

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen

Getrockneter Fisch - Ich kann das auch nach 7 Monaten noch nicht essen..zum Frühstück!

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

FilipinoBreakfast - Instantkaffee und Hefebrötchen

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Ja klar, roteingefärbte Hotdogs mit Marshmallows...

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

Eis mit "Ube" Geschmack - eine violette Süßkartoffelart

oder doch bisschen Bananenketchup?

...oder doch bisschen Bananenketchup?

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Besser ohne Zucker! - neben Reis mein Grundnahrungsmittel

Mit all diesen Bildern sende ich Euch liebste Grüße aus Manila… Ja, wenn Ihr das nächste Mal in ein Käsebrot beißt oder einen Joghurt schnabuliert – denkt an mich. Bis dahin.. drink ich meine günstigere Alternative zu Nestlé und Kuhmilch:

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

VitaMix - SojaMilch mit Schokolade

Johanna