Feliz Navidad!

 

Es ist Ende Dezember und so langsam hat sich auch das Jahr in Palliri dem Ende zugeneigt. Da die Sommerferien bereits begonnen hatten und somit keine Hausaufgaben und Schularbeiten mehr anstanden, war der Palliri-Alltag etwas lockerer und zum Ausklang des Schuljahres, welches hier im Dezember endet, wurden in der vorletzten Woche vor Weihnachten einige Ausflüge unternommen:

 

 

Am Dienstag starteten wir mit dem Besuch eines Schwimmbads. Schon Tage zuvor freuten sich die Kinder und Jugendlichen auf diesen besonderen Tag und immer wieder wurde ich gefragt, ob ich denn auch mitkomme. „Na klar!“ antwortete ich und schließlich war es so weit. Ab ging‘s ins kalte Nass! Dass Kinder schwimmen lernen ist hier keine Selbstverständlichkeit. Doch die Kinder und Jugendlichen waren sehr ehrgeizig und wollten, dass ich ihnen zeige wie man schwimmt. Alle bemühten sich sehr und wir hatten unglaublich viel Spaß miteinander. Auch beim anschließenden Ballspiel (Mädchen gegen Jungs) ging es rund und ich würde behaupten, die Mädels hatten eindeutig mehr Ballbesitz :p Leider verging die Zeit wie im Flug und etwas ausgepowert aber glücklich kamen wir wieder zurück.

 

Palliris Bauernhof: Hühner, Enten, Meerschweinchen, Kühe, Schafe und sogar Lamas haben hier ihr Zuhause.

Nach einem Kinobesuch am Mittwoch, ging es am Donnerstag aufs Land nach Achocalla, welches rund 20 km von La Paz entfernt ist. Hier hat Palliri ein weiteres Zentrum mit einem kleinen Bauernhof. „Schau mal, ein Esel!“ ruft ein kleiner Junge voller Begeisterung und zeigt aus dem Fenster des Busses. Der Ausflug nach Achocalla ist für alle, selbst für die „Profes“, immer etwas Besonderes. Auch ich freue mich jedes Mal aufs Neue, für ein paar Stunden von der Großstadt hier her zu kommen und bemerke dann plötzlich die Stille, die hier herrscht, was ich von der Stadt gar nicht mehr gewohnt bin. Doch nicht nur die Stille, vor allem die unglaubliche Landschaft, welche das Achocalla-Tal umgibt, ist wirklich atemberaubend! Sogar der Illimani, mit 6439 Metern der zweithöchste Berg Boliviens, ist im Hintergrund zu sehen. Mit insgesamt drei Bussen, kamen die Leute der Fußballschule „Zona Joven“, des Zentrums „Delicias“ und wir vom Zentrum „Michme“ her und sogleich war das Gelände belebt und wuselte nur so von Menschen. Zuallererst teilten sich alle in Kleingruppen auf und wir pflanzten zusammen neue Bäume. Hier seht ihr ein paar Impressionen davon:

Teamwork: Fleißige Hände beim Bäume pflanzen.

Später wurde Fußball und Volleyball gespielt, Tau gezogen oder einfach nur gemütlich zusammengehockt und geredet. Auch das Küchenteam war mit dabei und so kam selbst das Mittagessen – heute zur Abwechslung im Grünen – nicht zu kurz. Am Nachmittag traten wir müde und zufrieden wieder den Heimweg nach El Alto an.

Uno, ein Spiel, das Menschen auf der ganzen Welt verbindet.

 

Unser Christbaum im Zentrum „Michme“ – ist er nicht kreativ? =)

 

Mit einer kleinen Weihnachtsfeier am Freitag wurde das Palliri-Jahr 2017 schließlich abgeschlossen. Im Voraus hatten die Kinder und Jugendlichen Tänze und verschiedene andere Nummern einstudiert und vorbereitet, welche nun vorgeführt wurden. Auch ich durfte gleich zweimal auf der Bühne stehen: Einmal mit „Macarena“, welchen wir mit den 5-8-Jährigen aus unserem Saal vortanzten und ein zweites Mal bei einem traditionellen Tanz mit den „Profes“ meines Zentrums, weshalb ich jetzt stolz behaupten kann, schon einmal einen traditionellen bolivianischen Tanz getanzt zu haben :p Anstatt Lebkuchen und „Bredla“, wie das bei uns in der Vorweihnachtszeit so üblich ist, gab es „gelatina“, Popcorn und Sandwiches. Zwar fehlten mir ein wenig die Weihnachtslieder und die für eine Weihnachtsfeier so typische weihnachtliche Stimmung, aber die Kinder und Jugendlichen hatten sich wieder einiges einfallen lassen und den Nachmittag sehr schön gestaltet. Zum Ausklang waren abends alle Mitarbeiter eingeladen und es wurde gegrillt – tja, bei uns ist gerade eben Sommer =)

 

 

Die Weihnachtskrippe mal etwas anders: Gondelkabinen der verschiedenen Teleférico-Linien.

Weihnachten wird hier sehr ähnlich gefeiert wie in Deutschland. In den Wohnzimmern steht ein geschmückter Christbaum (normalerweise aus Plastik und deshalb schon ab Anfang Dezember) und eine Weihnachtskrippe. Traditionell geht am 24. Dezember die ganze Familie zusammen in die Kirche und isst anschließend gemeinsam zu Abend. Um genau 00:00 Uhr gibt es Geschenke. Schon Wochen vor Heiligabend gab es in La Paz unten kaum ein Haus ohne wild blinkende und farbenwechselnde Lichterkette. Die Weihnachtsdekoration fällt hier eindeutig kitschiger aus als in Deutschland. Vor allem in den Teleférico-Stationen wurde an Deko nicht gespart: Jeder freie Platz, selbst die Treppengeländer wurden genutzt um weihnachtliche Motive anzubringen. In fast jeder Station waren Maria, Josef und das Christkind (teilweise sogar zweimal) anzutreffen und selbst die Mülleimer wurden in Weihnachtsmänner verwandelt. Ich muss jedoch sagen, mir gefiel die Deko dort sehr. Typisches bolivianisches Weihnachtsgebäck ist der „Panetón“, ein Weihnachtskuchen mit kandierten Früchten und Rosinen, welcher in der Vorweihnachtszeit an nahezu jedem Marktstand und in jeder „tienda“ angeboten wird.

Heiligabend habe ich dieses Jahr mit meiner bolivianischen Familie gefeiert und ein paar sehr schöne Stunden verbracht. Zwar fehlten mir ehrlich gesagt ein wenig der Schnee und die winterlichen Temperaturen, doch trotzdem war Weihnachten dieses Jahr sehr eindrucksvoll und wunderschön.

 

Zwar kein Schnee, aber immerhin weiß und gefroren :p
Der Panetón darf in Bolivien an Weihnachten in keiner Familie fehlen.

Nun steht auch schon Silvester vor der Türe. Deshalb wünsche ich euch:

Einen guten Rutsch ins neue Jahr 2018! (5 Stunden später rutschen wir hier hinterher :P)

Próspero año y felicidad!