Helden

30. Jun 2017 | von | Kategorie: Barbara Menke in Uganda, Freiwillige 2016/2017

Liebe Freunde und Verwandte,

 

Kurz vorneweg, ich bin so stolz wie Oskar und strahle vermutlich wie ein Honigkuchenpferd, denn ich komme gerade aus der Grundschule und habe dort ein Mädchen mit Trisomie 21 sowie stark ausgeprägten Lernschwierigkeiten kennengelernt und (gezwungenermaßen) das gesamte Gespräch mit ihr auf Luganda geführt. Dass dies geklappt hat, wird mich jetzt noch den ganzen Tag glücklich machen. 😀

 

Aber darum soll es in diesem Eintrag nicht gehen, sondern um große und kleine Helden, die ich während der letzten Monate in Uganda kennen lernen durfte. Manche von euch haben meinen Blog die letzten Male gerne gemeinsam mit ihren Kindern gelesen. Ich bin mir nicht sicher, ob diesmal alle Beiträge ganz kindgerecht sind, deshalb würde ich alle Eltern unter euch bitten, einfach kurz zu überfliegen, ob das alles auch okay für die Kinder ist, ich wäre ungern der Auslöser für schlechte Träume o.ä. 🙂 Danke euch!

Helden sind für mich Menschen, die über sich selbst hinaus wachsen oder beschließen, ihr Leben ganz für ihr Mitmenschen hinzugeben. Seit meinem letzten Blogeintrag waren schon wieder einmal Schulferien (alle drei Monate, also nach jedem Schulterm bekommen die Kinder ein paar Wochen frei) und die freie Zeit habe ich in einem Waisenheim nahe Nabugabu verbracht und bin dort aus dem Staunen gar nicht mehr heraus gekommen. Ich möchte die Geschichte von zwei Helden mit euch teilen, die durch ihr Handeln noch vielen weiteren Menschen helfen, zu Helden zu werden.

Zwei meiner Freunde, die Brüder Julius und Barnabas, haben vor vier Jahren beschlossen, dass sie nicht mehr in Uganda leben können, zwischen all den Straßenkindern, ohne wenigstens zu versuchen, etwas dagegen zu unternehmen (sie haben meinen größten Respekt dafür). So begonnen sie, abends nach der Schule durch die Straßen Masakas zu laufen, mit den dort lebenden Kindern zu spielen und sich mit ihnen zu unterhalten, ihnen zuzuhören. Manche kamen danach noch so häufig zum Essen bei ihnen zu Hause vorbei, dass die beiden sie bald ganz bei sich aufnahmen. Und auch wenn fünf Jungen so ein neues zu Hause gefunden hatten, sahen sie noch immer all die anderen Kinder draußen auf der Straße schlafen. Sie sammelten privat Spenden von Freunden und

13 der 24 Jungen im besten Anzug vor ihrem neuen Heim

bauten von diesem Geld ein kleines Häuschen auf einem leeren Grundstück, ca. 45 Minuten außerhalb von Masaka Town, in einem Dorf nahe Nabugabu. Ihr Tatendrang und ihre Begeisterung steckten ihre Freunde und viele der damaligen Freiwilligen aus Kanada an und gemeinsam wurden abends sogenannte „Nightwalks“ unternommen, in welchen sie zu den Straßenkindern gingen, durch Spielen und Tanzen ihr Vertrauen gewannen und nicht selten auch Essen mitbrachten. Die Kinder erfuhren das Gefühl von Zuneigung und wurden das erste mal in ihrem Leben als Kinder und nicht als Abschaum wahrgenommen. Bald wurde das kleines Häuschen möbliert und mit dem Nötigsten ausgestattet und sobald die Straßenjungen dazu bereit waren, durften sie einziehen.

Sie lernten, einen geregelten Tagesablauf zu haben, Regeln zu befolgen, freundlich und höflich gegenüber anderen und fair gegenüber einander zu sein. Julius und Barnabas machen beide eine Ausbildung zum Lehrer und konnten ihr Wissen so direkt den mittlerweile 24 Kindern in ihrem Heim weitergeben. Die Jungen wurden so lange zu Hause unterrichtet, bis genug Geld da war, jeden einzelnen in die Schule zu schicken. Obwohl sie selbst noch in Ausbildung sidinvestieren die Brüder fast ihre ganze Zeit und ihr Geld für diese ehemaligen Straßenkinder und sind seit nun mittlerweile vier Jahren Bezugspersonen, Lebenslehrer und ganz besonders eines: wie liebende Eltern. Jeden Abend wird mindesten zwei Stunden lang Fußball gespielt, nicht nur, weil Julius ganz verrückt danach ist, sondern auch, damit die Jungen lernen im Team zu kämpfen, sich auf eine Sache zu konzentrieren und Spaß am Spiel zu haben (alle der Jungen haben mit den sog. „Straßenkämpfen“ aufgehört, bei welchen man um Geld wettet, wer am Stärksten ist). Letzten Monat haben die Brüder ein Fußballturnier in ihrem Dorf organisiert, bei welchem jedes Kind mitmachen konnte, solange es zwischen 12 und 16 Jahren alt war und ein Team zusammenstellte. Zu gewinnen gab es einen Fußball und nagelneue Trickots! Das Ziel war es, alle Kinder des Dorfes dafür zu sensibilisieren, mit jedem Kind zu spielen, ganz egal ob Straßenkind, Waise oder aus einer funktionierenden Familie kommend. Und meines Ermessens nach war das Turnier ein voller Erfolg! Es wurde so viel gelacht, gespielt und lauthals singend angefeuert, dass ich den ganzen Tag nicht mehr aufhören konnte zu grinsen.

Als ich die Jungen das erste Mal kennen lernen durfte, konnte ich nicht glauben, dass diese Kinder von der Straße kommen sollten, ungebildet, ungeliebt und täglicher Gewalt ausgesetzt, denn sie sind die höflichsten, freundlichsten und wohlerzogensten Jungen, mit denen ich bisher in Uganda Zeit verbracht habe, und nebenher sprechen sie auch noch großartiges Englisch.
Ich möchte mit euch die Geschichten von zwei der Kindern teilen (natürlich mit deren Erlaubnis), weil ich selten so tief berührt war und jede für sich eine riesengroße Erfolgsgeschichte ist! 

Ema (links) und Geoffrey (rechts) errichten ihr eigenes kleines Maracuja Feld

Geoffrey ist zehn Jahre alt. Die Brüder holten ihn vor zwei Jahren von der Straße, als er acht war. Die Gang, mit welcher er nachts unterwegs war, behandelte ihn nicht schlecht, da er am niedlichsten aussah und deshalb beim Betteln das meiste Geld einbrachte. Seit er fünf war, hatte er eine schwere Abhängigkeit nach „Spirit“, einem hochprozentigen Alkohol, den man in Uganda in Tüten an der Tanke oder kleinen Straßenläden kaufen kann. Ich habe dies einmal gekostet (natürlich zu Recherchezwecken) und es ist widerlich! Geoffrey hat mir erzählt, dass es ihn hat alles vergessen lassen. Wenn er betrunken war, war ihm warm und er hatte keine Sorgen, alles war egal. Aufgrund des Alkoholkonsums wurde Geoffreys Wachsum gehemmt und er sieht noch heute sehr jung aus, seine neuen Brüder nennen ihn deshalb nur „Babyface“, was allerdings liebkosend und nicht böse gemeint ist. Seinen Staßennamen „police pie“ hat er aufgegeben. Aufgrund des Mangels an Größe ist der Junge innerlich schon sehr schnell „erwachsen“ geworden und behauptet sich unfassbar gerne gegenüber anderen im Ballspielen, Lernen oder Tanzen. Weil er so voll Lebensfreude und Energie ist fiel er mir als erstes auf und ich wollte ihn knuddeln (ich habe ein Knuddel-Problem, was süße Kinder angeht), jedoch stieß er mich weg. Er wollte nicht, dass andere so einen Moment der „Schwäche“ sehen könnten. Ich habe dies verstanden, jedoch nicht so einfach akzeptiert. Alle Kinder sollen wissen, was es heißt, bedingungslos gemocht zu werden und (freundschaftliche) Liebe annehemen zu können. Ich kam häufig zu Besuch, spielte Basketball und Fußball mit ihm, wir spielten „Ninja“ und Tanzten zu meiner unfassbar schlechten Handymusik im Aufenthaltsraum. Einmal spielten wir Fangen, als er über mein Bein stolperte und aus Versehen auf mich fiel. Er blieb einfach liegen und ließ sich von mir knuddeln und das war wohl mein schönster Tag im Waisenheim.

Auch wenn Geoffrey klein ist, ist sein Herz riesengroß. An einem Abend traf ich Julius und er erzählte mir, dass er gerade an diesem Tag einen Umschlag von Geoffreys Schule erhalten hatte, mit einem Brief und Taschengeld (er gibt den Jungen jeden Morgen ein Wenig Geld, damit sie sich in der Pause einen Snack kaufen können) von ca. einem Monat. Der Brief war auf Luganda geschrieben,

Geoffrey

aber Julius hat ihn für mich ins Englsche übersetzt: „Dear Uncle Julius, I am being in school and working hard, but always I remember where you picked me from. I do remember my friends I left in hard conditions, so I have not been taking my breakfast snack and asked the canteen woman to save it for me and she agreed. Today I have picked it and sent it to you. Use it to buy snacks like popcorn or chapatti to the homeless boys on streets during your night walk. Tell them its from police pie.“ (Meine Übersetzung ins Deutsche: Lieber Onkel Julius, ich bin in der Schule und arbeite hart, jedoch erinnere ich mich immer daran, wo du mich hergeholt hast. Ich erinnere mich an meine Freunde, die ich mit harten Bedingungen zurück gelassen habe, deshalb habe ich meinen Frühstückssnack nicht gegessen und die Dame in der Kantine gebeten, das Geld für mich aufzubewahren. Heute habe ich das Geld abgeholt und sende es nun zu dir. Benutze es, um bei deinem nächsten Nightwalk Snacks wie Popcorn oder Chapatti für die obdachlosen Kinder auf der Straße zu kaufen. Sag ihnen, es ist von police pie.“)
Diese kleine Persönlichkeit hat mich vor Freude zu Tränen gerührt.

Dann haben wir da noch Abdul. Er ist jetzt fünfzehn, die Brüder holten ihn von der Straße als er elf war. Abdhu hatte noch eine Familie als er beschloss auszuziehen. Sein Vater handelte mit Drogen und seine Mutter prostituierte sich. Auch er griff gerne mal zu dem ein oder anderen Tütchen Marihuana (hier „Ganja“ genannt), bis dies nicht mehr reichte seine Sinne zu vernebeln und er eine Benzin-Abhängigkeit entwickelte. Er hat mir erzählt, dass es ihn „Ausknoggte“, wenn er lange genug daran schüffelte und ihn dies nachts schlafen ließ. Er hat drei Tattoos, eine Pistole und einen Totenkopf auf dem Oberarm und ein Schwert auf dem Unterarm. Daneben eine Blume, die er sich selbst stach, als er hörte, dass seine Mutter an AIDS gestorben und sein Vater kurz darauf wegen Betrugs im Geschäft ums Leben kam. Julius und Barnabas haben ihm ein neues Zuhause geschenkt, ihm Lesen und Schreiben beigebracht, Englisch und Mathematik. Abdul wollte ein guter Schüler sein. Er wollte lernen und Anerkennung durch Leistung bekommen, nicht mehr durch Stärke. Er wurde so gut, dass er die Aufnahmeprüfung an der besten Schule Masakas bestand. Und nicht nur das: dieses Jahr gewann er den Mathematikwettbewerb der größeren Region Masakas und hat damit nicht nur sich, seine Brüder und neuen Väter so stolz wie Oskar gemacht, sondern auch eine Einladung der Makerere Universität bekommen, um dort in weiteren Wettbewerben die gesamte Region Masakas zu vertreten!

Straßenjungen spielen Karten beim Wochenend-Program

Zudem bieten die Brüder jedes Wochenende das sogenannte “Weekend program” an, Stunden, in welchen sie und die Waisenjungen Zeit mit den noch auf der Staße lebenden Kindern verbringen. Meistens wird Fußball und Karten gespielt, danach gemeinsam gegessen und dabei darf jedes Kind von seiner Woche erzählen. Von Konflikten und Erfolgen. Sie sind eine Familie, teilen ihre Geschichten, ihr Lachen und die Tränen. Manchmal lässt Julius einen seiner Jungen alleine zu den Straßenjungen sprechen, weil er überzeugt davon ist, dass dieser sie noch viel besser verstehen kann. Letzte Woche war es der zwölfjährige Timothy. Ich möchte einen Satz seiner „Rede“ mit euch teilen: „Gebt niemals den guten Teil in euch selbst auf! Er ist es, der uns anders macht. Habt immer Hoffnung.“
Was habe ich in meinen „Ferien“ gelernt? Urteile niemals. Sieht man Julius das erste Mal, mag er wie ein „Muzungu-Hunter“ (einer, der sich lieber mit Weißen abgibt) herüber kommen, jedoch versucht er einfach nur die Kosten für Lebensmittel und medizinische Versorgung und die hohen Gebühren der guten Schulen von 24 Jungen zu sichern und ist dabei selbst noch Studierender und nur wenige Jahre älter als ich. Sieht man die Straßenkinder das erste Mal, schmutzig, ungepflegt, frech, fällt es schwer, das Potenzial zu dem besten Schüler der Stadt in ihnen zu sehen. Aber es ist da. Es braucht Liebe und Pflege und Zeit, aber der Wille ist in jedem einzelnen von ihnen!

Die drei Jungs haben mir die Haare geflochten 😀

Aber genug meiner Ferienarbeit, was ich danach erleben durfte, ist nämlich auch ziemlich cool. Mein Mitfreiwilliger Thomas (manch einer mag sich aus meinen ersten Blogeinträgen an ihn erinnern, wir wohnten während des Luganda-Sprachkurses gemeinsam in Kampala) und ich, haben für drei Wochen die Projekte getauscht. Er zog also nach Masaka und verbrachte viel Zeit in dem Kindergarten und den Schulen, während ich in seinem Haus (wirklich, ein ganzes Haus, es war großartig) in Mityana wohnte und seine Tätigkeiten im Krankenhaus und der Schule übernahm.

Mityana ist ein hübsches kleines Städchen, bestehend aus einer Straße (Masaka hat immerhin drei), und mit regem Matatu- und Bodaverkehr. Die zu fahrenden Strecken sind so überschaubar, dass jede Fahrt „Lukumi“ (1000 Schilling = 25 Cent) kostet und es ist wirklich unfassbar entspannt, einfach losfahren zu können, ohne stundenlang einen Preis aushandeln zu müssen. Auf dem großen Obst- und Gemüsemarkt in Mityanas Zentrum findet sich alles, was es zur Selbstversorgung bedarf und was es nicht gibt, kann man notfalls an der Tankstelle kaufen, dem einzigen „Supermarkt“ der Stadt.

Die ersten beiden Wochen hatte ich die Möglichkeit meinen Erfahrungshorizont noch etwas zu erweitern und im St. Francis

Barbara passt auf den kleinen Leonard Pius auf, während seine Mutter in der Behandlung ist

Community Health Centre zu arbeiten, einem der vom Kindermissionswerk gesponserten Projekte in Uganda und es war großartig und schwer für mich zugleich. Ich begann in der „Dental Section“, dem Zahnarzt, und auch wenn es unglaubwürdig klingen mag, diese Abteilung war am Schwersten für mich zu durchstehen. Täglich kamen Menschen mit ansich kleinen Beschwerden, die jedoch aufgrund fehlenden Geldes nicht behandelt werden konnten. Hatte jemand Karies, wurde der betroffene Zahn und die beiden daneben liegenden einfach herausgezogen und Mädchen in meinem Alter hatten von da an ein entstelltes Lächeln. An einem Morgen kam eine junge Mutter mit ihrem (schätzungsweise) drei oder vier Jahre alten Sohn in die Klinik. Der Kleine hatte einen geschwollenen Kiefer und weinte vor Schmerzen, durch tagelangen Nahrungsmangel vollkommen abgemagert. Der Zahnarzt diagnostizierte einen Tumor, ob gut- oder bösartig sollte anhand einer Biopsie festgestellt werden. Das weitere Verfahren wären eine Strahlentherapie (bösartig) oder das einfache Entfernen des Tumors (gutartig) gewesen. Die Mutter konnte sich nicht einmal die Biopsie leisten und fragte den Arzt unter Tränen, ob sie also nicht einmal erführe, woran ihr Sohn nun sterben würde. Er bejahte und musste sie fort schicken. Meine Entsetzung könnt ihr euch mit Sicherheit vorstellen, und dies war kein Einzelfall. Ich möchte nicht sagen, dass ich mit der Zeit abgestumpft bin, aber mein Empfinden für manche Realitäten auf dieser Welt ist auf jeden Fall noch einmal auf eine ganze andere Art und Weise sensibilisiert worden. Für mich sind alle diese Personen, und dabei ganz besonders die Ärzte, Schwestern und Helfer, riesengroße Helden, da sie jeden Morgen aufstehen und ihren wichtigen Dienst für die Mitmenschen leisten!

Schon bald schnupperte ich also lieber einmal bei der Apotheke, der Geburtshilfe, dem Labor und den Allgemeinärzten vorbei.

Im Labor 🙂

Hängen blieb ich in der „Chronic Care“, der Abteilung, in welcher man sich vor allem mit HIV infizierten und von AIDS betroffenen Patienten beschäftigt (aber auch weitere chronische Krankheiten we Diabetes o.ä. werden langfristig behandelt). Ein besonderes Augenmerk wird hier auf die Schwangeren und junge Mütter gelegt und auch wenn es ein für die Psyche schweres Thema ist, sich viel damit auseinander zu setzten, konnte ich hier mit einem beruhigteren Gewissen arbeiten, da die Kosten für die meisten Behandlungen vom Kindermissionswerk übernommen werden und ich nicht ständig das Bedürfnis hatte, jedes Medikament für eine Besserung bezahlen zu wollen. Manche der Patienten wollten (verständlicherweise) keine Fremden bei ihren Gesprächen mit dabei haben, besonders, wenn es sehr emotional wurde, und so hatte ich viel Zeit mich durch die Büroordner zu wühlen, sie mit Hilfe der Akten auf den neuesten Stand zu bringen und in eine Ordnung zu bringen. Tatsächlich hat mir das ziemlich viel Spaß gebracht und ich hatte die Möglichkeit mich mit all den Mitarbeitern zu unterhalten, auszutauschen und von ihnen zu lernen.

Aus der Kategorie: sieht nicht super aus, schmeckt aber so 😀

Danach hatte ich noch eine Woche in dem St. Theresa Vocational Training Centre, einer Berufsschule für junge Menschen in meinem Alter, die dort das Handwerk des Bäckers, Kochs, Schneiners, Ingenieurs, Schneiders oder Mechanikers erlernen können (das war jetzt nicht genderkonform geschrieben, entschuldigt bitte). Die meiste Zeit verbrachte ich in der Küche, wo wir großartige Marmorkuchen und Bananenbrote bucken. Das deutsche Rührkuchen Rezept für den Marmorkuchen wurde sogar in den Lehrplan aufgenommen, ein voller Erfolg also. 😀 Alle waren unfassabar freundlich, aufgeschlossen und haben mir die Zeit in der Schule so mit ihren großen Herzen ganz wunderbar gestaltet.

Meine freie Zeit konnte ich Aerobics und Yoga widmen (manch einer wird sagen, was für ein Klischee ich doch geworden sei), wo ich einige großartige Menschen kennen lernen durfte. Einheimische, wie Besucher und andere Freiwillige. Mir ist aufgefallen, dass man, ganz besonders in dem kleinen Mityana, häufig die einzige weiße Person ist und wenn doch mal ein Weißer auftaucht, habe ich das Gefühl, ihn genauso anzustarren wie die Einheimischen. Allerdings kommt man durch das Angestarre meist auch relativ schnell in Kontakt und so durfte ich in diesen drei Wochen sehr sehr interessante Menschen aus Bristol, Oxford, den USA und tatsächlich sogar Berlin kennenlernen.
Ich denke das faszinierendste am Reisen sind für mich die Menschen, denen man unterwegs begegnet. Dies mag an meinem unbezwingbaren Drang zur Kommunkikation liegen oder daran, dass unsere Persönlichkeit durch den Austausch mit unseren Mitmenschen, anderen Meinungen und Anschauungen wächst und sich weiter entwickelt. An jedem Ort denken Menschen anders, handeln so verschieden und gehen auf eine Art und Weise mit Situationen um, die mir so bisher ganz fremd waren, aber wie großartig ist es, all diese Erlebnisse und Begegnungen in seinen Erfahrungsschatz aufzunehmen?

Teresa und Barbara vor einem der Kraterseen in Fort Portal im April 2017

In Anlehnung daran, habe ich schon seit einer ganzen Weile vor, einen Reisebericht als Rundmail zu schreiben, jedoch fehlt mir dazu fast ein Wenig die Zeit. Durch lauter glückliche Umstände konnte ich bisher nämlich nicht nur durch Uganda selbst reisen, sondern hatte auch die Möglichkeit, einmal quer durch Kenia und Rwanda zu kommen –zwei wunderschöne Länder! Aktuell stressen mich jedoch noch die Bewerbungsfristen, Motivationsschreiben und all die Dinge für die Unis, die zwar sein müssen, welche ich jedoch lieber schon längst hinter mir hätte. Aber es ist Besserung in Sicht: Schon nächste Woche wird mich meine gute Freundin Jessica aus Freiburg besuchen kommen und den Rest des Freiwilligendienstes mit mir in Uganda verbringen. Ich könnte aufgeregter und vorfreudiger nicht sein und fiebere auf den Juli daher mehr hin, als ich eigentlich dachte, denn am Ende des Monats werde ich ja schon zurück in Deutschland sein. Kaum zu glauben! Und noch eine großartige Nachricht: meine Katze Lilli ist hochträchtig und wird bald Junge bekommen. Sobald es so weit ist, werde ich das Haus, außer zum Unterrichten, vermutlich nicht mehr verlassen. 😀

Ich wünsche euch allen von Herzen einen wunderschönen Sommer und hoffentlich ganz viel Zeit im Freibad,
eure Barbara

 

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