Immer dieses Wasser

27. Nov 2017 | von | Kategorie: Vreda van den Hurk in Uganda

Mein erstes Problem mit Wasser hatte ich in diesem Monat mit meinem Handy. In Afrika wäscht man seine Wäsche mit den Händen. Leider hatte ich mein Handy in meinen Klamotten, als ich diese in die Waschschüssel tat. So hatte ich einen kleinen Wasserschaden. Nachdem ich mein Handy vier Tage lang in Reis eingelegt hatte, funktionierte es wieder. Nur meine Simkarte wurde nicht mehr angenommen. Zum Glück haben wir im Gästehaus Wlan installiert bekommen, sodass ich mein Handy zumindest zu Hause nutzen kann.

Ein weiteres Problem mit Wasser ensteht durch das momentane Wetter in Uganda. In der Regenzeit hat es zu wenig geregnet und es ist bereits jetzt sehr trocken. So hatten wir im Gästehaus schon einen Tag lang kein fließendes Wasser. Auch in der Schule waren beide Wassertanks leer und mussten wieder aufgefüllt werden. Wenn es so weiter geht, kann es sein, dass wir das Wasser für das Gästehaus mit Kanistern aus dem Wasserloch der Schule holen müssen. Das war zumindest letztes Jahr der Fall. Im schlimmsten Fall haben ganze Ortschaften für eine Weile kein Wasser mehr. Man hört oft aus den Medien von der Trockenheit und der Wasserknappheit in Afrika. Wenn man das dann aber wirklich miterlebt, ist das noch mal etwas ganz anderes.

Wie im letzten Blogeintrag erwähnt war ich zusammen mit meiner Mitbewohnerin Lea und Anne beim Viktoriasee. Die Versuchung war groß, einfach in das kühle Wasser rein zu springen. Aber die angeblich vorhandenen Parasiten haben uns doch letztendlich davon abgehalten. Abends sind wir nach Sseta gefahren, wo Anne lebt. Sseta liegt ungefähr 40 Minuten von der Hauptstadt Kampala entfernt. Zusammen mit Anne haben wir den Gottesdienst der Gemeinde ihrer Mitbewohnerin Maggie besucht. Es war ein großes Fest, nur leider auf Luganda. Nach dem Gottesdienst gab es eine große Spendenaktion für das geplante neue Haus für den Priester. Es kam extra ein Moderator vom Radio, um auch wirklich jeden zum Spenden zu motivieren. Die ersten Spender gingen nach vorne und sagten laut in ein Mikrofon, wie viel sie bar spenden. Uns war dieser Umgang mit Spenden ein wenig peinlich. Denn eigentlich ist es deine persönliche Sache, wie viel Geld du spendest. Wenn du es laut allen sagen musst, ist es einfach nur Prahlerei. Wir drei Mädchen waren die einzigen Weissen bei der ganzen Aktion. So musste der Moderator natürlich auch zu uns kommen. Wir verstanden erst nicht ganz, was er uns sagen wollte. Als er jedoch das zweite Mal zu uns kam, forderte er uns direkt auf, zu spenden. Er meinte, dass wir als Weisse ja viel Geld hätten und als gutes Beispiel mit einer großen Spendensumme voran gehen sollten. Wir blieben jedoch einfach sitzen, da wir nicht das neue, große Haus für den Priester mitfinanzieren wollten. Also kam er noch ein drittes Mal. Er fragte, ob er die Ehre haben könnte, uns nach vorne zum Spenden zu begleiten. Daraufhin erklärten Anne und ich ihm, dass wir nach Uganda gekommen sind, um zu arbeiten. Und für diese Arbeit bekommen wir Geld fürs Wohnen und Essen. Wir sind nicht als Geldgeber gekommen. Natürlich hörte dies nur der Moderator. Alle anderen hörten, wie der Moderator ins Mikrofon uns fragte, ob sie uns auch das Essen bezahlen sollten, wenn wir wieder in unserem Heimatland seien. Es war wirklich unverschämt, wie er uns vor der ganzen Gesellschaft bloßstellte. Wir standen auf und gingen. Wir fühlten uns einfach nur schlecht. Es ist wirklich unglaublich, was für ein Status einem als Weisse immer wieder zugeschrieben wird. Jeder erwartet von einem, dass man Geld hat. Man muss allen immer erklären, dass man eben nicht als Geldgeber nach Uganda gekommen ist. Das ist manchmal sehr ermüdend.

Letzte Woche ist noch eine weitere Freiwillige in das Gästehaus eingezogen. Zu dritt haben wir jetzt eine richtige WG. Mit ihr zusammen haben wir die Farm von Cosna besucht, da dies ihr Haupttätigungsfeld ist. Gemeinsam mit den Tagelöhnern haben wir Bohnen geerntet. Das heißt, dass wir am Hang unter den Büschen die Bohnen aus der Erde gerupft haben. Diese harte Arbeit haben Lea und ich nur für zwei Stunden ausgehalten. Die Tagelöhner arbeiten für ganze fünf Stunden. Außerdem müssen sie meistens noch eine Stunde zur Farm und nachmittags wieder zurück nach Hause zu Fuß laufen. Manche hatten auch ihre Kinder dabei, die sie entweder bei ihrer Arbeit auf dem Rücken trugen oder neben sich gelegt hatten. Für die ganze Arbeit bekammen sie etwas mehr als einen Euro. Es waren besonders viele Tagelöhner da, da vor einer kurzen Zeit die Goldmiene in dem Ort geschlossen wurde, sodass es jetzt viele Arbeitslose gibt. Nach diesem Tag lernten Lea und ich sehr zu schätzen, wo und wie wir aufgewachsen sind. Ich könnte mir nicht vorstellen jeden Tag diese harte Arbeit zu leisten, um meine Familie ernähren zu können. Es ist wirklich ein Privileg, dass wir zur Schule gehen konnten und jetzt selber entscheiden dürfen, was wir später arbeiten wollen. So viele Menschen leben weltweit von der Landwirtschaft. Manchmal kann man das gar nicht glauben.

Zusammen mit einem Sozialarbeiter von Hosfa sind Lea und ich diese Woche mit dem Motorrad aufs Land gefahren. Dort haben wir Menschen besucht, die durch Hosfa unterstützt werden. Es ging wirklich weit raus. Die Wege, die wir entlang fuhren, glichen eher Trampelfaden als Straßen. Autos können dort nicht mehr entlang fahren. Wir lernten sehr interessante Menschen kennen. Zum Beispiel besuchten wir einen Mann, der nicht mehr richtig laufen kann. Er bekommt durch Hosfa finanzielle Unterstützung für seine Medizin und den Transport zum Krankenhaus. Er lebt zusammen mit seinen Söhnen, da seine Frau bereits verstorben ist. Vor allem der Transport stellt für diese Familie eine große Herausforderung dar. Man muss eine halbe Stunde bis zur nächsten Straße laufen und von dort aus ein Taxi nehmen, um in die Stadt zu gelangen. Da der Mann jedoch nicht laufen kann, muss er sich immer ein Motorrad rufen, was sehr teuer ist. Auf unseren Wegen zu den Menschen fuhren wir an kleinen Lehmhütten und unterernährten Menschen vorbei, die zudem nur zerfetzte Kleidung trugen. Man könnte sagen, dass ich jetzt das richtige Afrika gesehen habe. Natürlich erschrickt man leicht, wenn man sieht, wie schrecklich zum Teil die Lebensbedingungen hier sind. Trotzdem ist mir aufegefallen, dass viele Menschen eine gewisse Zufriedenheit in sich tragen. Sie sind glücklich und teilen das auch mit dir. Zum Beispiel wurden wir bei dem Mann, der nicht so gut laufen kann, gleich dazu eingeladen, eine Nacht bei ihm zu verbringen. Wir mussten ihm versprechen, dass wir das nächste Mal zur Mittagszeit kommen, damit er uns ein Essen anbieten kann. Über solche Einladungen freue ich mich immer sehr. Denn obwohl er selbst nicht viel Essen für sich hat, möchte er das, was er hat, mit uns teilen.

Nachdem es beim letzten Mal nicht geklappt hat, habe ich nun endlich meine Braids bekommen. Es hat ganze vier Stunden gedauert. Sie sehen sehr cool aus. Ich habe jetzt ganze sechs Packungen Extensions auf meinem Kopf, was sehr schwer ist. Leider jucken sie auch sehr, weshalb ich sie nur noch für so eine Woche drinnen lassen möchte. Aber es war auf jeden Fall schön, es einmal gemacht zu haben.

Letztes Wochenende waren wir noch auf dem Silberjubiläum von einem Priester aus Mityana. Diese Jubiläen sind immer sehr trocken, da gefühlt zwanzig Leute Reden auf Luganda halten. Nur das Essen war sehr lecker:)

Also tut mir leid, dass ich mich so lange nicht mehr gemeldet habe. Aber wie ihr lesen könnt, habe ich in letzter Zeit sehr viel erlebt.

Liebe Grüße

Eure Vreda

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