Krachendes Getriebe statt Sternsingerlieder

Montag, 18. Oktober 2010 von Sebastian Ulbrich

Hinter uns liegen gut gefüllte und spannende Tage. Nach dem Besuch des  Projektes für Kinder mit Albinismus ging unsere Reise entlang der Grenze weiter Richtung Nord-Ost: vorbei an Burundi und Ruanda zum Viktoriasee. Da auf dieser Strecke keine Flugzeuge fliegen und die Erfahrungen mit unserer Sternsingerbustour in Deutschland sehr positiv waren, fassten wir den schnellen Entschluss, dass wir mit dem Bus nach Mwanza fahren.

Vor uns lagen nun rund 600 Kilometer Weg und ein Tag Fahrzeit. Ich hatte meinen iPod extra geladen, um während der langen Fahrt Sternsingerlieder zu üben. Aber nach einer Minute im Bus wurde mir klar, dass dies wohl nicht klappen würde: Der Motor und das Getriebe des Busses sorgten für die einzige Geräuschkulisse, die uns die nächsten elf Stunden begleiten sollte.

Trotz der Anstrengung und vielen Dingen, die wir mit Humor genommen haben, war es ein Abenteuer und ein wunderbarer Einblick in das Zusammenleben in Afrika. Rückblickend ist mir vor allem eines klar geworden: Stefanie und ich waren beide gesund und wollten Bus fahren. Wie muss es sich aber anfühlen, wenn ich krank bin, Schmerzen habe und zum Arzt möchte, dieser aber weit entfernt ist? Der Lärm, die Unruhe, Tiere, viele Menschen auf engstem Raum, alles schaukelt und ab und zu springt der Bus, weil der Fahrer wegen zu hoher Geschwindigkeit eine Unebenheit übersehen hat… Das wünsche ich niemandem, ist aber hier vor Ort die Realität.

 

Beifuß gegen Malaria

Sonntag, 17. Oktober 2010 von Sebastian Ulbrich

Seit zwei Tagen sind wir nun im in Norden Tansanias. Hier erfahren wir sehr intensiv, wie es um das Gesundheitssystem des Landes bestellt ist.

Das Bugando Hospital in Mwanza ist das zweitgrößte Krankenhaus in Tansania. Die Sternsinger unterstützen hier die Kinderstation. Die häufigste Erkrankung ist die Malaria. Wir treffen viele Kinder, die an der tückischen Krankheit leiden. Wird Malaria nicht behandelt, kann sie tödlich sein. Wichtiger als die Behandlung ist aber die richtige Diagnose, denn eine falsche Medikation kann zu schweren Schäden bei den Kindern führen. Für den Malariatest sind ein gutes Mikroskop und gut ausgebildete Fachkräfte nötig. Auch hier helfen die Sternsinger. Leider sind längst nicht alle Krankenstationen in Tansania so gut ausgestattet.

Ein großer Unterschied zu den Krankenhäusern in Deutschland fällt besonders auf: Die Patienten werden hier nur behandelt. Alles andere – Körperpflege, Essenversorgung oder Wäsche waschen – muss die Familie übernehmen. So hat das Krankenhaus immer mindestens doppelt so viele “Gäste” wie in Deutschland. Überall sieht man Frauen, die Wäsche waschen, ihre Kinder waschen, sich um die Sauberkeit im Krankenhaus kümmern oder einfach nur bei ihren Kindern sitzen und beten, dass sie ihr Kinder wieder gesund mit nachhause nehmen dürfen. Kinder unter fünf Jahren und schwangere Frauen werden in den Krankenhäusern zwar umsonst behandelt, wer älter ist ,muss jedoch erst einmal 20.000 tansanische Schilling (rund zehn Euro) bezahlen. Weitere Kosten für aufwändigere Behandlungen kommen dazu – und das bei einem durchschnittlichen Monatseinkommen von 85 Euro.

Schwester Mechthild Keller mit einem ihrer Mitarbeiter.

Hier baut Schwester Mechthild Keller (links im Bild) Heilpflanzen an.

Aus den Pflanzen entstehen zahlreiche alternative Medikamente.

Wir fahren weiter, um das Projekt von Schwester Mechthild Keller zu besuchen. Am Ufer des Viktoriasees werden auf einem großen Stück Land Pflanzen kultiviert, die zur Herstellung verschiedener Medikamente dienen. Schwester Mechthild setzt auf alternative Medizin. Das Wissen um einheimische Kräuter geht wegen der zunehmenden Landflucht leider immer mehr verloren. Leider gibt es jetzt, am Ende der Trockenzeit, nur wenig zu sehen, aber der kleine Laden, in dem die Produkte verkauft werden, lässt ahnen, wie vielfältig sich die Pflanzen einsetzen lassen.

So wird zum Beispiel Beifuß (Artemisia) zur Behandlung von Malaria eingesetzt. In den Ferien, an Wochenenden und Feiertagen kommen Jugendliche, die sich hier ihr Schulgeld verdienen. Die einen helfen im Garten, andere beim Bauen. So haben die jungen Leute die Möglichkeit, neben ihrem Verdienst auch etwas Praktisches zu lernen.

 

100 Kinderärzte im ganzen Land

Donnerstag, 14. Oktober 2010 von Stefanie Frels

Heute ist Nyrere Day, ein großer staatlicher Feiertag. Im Krankenhaus arbeitet nur eine kleine Feiertagsbesetzung. Wir beginnen den Rundgang in der Neu- und Frühgeborenen-Intensivstation. Aufgrund der schlechten Versorgung mit Sauerstoffflaschen kommt es hier immer wieder zu Engpässen und Todesfällen. Außerdem gibt es keine Wärmebettchen, was durch eine extrem hohe Raumtemperatur ausgeglichen werden soll. Es fehlt jedoch noch an vielem mehr.

Das Krankenhaus ist deutlich in die Jahre gekommen und müsste dringend renoviert werden. Durch häufige Rohrbrüche blüht besonders in den unteren Etagen – hier auch die Neu- und Frühgeborenen-Intensivstation und die Entbindungsstation – der Schimmel an den Wänden. Bisher wird notdürftig überstrichen, für eine Komplettsanierung fehlt das Geld. Die Kinderstation weiter oben sieht deutlich besser aus, Licht und Luft machen die Räume gleich viel ansprechender. Wie überall in Tansania sind vor allem die Angehörigen mit der Pflege der Kinder betraut. Die meisten Mütter schlafen bei ihren Kindern im Bett. Wäsche wird gewaschen und über dem Balkongeländer getrocknet und auch die Toiletten müssen die Eltern selber reinigen.

Das Bugando-Krankenhaus hat eine große Ausbildungsabteilung, in der u.a. dringend benötigte Kinderärzte ausgebildet werden. So gab es vor zwei Jahren nur 100 registrierte Kinderärzte im ganzen Land. Die Mehrheit erreicht entweder den Qualifizierungsstand nicht, oder verlässt nach der Ausbildung das Land, um in Europa und den USA mehr Geld zu verdienen oder kommt von einem Überseestudium erst gar nicht zurück.

Ein besonders großes Problem im Bereich der Kindermedizin stellt die Kardiologie dar. Bisher müssen Kinder für die kleinsten Herzoperationen ausgeflogen werden. Das geht nur mit ausländischer Unterstützung und ist langfristig nicht haltbar, zumal eine Operation in Übersee bereits im Vorfeld mit viel Aufwand verbunden ist: Mutter und Kind benötigen einen Reisepass, der nur mit Geburtsurkunde erhältlich ist, beide benötigen ein Visum, die Restfamilie muss entsprechend versorgt sein und der zum Teil lange Aufenthalt im Ausland muss finanziell abgesichert werden.

 

Das Ziel Mwanza fest im Blick…

Mittwoch, 13. Oktober 2010 von Stefanie Frels

Wir stehen weit vor Sonnenaufgang auf, um den Bus im nahegelegenen Kasulu zu erreichen. Bei der Fahrt durch das nebelverhangene Kabanga wird einem mehr klar, wie diese Gegend vor 80 Jahren auf die ersten Missionare gewirkt haben muss. Einsam und weit weg vom Rest der Welt.

In Kasulu ist vom Bus noch keine Spur, dafür werden über drei Megaphone wahlweise Tagelöhner für die Baumaßnahmen am Busterminal gesucht oder ankommende Busse angekündigt. Der erste Bus nach Mwanza glitzert vielversprechend silbern in der Sonne, leider ist er schon ausgebucht. Als unser Bus endlich schwungvoll um die Kurve, kommt, erahnen wir bereits den Fahrstil der kommenden Stunden. Es dauert nicht lange bis die Teerstraße endet und die zunächst nasse Piste beginnt. Das Ziel Mwanza fest im Blick, setzt der Fahrer alles daran, möglichst viele Passagiere in möglichst kurzer Zeit zu transportieren.

Nicht alle vertragen die Busfahrt gleich gut und manche haben schon extra eine Tüte mitgebracht. Irgendwo unterwegs steigt ein Straßenjunge ein, der seine Schnüffelflasche fest an sich drückt. Zunächst noch sehr besorgt darum, sie unter der Jacke zu verstecken, wird es ihm irgendwann doch so heiß, dass er die Jacke auszieht. Die missbilligenden Blicke der anderen muss er spätestens von da an ertragen. Andererseits wird ihm jetzt immer wieder etwas zu essen gereicht. Der Fahrer jagt den Bus immer wieder so tief in Schlaglöcher, dass sich manche Mitreisende den Kopf an der Busdecke stoßen – ein Kind fällt runter, ein Mann blutet. Erst ein Hagelsturm zwingt ihn zum Anhalten. Alle atmen auf. Dafür stürmt und tropft es jetzt durch die undichten Stellen des Busses.

Völlig durchgeschüttelt erreichen wir die Fähre in Sengerema. Wir genießen die kurze Überfahrt in frischer Luft mit dem beeindruckenden Ausblick auf den Viktoriasee. Nach einer weiteren Stunde Busfahrt erreichen wir endlich das langersehnte Ziel: Mwanza. Von Weitem kann man auf einem der Hügel bereits das Bugando-Krankenhaus sehen. Eines der wenigen großen Krankenhäuser in Tansania, bei dessen Nennung alle Betreiber der kleineren Kliniken in Ehrfurcht erstarren. Doktor Antke Züchner arbeitet hier in der Kinderklinik vor allem im Bereich der Ausbildung. Wir dürfen bei ihr wohnen und lernen viel über das tansanische Gesundheitssystem und die Schwierigkeiten dieses großen Krankenhauses.

 

Ein Schutzzentrum für Kinder mit Albinismus

Dienstag, 12. Oktober 2010 von Stefanie Frels

Kabamga: Die Messe um 6.45 Uhr ist für einen Wochentag gut besucht und die Ankündigung, dass Mitarbeiter des Kindermissionswerks angekommen sind, versetzt alle in helles Entzücken. Nach dem Frühstück beginnt unser Rundgang durch Ausbildungswerkstätten für Jugendliche, die vom Kindermissionswerk unterstützt werden. Hier werden Kurse für überwiegend kongolesische Jugendliche gegeben. Sie leben mit ihren Eltern im nahegelegenen Flüchtlingslager und sind zum Teil schon hier geboren.

72 Kinder mit Albinismus finden bei Bruder Theo Call Schutz. Foto: Jens Grossmann/Kindermissionswerk

72 Kinder mit Albinismus finden bei Bruder Theo Call Schutz. Foto: Jens Grossmann/Kindermissionswerk

Unsere nächste Station ist eine Blinden- und Taubstummenschule mit angeschlossenem Internat. Im Zuge der verstärkten Verfolgung von Menschen mit Albinismus in Tansania hat die Regierung das Internat zum Schutzzentrum erklärt. Neben 200 Schülerinnen und Schülern wohnen nun auch noch 72 Kinder mit Albinismus hier. Die Regierung stellt Wachleute und Nahrungsmittel, um den Rest muss sich die Gemeinde kümmern. So leben die Menschen hier auf engstem Raum zusammengepfercht bzw. müssen auf dem Hof in der Sonne sitzen. Mithilfe des Kindermissionswerks wurde inzwischen eine neue Küche für alle gebaut, damit die Mütter selber kochen können und dabei nicht mehr der Sonne ausgesetzt sind. Die alten kleinen, völlig überfüllten Schlafsäle werden jetzt durch neue ergänzt, sodass sich die Situation für die Kinder entspannt. Mithilfe der Sternsinger soll nun auch ein Mutter-Kind-Haus gebaut werden.

Am Nachmittag haben wir Zeit, noch einmal in das Schutzzentrum zu gehen. Zeit und Ruhe für Kinder und Mütter, um sich an uns zu gewöhnen. Die einzigen Spielzeuge sind ein Kartenspiel und ein Fußball. Die Anwesenheit der Kinder mit Albinismus wurde zunächst als kurzfristige Lösung angesehen. Da sich die Verfolgung aber immer mehr ausweitet, ist nicht absehbar, wann Frauen und Kinder das Zentrum wieder verlassen können. Es ist daher sehr wichtig, dass sowohl Frauen als auch Kinder eine sinnvolle Beschäftigung haben. Bruder Theo Call hat bereits einen Teil des Geländes zum Garten bestimmt. Zu Beginn der Regenzeit bepflanzen die Frauen ihn. Außerdem gibt es einen Raum, in dem Nähunterricht erteilt werden soll.


weiterführende Links

 

Sternsingergrüße in der Kindermesse

Sonntag, 10. Oktober 2010 von Stefanie Frels

Entlang der alten deutschen Hafenflaniermeile gehen wir zum großen Fischmarkt in Dar es Salaam. Der Fischmarkt kennt keinen Sonntag. Es geht laut und für hiesige Verhältnisse recht schnell zu. Je frischer der Fisch auf die Tische kommt, desto besser lässt er sich verkaufen. Für 20 Cent wechselt ein Kilo Fisch den Besitzer. Die Auktionen werden von den Fischfrauen beherrscht: Sie kaufen hier, räuchern und trocknen den Fisch, um ihn anschließend weiterzuverkaufen. Wir waten durch Fischgedärme und Mengen von Menschen mit tropfenden Fischeimern und Eissäcken und bewundern Fische in allen Größen und Farben. Weiter entlang der Hafenmeile wird es ruhig und es wäre auch fast idyllisch, würden hier nicht mittels einer großen Pipeline das Abwasser von Dar es Salaam ins Wasser geleitet. Trotzdem suchen hier Menschen am Strand nach Krebsen und sammeln Seegras.

Zum Projektbesuch fahren wir nach Mabibo, einem der ärmeren Stadtteile Dar es Salaams. Die von Jesuiten geleitete Gemeinde unterhält eine große Sekundarschule mit 1.300 Schülern, ein kleines Wohnheim für 80 Schülerinnen, einen Kindergarten und eine Schule mit Grund- und Sekundarschulbereich, sowie ein HIV/Aids-Beratungs- und Behandlungsprogramm.

Bei Rundgang durch die Gemeinde überqueren wir mehrmals eine stinkende Kloake, die den Namen Bach nicht ansatzweise verdient. Der einzige, der hier überlebt, ist ein riesiger Leguan, der schnell das Weite sucht, als wir über die Brücke kommen. Die Jesuiten wollen sich an Umweltschutzorganisationen wenden, die mithilfe eines Modellprojekts hoffentlich bald für Abhilfe sorgen werden.

Unser Projektpartner Pater Vitus hat Bücher und Spiele für den örtlichen Kindergarten, Bücher für die Kinderkatechese, sowie Schulbücher angeschafft. Um 16 Uhr ist Kindermesse: 500 Kinder sind dort mit den vom Kindermissionswerk finanzierten Kinderbibeln. Drei Katecheten betreuen die verschiedenen Kindergruppen, die sehr eigenständig die Messe gestalten. Die ersten Reihen verfolgen das Geschehen – vor allem das Bibelquiz – sehr angeregt. Die letzten Reihen müssen von den Ordnern – auch Kinder – immer wieder vom Kartenspielen abgehalten werden. Auf jeden Fall ist die Messe ein soziales Ereignis, das zunehmend Zuspruch erfährt. Gekrönt wird sie heute durch die Grüße, die Sebastian von den Sternsingern aus Deutschland überbringt.

 

Was sind meine Rechte? Was sind meine Pflichten?

Samstag, 09. Oktober 2010 von Stefanie Frels

Gemeinsam mit den Schwestern der Gemeinschaft der „Töchter Mariens“ quälen wir uns bis nach Kimara durch den Stau. Besonders bedenklich erscheint uns die Kreuzung am Busbahnhof in Obungu. Da in Tansania ein Nachtfahrverbot für Busse besteht, müssen hier alle rechtzeitig einkehren, bzw. viele Taxen und Privatautos holen Passagiere ab.

Nicht weit entfernt von der Hauptstraße liegt das Zentrum für Straßenkinder und Opfer von Kinderhandel. Die Einrichtung wurde mithilfe der Sternsinger gebaut. In der Regel bringen Sozialarbeiter oder aufmerksame Nachbarn Kinder in die Einrichtung, oder die Schwestern werden informiert und holen die Kinder gemeinsam mit der Polizei ab. Die Mitarbeiter im Kinderheim sind sehr gut ausgebildet. Sie decken die soziale, psychologische und rechtliche Betreuung der Kinder ab. Bei Vormundschaftsfragen und der Bemühung um staatliche Dokumente werden die Mitarbeiter von einem Rechtsanwalt unterstützt.

Außerdem gibt es im Projekt ein eigenes Kinderparlament. Hier lernen die Jungen und Mädchen sich auszudrücken, für sich selbst zu sprechen, ihre Rechte wahrzunehmen und diese auch anderen Kindern deutlich zu machen. Darüber hinaus gestalten sie in den umliegenden Stadtteilen Aufklärungsveranstaltungen, in denen folgende Fragen angesprochen werden: „Was sind meine Rechte, was die Rechte aller?“ „Was sind meine Pflichten, was die Pflichten aller?“ Im Kinderzentrum erleben wir ein eindrucksvolles Theaterstück, das sich uns trotz mangelhafter Sprachkenntnisse gut erschließt.

 

“Hört uns Kindern zu!”

Samstag, 12. Juni 2010 von Susanne Dietmann

Pressekonferenzen sind bei Journalisten in der Regel recht unbeliebte Termine: langweilige, vorgekaute Statements und am Ende die große Frage: “Was um Himmels Willen soll ich darüber schreiben?”. Nicht jedoch, wenn Kinder zu einer Pressekonferenz einladen. In der Johannesburger Universität Witwatersrand traten heute Nachmittag 40 Kinder an die Öffentlichkeit, um den Medien ihre ihre Meinung, Wünsche und ihre Hoffnungen mitzuteilen.

„Heute ist ein ganz besonderer Tag“, begrüßt William Bird die Jungen und Mädchen am Morgen. „Zum ersten Mal in der Geschichte Südafrikas wird es eine Kinderpressekonferenz geben. Und ihr seid diejenigen, denen die Menschen zuhören werden.“ Doch die Zeit drängt, denn schon in drei Stunden werden sie da sein: Reporter, Fotografen, Kameraleute.

Gemeinsam überlegen die Kinder, was sie den Medienvertretern zur Fußballweltmeisterschaft sagen wollen, zum Thema Kinderhandel oder darüber, wie Kinder in den Medien dargestellt werden. „Kinderhandel ist nicht nur während der Weltmeisterschaft ein Problem. Die Medien müssen sicherstellen, dass auch nach der WM darüber berichtet wird”, fordert die zwölfjährige Khumo. Sie soll ihre Gruppe später auf dem Podium quasi als Expertin zum Thema Kinderhandel vertreten. Auf ihrem Block notiert sie weitere Statements, die sie den Medien präsentieren will. Auch die anderen Gruppen tragen ihre Aussagen zusammen.

Fotos: Susanne Dietmann/Kindermissionswerk

Mikrofone werden verkabelt, Getränke bereitgestellt und Namensschilder verteilt. Dann kommen auch schon die ersten Journalisten. Dann gilt alle Aufmerksamkeit den sechs Kindern auf dem Podium. “Schließt Kinder nicht von der WM aus”, fordert Zahraa. “Wir können uns die teuren Tickets nicht leisten, dabei würden wir uns gerne auch ein Fußballspiel anschauen.” “Hört uns Kindern zu und lasst uns auch in den Medien zu Wort kommen”, formuliert Furqaan seine Forderung.

Die Journalisten schreiben fleißig mit und fragen mehrmals nach, wie sie nach Meinung der Kinder diese denn besser in ihre Berichterstattung mit einbeziehen können. “Lend a hand, take a stand” - “Helft uns, bezieht Stellung” haben die Kinder kurz und prägnant ihr Motto für die Pressekonferenz formuliert. Genau das fordern sie nun auch von den neun anwesenden Journalisten.

“Es war großartig, das so viele Journalisten gekommen sind und uns zugehört haben”, sagt Jead nach der Pressekonferenz. “Wir konnten unsere Meinung sagen, all das, was uns schon wichtig ist.” Während Furgaan direkt im Anschluss an die Pressekonferenz sogar noch live im Fernsehstudio auftritt, wollen alle anderen Journalisten schon in den nächsten Tagen berichten. “Wenn das veröffentlicht wird, wird jeder erfahren, was wir Kinder denken”, freut sich Khotso.

 

Mit Salto rückwärts zurück nach Afrika

Mittwoch, 26. Mai 2010 von Susanne Dietmann

Mit einem Salto rückwärts verabschiedeten sich die Akrobaten vom Publikum – nach 15 Tagen und zehn Stationen von Aachen bis München geht ihre Deutschlandtournee zu Ende. Tausende Kinder und Erwachsene in der ganzen Republik haben bei den Clownnummern gelacht, über das akrobatische Geschick der 13 Artisten gestaunt und sagen zum Abschied "DANKE, Zip Zap, schön war's"! Foto: Martin Werner

“Manege frei für Afrika!” – Das war die Tour des Zirkus Zip Zap >>

 

Letzter Auftritt ohne „Michael-Jackson“-Handschuh

Mittwoch, 26. Mai 2010 von Susanne Dietmann

Für Claus ging mit dem Auftritt in Aachen seine erste Deutschlandtournee zu Ende. Da wollte er überhaupt nicht einsehen, warum er ausgerechnet bei diesem besonderen Auftritt auf seinen weißen „Michael-Jackson“-Handschuh verzichten sollte, obwohl die anderen sich darauf geeinigt hatten. Am Ende konnten ihn Jose und die anderen Zirkuskollegen aber doch noch davon überzeugen. Den tosenden Schlussapplaus und die lauten „Zugabe“-Rufe genoss er jedoch sichtlich, auch wenn er sich schon darauf freute, bald wieder in Kapstadt bei seiner Familie zu sein. Foto: Martin Werner

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