66% Nica

7. Apr 2017 | von | Kategorie: Aktion Dreikönigssingen, Freiwillige 2016/2017, Lea Mirlach in Nicaragua

5.8.16. An einem schwülen Augustabend setze ich das erste Mal Fuß auf nicaraguanischen Boden- ohne Vorstellungen davon, wie mein Leben dort aussehen würde und ohne jemanden dort zu kennen.

5.4.17. Genau 8 Monate danach kann ich mir kaum vorstellen, wie mein Leben anders aussehen könnte als es jetzt ist und ich habe sehr liebenswerte Menschen kennengelernt, die jetzt wie selbstverständlich Teil meines Alltags und meines Lebens sind.

Und was dazwischen passiert ist?

So viel, dass ich es selber manchmal nicht realisieren kann. Denn ohne dass ich es bemerkt habe fing die Zeit ab diesen Moment, in dem ich aus dem Flugzeug ausgestiegen bin, an zu rennen. August, September, Oktober , November und schon war Weihnachten und Silvester, doch die Zeit rannte nur noch schneller und so zogen Januar, Februar und März wie im Flug vorbei. Und hier stehe ich nun: 3/4 dieses Jahres hinter mir und höchste Zeit auf meine letzten Monate hier zurück zublicken. Dale! (Los gehts!)

 

November- Monat der Feste

Im November haben sich die Ereignisse nur so überschlagen und ein Fest das nächste lückenlos abgelöst. Es war ein Monat mit sehr viel Arbeit und wenig Freizeit aber auch ein Monat mit viel Freude und unzählichen neuen Eindrücken. Den Anfang machte das legendäre Bingofest im Heim Madre Albertina- und ja, man kann tatsächlich 9 Stunden am Stück Bingo spielen und ja, es passen sehr viel mehr Menschen ins Heim als man denkt. Danach folgte das Cristo Rey Fest. Ein Tag mit Gottesdienst, Festessen, Tanz und festlicher Kleider und ebenso festliche Stimmung.

Zwischendrin fanden auch noch die Wahlen hier in Nicaragua statt- ein wirklich interessantes Erlebnis für mich und die Zeit sich selbst mehr mit der Geschichte und der Politik Nicaraguas zu befassen.

Am 28. November begann das religiöse Fest in Granada in der Kathedrale. Die Marienstatue wurde von ihrem Platz in der Kathedrale zu den Menschen heruntergeholt. Der Gottesdienst selbst hat mich ehr an ein Konzert oder Prominentenauftritt erinnert.  Alle standen kreischend und applaudierend mit Handy in der Hand in der Kirche um die Marienstatue zu sehen und ein Bild zu schießen- auch die Pfarrer nicht ausgeschlossen. In den folgenden 9 Tagen erlebte ich dann eine ganz andere Art Maria zu ehren: die Purisima. Ab diesen Tag wurde jeden Tag im Heim die Purisima gefeiert. Das bedeutet, dass jeden Tag vor einer mit Lichterketten beschmückten Marienstatue ein Rosenkranz gebetet und gesungen wurde. Am Ende wurden nach  verschiedenen Jubelrufe noch Süßes oder Leckereien verteilt . In dieser Zeit war ganz Granada im Außnahmezustand.

Cristo Rey Fest- ein Tag mit Gottesdienst, Festessen (für das das Heimschwein Dari sein Leben lassen musste) Tanz und festlicher Stimmung

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bingo, Bingo, Bingo

 

 

 

 

 

 

 

 

Dezember- Monat der Besinnung?

Der Höhepunkt der religiösen Festlichkeiten ist die Griteria. Gemeinsam mit dem Heim waren wir mit dem Bus in den Städten Masaya und Managua unterwegs um in verschiedene Häuser zu gehen, ihre Marienstatuenaltare zu bestaunen, Lieder zu singen und dann mit Geschenken beladen weiter zu ziehen. So etwas wie an diesem Abend habe ich noch nie erlebt und die fröhlichen Gesänge und Rufe werden mir noch lange im Gedächnis bleiben!

Eine ganz andere und besondere Art Maria zu ehren- die Purisima!

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Advents- und Weihnachtszeit ist fast unbemerkt vorbeigeschlichen und, um zu mindest etwas Stimmung und Vorfreude für Weihnachten aufzubringen, habe ich für die Familie einen selbstgemachten Adventskalender aufgehängt- was erstmal erklärt werden musste. An Weihnachten selbst und mit meiner Vorstellung einer besinnlichen Heiligabend wurde ich komplett überrascht: Statt einem ruhigen Abend vor dem Weihnachtsbaum wurde nach dem Familienessen laute Partymusik gespielt, Salsa getanzt und um Mitternacht geböllert und erst dann Frohe Weihnachten gewünscht. Bis in die frühen Morgenstunden wurde dann mit einer Salsaparty bei Freunden weitergefeiert.

Geschenke gibt es hier in den meisten Familien nicht- vor allem aus finanziellen Gründen. Und ich muss sagen, dass es darauf nicht ankommt, auch wenn man sich natürlich über kleine Geschenke freut. Was viel wichtiger ist, damit sich ein Weihnachtsfest nach Weihnachten anfühlt, ist ein gemeinsames Essen und Zeit mit der (Gast-)Familie. Trotzdem hat mich einige Zeit der Gedanke beschäftigt, dass viele Kinder hier weder an Geburtstagen noch an Weihnachten Geschenke bekommen- ist dies doch in unserer Kindheit immer ein Highlight und nicht wegzudenken gewesen.

 

Weihnachtsfeier im Heim- wer findet die „Weiße“? 😉

Mit Weihnachten kamen dann auch meine langersehnten Ferien und somit die Gelegenheit auch andere Facetten Nicaraguas kennenzulernen.

Über Silvester machten wir uns auf ans Meer nach El Transito. Ich glaube, ich habe bis jetzt an keinem Ort so stark die Unterschiede zwischen Reichtum und Armut so deutlich zu sehen bekommen. Die erste Häuserreihe mit Meerblick- Villen von Kanadiern und Amerikanern und direkt daneben Blechhütten ohne fließendes Wasser und mit offenen Feuerstellen. Wir wurden zufällig von Kanadiern eingeladen ihre Villa zu besichtigen und in diesem Moment ist mir bewusst geworden, wie viel ich von hier mit nach Hause nehmen werde. Keine 10 Meter weiter leben die Menschen in selbstgebauten Hütten, ein Bett wird mit der ganzen Familie geteilt, es gibt meistens kein fließendes oder gar sauberes Wasser…

Das alles bringt einem zum Nachdenken und auf die Frage, die wir uns alle einmal stellen: Was brauchen wir wirklich? Was ist das was uns glücklich macht? Und wie gehen wir mit diesen enormen Unterschieden und Armut um, die es auf der Welt gibt?

 

Januar- neue Facetten Nicaraguas und ein neues Jahr im Heim beginnt

Auf dem aktiven Vulkan Telica: Unter dem Sternenhimmel an der Kraterkante entlang laufen und in die Lava zu schauen- einfach unbeschreiblich!

Kayakfahren auf dem Rio San Juan

 

 

Auf einer Farm beim Schokolade machen.. Wer kann mir sagen, wie es geht?

Blick über den Rio San Juan und dem Dschungel im Indio Maiz

Anfang des Jahres konnte ich eine neue Seite Nicaraguas kennenlernen: den Rio San Juan. Was mich vor allem überrascht hat ist zu sehen, wie sehr es die Menschen freut, wenn man versucht auf ihrer Landessprache mit ihnen zu sprechen und interessiert an ihrem Land ist.

Und auch ein neues Jahr im Heim hat begonnen. Die Mädchen sind aus ihren Ferien ins Heim zurückgekehrt und  auch einige neue Gesichter waren dabei. Ein paar Mädchen sind jedoch auch nicht zurückgekommen und ich habe wieder einmal gemerkt wie sehr mir jedes Mädchen ans Herz gewachsen ist.

IMG_20170120_113253.jpg wird angezeigt.

Neuer Anstrich: Ich kann mit Stolz sagen, dass jetzt ein  frisch gemaltes Sternsinger-Kindermissionswerk-Logo den Salon ziert.

 

Februar- Arbeit und Zwischenseminar

Und schon stand ich wieder komplett in meinem Alltag… eine Sache, die glaube ich viele oft vergessen. Auch wenn wir Freiwilligen in einem weit entfernten Land leben und die Chance haben viel Neues kennenlernen und auch etwas reisen können, sellt sich trotzdem ein Alltag ein. Ein Alltag, in dem man morgens aufsteht, zur Einsatzstelle geht, abends müde von der Arbeit  mit den Kinder und der Hitze zurückkommt… Nicht, dass es nicht schön und auch aufregend ist,  doch so ein Freiwilligendienst ist mehr als ein Jahr Action, Abenteuer und Reisen.

März- Besuch in Juigalpa

Im März war es soweit: Ich hatte die Möglichkeit meine Mitfreiwillige Mafalda in ihrem Zuhause und in ihrem Projekt in Juigalpa zu besuchen!

 

Hier und Jetzt

Morgen ist der letzte Tag vor den Osterferien und damit steht wieder eine ganz neue Erfahrung für mich an: Die Semana Santa in Nicaragua!

Und da auch diese Zeit  wieder schnell vergehen wird, heißt es jeden Moment zu genießen! 🙂

Auf die nächsten 33 %!

 

 

 

 

 

 

 

 

Tags: , ,

Kommentieren