Blog#1 Alles von Anfang!

28. Okt 2017 | von | Kategorie: Aktuell, allgemein, Markus Bartsch in Mexiko

Nach zwei Monaten am anderen Ende der Welt wird es Zeit endlich meine ersten Eindrücke und Erfahrungen festzuhalten. Warum erst so spät? Nun ja… ich habe hier so viel erlebt, dass ich nie Ruhe hatte den Anfang meines Abenteuers in Mexiko nieder zuschreiben. Doch mittlerweile ist der Alltag auch hier in mein Leben eingekehrt und den ersten Artikel kann ich wirklich nicht weiter hinauszögern…

Damit ich mich nicht sofort verzettel, werde ich in diesem Blog grob die letzten beide Monate wiedergeben. In kommenden Beiträgen (ihr wisst ja alle sechs Wochen… 😀 ) gehe ich dann konkreter auf einzelne Themen ein, wie z.B Arbeit im Projekt, Leben mit der Fremdsprache Spanisch, Freizeit, Langeweile und Überforderung, Sicherheit, auf Reise oder Kulinarisches.

Doch wie verlief denn nun mein Freiwilligendienst bisher? Was für eine erlebnisreiche, wunderschöne Zeit lag noch vor meiner Ausreise hinter mir: letzter Schultag, Abiturprüfungen, Wanderurlaub, Fahrradtour, Abiball und viele Tage am heimischen Strand ohne Schule und Sorgen. Genug zu tun gab es trotzdem: Impfung, Papierkram, Packen, Papierkram, Botschaftsbesuch oder Papierkram. Fakt ist, wer ein FSJ im Ausland machen will, darf sich auf Einiges an Bürokratie freuen!

Meine Ausreise wurde nochmal richtig hektisch, weil ich bis einen Tag vor Abflug auf meinem Ausreiseseminar war. Der Abschied wurde zu einem regelrechten Marathon und ich war glücklich, als ich endlich im Flieger über den großen Teich saß. Endlich konnte ich die Vorbereitungszeit abhaken und endlich viel die Anspannung der letzten Wochen ab. Trotz aller Vorfreude schwang jedoch auch Wehmut, Zweifel, Nervosität und Ungewissheit mit.

Nach 20h des Gefühlschaos im Flugzeugsitz landete ich völlig aufgekratzt in einer der größten Städten der Welt, Mexiko City. Das nie enden-wollende Lichtermeer der Hauptstadt beim Überfliegen ist einfach nur atemberaubend. Nach einem halben Jahr der Vorbereitung tatsächlich am Einsatzort zu landen war absolut surreal!

Zur Eingewöhnung blieb ich zehn Tage in Mexiko City. Mein Projekt, Hogares Calasanz, wirkt nämlich sowohl dort, als auch in meinem derzeitigen Wohnort, Puebla. In der mexikanischen Hauptstadt arbeitet mein Mentor, Padre Reyes, welcher Leiter der Heime in beiden Städten ist und jeden Mittwoch das Projekt in Puebla besucht.

Da war ich also… inmitten der 20 Millionen Metropole. Eine Dimension die sich kaum erfassen lässt. Eine Stadt zehn Mal größer als Hamburg oder 350 Mal größer als mein beschauliches Greifswald. In meinen ersten Tage wurden mir die Innenstadt und einige historische Viertel gezeigt. Was nach einem Kurzbesuch klingt, kann durch den nie ruhenden Verkehr schnell ein Tagesausflug werden.

 

Straßenszene in Mexiko City

 

 

Die Arbeit im Projekt überzeugte mich sofort! Kinder und Betreuer leben in einem sehr engen und vertrauensvollem Verhältnis. Die Atomsphäre ist stabil und trotz der Vorgeschichten der Kinder wirken sie wie „normale“ Heranwachsende. Der Umgang ist sehr respektvoll und persönlich. Unheimlich gastfreundlich wurde ich aufgenommen und so tat es mir fast leid, nach zehn Tagen das Projekt nach Puebla wechseln zu müssen…

 

Terassenblick der Wohnung eines Bekannten

 

 

Hogares Calasanz Haus 2 in Mexiko City

 

 

 

 

 

So reiste ich am 23.08.17 weiter ins zwei Stunden entfernte Puebla. Die Stadt,mit immerhin zwei Millionen Einwohnern, wirkte nach dem Aufenthalt in Mexiko City  fast provinzisch…so verschieben sich die Relationen. Seitdem lebe ich in meiner Gastfamilie. Sie besteht aus meinen Gasteltern und meinem 21 Jahre alten Gast-Bruder. Meine 23 Jahre alte Gast-Schwester habe ich nur kurz kennengelernt, da sie in den Niederlanden studiert. Mit uns wohnen noch fünf Hunde in einem sehr komfortablen Haus: drei Chihuahuas, ein alter Zwergpudel und ein Husky-Welpe.

Huskywelpe Kida

 

Chihuahua Manzana

 

Nach einer kurzen Eingewöhnungsphase verstreichen die Wochen immer schneller. Seither habe ich viele neue Gerichte probiert, Menschen getroffen und Orte besucht. Ich feierte den Unabhängigkeitstag am 16.09, besuchte die Kathedrale von Puebla samt historischem Zentrum und fuhr zum Wochenendhaus meiner Gastfamilie.

 

 

Der Vulkan Popocatepetl ragt über Puebla

 

Die Kathedrale auf dem Zócalo

 

Leider gab es auch schon aufreibende Momente. Zwei Erdbeben der Stärke 7-8 erschütterten innerhalb zwei Wochen das zentrale Mexiko. Das erste Beben verschlief ich tatsächlich, weil ich anfangs noch sehr müde war von der Arbeit, der Fremdsprache und der Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit. Hektisch weckte mich meine Gastfamilie, während ich im Halbschlaf versuchte die Situation einzuordnen. Im Schockmoment und durch die Hektik der Familie dachte ich zuerst wir werden überfallen, wodurch ich wirklich einen riesigen Schock hatte. Klingt sehr dämlich, aber im Halbschlaf läuft man eben auf Autopilot.. :D. Als mir die Lage dann endlich erklärt wurde, war ich auch nicht unbedingt beruhigt. Ich konnte mich anscheinend nicht darauf verlassen, dass ich im Notfall alleine aufwache. Dieser Gedanke machte mich für die nächsten Nächten wirklich unruhig.

Erdbeben dieser Stärke sind nicht typisch für diese Region, weshalb sich alles recht schnell normalisierte. Jedenfalls bis ich mich knapp zwei Wochen später im Migrationsamt wiederfand, um mein Visum abzuholen. Noch auf dem Weg warnte mich eine Mitarbeiterin, dass es eine Simulation geben wird, anlässlich des Bebens vor 32 Jahren in Mexiko City, welches mehr als 10.000 Tote forderte.

Gerade als ich meine Dokumente zur Kontrolle übergeben hatte, heulte eine Sirene auf. Die Stimmung blieb entspannt, da wir von der Übung ausgingen. Doch plötzlich machte der Boden einen Satz nach oben, dann noch Einen und dann bebte die Erde ununterbrochen. Jetzt war klar, dass leider ein reales Beben war.  Zum Glück war ich im Erdgeschoss und rannte mit meiner Begleiterin auf die Straße. Da war die Gefahr aber nicht vorbei. In den engen Straßen muss man weiter auf Fassadenteile, Stromleitungen, oder den Straßenverkehr aufpassen. Zu allem Überfluss hatte meine Begleiterin eine Panikattacke mit Kreislaufzusammenbruch. So musste ich uns ohne jegliche Erfahrung mit Verhalten bei Erdbeben durch das Chaos auf der Straße schlagen. Immerhin funktionierten meine Instinkte besser, als beim ersten Mal im Halbschlaf! 😀

Das Naturphänomen dauerte keine Minute und war eben so plötzlich weg, wie es gekommen war. In meiner Sichtweite sah ich weder Verletzte noch Sachschäden, doch in den Nachrichten wurde das Ausmaß dann sichtbar. Besonders Mexiko City hatte es hart getroffen. Und das am Gedenktag des Erdbebens von 1985… Galgenhumor der Natur.

Richtig unheimlich wurde es auf dem Heimweg. Gerade als wir auf einer Autobahnbrücke im Stau standen, fing die Erde erneut an zu schwanken. Beklemmender kann eine Situation kaum sein!

Abends sollte ich eine Notfalltasche packen und mit Sachen schlafen, falls uns ein Beben in der Nacht überrascht. Glücklicherweise blieb es seitdem ruhig! Nach und nach normalisierte sich die Situation, auch wenn zahlreiche Menschen obdachlos, verletzt oder getötet wurden.

Unter anderem deshalb nahm ich am 06.10 am Sicherheitsbriefing in der deutschen Botschaft in Mexiko City teil. Da ich sowieso in die Hauptstadt musste, blieb ich gleich eine Woche im Heim vor Ort, wo ich schon meine erste Woche verbrachte. Mein Mit-Freiwilliger in Mexiko, Jan, reiste extra sieben Stunden aus Guadalajara an und wohnte mit mir zusammen in meinem Projekt. Einige Tage arbeiteten wir und ich stellte ihm mein Projekt vor. Das Wochenende nutzten wir, um die Pyramiden von Teotihuacan zu besuchen.

 

 

Straße der Toten und Pyramide des Mondes

 

Niemals die Mittagssonne unterschätzen

 

 

Während dieser Zeit Deutsch zu reden war anfangs sehr merkwürdig, aber es war wichtig sich über den Freiwilligendienst auszutauschen. Es war erstaunlich, wie ähnlich man über Vieles dachte, aber wie unterschiedlich sich ein FSJ gestaltet.

Nach dem Tapetenwechsel in der Hauptstadt kehrte ich mit neuer Energie zurück zum Alltag. Gerade durch den Austausch mit einer Person in einer ähnlichen Situation, entspannte sich meine Sicht auf viele Kleinigkeiten.

Zwei Wochen arbeite ich jetzt wieder in Puebla und genieße die Zeit sehr! Es ist wirklich eine einmalige Chance ganz bewusst in einer neuen Kultur zu leben. Natürlich gibt es auch hier Tage die zum Vergessen sind, aber es ist eine große Möglichkeit, die uns Freiwilligen eröffnet wird! Ich habe jetzt so gut wie möglich zusammengefasst, was bisher passiert ist. Ab jetzt kommt dann wirklich regelmäßig ein neuer Artikel!

Nos vemos!

Tags: , , , ,

Kommentieren