Piñata und Co.

13. Sep 2017 | von | Kategorie: Lea Feldhaus in Nicaragua

Hallo alle zusammen,

Man muss die Feste feiern, wie sie fallen.

Und in den August fallen hier viele Feste. Vor allem Geburtstage waren in den letzten zwei Wochen so einige. Von einer Feier möchte ich euch erzählen.
Heute (vorletzten Sonntag…) haben wir den Geburtstag einer Cousine gefeiert. Ihre Eltern wohnen in einem Haus ungefähr eine halbe Stunde von hier entfernt. Da sie aber in Juigalpa arbeitet, wohnt sie hier und fährt für das Wochenende aufs Land zu ihren Eltern. Heute haben wir sie da besucht und ihren Geburtstag (nach-) gefeiert. Wir, das sind meine Gastfamilie mit Großeltern,  sechs der acht Kinder mit Familie, und ich. Auch die Brüder Claudias waren da.

Eine gestaltete Geburtstagswand bekommt hier jeder.

Weil nun aber schlecht alle mit dem Taxi hinfahren konnten, war eine andere Transportmöglichkeit gesucht. Und da bietet sich doch ein Lastwagen perfekt an. Jeder hat Platz hinten im Laderaum und man kann auch noch 6 x 3 Liter Coca Cola, Radio, Kühlkisten, Matratze und andere Dinge locker unterbringen, ohne dass es eng wird. Unglaublich. Und es wackelt ganz schön. 🙂

Wie alles hier ist auch der Wagen knallbunt

Nach knapp einer halben Stunde Fahrt sind wir angekommen. Fast jedenfalls. Es fehlt noch ein Fußmarsch durch ein Flüsschen, über eine Wiese, entlang der Berge zur Hütte. Es ist echt malerisch. Und hat mir gut gefallen. Auch wenn ich dankbar bin, dass ich nicht da leben muss. Denn zum Alltag dort gehört es zum Beispiel auch, sich im Fluss zu waschen. Und der ist auf Grund der Regenzeit, von der ich ja schon erzählt habe, extrem schlammig.
Aber das ist eine andere Geschichte und soll wann anders erzählt werden.

Wir sind also nach knapp fünfzehn Minuten Marsch mit all den Sachen aus dem Laster auf dem Rücken endlich angekommen. Dort erwartete uns strahlender Sonnenschein und eine schöne Sitzrunde im Schatten. Auch eine Hängematte war aufgespannt. Und mit kaltem Wasser ließ es sich gut aushalten. Die Kinder spielten im Schatten unglaublicher Kletterbäume. Mir hat es da auch sehr gut gefallen und so hab ich mich dazugesellt. Zu siebt startete wir eine Erkundungstour des Geländes. Dabei stießen wir auch auf den Stall, der Fast leer war. Die Hühner liefe, schließlich frei rum. Nur die kleinen Küken waren drin. Die sind unglaublich weich und so kam schnell die Idee, sie einzufangen. Aber verständlicherweise fanden das die kleinen Hühner nicht so cool wie wir, denn durch alle Kinderhände gereicht zu werden, bedeutete für sie eine ganze Menge Stress. Deshalb flüchteten sie zum einzigen Schutz in der Nähe. Eine Truthenne (jedenfalls glaub ich, dass es eine war…) Unter ihren Flügel konnten sich fast alle verstecken. Und vor allem waren sie da sicher. Das große Tier gilt nämlich als gefährlich. Zwar war es zu dem Moment ruhig, aber das kann sich schnell ändern. Deshalb ist es auch festgebunden, damit es in dem Fall keine großen Verletzungen geben kann. Wer sich zu nah rantraute, kam trotzdem in den „Hackbereich“. Und so hieß es Abstand halten.

Näher ran muss echt sein…

Von etwas Anderem, ganz Wichtigem hab ich aber noch gar nicht erzählt:
Zu jedem Geburtstag gehört eine Piñata!!!!! Das ist im Prinzip eine Figur an einem Strick, gefüllt mit Süßigkeiten und kleinen Münzen. Ihr habt bestimmt schon einmal davon gehört. Auch heute war sie dabei in Form einer pinken Schweines mit rotem Kleid. Irgendwann mittags haben ein paar Erwachsene sie aufgestochen und alles Wichtige hineingetan, denn bisher war nichts drin. Insgesamt fünf (oder sechs?) Tüten Bonbons und Lutscher, sowie Córdoba-Münzen verschwanden im Bauch und Kopf des Pappmaché-Schweins. Nach dem Mittagessen und einem Kaffee ging es dann los: Erst einmal Fotos machen mit allen möglichen Leuten und Geburtstagskind. Und dann wurde ein Stock gesucht. Zur Musik mussten reihum alle draufschlagen. Die anderen feuerten an. Aber bitte immer tanzen! Und wehe, wenn nicht. Es ist schon ein echt lustiger Anblick.

Unsere Piñata in Form eines Schweines

Damit es aber nicht zu einfach wird, steht eine Person am Seil und zieht daran. Dadurch hüpft die Figur auf und ab und es ist schwerer zu treffen. Den Geübten unter den Gästen macht das nichts aus, aber danebengetroffen wird trotzdem schon mal (deshalb gilt für erste Regel: Komme niemals einer piñata zu nahe!)

Ein bisschen mitgenommen. Aber es geht noch weiter:)

Als es dann oft genug geklappt hat, zerbrach das Schwein und alle Süßigkeiten sind herausgefallen.
Und schon ging das Gewusel auf dem Boden los. Wie ein Hummelhaufen. Ihr könnt es euch bestimmt denken. Ich lache bei dem Gedanken daran immer noch 🙂

Doch irgendwann war der Boden wieder sauber, die Taschen gefüllt und auch der Tag neigte sich dem Ende entgegen. Ich sage euch, den Weg zurück bin ich geschlafwandelt, so müde war ich. Dass meine Füße dabei durch den Schlamm des Regens liefen hab ich erst zu Hause registriert. Die Schuhe muss ich morgen wohl mal putzen. Mit dem Laster und weniger Gepäck als auf den Hinweg ging es Richtung Bett. Ihr habt es doch sicher bis zu euch rufen gehört, oder?!

In diesem Sinne meld ich mich zum Schlafen ab und wünsche euch eine gute Nacht.
Passt auf euch auf.
Bis bald
Lea

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