Und das wars?

18. Jul 2017 | von | Kategorie: Julia Wolf in Peru

Es ist wohl das letzte Mal, dass ich mich aus Peru melde. Ich kann euch sagen, es ist ein unbeschreiblich komisches Gefühl, das mich durch die letzten Tage begleitet. Ich verdränge die Tatsache, dass das wohl beste Jahr meines Lebens in einer Woche zu Ende sein soll. Es gibt so viele Dinge, bei denen ich gerne noch dabei wäre, so viele Gespräche, die eigentlich noch geführt müssen werden, Freundschaften, die darauf warten, vertieft zu werden, Orte, die noch unbekannt sind, Essen, die unprobiert sind. Aber die Zeit rennt mir davon, schon die letzten Monate sind rasend schnell vergangen.

Bevor ich weggeflogen bin, habe ich mir oft ausgemalt, wie es ist zurückzukommen. Vor allem weil das Leben, in einem fernen Land, unter komplett fremden Leuten, mit einer anderen Sprache, völlig unvorstellbar war. Aber inzwischen habe ich hier auch meine Lieben, Freunde, meine Gastfamilie, meine Kolleginnen und Kollegen und vor allem auch die Kinder, die mir richtig ans Herz gewachsen sind. Letztens war eine meiner engsten Kollegin für eine lange Zeit verhindert zur Arbeit zu kommen. Ich habe sie jeden Tag vermisst. Oder wird ein Kind krank und kommt nicht zu MICANTO, fragt man seine Freunde, wie es ihr/ihm geht. Man merkt, dass jemand fehlt. Dieses Leben, diese Menschen auf unbestimmte Zeit zurückzulassen, sich anderen Aufgaben zu widmen, seine Prioritäten anders zu setzen, ist mir heute noch unvorstellbar.

Was ich mir vor einem Jahr noch so gut vorstellen konnte, ist heute weit weg. Ich habe viele Sachen aus Deutschland vergessen, nicht mehr im Kopf, wie das Leben sich dort abspielt. Das hört sich krass an, ich hätte jeden belächelt, der mir vor einem Jahr gesagt hätte, dass ich das mal schreiben werde, aber so ist es gekommen. Ein Jahr ist eine lange Zeit, die so schnell vorbeigeht. Man hat so viele Freunde gefunden, Menschen die man wirklich liebt, mein ganzer Alltag, mein Leben ist hier. Ich fühle mich nicht bereit, das hinter mir zu lassen, mich in einen neuen, sicher auch spannenden Lebensabschnitt zu wagen und mein geliebtes Cajamarca zu verlassen.

Und gleichzeitig wache ich morgens auf und freue mich, meine Schwestern, meinen Eltern und meine Freunde bald wieder in die Arme schlieβen zu können, Aufbackpizza zu essen, nachts drauβen rumzulaufen (ist hier auch nicht wirklich gefährlich, aber meiner Gastmama zu liebe:)), in einer Menschenmenge nicht aufzufallen, Körnerbrötchen zu essen und Auto zu fahren.

Es ist also ein ständiges Auf- und Ab der Gefühle, aber es gelingt mir auch gut, meine nahe Abreise zu verdrängen. Ob das so gut ist, wird sich erst später zeigen.

Aber zum Schluss noch was aufregendes: Ich war in Cusco! Mit zwei anderen Freiwilligen habe ich meine letzten freien Tage genutzt und das heilige Tal mit dem Machu Pichu zu besuchen. Sehr beeindruckend muss ich sagen, jeder der die Möglichkeit hat, das Weltwunder zu besuchen, sollte das auf jeden Fall tun. Auch wenn es von Touristen überlaufen ist und somit auch entsprechend teuer, ist es schöner als Vieles was ich bisher gesehen habe und auf jeden Fall ein Besuch wert.

Ich weiβ nicht, ob ich mich nochmal melde, wenn nicht, dann bedanke ich mich für jeden einzelnen Leser, es war mir eine Ehre, euch ein bisschen mit durch mein Jahr zu nehmen. Und es war besser als ich mir je erträumt habe, ein groβes Stück meines Herzens bleibt hier. Aber ich komme zurück, die einzige Gewissheit, auf die ich mich zurzeit verlassen kann.

 

Danke fürs Lesen, vielleicht bis bald,

 

Julia

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