Schon drei Monate!!!

27. Nov 2017 | von | Kategorie: Vreda van den Hurk in Uganda

Ja, tatsächlich bin ich jetzt schon ganze drei Monate hier in Uganda! Ich kann es kaum glauben. Die erste Zeit ist so schnell vorbei gegangen!

Eigentlich wollte ich diesen neuen Beitrag heute beim Friseur schreiben, wo ich vier Stunden lang Braids geflochten bekommen hätte. Doch gerade als ich in die Stadt fuhr, wurde der Termin abgesagt, da die Friseurin nicht da war. Verpasste Verabredungen und kurzfristig abgesagte Termine gehören in Uganda zur Tagesordnung. So war ich vor einem Monat bei meiner Gastfamilie, da mein Gastbruder John Geburtstag hatte. Ich kam erst nach Dunkelheit und einer langen Reise an. Das Tor war offen und als ich vor der Tür stand, sah ich Licht im Wohnzimmer brennen und hörte den Fernsehr laufen. Doch auch nach mehrfachem Klopfen öffnete mir keiner die Tür. Ich rief meine Gastschwester an. Von ihr erfuhr ich, dass sie und mein kleiner Gastbruder zu ihren Großeltern gefahren sind, um dort den Unabhängigkeitstag von Uganda zu feiern. Da es bereits dunkel war und die Großeltern etwas außerhalb von Kampala wohnen, konnte ich dort nicht mehr hinfahren. Die Haushaltshilfe Prossie sollte eigentlich da sein. Nach zwanzig Minuten kam diese tatsächlich vom Einkaufen zurück. Ich freute mich sehr sie zu sehen, doch hatten wir wieder ein paar Probleme bei der Verständigung, da sie kein Englisch spricht. Als ich auf mein Zimmer kam, fing ich erst einmal an lautstark zu lachen. In Deutschland wäre man voll sauer auf Personen, die einfach nicht da sind, obwohl man sich verabredet hatte. Doch hier ist es total normal. Ich war von mir selbst überrascht, dass auch ich nicht böse auf meine Gastfamilie war. Ich war total gelassen. Ich glaube, dass ich von der Mentalität her langsam eine richtige Uganderin geworden bin. Anstatt wütend auf meinem Zimmer zu hocken, habe ich im Wohnzimmer mit Prossie eine lugandische Serie geschaut und ihr beim Erdnüsse knacken geholfen. Am nächsten Morgen sind wir dann zusammen zu den Großeltern gefahren, wo wir Johns Geburtstag gefeiert haben. Er hat sich sehr über meinen selbstgebackenen Kuchen und die Geschenke gefreut. Zusammen haben wir ein riesieges Mittagessen gekocht. Ich saß draußen und habe Kartoffeln geschält. Die Nachbarn standen die ganze Zeit an der Hecke und haben mir zugeschaut. Vielleicht haben sie noch nie ein „Muzungu“ Kartoffeln schälen gesehen:) Tatsächlich wurde ich schon oft gefragt, ob ich wüsste, wie man Matooke (Kochbananen) oder Kartoffeln schälen würde. Ich weiß nicht, ob manche denken, dass „Weiße“ nicht kochen würden. Aber ich habe wirklich schon einmal in meinem Leben Kartoffeln gekocht, sogar in Deutschland:) Hier in Uganda ist es so, dass Menschen mit etwas mehr Geld eine Haushaltshilfe haben, die für sie kocht. Da das Bild der meisten Ugander von „Weißen“ die einer reichen Person ist, vermuten sie wahrscheinlich, dass wir nicht selber kochen. Es ist manchmal sehr lustig, was für Bilder Ugander von Europäern und Amerikanern haben. Ich glaube, dass alle Menschen in einer gewissen Weise Vorurteile haben. Dabei spielt es gar keine Rolle, inwieweit die sich ausdrücken. Man hat einfach Angst vor Anderem, Ungewissem, allem, was einem nicht bekannt ist. Doch ich bin sehr froh, dass ich durch mein FSJ lerne, diese Angst mit Neugier zu ersetzen. Es ist unglaublich interessant, andere Kulturen kennenzulernen. Und ich glaube, dass ich auch sehr viel hier mitnehmen werde.

Vor einem Monat habe ich eine Mitbewohnerin bekommen. Sie heißt Lea, ist 19 Jahre alt und kommt aus Heidelberg. Mit ihr habe ich schon sehr viel über das „Neue“ diskutiert, dass wir hier jeden Tag erfahren. Oft sitzen wir noch bis spät abends auf dem Sofa und tauschen uns über unsere Erfahrungen aus. Wir arbeiten zusammen im Krankenhaus und in der Grundschule, jedoch in unterschiedlichen Bereichen, sodass wir immer über etwas reden können. Nur die fünfte Klasse unterrichten wir zusammen in Deutsch und Computer, was bei der Größe (56 Schüler!) auch sehr hilfreich ist. In Lea habe ich auch eine wunderbare Reisepartnerin gefunden. Gleich an ihrem ersten Wochenende sind wir nach Masaka gefahren, wo wir Lena und ihre Mitbewoherin Tatjana besucht haben. Masaka hat genau die perfekte Größe für eine ugandische Stadt. Trotzdem habe ich mich auch wieder auf  Mityana gefreut, da dies schon eine richtige Heimat für mich geworden ist. Letztes Wochenende waren wir in Kampala, wo wir zum Beispiel den Palast vom Kabaka (König von Buganda) besucht haben. Leider konnten wir nicht rein, da der König gerade wirklich im Palast anwesend war. Normalerweise hält er sich woanders auf und lebt auch nicht im Palast, aufgrund dessen Geschichte. Idi Amin und Obote haben dort Folterkammern gebaut, in denen über 20.000 Oppositionelle getötet wurden. In Kampala haben wir auch die „L`Arche“ besucht, in der Ruth arbeitet. Ruth ist eine andere Freiwillige, die ich in der Sprachschule kennengelernt habe. Die „L`Arche“ ist eine Einrichtung für schwer behinderte Menschen. Sie können dort zur Schule gehen, nähen, basteln und einfach gut leben. Wir haben sie besucht, da sie ein Sportfest veranstaltet haben. Man hat allen die Freude und den Spaß in das Gesicht geschrieben gesehen. Nur wir waren teilweise ein wenig überfordert, da manche Menschen sich nicht gut verständigen konnten, aber auf unsere Aufmerksamkeit bedacht waren.

Dieses Wochenende besuchen wir Anne, auch eine Freiwillige aus dem Sprachkurs, in Sseta. Zusammen wollen wir für einen Tag an den Viktoriasee fahren.

Lea bleibt nur für drei Monate. Deshalb sind so gut wie alle Wochenenden bei uns ausgebucht, damit Lea so viel wie möglich von Uganda sieht. Wenn ihr Visum im Januar ausläuft, hatten wir überlegt, ob wir noch für eine Woche in eines der Nachbarländer von Uganda reisen. Keine Sorge, der Kongo und Südsudan kamen für uns nicht in Frage:)

Also ganz liebe Grüße aus dem verregneten Uganda                                           Besonders an Lea´s Mama, die so fleißig den Blog mitverfolgt;)

Vreda

(Den Blogeintrag habe ich eigentlich schon vor zwei Wochen geschrieben. Da ich aber nicht so gutes Internet hatte, veröffentliche ich ihn erst jetzt.)

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