Spieglein, Spieglein an der Wand…

Freitag, 10. November 2017 von Sandra Abrantes Diaz

…Wer ist die Schönste im ganzen Heim?

In diesem Monat haben wir den Tag der Resistencia indígena gefeiert. Am 12. Oktober haben wir im Heim dieses Fest mit einer Miss-Wahl gefeiert. Das war ein sehr schöner und besonders lustiger und abwechslungsreicher Tag. Auch die Mädchen haben es sehr genossen, dass der Alltag einfach einmal bei Seite geschoben wurde.

Die Kandidatinnen

Zuvor hatten sich je zwei Kandidaten für Miss Chiquitita, Miss Princesa und Miss Reina durch Abstimmungen durchgesetzt. Sie konkurierten also in drei Altersklassen. Da es bei diesem Wettkampf nicht in unserer Hand liegen sollte, wer von den Mädchen gewinnt, kamen zwei Frauen von außerhalb, die die Mädchen nicht kennen und stellten die Jury dar. In drei Kategorien traten dann die Mädchen an und jetzt wurde es erst einmal hektisch, denn in wenigen Minuten hieß es Anziehsachen zu finden. In einem kleinen Abstellraum haben die Erzieherinnen und ich zusammengequetscht die Spenden, die ins Heim gebracht werden für die Mädchen, nach einem sportlicher Kleidung und Abendkleidern durchsucht. Währenddessen mussten sich die Mädchen auf den schwierigen Teil der ganzen Miss-Wahl vorbereiten. Es gab verschieden Fragen bezüglich der Bedeutung des Tages und den Glauben, auf die sie später überzeugend antworten mussten.

Alles in allem war es unglaublich hektisch, weil dann noch die Schuhe fehlten, die Frisur nicht gefiel und die Kandidatinnen immer nervöser wurden. Auch ich fieberte eifrig mit und fand es so schön zu sehen wie alle begeistert auf diese Aktivität warteten. Es wurden noch Plakate gebastelt, der Saal hergerichtet und dann ging es los!

Siegerinnen

Die Krone wird abgegeben

Nach den drei Präsentationen sportlich, folklorrich und schick, ging es in die Fragerunde. Es war unglaublich süß, wie nervös auf einmal die Mädchen wurden. Normalerweise kenne ich sie so offen und zappelig, aber in diesem Moment zitterten bei der einen die Beine, bei der anderen die Hand. Und dann standen unsere Siegerinnen fest! Die ,Ex-Majestäten‘ mussten ihre Krone abgeben und es gab viele Umarmungen und es war auch keine traurig, dass sie nicht gewonnen hat.

Es war so schön anzusehen, wie sich die Mädchen untereinander unterstützthaben, Sachen geliehen haben und es auch jeder gegönnt haben. hier gign es Ihnen in erster Linie nicht um den Sieg, sondern die Vorbereitung und die Show stand für sie viel mehr im Vordergrund, was ich unglaublich bewundere!

 

…wer ist die zweite in diesem Land?

Diesen Monat ging es für mich nach Juigalpa, um dort Lea, die zweite Sternsingerin an meiner Seite zu besuchen. Die Fahrt dorthin war ein wenig umständlich, weil ich nachdem ich Managua, die hauptstadt erreicht hatte dort noch ans andere Ende der Stadt musste, um die Bushaltestelle zu erreichen, ab der die Busse nach Juigalpa abfahren. Bei Lea angekommen, durfte ich ein frisches kühles Klima erleben und unglaublich viele Mücken.

Von ihrer doch sehr großen Gastfamilie wurde ich auch ganz herzlich begrüßt und lecker bekocht. Am nächsten Morgen ging es  mit Lea also auf eine große Sightseeingtour, wobei wir denke ich die größte Attraktion waren. Während ich in Granada entspannt durch die Straßen laufe, merkte ich wie sehr die Blicke auf uns „Weiße“ gerichtet waren. Juigalpa wird nicht von Touristen angefahren und daher waren wir wirklich die einzigen „Nicht-Nicas“, was durchaus schön war, um in ein traditionelles Leben einzutauchen.

Üblich ist es hier noch, dass man mit Pferden seine Wege macht, dass es keine Straßen gibt, dass es keinen Markt gibt und dass man im Grünen wohnt. Wie unterschiedlich ein Land doch sein kann, nicht wahr? Im Zentrum Granadas ist es nämlich sehr touristisch und laut. Hier sind auch alle Straßen asphaltiert und es gibt zwei große amerikanische Supermärkte.

Der Aussichtspunkt

Berg rauf Berg runter leifen wir dann bis zu einem Aussichtspunkt, der einfach traumhaft schön war. Über die ganze Stadt bis weit ins Land konnten wir den Ausblick genießen. Nach einer Runde im Park und der Kirche war dann alles gesehen und wir konnten uns über die letzten Wochen austauschen, was unglaublich gut getan hat.

Am nächsten Vormittag habe ich dann noch Leas Projekt kennenlernen dürfen und war auch sehr begeistert! Mal sehen, wann es dann wohl für die Kinder in meinem Projekt ein neues deutsches Gesicht gibt…

Juigalpa

Eine von vielen steilen Straßen

 

 

 

… wie geht die Arbeit im Projekt voran?

In den letzten Wochen merke ich wie sehr das Heim für mich mein zweites Zuhause geworden ist und auch das Umfeld mir sehr vertraut wird. Mittwochs begleite ich die Mädchen immer um 6.30 Uhr in die Messe und heute wurde ich sogar in den Fürbitten von Priester erwähnt, was mir ehrlichgesagt in diesem Moment sehr unangenehm war, da ich nie daran gedacht habe, dass nicht nur für die Kinder, die ich unterstütze, sondern auch für mich gebetet wird. Natürlich habe ich mich in diesem Moment auch sehr gefreut mit ins Gebet genommen zu werden und Dankbarkeit für mein Dasein zu erhalten!

Außerdem laufen momentan viele Vorbereitungen für den kommenden Monat, in dem mich ein viel stressiger Alltag einholen wird, da in zwei Wochen hier die großen Sonmerferien anfangen werden. Dann werden wir vierundzwanzig Stunden die Mädchen im Heim haben, keine Hausaufgaben und auch keine Bügelstunde für die Uniform etc. Derzeit sammle ich viele Bastelideen, um besonders mit Recyceltem Material zu arbeiten. Die Ergebnisse werde ich euch dann in den nächsten Wochen präsentieren!

Dass ich im Heim Madre Albertina meinen Alltag gefunden habe merke ich auch daran, dass die Mädchen ein engere Bindung zu mir gewonnen haben. Kleinigkeiten sind es die mir zeigen, dass ich mittlerweile auch für sie Teil der „Familie“ geworden bin. Besonders freue ich mich, dass ich Firmpatin sein werde von einem Mädchen! Genauer berichte ich dann wenn es so weit ist.

Wie jeden Monat wurden auch für Oktober die Mädchen prämiert, die sich gut benommen haben. Deshalb ging es nach Rivas, um dort zunächst einen Pilgerort zu besuchen und danach fuhren wir in die Stadt und konnten den Nachmittag zusammen genießen. Immer mehr lerne ich von den Kindern, dass jeder Moment schön sein kann, solange du dich glücklich machst. Einfach nur an das Positive zu denken und dass was einen stört nicht allzu sehr zu gewichten habe ich in dieser Zeit definitiv gelernt! Besonders die Rückfahrt mit den drei Jugendlichen wurde sehr witzig. Zwar war es schon dunkel und wir mussten draußen auf der Transportfläche die lange Fahrt verbringen, aber wir haben uns mit Singen und Tanzen beschäftigt. Während also drei gesungen haben musste eine die Hüfte schwingen. Das zeigt wie normal diese Kinder sind und nicht vielmehr als ein bisschen Freiraum brauchen, um Spaß zu haben.

 

Die Aussicht auf den Volkan Concepcion

Auf dem Weg nach Rivas

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ich melde mich schon bald wieder und wüncshe euch ein frohes Martinsfest

Eure Sandra

 

Irgendwo im Nirgendwo geht der Tank leer…

Dienstag, 12. September 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Nach einer kleinen Pause möchte ich euch heute von meinem ersten „Irgendwo-im-Nirgendwo-Abenteuer“ erzählen! Auch wenn Nicaragua ein kleines Land ist, landete ich nachts mit leerem Tank in… tja, so genau weiß ich das nicht… Irgendwo auf dem Rückweg nach Hause.
Mein Tag fing gestern sehr gut an (und vorweg: er endete auch gut!), denn mit drei anderen Freiwilligen planten wir einen entspannten Sonntag am Strand. Den klassischen Bustrip konnten wir leider nicht machen, da dort sonntags kein Bus hinfuhr. Deshalb mieteten wir uns günstig ein Auto, das uns viel Zeit ersparte, um an die Playa Gigante zu gelangen. Es war wirklich traumhaft schön!

 

Gut, der Name Gigante war vielleicht etwas zu vielversprechend, denn der Strandabschnitt gehört sicher nicht zu einem der gigantischen, aber in jedem Fall traumhaft schönen!

Und ich feierte Prämiere: meine erste Schwimmeinheit im Pazifik! Und ja, es war warm. Ich werde immer mehr bestätigt, dass Kälte hier nur im Kühlschrank oder neben einem Ventilator existiert…

 

Danach machten wir noch einen kleinen Abstecher zu einer Bucht, die nur wenige Autominuten enfernt war. An der Playa Popoya wurden unsere ersten Eindrücke übertroffen! Einen solchen Strand mit einer großartigen Idylle habe ich noch nie erlebt. Diese Ruhe und Entspannung spiegelte die Mentalität der Nicas so gut wieder.

Den Sonnenuntergang betrachteten wir in einem kleinen Fischerdorf, von wo aus wir dann unsere Rückfahrt antraten – oder besser gesagt unser „Irgendwo-im-Nirgendwo-Abenteuer“ erlebten:

 

Und wieso findet man seinen Weg nicht Heim?

Diese Frage stellte ich mir tatsächlich, als, nachdem wir glücklicherweise schon die Hälfte der rappelig Strecke hinter uns gelassen hatten (es handelte sich hier um keine richtigen Straßen, die auch gerne von Hunden, Pferden oder Kühen gesperrt wurden), der Weg in eine große Pfütze führte. Und jetzt?

Es war schon dunkel und um uns war nichts außer Natur. Also stiegen zwei aus, um die Wassertiefe zu testen und – welch ein Wunder – konnten wir mit unserem Corolla nicht weiter. Also hieß es wohl die mühsam hinter sich gelassene Strecke zurückzufahren und den anderen Weg zu nehmen (es gab nur zwei).

Alle waren schon sehr müde und wollten nur noch in Granada ankommen. Nur wie, wenn auf einmal der Tank leer ist? Ja, die Tankleuchte blinkte und wir bangten bloß nicht liegen zu bleiben. Da es bis zur Hauptstraße durchaus noch eine Dreiviertelstunde dauern würde, rettete uns eine Familie, die Benzin verkaufte! Ja, wie froh wir waren, dass sie uns mit einem Trichter eine Gallone Benzin einfüllte und die Ankunft in Granada ermöglichte.

Also ich habe wohl noch nie so getankt, so wenige Verkehrsregeln beachten müssen und erst Recht nicht so sehr eine asphaltierte Straße vermisst!

 

Ich bin fleißig am Paddeln

Ein viel entspannteres Naturerlebnis machte ich bereits letzte Woche ganz ohne auf ein Kraftfahrzeug angewiesen zu sein auf den Islettas von Granada. An der Küste Granadas (es handelte sich ja eigentlich um ein See-Ufer, aber aufgrund der Größe des Sees nennt man sie hier auch Küsten des Nicaragua-Sees) kamen meine Arme zum Einsatz. In einem Kanu verbrachte ich mit einem anderen Mädchen un unserem Guide drei Stunden auf dem Wasser. Es war nicht zu glauben welch eine umfassende Naturvielfalt dort zu finden war. Vielmehr erstaunte mich die Tatsache, dass 70% der Islettas besiedelt sind und es dort sogar zwei Schulen gibt. Jeden morgen zur Schule zu paddeln – nicht schlecht. Auch einen Friseur gab es auf einer der Inseln, der die umfangreiche Fahrt in die Stadt erspart.

Erstaunlich ist für mich aber besonders der Magen dieser Menschen: Das Wasser des Sees wird benutzt – für alles. Richtig, es gilt nicht nur zum Wäsche waschen, zur Morgendusche und zum Kochen, sondern auch zum Trinken!

Der Vulkan Mombacho

 

 

 

 

 

 

 

Das ist für mich natürlich unglaublich schade, weil dadurch dieses traumhaft schöne Leben für mich auf den Islettas unmöglich ist…

Ganz so schlecht habe ich es aber auch nicht hier in Granada mit einem täglichen Blick auf dem Mombacho!

 

Bis zu meinem nächsten Abenteuer!

 

 

Kein Problem!

Sonntag, 27. August 2017 von Sandra Abrantes Diaz

Während ihr euren normalen Alltag nachgeht, muss ich feststellen, dass mir hier einige Türen offengestellt wurden. Nach 25 Tagen haben sich hier in Nicaragua einige Probleme gelöst, die ich aus Deutschland mitbrachte. Wie einfach man sie doch bewältigen kann liegt ganz in den Händen der Nicas.

Ich weiß wie oft ich in Deutschland am Bahngleis stand und wieder feststellen musste, dass die Pünktlichkeit der deutschen Bahn mir wirklich den letzten Nerv raubt. Besonders wenn es im Winter kalt war und ich spürte wie die Kälte sich um meine Füße wickelte. Aber hier in Nicaragua ist das kein Problem, weil hier keine Bahnen fahren. Genau, hier fahren nur Taxis und Busse. Zwar gab es hier einmal eine Bahnstrecke, die auch durch Granada fuhr, aber die steht seit einigen Jahren schon still und der ehemalige Bahnhof wird hier nun als technische Hochschule benutzt.

Der Bahnhof von Granada

Ebenso kompliziert war es rechtzeitig den Bus zu erreichen oder ihm noch hinterherzulaufen, damit man ihn noch erreicht. Wie gut, dass hier die Busse nicht an bestimmten Haltestellen halten, sondern man einfach sagt wo man raus möchte und sich so weite Fußwege ersparen kann. Es ist also hier  kein Problem an seinem Ziel auszusteigen, anstatt bis zur Haltestelle zu fahren, um vielleicht sogar die gefahrene Strecke zurücklaufen zu müssen, weil das ZIel vorher lag.

Genauso ist hier auch für Autofahrer die Teilnahme am Straßenverkehr so viel günstiger. Knöllchen für das überqueren einer roten Ampel gibt es nicht, weil keine Ampeln aufgestellt sind. Die Vorfahrt kann man hier auch keinem nehmen, da es keine Verkehrsschilder und auch kein „Rechts-vor-Links“ gibt. Ebenso gibt es keine Richtgeschwindigkeit, man fährt so schnell wie man sicher durch die Straßen kommt und die Motorräder, die von rechts und links überholen, nicht übersieht. So viel einfacher kann es sein Auto zu fahren und das Portmonnaie freut sich auch. Es ist also kein Problem einfach den Menschen die Verkehrsordnung zu überlassen, denn es funktioniert.

 

Spontaner Besuch bei der Polizei

So gelassen ist hier die Mentalität der Nicas – und ich merke schon, dass sie sehr ansteckend ist – , dass auch die Polizei immer eine offene Tür hat. Als wir vergangene Woche mit einer kleinen Gruppe von den Mädchen aus dem Heim zu einer Moden-Show gingen, die vom Behindertenzentrum veranstaltet wurde, erwischte uns auf dem Rückweg ein Regenschauer. Und wer von den Erziehern hatte mit Regenschirmen vorgesorgt? Keiner. Also kamen wir auf dem Heimweg an der Polizeistation vorbei und wurden herzlichst mit Kaffee empfangen. Nein, für die Kleinen war es auch nicht Langweilig, denn für die Polizistin war es kein Problem den Fernseher einzuschalten.

 

Gestern war ein unglaublich spannender Tag, da die Mädchen jeden letzten Freitag im Monat keinen Schulunterricht haben, planten wir verschiedene Aktivitäten im Heim. So ging es morgens mit einem Rollenspiel los, das in Kleingruppen vorgetragen wurde. So hat jede Gruppe einen Wert gezogen (Ehrlichkeit, Respekt, Freundlichkeit,….), den sie dann darstellen musste. Danach gab es noch einen Gesangswettbewerb, bei dem die Mädchen sehr schnell Texte mit einer passenden Melodie komponierten und vorgetragen haben. Zum Abschluss ging es nach dem Mittagessen zu einem Umzug. Anlässlich des internationalen Welttages der Menschen mit Behinderung gingen Menschen durch die Straßen Granadas und wir

Bei dem Umzug zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ich mit einer Kollegin. Na, wer erkennt mich?

waren auch dabei! Einige Mädchen trugen die Volkstracht (Folklore) und andere nahmen Bilder mit verschiedenen Menschen mit einem Rahmen, den ich gestalten durfte und die Menschen sehr begeisterten (Die Aufschrift Yo y tu en un mismo corazón bedeutet Du und ich in einem selben Herzen). Sogar die Bürgermeisterin nahm sich nicht die Gelegenheit mit einigen Kindern hinter dem Rahmen ablichten zu lassen! Das war einfach kein Problem, dass sie sich unter die Menschen mischte.

 

 

Nach einer sehr ereignisreichen Woche freue ich mich schon auf alle weiteren Festlichekeiten und gesunden Arbeitsstunden. Ja, leider habe ich mich mit einer Bindehautentzündung infiziert. Daher trage ich auch die Maske auf den Bildern…

Mit einem wichtigen Gruß möchte ich mich von diesem Eintrag verabschieden, denn derzeit wird bei mir daheim das größte deutsche Bürgerschützenfest gefeiert. In diesem Sinne grüße ich alle Neusser Bürgerschützen und habe die große Ehre das erstmalig aus Nicaragua zu tun!

 

 

Omumbeja Nassolo

Freitag, 25. August 2017 von Vreda van den Hurk

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist Omumbeja (Prinzessin) Nassolo. Ich gehöre ab jetzt dem Mpologoma Clan, dem Löwen Clan an. Vorfahren meines Clans hatten eine sehr enge Beziehung zum Royal Clan, weshalb der Mpologoma Clan und der Royal Clan zu einer Art Familie geworden sind. Jeder Clan in Uganda vergibt bestimmte Namen. Da der Mpologoma und der Royal Clan früher eine so enge Beziehung zueinander hatten, vergeben sie die gleichen Namen. Deshalb heiße ich jetzt wie die Tochter vom König von Buganda. Buganda ist das größte Königreich in Uganda und umfasst die Hauptstadt Kampala und deren Umgebung. In meiner Familie, also meinem Clan, nenne ich alle Mitglieder meine Brüder und Schwestern. In Uganda unterscheidet man nicht zwischen Geschwistern oder Cousins und Cousinen. So sind nun auch die Mitglieder des Royal Clans meine Geschwister und ich darf den „kabaka“, den König von Buganda, meinen Bruder nennen. Nur heiraten darf ich  alle aus meinem und dem Royal Clan nicht.

 

Ich lebe jetzt schon seit zwei Wochen in Uganda, im Königreich Buganda und lerne Luganda. Luganda ist die Sprache, die im Königreich Buganda gesprochen und immerhin von 80% der Ugander verstanden wird. Zusammen mit sieben anderen Deutschen lerne ich jeden Tag von 8.30 bis 15 Uhr in einer Sprachschule in Kampala. Während meiner Zeit in Kampala lebe ich bei meiner Gastfamilie, die mir auch meinen neuen Namen gegeben hat. Ich wohne zusammen mit meinem neunjährigen Gastbruder John, meiner zwanzig Jahre alten Gastschwester Harriet, meiner Gastmama Helen Ssali und der Haushaltshilfe Bruce in einem Haus. Den Garten teilen wir uns mit sechs Hühnern, die mich jeden Morgen gegen fünf Uhr wecken, wenn sie anfangen zu gackern und zu krähen.

 

Am Anfang hatte ich ein wenig mit Heimweh zu kämpfen. Denn als ich in meine Gastfamilie kam, waren nur meine Gastgeschwister und ein Cousin da, die alle ihren Alltag nachgingen. Deshalb fühlte ich mich sehr einsam. Wir schauten den ganzen Tag nur fern und gingen nicht raus. Dabei wollte ich unbedingt meine neue Umgebung kennenlernen! Nach fünf Tagen kam meine Maama (Mama in Luganda) wieder von einer Reise durch Uganda. Ssali arbeitet bei der Makere Universität, der größten Universität in Uganda. Dort ist sie für die Administration verantwortlich. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie eine Woche hilfsbedürftige Familien besucht, an dessen Kinder sie Stipendien vergeben. Seit Ssali da ist, geht es mir wieder sehr gut und ich habe mich wirklich eingelebt. Auch meine Gastgeschwister habe ich in mein Herz geschlossen. Mit John spiele ich immer nach der Schule. Entweder tanzen wir (er ist wirklich sehr gut im Ballett!), machen Sport oder malen. Mit Harriet kann man sich sehr gut unterhalten und sie hat mir schon viele Tipps für Kampala gegeben. Sie selber hat letzte Woche an der Makere Universität angefangen zu studieren. Deshalb ist sie leider nur noch am Wochenende bei uns zuhause. Da ich nun auch meinen eigenen Alltag mit meiner Sprachschule habe, ist das aber nicht so schlimm.

Jeden morgen fahre ich mit meiner Maama los. Da wir meistens zu früh sind fahren wir immer zu Ssalis Arbeit und ich helfe ihr ihre Sachen hoch ins Büro zu tragen. Danach laufe ich über den Campus und schließlich zu meiner Sprachschule. Mein Luganda Lehrer, Jackson, ist sehr cool. Er gestikuliert immer viel herum und gestalten den Unterricht sehr lebendig. Deswegen haben wir schon sehr viel gelernt, was wir super in unserem Alltag gebrauchen können. Zum Beispiel spricht meine Haushaltshilfe Bruce kein englisch, sondern nur Luganda. Ich habe mir selber Karteikarten mit den englischen Wörtern und der lugandischen Übersetzung gemacht. Diese gehe ich immer mit Bruce zusammen durch. Sie hilft mir bei der Aussprache in Luganda und ich zeige ihr, wie man die englischen Wörter ausspricht. Vielleicht kann ich ihr in meiner Zeit hier in Kampala ein wenig Englisch beibringen. Ich kann bereits in  Luganda grüßen, mich vorstellen, Sätze und Fragen bilden oder einfach nur „Weebale“, „danke“ sagen.

Es macht sehr Spaß Ugander auf Luganda anzusprechen. Die fangen nämlich immer aus Überraschung an zu lachen. Ich werde auf der Straße „Muzungu“ genannt, was so viel wie „Weiße“ heißt. Am Anfang musste ich mich daran gewöhnen, dass mir ein anderer Status zugeschrieben wird. Ugander erwarten von „Muzungus“ zum Beispiel,  dass sie Geld haben. Deshalb kriegt man in Läden immer den sogenannten „Muzungu-Preis“, also einen erhöhten Preis. Wenn ich von der Schule aus nach Hause fahre, nehme ich einen Taxi-Bus. Der Verkehr in Uganda unterscheidet sich deutlich von dem Verkehr in Deutschland. Hier gibt es keine Ampeln oder Straßennamen, was die Orientierung manchmal sehr schwer macht. Stattdessen fährt hier einfach jeder so wie er will. Die Taxi-Busse sind immer sehr schnell und überholen andere Autos auch gerne mal auf der Gegenfahrbahn. Dadurch stellen sich die Autos oft gegenseitig in den Weg und es kommt zu langen Staus. Zwischen den Autos fahren die „Boda Bodas“. Das sind Motorradtaxis, die wirklich einfach kreuz und quer fahren. Wenn man die Straße überqueren möchte, muss man oft lange warten, bis mal kurz kein Fahrzeug an einem vorbeifährt. Die Straßen in Uganda sind alle sehr staubig, da viele nicht asphaltiert sind und einfach aus Lehm bestehen. Deshalb ist man immer dreckig, wenn man zuhause ankommt. Von meinem Taxi aus muss ich jeden Tag noch fünfzehn Minuten bis zu mir nach Hause laufen. Dabei komme ich an sehr vielen Kindern vorbei, die mir alle „Muzungu“ hinterher rufen. Am Anfang habe ich mich dadurch sehr unwohl gefühlt. Doch jetzt habe ich gelernt, es einfach mit Spaß zu nehmen und zum Beispiel „Muli mutya“ zu antworten, was eine Begrüßung auf Luganda ist. Dann lachen sie sich meistens kaputt, weil sie so überrascht sind, dass ich Luganda spreche. Generell lachen Ugander einen nie aus, weil man vielleicht noch nicht so gut in der Aussprache ist. Sie freuen sich viel zu sehr, dass man ihre Sprache spricht. Deswegen ist auch das Lachen der Kinder immer nett gemeint.

Nachmittags unternehme ich viel mit der Lena, der anderen Freiwilligen vom Kindermissionswerk und missio. Meistens laufen wir einfach nur herum oder gehen in einen Supermarkt. Am Sonntag waren wir beim Baha´i Tempel, den ich bereits in der Woche davor mit meinem Cousin Evan besucht hatte. Die Baha´is sind eine Glaubensgemeinschaft, die alle Religionen miteinander verbindet. Sie ist noch sehr jung, am 22. Oktober wird sie erst 200 Jahre alt. Deshalb ist diese Religion meiner Meinung nach sehr modern. Ihr Hauptziel ist die Gleichstellung aller Menschen auf der Welt. Sie wollen die Bildung für alle gewährleisten und eine universelle Sprache schaffen. Der Baha´i Tempel in Kampala ist der Einzige in ganz Afrika. Und ratet mal wo der einzige Baha´i Tempel in Europa steht? Natürlich in Frankfurt. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die Deutschland und Uganda verbinden. Zum Beispiel wird auch die Bundesliga hier im öffentlichen Fernsehen übertragen. Deswegen kennt mein Cousin Evan sehr viele deutsche Fußballspieler 🙂

Am letzten Sonntag war ich das erste Mal in der Kirche in Uganda. Der Gottesdienst war auf jeden Fall anders, als die, die ich von Deutschland aus kenne. Er war lauter und länger. Es wird die ganze Zeit geklatscht. „Klatscht für Gott, klatscht für Jesus, klatscht für denjenigen, der gerade gesprochen hat“. Ich fand vor allem die Lieder sehr schön. Alle haben während des Singens geklatscht und getanzt oder die Arme zum Himmel gehoben. Am Ende der Messe mussten sich alle vorstellen, die das erste Mal diese Kirche besucht haben. Natürlich war ich dann auch dran. Der Gottesdienst wurde auf englisch gehalten, weshalb ich mich auf Englisch vorstellte. Jedoch stand meine Maama nach mir noch einmal auf, um allen meinen ugandischen Namen mitzuteilen und zu sagen, dass ich Luganda sprechen kann. Nach der Messe war es dann an mir, alle auf Luganda zu begrüßen und mich noch einmal auf Luganda vorzustellen. Die Sprache ist zum Glück sehr einfach, weshalb es sehr Spaß macht, auf Luganda zu sprechen.

 

In zwei Wochen werde ich den Sprachkurs beendet haben und nach Mityana fahren. Dort werde ich das ganze Jahr über in den Organisationen Hosfa und Cosna arbeiten. Wo genau steht noch nicht fest. Ich darf erst ein mal in alle Bereiche hereinschnuppern und mich dann festlegen. In Mityana werde ich alleine im Gästehaus der Schule leben. Darauf freue ich mich schon ein bisschen, da man dann einfach selbständiger ist. Falls ich mich dort einmal alleine fühlen sollte, lebt meine Mentorin Penelope nicht weit weg von mir. Sie hat mir schon gesagt, dass ich sie jederzeit besuchen kommen kann. Penelope war auch diejenige, die mich mitten in der Nacht vom Flughafen abgeholt und den ersten Tag mit mir in Kampala verbracht hat. Letzten Freitag habe ich sie nochmal hier in Kampala getroffen. Penelope ist eine wunderbar quirlige, freundlich und immer gut gelaunte Person. Ich freue mich schon sehr, dass ich bald noch mehr mit ihr zu tun haben werde. Und natürlich freue ich mich, die Kinder in meinen Projekten kennen zu lernen. Die Kinder in Uganda sind immer so herzlich zu einem.

Jetzt werde ich aber erst einmal meine restliche Zeit in Kampala genießen!

 

Ich werde euch auf dem laufenden halten.

Liebe Grüße an alle in Deutschland und sonst wo auf der Welt
Vreda

 

Uganda Uganda

Freitag, 25. August 2017 von Vreda van den Hurk

„Uganda, Uganda“ ist der Titel von einem Buch, dass ich in meiner Vorbereitungszeit auf mein FSJ gelesen habe. Und tatsächlich geht mir gerade genau dieser Titel immer wieder durch den Kopf. Ich sitze am Istanbuler Flughafen und warte auf meinen nächsten Flieger, der mich endlich nach Kampala, der Hauptstadt von Uganda bringt. Ich weiß nicht genau was mich erwarten wird. Vielleicht geht mir deshalb immer wieder der Name des Landes durch den Kopf, in welchem ich mein ganzes nächstes Jahr verbringen werde. Vielleicht versuche ich alleine durch das Sagen des Namens mehr über das Land heraus zu finden. Den ich bin wirklich sehr neugierig und kann es kaum mehr erwarten, endlich anzukommen.
Heute Morgen haben mich meine Mutter und meine beiden besten Freundinnen Runa und Hannah zum Köln/Bonner Flughafen gebracht. Auf dem Weg dort hin ging mir immer wieder das Lied „Heute fährt die 18 bis nach Istanbul“ (ein Karnevaslied) durch den Kopf. Ich war sehr gut gelaunt und meine Vorfreude stieg von Zeit zu Zeit. Am Flughafen standen auf einmal Rebecca und Pia, zwei Freundinnen, hinter mir. Sie haben mich wirklich unglaublich überrascht und ich habe mich riesig gefreut!! Zum Abschied wurden natürlich ein paar Tränchen verdrückt.
Jetzt bin ich schon in Istanbul angekommen (mit dem Flugzeug, doch nicht mit der Linie 18 :)) und die Zeit vergeht rasend schnell. Nur noch ein paar Stunden bis ich endlich da bin! Und ich freue mich schon sehr, Penelope kennen zu lernen. Meine Mentorin, die mich auch am Flughafen abholen wird.
An das Klima konnte ich mich schon mal hier in Istanbul gewöhnen, da es hier immerhin 37 Grad warm ist (hoffentlich wird Uganda wenigstens ein bisschen kälter sein…)
Ich werde euch auf dem laufenden halten!
Eure Vreda

Der Beitrag hat leider erst heute geladen, obwohl ich jetzt schon fünf Tage lang in Uganda bin. Der nächste Beitrag folgt bald!

Nächster Beitrag: http://blog.sternsinger.de/2017/08/25/omumbeja-nassolo/

 

An einem Ort den nicht einmal Google kennt…

Dienstag, 16. Mai 2017 von Lea

Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser, schönes Hotel, gutes Essen.

Für viele mag so das Paradies auf Erden aussehen- doch in diesem Blogeintrag möchte ich euch von einem ganz anderen kleinen Paradies berichten, das ich in den Ostertagen kennenlernen durfte. (Ich weiß ist auch schon eine Weile her- aber besser spät als nie ;))

Los ging es an einem Mittwochmorgen mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Wohin? Das wussten wir in diesem Moment auch nicht genau und was uns erwarten wurde erst recht nicht, aber wir gehen es nicaraguanisch an: mit Spontanität und Geduld. Das, was wir wussten war: Es geht in  die Berge Nicaraguas in die Region Chontales um dort eine Bauerngemeinde während der Ostertage zu begleiten. Und so kam es, dass ein nicaraguanisches Lehrerpaar, 5 Schülerinnen und 2 deutsche Freiwillige, 5 Säcke gespendeter Kleidung und 4 Säcke gespendeter Lebensmittel sich in einem alten Schulbus auf den Weg machten. Es wurden noch weitere Jugendliche, Schwestern und Säcke eingesammelt bis wir nach stundenlanger Busfahrt in Juigalpa, der größten Stadt der Region Chontales ankamen. Nach weiterer Wartezeit (Stichpunkt Geduld) wurden wir dann auf verschiedene Pickups geladen, die jeweils in verschiedene Bergdörfer fahren sollten.

Auf der Pickup Ladeflache sitztend mit erfrischendem Wind im Gesicht und beeindruckender Aussicht auf eine sich stetig veränderndere Landschaft, ging es so tiefer in die Berge. Alles wurde grüner und kühler und das erste Mal seit langer Zeit hatte ich wieder den Geruch von feuchtem Grass in der Nase und das angenehme Gefühl nicht schwitzen zu mussen. Irgendwann hielten wir dann an einer kleinen aus Holz gebauten Kapelle und wurden begrüßt. Zu Fuß machten wir uns dann weiter auf dem Weg zu einem Haus, dass für diese Tage unsere Schlafgelegenheit sein sollte. Kurzerhand wurde es mit weiteren Tijeras (im Prinzip ein Holzgestell, auf das eine Plane gespannt wird) und einem improvisiertem Bett ausgestattet. Zum Abendessen wurden wir zu einer sehr herzlichen Familie nach Hause eingeladen. Und so saßen wir dann gemütlich bei Kerzenschein/im Dunklen (die meisten Häuser haben keinen Strom) an einem Holztisch bei Reis und Bohnen und cosas del horno (Gebäckstücken). Auch die folgenden Tage wurden wir von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und uns wurde liebevoll alles was möglich war aufgetischt. Es ist wahrnsinnig beeindruckend, wie viel uns die Menschen geschenkt und gegeben haben, obwohl sie sehr einfach und oft nur mit dem aller Nötigsten leben.

Unser Haus für die Ostertage

 

Die Nacht war extrem kalt und die Meldung am morgen, dass im Fluss geduscht wird nicht sonderlich verlockend. Doch alles war halb so wild und ich muss sagen es hatte wirklich etwas in der Natur an einem Bach zu stehen und sich zu waschen. Am ersten Tag haben wir dann verschiedene Familie , die sehr verstreut und teilweise weit auseinander leben, besucht um sie zu den verschiedenen Versanstaltungen und Messen einzuladen. Und wieder wurden wir sehr herzlich begrüsst und mit Pinol (ein typisches Getränk in Nicaragua), Cafe, oder Gebäck versorgt. Am Nachmittag fand dann die erste Messe statt und wir haben anschließend mit den Kindern gemalt und gespielt.

Der nächste Tag, der Freitag, der 14.04., war auf zwei Weisen besonders für mich. Zum einen war es der Karfreitag und zum anderen mein erster Geburtstag an einem Ort, den ich kaum kannte, und mit Menschen, die ich auch erst seit kurzem kannte. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, sondern war ein sehr schöner und emotionaler Tag. Zuerst begingen wir den Kreuzweg und trafen uns danach in der Kapelle zu einer sehr rührende und emotionalen Wortgottesdienst. Am Abend wurden dann die Essenspackete gepackt und währenddessen bei Cafe und cosas del orno  Geburtstagsliedern für mich gesungen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Am Samstag veranstalteten wir den ganzen Tag Programm mit der Gemeinde: Fangenspielen, Gesichter bemalen, Piñata, Bilder ausmalen, die gespendete Kleidung verteilen und am Abend fand dann der Höhepunkt der Ostertage statt: die Vigilia. Angefangen mit Osterfeuer, dann Gottesdienst mit Gesang und Kerzen und einer der besten Predigten, die ich bin jetzt gehöht habe- von einem einfachen Bauern mit  riesigen Herz. Und so kam es, dass ich an einem Ort den nicht einmal Google kennt, in einer Kapelle mit  unglaublich großzügigen Menschen und mit  fröhlichem Gesang ung Jubelrufen Ostern gefeiert habe.

Beim Kleider sortieren…

Mehr Pferde als Autos auf dem „Kirchenparkplatz“

Dass uns der Abschied am nächsten Morgen sehr schwer gefallen ist,  brauche ich glaub ich gar nicht zu erzählen. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie schnell man Menschen in sein Herz schießen kann, wie tief der Glaube der Menschen dort ist und wie unglaublich viel ich aus diesen paar Tagen mitnehmen werde! Ich glaube diese Tage waren einer der außergewöhnlichsten , die ich bis jetzt hier in Nicaragua erlebt habe und ich werde mich immer gerne an sie zurückerinnern!

 

 

Eindrucksvolles Bolivien

Samstag, 13. Mai 2017 von Julia

 

Ein Blick von El Alto auf La Paz

Jetzt ist es schon wieder Mai und ich habe schon lange nichts mehr von mir hören lassen. Zu meiner Ausrede: Ich hatte wirklich viel zu tun. Aber jetzt habe ich wenigstens viel zu erzählen, aber verzeiht mir, wenn ich nicht alles bis ins kleinste Detail erzähle;-)  Alles fing im Dezember mit Weihnachten an. Meine bisherige Vorstellung war nicht allzu groß und auch in Bezug zum Heimweh habe ich mir keine allzu große Gedanken gemacht, sind ja schließlich nur 3 Tage…. Doch es kam anders als gedacht. Ich habe meine Familie und Freunde schrecklich vermisst. Aber Grüße meiner Familie, meiner Freunde und Bekannten aus meiner Gemeinde haben mir gut getan; außerdem war es schön, meine Gastfamilie, die ich sehr lieb gewonnen habe, um mich zu haben, so wurde ich wenigstens etwas von zu Hause abgelenkt.

Dann hat sich spontan ergeben, dass Danica, die Freiwillige des Kindermissionswerkes in Sucre, direkt nach Weihnachten nach La Paz kam und wir uns getroffen haben; aus eigentlich geplanten drei Tagen in La Paz wurden dann doch mehr: noch ein Ausflug zum Laga Titicaca, nach Tiahuanaco, einer alten Inkastadt, nach Potosi, nach Uyuni in die Salzwüste und letztendlich nach Sucre, wo dann auch unser gemeinsames Zwischenseminar stattgefunden hat. Alles in allem eine unglaublich schöne Zeit, die nach vielen Monaten Arbeit und des Eingewöhnens auch nötig war.

 

Danica und ich in der Salzwüste

Kurz darauf hat Rosse, eine Erzieherin aus meinem Projekt, mich gefragt, ob ich an Karneval in Oruro „Tobas“ mit einer Tanzgruppe tanzen würde. Natürlich fiel mir die Antwort auf die Frage, ob ich beim größten Karneval in Bolivien tanzen wolle, sehr leicht. Darauf folgten einige Wochen harter Arbeit, in denen wir uns mehrmls wöchentlich trafen, um die Schritte einzuüben. Alles in allem ziemlich anstrengend und auch alles ziemlich überwältigend. Und dann war es endlich soweit. Es war Ende Februar und die Karnevalstage standen bevor. Ich, schon total aufgeregt, wie es sein würde, versuchte mir schon auszumalen, was mich erwarten würde, was natürlich nicht ansatzweise dem entsprach, wie es dann tatsächlich war: es war viel größeer, bunter und lauter, einfach viel besser, als ich es mir je hätte vorstellen können, und ich tanzend mittendrin, war einfach der Hammer!!!

Unsere Tanzgruppe

 

Und trotz der vielen Aufregung und Anstrengung blieb mir dennoch keine Zeit zum Ausruhen, denn in der darauffolgenden Woche sollte Verstärkung aus Deutschland kommen. Eine deutsche Praktikantin, Fidelis, ist seit Anfang März da und wir verstehen uns schon wirklich super!  Einfach toll, sich mal wieder richtig in unserer Muttersprache unterhalten zu können.

Doch damit nicht genug; jetzt schaffe ich es , mich mal in Ruhe hinzusetzen, um etwas für euch zu  schreiben und euch zu berichten. Über Ostern haben Danica, Fidelis und ich uns getroffen und sind für ein paar Tage nach Tarija gefahren.

Lagunas Coloradas/farbige Lagunen

 Es ist in den letzten Monaten ganz schön viel passiert. Ich hoffe, die Bilder helfen dabei, Euch einen kleinen Überblick in mein Leben hier in Bolivien zu verschaffen. Ich versuche jetzt wieder etwas regelmäßiger zu schreiben, doch allzu viel Zeit bleibt da nicht mehr, nur noch knappe drei Monate und das Jahr ist vorbei. Ganz schön krass, wie schnell die Zeit vergeht und eigentlich möchte ich noch gar nicht weg, so gut gefällt es mir hier…. Die Menschen sind mir sehr ans Herz gewachsen und die Arbeit macht mir riesig viel Freude. Doch noch bleibt ja Zeit und die sollte und möchte ich genießen, also bis dahin

Eure Julia

 

 

 

 

 

 

66% Nica

Freitag, 07. April 2017 von Lea

5.8.16. An einem schwülen Augustabend setze ich das erste Mal Fuß auf nicaraguanischen Boden- ohne Vorstellungen davon, wie mein Leben dort aussehen würde und ohne jemanden dort zu kennen.

5.4.17. Genau 8 Monate danach kann ich mir kaum vorstellen, wie mein Leben anders aussehen könnte als es jetzt ist und ich habe sehr liebenswerte Menschen kennengelernt, die jetzt wie selbstverständlich Teil meines Alltags und meines Lebens sind.

Und was dazwischen passiert ist?

So viel, dass ich es selber manchmal nicht realisieren kann. Denn ohne dass ich es bemerkt habe fing die Zeit ab diesen Moment, in dem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, an zu rennen. August, September, Oktober , November und schon war Weihnachten und Silvester, doch die Zeit rannte nur noch schneller und so zogen Januar, Februar und März wie im Flug vorbei. Und hier stehe ich nun: 3/4 dieses Jahres hinter mir und höchste Zeit auf meine letzten Monate hier zurück zublicken. Dale! (Los gehts!)

 

November- Monat der Feste

Im November haben sich die Ereignisse nur so überschlagen und ein Fest das nächste lückenlos abgelöst. Es war ein Monat mit sehr viel Arbeit und wenig Freizeit aber auch ein Monat mit viel Freude und unzählichen neuen Eindrücken. Den Anfang machte das legendäre Bingofest im Heim Madre Albertina- und ja, man kann tatsächlich 9 Stunden am Stück Bingo spielen und ja, es passen sehr viel mehr Menschen ins Heim als man denkt. Danach folgte das Cristo Rey Fest. Ein Tag mit Gottesdienst, Festessen, Tanz und festlicher Kleider und ebenso festliche Stimmung.

Zwischendrin fanden auch noch die Wahlen hier in Nicaragua statt- ein wirklich interessantes Erlebnis für mich und die Zeit sich selbst mehr mit der Geschichte und der Politik Nicaraguas zu befassen.

Am 28. November begann das religiöse Fest in Granada in der Kathedrale. Die Marienstatue wurde von ihrem Platz in der Kathedrale zu den Menschen heruntergeholt. Der Gottesdienst selbst hat mich ehr an ein Konzert oder Prominentenauftritt erinnert.  Alle standen kreischend und applaudierend mit Handy in der Hand in der Kirche um die Marienstatue zu sehen und ein Bild zu schießen- auch die Pfarrer nicht ausgeschlossen. In den folgenden 9 Tagen erlebte ich dann eine ganz andere Art Maria zu ehren: die Purisima. Ab diesen Tag wurde jeden Tag im Heim die Purisima gefeiert. Das bedeutet, dass jeden Tag vor einer mit Lichterketten beschmückten Marienstatue ein Rosenkranz gebetet und gesungen wurde. Am Ende wurden nach  verschiedenen Jubelrufe noch Süßes oder Leckereien verteilt . In dieser Zeit war ganz Granada im Außnahmezustand.

Cristo Rey Fest- ein Tag mit Gottesdienst, Festessen (für das das Heimschwein Dari sein Leben lassen musste) Tanz und festlicher Stimmung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bingo, Bingo, Bingo

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember- Monat der Besinnung?

Der Höhepunkt der religiösen Festlichkeiten ist die Griteria. Gemeinsam mit dem Heim waren wir mit dem Bus in den Städten Masaya und Managua unterwegs um in verschiedene Häuser zu gehen, ihre Marienstatuenaltare zu bestaunen, Lieder zu singen und dann mit Geschenken beladen weiter zu ziehen. So etwas wie an diesem Abend habe ich noch nie erlebt und die fröhlichen Gesänge und Rufe werden mir noch lange im Gedächnis bleiben!

Eine ganz andere und besondere Art Maria zu ehren- die Purisima!

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Advents- und Weihnachtszeit ist fast unbemerkt vorbeigeschlichen und, um zu mindest etwas Stimmung und Vorfreude für Weihnachten aufzubringen, habe ich für die Familie einen selbstgemachten Adventskalender aufgehängt- was erstmal erklärt werden musste. An Weihnachten selbst und mit meiner Vorstellung einer besinnlichen Heiligabend wurde ich komplett überrascht: Statt einem ruhigen Abend vor dem Weihnachtsbaum wurde nach dem Familienessen laute Partymusik gespielt, Salsa getanzt und um Mitternacht geböllert und erst dann Frohe Weihnachten gewünscht. Bis in die frühen Morgenstunden wurde dann mit einer Salsaparty bei Freunden weitergefeiert.

Geschenke gibt es hier in den meisten Familien nicht- vor allem aus finanziellen Gründen. Und ich muss sagen, dass es darauf nicht ankommt, auch wenn man sich natürlich über kleine Geschenke freut. Was viel wichtiger ist, damit sich ein Weihnachtsfest nach Weihnachten anfühlt, ist ein gemeinsames Essen und Zeit mit der (Gast-)Familie. Trotzdem hat mich einige Zeit der Gedanke beschäftigt, dass viele Kinder hier weder an Geburtstagen noch an Weihnachten Geschenke bekommen- ist dies doch in unserer Kindheit immer ein Highlight und nicht wegzudenken gewesen.

 

Weihnachtsfeier im Heim- wer findet die „Weiße“? 😉

Mit Weihnachten kamen dann auch meine langersehnten Ferien und somit die Gelegenheit auch andere Facetten Nicaraguas kennenzulernen.

Über Silvester machten wir uns auf ans Meer nach El Transito. Ich glaube, ich habe bis jetzt an keinem Ort so stark die Unterschiede zwischen Reichtum und Armut so deutlich zu sehen bekommen. Die erste Häuserreihe mit Meerblick- Villen von Kanadiern und Amerikanern und direkt daneben Blechhütten ohne fließendes Wasser und mit offenen Feuerstellen. Wir wurden zufällig von Kanadiern eingeladen ihre Villa zu besichtigen und in diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie viel ich von hier mit nach Hause nehmen werde. Keine 10 Meter weiter leben die Menschen in selbstgebauten Hütten, ein Bett wird mit der ganzen Familie geteilt, es gibt meistens kein fließendes oder gar sauberes Wasser…

Das alles bringt einem zum Nachdenken und auf die Frage, die wir uns alle einmal stellen: Was brauchen wir wirklich? Was ist das was uns glücklich macht? Und wie gehen wir mit diesen enormen Unterschieden und Armut um, die es auf der Welt gibt?

 

Januar- neue Facetten Nicaraguas und ein neues Jahr im Heim beginnt

Auf dem aktiven Vulkan Telica: Unter dem Sternenhimmel an der Kraterkante entlang laufen und in die Lava zu schauen- einfach unbeschreiblich!

Kayakfahren auf dem Rio San Juan

 

 

Auf einer Farm beim Schokolade machen.. Wer kann mir sagen, wie es geht?

Blick über den Rio San Juan und dem Dschungel im Indio Maiz

Anfang des Jahres konnte ich eine neue Seite Nicaraguas kennenlernen: den Rio San Juan. Was mich vor allem überrascht hat ist zu sehen, wie sehr es die Menschen freut, wenn man versucht auf ihrer Landessprache mit ihnen zu sprechen und interessiert an ihrem Land ist.

Und auch ein neues Jahr im Heim hat begonnen. Die Mädchen sind aus ihren Ferien ins Heim zurückgekehrt und  auch einige neue Gesichter waren dabei. Ein paar Mädchen sind jedoch auch nicht zurückgekommen und ich habe wieder einmal gemerkt wie sehr mir jedes Mädchen ans Herz gewachsen ist.

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Neuer Anstrich: Ich kann mit Stolz sagen, dass jetzt ein  frisch gemaltes Sternsinger-Kindermissionswerk-Logo den Salon ziert.

 

Februar- Arbeit und Zwischenseminar

Und schon stand ich wieder komplett in meinem Alltag… eine Sache, die glaube ich viele oft vergessen. Auch wenn wir Freiwilligen in einem weit entfernten Land leben und die Chance haben viel Neues kennenlernen und auch etwas reisen können, sellt sich trotzdem ein Alltag ein. Ein Alltag, in dem man morgens aufsteht, zur Einsatzstelle geht, abends müde von der Arbeit  mit den Kinder und der Hitze zurückkommt… Nicht, dass es nicht schön und auch aufregend ist,  doch so ein Freiwilligendienst ist mehr als ein Jahr Action, Abenteuer und Reisen.

März- Besuch in Juigalpa

Im März war es soweit: Ich hatte die Möglichkeit meine Mitfreiwillige Mafalda in ihrem Zuhause und in ihrem Projekt in Juigalpa zu besuchen!

 

Hier und Jetzt

Morgen ist der letzte Tag vor den Osterferien und damit steht wieder eine ganz neue Erfahrung für mich an: Die Semana Santa in Nicaragua!

Und da auch diese Zeit  wieder schnell vergehen wird, heißt es jeden Moment zu genießen! 🙂

Auf die nächsten 33 %!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

The sound of silence

Dienstag, 15. November 2016 von Sophia Koch

Der Tempel vom Projekt aus betrachtet

Den Namen Wat Opot Children’s Community hat das Projekt dem benachbarten buddhistischen Tempel Wat Opot zu verdanken.

Ähnlich wie bei Minaretten schallt auch von buddhistischen Tempeln Gebete und Musik über Lautsprecher in die Gegend, so dass der gesamte Ort es hören und daran teilhaben kann.

Dies allerdings nur an Feiertagen und bei besonderen Anlässen dafür dann aber fast 24/7. Beginnend um 4.30 in der früh.  Da wir nun direkt neben dem Tempel wohnen hören wir das ganze sehr laut. So laut, dass man morgens davon aufwacht und man sich während der Feiertage draußen kaum unterhalten kann.

Ich weiß an diesen Tagen die kleinen Momente zu Schätzen in denen der Strom ausfällt oder einfach eine kurze Sendepause herrscht. In diesen Momenten genieße ich den Klang der Stille.

 

Von der Traufe in den Regen

Dienstag, 15. November 2016 von Sophia Koch

Wie ich vor einer Weile berichtet habe, hat es den gesamten August bis September in Takeo nicht richtig geregnet. Es war heiss und trocken und ich dachte schon die Regenzeit würde überhaupt nicht mehr kommen. .. tja falsch gedacht.

Es fing damit an, dass über zwei Tage in denen ich in Phnom Penh war alle Ponds auf dem Gelände vollliefen. Ein Pond ist im Prinzip ein Teich. Auf dem Gelände von WOCC gibt es zehn Teiche, die in der Trockenheit teilweise völlig ausgetrocknet sind. Und diese waren alle voller Wasser.

Um das ganze etwas zu veranschaulichen:

Innerhalb von 48 Stunden hat es so stark geregnet, dass ein Pond mit der Fläche von 120qm so vollief, dass das wasser über einen Meter hoch stand.

Das schöne an der Regenzeit ist daher für mich,  dass man in Wat Opot immer in den Pinds schwimmen kann. Und die Kinder lieben es schwimmen zu gehen.  Jeden Tag waren sie in einem der Ponds plantschen,  tauchten…. Und jeder der nicht bei drei auf dem Baum war wurde erbarmungslos ins Wasser geworfen.  Ich wurde selbstverständlich nicht verschont.

Ab dann regnete es täglich fast eine Stunde lang.  Dazu kamen noch zwei gebrochene Dämme in der Gegend um die Provinz Takeo, so dass wir mitte Oktober in WOCC überflutet worden waren. Mit anderen Worten die drei Teiche um um das Haus, in dem ich und andere Freiwillige schlafen,  waren zu einem großen See verschmolzen. Das erschwerte den Weg in mein Zimmer….leicht. Die Kinder nutzen diese Gelegenheit um regelmäßig in dem neuentstandenen See zu fischen.

Doch nicht nur WOCC war überflutet,  sondern auch die gesamte Gegend drum herum. Die Hauptstraße sowie sämtliche Häuser,  die nicht etwas höher standen, waren überschwemmt. Ein sehr merkwürdiger Anblick, Leute in ihrem Haus 30cm tief in Wasser sitzen zu sehen und traurig obendrein…..

Der Reisernte hat der Regen jedoch kaum genützt. Wo anfangs zu wenig Wasser war, ist jetzt so viel Wasser,  dass die Reispflanzen quasi ertrinken.

Und so kam ich von der Traufe in den Regen…