Seifenkreativität

Hey alle zusammen,

Vor knapp einer Woche zog durch Zentralamerika ein Tropensturm, der alles lahmgelegt hat. Costa Rica hatte weder Strom noch Wasser und auch Nicaragua hat seine Portion abbekommen. Ich glaube, ihr habt ein paar Bilder gesehen, die in den Nachrichten waren.
Schon seit ich angekommen bin, bin ich vom Regen und Wasser hier fasziniert. Es formt den Tagesablauf. Wenn es regnet, lässt jeder alles stehen und liegen und geht tendenziell nicht mehr vor die Tür.
In den vergangen Tagen waren schon mehrere größere Regenschauer in Juigalpa angekommen. Einmal so heftig, dass der Strom im Centro ausgefallen ist und wir mit den Kindern im Dunkeln saßen.
Am Donnerstag Morgen um sieben fing es richtig an, zu schütten. 14 Stunden Dauerregen ergossen sich aus den Wolken und sorgten dafür, dass die Straßengräben sich in reißende Flüsse verwandelten. Die Kinder wurden aus der Schule geholt. Keiner verließ mehr das Haus. Die Vizepräsidentin suspendierte alle Schüler für Freitag aus der Schule.
Irgendwann gegen 10 Uhr stand in der Küche (und zum Glück in keinem anderen Zimmer im Haus) das Wasser knöchelhoch. Der Regen hatte das Erdreich durchtränkt und drückte sich von unten durch den Boden ins Haus. Mit Eimer, Besen, Kehrblech und Tüchern haben wir es raustransportiert. Und dann passierte das, was ich so faszinierend fand. Irgendwie mussten wir die Löcher stopfen. Aber Zement war nicht im Haus.
Da kam eine andere Idee auf: Wir brauchen etwas, was dicht ist, beweglich, und im Haus ist.
Na, fällt es euch ein?
Seife!
Ich war am Anfang ziemlich skeptisch. Schließlich löst Seife sich im Wasser ja auf. Aber es hat funktioniert. Sogar richtig gut.
Alle Seife wurde zusammengesucht, und Stück für Stück in die Ecken geklebt. Der Rest des Tages war viel entspannter. Es mussten zwar immer noch Tücher gewrungen werden, aber da es uns allen gut ging, und der größte Teil des Wassers draußen blieb hatten wir Zeit 🙂

Diese „Seifenkreativität“, wie ich sie mal nenne, fasziniert mich total. Mit dem wenigen, was gerade zur Verfügung steht, kann man trotzdem total viel machen. Einen Bus für die Schule bauen? Kein Problem. Warum nehmen wir nicht die leere Saftflasche dafür?
Eine Wand hat undicht? Nimm Seife. Dann können wir später Zement kaufen und es abdichten, wenn es getrocknet ist.
Und falls es doch nicht funktioniert und der nächste Regen wieder einen Besuch in der Küche macht, wissen wir jetzt:
Seife ist die ultimative Lösung

Viele Grüße an alle aus Juigalpa
Lea