An einem Ort den nicht einmal Google kennt…

16. Mai 2017 | von | Kategorie: Aktion Dreikönigssingen, Freiwillige 2016/2017, Lea Mirlach in Nicaragua

Weißer Sandstrand, kristallklares Wasser, schönes Hotel, gutes Essen.

Für viele mag so das Paradies auf Erden aussehen- doch in diesem Blogeintrag möchte ich euch von einem ganz anderen kleinen Paradies berichten, das ich in den Ostertagen kennenlernen durfte. (Ich weiß ist auch schon eine Weile her- aber besser spät als nie ;))

Los ging es an einem Mittwochmorgen mit gepacktem Rucksack auf dem Rücken und Wanderschuhen an den Füßen. Wohin? Das wussten wir in diesem Moment auch nicht genau und was uns erwarten wurde erst recht nicht, aber wir gehen es nicaraguanisch an: mit Spontanität und Geduld. Das, was wir wussten war: Es geht in  die Berge Nicaraguas in die Region Chontales um dort eine Bauerngemeinde während der Ostertage zu begleiten. Und so kam es, dass ein nicaraguanisches Lehrerpaar, 5 Schülerinnen und 2 deutsche Freiwillige, 5 Säcke gespendeter Kleidung und 4 Säcke gespendeter Lebensmittel sich in einem alten Schulbus auf den Weg machten. Es wurden noch weitere Jugendliche, Schwestern und Säcke eingesammelt bis wir nach stundenlanger Busfahrt in Juigalpa, der größten Stadt der Region Chontales ankamen. Nach weiterer Wartezeit (Stichpunkt Geduld) wurden wir dann auf verschiedene Pickups geladen, die jeweils in verschiedene Bergdörfer fahren sollten.

Auf der Pickup Ladeflache sitztend mit erfrischendem Wind im Gesicht und beeindruckender Aussicht auf eine sich stetig veränderndere Landschaft, ging es so tiefer in die Berge. Alles wurde grüner und kühler und das erste Mal seit langer Zeit hatte ich wieder den Geruch von feuchtem Grass in der Nase und das angenehme Gefühl nicht schwitzen zu mussen. Irgendwann hielten wir dann an einer kleinen aus Holz gebauten Kapelle und wurden begrüßt. Zu Fuß machten wir uns dann weiter auf dem Weg zu einem Haus, dass für diese Tage unsere Schlafgelegenheit sein sollte. Kurzerhand wurde es mit weiteren Tijeras (im Prinzip ein Holzgestell, auf das eine Plane gespannt wird) und einem improvisiertem Bett ausgestattet. Zum Abendessen wurden wir zu einer sehr herzlichen Familie nach Hause eingeladen. Und so saßen wir dann gemütlich bei Kerzenschein/im Dunklen (die meisten Häuser haben keinen Strom) an einem Holztisch bei Reis und Bohnen und cosas del horno (Gebäckstücken). Auch die folgenden Tage wurden wir von verschiedenen Familien zum Essen eingeladen und uns wurde liebevoll alles was möglich war aufgetischt. Es ist wahrnsinnig beeindruckend, wie viel uns die Menschen geschenkt und gegeben haben, obwohl sie sehr einfach und oft nur mit dem aller Nötigsten leben.

Unser Haus für die Ostertage

 

Die Nacht war extrem kalt und die Meldung am morgen, dass im Fluss geduscht wird nicht sonderlich verlockend. Doch alles war halb so wild und ich muss sagen es hatte wirklich etwas in der Natur an einem Bach zu stehen und sich zu waschen. Am ersten Tag haben wir dann verschiedene Familie , die sehr verstreut und teilweise weit auseinander leben, besucht um sie zu den verschiedenen Versanstaltungen und Messen einzuladen. Und wieder wurden wir sehr herzlich begrüsst und mit Pinol (ein typisches Getränk in Nicaragua), Cafe, oder Gebäck versorgt. Am Nachmittag fand dann die erste Messe statt und wir haben anschließend mit den Kindern gemalt und gespielt.

Der nächste Tag, der Freitag, der 14.04., war auf zwei Weisen besonders für mich. Zum einen war es der Karfreitag und zum anderen mein erster Geburtstag an einem Ort, den ich kaum kannte, und mit Menschen, die ich auch erst seit kurzem kannte. Trotzdem hat es sich überhaupt nicht so angefühlt, sondern war ein sehr schöner und emotionaler Tag. Zuerst begingen wir den Kreuzweg und trafen uns danach in der Kapelle zu einer sehr rührende und emotionalen Wortgottesdienst. Am Abend wurden dann die Essenspackete gepackt und währenddessen bei Cafe und cosas del orno  Geburtstagsliedern für mich gesungen, worüber ich mich sehr gefreut habe.

Am Samstag veranstalteten wir den ganzen Tag Programm mit der Gemeinde: Fangenspielen, Gesichter bemalen, Piñata, Bilder ausmalen, die gespendete Kleidung verteilen und am Abend fand dann der Höhepunkt der Ostertage statt: die Vigilia. Angefangen mit Osterfeuer, dann Gottesdienst mit Gesang und Kerzen und einer der besten Predigten, die ich bin jetzt gehöht habe- von einem einfachen Bauern mit  riesigen Herz. Und so kam es, dass ich an einem Ort den nicht einmal Google kennt, in einer Kapelle mit  unglaublich großzügigen Menschen und mit  fröhlichem Gesang ung Jubelrufen Ostern gefeiert habe.

Beim Kleider sortieren…

Mehr Pferde als Autos auf dem „Kirchenparkplatz“

Dass uns der Abschied am nächsten Morgen sehr schwer gefallen ist,  brauche ich glaub ich gar nicht zu erzählen. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie schnell man Menschen in sein Herz schießen kann, wie tief der Glaube der Menschen dort ist und wie unglaublich viel ich aus diesen paar Tagen mitnehmen werde! Ich glaube diese Tage waren einer der außergewöhnlichsten , die ich bis jetzt hier in Nicaragua erlebt habe und ich werde mich immer gerne an sie zurückerinnern!

 

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