Cola ist günstiger als Wasser

3. Dez 2017 | von | Kategorie: Freiwillige 2017/2018, Sandra Abrantes Diaz in Nicaragua

Schwarz und Weiß. Groß und Klein. Voll und leer. Hell und Dunkel. Tag und Nacht. All dies sind Gegensätze, die ganz eindeutig und selbstverständlich sind, aber in den letzten Wochen sind mir doch einige Merwürdigkeiten über den Weg gelaufen.

Zunächst sage ich euch, dass tatsächlich Cola günstiger ist als die Flasche Wasser (natürlich nicht die Originale ‚Coca Cola‘). Stelle man sich doch vor wieviele grundlegende Mineralien und Vitamine diese Cola mit einem sehr geringen Zuckeranteil hat. Natürlich soll man eher zu diesem sagenhaften Getränk einer ausgewogenen Ernährung greifen als zu einem Wasser. Ich finde dieses Sache ziemlich kontrastreich, während die Nicas nicht verstehen wieso die Deutschen (ich stellvertretend in diesem Sinne)  immer nur Wasser trinken.

Erschreckend fand ich, dass ich erst jetzt – nach fast vier Monaten – auf diese Unterschiede bewusst geachtet habe. So viel war am Anfang zu neu und hinzunehmen, dass scheinbar keine Zeit zum Hinterfragen und Reflektieren war. Als ich am Montag (genau, da wollte ich mich eigentlich von meiner langen stressigen Woche erholen) spontan in eine Schule im Barrio gegangen bin, um dort im Unterricht zu helfen, war ich in Granada 2.0! Da meine Wege noch nie bis an diesen äußeren Ring Granadas gereicht hatten, hatte ich das Gefühl das „richtige Granada“ kennenzulernen. Während im Zentrum Café neben Restaurant neben Karaoke-Bar grenzt, grenzt hier die Armut. Kinder, die auf der Straße ohne Schuhe, ungewaschen, nach essen fragend entgegekommen, Häuser, deren Konstruktion nicht beendet wurden und Türen fehlen. Bilder die mich zum Nachdenken brachten und noch viel mehr der Tag in der Schule. Hier bekommen die Kinder besonders in Englisch aber auch Mathematik und Spanisch Nachhilfe. Es ist also eine schulbegleitende Schule (verständlich?). Und kostenlos. Ein ganz tolles Projekt, dass hier vor ca fünf Jahren entstand und mir auch zeigt, woher meine Mädels aus dem Heim kommen. Viele sagten, dass sie in einem Barrio wohnen, aber wenn nun aus einer Vorstellung ein eigenes Bild wird, merke ich, dass es mich sehr berührt hat. Einerseits war es so traurig, aber andererseits auch so schön zu wissen, dass die Mädchen in dem Heim gut aufgehoben sind!

Arm und Reich. Auch ein Kontrast. Aber wie ist dieser definiert? Wann ist man arm und wann ist man reich? Und wer entscheidet das? Hier ist der arm, der nicht liebt und jeder der reich, der sich liebt. Liebe ist wie Gold und deswegen versuche ich den Mädchen ganz viel Gold zu schenken. Reichtum macht Nicas nicht glücklich. Damit meine ich nicht, dass es Zuhause nicht genauso ist, aber hier ist diese Tendenz deutlicher zu spüren! Eine Mentalität die aus einem Geben besteht ist hier normal! Hier treilt nicht nur der Reiche mit den Armen, sondern such der Arme gibt etwas ab. Das beobachte ich oft wenn ich die Marktstrasse entlang gehe und sehe wie untereinander die Bettler teilen, aber auch die Marktfrauen dem Nachbarstand Kundschaft bringt. Eine  ganz ungewohnte Situation für mich, dass mir dann noch Schuhe bei der eigentlichen ‚Konkurrenz ‚ gezeigt werden, die mir gefallen könnten. Stelle man sich das doch nur einmal vor. Mit dem Morgengrauen fängt die Arbeit dort für die Menschen an und hört erst auf, wenn ein bestimmtes Pensum verkauft ist. Und jetzt helfe ich meiner Konkurrenz, dass sie auch verkauft. Einfach liebevoll! Und das ist sehr beneidenswert.

Das Denken ist in mancherlei Hinsicht noch ein wenig schwer nachzuvollziehen, aber ich bemühe mich auch dies anzunehmen. Ich gehe bei Fieber unter eine warme Decke, um zu schwitzen und trinke warmen Tee. Im Heim soll ich das Kind kalt duschen, ein kaltes Tuch auf die Stirn legen und eiskaltes Wasser zu trinken geben. Sehr verwirrend! Genauso wie ich irritiert bin von ihnen, ging es ihnen aber als ich von dem erzählte wie ich es kenne.

Machismo gehört zur Religion. Ja, dass kann man hier schon fast denken. Zum Einen ist der Glaube hier von sehr großer Bedeutung! Letztens waren wir ganze zwei Stunden vor Messbeginn in der Kirche, um gerade noch einen Sitzplatz zu finden (dazu im nächsten Blog aber mehr). Die täglichen Gottesdienste um 6.30 Uhr in der Früh sind gut besucht. Ich finde es so schön wie der Glaube Kraft gibt und Zusammenhalt! Diese Gemeinschaft ist hier sehr stark zu spüren, aber auch die typische ‚Dorfgemeinschaft‘, weil hier jeder jeden kennt. Tja, meine Anwesenheit ist auch nicht unbemerkt geblieben und es passiert, dass mir fremde Personen sagen, dass sie mit meiner Gastoma, Gastmutter oder sonst einem Familienangehörigen befreundet seien. Aber ich finde es schön, dass man sich untereinander kennt und dadurch auch hilft. Neben dieser so traditionellen Seite steht der nicaraguanische Machismo. Es ist eine Seltenheit nicht irgendwelche Schmeicheleien hinterhergerufen zu bekommen. Ist das nicht paradox, dass so sehr an die Gott, die Heilige Maria, sie Gleichheit und Nächstenliebe geglaubt wird, während zugleich in die Intimsphäre der Frau eingegriffen wird?

Wie ihr seht stelle ich fest, wie spannend und kontrasreich das einfach „Sein oder Nicht-Sein“ hier ist. Dass die Cola günstiger ist als das Wasser wird mich durchaus nicht verlocken und genauso wenig möchte ich barfuß durch die Straßen gehen. Wie gut, dass mir außer an ein wenig Schlaf nichts fehlt (auch dank meiner sehr lieben gastfamilie!).

Mit anderen Worten ich fühle mich wie ein Barren Gold 🙂

 

Eure Sandra

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