Omumbeja Nassolo

25. Aug 2017 | von | Kategorie: Aktion Dreikönigssingen, Vreda van den Hurk in Uganda

Darf ich mich vorstellen: Mein Name ist Omumbeja (Prinzessin) Nassolo. Ich gehöre ab jetzt dem Mpologoma Clan, dem Löwen Clan an. Vorfahren meines Clans hatten eine sehr enge Beziehung zum Royal Clan, weshalb der Mpologoma Clan und der Royal Clan zu einer Art Familie geworden sind. Jeder Clan in Uganda vergibt bestimmte Namen. Da der Mpologoma und der Royal Clan früher eine so enge Beziehung zueinander hatten, vergeben sie die gleichen Namen. Deshalb heiße ich jetzt wie die Tochter vom König von Buganda. Buganda ist das größte Königreich in Uganda und umfasst die Hauptstadt Kampala und deren Umgebung. In meiner Familie, also meinem Clan, nenne ich alle Mitglieder meine Brüder und Schwestern. In Uganda unterscheidet man nicht zwischen Geschwistern oder Cousins und Cousinen. So sind nun auch die Mitglieder des Royal Clans meine Geschwister und ich darf den „kabaka“, den König von Buganda, meinen Bruder nennen. Nur heiraten darf ich  alle aus meinem und dem Royal Clan nicht.

 

Ich lebe jetzt schon seit zwei Wochen in Uganda, im Königreich Buganda und lerne Luganda. Luganda ist die Sprache, die im Königreich Buganda gesprochen und immerhin von 80% der Ugander verstanden wird. Zusammen mit sieben anderen Deutschen lerne ich jeden Tag von 8.30 bis 15 Uhr in einer Sprachschule in Kampala. Während meiner Zeit in Kampala lebe ich bei meiner Gastfamilie, die mir auch meinen neuen Namen gegeben hat. Ich wohne zusammen mit meinem neunjährigen Gastbruder John, meiner zwanzig Jahre alten Gastschwester Harriet, meiner Gastmama Helen Ssali und der Haushaltshilfe Bruce in einem Haus. Den Garten teilen wir uns mit sechs Hühnern, die mich jeden Morgen gegen fünf Uhr wecken, wenn sie anfangen zu gackern und zu krähen.

 

Am Anfang hatte ich ein wenig mit Heimweh zu kämpfen. Denn als ich in meine Gastfamilie kam, waren nur meine Gastgeschwister und ein Cousin da, die alle ihren Alltag nachgingen. Deshalb fühlte ich mich sehr einsam. Wir schauten den ganzen Tag nur fern und gingen nicht raus. Dabei wollte ich unbedingt meine neue Umgebung kennenlernen! Nach fünf Tagen kam meine Maama (Mama in Luganda) wieder von einer Reise durch Uganda. Ssali arbeitet bei der Makere Universität, der größten Universität in Uganda. Dort ist sie für die Administration verantwortlich. Zusammen mit ihren Kollegen hat sie eine Woche hilfsbedürftige Familien besucht, an dessen Kinder sie Stipendien vergeben. Seit Ssali da ist, geht es mir wieder sehr gut und ich habe mich wirklich eingelebt. Auch meine Gastgeschwister habe ich in mein Herz geschlossen. Mit John spiele ich immer nach der Schule. Entweder tanzen wir (er ist wirklich sehr gut im Ballett!), machen Sport oder malen. Mit Harriet kann man sich sehr gut unterhalten und sie hat mir schon viele Tipps für Kampala gegeben. Sie selber hat letzte Woche an der Makere Universität angefangen zu studieren. Deshalb ist sie leider nur noch am Wochenende bei uns zuhause. Da ich nun auch meinen eigenen Alltag mit meiner Sprachschule habe, ist das aber nicht so schlimm.

Jeden morgen fahre ich mit meiner Maama los. Da wir meistens zu früh sind fahren wir immer zu Ssalis Arbeit und ich helfe ihr ihre Sachen hoch ins Büro zu tragen. Danach laufe ich über den Campus und schließlich zu meiner Sprachschule. Mein Luganda Lehrer, Jackson, ist sehr cool. Er gestikuliert immer viel herum und gestalten den Unterricht sehr lebendig. Deswegen haben wir schon sehr viel gelernt, was wir super in unserem Alltag gebrauchen können. Zum Beispiel spricht meine Haushaltshilfe Bruce kein englisch, sondern nur Luganda. Ich habe mir selber Karteikarten mit den englischen Wörtern und der lugandischen Übersetzung gemacht. Diese gehe ich immer mit Bruce zusammen durch. Sie hilft mir bei der Aussprache in Luganda und ich zeige ihr, wie man die englischen Wörter ausspricht. Vielleicht kann ich ihr in meiner Zeit hier in Kampala ein wenig Englisch beibringen. Ich kann bereits in  Luganda grüßen, mich vorstellen, Sätze und Fragen bilden oder einfach nur „Weebale“, „danke“ sagen.

Es macht sehr Spaß Ugander auf Luganda anzusprechen. Die fangen nämlich immer aus Überraschung an zu lachen. Ich werde auf der Straße „Muzungu“ genannt, was so viel wie „Weiße“ heißt. Am Anfang musste ich mich daran gewöhnen, dass mir ein anderer Status zugeschrieben wird. Ugander erwarten von „Muzungus“ zum Beispiel,  dass sie Geld haben. Deshalb kriegt man in Läden immer den sogenannten „Muzungu-Preis“, also einen erhöhten Preis. Wenn ich von der Schule aus nach Hause fahre, nehme ich einen Taxi-Bus. Der Verkehr in Uganda unterscheidet sich deutlich von dem Verkehr in Deutschland. Hier gibt es keine Ampeln oder Straßennamen, was die Orientierung manchmal sehr schwer macht. Stattdessen fährt hier einfach jeder so wie er will. Die Taxi-Busse sind immer sehr schnell und überholen andere Autos auch gerne mal auf der Gegenfahrbahn. Dadurch stellen sich die Autos oft gegenseitig in den Weg und es kommt zu langen Staus. Zwischen den Autos fahren die „Boda Bodas“. Das sind Motorradtaxis, die wirklich einfach kreuz und quer fahren. Wenn man die Straße überqueren möchte, muss man oft lange warten, bis mal kurz kein Fahrzeug an einem vorbeifährt. Die Straßen in Uganda sind alle sehr staubig, da viele nicht asphaltiert sind und einfach aus Lehm bestehen. Deshalb ist man immer dreckig, wenn man zuhause ankommt. Von meinem Taxi aus muss ich jeden Tag noch fünfzehn Minuten bis zu mir nach Hause laufen. Dabei komme ich an sehr vielen Kindern vorbei, die mir alle „Muzungu“ hinterher rufen. Am Anfang habe ich mich dadurch sehr unwohl gefühlt. Doch jetzt habe ich gelernt, es einfach mit Spaß zu nehmen und zum Beispiel „Muli mutya“ zu antworten, was eine Begrüßung auf Luganda ist. Dann lachen sie sich meistens kaputt, weil sie so überrascht sind, dass ich Luganda spreche. Generell lachen Ugander einen nie aus, weil man vielleicht noch nicht so gut in der Aussprache ist. Sie freuen sich viel zu sehr, dass man ihre Sprache spricht. Deswegen ist auch das Lachen der Kinder immer nett gemeint.

Nachmittags unternehme ich viel mit der Lena, der anderen Freiwilligen vom Kindermissionswerk und missio. Meistens laufen wir einfach nur herum oder gehen in einen Supermarkt. Am Sonntag waren wir beim Baha´i Tempel, den ich bereits in der Woche davor mit meinem Cousin Evan besucht hatte. Die Baha´is sind eine Glaubensgemeinschaft, die alle Religionen miteinander verbindet. Sie ist noch sehr jung, am 22. Oktober wird sie erst 200 Jahre alt. Deshalb ist diese Religion meiner Meinung nach sehr modern. Ihr Hauptziel ist die Gleichstellung aller Menschen auf der Welt. Sie wollen die Bildung für alle gewährleisten und eine universelle Sprache schaffen. Der Baha´i Tempel in Kampala ist der Einzige in ganz Afrika. Und ratet mal wo der einzige Baha´i Tempel in Europa steht? Natürlich in Frankfurt. Es gibt immer wieder Kleinigkeiten, die Deutschland und Uganda verbinden. Zum Beispiel wird auch die Bundesliga hier im öffentlichen Fernsehen übertragen. Deswegen kennt mein Cousin Evan sehr viele deutsche Fußballspieler 🙂

Am letzten Sonntag war ich das erste Mal in der Kirche in Uganda. Der Gottesdienst war auf jeden Fall anders, als die, die ich von Deutschland aus kenne. Er war lauter und länger. Es wird die ganze Zeit geklatscht. „Klatscht für Gott, klatscht für Jesus, klatscht für denjenigen, der gerade gesprochen hat“. Ich fand vor allem die Lieder sehr schön. Alle haben während des Singens geklatscht und getanzt oder die Arme zum Himmel gehoben. Am Ende der Messe mussten sich alle vorstellen, die das erste Mal diese Kirche besucht haben. Natürlich war ich dann auch dran. Der Gottesdienst wurde auf englisch gehalten, weshalb ich mich auf Englisch vorstellte. Jedoch stand meine Maama nach mir noch einmal auf, um allen meinen ugandischen Namen mitzuteilen und zu sagen, dass ich Luganda sprechen kann. Nach der Messe war es dann an mir, alle auf Luganda zu begrüßen und mich noch einmal auf Luganda vorzustellen. Die Sprache ist zum Glück sehr einfach, weshalb es sehr Spaß macht, auf Luganda zu sprechen.

 

In zwei Wochen werde ich den Sprachkurs beendet haben und nach Mityana fahren. Dort werde ich das ganze Jahr über in den Organisationen Hosfa und Cosna arbeiten. Wo genau steht noch nicht fest. Ich darf erst ein mal in alle Bereiche hereinschnuppern und mich dann festlegen. In Mityana werde ich alleine im Gästehaus der Schule leben. Darauf freue ich mich schon ein bisschen, da man dann einfach selbständiger ist. Falls ich mich dort einmal alleine fühlen sollte, lebt meine Mentorin Penelope nicht weit weg von mir. Sie hat mir schon gesagt, dass ich sie jederzeit besuchen kommen kann. Penelope war auch diejenige, die mich mitten in der Nacht vom Flughafen abgeholt und den ersten Tag mit mir in Kampala verbracht hat. Letzten Freitag habe ich sie nochmal hier in Kampala getroffen. Penelope ist eine wunderbar quirlige, freundlich und immer gut gelaunte Person. Ich freue mich schon sehr, dass ich bald noch mehr mit ihr zu tun haben werde. Und natürlich freue ich mich, die Kinder in meinen Projekten kennen zu lernen. Die Kinder in Uganda sind immer so herzlich zu einem.

Jetzt werde ich aber erst einmal meine restliche Zeit in Kampala genießen!

 

Ich werde euch auf dem laufenden halten.

Liebe Grüße an alle in Deutschland und sonst wo auf der Welt
Vreda

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