185 Tage Nicaragua – was die Zeit so mit sich brachte

3. Feb 2018 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Lea Feldhaus in Nicaragua

Hallo alle zusammen,

Ich schlage die Augen auf und frage mich, was anders ist. Mein Handy neben mir erklärt mir, es sei 16:02 Uhr. Komisch. Ich habe doch noch gar nicht den Tag angefangen. Und dann sind da noch die komischen Geräusche: ein Hahn kräht, ein Auto hupt, Hund bellen sich an – und was mich am meisten verwirrt – eine ganze Gruppe von Menschen, die irgendetwas reden, das ich nicht verstehe. Da fällt es mir wieder ein. Ich bin irgendwo in einem Zimmer in einer Stadt knapp 9300 Kilometer von meiner Heimatstadt entfernt. Wer hätte das je gedacht. Ich auf jeden Fall nicht. Nach all der Vorbereitung irgendwann einmal aufzubrechen. Wow.

Diese Situation ist nun schon sechs Monate her. Oder genauer gesagt 4440 Stunden. Denn gestern war so zusagen mein nicaraguanischer halber Geburtstag. Seit dem ist viel Zeit vergangen und noch viel mehr Situationen. Manchmal hat sich die Zeit gezogen und ich habe mich gefragt – Wieso bin ich noch mal hier? Und dann kommt irgendjemand, man unterhält sich, lacht und merkt – genau deshalb.

Für die vielen lieben Menschen, die hier in Nicaragua leben.

Für die Kinder, die dir quer über die Straße „Adiós profe“ zurufen und beim Verabschieden ein: „Ich mag euch sehr“ hinterherschieben.

Für die Geschichten, die sie mit dir teilen. Und die Umarmungen, nach denen sie sich zwischen den Arbeiten manchmal sehnen.

Für die wunderschöne Natur, die einen ganz großen Teil des zentralamerikanischen Landes ausmacht.

Für die Erfahrung, nicht zu wissen, was der Gegenüber dir sagen will und du dich fragst, ob er nicht doch ein bisschen verrückt ist, wenn er dir erklärt, dass du bei Grippe und Fieber bitte als allererstes kalt duschen sollst.

ABER: Es ist nicht immer deine Kultur, die das Richtige macht und alles andere, das Fremde, ist falsch. Alle Wege führen nach Rom. Und es sind hundert Wege, die zum gleichen Ziel führen. Man muss sich nur darauf einlassen. Probiere es einfach mal aus. Und wenn es nichts ist, dann weißt du es für das nächste Mal. Dieses Einlassen ist nicht immer leicht. Aber das soll es ja auch nicht sein, oder?! Überwinde dich.

Ich durfte es im letzten halben Jahr ein bisschen lernen. Noch immer fallen mir Dinge schwer, weil ich mich nach dem Sinn frage, aber das ist – denke ich – normal. Denn auch wenn ich in Nicaragua lebe und mich oft wie eine Halbnica fühle, komme ich aus Deutschland. Und damit aus einer Kultur, die im ersten Moment sehr ähnlich ist. Aber sich in den Kleinigkeiten von der nicaraguanischen sehr unterscheidet. Zum Glück. Denn die Abwechslung macht unsere Welt erst so bunt, so schön, so verdreht, so hässlich, so unverständlich, so multikulturell, so WELTLICH, wie sie ist.

Einige Eindrücke aus den letzten 185 Tagen möchte ich euch noch in Bilder zeigen. Vergesst nicht. Ich zeige euch nicht Nicaragua. Ich zeige euch einen ganz kleinen Teil von dem kleinen Teil, den ich kennenlernen darf!

Schon vor der Ausreise begann das Jahr – im letzten Seminar gestalteten alle Freiwilligen zusammen diese Leinwand

 

Auf Wiedersehen Deutschland. Frankfurt wird das letzte sein, dass ich für ein Jahr von meinem Heimatland sehe

 

Herzlich Willkommen. Das ist man hier fast immer. Denn die Nicaraguaner sind ein sehr gastfreundliches Völkchen

 

Ein viel zu großes Zimmer, aber wunderschön und mein Zuhause für die nächsten 51 Wochen

 

Eine neue Sprache zu lernen ist gar nicht so einfach. Die erste Zeit habe ich jeden Abend eine neue Vokabelliste an die Tür geklebt.

 

Ein Teil meiner Gastfamilie. Ja, es fehlen noch welche…

 

Ich bin euch noch ein Foto vom typischen Nica-Gericht schuldig: Gallo Pinto – Gemalter Hahn

 

Willkommen im Centro „Jesús Amigo“ – Freund Jesu

 

Wenn die Kinder mal wieder Bastelhausaufgaben haben, dann helfe ich gerne mit, denn es ist eine Abwechslung zwischen Mathe, Englisch und Spanisch

 

Im Januar haben wir einmal alles umgeräumt und ausgemistet. Da kam eine ganze Menge Dinge hoch, die schon als verschollen galten.

 

Im Dezember ging es anderthalb Wochen nur ums Spielen. Besonders Sackhüpfen ist weltweit echt der gleiche Spaß

 

Trotzdem wird immer wieder gearbeitet, gedacht und überlegt. Und das am besten gemeinsam

 

Einige wenige Male im Jahr wird für alle gekocht. Und dann sieht es in der Küche ungefähr so aus…

 

Piñata – darüber habe ich euch ja schon ein wenig erzählt

 

Am 15. September wird hier der Unabhängigkeitstag gefeiert. Der ganze Monat ist danach benannt und es gibt Umzüge und Veranstaltungen nur zu diesem Thema. Mit dabei sind immer die Trachten und Nationalsymbole Nicaraguas

 

Die Nationalblume Sacuanjoche

 

So sieht es aus, wenn man beim Tanzen der Folklore aus ganzem Herzen dabei ist

 

Während der Regenzeit hier sind viele Straßen manchmal über Stunden überschwemmt. Es schüttet aus Strömen und will gar nicht mehr aufhören. Aber es sorgt auch dafür, dass das Wetter erträglich ist. Und es macht Spaß, im Regen zu tanzen

 

In Nicaragua ist Präsentation und Aussehen noch viel wichtiger. Die Nägel zu bemalen gilt dabei als Kunst und wichtig. Wer es kann muss es ganz bestimmt auch für den Rest der Familie machen. So wie meine Mentorin. Manchmal sitzt sie den ganzen Samstag und bemalt nach und nach alle Fußnägel, die es mal wieder nötig haben

 

Währenddessen habe ich angefangen, ein bisschen zu knüpfen und Ukulele zu spielen. Das Leben in Juigalpa ist ziemlich passiv und es gibt kaum etwas zu machen, da die meiste Freizeit vor allem in der Familie gefeiert wird. Dann suche ich mir doch auch ein bisschen Abwechslung

 

Im Dezember und Januar hatte ich die Ehre, einen Teil des Landes meiner Familie zu zeigen.

 

Da kommt auch schon mal Blödsinn bei rum…

 

Ein kritischer Blick – Ich hatte tatsächlich nach fünf Monaten Nicaragua vergessen, wie viele Eindrücke in den ersten Tagen auf einen einrieseln

 

Seht ihr die Vulkane rauchen?! Dieser hier heißt Masaya und ist noch immer sehr aktiv. Auf Grund der giftigen Gase darf man nur fünfzehn Minuten oben sein…

 

Wer von euch Kaffeeliebhaber ist, der ist in Nicaragua genau an der richtigen Stelle. Besonders im Norden wird er angebaut und in die ganze Welt exportiert

 

Da Nicaragua so viel Natur hat gehört auch viel Wasser (im hiesigen Winter) dazu…

 

Ich sehe was, was du nicht siehst – und das ist Schwarz.
Seht ihr die Mückenschwärme?

 

Auf einen Teil der Reise sind auch meine zwei Gastgeschwister und gute Freunde mitgekommen. Mit den beiden habe ich unglaublich viel Spaß

 

Bei aller Liebe – hier lässt sich wohl kaum noch das Heimatland leugnen 🙂

 

Das ist Managua, die Hauptstadt Nicaraguas. Die Lebensbäume sind ein Projekt der Vizepräsidentin, welches aber durchaus kritisch betrachtet wird.

 

Gemeinsam mit meiner Mentorin und ihren Kindern auf einem Benefizlauf in Managua. Das Thema: Brustkrebs

 

 

Und schwups sind die Haare ab. Die werden für Perücken verwendet. Irgendwie eine lustige Vorstellung, dass jetzt eine Nica mit meinen Haren rumläuft. Zumal ja eigentlich alle Menschen hier schwarze oder dunkelbraune Haare haben

 

Purisima – Maria Empfängnis
In jedem Haus wird ein Altar gestaltet, der für einige Tage daran erinnert, was am 08.Dezember gefeiert wird

 

Jeden Abend wird ein Rosenkranz gebetet. Und das ganze auch mit Musik unterlegt. Denn ich habe das Gefühl, es gibt mehr spanische Purisimalieder als deutsche Weihnachtslieder…

 

Im Dezember finden auch die Firmungen statt. Und zwar in blau – weiß. Wer nicht in Uniform kommt, darf nicht gehen.

 

Im Anschluss gibt es auf dem Kirchplatz für alle etwas zu essen.

 

An was müsst ihr hier denn denken?
Jup: an eine Schuleinführung

 

 

Darf ich vorstellen: Das ist Luz

 

Viele Grüße und bis bald

LEA

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