Weihnachtsstress

24. Dez 2017 | von | Kategorie: Aktion Dreikönigssingen, Freiwillige 2017/2018, Sandra Abrantes Diaz in Nicaragua

Weihnachten steht vor der Tür und auch meine Ferien! Nach einem sehr ereignisreichen Dezember ging es jetzt auch für die Mädchen nach Hause. Was im vergangenen Monat die weihnachtliche Stimmung aufbringen ließ war der so gut bekannte Weihnachtsstress, der uns jede Minute Schlaf zu genießen zeigte.

Das Fest der Feste – Purísima

Im Dezember steht für die Nicas das wichtigste Fest an, die Purísima (Maria Empfängnis). Auf diesen Tag haben wir uns sehr intensiv vorbereitet, sowohl geistlich als auch körperlich. Für den geistlichen Teil gingen wir neun Tage lang vor dem 8. Dezember, dem Tag der Purísima selbst, morgens früh in die Messe. Früh heißt,  dass ich um 5 Uhr im Heim war, um die Messe pünktlich um 6 Uhr mit Sitzplatz zu besuchen. Am letzten Tag anzukommen war wie der Zieleinlauf eines Marathons, aber ich muss sagen, würde es immer wieder tun. Auch wenn das Aufstehen trotz kalter Dusche im Morgengrauen schwer fiel, war es umso schöner im Tageslicht aus der Kathedrale zu kommen.

Mit den Mädchen im Heim haben wir täglich am Nachmittag den Rosenkranz gebetet (die Novena) und dann ging es zum körperlichen Teil über, dem Essen. Das ist wohl kaum zu kurz gekommen! Jeden Tag bereiteten zwei vom Personal etwas zu essen und zu trinken vor. Es bot sich für mich  sehr an, um viele noch nicht entdeckte Leckereien zu entdecken! Als ich an der Reihe war wurde natürlich etwas „Besonderes“ erwartet. In meiner deutschen Tüte war dann die dunkle Köstlichkeit namens Schokolade, die trotz langer Reise von über 9.000 km heile ankam und ich überlegte mir mit den Kindern Plätzchen zu backen. Alle waren begeistert und sogar die Erzieherinnen fanden ihren Spaß am Backen!

Jeden Tag wurde die Maria-Statue dekoriert und abends durch die Straßen getragen

In der Weihnachtsbäckerei

 

Wie besonders dieses Fest ist zeigt der Ausflug in die Haupstadt Managua am 7. Dezember. Am Nachmittag ging es aus Granada los bis zur Kathedrale, wo wir vom Kardinal in Empfang genommen wurden und sogar auch von Radio- und Fernsehsendern aufgenommen wurden. Während hunderte von Menschen vor dem Eingang warteten, um an die Übergabe des Beutels zu gelangen, konnten wir glücklicherweise durch die Begeleitung der uniformierten Schwestern problemlos einen Beutel voll Reis, Bohnen, Zucker, Öl, etc. abholen und dann auch schon mit unserem Bus von Haus zu Haus fahren. Ein wenig erinnerte es mich an das Martinsingen, denn in jedem Haus war ein Altar aufgebaut, vor dem wir der heiligen Maria zu Ehren sangen und dann gab es eine Kleinigkeit für jeden. Das ging von einem Eimer bis hin zu einem Abendessen, Spielpuppen oder Obst. Ich war erstaunt wieviel die Menschen für diese Veranstaltung ausgaben. Alleine unsere Gruppe zählte sechsizig Personen und es kamen viele mehr an einem Abend zusammen! Spät in der Nacht kam ich mit zwei großen vollen Säcken und einer unvergesslichen Erfahrung zuhause an und verabschiedete mich für wenige Stunden in den Schlaf, bevor es am nächsten Morgen zum Höhepunkt der Purísima kam. Wir haben viele Einladungen von Sponsoren bekommen, um sie zu  besuchen, weil sie uns  mit einem Mittag- oder Abendessen erwarteten oder sie kamen ins Heim, um die Mädchen zu empfangen! Hier gab es nicht nur Essen, sondern es wurden auch neue Kleider, Schulbücher, Schuhe und Hygieneutensilien gespendet. Fast täglich bekamen die Mädchen noch eine Piñata mit allen ihren typischen Festlichkeiten. Jeder Besuch hieß aber natürlich auch Stress für uns, da alles hergerichtet werden musste, während der Veranstaltung die Mädchen ruhig gehalten werden mussten und das Aufräumen überließ man uns dann auch noch.

 

Eine große Menschenmasse wartet vor der Kathedrale von Managua

Gerade wurde für das Fernsehen gesungen

 

Ferien

Da der ganze Monat schon von Ferien- und Feierlaune begleitet war, gab es im Heim auch jeden Tag zusätzlich eine kleine Feierlichkeit – der Adventskalender. Keiner in dem Heim kannte diese Tradition und das machte es auch nicht einfacher zu erklären, dass man täglich ein Paket öffnet und nicht sofort alle vierundzwanzig! Es kostete mich durchaus viel Geduld das ein, zwei, drei und auch vier Mal zu erklären, bis das Fragezeichen aus den gesichter verschwand. Aus weihnachtlichen Spargründen gab es jeden Tag für ein Kind ein kleines Geschenk (ich füllte ihre Tütchen mit einem Haargummi, Kekse und einige Bonbons), sodass nicht alle 32 Mädchen täglich ein Geschenk hatten.

Der Weihnachtskalender aus recycelten Klorollen

 

Am Mittwoch war dann die große Abschiedsfeier, die gleichzeitig traurig und sehr amüsant war! Nach der Abschlussmesse und einem sehr leckeren Abendessen beisammen, führten die Mädchen noch zwei Weihnachtslieder auf, die ich die Wochen zuvor mit ihnen eingeübt hatte, wir Wichtelten und danach wurde auch schon die Musik aufgedreht! Wir tanzten, lachten und genossen den letzten geinsamen Abend! Da ich meinen Haustürschlüssel vergessen hatte, durfte ich auch noch die letzte gemeinsame Nacht mit den Mädchen verbringen. Manchmal bin ich über meine Vergesslichkeit doch ganz froh, denn auch mit dem Personal wurde noch bis tief in die Morgenstunden gelacht und an die ein oder anderen Momente des Jahres zurückerinnert.

Das letzte Gruppenfoto für 2017

Donnerstag, Tag der Abreise – aber nicht für uns. Erst am Freitag Abend hieß es für mich das letzte Mal für 2017 Feierabend zu haben, da wir noch alles aufräumten und den Jahresbericht erarbeiteten. Heute wurden dann alle Weihnachtseinkäufe erledigt und ich freue mich schon sehr morgen mit meiner Familie den Tag zu verbringen!

In diesem Sinne wünsche ich euch allen schöne Weihnachtstage und einen guten Rutsch ins neue Jahr!

Eure Sandra

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