WOCC-Ein Waisenhaus?

21. Feb 2017 | von | Kategorie: Freiwillige 2016/2017, Sophia Koch in Kambodscha

Ball spielen im Regen

Was ist Wat Opot Children‘s Community eigentlich für ein Projekt? Ist es ein Kinderheim, ist es ein Waisenhaus? Welche Rolle spielt HIV/ AIDS im Projekt?
WOCC ist in erster Linie ein Zuhause für Kinder. Ursprünglich wurde es als Hospiz für Menschen gegründet, die an AIDS starben. Heute sind Medizin, Untersuchungen und Behandlungen für HIV positive Patienten in ganz Kambodscha kostenlos und das Hospiz in der Form überflüssig geworden.
Das Projekt beherbergt nun 49 Kinder, die aus den unterschiedlichsten Gründen dort sind. Die meisten von ihnen haben Familie. Entfernte Verwandte, Geschwister, Vater, Mutter. Und jedes Kind hat seine eigene auf ihre Weise traurige Geschichte. Zu diesem Zeitpunkt sind mir nur ein Mädchen und ein Junge bekannt von denen bisher keine Angehörigen gefunden wurden, die also Vollwaisen sind. Andere Gründe auf dem Projekt zu leben sind beispielsweise Eltern, die den ganzen Tag arbeiten müssen, Schulbildung, medizinische Versorgung, Diskriminierung oder einfach ein Zuhause, was nicht kindgerecht ist.
Ich möchte an dieser Stelle die Geschichte eines kleinen Jungen mit euch teilen, der Ende November 2016 ein neues Mitglied der Gemeinschaft von WOCC geworden ist. Mir ist seine Geschichte sehr nahe gegangen, einerseits, weil ich begleitend dabei war als wir ihn von seinem zuhause abgeholt haben (einen Hausbesuch gemacht und die familiäre Lage ermittelt haben) und andererseits, weil sein Geschichte exemplarisch ist für Situationen, in denen das ursprüngliche zuhause kein Ort für ein Kind ist.
Sein Name ist Samuel (Name geändert). Samuel ist ein dreijähriger Junge aus der Provinz Takeo in Kambodscha. Ein Jahr nach seiner Geburt starb seine Mutter an AIDS. Sein Vater ist HIV positiv und nicht mehr im Besitz seiner vollen Geistesskräfte. Als ich ihm begegnete schien er sehr zurückgezogen und in seiner eigenen Welt gefangen zu sein. Samuels Oma ist 85 Jahre alt, was die durchschnittliche Lebenserwartung eines Kambodschaners weit übertrifft. Sie ist blind. Tagsüber ist sie diejenige, die sich um Samuel kümmert. Um ihn in Sicherheit zu wissen, insbesondere während der Regenzeit, wo das Wasser hochsteht und Kinder ertrinken können, band sie Samuel ans Bett, auf dem sie die meiste Zeit des Tages sitzt. Die Familie ist auch sehr arm, hat sich das Geld für ihre Hütte nur geliehen. Das Grundstück ist extrem klein und Samuel hatte kaum Spielzeuge und Spielraum.
Der Umgang der Oma mit Samuel schien mir trotzdem sehr liebevoll und ich denke auch, dass er seinem Vater sehr wichtig ist und das beide sich bemüht haben den jungen so gut zu unterstützen, wie es ihnen in ihrer geistigen und körperlichen Verfassung möglich war.
Auf dem Projekt liebt Samuel es umher zu rennen und Ball zu spielen, hat ein großes Faible für Autos und wie mir scheint auch Kühe. Er ist ein sehr aufgewecktes Kind und steckt voller Lebensfreude. Er hat nun die Möglichkeit kindgerecht aufzuwachsen mit viel Raum für Bewegung und verschiedensten Aktivitäten und Angeboten.
Zusätzlich leidet er auch an Epilepsie, die vor und während Infekten, häufig bei ihm auftritt. Er kippt dann einfach um und fängt an sich am ganzen Körper zu verkrampfen und gleichzeitig unkontrolliert zu zittern. So ein Anfall dauert meist nicht länger als eine Minute und das einzige, was man als Danebenstehender tun kann ist darauf zu achten, dass er sich nicht selbst verletzt, besonders nicht den Kopf. Nach so einem Anfall ist er dann kreidebleich kommt wieder zu sich, fängt an zu weinen und schläft dann schnell, erschöpft von allem was sein Körper gerade durchgemacht hat, ein.
Im Normalfall ist ein zuhause mit liebenden Eltern, der beste platz für ein heranwachsendes Kind. Und ich wünsche jedem Kind dass es so ein liebendes Elternhaus hat. Es kann aber auch Situationen geben, wie soeben beschrieben, in denen das Elternhaus nicht der ideale Platz für ein Kind ist. In diesem Fall kann ich sagen, dass WOCC das beste neue Zuhause ist, was Samuel und viele andere Kinder haben können. Davon bin ich nach 6 Monaten auf dem Projekt voll und ganz überzeugt. Denn das ist genau, was WOCC ist:
Ein Zuhause für Kinder!

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