An einem toten Tag ist viel los…

6. Nov 2017 | von | Kategorie: Jan Kaatze in Mexiko

„Der Tote ins Grab und der Lebende auf die Feier“

oder

„Er ist nicht gestorben, er ist feieren gegangen“

Diese Mexikanischen Sprichwörter beschreiben sehr gut, wie hier mit dem Tot umgegangen wird. Somit ist auch der Tag der Toten, welcher in Deutschland vielleicht mit Allerheiligen verglichen werden kann, ein großes Fest. Dieses ging für mich schon am 2. November abends los. In einem kleinen Dorf in der Nähe von Guadalajara traf ich mich mit ein paar Lehrern der Schule um diesen Tag zusammen mit vielen anderen zu feiern. Ich bin vorher schon einemal in dem Dorf gewesen und es war fast nicht mehr wiederzuerkennen: Auf den Straßen waren Altäre aufgebaut, mit denen an verstorbene Personen erinnert wurde und viele Stände mit handgemachten Dingen lockten die Menschen zum beschauen an. Derweil konnte man um sich herum unzählige Menschen sehen, welche als Skelett bemalt waren.

Ein Altar für Frida Kahlo

 

Ein Totenkopf mit Blumen

Ja.. wenn man das so sieht kommt man vielleicht auf die Frage: Ist es für die Menschen hier nicht traurig, wenn eine nahestehende Person stirbt? Natürlich! Auch hier wird der Verlust eines Menschens bewient und vor allem bei jungen Verstorbenen ist es alles andere als fröhlig. Dennoch wird am Tag der Toten kein Trubsahl geblasen, sondern es wird mit den Verstorbenen zusammen gefeiert. Für viele ist dieser Tag einer der schönsten und emotionalsten im Jahr. Man sagt, dass der Verstorbene nicht wollen würde, dass man nur um ihn trauert, sondern für ihn feiert und somit alle schönen Erinnerungen am Leben hält. Sonst würde die Person nur in der Trauer in Erinnerung bleiben.

 

Später ging es dann los mit der Zeremonie, in welcher verkleidete Brautpaare als Skelette durch die Straßen zogen. Diese waren jedoch anfangs so mit Schaulustigen überfüllt, dass es erst 2 Stunden später los gehen konnte. Man konnte die unterschiedlichsten Paare mit den unterschiedlichsten Kostumen sehen. Diese wurden von den umstehenden Menschen bestaunt und bejubelt. Eine vorbeiziehende Mariachi-Gruppe sorgete für die musikalische Untermalung und es herschte eine fröhliche Stimmung.

Die Brautpaare laufen durch die Straße

Noch mehr Feierei

Am nächsten Tag ging es dann in der Schule weiter mit dem Feiern. Auf dem Schulhof befanden sich Traueraltäre und viele Schüler waren verkleidet und geschminkt. Und natürlich wurde auch ich gleich geschminkt, als ich die Schule betrat…

Ja, ein bisschen habe ich mich vor mir selber gegruselt…

Die Messe

In der Messe, welche am Anfang statt fand, wurde an verstorbene Personen erninnert und ein wenig von der Geschichte dieses Tages erzählt.

Nach der Messe führten dann einige Klassen etwas auf und anschließen fand die Wahl zu dem besten Brautpaar statt. Vor allem die Wahl wurde von allen sehr gefeiert und man feuerte sein Lieblingspaar an.

Jetzt wo ich mein ersten Tag der Toten in Mexiko erlebt habe muss ich sagen, dass dieser Tag auch für mich ein besonderer geworden ist, vielleicht soger einer meiner Lieblingstage. Es fasziniert mich immer noch wie hier mit dem Tod umgegangen wird, auf eine Weise, die ich eine sehr schöne finde. Und somit geht ein toter Tag zuende, welcher alles andere als langweilig war!!

Bis dann
Euer Jan

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