Schon so viel erlebt und noch so viel zu erleben!

6. Dez 2017 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Lena Neuenhofer in Uganda

Schon fast vier Monate in Uganda und erst einen Blogeintrag geschrieben. Meine einzige Ausrede ist, dass ich mehrmals gehört habe, dass wer sich wenig meldet, dem geht es gut. Es ist aber trotzdem Zeit, dass ihr wieder mal etwas von mir hört.

Es ist in den zwei Monaten seitdem ich mich zuletzt gemeldet habe schon wieder unglaublich viel passiert ich weiß überhaupt nicht wo ich anfangen soll.

Am besten fange ich dort an, wo ich auch die meiste Zeit verbringe: bei der Arbeit. Anfangs als ich noch keinen strukturierten Arbeitsplan hatte, hatte ich die Möglichkeit mir die verschiedenen Projekte anzuschauen und kennenzulernen bevor ich mich entscheiden musste, wo ich gerne mitwirken wollte. Doch meine Definition von „Kennenlernen“ und „Anschauen“ unterscheidet sich leicht von der Definition der Ugander. Ich wurde nämlich zu der Schule St. Jude gebracht, an der ich die Lehrer unterstützen sollte und da es mein erster Tag dort war, dachte ich, ich würde erstmal nur zuschauen wie es dort läuft. Doch nach 10 Minuten sollte ich schon eine Klasse in English unterrichten.  Mir wurde nicht gesagt was ich genau unterrichte sollte, auf welchem Niveau die Schüler waren,…. Das war eine kleine Überraschung für mich! Aber eigentlich hätte ich so etwas erahnen können, wenn es für sieben Klassen auch nur vier Lehrer gibt.

Muzungu! Muzungu! Muzungu! Das habe ich an meinem ersten Tag im Kindergarten Adrian Nursery and Day Care Centre den ganzen Tag gehört! 104 Kinder zwischen drei und sechs Jahren gehen zur Nursery School. Je nach Alter und Leistungsniveau sind die Kinder in drei Klassen, Baby Class, Middle Class und Top Class aufgeteilt. Ich helfe hauptsächlich in der Baby Class, wo ungefähr dreiviertel der Kinder sind. Ja, 75 drei bis vier Jährige in einer Klasse! CHAOS! Mit drei Jahren lernen die Kinder schon Englisch Lesen und Schreiben. Wenn ich mich richtig erinnere waren meine Gedanken in dem Alter wo ganz anders – auf dem Spielplatz, im Sandkasten, beim Basteln….

 

Meine Hauptaufgaben sind morgens und mittags das Essenverteilen und die Aufgaben die die Kinder zu erledigen müssen in die Hefte einzutragen. 75 Mal eine Aufgabe wie: „Verbinde das Bild mit dem zugehörigem Wort“ zu schreiben und zu malen kann auf Dauer lästig werden. Da wird mir bewusst was für eine Arbeit ein Drucker übernimmt und wie verwöhnt ich da bin! Es macht mir sehr viel Spaß mit den Kindern zu spielen, aber es ist nicht ganz einfach mit ihnen eine Beziehung aufzubauen, da ihre Englisch- und meine Lugandakenntnisse noch nicht auf dem besten Stand sind, so dass wir gut miteinander kommunizieren können.

Aber man sagt das Beste kommt zum Schluss. Ich habe das Transitory Home kennenglernt und mich direkt wohl gefühlt. Dort kann ich nämlich das was mir bei in den anderen Projekten fehlt, eine Beziehung mit den Menschen aufbauen, erreichen. Ich gehe normalerweise vier Mal die Woche in das Internat. Dort lernen Mädchen unterschiedliche Fertigkeiten, wie z.B. Schneidern, Kochen, Landwirtschaft betreiben, Englisch, Luganda, Buisness culture und Nähen, damit sie die Grundlagen beherrschen, wenn sie später anfangen zu Arbeiten. Nach zwei Jahren Schule, machen sie ein Praktikum für drei Monate und haben danach Examen.  Zusammen mit Tatjana unterrichte ich „Buisness culture“, ein Fach das viel mit Finanzen, Buchhaltung und Kalkulation zu tun hat. Obwohl Mathe nie wirklich mein Lieblingsfach war und ich es manchmal für unnötig gehalten habe, merke ich wie wichtig die Grundlagen die man ab der Grundschule bis zur fünften oder sechsten Klasse lernt bzw. gelernt haben muss: Addition, Subtraktion und das Einmaleins.  Wenn ich einer 17 Jährigen frage was 3+1 ist und ich als Antwort „3“ bekomme (und nein das ist kein Scherz) bin ich kurz vor dem Verzweifeln. Aber das ist die Wahrheit. Die Mädchen, die auf das Internat gehen, haben alle die Schule frühzeitig abgebrochen, manche früher als andere und das Resultat ist, dass sie überhaupt kein Grundwissen besitzen. Aber gerade die Grundlagen sind so extrem wichtig und nicht nur in dem Fach Buisness culture, sondern auch in den anderen Fächern und im Alltag. Ich habe es nämlich selbst miterlebt wie die Lehrerin vom Schneiderkurs gefragt hat: „wenn du eine Schulterbreite von 46cm hast, wie viel ist die Hälfte? Wo muss die Naht sein?“ Das erste was alle Mädchen gemacht haben, ist sich das Maßband genommen und bei 46cm einmal halbiert und dann abgelesen. Und noch nicht mal das hat bei allen funktioniert. Sie haben leider überhaupt keine Vorstellung, ob das was sie gerechnet oder abgelesen haben realistisch sein kann. Obwohl mich dieses Mangel an Wissen sehr schockiert hat, habe ich jetzt auch ein Ziel das ich erreichen möchte bevor ich wieder abreise: dass sie die Grundlagen in Mathe beherrschen!!! Es wird mir viel Geduld kosten, aber bestimmt sowohl für die Mädchen als auch für mich ein sehr schönes Gefühl sein wenn wir das Ziel erreichen.

Um auch mal ein bisschen Spaß mit ihnen zu haben und nicht den ganzen Tag nur Zahlen zu sehen, spielen wir häufig nachmittags noch Fussball oder Volleyball oder tanzen zu Musik.

Arbeit auf dem Feld

 

 

 

 

 

In meiner Freizeit verbringe ich viel Zeit mit Tatjana, einer Freiwilligen aus der Gegend von Freiburg, die aber leider nur drei Monate hier in Uganda bleibt und deswegen schon bald abreist. Wir verstehen uns unglaublich gut und haben zusammen viele neue Freunde kennengelernt mit denen wir auch viel unternehmen. Wenn wir nichts Besonderes vorhaben, fahren wir häufig sonntags an den Strand zu Lake Nabugabo, der etwa eine halbe Stunde von Masaka entfernt ist und zu den wenigen Seen in Uganda gehört der bilharziosefrei ist. Diese Möglichkeit nutzen wir alle gerne aus um ein bisschen schwimmen zu gehen oder sogar anderen Schwimmen beizubringen denn, dass Jugendliche und Erwachsene schwimmen können ist nicht üblich.

Lake Nabugabo

„Wer nach Afrika reist, muss unbedingt auf eine Safari gehen“ wurde mir mehrmals gesagt und dies habe ich  in der Tat auch gemacht. Los ging das Abendteuer am Freitag um 6 Uhr morgens. Nach etwa 12 Stunden in einem Safaribus haben wir das Ziel Packach im Norden Ugandas erreicht. Eine lange Fahrt war sie, aber auf keinen Fall langweilig. Obwohl die Natur Ugandas nicht sehr abwechslungsreich ist, weil es eigentlich alles überall gibt, war die Fahrt, würde man denken, langweilig. Aber es war genau das Gegenteil. Kilometer weit nur grüne Landschaft, die sehr bewundernswert ist! Ja, GRÜN! Ein Vorurteil vieler: Afrika sei heiß, trocken und braun! Stimmt aber nicht. Jedenfalls nicht in Uganda. Momentan ist die Regenzeit und es regnet im Durchschnitt vier Mal die Woche. Nach der anstrengenden Anreise sind wir sehr früh morgens auf die erste Gamedrive gefahren  und hatten nach einer guten halben Stunde schon drei der fünf Großen gesehen: Giraffen, Elefanten und Büffel ohne Ende! Quer durch die größte Safari Ugandas durch den auch der längste Fluss der Welt fließt; das behaupten jedenfalls alle Ugander, dass ihr Fluss, der Nil, der längste Fluss sei und nicht der Amazonas. Laut vielen Interentquellen ist es auch noch sehr umstritten welcher Fluss jetzt tatsächlich länger ist. Während der Bootsfahrt, auf dem Weg zu den Murchison Falls, nach denen der Park auch benannt wurden ist, sind uns noch ein paar große Flusstiere begegnet. Da wir während dem Wochenende sowieso fast die ganze Zeit nur im Safaribus saßen, war es schön als wir hoch zu den Murchison Falls gewandert sind und von denen wir eine super Sicht über den National Park hatten. Abends ging es auf eine weitere Gamedrive und unsere Hoffnung noch ein weiteres der fünf Großen zu sehen war eigentlich schon gestorben…..doch plötzlich meinte der Safariführer „kommt schnell runter vom Dach!“ Und da haben wir vier Löwen gesehen. Dadurch wurde der Tag nur noch besser als er schon bereits war.

 

 

 

Masaka! Masaka wird modern!! Jeden Tag wenn ich zur Arbeit fahre sieht Masaka ein bisschen anders aus. Die Hauptstraßen werden asphaltiert, Gebäude werden fertig gebaut, Straßenlaternen mit Solarplatten werden aufgestellt…. Und alles nur, weil der Präsident kommt (meinen viele) und von dem eigentlich nicht mehr viel gehalten wird. Würde Ehemalige jetzt nach Masaka kommen, würden sie die Stadt wahrscheinlich überhaupt nicht wiedererkennen. Ob modern oder nicht, fühle ich mich in meiner neuen Heimat sehr wohl und kann es kaum fassen, dass ein Drittel schon rum ist.

Masaka Town

Zuletzt möchte ich mich noch ganz doll bei Tatjana für die tollen Fotos bedanken. Sie hat sich nämlich immer die Zeit genommen von all dem was wir erlebt haben Fotos zu machen, die ich mit euch allen teilen darf.

Ich freue mich schon darauf euch bald neues erzählen zu können!

Bis dann!

Lena

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