Kein Problem!

27. Aug 2017 | von | Kategorie: Aktion Dreikönigssingen, Freiwillige 2017/2018, Sandra Abrantes Diaz in Nicaragua

Während ihr euren normalen Alltag nachgeht, muss ich feststellen, dass mir hier einige Türen offengestellt wurden. Nach 25 Tagen haben sich hier in Nicaragua einige Probleme gelöst, die ich aus Deutschland mitbrachte. Wie einfach man sie doch bewältigen kann liegt ganz in den Händen der Nicas.

Ich weiß wie oft ich in Deutschland am Bahngleis stand und wieder feststellen musste, dass die Pünktlichkeit der deutschen Bahn mir wirklich den letzten Nerv raubt. Besonders wenn es im Winter kalt war und ich spürte wie die Kälte sich um meine Füße wickelte. Aber hier in Nicaragua ist das kein Problem, weil hier keine Bahnen fahren. Genau, hier fahren nur Taxis und Busse. Zwar gab es hier einmal eine Bahnstrecke, die auch durch Granada fuhr, aber die steht seit einigen Jahren schon still und der ehemalige Bahnhof wird hier nun als technische Hochschule benutzt.

Der Bahnhof von Granada

Ebenso kompliziert war es rechtzeitig den Bus zu erreichen oder ihm noch hinterherzulaufen, damit man ihn noch erreicht. Wie gut, dass hier die Busse nicht an bestimmten Haltestellen halten, sondern man einfach sagt wo man raus möchte und sich so weite Fußwege ersparen kann. Es ist also hier  kein Problem an seinem Ziel auszusteigen, anstatt bis zur Haltestelle zu fahren, um vielleicht sogar die gefahrene Strecke zurücklaufen zu müssen, weil das ZIel vorher lag.

Genauso ist hier auch für Autofahrer die Teilnahme am Straßenverkehr so viel günstiger. Knöllchen für das überqueren einer roten Ampel gibt es nicht, weil keine Ampeln aufgestellt sind. Die Vorfahrt kann man hier auch keinem nehmen, da es keine Verkehrsschilder und auch kein „Rechts-vor-Links“ gibt. Ebenso gibt es keine Richtgeschwindigkeit, man fährt so schnell wie man sicher durch die Straßen kommt und die Motorräder, die von rechts und links überholen, nicht übersieht. So viel einfacher kann es sein Auto zu fahren und das Portmonnaie freut sich auch. Es ist also kein Problem einfach den Menschen die Verkehrsordnung zu überlassen, denn es funktioniert.

 

Spontaner Besuch bei der Polizei

So gelassen ist hier die Mentalität der Nicas – und ich merke schon, dass sie sehr ansteckend ist – , dass auch die Polizei immer eine offene Tür hat. Als wir vergangene Woche mit einer kleinen Gruppe von den Mädchen aus dem Heim zu einer Moden-Show gingen, die vom Behindertenzentrum veranstaltet wurde, erwischte uns auf dem Rückweg ein Regenschauer. Und wer von den Erziehern hatte mit Regenschirmen vorgesorgt? Keiner. Also kamen wir auf dem Heimweg an der Polizeistation vorbei und wurden herzlichst mit Kaffee empfangen. Nein, für die Kleinen war es auch nicht Langweilig, denn für die Polizistin war es kein Problem den Fernseher einzuschalten.

 

Gestern war ein unglaublich spannender Tag, da die Mädchen jeden letzten Freitag im Monat keinen Schulunterricht haben, planten wir verschiedene Aktivitäten im Heim. So ging es morgens mit einem Rollenspiel los, das in Kleingruppen vorgetragen wurde. So hat jede Gruppe einen Wert gezogen (Ehrlichkeit, Respekt, Freundlichkeit,….), den sie dann darstellen musste. Danach gab es noch einen Gesangswettbewerb, bei dem die Mädchen sehr schnell Texte mit einer passenden Melodie komponierten und vorgetragen haben. Zum Abschluss ging es nach dem Mittagessen zu einem Umzug. Anlässlich des internationalen Welttages der Menschen mit Behinderung gingen Menschen durch die Straßen Granadas und wir

Bei dem Umzug zum internationalen Tag der Menschen mit Behinderung ich mit einer Kollegin. Na, wer erkennt mich?

waren auch dabei! Einige Mädchen trugen die Volkstracht (Folklore) und andere nahmen Bilder mit verschiedenen Menschen mit einem Rahmen, den ich gestalten durfte und die Menschen sehr begeisterten (Die Aufschrift Yo y tu en un mismo corazón bedeutet Du und ich in einem selben Herzen). Sogar die Bürgermeisterin nahm sich nicht die Gelegenheit mit einigen Kindern hinter dem Rahmen ablichten zu lassen! Das war einfach kein Problem, dass sie sich unter die Menschen mischte.

 

 

Nach einer sehr ereignisreichen Woche freue ich mich schon auf alle weiteren Festlichekeiten und gesunden Arbeitsstunden. Ja, leider habe ich mich mit einer Bindehautentzündung infiziert. Daher trage ich auch die Maske auf den Bildern…

Mit einem wichtigen Gruß möchte ich mich von diesem Eintrag verabschieden, denn derzeit wird bei mir daheim das größte deutsche Bürgerschützenfest gefeiert. In diesem Sinne grüße ich alle Neusser Bürgerschützen und habe die große Ehre das erstmalig aus Nicaragua zu tun!

 

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