Wilkommen in der Regenzeit

8. Okt 2017 | von | Kategorie: Vreda van den Hurk in Uganda

Erst einmal hieß es für ich vor einem Monat „Wilkommen in Mityana“. Mityana als der Ort, in dem ich das nächste Jahr leben und arbeiten werde. Der Ort, den ich für ein Jahr lang mein Zuhause nennen darf.
Der Abschied von meiner Gastfamilie viel mir schwerer als gedachtt. Vor allem meinen kleinen Gastbruder John werde ich vermissen. John stand in sein Gesicht geschrieben, dass auch er mich gerne noch länger da gehabt hätte. Deshalb habe ich ihm versprochen, am 09. Oktober, seinem Geburtstag, mit einem Kuchen nach Kampala zu kommen. Der 09. Oktober ist gleichzeitig der Unabhängigkeits Tag in Uganda. Ich bin schon gespannt, wie der hier gefeiert wird.

Abgeholtt wurde ich vom Fahrer Ben, der mich bereits vom Flughafen aus nach Kampala gebracht hatte. Beim Herausfahren aus Kampala fiel mir das erste Mal auf, wie grün Uganda ist. Ich habe noch nie so viele und auch unterschiedliche Pflanzen auf einmal gesehen. Es ist wirklich wunderschön hier! Auf der Fahrt bin ich ein wenig eingeschlafen, da ich den letzten Abend in Kampala gemeinsam mit den anderen Deutschen aus meinem Sprachkurs feiernd verbracht habe. Es war für mich das erste Mal, dass ich in Uganda ausgegangen bin. Ich habe sogleich ein paar Tanz Moves von einer Uganderin beigebracht bekommen. Sie war sehr begeistert, dass ein „Muzungu“ tatsächlich tanzen kann:)
Als wir in Mityana ankamen, holten wir Penelope, meine Mentorin und ihren Sohm Elisha ab. Zusammen fuhren wir zu dem Gästehaus, in dem ich jetzt ein Jahr lang leben darf. Es ist wirklich riesig! Ich habe drei Schlafzimmer, ein Wohn-und Esszimmer, zwei Bäder und eine sehr gut eingerichtete Küche für mich. Ich habe mich sogleich sehr wohl gefühlt. Penelope hat in der ersten Woche viel Zeit mit mir verbracht. Ich habe sie und ihren Sohn schon sehr in mein Herz geschlossen. Penelope ist für mich Mentorin, Mama und beste Freundin zugleich. Wir verstehen uns super und ich kann mit ihr über alles reden. Sie hat mich gleich am ersten Sonntag ihrer Gemeinde, der Mityana Baptist Church, vorgestellt. Ich war noch nie in einem so schönen Gottesdienst. Ich saß in einer Bank nur mit Kindern, mit denen ich die ganze Zeit Klatschspiele gespielt habe. Der Gottesdienst hat insgesamt drei Sunden lang gedauert. Jedoch hat es sich viel kürzer angefühlt. Denn es wurde sehr viel getanzt und laut gesungen. Es war unglaublich lebendig. Jeder konnte laut für sich beten und seine Wünsche und Sorgen mit in den Gottesdienst einbringen.. Da ich mich so wohl gefühlt habe, hat Penelope vorgeschlagen, dass ich zum nächsten „Youth meeting“ der Kirche mitkomme. Penelope selber ist die Leiterin der Kirchenjugend. Gleich am nächsten Donnerstag kam ich mit zu einem Treffen. Die Mitglieder sind alle älter als ich. Also ist es nicht unbedingt die Kirchenjugend sondern eher die jungen Erwachsenen der Kirche. Es wird sehr offen diskutiert. Bei der Anmerkung, dass man besser früh heiraten sollte, um seine Beziehung als Christ vollständig ausleben zu können, musste ich ein wenig schmunzeln. Der Glaube ist hier viel präsenter, was für mich noch ein wenig neu ist. Ich persönlich habe die Bibel nicht immer wortwörtlich genommen. Aber ich freue mich, dass ich dieses Jahr den Glauben auf eine ganz andere Weise kennenlernen darf.

Jetzt möchte ich gerne meine Arbeit hier in Mityana vorstellen:
Ganz grob ist es so eingeteilt, dass ich jeden Montag bis Mittwoch bei HOSFA und donnerstags und freitags bei COSNA arbeite. HOSFA (Hope Sharing Family) ist eine sehr große Organisation mit vielen unterschiedlichen Bereichen. Zuerst habe ich das Ausbildungszentrum St. Thereza kennengelernt. Dort habe ich zwei Wochen in den Bereichen „Fashion Design, „Catering“ und „Hairdressing gearbeitet. Es war eine sehr spannende und schöne Zeit, die ich mit den Schülern und Lehrern verbracht habe. Im Bereich „Catering“ haben wir zusammen ugandische Gerichte gekocht und ich konnte meine eigenene Kocherfahrungen mit einbringen. Im Bereich „Fashion“ habe ich eine Handytasche mit einer manuellen Nähmaschiene genäht. Es war das erste Mal, dass ich an einer Nähmaschiene saß. Ich konnte mich aber schnell einarbeiten und auch das ständige Treten der Pedale fiel mir nicht schwer. Elektrische Nähmaschienen sind in Uganda sehr selten, da sie zu teuer sind. Im Bereich „Hairdressing“ durfte ich lernen, wie man Braids flechtet und die Haare mit sehr vielen Chemikalien glättet. Haare sind hier in Uganda ein sehr wichtiges Thema. In seine eigenen Haare wird viel Zeit und Mühe gesteckt. Frauen können ihre Haare geglättet, als Braids geflochten, hochgesteckt, abrasiert oder mit einer Perücke tragen. Alle Möglichkeiten könnte ich hier gar nicht aufzählen. Mir ist aufgefallen, dass Männer ihre Haare meistens abrasiert tragen. Lange Haare oder Dreads gelten hier als ungepflegt. Meine Haare werden oft bewundert, weil meine Haarstrucktur eine ganz andere als die der Ugander ist. Deswegen wurde natürlich sogleich im Bereich „Hairdressing“ ausprobiert, ob man mit meinen Haaren Braids flechten kann. Es hat tatsächlich geklappt, jedoch haben sie sich bereits nach zwei Tagen wieder geöffnet. Das nächste Mal werde ich Braids mit Extensions ausprobieren. Dann werden sie hoffentlich besser halten.
Seit einer Woche arbeite ich im Krankenhaus. Zuerst war ich im „Social departement“. Deren Arbeit kann man sich ein wenig wie die eines Sozialarbeiters vorstellen. Von HOSFA werden vor allem Waisenkinder, HIV-Kranke und ältere Menschen unterstützt. Die Unterstützung geht dabei von Stipendien für die Schulgebühren bis hin zu Häuer-Projekten. Ich selber habe erst einmal die Ordner der Schüler und Studenten sortiert. In den nächsten Wochen werde ich mit in die Dörfer fahren, um vor Ort zu sehen, was mit dem Geld passiert. Ich bin schon sehr gespannt auf die Menschen, die ich in dieser Zeit kennenlernen werde. Ich habe auch bereits im „Chronical Care Unit“ gearbeitet. Dieser Bereich kümmert sich hauptsächlich um HIV-Patienten, die aus der Umgebung von Mityana kommen, um mit den Ärzten zu sprechen und ihre Medikamente zu kriegen. In diesem Beriech habe ich Tests sortiert, die die Patienten regelmäßig machen müssen, um zu überprüfen, ob ihre Medikamente weiterhin anschlagen. Wenn dieser Test negativ ausfällt, müssen die Patienten mit dem Arzt über neue Medikamente sprechen. Außerdem helfe ich noch in der Apotheke des Krankenhauses mit. Die Apotheke ist auf jeden Fall der geschäftigste Ort im Krankenhaus. Mir wurde gesagt, dass mein Vorfreiwilliger Thomas hier ganze acht Monate verbracht hat. Ich kann das auf jeden Fall nachvollziehen, denn die Arbeit in der Apotheke macht sehr viel Spaß! Trotzdem finde ich es gut, dass ich die Möglichkeit habe, in fast alle Bereiche von HOSFA rein zu schnuppern:) Im Januar werde ich noch einmal neu entscheiden, wo ich das letzte halbe Jahr arbeiten möchte.
COSNA ist eine Grundschule. Wobei die Grundschule hier mit dem Kindergarten anfängt. Der Kindergarten ist hier kein Kindergarten, wie man den von Deutschland aus kennt. Mit bereits drei Jahren kommt man hier in die sogenannte „Baby Class“, in der man lesen und schreiben lernt. Mir kam das ganze am Anfang sehr fremd vor. Ich hatte die ganze Zeit meinen kleinen Bruder vor Augen, der auch drei Jahre alt ist. Er spielt den ganzen Tag mit seinen Freunden, während die Dreijährigen in Uganda in der Schule sitzen und dem Lehrer fünfmal hinterher sprechen müssen. Natürlich ist es super, dass sie so bereits mit drei Jahren Englisch lernen. Trotzdem kann ich mich an das Schulsystem noch nicht ganz gewöhnen. Am absurdesten finde ich, dass man hier in Uganda Schulgebühren zahlen muss, wenn der Großteil der Bevölkerung diese nicht erfordern kann. Für mich ist Bildung ein Menschenrecht, dass jedem Kind kostenfrei gewährleistet werden sollte. Die meisten Ugander beenden nur die Grundschule, die sieben Jahre lang geht. Nur vier Prozent der Bevölkerung hat die Möglichkeit, die Universität zu besuchen. Wenn ich den Lehrern hier erzähle, dass die Schule in Feutschland kostenlos ist, schauen sie mich immer ganz ungläubig an. Jetzt aber erst einmal genug zu meiner Arbeit.

Vor zwei Wochen war ich wieder in Kampala, wo ich mich mit den anderen Deutschen aus dem Sprachkurs getroffen habe. Zusammen haben wir das Bayimba Festival besucht. Es gab viel Musik, leckeres Essen, coole Kleidung zum Kaufen, eine kleine Modenshow und Comedy und Theater. Wir hatten sehr viel Spaß zusammen. Nur leider wurde die Tasche von Anne geklaut, in welcher ihr Handy, ein wenig Geld und unser Hotelschlüssel waren. Das Hotel hatte nachts leider keine Ersatzschlüssel. Zum Glück hatte noch eine andere Freundin ein Zimmer im gleichen Hotel gemietet. So haben wir dann zu viert in einem Ein-Bett-Zimmer geschlafen 🙂

Aber wie sagt man nicht so schön: Tetupapa mu Africa! Das bedeutet so viel wie, dass man sich in Afrika nicht stresst. Das einzige wo es gerade Stress in Uganda gibt, ist das Parlament. In der ugandischen Verfassung steht festgeschrieben, dass der Präsident nicht älter als 75 Jahre alt sein darf. Der momentane Präsident, Museveni, der bereits seit dreißig Jahren an der Macht ist, ist 73 Jahre alt. Somit darf er eigentlich nicht zur nächsten Wahl 2021 antreten. Gerade wird jedoch eine Verfassungsänderung im Parlament diskutiert, die diese Altersbeschränkung auflösen würde. Museveni behauptet, dass er der Einzige sei, der Uganda regieren könne. Vor allem die ältere Generation unterstützt ihn, da sie Museveni nach Obote und Idi Amin als den Friedensbringer sehen. Der Großteil der Bevölkerung ist jedoch nicht mit der möglichen Verfassungsänderung einverstanden. Deshalb kommt es momentan zu vielen Demonstrationen, auch hier in Mityana. Vor allem am Mittagstisch wird die Politik viel diskutiert. Bis jetzt habe ich nur Menschen kennengelernt, die gegen die Verfassungsänderung sind. Auch verschieden Oberhäupter der Kirche in Uganda haben sich öffentlich gegen die Verfassungsänderung positioniert. Ich werde das Thema auf jeden Fall weiterhin verfolgen und euch auf dem Laufenden halten.

Zeitgleich mit meiner Ankunft in Mityana hat auch die Regenzeit begonnen. Das heißt, dass es jeden Tag mindestens eine Stunde regnet. Dadurch sind viele Straßen zu großen Matschanlagen geworden und das Laufen stellt sich zu einer rutschiegen Angelegenheit heraus. Dafür wird Uganda jetzt noch grüner!

Damit wünsche ich euch allen eine schöne Zeit!

Liebe Grüße aus Mityana

Vreda

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